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Eismacher und Cafetier Karl Ebenbeck „Man sieht, dass wir was

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Samstag, 27. Juli 2013
STRAUBINGER RUNDSCHAU
43
Eismacher und Cafetier Karl Ebenbeck
Speiseeis-Hersteller, Hilfspolizist und „Spiegelkabinett“-Betreiber
Von Hans Vicari
Die Teilnehmer der Freizeit- und Begegnungsmaßnahme der Lebenshilfe.
Ein Urlaubstag vom Alltag
41. Freizeitmaßnahme der Lebenshilfe
Dass sie bei ihrem Vorsitzenden
Hans Zillinger immer ein offenes
Ohr für ihre Sorgen finden, wissen
die Mitglieder der Lebenshilfe für
Menschen mit geistiger Behinderung. Beim Zuhören allein belässt
er es meist nicht. Wenn nötig, hat er
eine routiniert gespitzte Feder zum
Ausfüllen von Anträgen und Formulieren von Widersprüchen parat.
Nicht ohne Grund: Bürokratische
Hürden lassen Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen fast
genauso oft kapitulieren wie hinderliche Treppenstufen. Nebenbei
organisiert Zillinger jedes Jahr einen Urlaubstag vom Alltag für
Menschen mit Behinderung, ihre
Angehörigen sowie Freunde der Lebenshilfe. Diesmal führte die Busfahrt, die inzwischen 41. Freizeitund Begegnungsmaßnahme, bei der
Inklusion gelebt wird, für 52 Teilnehmer an den Königssee.
Es war das Wunschziel der Teilnehmer. „Zuletzt haben wir den Königssee vor 21 Jahren angesteuert“,
erinnert sich Zillinger. So freuten
sich die Mitfahrer über das Weißwurstfrühstück im Bus ebenso wie
die Schifffahrt am Königssee und
Gelegenheit zum Wandern, Spazierengehen oder einfach im Schatten
sitzen und die Natur ringsherum genießen. Die Begegnung zwischen
Meschen mit und ohne Behinderung
in ungezwungener Atmosphäre ist
Anliegen der Freizeit- und Begegnungsmaßnahmen. Damit es keine
unliebsamen baulichen Überraschungen gibt, klopft Hans Zillinger das Ausflugsziel auf Barrieren
ab und überlässt nichts dem Zufall.
Maßstab sei die Mobilität des
Schwächsten in der Gruppe, so seine Devise. Alle Behinderten aus
dem Mitgliederkreis fuhren auf
Kosten der Lebenshilfe mit und erhielten zusätzlich das traditionelle
Zehrgeld. Eltern und Freunde zahlen einen moderaten Kostenbeitrag.
Möglich machte das eine Spende in
Höhe von 500 Euro, die Elke und
Helmut Brei vom Getränkemarkt
Häusler am Otto-von-Dandl-Ring
bei einer Sammlung in ihrem Geschäft erzielten und auf den runden
Betrag aufrundeten. Weitere 250
Euro steuerte die Volksbank bei.
Für 2014 plant Zillinger „eine
größere Schifffahrt“. Zunächst
schlägt er sich noch mit einem Problem herum, das auch beim Ausflug
viel diskutiert wurde, die Abzweigung des Kindergeldes durch das
Sozialamt der Stadt bei Eltern, deren Kinder zuhause wohnen und
Grundsicherung erhalten. Die Stadt
stehe mit dieser Praxis allein.
-mon-
Mehr Frauen in die Politik
Programm „SoFIA“ startet auch in Straubing
Das
Qualifizierungsprogramm
SoFIA (Sozialdemokratische Frauen Interessieren und Aufbauen) der
bayerischen SPD startet nun auch
in Straubing. In den Stadt- und Gemeinderäten liegt der Frauenanteil
im Durchschnitt bei rund 30 Prozent, es gibt aber immer noch Gemeinden mit nur einer weiblichen
Gemeinderätin, bis hin zu völlig
frauenfreien Gemeinderäten. Daher
sollen mit SoFIA mehr Kandidatinnen für die Arbeit im Stadt- und
Gemeinderat interessiert und geworben und Wählerinnen zurückgewonnen werden. Für das Projekt in
Straubing
konnten
Stadträtin
Christine Schrock und die Ortsvorsitzende Petra Penzkofer-Hagenauer als Patinnen und Katja Reitmaier, SPD-Frauenvorsitzende im Bezirk Niederbayern, als Leiterin gewonnen werden.
„Die Teilnehmerinnen sollen ihr
Profil schärfen, sich bezüglich politischer Inhalte qualifizieren und ein
Netzwerk aufbauen“, skizzierte
Christine Schrock die Programmziele. Damit sollen einerseits Kandidatinnen für die nächsten Kommunalwahlen gefunden und andererseits künftige Mandatsträgerin-
nen für ihre Ämter und Mandate fit
gemacht werden.
Mit Praxisbeispielen verdeutlichte Katja Reitmaier die Möglichkeiten des Qualifizierungsprogrammes. Es orientiert sich an den Bedürfnissen und Wünschen der teilnehmenden Frauen. Dies ermöglicht
maßgeschneiderte Konzepte. Die
Angebotspalette geht von Rhetorikund Presseseminaren bis zum Aufbau von sozialen Netzwerken und
einer besseren Selbstpräsentation.
„Besonders liegt uns die Stärkung
der Frauen am Herzen, da sie meistens sehr vorsichtig an politische
Herausforderungen herangehen“,
erläuterte Christine Schrock.
Zu diesem Qualifizierungsprogramm können sich natürlich auch
Frauen melden, die nicht der SPD
angehören. Anmeldungen sind möglich bei Christine Schrock in der
SPD-Geschäftsstelle,
Telefon
09421/42761,
E-Mail:
christine.schrock@spd.de. Um sich besser
kennenzulernen, sei zunächst die
Einrichtung eines regelmäßigen
Frauenstammtisches geplant, gab
Petra Penzkofer-Hagenauer bekannt. Erster Termin ist Montag, 26.
August, um 18 Uhr im Hotel Röhrl.
Stellten das Programm „SoFIA“ vor: Christine Schrock, Gertrud Gruber, Katja
Reitmaier und Petra Penzkofer-Hagenauer (von links).
Als siebzehnjähriger Schüler besuchte ich nachmittags gerne das
Cafe Ebenbeck in der Fraunhoferstraße gleich neben dem Museum.
Der Besitzer des Cafes, Karl Ebenbeck, war ein jovialer, stets gut gelaunter und distinguierter Herr, der
gepflegten Umgang mit seinen Gästen hielt, über alle gesellschaftlichen und politisch relevanten Vorkommnisse der Stadt zumindest ansatzweise Bescheid wusste, dies
auch zu erklären versuchte und mit
seiner Meinung darüber diskret
hinterm Berg zu halten verstand.
Ein Cafetier alter Schule halt!
Am 17. Mai 1907 geboren, als
zweiter Sohn der Eheleute Augusta
und Leopold Ebenbeck in Straubing aufgewachsen, erlernte er beim
Konditor Alois Buchner am Theresienplatz das süße Konditorhandwerk und brachte es zum Meister.
Die karge Kriegszeit 1914- bis 1918
und die folgenden Inflationsjahre
1923/24 zwangen auch ihn und seine Familie zur einfachen und eingeschränkten Lebensweise. Der Sport
hat es dem jungen Karl angetan:
Kunstradfahren,
Leichtathletik,
Schwimmen, Hand- und Fußball
waren seine Sparten. Er wurde zum
Kriegsdienst eingezogen, heiratete
seine Berta, kehrte gesund und
glücklich bald nach Kriegsende
wieder heim, erfuhr vom Soldatentod seines 1902 geborenen Bruders
Leopold, der noch in den letzten
Kriegstagen 1945 sein Leben lassen
musste. Während des Krieges kam
Sohn Heinz zur Welt, der später
auch Konditor lernte, nach Südamerika auswanderte, dort ein Fotogeschäft betrieb, sich als Kunstmaler betätigte, eine Auswahl seiner Werke in Straubing 1993 in der
Volksbank ausstellte, wieder zurück
in seine zweite südamerikanische
Heimat zog und dort bereits verstorben ist.
Karl Ebenbeck sah sich nach dem
Krieg nach einer Existenz um, war
kurzfristig mit einer weißen Armbinde in der Schar der Straubinger
Hilfspolizisten anzutreffen und eröffnete schon 1949 sein erstes Cafe‘,
betrieb es geschickt, schuf süßes
Gebäck und Torten, stellte im Sommer sein ausgezeichnetes Speiseeis
her, stand hinter seinem Tresen und
Karl Ebenbeck an seiner Kaffeemaschine in seinem Cafe Fraunhoferstraße;
Sammlung Erwin Böhm.
braute einen wohlriechenden Kaffee, offerierte verschiedene Biere
und Weine und für die Damen auch
schmackhafte Liköre.
Anfangs der fünfziger Jahre des
letzten Jahrhunderts installierte
Karl Ebenbeck in seinem Cafe einen
Fernseher. Und da sein Betrieb aus
drei Räumen bestand und damals
die Sehnsucht nach den bewegten
Fernsehbildern sehr groß war,
brachte er es fertig, mittels eines
von ihm ausgeklügelten Spiegelsystems, sämtliche Sendungen des Ersten Programms in alle Räume zu
schicken.
Wir nannten es „Ebenbecks Spiegelkabinett“. Zur rechten Zeit wurde in den hinteren kleineren Räumen auch ein gepflegter Schafkopf
geklopft. Das störte die übrigen
Gäste nicht. Es waren vor allem
jüngere Leute, Schüler mit ihren
Freunden und Freundinnen, und vor
allem Tischtennisspieler. Karl war
auch mal 1. Vorsitzender des damals
berühmten Straubinger TTC mit
Emil Bardowsky, Theo Salberg, Erwin Wanninger, Erwin Böhm, Wolfgang Haala, Toni Rohrmeier, Max
Simbeck, Manfred Teschner und
Karl Krämer. Einen zweiten Platz in
der bayerischen Meisterschaft, und
ein ehrenwerter vierter in der süddeutschen waren Höhenpunkte des
Straubinger TTC.
Bis 1963 betrieb Karl Ebenbeck
sein Cafe in der Fraunhoferstraße,
zeitweise war er auch Inhaber des
„Venezia“ in der Bahnhofstraßedamals erste Adresse für Straubinger Gymnasiasten.
Eine seiner beliebtesten und fleißigsten Bedienungen in der Fraunhoferstraße war die „Anni“, die das
Cafe nach 1963 noch einige Jahre
innehatte und selbstständig führte.
Heute ist in den ehemaligen Caferäumen Ebenbeck das „City Shisha“, Fraunhoferstraße 21. 1967 holte Karl Ebenbeck mit Heinz Pflügl
eine Live-Aufführung der bekannten Fernsehserie „Spiel ohne Grenzen“, moderiert von Camillo Felgen,
nach Straubing ins TSV-Stadion an
der Regensburger Straße. Bis zu seinem Lebensende am 4. Oktober
1996 war Karl Ebenbeck als Immobilienkaufmann tätig.
„Man sieht, dass wir was bewegen“
Sitzung des Ausländerbeirates: Bezahlbare Wohnungen gefordert
„Der Integrationsbeirat in Straubing hat Hand und Fuß, wir machen
schon etwas“, betonte Vorsitzender
Nail Demir. Über mehrere vergangene und künftige Aktivitäten wurde bei der Sitzung des Ausländerund Migrationsbeirates am Donnerstag im Blauen Salon des Rathauses berichtet. Wiederholt wurde
mit guten Gründen gehofft und appelliert, „dass Straubing bunt
bleibt“.
Als „ganz schön gelaufen“ und
„wunderbare Veranstaltung“ charakterisierte Peter Stranninger, Verwaltungsrat für Integrationsfragen,
die Kundgebung für Vielfalt am 17.
Juli auf dem Stadtplatz (wir berichteten), die sich gegen eine gleichzeitige NPD-Kundgebung richtete.
Viele hätten an der Aktion „Wir
sind bunt“ teilgenommen, auch
Passanten.
Außerdem
forderte
Stranninger speziell für Migranten:
„Wir brauchen bezahlbare Wohnungen in Straubing.“ Das sei momentan vor allem die Fragestellung.
Ein „renommiertes und wissenschaftlich fundiertes Projekt zur
Gesundheitsförderung“ stellte Hedi
Werner vor, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt. Die bundesweite Aktion heißt BIG (Bewegung als
Investition in Gesundheit) und richtet sich an besonders Frauen mit
und ohne Migrationshintergrund,
Frauen, die Transferleistungen erhalten oder Alleinerziehende. Wünsche nach Bewegung, Sport und
Spaß, Fitness, Rückenschule, Aerobic – alles, was man bisher nicht so
machen konnte, weil es zu teuer
war, es keine entsprechenden Angebote oder nur ungünstige Zeiten gab
– sollen erfüllt werden.
In Straubing befindet sich das
vielseitige Projekt noch in der Planungsphase. „Möglichst viele Frauen sollen dabei mitarbeiten“, betonte Werner, „es geht nicht darum, das
Rad neu zu erfinden, sondern die
tatsächliche Bedürfnisse zu erkennen“, betonte Werner und verteilte
auch einen Fragebogen. Der größte
Wunsch seien eigene Frauenbadezeiten. Interessentinnen an der Planung von BIG können sich unter Telefon 09421/944-981 oder E-Mail
Hedi.Werner@straubing.de melden.
| Von Arbeitskreisen
bis Zuschüssen
Über die Vollversammlung der
AGABY, der Arbeitsgemeinschaft
für Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayern, die am 27.
und 28. April in München stattfand,
berichtete Slim El Atki. Man wolle
Konflikte entschärfen und Eigenverantwortung stärken. In Arbeitsgruppen wurden verschiedene Themen behandelt, wie Vereinsarbeit,
Fördermöglichkeiten,
Gleichberechtigung und Vernetzung oder die
vier Entwicklungsstufen des Integrationsprozesses erörtert. Zum
ostbayerischen Arbeitskreis „Toleranz und Vielfalt“ wies Vorsitzende
Nail Demir besonders auf den
Schwerpunkt
der
„Doppelten
Staatsbürgerschaft“ hin. Er informierte auch kurz über den Türkeitag in Regensburg, bei dem er
„Volksnähe wie noch nie erlebt“
habe. Von „unglaublichem Interesse“ sprach Meltem Ulusoy beim
„Tag der offenen Moschee“ in
Straubing und hob besonders die
Führungen und Vorführungen hervor, rundum eine „gelungene Veranstaltung“.
Reges Interesse zeigte man auch
an einer Seminararbeit über Integration, die momentan an der Fachoberschule Straubing entsteht. Die
Schülerin Katharina Weber erläuterte kurz ihre Motive und verteilte
Fragebögen zu dem Thema, das aktuell und interessant sei.
Abschließend beantwortete Roman Schaffner von der Lokalen Koordinierungsstelle der Stadt, Sachgebiet „Integration“, noch einige
Fragen.
An der Sitzung des Ausländerbeirats nahmen neben Peter Stranninger auch die Stadträte Erhard
Grundl, Peter Mittermeier und Peter Ries teil.
-gus-
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