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1 SWR2 Tandem - Manuskriptdienst „My first car was a Cadillac“ Die

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2
SWR2 Tandem - Manuskriptdienst
„My first car was a Cadillac“
Die Geschichte von Raymond Estrada
Autor:
Arndt Peltner
Redaktion:
Karin Hutzler
Regie:
Andrea Leclerque
Sendung:
Montag, 10.03.14 um 10.05 Uhr in SWR2
__________________________________________________________________
Bitte beachten Sie:
Das Manuskript ist ausschließlich zum persönlichen, privaten Gebrauch bestimmt.
Jede weitere Vervielfältigung und Verbreitung bedarf der ausdrücklichen
Genehmigung des Urhebers bzw. des SWR.
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MANUSKRIPT:
Musik
01-OT-Ray: I really don‟t know, what made me gravitate towards committing crime. I
think I had like a thrill, an adrenaline rush, a thrill of actually doing something that
you‟re not supposed to do and trying to get away with it. It was something about that,
that attracted me.…The thrill that trying to get away with crime. I‟m not sure. But I
know what made me start stealing cars is, like I said, back in New Jersey in High
School, I hooked up with the wrong crowd. The crowd that I was hanging out with,
some of them, some of the members of that crowd were actually car thieves, so I
started to going out with them stealing cars. I learned how to steal cars from them.
Übersetzer:
Ich weiß nicht, was mich in Richtung Kriminalität zog. Es war wie ein Kick, ein
Adrenalinrausch, etwas zu machen, was man nicht machen sollte und damit
durchzukommen. Ich weiß nicht genau, was es war. Aber ich weiß, was mich zum
Autoklauen brachte. Ich war in New Jersey mit den falschen Leuten zusammen.
Einige von ihnen waren Autodiebe. Von ihnen lernte ich, wie man das macht.
Musik
02-OT-Ray: It was a Cadillac. I started at the high level luxury. So, one day me and
one of my friends, not a car thief, actually a drug dealer. One time we go to the mall
and we stay there all night long, we take the bus there and stay there all night until
the mall closes, but we thought, we bounce in someone that we know, that has a car,
so we can get a ride out of here. But no, we didn‟t see anyone we knew that day. So
we see the Cadillac and than we say, this is our only way to get home, is to try to get
into that Cadillac. We got into that car and did what we have learned to do and sure
enough it was easy and we drive back to our neighborhood at ease. And everyone is
looking at the Cadillac and “you guys are crazy, this is nice”. And again, I got that
attention, I liked it. And we thought we‟d had not trouble stealing the car, it was pretty
easy. So from that point we said, man, let‟s go steal another car. By the third or fourth
car you steal, it becomes second nature, it‟s nothing, you steal cars without even
hesitating at that point.
Übersetzer:
Mein erster Wagen war ein Cadillac. Ich habe gleich mit der Luxusklasse
angefangen. Eines Tages war ich mit einem Freund, einem Drogendealer, in einem
Einkaufszentrum. Wir waren mit dem Bus hingefahren und blieben lange. Wir
dachten, wir treffen sicher einen Bekannten, mit dem wir zurückfahren können. Aber
wir trafen niemanden.
Wir sahen den Cadillac und sagten uns, mit dem fahren wir nach Hause. Wir
knackten ihn, das hatte ich ja gelernt, es war ganz einfach. Wir fahren also durch
unsere Gegend, und jeder sieht uns im Cadillac “Ihr seid ja verrückt, das ist klasse”.
Ich wurde beachtet, ich bekam Aufmerksamkeit! Wir hatten keinerlei Probleme, den
Wagen zu klauen. Von da an machten wir das immer wieder. Nach dem dritten oder
vierten Wagen wurde das ganz normal, wir klauten Autos, ohne auch nur zu zögern.
(03-Atmo: Straße)
2
04-OT-Angelina Loyola: He did what he knew best and that was a life of crime. But
he always had this hustler mentality, trying to get ahead in some way or another. And
as a young adult, he did what he knew. And of course he had to go through his own
personal experiences, getting in trouble with the law, being incarcerated. And I think it
was at that point when he was incarcerated that he realized, that this is not the life.
This is not how he wanna live. And it‟s obvious in what he is doing now, that he has
made a big transition, using all of his, those inner characteristics. He‟s resilient, he is
a very resilient person. I mean, if you look at anybody else in his situation, with a
similar past, they don‟t make it this far. So he‟s definetly one of a kind. I think the
work that he does now, speaks for it, speaks for itself.
Übersetzerin:
Er tat das, was er am besten konnte, und das führte zu einem Leben voller
Kriminalität. Raymond hatte schon immer diese Gauner-Mentalität, irgendwie voran
zu kommen. Dabei musste er seine eigenen Erfahrungen machen, mit dem Gesetz in
Schwierigkeiten kommen, eingesperrt werden. Irgendwann merkte er, dass das nicht
sein Leben ist. So wollte er nicht weiter leben. Andere in seiner Situation hätten es
nie so weit geschafft. Er aber ist besonders. Seine jetzige Arbeit sagt doch alles.
06-Atmo: Krankenhausfunk Opfer von Schusswunden
05-OT-Ray: My name is Raymond Estrada, I‟m a case manager for Caught in the
Crossfire here at “Youth Alive”.
Übersetzer:
Ich bin Raymond Estrada und arbeite als Sozialarbeiter bei der Organisation “Youth
Alive”.
Sprecher: Raymond Estrada, 42 Jahre alt, etwa 1 Meter 70 groß, muskulös gebaut,
kahl geschorener Kopf. Er sitzt im Besprechungsraum von “Youth Alive” im
kalifornischen Oakland. Dort werden junge Menschen betreut, die Opfer von Gewalt
geworden sind. Raymond Estrada hat nicht studiert und keine Ausbildung. Zumindest
nicht im klassischen Sinne. Doch er ist wie geschaffen für seine Arbeit bei “Youth
Alive”. Mit ruhiger Stimme erzählt er von seiner Arbeit.
07-OT-Ray: My specific job is to provide social services to victims of violence. All my
clients get referred from Highland Hospital, they‟ve been either victims of gun
violence or stab wounds or any kind of violence that they ended up being referred or
sent to the trauma department there at Highland for. From that point on, I‟m case
managing and providing social services.
We offer everything from job seeking, sometimes we place them in employments.
DMV support, the population we serve, a lot of times they are driving around on the
streets without a license and have to worry about the cops. So we try to assist them
with the DMV support. Or sometimes they have Community Service hours that need
to be completed, we assist them with the Community Service hours. If we feel like it‟s
beneficial to them to get back into school to further their education, we assist them,
taking them to the school, enrolling them in school. If they need relocation, because
who ever the shooters are, they know where they live or if they‟re in fear of their life
and they can‟t go back to their house where they live at, we‟ll recommend they get
3
relocated. Court support, sometimes talking to their probation officers or parole
officers. Support along those areas.
Übersetzer:
Ich biete soziale Dienste für Opfer von Gewalt an. Meine Klienten werden vom
Highland Hospital geschickt. Sie sind entweder Opfer von Schusswaffen, von
Angriffen mit Stichwaffen, von irgendeiner Form von Gewalt geworden. Deshalb
wurden sie ins Krankenhaus gebracht. Sie müssen zwischen 12 und 25 Jahren alt
sein, damit wir von „Youth Alive“ uns um sie kümmern können.
Wir bieten alles mögliche an, wir unterstützen sie bei der Jobsuche und helfen ihnen,
den Führerschein zu machen, denn viele unserer Klienten fahren ohne Führerschein,
immer in der Angst vor Polizeikontrollen. Manche müssen gemeinnützige Arbeit
ableisten, dabei unterstützen wir sie auch. Wenn wir glauben, es wäre gut für sie,
dass sie wieder in die Schule gehen, melden wir sie an. Wenn sie wegziehen
müssen, weil derjenige, der sie angeschossen hat, weiß, wo sie wohnen, helfen wir
ihnen beim Umzug. Wir unterstützen sie vor Gericht, sprechen aber auch mit den
Bewährungshelfern.
Sprecher: Raymond Estradas Mutter ist Tochter mexikanischer Einwanderer. Die
Eltern trennten sich, als er ein Jahr alt war. Die Mutter verbot dem Vater den Umgang
mit dem Sohn. Als Raymond 5 Jahre alt war starb sein leiblicher Vater bei einem
Autounfall. Seine Mutter war da schon seit zwei Jahren mit einem neuen Partner
zusammen, den Raymond „Dad“ nannte. Die Eltern arbeiteten hart, um die Familie
zu ernähren, der Stiefvater hatte mehrere Nebenjobs.
Er habe gute Erinnerungen an ihn, sagt Raymond, auch wenn „Dad“ selten zu Hause
war. Die Familie zog schließlich in ein eigenes Haus nach Camden, New Jersey. Und
dort haben die Probleme des jungen Raymond begonnen.
10-OT-Ray: When I was going to High School I started gathering with the people I
shouldn‟t be gatherin around with, Like people say, hanging out with the wrong
crowd. That‟s what I was starting doing in High School. And than I just started,
gravitating towards the streets in New Jersey. This was Camden, New Jersey.
Camden, New Jersey is like Oakland, East-Oakland, it‟s rough, it‟s crazy, it‟s ghetto,
it‟s very violent, lot of crime taking place there.
Übersetzer:
Als ich in die High School kam, hing ich mit Leuten rum, mit denen ich mich besser
nicht abgegeben hätte. Da fing alles an. Das war in Camden, New Jersey, das ist
ungefähr so wie East-Oakland: Rau, verrückt, Ghetto, sehr gewalttätig, viel
Kriminalität.
11-OT: Musik “Cartel De Santa”
Sprecher: Immer wieder betont Raymond Estrada, dass er aus einem guten
Elternhaus stamme und seine beiden Schwestern Karriere gemacht hätten, die eine
wurde radiologische Therapeutin, die andere… Justizvollzugsbeamtin. Seine Eltern
bekamen vom Alltag ihres Sohnes nichts mit.
Fast täglich klauten er und seine Freunde Autos und lieferten sich Verfolgungsjagden
mit der Polizei. Am Anfang hatte Raymond Glück, immer wieder entging er der
Verhaftung. Kurz vor seinem 18. Geburtstag überzeugte er die Eltern, in den
Sommerferien seine Verwandten in San Jose besuchen zu dürfen, wo er seine
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ersten Lebensjahre verbrachte. Die Eltern willigten ein. In Kalifornien begann der
rasante Abstieg von Raymond Estrada.
12-OT-Ray: I steal some cars here and getting into some high speed chase and got
caught. So I go to jail, I turn 18 in jail, I was there for maybe 30 days. I get out, but
because the school year had already started by the time I get out of jail, I decide I
stay for a little while longer. But now I have to go through all the transferring all my
probation and all of that work stuff, that takes a while. So, I stay here a little longer,
the school year has already started. So, by the time I get done with all the paper work
of transferring my probation back to New Jersey I get arrested again for another
stolen car. And now I have a probation violation, so now I get send away for 90 days
in jail and now I‟m 18 and I‟m going to County Jail. Because of that, I never finished
school, never went back to the East Coast, never enrolled here in San Jose.
Übersetzer:
Ich klaute Autos, hatte ein paar Verfolgungsjagden mit der Polizei und wurde
erwischt. Einen Monat lang war ich im Knast, dort wurde ich 18. Die Schule hatte
schon wieder angefangen, als ich auf Bewährung rauskam. Ich blieb noch etwas
länger in San Jose. Als ich endlich den Papierkram erledigt hatte, um meine
Bewährungsstrafe in New Jersey beenden zu können, wurde ich wieder mit einem
gestohlenen Auto erwischt. Nun hatte ich meine Bewährungsstrafe verletzt und
wurde für 90 Tage ins Bezirksgefängnis gesteckt. Wegen all dem habe ich auch nie
die Schule beendet, ich ging nicht mehr nach New Jersey zurück, sondern blieb in
San Jose. Und auch da habe ich mich nicht mehr für die Schule angemeldet.
13-OT-Angelina Loyola: It‟s kind of like a lifestyle thing. I think he was, like we all
are, well most of us, pulled into this lifestyle. We as young adults, we just tried to do
our best to navigate through this. We didn‟t have the social capital, the cultural capital
of being pointed in the right direction, as far as completing school, going to College.
Übersetzerin:
Die Gang – das ist eine Lebensform. Raymond wurde, wie wir alle eigentlich, da
hinein gezogen. Als junge Erwachsene haben wir versucht, uns zurecht zu finden.
Viele hatten nicht den sozialen oder kulturellen Hintergrund, um in die richtige
Richtung, zum Schulabschluss oder College gelenkt zu werden.
Sprecher: Angelina Loyola ist eine entfernte Cousine von Raymond Estrada. Sie hat
dessen Leben in San Jose begleitet. Gemeinsam hingen sie mit ihrer Gang auf der
Straße ab und verkauften Drogen.
14-OT-Angelina Loyola: A gang is your extended family. And sometimes this
extended family, these gang members, these brothers, you actually call them your
brothers. Sometimes they‟re more to you than your own family, than your blood
relatives. Because they understand you, and they accept you for who you are. Of
course you are similar in age, similar in experiences, so you create like this bond with
these gang members. [And I don‟t really like to refer to them as gang members, I
mean they are extended family, they really are.] And they are just as lost as you are.
You create these relationships, based on survival, like you‟re trying to survive this
young adulthood. And you don‟t know what to do in life. You have no direction. So, to
me it‟s basically a game of survival.
5
Übersetzerin:
Eine Gang ist deine erweiterte Familie. Das sind deine Brüder. Manchmal bedeuten
sie dir mehr als deine leiblichen Verwandten. Denn sie verstehen dich, sie
akzeptieren dich so, wie du bist. Man ist im gleichen Alter, hat die gleichen
Erfahrungen gemacht, es entwickelt sich eine enge Verbindung mit den anderen
Gangmitgliedern. Sie sind genauso verloren wie man selbst. Man entwickelt diese
Beziehungen, die aufs Überleben ausgerichtet sind, Überleben der Jugendzeit. Man
weiß nicht, was man im Leben machen will. Es gibt keine Richtung.
15-OT-Raymond: By this time I was 18, 19. I could have been looking for a job, but
job didn‟t even enter my mind at that time. I was having, in my mind, I was having too
much fun with my friends and getting the attraction with all the girls. I was just getting
too much attention, and you know, I was starting to get a reputation, like, this guy is
crazy, man, he‟s a crazy dude, right here. I liked that kind of attention back than.
Übersetzer:
Damals war ich 18, 19 Jahre alt. Ich hätte nach einem Job suchen können, aber
Arbeit war nicht auf meinem Radar. Ich hatte zu viel Spaß mit meinen Freunden,
dazu die Aufmerksamkeit der Mädchen. “Der ist verrückt, völlig durchgeknallt”,
sagten alle. Ich fand das damals richtig gut.
Sprecher: 1990 kam Raymond nach einer Prügelei mit Baseballschlägern wieder ins
Gefängnis: wegen Körperverletzung mit einer tödlichen Waffe.
16-OT-Raymond: I go to the County jail, do the whole year there, when I get out, I
really think I‟m John Gotti in a littler body or something. I‟m like the man, I get back
out, all my friends that I was hanging out with, they embrace me with open arms. Oh,
you‟re back out, welcome back out. Again, I see that attention that I‟m getting, and
I‟m thriving off that attention, I like that and I want to continue that reputation that I‟m
developing. So, hanging out again and next thing I know we‟re getting our hands on
some guns.
Übersetzer:
Ein Jahr war ich im Gefängnis, und als ich rauskam, fühlte ich mich wie der
Mafiaboss John Gotti. Ich war ein ganzer Kerl, alle meine Freunde waren da und
nahmen mich gleich wieder in ihre Mitte. Willkommen zurück! Und sofort war wieder
diese Aufmerksamkeit da, die ich mag. Wir hingen rum, und auf einmal kamen wir an
Knarren ran.
17-OT: Sound of Pump Gun
18-OT-Raymond, 42”: But what ends up happening is, I start driving around with a
gun in my car. (Everywhere I go, I start driving around with a gun.) Having friends
with me at times, we see other guys we don‟t like or whatever the reason is, I just
start trigger happy, shooting guns out the window of my car. Whether it‟s just driving
through another neighborhood, shooting guns in the air or actually shooting at a
crowd, doing something that stupid. Shooting at a rival crowd, like I said, starting
getting trigger happy.
6
Übersetzer:
Ich fuhr nur noch mit Waffen im Auto herum. Wenn Freunde mit mir unterwegs
waren, sahen wir manchmal Typen, die wir nicht mochten und schossen einfach aus
dem Fenster raus. Mein Finger lag locker am Abzug. In anderen Stadtteilen ballerten
wir in die Luft, manchmal sogar auf Leute, total bescheuertes Zeug.
Sprecher: Eines Tag im Jahr 1992 war Raymond Estrada alleine unterwegs und hielt
an einer roten Ampel. Er merkte nicht, dass er auf dem Territorium einer verfeindeten
Gang war. Die entdeckten ihn und beworfen sein Auto mit Steinen, Flaschen und
Dosen. Raymond gab Gas, an der nächsten Kreuzung drehte er um.
19-OT-Raymond: But at this time, while I drive back I pull out an assault rifle, I had
an M1 assault rifle underneath my seat. I pull that out, chamber a round in the
chamber, put the assault rifle in my lap. So they see me coming and they‟re all in the
middle of the street, daring me to run them over. I don‟t go through them, I don‟t go
through the crowd, I just stop before the crowd, put the car in park and step out of the
car and put the assault rifle over the windshield. They see the assault rifle and they
all take off running. Next thing I know I start shooting at the whole crowd. But I wasn‟t
like a marksman or an expert shooter. So what I‟m doing is like waiving the gun
anywhere I see some people moving. I‟m like pulling the trigger. I‟m ending up
unloading 18 rounds, I shot 18 rounds. Out of 18 rounds I shot four people. But
luckily, looking back on it now, luckily I didn‟t kill nobody. The four people that I shot, I
shot them all in the legs.
Übersetzer:
Während ich zurückfuhr, zog ich ein Sturmgewehr unterm Sitz hervor. Die anderen
sahen mich kommen, stellten sich provozierend mitten auf die Straße und forderten
mich heraus. Ich stellte den Motor ab und stieg aus. Die sahen das Sturmgewehr und
rannten los. Ich habe auf sie geschossen. Ich war kein guter Schütze. Ich zielte nur
auf die, die wegrannten. 18 Mal hatte ich gefeuert, vier Menschen getroffen.
Glücklicherweise habe ich niemanden tödlich getroffen. Sondern nur ihre Beine
erwischt.
20-OT-Raymond weiter: I was 20 at that time.
(Übersetzer: Damals war ich zwanzig.)
Sprecher: Eine Woche später stand die Polizei vor Raymonds Tür.
Überwachungskameras hatten die Schießerei aufgezeichnet. Gut erkennbar war sein
Autokennzeichen, der ganze Vorgang - wie er erst weg fuhr, dann umdrehte, anhielt,
in aller Ruhe ausstieg und mit dem Schießen anfing. Seine Opfer belasteten ihn
darüber hinaus als Gangmitglied. Das war eine Strafverschärfung vor Gericht.
21-OT-Ray: I started to get a little bit worried. At the fourth day of the trial, my
attorney talked to the DA at the judges chambers. And he comes out and says: “Look
Ray, I talked to the DA. The DA wants to give you one last chance, because you‟re
so young and he feels kind of sorry for you. One last chance for you to take a plea
bargain. The plea bargain is with no life sentence, but if you choose to fight it and you
want to go on, there is a real good chance you might get a life sentence, it‟s a gang
related case,” he said. The deal is, 25 years in prison with half time, because this
case happened in 1992. In 92 there was no three strikes law.
7
Übersetzer:
Beim Prozess wurde ich doch etwas unruhig. Am vierten Tag sprachen mein Anwalt
und der Staatsanwalt im Büro des Richters. Er sagte zu mir: “Ray, ich habe mit dem
Staatsanwalt gesprochen. Der will dir noch eine letzte Chance geben, weil du so jung
bist und ihm Leid tust. Keine lebenslängliche Haftstrafe, die du durchaus bekommen
kannst, weil das Gangkriminalität war. Sondern 25 Jahre Gefängnis, mit Aussicht auf
Begnadigung nach der Hälfte der Zeit”.
1992 gab es noch kein “Three Strikes”-Gesetz, bei dem man nach der dritten
Verurteilung automatisch 25 Jahre absitzen muss.
Sprecher: 1992 fing Angelina Loyola an, sich vom Gangleben abzuwenden. Sie war
20 und hatte einen vierjährigen Sohn, als ihr Zwillingsbruder zu neun Jahren
Gefängnis verurteilt wurde. Angelina saß mit ihrer weinenden Mutter im Gerichtssaal.
22-OT-Angelina: I was watching the pain she was going through, watching her son
go to prison and get sentenced for this long amount of years. And I thought to myself
in that moment, I‟m not gonna do this. I‟m not gonna feel the way she‟s feeling. And
so that‟s when I turned my life around. I used to do drugs too, I was on a path to
nowhere. I was young single mom. And from that point forward I started step by step,
babysteps…I started working, I got my own place, I made sure that my son was
going to school. And I understood that I needed to be that role model for him, that
nobody else in the world…his life depended on me. And I wanted to be, what my
mother wasn‟t for me. I didn‟t have any direction. My mom was present, but she
wasn‟t present, if that makes any sense. So, I had my brother incarcerated for a lot of
years. Simultaneously while Raymond was incarcerated. And I watched these men in
my life, these really important men in my life, watched them throw away a lot of
years. Good years. And so as a female, as a mother, I didn‟t want my son to go down
that same path. So, that was a turning point for me.
Übersetzerin:
Ich habe ihren Schmerz gesehen, als ihr Sohn verurteilt wurde. In dem Moment
dachte ich, das will ich nicht erleben. Da fing ich an, mein Leben zu ändern. Damals
nahm ich Drogen, war auf einem Weg nach nirgendwo. Ich war eine junge,
alleinerziehende Mutter. Schritt für Schritt habe ich mich von meinem alten Leben
entfernt. Ich suchte mir Arbeit, eine eigene Wohnung und kümmerte mich darum,
dass mein Sohn jeden Tag in die Schule geht. Ich wusste, dass ich ihm ein Vorbild
sein musste. Wie sich sein Leben entwickeln würde, hing von mir ab. Ich wollte für
ihn sein, was meine Mutter nie für mich war.
Mein Bruder war eingesperrt. Zur gleichen Zeit Raymond. Und ich habe mit ansehen
müssen, wie diese beiden für mich wichtigen Männer viele Jahre ihres Lebens
weggeworfen haben. Als Frau, als Mutter, wollte ich nicht, dass mein Sohn diesen
Weg einschlägt. Das war für mich der Umkehrpunkt.
23-Atmo: Stahltür die zuschlägt
Off Stimme: SAN QUENTIN STATE PRISON
24-OT-Raymond, 20”: I couldn‟t expect this. It was a hell of a feeling. Going there,
you get your blankets and all your T-Shirts, your underwear, your cosmetics, your
hygiene kit that they give you. You ball it all up in the middle of your blankets and
you‟re carrying a big old sack of stuff inside your blanket.
8
Übersetzer:
Es war die Hölle. Man bekommt seine T-Shirts und Unterwäsche, Seife und
Hygieneartikel. Das rollt man dann in seiner Decke zusammen.
26-OT-Raymond, 1’14”: The guards tell you from the very first floor, they point up,
all the way to the fifth floor, and they tell me, you‟re cell is up there on the fifth floor
and in that direction there. Go up there and look for it. And then I look up and all I see
is nothing but bars. Like bars and barbed wire everywhere. Than I see the gun tower,
a guard walking with a gun, an actual gun in his hand. Than I see guys throwing
newspapers on fire over the fourth or fifth tear. And I see fishing lines coming down,
guys like sending cigarettes to other guys on different tears. And everyone yelling,
other guys singing, some guys whistling. Some guys talking…it was just madness. It
was like a strange zoo, it was madness in there. So, the feeling I look up, when I see
all that stuff going on, I remember, the first thing I thought in my head was “wow, I got
25 years of this to deal with. Am I actually gonna make it out of here alive with all the
stories that I‟m hearing about this place. This place looks crazy, it sounds crazy. I
don‟t know if I even make it out of here alive.
Übersetzer:
Die Wärter im Erdgeschoss zeigten nach oben und sagten, “im vierten Stock ist
deine Zelle.” Ich schaute hoch, und da war nichts als Gitter und Stacheldraht. Dann
der Wachturm, auf dem ein Wärter mit Gewehr in der Hand stand. Gefangene warfen
brennende Zeitungen vom dritten und vierten Stock. An Schnüren seilten sie
Zigaretten ab. Und überall Geschrei, einige haben gesungen, andere gepfiffen. Ein
paar Typen redeten…es war irre. Wie ein seltsamer Zoo, total verrückt. Als ich mich
umsah, überkam mich das Gefühl, “wow, das hier 25 Jahre. Komme ich hier nochmal
lebend raus?“ Dann ging ich langsam die Treppen hoch. Aber ich erinnere mich, der
erste Gedanke war, ob ich hier sterben werde. Es war total verrückt.
29 Musik: Anfang von “The Garden” von den Einstürzenden Neubauten
Sprecher: Raymond Estrada schloss sich in San Quentin den Mexikanern aus der
Gegend von San Jose an. Er wusste, dass er das Gefängnis nicht überleben würde,
wenn er alleine bliebe.
30-OT-Raymond, 42”: I feel like you have to socialize with a certain crowd. Because
in there it‟s a dog eat dog world. Major part of the population thrives on weakness in
there. And if they feel like, that certain part of the population sees like there‟s a guy
by himself, a loner, they like thrive on that, and try to like pick on „em or whatever the
case may be. If you socialize yourself with a certain crowd, the other population there
sees if I mess with him, I‟m gonna have to mess with the whole crowd he‟s hanging
out with. So you get kind of a sense of protection when you socialize with a crowd.
Übersetzer:
Da drin ist es jeder gegen jeden. Ein Großteil der Gefangenen lebt von den
Schwächen anderer. Wenn die sehen, da ist einer allein, ein Einzelgänger, dann
hacken sie auf dem rum und machen mit ihm, was sie wollen. Wenn man sich aber
mit einer Gruppe zusammen tut, dann kapieren die anderen, wenn ich dem was tue,
dann habe ich es mit der ganzen Gruppe zu tun. Also hat man eine bestimmte Art
von Schutz.
9
Sprecher: Raymond wurde ein, wie er selbst sagt, “guter Soldat” seiner
Gefängnisgang. Er misst gerade mal einen Meter 70 und wusste, dass er sofort
zuschlagen muss, um nicht herum gestoßen zu werden. Die neuen Kameraden
testeten ihn auch sofort.
31-OT-Raymond: They make a knife for me, a knife out of plastic. And they show me
who the target was. You know, I come up, walk up to him with the knife from behind,
and ended up stabbing him three times in the neck. And got away with it.
So, sure enough, they give me another plastic knife. There is another guy doing
exercise on the yard. He‟s doing pull ups. And as he‟s doing pull ups, I come up from
behind him and start stabbing him. I hit him, stabbing one time in the neck and stab
him three more times in the ribs, like in the side area. 33”
They make an ice pick and I see the target and I go up to him, and I start stabbing
him in his chest. But he puts his hands up, I stab him like two times in the chest. By
the third time he put his hands up and started blocking a lot of „em.So I‟m stabbing
like his forearms and his hands.
Übersetzer:
Sie machten mir ein Messer aus Plastik und zeigten mir, wer das Opfer ist.
Ich ging von hinten auf ihn zu und stach ihm dreimal in den Hals. Niemand hat etwas
gesehen.
Kurz danach bekam ich wieder ein Plastikmesser. Ein anderer Typ trainierte auf dem
Hof, machte Klimmzüge. Ich kam von hinten und stach auf ihn ein. Ich schlug ihn,
stach ihm in den Hals, in die Rippen, in die Seite.
Sprecher: Gewalt gehörte von Anfang an zum Gefängnisalltag. Nur wenige Monate
nach seiner Ankunft in San Quentin wurde Raymond Estrada nach Corcoran Bay
verlegt, nach “Vietnam”, wie es seine Mithäftlinge nannten.
32-OT-Raymond, 27”: You‟re on constant high alert. You can never be anywhere by
yourself. That‟s like rule number one, never go anywhere by yourself. Because you
can easily become someone‟s target. So you always have to walk around with a
couple of your friends. You watch their back, and they watch yours. And at the same
time, anyone, anywhere you‟re walking with a group of individuals or a group of your
friends, at least one guy in your group has a knife on him at all times.
Übersetzer:
Man ist ständig unter Strom, man kann nie alleine sein. Die Regel Nummer eins ist:
geh niemals alleine irgendwo hin. Sonst wirst du Ziel eines Angriffs. Man lief also
immer mit Freunden herum. Man passte auf sie auf, sie auf einen.
In so einer Gruppe hatte immer einer ein Messer dabei. Man war also jederzeit für
alles bereit.
Sprecher: Nach knapp vier Jahren wurde Raymond Estrada von Corcoran Bay ins
Gefängnis von Salinas Valley, nur eine Autostunde südlich von San Jose, verlegt.
Das war das schlimmste Gefängnis für ihn.
33-OT-Raymond, 41”: Still to this day I really don‟t like to talk about all the violence
and all the bad stuff that was going on in there. I‟d rather like to talk about what‟s
going on out there with you guys, what‟s going on with my aunt, or with my uncle?
How is my cousins doing, how are you doing? You know, I just read this book, it was
10
a fascinating book by author such and such. You know, when I get out of here, I‟m
interested in going to College. Have you heard the new song on the radio? You just
talk about different things, I didn‟t like to talk about the negative stuff that was going
on in there.
Übersetzer:
Noch heute spreche ich kaum über all die Gewalt und das, was ich da erlebt habe.
Damals redete ich auch lieber darüber, was draußen passiert, was mit meiner Tante
oder meinem Onkel los ist. Wie es den Cousins geht, was ich gerade lese, wie
faszinierend das ist. Was ich machen will, wenn ich draußen bin, dass ich gerne
studieren möchte. Hast du den neuen Song im Radio gehört? Man redet über alles
Mögliche. Ich wollte nicht über das negative Zeugs sprechen.
34-OT-Angelina Loyola: He never really spoke to me about what was going on
behind closed doors. And I think this was for a reason, I think, he didn‟t want to
expose me to any kind of stress or anything he was going through.
I used to visit him a lot in prison. I used to visit him a lot in prison. Me and Raymond
always had a connection, because we both came from the same lifestyle and we both
wanted more for ourselves. So we would talk to each other about each others goals
and dreams. And we would basically support one another
Übersetzerin:
Er sprach nie darüber, was dort im Gefängnis los war. Ich glaube, weil er mich nicht
beunruhigen wollte, mit dem, was er da durchmachte.
Ich besuchte ihn regelmäßig in Salinas Valley. Raymond und ich hatten immer eine
Verbindung, denn wir hatten den gleichen Hintergrund und wollten mehr vom Leben.
Wir redeten viel über unsere Ziele und Träume. Dabei unterstützten wir uns
gegenseitig.
Sprecher: 2003 kam seine Mutter zu Besuch. Raymond saß seit elf Jahren hinter
Gittern. Weinend erklärte sie ihm, dass sie Brustkrebs habe und vielleicht nicht mehr
da sei, wenn er entlassen werde. Er schwor ihr, sich zu bessern. Seine Schwester
war auch dabei und hielt ihm vor, dass er an keinem ihrer besonderen Tage
anwesend war. Nicht beim Schulabschluss, nicht bei ihrer Hochzeit, weder bei der
Geburt ihres Kindes, noch bei ihrem Uniabschluss:
35-OT-Raymond: That just made me open my eyes and realize, wait a minute, I will
be out there pretty soon, and I wanna hurry up and get back out there. But when I do
get back out there, I need to be transitioned, I need to reprogram my mind, I can‟t get
out there like a prison inmate robot. I have to get out there a little bit more wise, a
little bit more educated. My vocabulary needs to change, my mentality of thinking of
everybody is the enemy, if you‟re not on my side, you‟re against me. I needed to get
out of, how I dress… my dress code, like a gang member. So I had to transition
myself, little by little. So I started reading the source, reading the dictionary, reading
anything educational, any books, newspaper articles, US News magazines,
Newsweek magazines, anything educational. Because the more you read, you start
picking up on the vocabulary, you start picking up on the words. I just started
transitioning myself.
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Übersetzer:
Das öffnete mir die Augen. Mir wurde klar, wenn ich aus dem Gefängnis komme,
muss ich mich verändert haben. Ich kann dann nicht wie ein Gefängnisroboter sein.
Ich muss klüger sein, besser gebildet. Mein Wortschatz muss sich ändern, meine
Einstellung: jeden als Feind zu sehen – wenn du nicht auf meiner Seite bist, dann
bist du gegen mich. Ich musste mich anders kleiden, nicht mehr wie ein
Gangmitglied. Schritt für Schritt musste ich mich verändern. Also fing ich an zu lesen,
Wörterbücher, Bücher, Zeitungen, Magazine, alles, wo ich etwas lernen konnte.
Denn je mehr man liest, desto mehr Wörter nimmt man auf.
Sprecher: Abends und nachts las Raymond in seiner Zelle, am Tag gab er weiter
den harten Gangsoldaten. Vier Jahre dauerte dieses Spiel. Nach 15 Jahren kam der
Tag, auf den er so lange gewartet hatte, der 6. Oktober 2007.
36-OT-Raymond: Oh man, that was…that was so happy. // I woke up maybe three,
four o‟clock in the morning. Finally when my cell door opens, I just gave my cell mate
a handshake and a hug, I told him I‟m outta here, I left with nothing. The only thing I
took with me, were my family pictures. I remember, when I left, I was kind of jittery, I
felt like my knees were shaking, I felt like…that kind of feeling when I drink too much
coffee, I‟m getting jittery, and you get like nervous.
Übersetzer:
Oh Mann, das war toll! Der Tag meiner Entlassung – ich war schon um drei, vier Uhr
morgens wach. Als die Zellentür dann endlich aufging, schüttelte ich meinem
Zellennachbarn die Hand, umarmte ihn und sagte “Ich komme raus”. Außer meinen
Familienfotos habe ich nichts mitgenommen. Ich erinnere mich noch, ich war ganz
aufgeregt, meine Knie zitterten, es war so ein Gefühl, wie wenn man zu viel Kaffee
trinkt. So zittrig und nervös.
37-Atmo: schweres Stahltor öffnet sich
38-OT-Raymond, 40”: I see my family there, I run up to my mom and give her a big
old hug, we started crying. My sister was there, I gave her a big old giant hug. We
started crying. My little cousins, I had younger cousins, they came to pick me up also.
They were hugging me. You know, when I got first locked up and I went in there,
these little cousins were 10, 12 years old, now they‟re in their 20s and they are like 6
feet something, now they‟re picking me up. They‟re not my little cousins anymore. So
they were just excited to see me get out. It was a real good feeling.
Übersetzer:
Ich sah meine Familie und rannte auf meine Mutter zu, umarmte sie, wir weinten
beide. Meine Schwester war da, ich umarmte sie ganz fest. Meine kleinen Cousins
waren gekommen. 10, 12 Jahre alt waren sie, als ich eingesperrt wurde, und jetzt in
ihren 20ern. Sie waren nicht mehr meine kleinen Cousins. Alle freuten sich, dass ich
draußen war. Es war so ein gutes Gefühl.
39-OT-Angelina: And then when he got home, I tried to help him on his feet. It took
me a long time to get my stuff together, financially and everything, but I always had
good credit. And I made sure, that‟s how you make it in America, right. If you don‟t
have good credit, you don‟t have shit. Knowing, that he wouldn‟t come out to a job
right away, I put him on a couple of my credit cards, so that we could establishing his
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credit. But I trusted him and I know that he was worthy of it, so I was able to help him
out in that way. And just basically sticking by his side and supporting him to this day,
we connect on the phone every now and than and check up on each other. He blows
me away, every time he calls me, he is into something new.
Übersetzerin:
Als er raus kam, versuchte ich, ihm dabei zu helfen, auf eigenen Füßen zu stehen.
Es dauerte bei mir auch einige Zeit, um mein Leben zu ordnen, finanziell und auch
sonst. Ich habe immer darauf geachtet, dass ich kreditwürdig war, denn sonst schafft
man es in Amerika nicht. Du kriegst keine Wohnung, kein Auto. Raymond hatte ja
nicht gleich einen Job. Deswegen gab ich ihm ein paar meiner Kreditkarten, damit er
seine Kreditwürdigkeit entwickeln und nachweisen konnte, dass er mit Geld umgehen
kann und seine Schulden begleicht. Ich habe ihm vertraut. Ich war einfach für ihn da
und unterstützte ihn. Noch heute telefonieren wir regelmäßig. Er überrascht mich
immer wieder mit dem, was er macht.
Sprecher: Raymond Estrada fing nach seiner Zeit im Gefängnis mit Aushilfsjobs an.
Ein Pfarrer half ihm, seine großflächigen Tätowierungen entfernen zu lassen. Ein
schmerzhafter Abschluss seines Ganglebens. Im Austausch dafür ging er mit dem
Geistlichen in High Schools und erzählte den Jugendlichen seine Geschichte:
40-OT-Raymond: So when I went to start talking to the kids for the first time, they
were in aw, they were listening to every single word that I was saying. So, I see that,
their look on their face. So, I realize that, I got a little bit of power over these kids. If I
really wanna be good in what I‟m doing, if I really wanna make an impact, I gotta take
this serious and try to make an impact in their lifes in a positive way.
Übersetzer:
Als ich das erste Mal zu den Kindern kam, waren sie erstaunt. Sie hörten mir ganz
genau zu; Kids, die sonst auf niemanden hören… Da merkte ich, dass ich schon
etwas Einfluss habe. Wenn ich also wirklich Gutes tun und Dinge verändern will,
dann muss ich diese Kids im positiven Sinne beeinflussen.
Sprecher: An einer der Schulen lernte Raymond seine heutige Frau kennen. Das
war nur ein paar Monate nach seiner Haftentlassung. (Sie ist ein Anker in seinem
Leben, wie er sagt.) 2010 heirateten sie, kurz nach der Hochzeit kam ihre Tochter zur
Welt.
Raymond Estrada hat die Statistik besiegt, die besagt, dass 70 Prozent der
entlassenen Strafgefangenen in Kalifornien wieder hinter Gittern landen.
Auf Umwegen fand er seinen Job bei “Youth Alive” in Oakland. Ohne Ausbildung,
ohne Schulabschluss, ohne Papiere wurde er eingestellt. Seine Schule war die
Straße, seine Uni das Gefängnis.
41-OT-Raymond: Every scar that I have on my head, that‟s a trip to because, every
scar I have on my body….every scar on my body are all on my head. Nothing below,
I have no other scar on my whole body, all on my head. On my face you can see
scars right here, you see this scar here, that‟s from fighting. I have scars across my
eyebrow, my forehead, across my head, side of my head, both sides of my head. I
think that I‟m being blessed, I‟m being blessed in my own personal life. I‟m doing my
best to help these kids out and help them do something positive with their lives.
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Übersetzer:
Ich denke nicht an die Vergangenheit, ich habe keine Alpträume. Nichts von damals
berührt mich mehr. Weißt du, was komisch ist? Wenn ich daran denke, wie
gewalttätig ich dort war.
Jede Narbe, die ich habe, ist auf meinem Kopf. Nichts auf dem Körper, nur auf dem
Kopf. All diese Narben sind von Kämpfen, hier über dem Auge, auf der Stirn, oben
auf der Kopfhaut, an beiden Seiten meines Kopfes.
Ich glaube, dass ich gesegnet bin in meinem Leben. Ich tue mein bestes, um diesen
Kindern zu helfen, damit sie etwas Positives aus ihrem Leben machen.
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