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"Mach doch was hier bei uns im Ort!" - Neu Fahrland

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Quelle: Märkische Allgemeine, 14.04.2004
Nach einem Berufsleben für den Fußball gilt Günter Simons ruheloser
Ruhestand dem "Landboten" Neu Fahrland
"Mach doch was hier bei uns im Ort!"
HILTRUD MÜLLER
NEU FAHRLAND Pünktlich zur
Europameisterschaft liegt die neue Auflage in den
Buchläden, und Günter Simon (73), der Autor, zeigt
sich zufrieden. In überarbeiteter Auflage offeriert der
Copress Verlag München das große FußballLexikon, das Simon gemeinsam mit seinem
Sportkollegen Bernd Rohr erarbeitet hatte, damals noch unter
Schirmherrschaft des Bibliografischen Instituts Leipzig.
Fünf Jahre hatten die beiden für diese Enzyklopädie geackert. Eine gute Zeit,
sagt Simon. Wer wollte nicht Bleibendes schaffen? Das hätte der
Niederlausitzer, der in Neu Fahrland einheiratete, womöglich auch bei der
Defa erreicht. Dort begann der Germanistik-Absolvent im dramaturgischen
Fach. Doch bald wusste er, dass sein Herz an der Dramaturgie eines
Fußballmatchs hing: Simon kickte bei Rotation Babelsberg und bestritt an der
Seite von "Schrippe" Schröder oder "Schupo" Tietz 55 Oberliga-Spiele.
Es kam, wie es kommen musste: Der Kicker mit dem Talent zum Fabulieren
wurde bei der Defa abgeworben, und zwar durch den Chefredakteur der
"Neuen Fußballwoche", kurz Fuwo genannt. Gut, sagte sich Simon, schauen
wir uns den Laden mal an...
Aus der Stippvisite wurden schließlich 31 Jahre, die Günter Simon im
Sportverlag reportierte, kommentierte, analysierte, schließlich zum
stellvertretenden Fuwo-Chefredakteur avancierte und obendrein unzählige
Gastkolumnen schrieb, denn die Fuwo galt als Fachzeitschrift, ihre
Redakteure als Experten. Daher empfand es der Sportreporter besonders
schmerzlich, als mit der Übernahme durch den Springer-Verlag dieses Profil
den Bach runter ging. "Der ,Kicker' war fest etabliert, die Fuwo bald auf
Boulevard-Niveau abgerutscht", hält Simon fest. Der Westen war also zu ihm
gekommen. Dabei hatte er in den Jahren zuvor mehrfach das Angebot
erhalten, "drüben" abzutauchen. Doch der Mann erwies sich als bodenständig.
Wo seine Familie war, dort war er zuhaus. Und aus der Fuwo, dieser kleinen,
verschworenen Truppe, vermochte ihn kein noch so dickes Westgehalt
wegzulocken.
Als die Abwicklung nicht mehr aufzuhalten war, trat Simon in den
Vorruhestand. Doch von 180 auf 0, wie sollte das gehen? Es war seine Frau
Erika, die vorschlug: "Mach doch was hier bei uns im Ort!" Den kannte ihr
Mann kaum, trieb er sich doch vorwiegend in Fußballstadien herum.
Kommunalpolitik also. "Du musst verrückt sein!", bedeuteten ihm seine
Sportfreunde. Doch Günter Simon erkannte sehr wohl die Chance, die jene
Umbruchszeit bot: Etwas Neues aufbauen! Du machst es ganz oder gar nicht,
sagte er sich. Und als ihn die Neu-Fahrländer 1993 zum stellvertretenden
Bürgermeister wählten, war die Sache entschieden.
Was aber konnte die Neuorientierung besser begleiten als eine Ortszeitung,
die Alteingesessene und Neuzugezogene verbindet? Vor genau zehn Jahren,
im April 1994, hob Simon den "Neu Fahrländer Landboten" aus der Taufe - ein
gut strukturiertes Blatt mit journalistischem Anspruch, an der auch der
Schriftsteller Franz Fabian, die Fotografen lIona Meister und Gerhard Gläser
oder die Chronistin Ursula Hinz mitwirken - allesamt honorarfrei, wie Simon
auch. Dokumentiert wurde das nervende Tauziehen um Restitution ebenso
wie der Bau von Kita und Gemeindezentrum, Kanalisation und
Wohnsiedlungen, Straßen und Nedlitzer Brücke oder auch die aufregenden
Debatten um die Eingemeindung nach Potsdam. Dort ist man nun
angekommen - mitsamt dem "Landboten", der übrigens jetzt vom Wachsen
, "
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einer Fußballschule berichtet.
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Seele and Geist
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