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Individualität ist, was von der Norm abweicht - Via Denta

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dd T E C H N I K
Individuelle Frontzahnversorgung mit der Presstechnik
Individualität ist,
was von der
Norm abweicht
Ein Beitrag von Mark Bultmann, Jever/Deutschland
Mit der Presstechnik lassen sich für Einzelkronen effizient und rationell Käppchen herstellen, die man für den jeweiligen Patienten ganz individuell gestalten kann. Mark
Bultmann zeichnete bei diesem Patientenfall auf, wie unproblematisch das Arbeiten mit
Presskronen ist und – wie es mit einer durchdachten Gestaltung der Frontzähne möglich
war von einer problematischen zu einer sehr ästhetischen Gingivasituation zu kommen.
Indizes: Bleaching, Presskeramik, Wachsdraht, Wechselschichtung
Vorgeschichte
Die 32-jährige Patientin kam auf Empfehlung einer
Bekannten zu uns in die Praxis (Abb. 1 bis 3). Ihr ehemaliger Behandler hatte Ihre Zähne im ersten Quadranten schon für eine spätere keramische Versorgung vorpräpariert. Danach wurden die Kavitäten
verschlossen. Das „Provisorium“ war verblockt, so
dass eine interdentale Reinigung nicht möglich war.
Die Frontzähne und die halbverlagerten und retendierten Weisheitszähne wurden dabei ganz außer
Acht gelassen. Die Lachlinie der Patientin verläuft
hoch.
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2 dental dialogue 6. JAHRGANG 2005 ©
Abb. 1 Patientin ist mit der Ästhetik nicht zufrieden. Sie besitzt ein Eiscafe
und hat daher immer mit Menschen zutun. Sie lacht sehr gerne. Dadurch
werden die Kronen in der Front noch mehr in den Vordergrund gehoben,
da dabei ein Drittel des Zahnfleisches sichtbar wird. Die Form und Farbe
der Frontzähne sind unglücklich gewählt.
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Abb. 2 und 3
Insuffiziente Füllungen: Eine „Vorbehandlung vom
Vorbehandler“ für
eine keramische
Versorgung. Im
ersten Quadranten
wurde die Patientin
mit einem verblockten Provisorium versehen. Dadurch
fehlte die Reinigungsmöglichkeit.
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Abb. 4 Röntgenbild:Nach einer eingehenden Befunderhebung
mit Panoramaröntgenaufnahme wurde in einem Beratungsgespräch das Vertrauen in unser Praxisteam gestärkt und
die weitere Behandlung besprochen.
Abb. 5 Situ nach Abnahme der Kronen …
Abb. 6 … und nach Entfernung der Metallstifte und Karies am
Eckzahn
Abb. 8
Wir nehmen zur
Kontrolle immer
zwei Abformungen
also zwei individuelle Löffel
Abb. 7 Situation nach Einsetzen der keramischen Stifte und der
Präparation
Nach der Befundaufnahme kam die Patientin zur
eingehenden Besprechung (Abb. 4). Es musste wieder Vertrauen aufgebaut werden, da sich über die
Vorbehandlungen ein wenig Misstrauen an den Erfolg der anstehenden Behandlungsschritte breit gemacht hatte. Wir nehmen uns für diese intensiven
Situationsbesprechungen mit den weiteren Behandlungsschritten für die Patientin mindestens eine
Stunde Zeit.
Der Behandlungsplan wurde, wie folgt festgelegt:
❑ Entfernen der insuffizienten Füllungen: Sie werden durch dentinadhäsive Rekonstruktionen ersetzt.
❑ Entfernen der Weisheitszähne
❑ In der Front werden die Kronen entfernt und die
Metallstifte gegen keramische Stifte und Kompositaufbauten ersetzt und anschließend präpariert.
❑ Kieferrelationsbestimmung
❑ Herstellen der laborgefertigten Provisorien, zur
besseren Kommunikation für die Definitive Versorgung.
❑ Wax-up nach Besprechung mit der Patienten
❑ Rohbrandeinprobe der Kronen
❑ Bleaching
❑ Definitives Einsetzen der Keramikkronen
Als erstes war der Zahnarzt an der Reihe: er tauschte unter Kofferdam die fehlerhaften Füllungen aus
und entfernte das Karies. Die Weisheitszähne wurden entfernt; im Frontzahnbereich wurden die
Metallstifte gegen keramische Stifte ausgetauscht
und mit Komposit aufgebaut (Abb. 6 und 7).
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Abb. 9 und 10 Zum einstellen der Modelle in den Artikulator wird eine Axiographie und eine Zentriknahme vorgenommen. Für die
Zentrik werden zwei Zentrikregistrate hergestellt.
Abb. 11 Die Provisorische Versorgung:
Schon eine wesentliche Verbesserung der Zahnfleischsituation
Abb. 12 Wax-up: Die definitive Form wurde komplett geschichtet, ebenso wie der palatinale Bereich.
Anschließend erfolgte die Präparation und die Abformungen wurden vorgenommen (Abb. 8).
Herstellung der definitiven Kronen
Wir haben uns in diesem Fall für Presskeramik entschieden, weil es uns den Vorteil bietet, eine gute
Lichtdurchlässigkeit für die keramische Versorgung
zu nutzen und damit eine natürliche Erscheinung
der Frontzahnsituation zu erzielen. Außerdem können wir den Kernaufbau sehr gut steuern und die
gewünschte helle Zahnfarbe leichter erreichen. Zuerst wurden die Modelle nach einer Axiographie
und doppelter Zentriknahme in den Artikulator eingestellt (Abb. 9 und 10). Zur besserern Kontrolle der
Gingivaanteile fertigen wir immer Gellermodelle
an.
Nun konnten wir mit der Patientin über Form, Farbe
und Länge diskutieren. Offensichtlich war, dass wir
uns sehr subtil mit der Gingivasituation befassen
mussten. Die hohe Lachlinie der Patientin verpflich4 dental dialogue 6. JAHRGANG 2005 ©
tet uns dazu. Eine kieferchirurgische Intervention
zur Korrektur des Gummy-Smiles schied für die Patientin aus..
Wunsch der Patientin war es, die Zähne noch ein
wenig heller zu gestalten. So setzten wir Ihre
Wünsche in einem Provisorium um. Anhand der Fotos kann man sehr schön erkennen, dass die Frontzähne etwas länger gestaltet werden konnten (Abb.
11). Dieser Gedanke stößt bei den meisten Patienten zunächst auf Widerstand. Die Erfahrung hat gezeigt, dass man die Restauration oder das Provisorium sobald es sich einmal im Mund des Patienten
befunden hat nicht mehr verlängern darf, – zum
Kürzen der Zähne sind die Patienten jedoch fast immer bereit.
Die provisorische Situation wurde mit Vorwällen fixiert, um für die definitive Situation alle wichtigen
Punkte umsetzen zu können.
Abb. 13
Modellation der
Wachskappen für
Presskeramik auf 25.
Hier wurde ein 3mm
Wachsdraht zum
Anstiften gewählt.
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Abb. 14
Die Kronen in
Wachs…
Abb. 15
… fertig gepresst
und ausgebettet.
Abb. 16
Aufpassen der Kronen. Der Stumpf wird
mit einem wasserlöslichen Stift angestrichen. Dadurch entsteht keine dicke
Schicht, wie zum Beispiel bei Okkluspray.
Damit können sehr genaue und gute
Makierungspunkte erzielt werden.
Abb. 17 Die Aufgepassten Kronen auf dem Modell.
Anstiften und Pressen
Da die Patientin eine sehr helle, natürliche Zahnfarbe hat, entschlossen wir uns für einen Dentinkern
der Farbe B1. Stärke und Form der Wachsmodellation konnte mit Hilfe des Vorwalles kontrolliert werden. Beim Modellieren der Wachskappen wurde
palatinal die definitive Ausformung vorgenommen.
Die definitive Zahnform wird bereits jetzt aufmodelliert und dann später, um Platz für Effekt und Transpamassen zu schaffen, zurückgeschliffen. Ich verwende für das Pressen eines Frontzahnes einen
Wachsdraht von 3 mm (Abb. 13 bis 15).
Aufpassen, Schichten, Fertigstellen
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Abb. 18
Verschleifen der
Presskanäle mit einer wassergekühlten Turbine
Abb. 19
Die Länge der Kronen wird über einen
Vorwall fixiert. Das Erleichtert das
gezielte Zurückschleifen für die
Schneide und Transpamassen.
Nach dem Pressen werden die Kronen auf Ihre
Passgenauigkeit kontrolliert. Zum Aufpassen der
Kronen verwende ich immer einen wasserlöslichen
Stift, da meiner Erfahrung nach, alle Okklusprays
zu sehr auftragen (Abb. 16 und 17). Nach dem Ab6 dental dialogue 6. JAHRGANG 2005 ©
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Abb. 20 bis 23
Da die Patientin beim Lachen viel Zahnfleisch
zeigt, habe ich im Halsbereich eine Mischung aus Dentin und hellen Gingivamassen
verwendet. Dies schafft einen weichen Übergang. Im Schneidebereich kam eine
Wechselschichtung zum Einsatz.
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Abb. 24
Die Farbe der Frontzahnrestauration
war genau nach dem Geschmack
der Patientin getroffen – die anderen Zähne sollten so hell gebleacht
werdne. Die erste Einprobe zeigt
aber auch, wie problematisch die
Gingivaverhältnisse sind.
Abb. 25 und 26 Zur besseren Kontrolle wurden die Kronen beim Bleaching als Referenzzähne im Mund belassen.
trennen wird der Presskanal mit einer wasserkühlten Turbine verschliffen (Abb. 18).
Die Inzisalkante wird ein wenig ausgedünnt und
„ausgefranst“ (Abb. 19). Nun kann mit der Schichtung begonnen werden (Abb. 20 bis 23). Zur besseren Vermittlung zwischen der Gingiva und den Kronen verwende ich einen leichten rosa Schimmer im
Halsbereich, durch Einmischen von hellen Gingivamassen. Dies ist besonders wichtig bei Patienten bei
denen, wie in diesem Fall, die Lachlinie sehr hoch
verläuft und dadurch ein Grossteil der Schleimhaut
zu sehen ist. Im Schneidebereich kam eine Wechselschichtung zum Einsatz. Nach dem Glanzbrand –
der übrigens möglichst niedrig gebrannt werden
sollte, um später den Glanzgrad mit Hilfe von
Bimspulver und Sidol angleichen zu können –
waren die Kronen zur Einprobe bereit (Abb. 24).
Die Kronen entsprechen bezüglich der Helligkeit
und der Länge genau der Vorstellung der Patientin.
Trotz der sehr hellen Farbe der eigenen Zähne war
ein Unterschied zu den Kronen sichtbar. Wir haben
uns mit der Patientin dazu entschieden ihre eigenen
Zähne um eine Farbstufe heller zu bleachen, da die
Restauration ihre Wunschzahnfarbe exakt getroffen
hatte. Zur besseren Kontrolle wurden die Kronen als
Referenzzähne im Mund belassen (Abb. 25 und 26).
So bleiben unliebsame Überraschungen beim definitiven Zementieren aus.
Somit ging es beim definitiven Einsetzen nur noch
um die Frage der Farbe des Befestigungsmaterials
(Abb. 27 bis 29). Noch ist das Zahnfleisch etwas irritiert (Abb. 30 bis 33). Zwei Wochen nach dem
Einsetzen hat sich das Zahnfleisch deutlich regeneriert (Abb. 34 und 35). Die Gingiva passte sich kontinuierlich immer physiologischer an die Gingiva an
(Abb. 36). Nach neun Monaten war von der ehemals
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Abb. 27 bis 29
Die Frontzähne sind für das
Einsetzen fertiggestellt.
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Abb. 30 bis 33 Die Situation direkt nach dem Einsetzen mit deutlich gereiztem Zahnfleisch.
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Abb. 34 und 35 Nach zwei Wochen …
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Abb. 36
… kann man
schon eine deutliche Regeneration
der
Gingivasituation
erkennen.
Abb. 37
Kurze Zeit später
ist das Lächeln
makellos…
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Abb. 38 und 39
Sehr zur Freude
der überglücklichen Patientin
etwas unglücklichen Gingivasituation nichts als ein
strahlendes anziehendes Lächeln übrig (Abb. 37). –
Sehr zur Freude für die Patientin (Abb. 38 und 39),
für uns, das Behandlerteam und natürlich auch für
die Besucher des Eiscafés der Patientin: Bei diesem
fröhlichen Lächeln schmeckt alles doppelt so gut!
Danksagung
Mein herzlicher Dank geht an die Patientin, die so
offen war auch ihre Porträtbilder zu zeigen, das Behandlerteam Dr. Hirschfeld und meinen Zahntechnikerkollegen Ralf Mlecko.
❑
Zur Person
Mark Bultmann
07.04.1972 in Leer
Mark Bultmann ist seit 1993 Zahntechniker. Er perfektionierte seine Kenntnisse auf dem Gebiet
der Totalprothetik unter anderem in Kursen von Jürg Stuck und Dr. Guiseppe Allais. Auf dem
Gebiet der Keramik bildete er sich bei Enrico Steger, Thilo Vock, Hubert Schenk und Klaus
Müterthies fort. Seit 2001 ist Mark Bultmann Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Ästhetische Zahnheilkunde, 2003 wurde er zum aktiven Mitglied ernannt. Neben seiner Tätigkeit im
Labor der Zahnarztpraxis Peter W. Hirschfeld, Jever, ist er seit 2003 Referent für das
Vollkeramiksystem Lava von 3M Espe.
Kontaktadresse
Mark Bultmann • Zahnarztpraxis Peter W. Hirschfeld
Schlosserplatz 4 • 26441 Jever
Fon +49 (0) 44. 61 91 20 30 • bultmann.m@t-online.de
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