close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Drogen: Was andere Städte tun - Archiv - Hamburger Abendblatt

EinbettenHerunterladen
q
x
t
Seite 12 − Nr. 57 − Hamburger Abendblatt
Nerven
Es wirkt fatal, mit dicken
Nerven
sich auch noch in die Brust
zu werfen,
weil die nur breit im
Körper sitzen und nicht mehr in den
Fingerspitzen.
KARL-HEINZ SÖHLER
Protest in
Klein Borstel
Die Bewohner Klein Borstels wollen alle rechtlichen Möglichkeiten ausnutzen, um den vom Senat
geplanten Bau von Wohnungen auf dem Gelände
der Gärtnerei des Ohlsdorfer Friedhofs zu verhindern. „Wir werden uns an
dem Planfeststellungsverfahren aktiv beteiligen“,
sagte Matthias Precht von
der Bürgerbewegung in
Klein Borstel gestern. „Ein
Gespräch mit einem Anwalt ist geplant, um die
verschiedenen Einspruchmöglichkeiten vorzubereiten.“ Die Senatskommission für Stadtentwicklung
hatte vergangene Woche
beschlossen, auf einem
Teil des Geländes der
Friedhofsgärtnerei
320
Wohnungen zu bauen. dpa
Handy
gestohlen
Wegen Verdachts der Hehlerei haben Zivilfahnder
drei Jugendliche (15, 16
und 17) auf St. Pauli vorläufig festgenommen. Sie
hatten zuvor versucht, einer Gruppe von Schwarzafrikanern ein offenbar gestohlenes Handy zu verkaufen: Keiner von ihnen
war in der Lage, die richtige Geheimnummer für das
Mobiltelefon zu nennen.
Als die Beamten die Jugendlichen mit zur Wache
nahmen, trafen sie auf eine
28jährige, die gerade eine
Anzeige erstattete: Ihr war
kurz zuvor in einem Lokal
an der Friedrichstraße das
Handy gestohlen worden.
kat
Mit Blumen bei
der SPD
Mit zwei Blumensträußen
erschienen gestern vier
Kurden beim SPD-Landesverband im Kurt-Schumacher-Haus. Sie wollten
sich, stellvertretend für gewalttätige Kurden, für die
Besetzung der SPD-Zentrale am 17. Februar entschuldigen. SPD-Referent
Thomas Fritsch empfing
die Delegation, die von
dem gemäßigten Kurden
und Arzt am UKE, Suleiman Ergün, geleitet wurde. Eine Stunde wurde
über die aktuelle Lage und
die Sorgen der Kurden diskutiert, so Fritsch hinterher: „Eine Entschuldigung
könnten wir allerdings nur
von denen annehmen, die
uns hier überfallen haben.“
cd
Polizei sucht
Zeugen
Nach dem Diebstahl zweier Kleinlastwagen in Hamburg führt eine Spur der
unbekannten Täter nach
Lübeck. Ein Zeuge habe
die gestohlenen Fahrzeuge
auf dem Volksfestplatz in
Lübeck entdeckt. Der Pritschenwagen und der Lkw
waren in der Nacht zum 1.
März vom Gelände einer
Karosseriebaufirma in Allermöhe gestohlen worden. In den Wagen verstauten die Diebe 84 Lkw-Reifen und 42 Autobatterien,
die sie ebenfalls auf dem
Firmengelände gestohlen
hatten. Die Polizei geht davon aus, daß diese Beute in
Lübeck umgeladen wurde
und sucht Zeugen, denen
die Fahrzeuge aufgefallen
sind. Von zwei ebenfalls
gestohlenen mobilen Ladekränen im Gesamtwert
von rund 100 000 Mark
fehlt jede Spur.
dpa
Karpen kritisiert
Peschel-Gutzeit
Der rechtspolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion,
Ulrich
Karpen, hat Justizsenatorin Lore Maria PeschelGutzeit aufgefordert, die
Strafjustiz von weiteren
Sparmaßnahmen zu verschonen.
Anlaß für Karpens Einlassung sind Äußerungen
des Amtsrichters Harm
Beyer im Abendblatt-Interview. Die von ihm beklagten Mißstände kenne
die Justizsenatorin seit
langem, sagte Karpen, stelle jedoch keine konkrete
Abhilfe in Aussicht. Mit jedem neuen Einschnitt setze die Senatorin die innere
Sicherheit Hamburgs aufs
Spiel,
behauptet
Karpen.
svb
LL
Hamburg
r
v
s
Dienstag, 9. März 1999
Drogenmißbrauch und offene Szenen gehören zum Alltag deutscher Metropolen. Was zu tun ist, ist umstritten. Das
Abendblatt zeigt, wie es anderswo aussieht. Mitarbeiter von Zeitungen anderer Großstädte skizzieren die Lage ihrer Stadt.
Drogen: Was andere Städte tun
Hamburg:
Gedealt wird
fast überall
LEIPZIGER VOLKSZEITUNG
Ecstasy an Schulen
Von GÜNTHER GIESSLER
Obwohl die befürchtete Überflutung mit Drogen nach der Wende
in den neuen Bundesländern
ausblieb, ist in Leipzig ein deutliches Ansteigen der Rauschgiftdelikte und eine spürbare Zunahme der Zahl der Drogenkonsumenten feststellbar. 1998 gab
es in der sächsischen Messemetropole 1010 Fälle, das sind 25
Prozent mehr gegenüber dem
Jahr zuvor.
Von KRISTINA JOHRDE
In Hamburg hat sich die offene
Drogenszene über die ganze
Stadt ausgebreitet. Je intensiver
die Polizei an Drogenschwerpunkten gegen Dealer vorging,
desto mehr wich die Szene aus.
Das hatte Folgen: An zahlreichen Orten in der Hansestadt
wird jetzt mehr oder weniger offen mit Rauschgift gedealt.
Anfang der 90er Jahre konzentrierte sich die Szene noch auf
den Hauptbahnhof und die angrenzenden Straßen in St. Georg. Den Hamburg-Besuchern,
die den Bahnhof durch den Ausgang Kirchenallee verließen, bot
sich ein Bild des Elends: Ausgemergelte Junkies schlichen über
den Platz, Dealer boten Heroin,
Kokain und anderes feil. Das
machte Angst − immer mehr Reisende und Einheimische mieden
den Hauptbahnhof.
Das empfanden Politiker und
Bürger als ein schlechtes Aushängeschild für die Hansestadt,
und so wurde für St. Georg ein
Konzept entwickelt, daß die Drogendealer und Junkies verdrängen sollte. Platzverweise und Gebietsverbote wurden ausgesprochen, die Polizei war rund um die
Uhr präsent.
Doch die Szene wich einfach
aus, in den Schanzenpark. Somit
hatte Hamburg eine zweite offene Drogenszene. Hauptsächlich
Schwarzafrikaner
verkauften
hier Kokain, die Junkies folgten
ihnen ins Schanzenviertel. Spritzen auf Kinderspielplätzen, verelendete Süchtige und Dealer,
die auch Kindern ihren Stoff anboten − das hielten viele Bewohner des Viertels bald nicht mehr
aus. Massive Bürgerproteste
sorgten an der Schanze für mehr
Polizeipräsenz. Die Folge: Die
Szene zerstreute sich. Dealer
und Junkies sind mobil geworden. Die Drogenhändler haben
sich inzwischen auf die Taktik
der Polizei und die Rechtsprechung eingestellt. Sie arbeiten
arbeitsteilig und haben immer
nur kleine Mengen bei sich. Kontaktgespräch, Geld- und Stoffübergabe sind auf mehrere Personen verteilt und finden an unterschiedlichen Orten statt.
Selbst in der S-Bahn, hauptsächlich zwischen Hauptbahnhof und Altona, wickeln Dealer
ihr Geschäft ab. An vielen Bahnhöfen wird mit Drogen gedealt −
etwa in Wandsbek, an der Osterstraße in Eimsbüttel, an der Reeperbahn und an den Landungsbrücken − dem Ziel vieler Touristen.
Die Zahl der registrierten Konsumenten harter Drogen ist von
mehr als 4000 im Jahr 1993 im
vergangenen Jahr auf etwas
mehr als 2000 gesunken. Doch
die Dunkelziffer liegt um ein
vielfaches höher, Drogenberater
gehen von mehr als 10 000 Süchtigen aus.
Das Drogenproblem wird anscheinend stärker sichtbar. Der
Grund könnte darin liegen, daß
die Polizei gemäß dem Drogenkonzept des Hamburger Senates
ihre Arbeit auf die Dealer konzentriert und die Strafverfolgung
Süchtiger vernachlässigt. Im
Landeskriminalamt liegen derzeit Hunderte Konsumentenvorgänge mit Billigung von Staatsanwaltschaft und Polizeiführung unbearbeitet in Aktenstapeln.
Streit gab es um die sogenannten Gesundheits- oder Fixerräume − Einrichtungen, in denen
Süchtige unter Aufsicht und hygienischen Bedingungen ihren
„Besorgniserregend ist vor allem die hohe Risikobereitschaft,
mit der Schüler der 7. und 9.
Klassen an Gymnasien und Mittelschulen dem Probieren von
Haschisch und Ecstasy gegenüberstehen“, sagt Dr. Ute Göbel,
die Drogenbeauftragte der Stadt.
Eine Studie von Professor Harald Petermann vom Psychologischen Institut der Leipziger Universität belege, daß 28 Prozent
der befragten Neuntkläßler auf
die Wirkung von Ecstasy gespannt sind. „Etwa 700 Jungen
und Mädchen aus Leipziger
Schulen begleiteten wir von der
fünften bis zur achten Klasse
und untersuchten seit 1995 ihren
Umgang mit Drogen“, so die Psychologin Dr. Brigitte Kersch.
„Kinder, die früh Erfahrungen
mit dem Rauchen gemacht ha-
MÜNCHNER ABENDZEITUNG
Alarmierende Bilanz
Von MICHAEL BACKMUND
3000 Konsumenten illegalisierter
Drogen soll es in München geben. So die offiziellen Zahlen.
Experten schätzen die Dunkelziffer jedoch auf mindestens
6000 Drogenkranke. Vor allem
eine jahrelange polizeiliche Praxis der Vertreibung von sogenannten „Brennpunkten“ mit
Platz- und Aufenthaltsverboten −
zynisch auch „Junkie-Jogging“
genannt − hat zu einer „versteckten“ Drogensucht geführt.
Eine tolerierte offene Drogenszene gab es in München noch
nie. Die aktuelle Rauschgift-Bilanz ist alarmierend. Bayern hatte 1998 mit 312 offiziellen Drogentoten einen Anstieg um 47 (!)
Prozent zum Jahr davor zu verzeichnen. Auch in München
stieg die Zahl der Todesfälle wieder auf 74, 1988 hatte es erst 20
gegeben. Für einen drastischen
Rückgang der Drogentoten und
Offene Szene verkleinert
Drogenszene am Hamburger Hauptbahnhof: Vor dem einzigen Fixerraum in St. Georg im Drob Inn südlich des Bahnhofs warten jeden Tag Junkies. Initiativen fordern einen zweiten Fixerraum im Viertel.
Foto: ARNING
Stoff konsumieren können. Ein
Anziehungspunkt für Dealer, die
vor den Fixerräumen ihren Stoff
verkaufen, wetterte die eine Seite. Dringend nötig im Kampf gegen die Verelendung der Junkies, sagten die Verteidiger.
Stolz war Hamburg immer auf
sein Methadon-Programm. Die
synthetische Ersatzdroge wird
rund 3000 Süchtigen einmal täglich verabreicht, sie dämpft den
Hunger auf Heroin und hilft so
bei der Entgiftung und der Langzeitentwöhnung. Viele Methadon-Patienten können wieder arbeiten. Das Medikament macht
aber ebenfalls süchtig. Einer der
Erfolge der Ersatzdroge ist die
Eindämmung der Beschaffungs-
kriminalität, aus deren Teufelskreis Süchtige sonst kaum gelangen können.
Doch eine neue Studie von
Rechtsmedizinern brachte Erschreckendes zutage (wir berichteten): 1998 starben in Hamburg
38 von 78 untersuchten Drogentoten (insgesamt gab es im vergangenen Jahr 132 Drogentote)
nach der Einnahme von Methadon. Die Gesundheitsbehörde
will reagieren, mit den Verfassern der Studie und der Hamburger Ärztekammer Lösungsvorschläge erarbeiten.
Ein Problem, das mit keiner
Ersatzdroge gelöst werden kann,
ist der in den vergangenen zwei
Jahren extrem gestiegene Kon-
zenviertel zu decken“, sagt Norbert Dworski vom Verein Freiraum, der den Fixstern betreibt.
Dworski geht von einer Zahl von
100 bis 200 Abhängigen pro Tag
aus, die den Fixstern aufsuchen.
250 000 Mark hat die Behörde
für Arbeit, Gesundheit und Soziales in den Umbau der Räume
im Schanzenviertel gesteckt. Neben den neuen Druckplätzen ist
auch eine „Reanimationsecke“
hinzugekommen, in dem Abhängige nach einem Zusammen-
bruch behandelt werden können. Neu ist ebenfalls das sogenannte „Raucherzimmer“ für andere Formen des Drogenkonsums.
„Besonders froh sind wir, daß
uns nach dem Umbau jetzt wieder ein Beratungsraum zur Verfügung steht. Ein halbes Jahr
mußten wir ohne auskommen“,
so Dworski. Im Fixstern können
Junkies zudem Spritzen tauschen, Wäsche waschen, Wunden versorgen lassen und im Ca-
HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG
sum von Kokain. In der offenen
Szene wird diese Droge kaum geschnupft, sondern gespritzt oder
− noch gefährlicher − als freie Base oder Crack geraucht.
Crack macht aggressiv und so
schnell süchtig, daß ein Ausstieg
unmöglich erscheint. Deshalb
meinen Drogenberater: Eine
kontrollierte Abgabe von Heroin
− wie sie mittlerweile auch von
der CDU in Erwägung gezogen
wird − allein reicht nicht. Auch
Kokain müsse kontrolliert an
Süchtige abgegeben werden.
Norbert Dworsky, Geschäftsführer des Fixstern im Schanzenviertel: „Die einzige Möglichkeit,
die offene Drogenszene unter
Kontrolle zu bekommen.“
Alltag. „Es war ein personeller
Kraftakt ohnegleichen“, erinnert
sich Klosa. Daß sich die offene
Drogenszene mit der Zeit erheblich reduzierte, schreibt Klosa
auch den Aufenthaltsverboten
für auswärtige Dealer und Süchtige zu. Was den Hannoveranern
gefiel, verärgerte viele Kommunen in Niedersachsen, die seit
diesen Tagen mit einer eigenen
Drogenszene leben müssen − rekrutiert aus jenen, die Hannover
nicht mehr betreten dürfen. „Das
hat mir üble Kritik aus den anderen Städten eingetragen, aber
Hannover hat es nicht verdient,
der Mistkübel des Landes zu
sein“, sagt Klosa.
<>
Nr. 57
fe´ etwas zu essen und trinken bekommen. Der Verein Freiraum
bietet ein niedrigschwelliges Angebot ohne Zugangsbedingungen wie Therapie- oder Ausstiegswillen.
Trotz der Vergrößerung setzt
sich Dworski für einen zweiten
Drogenraum im Schanzenviertel
ein. Nur so könne die Lage am
Fixstern dauerhaft entschärft
werden. Dworski: „Die Rote Flora als inoffizieller zweiter Fixerraum bleibt sonst erhalten.“ bob
Von FRIEDERIKE
TINNAPPEL
In Frankfurt ist es mit
einer Reihe von Hilfsangeboten gelungen,
die offene Drogenszene stark zu verkleinern. Zwar gibt es in
der
Mainmetropole
immer noch Junkies,
die sich auf offener
Straße eine Spritze
setzen. Doch sie können auch eine der vier
Fixerstuben
aufsuchen.
Bis November 1992
war die Taunusanlage
am Rande des Bankenviertels
Treffpunkt nicht nur der
Frankfurter Rausch- Ein Süchtiger spritzt sich in einer der vier Frankgiftsüchtigen.
Es
Foto: DPA
herrschten katastro- furter Fixerstuben seine Droge.
phale
hygienische
Verhältnisse. Als die
Wegs“, jener Mirot-grüne Stadtregierung die „Frankfurter
schung
aus
Repression
HilTaunusanlage räumen ließ, war fe, ist die langjährige und
Zusamvorgesorgt: Es standen Aufent- menarbeit des Drogenreferats
haltsräume, Wasch- und Schlaf- mit anderen Ämtern, Polizei und
gelegenheiten und die Ersatz- Staatsanwaltschaft. In der Mondroge Methadon zur Verfügung.
tagsrunde, in der sich Vertreter
Inzwischen ist die Zahl der der genannten Institutionen reDrogentoten zurückgegangen, gelmäßig zusammenfinden, wird
die Gesundheit der Drogenab- um Lösungen gerungen. Auch
hängigen und die öffentliche Si- der Machtwechsel im Römer −
cherheit haben sich verbessert. das einstmals grüne DrogenrefeSeit 1993 bemüht sich die Stadt rat wurde einem Christdemokraum einen Modellversuch zur ten unterstellt − tat der Kontinuiärztlich kontrollierten Heroin- tät der Frankfurter Drogenpolivergabe als letztem Baustein des tik, die von einem breiten, überHilfsprogramms. Das Geheimnis parteilichen Konsens getragen
des international beachteten wird, keinen Abbruch.
KÖLNER STADTANZEIGER
Polizei löste die Szene auf
Von ALEXANDER DAHL
Mordhauptstadt, Drogenmetropole − Hannover hatte in den vergangenen Jahren landauf landab
einen schlechten Leumund. Besucher fanden ihre Klischees
gleich vor dem Portal des Hauptbahnhofes bestätigt: Etwa 300
bis 400 Dealer und Süchtige gingen dort täglich ihren Geschäften nach; geschützt vom Trubel
unzähliger Reisender und völlig
unbehindert von der Polizei.
Dies änderte sich erst 1995, als
mit Hans-Dieter Klosa ein neuer
Polizeipräsident seine Amtsräume bezog. Fortan gehörten Razzien im Bahnhofsbereich zum
eine bessere medizinische Betreuung soll die Einführung von
„Gesundheitsräumen“ sorgen.
Bislang hatte das die Regierung
von Oberbayern der Stadt verboten. Im Sommer 1997 startete der
damalige Münchner CSU-Chef
Peter Gauweiler seinen Kreuzzug gegen „Fixerstuben und
Spritzenautomaten“ und drohte
mit einem Bürgerbegehren. Man
müsse Drogenkranke notfalls
mit einer „Zwangstherapie ins
drogenfreie Leben“ zurückführen, so Gauweiler. Blödsinn, konterte die Münchner Suchthilfe.
Seit November 1998 hängt der erste öffentlich zugängliche „Spritzenautomat“.
Methadon-Programme gibt es
erst seit Beginn der 90er Jahre:
Rund 1100 Süchtige erhalten
heute in München den Ersatzstoff − davon 300 in drei Schwerpunktpraxen.
Insgesamt gibt es derzeit 55
Entzugsplätze.
FRANKFURTER RUNDSCHAU
„Fixstern“ am Schulterblatt jetzt mit acht Plätzen
Der Drogenraum „Fixstern“ am
Schulterblatt hat seine Kapazitäten erweitert. Seit gestern ist die
Drogenhilfeeinrichtung
nach
dreiwöchigem Umbau wieder
geöffnet. Statt wie bisher fünf
Plätze, an denen sich die Abhängigen einen Schuß setzen können, stehen jetzt acht Plätze zur
Verfügung. „Wir können damit
besser auf die Konsumenten eingehen, allerdings reicht die Zahl
der Plätze mit Sicherheit nicht
aus, um den Bedarf im Schan-
ben, sind für Haschisch und Ecstasy weitaus anfälliger und damit
gefährdeter als Nichtraucher“,
betont Kersch. Trotz zunehmenden Ecstasy-Gebrauchs − vier
Prozent der Achtkläßler haben
dieses Rauschgift schon probiert, 37 Prozent möchten seine
Wirkung erleben − ist Haschisch
nach wie vor die Einstiegsdroge.
41 Prozent der Jungen und Mädchen aus den achten Klassen
wüßten, wo sie sich innerhalb
von 24 Stunden Haschisch besorgen können. „Vor allem in
Diskotheken und auf Kinderspielplätzen versuchen Dealer,
an die Schüler heranzukommen“, weiß die Psychologin.
Gruppendruck und Neugier
nennt Brigitte Kersch als Hauptmotive, warum Schüler zu Drogen greifen..
„Die offene Anbieterszene ist
nach wie vor in der City rund um
den Sachsenplatz anzutreffen“,
so die Polizeidirektion. „In erster
Linie Araber und Schwarzafrikaner dealen dort“, sagt sie. Mit verstärkten Polizeistreifen, Zivilfahndern und mit Videoüberwachung versucht Leipzig, den
Rauschgifthändlern das Handwerk zu legen. „Der Erfolg ist
noch nicht zufriedenstellend“,
räumt Schlegel ein.
Mit der harten Polizeitaktik
einher gingen Hilfsangebote für
die Süchtigen. Mit den Druckräumen „Fixpunkt“ und „Cafe´
Connection“ stehen den Süchtigen Möglichkeiten zur Verfügung, sich unter hygienischen
Bedingungen ihren „Schuß“ zu
setzen. Beide Orte werden von je
70 Süchtigen täglich besucht; allein in den „Fixpunkt“ kamen im
vergangenen Jahr etwa 13 200
Abhängige. Darüber hinaus vermitteln Sozialarbeiter auch Therapien und stationäre Entgiftungen; vom „Fixpunkt“ aus waren
dies 1998 fast 100 Heroinabhängige, denen auf diese Weise geholfen wurde.
Seite 12
2
Viele Dealer vertrieben
Von AXEL SPILCKER
Schaut man sich die nackten
Zahlen im Bereich der Drogenpolitik an, so können Kölns Polizei und Stadtverwaltung mit
dem bisher Erreichten durchaus
zufrieden sein: Starben im Rekordjahr 1996 noch 95 Menschen
auf Kölns Straßen an einer Überdosis Heroin, zählte die Kriminalstatistik im vorigen Jahr nur
noch 39 Drogenopfer.
Erfolgreich verlief der Kampf
gegen die offene Drogenszene
am Neumarkt. Mitten in Kölns
Innenstadt hatte sich eine feste
Gruppe von 50 Junkies niedergelassen. Rund 1500 Rauschgift-
Schwarz
E-Blau
E-Rot
E-gelb
süchtige aus Nordrhein-Westfalen versorgten sich hier mit Heroin. Nur Stunden nach Razzien
der Polizei waren die Dealer wieder am Neumarkt zu finden. Mitunter ereigneten sich Messerstechereien,
Schlägereien
und
Schießereien.
Vor drei Jahren sagten Stadtverwaltung und Polizei der offenen Szene den Kampf an. Der
Druck eines eigens gegründeten
Kriminalkommissariats mittels
verstärkter Präsenz und Platzverweisen führte zu einer Vertreibung von Dealern und Konsumenten in die Vororte. Dort
häufen sich nun die Klagen über
Spritzen auf Spielplätzen oder
Gruppen von Junkies in Parks.
Kölns Leitender Polizeidirektor
Winrich Granitzka spricht dennoch von einem Erfolg der Polizeitaktik: „Die Zahl der Drogenabhängigen ist um ein Vielfaches
zurückgegangen, da die Junkies
aus dem Umland einen Bogen
um Köln machen.“
Grobe Schätzungen gehen von
rund 6000 bis 8000 Heroinabhängigen in Köln aus. Rund 600 von
ihnen sind im Methadonprogramm der Stadt untergekommen. Einig sind sich Polizei und
eine rot-grüne Mehrheit im
Stadtrat über die Eröffnung
zweier Fixerstübchen in der City
und im rechtsrheinischen Köln.
L
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
15
Dateigröße
166 KB
Tags
1/--Seiten
melden