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Die Geburt beim Alpaka – Was gilt es hierbei zu beachten?

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Foto: Martina Wiede
zucht
Die Geburt beim Alpaka – Was
gilt es hierbei zu beachten?
H. Wagner
A. Wehrend
deutschland
I
n den letzten Jahren steigt die Zahl der
Alpakabestände in Deutschland auffällig stark an. Züchter können folglich
viele Tiere durch das Interesse an dieser
Tierart verkaufen und somit erhöht sich die
Geburtenrate bei den Alpakas ebenfalls.
Prinzipiell muss bei Neuweltkameliden im
Vergleich zu anderen Tierarten wie Schaf,
Ziege oder Rind weniger Geburtshilfe,
bei nur ca. 5 % aller Geburten (Wehrend,
2013), durchgeführt werden. Gerade deswegen soll in nachfolgendem Artikel auf
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die physiologischen wie pathologischen
Aspekte rund um die Geburt beim Alpaka
eingegangen werden. Ziel soll sein, den
Züchter und Halter für die Fohlensaison
auf den neuesten Wissensstand zu bringen.
Zunächst erscheint es sinnvoll, eine Besonderheit im Rahmen der Trächtigkeit als
kleinen Exkurs einzuschieben.
Besonderheit Plazenta
Dieser kleine Exkurs soll zunächst die
enorme Bedeutung der frühzeitigen und
ausreichenden Kolostrumaufnahme nach
der Geburt darstellen. Bei den Neuweltkameliden besteht während der Trächtigkeit
ein besonderer Mutterkuchen (Plazenta), welcher dafür verantwortlich ist, dass
die Crias zügig nach der Geburt die erste
Muttermilch aufnehmen müssen. Alpakas besitzen, wie alle Neuweltkameliden,
während der Trächtigkeit eine mehrschichtige Plazenta, die über die ganze Eihautoberfläche in Form kleiner Zotten verteilt
ist (Placenta diffusa completa). Dieser
Mutterkuchen ist eine Art Trennschicht
zwischen dem Organismus des Neugeborenen und des Muttertieres. Es gibt innerhalb
der Tierarten verschiedene Plazentatypen,
die sich hinsichtlich ihres Aufbaues (z.B.
Anzahl der Zellschichten) unterscheiden.
Am breitesten ist die Trennschicht bei
Pferden, Wiederkäuern, Neuweltkameliden
zucht
und Schweinen, da hier viele mütterliche
Zellschichten vorhanden sind und es zu
keinem ausgedehnten Gewebsverlust im
Rahmen der Trächtigkeit kommt (Schnorr
& Kressin, 2001). Dies spiegelt der Geburtsverlauf bei Alpakas wider, bei dem es
zu keinen nennenswerten Blutungen bzw.
Blutverlust kommt. Diese Blutungen würden, aus der Evolutionsgeschichte heraus
betrachtet, potentielle Feinde anlocken und
damit die Überlebensrate der Neugeborenen verringern. Gleichzeitig wird, durch
die sich während der Trächtigkeit aufbauenden vielen Schichten, der Stofftransport
zwischen Muttertier und Fetus erschwert.
Dieser Typ der Plazenta wird als Placenta
epitheliochorealis bezeichnet. Dieser Plazentationstyp hat Folgen für die immunologische Situation des Neugeborenen, d.h.
die Fähigkeit sich in den ersten Wochen
nach der Geburt mit Bakterien, Viren und
anderen Mikroorganismen auseinandersetzen zu können. Ein Muttertier infiziert sich
im Laufe seines Lebens mit verschiedenen
Krankheitserregern und bildet mitunter
Antikörper (Immunglobuline) gegen diese.
Die Immunglobuline können von dem Muttertier bei einigen Tierarten durch die Plazenta auf den Fetus übertragen werden, um
diesen in den ersten Lebenswochen nach
der Geburt zu schützen. Eine Passage über
die Gebärmutter (transplazentar) ist bei der
Placenta epitheliochorealis aufgrund der
Vielzahl der Zellschichten nicht möglich.
Daher wird bei Alpakas die Kolostralmilch
(Biestmilch) durch das Cria zum Aufbau
des benötigten Immunschutzes verwendet. Als Kolostralmilch, Kolostrum oder
Biestmilch bezeichnet man die „Erstmilch“
von Säugetieren nach der Geburt, welche
das Euter bildet, um das Neugeborene zu
versorgen. Neben diesen wichtigen Antikörpern besitzt die Kolostralmilch weiterhin viele Proteine, Enzyme, Vitamine,
Mineralien und Energie, um dem Cria nach
der geburtsbedingten, plötzlichen Umweltveränderung sofort ausreichend Starthilfe
geben zu können.
Wie läuft die Geburt ab?
Nach erfolgreich durchgeführtem Deckakt
und der Bestätigung der Trächtigkeit durch
eine Ultraschalluntersuchung ist die durchschnittliche Trächtigkeitsdauer bei Alpakas
342-350 Tage. Nach Beendigung dieser
physiologischen Trächtigkeit kommt das
Alpaka in die Geburt. Der normale Geburtsablauf findet in den späten Morgenstunden bis zur frühen Mittagszeit statt. Da
die Stute das Neugeborene nicht trocken
leckt, muss die Tageswärme diese Aufgabe erledigen. Daher sollten Alpakas nicht
unbedingt in den kühleren Monaten ihren
Nachwuchs bekommen. Sollte dennoch
eine späte Bedeckung im Jahr erfolgt sein,
muss ein ausreichend eingestreuter und
temperierter Stall für die Geburt im Winter
vorhanden sein. Das Euter hat sich in den
letzten Tagen vor der Geburt angebildet
und kann somit als Zeichen der nahenden
Geburt betrachtet werden. Im Gegensatz
zu anderen Tierarten zeigen Neuweltkameliden kein Absinken der Beckenbänder
oder eine Schwellung (Ödematisierung) der
Schamregion. Die Geburt wird generell in
drei Phasen untergliedert:
1. Phase: Eröffnungsphase
2. Phase: Austreibungsphase
3. Phase: Nachgeburtsphase
Die Eröffnungsphase kann bei einigen
Tieren am unruhigen Verhalten erkannt
werden. Hierbei setzen sie unter Umständen vermehrt Kot und Harn ab. Doch nicht
jedes Tier zeigt deutlich diese Anzeichen. Insgesamt kann diese Phase ca. 4-6
Stunden dauern. Die eigentliche Austreibungsphase, bei der das Cria durch den
Geburtskanal herausgepresst wird, dauert
normalerweise weniger als 45 Minuten.
Diese Phase kann jedoch unter Stresssituationen unterbrochen werden, sodass die
Stute nicht unnötig gestresst werden sollte.
Während der dritten Phase wird innerhalb von wenigen Stunden (< 6 Stunden)
die Nachgeburt abgesetzt. Die Nachgeburt
ist auf Vollständigkeit hin zu kontrollieren. Um dies zu verifizieren, kann in die
Nachgeburt mit Hilfe eines Schlauches
Wasser gefüllt werden. Normalerweise stehen Alpakas beim Geburtsvorgang.
Legt sich ein Alpaka öfter hin, ist dies ein
Zeichen für eine Geburtsstockung (Dystokie). Während der Austreibungsphase
werden verschiedene Lagen, in denen das
Cria geboren werden kann, unterschieden.
In über 90 % der Fälle kommt es in Vorderendlage zur Welt, das bedeutet, dass
die Vorderbeine und der Kopf als erstes
in den Geburtskanal eintreten und zuerst
außerhalb der Scheide erscheinen. Eine
Hinterendlage würde dann vorliegen, wenn
die Hinterfüße des Crias erscheinen würden und das Fohlen somit „rückwärts“, mit
dem Becken zuerst auf die Welt kommen
muss. Bei dieser Lage besteht immer die
Gefahr, dass der Nabel zu früh abreißt und
das Jungtier Fruchtwasser einatmen kann.
In Hinterendlage kann es unter Umständen zu einem Sistieren des Geburtsablaufes
kommen, da das Cria entgegengesetzt des
Haarwuchses geboren wird. Dabei stellen
sich die Haare des Neugeborenen auf und
behindern dadurch die Presswehen der
Mutter. Neben Vorder- und Hinterendlage
ist weiterhin eine Querlage möglich. Hier
liegt das Fohlen entweder mit dem Rücken
oder dem Bauch zum Geburtskanal. Im
letzteren Fall können unter Umständen vier
Füße im Geburtskanal getastet werden. Bei
dieser Situation muss eine vorsichtige Lagekorrektur vorgenommen oder direkt ein
Kaiserschnitt durchgeführt werden. Ferner
ist das Erkennen der Stellung des Crias
von Bedeutung. Hier kann das Fohlen in
einer oberen oder unteren Stellung in der
Gebärmutter liegen. Eine obere Stellung
ist als physiologisch anzusehen, wobei die
Wirbelsäule des Crias zur Wirbelsäule der
Mutter zeigt. Bei dieser Stellung kann der
Geburtsvorgang problemlos beendet werden, egal ob Vorder- oder Hinterendlage.
Ein Auszugsversuch in unterer Stellung
sollte niemals durchgeführt werden, da es
zu schweren Verletzungen bei der Stute
wie dem Neugeborenen führen kann. Der
letzte wichtige Punkt bei der Geburt ist die
Haltung des Crias. Hierbei ist die gestreckte Haltung als physiologisch zu bezeichnen,
sprich die Vorderfüße bei Vorderend- bzw.
die Hinterfüße bei Hinterendlage sind in
ausgestreckter Form vorzufinden. Bei der
Haltung können als pathologische Haltung ein oder mehrere Gelenke abgeknickt
oder verdreht sein. Dies gilt ebenso für den
Kopf mit seinem langen Hals. Am häufigsten sind von solchen Haltungsanomalien
bei Neuweltkameliden die Gliedmaßen und
der Kopf betroffen. Die Definitionen sind
in der Tabelle (siehe Seite 25) kurz zusammengefasst. Die Muttertiere kümmern sich
im Anschluss an die Geburt kaum um ihre
Jungen. Dieser allgemein als schlechtes
Brutpflegeverhalten bezeichneter Umgang
ist normal bei Neuweltkameliden. Jedoch
sollte die Stute ihr Fohlen im Anschluss an
die Geburt problemlos an das Euter lassen,
um es zu tränken.
Wann muss der Züchter bei der
Geburt eingreifen?
Als wichtigste Regel gilt, dass ein Alpaka, welches nachmittags erst auffällig
wird, sofort auf einen korrekten Geburtsablauf hin untersucht werden muss. Wie
oben beschrieben gebären diese Tiere
zumeist in den späten Morgenstunden.
Ist das Tier in Geburt und ca. 45 Minuten nach Erscheinen der Füße nichts mehr
passiert, müsste ebenfalls zur Abklärung
der Dystokie-Ursache eine geburtshilfliche
Untersuchung (vorsichtige Exploration der
Geburtswege mit der Hand) durchgeführt
werden. Hierzu sollte die Hand mit Seife
gut gereinigt und mit Gleitgel schlüpfrig
gemacht werden. Dass die Fingernägel des
Untersuchers respektive der Untersucherin kurz sein müssen ist selbstredend. Bei
der Untersuchung ist es wichtig, die oben
genannten Punkte der Lage, Stellung und
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Gesundheitswesen
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