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Abiturrede 1987 Liebe Zuhörer "Was ich bin wurde - henkelonline

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Abiturrede 1987
Liebe Zuhörer
"Was ich bin wurde ich gegen die Lehrer",
hat vor 80 Jahren ein Abiturient geschrieben,der Schriftsteller
Herman Kesten.
Ich stehe vor diesem Satz und versuche zu vergleichen,nach Änderun gen zu suchen.Zumindest bei der Namensgebung stößt man auf eine Verschiebung. Aus derLehranstalt ist die Schulfamilie geworden.Kein
Zweifel,das klingt hübscher.Es lohnt sich aber auch zu fragen,was
diese Familie geleistet hat,b.z.w.was sich ihre Mitglieder geleistet haben - und zwar nicht nach dem Schema "Lernt der Schüler gut'
lehren die Lehrer gut,leitet das Direktorat?"
Wichtig ist doch,was sonst noch an dieser Schule passiert ist!
Von uns war da Engagement,bei SMV und Agora,bei der Aktion gegen die
Streichung der "Theaterfahrt des LK Deutsch,beim Südafrikatag,bei der
Durchsetzung der Griechenlandfahrt,bei dem Versuch ihre Fehler zu
verarbeiten und vieles andere.
Waren wir also wirklich der träge Haufen,der zu sein uns oft genug
vorgehalten wurde;sind nicht im Gegenteil all die Sprüche lächerlich
gegenüber der Tatsache,daß sich am genannten Südafrikatag gaze sechs
Lehrer einfanden;daß das Direktorat die gesamte Verantwortung zwei
Scülern aufhalste und sich danach vor Begeisterung überschlug;daß
sich für die Schulfeste immer die selben wenigen Lehrer bereiterklären, derSMV zu helfen,oder daß ein Vortrag,wie der Herrn Haidachers über die WAA in Wackersdorf eine absolute Ausnahme am
Max darstellt.
Ebenso könnte man sich Gedanken machen,wie Aussagen von
Lehrern zu beurteilen sind,die der "unkameradschaftlichen Kl3
weder die Organisation eines Griechenlandabends noch die eines
Abiturfestes zutrauen.Das Problem des mangelnden Zusammengehörigkeitsgefühls wird im Lehrerkollegium durch die Auteilung in drei
Zimmer gelöst,für die offensichtlich gegegnseitiges Zutrittsverbot besteht.Persönliche Abneigungen bis zu Intrigen,wie bei der
Steichung der Theaterfahrt sind eben nicht Schüler-genausowenig
wie K13 spezifisch,und so ist es durchaus möglich,daß das Max in
Zukunft einige Lehrer verlieren wird,die sich in dieser Familie
nicht mehr wohlfühlen.
Kritikfähigkeit ,das heißt auch Fähigkeit zur Selbstkritik,wird am Max
anscheinend nicht sonderlich gepflegt.Auch die Schüler sind davon betroffen .
Es hat sich niemand gefunden,dem das Kriegerdenkmal im ersten
Stock Anlaß zur Kritik gegeben hätte.Wir haben in das Politikvakuun
Max kaum neue Inpulse gebracht.Wir haben die Schule abgehakt und
doch dauernd von ihr geredet.Die Spleens der Lehrer haben uns oft
vor dem Schweigen gerettet.Wir sind von der Resignation angesteckt
worden und haben in den Pausen nutzlosen Protest abgelassen.Solidarität
als Voraussetzung zum Handeln war oft genug Mangelwäre.Wir haben
auch gelernt zu unterscheiden zwischen humanistischem Denken und
dem imrer wieder angepriesenen Phrasenhumanismus.
Wir sind nicht alles gegen die Lehrer geworden;genausowenig
wie mit ihnen.Viel leicht sind wir aber zuviel gegen die eigenen
Partner gewesen.
München im Juni 1987
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Seele and Geist
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