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Kompetenzorientiert planen und unterrichten: Was ist wirklich neu

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Kompetenzorientiert planen und unterrichten:
Was ist wirklich neu und anders?
Unterwegs zum Lehrplan 21
Kantonale Tagung AR
07. August 2013
1
Thomas Birri
Pädagogische Hochschule St.Gallen
Übersicht
• Was ist neu im Lehrplan 21?
• Was ist neu an der Kompetenzorientierung?
• Qualität im kompetenzorientierten Unterricht
• Hinweise zum kompetenzorientierten Planen
• Kompetenzorientiert beurteilen: Grundsätze und Fragen
2
Thomas Birri
Pädagogische Hochschule St.Gallen
Was ist wirklich neu im Lehrplan 21?
• Kompetenzaufbau von KG bis OS
• Mindestanspruch pro Zyklus
• Grundkompetenzen (Nationale Bildungsziele) als Basis
• ein Lehrplan für die ganze Deutschschweiz
• drei Zyklen statt vier Stufen
• von Hauswirtschaft zu Wirtschaft-Arbeit-Haushalt (WAH) auf OS
• strukturunabhängiger Lehrplan
• fächerübergreifende Themen
ICT und Medien
Berufliche Orientierung
Nachhaltige Entwicklung
3
–Politik, Demokratie und Menschenrechte
–Natürliche Umwelt und Ressourcen
–Gender und Gleichstellung
–Gesundheit
–Globale Entwicklung und Frieden
–Kulturelle Identitäten und interkulturelle Verständigung
Thomas Birri
–Wirtschaft und Konsum
Pädagogische Hochschule St.Gallen
Was ist neu an der Kompetenzorientierung?
Ein Blick zurück
Typische Klagen zu Defiziten (schulischer) Bildung
Die Schüler/-innen
• wissen zwar viel, können es aber (im Alltag) nicht um- und einsetzen
• verfügen über viel fachliches Detailwissen, können dieses aber nicht über
die Fachgrenzen hinaus einsetzen.
• wissen vieles nur oberflächlich und haben nur wenig wirklich verstanden.
vgl. Heraklit, Montaigne, Diesterweg, Buschor, Weinert, …
4
Thomas Birri
Pädagogische Hochschule St.Gallen
Weinerts Forderung
Kompetenzen sind
- erlernbare Fähigkeiten (Wissen) und Fertigkeiten (Können)
- sowie die damit verbundenen motivationalen und sozialen
Fähigkeiten,
- um bestimmte Aufgaben und Probleme in verschiedenen
Situationen erfolgreich und verantwortungsvoll zu lösen
(Transfer).
Weinert 2001
Definition ?
Wunschdenken ?
uralte pädagogische Leitidee!
5
Thomas Birri
Pädagogische Hochschule St.Gallen
Lernziel oder Kompetenz?
Kompetenzen sind
- erlernbare Fähigkeiten
(Wissen) und
Fertigkeiten (Können)
- sowie die damit
verbundenen
motivationalen und
sozialen Fähigkeiten,
- um bestimmte Aufgaben
und Probleme in
verschiedenen
Situationen erfolgreich
und verantwortungsvoll
zu lösen (Transfer).
Anspruchsvolle Lernziele sind Kompetenzen - und umgekehrt
zielvalider Unterricht = kompetenzorientierter Unterricht (Schott&Azizi)
6
Thomas Birri
Pädagogische Hochschule St.Gallen
Was ist neu an der Kompetenzorientierung?
Fazit
« … Anstatt (wie früher) von bildendem …erziehendem …gutem …
Unterricht wird jetzt häufig von kompetenzorientiertem Unterricht gesprochen
- ein schillernder Begriff mit wenig Tiefenschärfe! …» Reusser 2011
Kompetenzorientierung als weiterer Versuch zu verstehen, in der Schule
belastbares, flexibel anwendbares und nützliches Wissen, Können und
Wollen aufzubauen.
Kompetenzen sind anspruchsvolle und gültige Lernziele.
Kompetenzorientierter Unterricht schliesst nahtlos an die Postulate der
Lernzielorientierung an.
Besonderer Fokus gilt den Lernaufgaben, welche neben dem
systematischen Aufbau von Wissen auch Anwendung und Transfer
provozieren
Qualitätsmerkmale des Kompetenzorientierten Unterrichts entsprechen den
aktuell postulierten Merkmalen guten Unterrichts (Meyer, Helmke, Hattie)
7
Thomas Birri
Pädagogische Hochschule St.Gallen
Qualität im kompetenzorientierten Unterricht
Wie baut man Kompetenzen wirksam auf?
Aufgabenkultur
Qualität fachlicher Lernaufgaben
Lernkultur
Qualität der durch den Unterricht induzierten Lernprozesse
Lernbegleitung und Lernunterstützung
Qualität der direkten und indirekten Instruktion
8
Thomas Birri
(Reusser 2011)
Pädagogische Hochschule St.Gallen
Guter Kompetenzorientierter Unterricht =
Lernwirksamer Unterricht (vgl. Meyer, Helmke, Reusser)
9
Thomas Birri
Pädagogische Hochschule St.Gallen
Herausforderung „Anwendungsorientierung“
«… Aufgaben und Probleme in verschiedenen Situationen erfolgreich
und verantwortungsvoll lösen können …»
= Wissen flexibel anwenden lernen
• vielfältiges Erproben
• in zunehmend komplexeren Aufgaben
• keine Hoffnung auf spontanen Transfer sondern
− Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen vorheriger
und neuer (komplexerer) Aufgabe bestimmen
− Vorgehen entsprechend anpassen, erproben und verfeinern
10
Thomas Birri
Pädagogische Hochschule St.Gallen
Herausforderung
„Das Lernen der Schüler ins Zentrum stellen“
Hattie 2012
11
Thomas Birri
Pädagogische Hochschule St.Gallen
Beurteilungskreislauf als Grundlage
12
Thomas Birri
Pädagogische Hochschule St.Gallen
Wie plant man kompetenzorientierten Unterricht?
Analyse der
Sachstruktur,
Bestimmung des
Lernziels
• Aus welchen Teilbereichen setzt sich diese Kompetenz zusammen?
Welche Teilfertigkeiten muss ein Schüler beherrschen, damit er in
diesem Bereich kompetent ist?
Lernprodukte
definieren
• Welche herausfordernden Aufgaben / Produkte gibt es, welche die
Schüler/-innen zum Kompetenzaufbau erarbeiten, dokumentieren und
präsentieren können?
Vom Ende
her denken
Analyse des
Lernstandes der
Lernenden
Grundlagen
schaffen und
sichern
Zugang der
Lernenden zum
Sachinhalt
13
• Welches Kompetenzziel ist minimal anzustreben? Welches sind
mögliche erweiterte Ziele?
• Nach welchen Kriterien werden sie beurteilt?
• Über welche Kompetenzen (Fachkompetenz, Lernkompetenz)
verfügen die Lernenden in diesem Bereich bereits?
• Was muss noch systematisch aufgebaut werden (Inhalte, Strategien,
Arbeitsformen, Techniken), damit die Lernenden die Aufgaben
erfolgreich bearbeiten können?
• Für welche Lernenden werden diese Aufgaben wohl zu schwierig
oder zu einfach sein?
• Was interessiert die Lernenden (Handlungsweisen / Inhalte)?
• Wie kann ich diese Kompetenz an die reale Welt der Schüler
anknüpfen?
Lebensweltbezug
Pädagogische Hochschule St.Gallen
Thomas Birri
Wie plant man kompetenzorientierten Unterricht?
Planung des
LehrLernprozesses
(inter-)aktiv
lernen
Das Lernen
ins Zentrum
stellen
• Wie stelle ich fest, ob die Lernenden eine Sache tief verstanden
haben?
• Wie differenziere ich leistbar?
• Wie trage ich dazu bei, dass die Lernenden neu erworbene
Kompetenzen untereinander austauschen und sich gegenseitig
zuhören?
• Wo erhalten die Lernenden Möglichkeiten, neu erworbene
Kompetenzen durch Übungen zu festigen und selber zu
kontrollieren?
• Wie können Lernstand und Lernfortschritte sichtbar gemacht
werden?
• In welchen Gefässen kann ich Lernende ungestört adaptiv
unterstützen und fördern?
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Thomas Birri
Pädagogische Hochschule St.Gallen
Kompetenzorientierte
Unterrichtsplanung
A Ziele
erklären
H Reflexion des
Lernprozesses anleiten
B Lernprodukt,
Vom Ende
her denken
G summativ überprüfen und
Leistungserwartung +
Lehr-Lernangebot erklären
C Differenzierte Lehr-
besprechen
Lernangebote anbieten
Grundlagen
schaffen und
sichern
F Lernende unterstützen
und fördern
D Lernende unterstützen
und fördern
E Formativ überprüfen und
beraten Das Lernen
ins Zentrum
stellen
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Ziele, Lernprodukt, Leistungserwartungen
bekanntgeben = Das Ende beschreiben
Wozu?
Transparenz schaffen
Selbststeuerung ermöglichen
im Idealfall Interesse und Neugier wecken
Notwendige Informationen
• Was kannst du nachher konkret besser, schneller, schöner …?
• Wozu ist das nützlich? Was bringt dir das? Warum musst du dies?
• Woran erkennst du, dass du es beherrschst, das Ziel erreicht
hast?
Einschränkung beim problemlösend-entdeckenden Lernen
Klärung der Leistungserwartungen nicht zu Beginn des
Lernprozesses sondern erst nach den ersten freien Versuchen
z.B. durch Vergleich / Besprechung der ersten Lösungen
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Thomas Birri
Pädagogische Hochschule St.Gallen
Ziele, Lernprodukt, Leistungserwartungen
bekanntgeben = Das Ende beschreiben
Beispiel Vortest
1.«Mass nehmen» (Vortest)
2.Auswertung Vortest
3.notwendige Übungen zusammenstellen (Arbeitsplan)
4.mit dem Arbeitsplan gezielt an Defiziten arbeiten
5.Abschlusstest
Beispiel
«Satzzeichen nach Mass» Mittelstufe
Neue Schulpraxis 5/2012 S. 27 - 35
17
Thomas Birri
Pädagogische Hochschule St.Gallen
Ziele, Lernprodukt, Leistungserwartungen
bekanntgeben = Das Ende beschreiben
Rubrics
18
Thomas Birri
Pädagogische Hochschule St.Gallen
Lernende unterstützen und beraten durch …
Formative Beurteilung
Formative Beurteilung ist ein Prozess, welcher dazu dient, den
Lernstand von Schülerinnen und Schülern kriteriengeleitet
einzuschätzen …
um so reichhaltige Informationen zu gewinnen, welche
a) den Schülerinnen und Schüler helfen, ihr Lernen (besser) zu
steuern
b) der Lehrperson helfen, den Unterricht (lernförderlicher) zu
gestalten.
nach Smit 2009
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Thomas Birri
Pädagogische Hochschule St.Gallen
Lernende unterstützen und beraten ...
Erfolgskriterien an
Lösungsbeispielen
klären
Formative
Überprüfungsmöglichkeiten
anbieten
durch geschickte
Fragen das
Verstehen und
den Lernstand
klären
gezielt
beobachten
Elemente der
formativen
Beurteilung
Lernförderliche
Rückmeldungen
geben
Schüler/-innen
beurteilen sich
selber/gegenseitig
auf Arbeitsweise
und Lernstand
zurückblicken
nachsteuerendes
Erklären
nach Smit 2009
20
Thomas Birri
Pädagogische Hochschule St.Gallen
Wie beurteilt man im kompetenzorientierten
Unterricht?
Primat der formativen Beurteilung
nicht nur testen sondern vor allem das Lernen fördern
Primat der kriterialen Bezugsnorm (Sachnorm)
individuelle Leistungen mit vorgegebenen Kriterien vergleichen
Soziale
Bezugsnorm
Vergleich mit
anderen
Lernenden
Formative
Funktion
Förderung
Summative
Funktion
Bilanz - Note
21
✖
(✖)
Individuelle
Bezugsnorm
Vergleich mit
eigener
Leistung
Kriteriale
Bezugsnorm
Vergleich mit
vorgegeben
Kriterien
✔
✔
✖
✔
Thomas Birri
Pädagogische Hochschule St.Gallen
Wie beurteilt man Kompetenzen?
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Thomas Birri
Pädagogische Hochschule St.Gallen
Wie benotet man
im kompetenzorientierten Unterricht?
Kompetenzaufbau inkl. Mindestanspruch
= wertvolle Orientierung für LP, Team, SHP, Eltern
Offene Fragen zur Notengebung:
• „Mindestanspruch erfüllt“ am Ende der 2. / 6. / 9. Klasse = Zeugnisnote 4?
– Was bedeutet dies für die Niveauklassen auf der Oberstufe?
– Wie kommt man am Ende der 3./4./5./7./8. Klasse zu einer Zeugnisnote?
• Zeugnisnote im KOU umfasst sowohl schriftliche als auch mündliche und
praktische Leistungen im Fachbereich. Wie erhalten Eltern Einblick in den
aktuellen Lernstand?
• (Wie) Kann der Kompetenzaufbau des Lehrplans 21 zur Bestimmung der
Note 4 am Ende einer Lerneinheit genutzt werden?
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Thomas Birri
Pädagogische Hochschule St.Gallen
Mindestanspruch Fluch oder Segen?
• harte Herausforderung: Alle Lernenden (ausser solche mit individuellen
Lernzielen) müssen die Mindestansprüche erreichen.
• Den Lehrplan nicht auf Mindestansprüche reduzieren, aber gleichzeitig
der alten Anspruchsinflation einen Riegel schieben
• „Mut zur Schwerpunktsetzung“: nachhaltiges Lernen in
Schwerpunktbereichen ermöglichen und so verhindern, dass das
Abarbeiten der vielen Mindestansprüche zu Beliebigkeit und Flüchtigkeit
der Ergebnisse führt.
Strittmatter 2010
Typische Klagen zu Defiziten (schulischer) Bildung
Die Schüler/-innen
• wissen zwar viel, können es aber (im Alltag) nicht um- und einsetzen
• verfügen über viel fachliches Detailwissen, können dieses aber nicht
über die Fachgrenzen hinaus einsetzen.
• wissen vieles nur oberflächlich und haben nur wenig wirklich
verstanden.
Heraklit, Montaigne, Diesterweg, Buschor Weinert et al.
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Thomas Birri
Pädagogische Hochschule St.Gallen
Grundlagen für einen kompetenzorientierten
Unterricht - Stufen der Unterrichtsqualität (Pietsch 2010)
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Thomas Birri
Pädagogische Hochschule St.Gallen
Zum Schluss
Der Lehrplan 21 kommt nur dann im Unterricht an,
• wenn ihn die Lehrpersonen als nützlich und hilfreich erleben
• wenn LP21-affine Lehrmittel und Instrumente die Lehrpersonen in ihrem
Alltagsgeschäft unterstützen
• wenn die offenen Fragen der Notengebung im kompetenzorientierten
Unterricht befriedigend geklärt sind.
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Thomas Birri
Pädagogische Hochschule St.Gallen
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Bildung
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