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"Was kostet..." - DaybyDay ISSN 1860-2967

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"Was kostet..."
Auszug aus DaybyDay ISSN 1860-2967
http://iris-media.info/spip.php?article2007
"Was kostet..."
- DaybyDay ISSN 1860-2967 -
Redaktionsdatum: Sonnabend 28. Juli 2007
Erscheinungsdatum: 24. Juli 2007
DaybyDay ISSN 1860-2967
Copyright © 2004 - 2014 IRIS® Media
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"Was kostet..."
... nein, nicht: "die Welt" - sondern: "ein Grab".
O.
Dazu gibt die Seite www.50plus.at "Das Leben ist schön" wie folgt Auskunft:
Ein Grab kann prinzipiell nicht erworben werden, lediglich ein zeitlich beschränktes Nutzungsrecht (meist auf 10
Jahre oder ein Vielfaches davon), das bereits zu Lebzeiten erworben und weitervererbt werden kann, nicht jedoch
verkauft oder verpachtet. Benutzungsberechtigt werden einige Monate vor Ablauf des Nutzungsrechtes brieflich
verständigt. Verlängerungen von Nutzungsrechten sind möglich (ausser ein Friedhof wird aufgelassen). Hinweise auf
Ablauftermine finden sich gegebenenfalls auch an den Anschlagtafeln der Friedhöfe angeschlagen. Achtung: In Wien
sind die bereits fast alle Grabstellendaten online abrufbar. Eine individuelle Verständigung über den Ablauf einer
Grabnutzung findet nicht mehr statt. [...]
Erwirbt man ein Nutzungsrecht für eine Grab, muss man mit Verwaltungsabgaben, Einschreibgebühren oder
Verlängerungsgebühren von rund 80 bis 500 Euro rechnen.
Anders als in der jüdischen Tradition, nach der weder Leichen übereinander bestattet, noch Friedhöfe aufgelöst
werden dürfen, müssen also auf den meisten anderen als Friedhof ausgewiesenen Flächen die Grabstellen immer
wieder erneut verlängert werden - ein bisschen schwierig, sobald man tot ist.
I.
Das Beispiel Bremen:
Laut dem ab dem 1. Januar 2006 in Kraft getretenen Ortsgesetzes zur Änderung der Gebührenordnung für die
stadteigenen Friedhöfe in Bremen wurden die Kosten für die "Verlängerung der Nutzungsrechte an Grabstellen nach
§ 7 der Friedhofsordnung" um 6,1% von Euro 690,- auf 732,- erhöht.
Dazu heisst es in der Begründung u.a.:
Gerade angesichts des [...] aufgeführten veränderten Beerdigungsverhaltens - fortschreitender Trend zur preiswerten
Urnenbestattung - lassen sich die daraus resultierenden sinkenden Einnahmen nicht mehr durch
Einsparmaßnahmen ausgleichen. [...]
Da Zuschüsse aus dem Haushalt zur Verlustabdeckung nicht in Frage kommen, die Aufwandsreduzierung durch
Verschiebung von Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen (Verlagerung der jetzigen Probleme in die Zukunft)
ebenfalls nicht geeignet ist, die fehlende Kostendeckung zu beheben, bleibt nur der Weg der Erlössteigerung über
eine Gebührenanpassung. [...]
Dabei ist es angemessen, dem bundesweiten Trend zur Annäherung der Gebühren für die Urnenbestattungen an die
Sargbestattung zu folgen. Im Städtevergleich zeigen Recherchen deutlich, dass die Gebühren der stadtbremischen
Friedhöfe teilweise bis zu 34 % unterhalb der Mittelwerte liegen. [...]
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"Was kostet..."
II.
Das Beispiel Berlin:
Die Kosten für den Berliner Friedhof Heerstrasse [1] [2] [3] basieren auf der Grundlage
des Gesetzes "über die landeseigenen und nichtlandeseigenen Friedhöfe Berlins", kurz "Friedhofsgesetz" vom 1.
November 1995, sowie
der Verordnung über die Verwaltung und Benutzung der landeseigenen Friedhöfe Berlins und sind fixiert in
der Gebührenordnung für die landeseigenen Friedhöfe und Krematorien Berlins vom 17. November 2003.
In der zuletzt a, 13. April 2006 geänderten Ordnung heisst es:
Verlängerung des Nutzungsrechts an einer Grabstätte EURO 14,00
bei Verlängerung des Nutzungsrechts ohne weiteren Bestattungsfall oder für das ohne Bestattungsfall
überlassene Nutzungsrecht (Reservierung), je Grabstätte und Jahr EURO 26,00
Sollte es sich dagegen um ein sogenanntes Ehrengrab handeln, wie es zum Beispiel dem 1927 in Montana-Vermala
verstorbenen Publizisten Maximilian Harden (eigentlich: Felix Ernst Wittkowski) zugesprochen worden ist, liegen die
Verhältnisse anders.
In § III "Ehrengrabstätten für Persönlichkeiten mit besonderen Verdiensten", Absatz 9 heisst es dazu:
Ab Anerkennung übernimmt das örtlich zuständige Bezirksamt die Kosten für die Grabpflege, für die Instandhaltung
der Ehrengrabstätte und des Grabmals sowie für die Verlängerung des Nutzungsrechts, sofern diese Kosten nicht
von den Angehörigen oder Dritten getragen werden. Die erforderlichen Mittel werden in den Bezirksplänen als
Sondertatbestand an-erkannt und zusätzlich im Rahmen der Finanzzuweisungen bereitgestellt.
Aber auch damit ist diese Grabstelle nicht "auf immer und ewig" gesichert. Vielmehr entscheidet der Senat nach
Ablauf eines Zeitraums, der "der der geltenden Mindestruhezeit entspricht [...] auf der Grundlage einer gutachtlichen
Stellungnahme [...] über eine Fortdauer der Anerkennung als Ehrengrabstätte." [4]
III.
Das Beispiel Tabori:
Nach dieser hier zitierten Ausführungsverordnung könnte ein Grab von George Tabori auf dem
Dorotheenstädtischen Friedhof frühestens im Jahr 2012 zu einem Ehrengrab erklärt werden.
Soweit eine solche Beschlussvorlage in absehbarer Zeit weder seitens des Berliner Senats noch von anderer Seite
eingereicht werden würde, wird hiermit - ersatzhalber und formlos - ein solcher Antrag gestellt.
Dieser Antrag wäre verbunden mit einer besonderen Anfrage / Auflage: Dass eine solche positive Entscheidung
zumindest solange Geltung behalten solle, solange dieser Friedhof existieren wird.
WS.
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"Was kostet..."
[1] Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen auf ihrem "Kiezspaziergang am 12.6.2004" :
Friedhof Heerstraße
Ursprünglich war der Friedhof für den 1911 als Villenkolonie geplanten Gutsbezirk "Heerstraße" zwischen Stößensee und Heerstraßenbrücke
gedacht - daher sein heutiger Name, der heute in einiger Entfernung von der Heerstraße etwas deplaziert wirkt. Der Friedhof wurde 1921 bis 1924
von dem Charlottenburger Gartenbaudirektor Erwin Barth rund um den Sausuhlensee angelegt. [...]
Die Grabreihen wurden terrassenförmig um die tiefe Mulde mit dem See im Mittelpunkt gruppiert. Am 7. Oktober 1924 wurde er als
interkonfessioneller Friedhof von Groß-Berlin eröffnet. Als "Waldfriedhof Heerstraße" gehörte nicht dem Bezirk Charlottenburg, sondern dem
Forstfiskus. [...]
Von den zahlreichen Grabstätten berühmter Persönlichkeiten seien genannt: der Komponist und Dirigent Leo Blech, der Schriftsteller Ferdinand
Bruckner, der am 3.3.2003 verstorbene Schauspieler Horst Buchholz, die Kunstsammeler-Familie Cassirer, die Schauspielerin Tilla Durieux, die
Schriftsteller Theodor Däubler und Curt Goetz, der Maler und Grafiker George Grosz, der Kabarettist Wolfgang Gruner, Käte Haack, Maximilian
Harden, Felix Holländer, Arno Holz, Benjamine und Georg Kolbe (mit nach Kolbes Entwürfen geschaffenen Stelen), Willi Kollo, Viktor de Kowa,
Eduard und Evelyn Künneke, die Vorkämpferin der Frauenbewegung Helene Lange, der Komponist Klaus-Günther Neumann, Joachim
Ringelnatz, Willi Rose, Willy Schaeffers, Hannelore Schroth, die Verleger-Familie Ullstein, Paul Wegener und Grete Weiser.
[2] Aus: Kommunalpolitischer Rundgang am 19.5.2001. Durch Ruhleben. Bezirksbürgermeister Andreas Statzkowski:
Von den zahlreichen Grabstätten berühmter Künstler und Kunstfreunden seien genannt: George Grosz, Familie Cassirer und Tilla Durieux,
Familie Ullstein, Georg und Benjamine Kolbe (mit nach Kolbes Entwürfen geschaffenen Stelen), Theodor Däubler, Curt Goetz, Maximilian Harden,
Felix Holländer, Arno Holz, Joachim Ringelnatz, Ferdinand Bruckner, Viktor de Kowa, Paul Wegener, Grete Weise, Eduard Künneke, Leo Blech,
außerdem Helene Lange (Vorkämpferin der Frauenbewegung).
Bemerkenswert ist auch das Familienbegräbnis Seidler mit einer der seltenen modernen Plastiken auf Berliner Friedhöfen, einer abstrakten
Skulptur von Volkmar Haase.
[3] Hier ein Text-Auszug aus: Beate Ziegs 'Ruhe sanft'. Die Zukunft der Friedhöfe. Erstsendung am 19.2.2005 . Erneute Sendung im
DeutschlandRadio Berlin am 22. Juli 2007, die gleich zu Beginn ihrer Sendung wie in einer vorweggenommenen Zusammenfassung erklärte:
"Friedwälder statt Friedhöfen ist ein zukunftsweisender Trend und die Forderung nach mehr Gestaltungsmöglichkeiten und weniger
Reglementierung."
Der Link
http://www.dradio.de/dlr/sendungen/zeitreisen/349182/
konnte bei der Fertigstellung des Textes bis Ende Juli nicht aktiviert werden, daher zitieren wir hier die diesen Friedhof betreffende Passage wie
folgt:
Eine normale Gruft für einen normalen Sarg auf dem Waldfriedhof Heerstraße in Berlin-Spandau. Zwei Meter zwanzig lang, einen Meter achtzig
tief und einen Meter breit. Einen vollen Arbeitstag hat es gedauert, bis die Gruft ausgehoben war, jetzt ist sie innerhalb kurzer Zeit zugeschüttet.
Drei Kubikmeter Erde per Hand. Die meisten Wege sind zu schmal für den Bagger. Keines der etwa 15.000 Gräber ist eingefasst, damit der
Waldcharakter nicht gestört wird.
Thomas Engel: Ist ja so'ne Art Oase, so'n Friedhof, so'n abgeteiltes Stück von der Restwelt.
Thomas Engel hat fast 30 Jahre auf dem Friedhof Heerstraße gearbeitet: Gruben ausgehoben und wieder zugeschüttet, Bäume beschnitten,
Urnen zum Grab getragen, Menschen in ihrer Konfrontation mit dem Tod erlebt.
Thomas Engel: Und wenn dann halt ein Kind kommt, das weiß, dass es in sechs Wochen sterben wird und sich das eigene Grab aussucht, dann
ist das schon - und locker ist, also nicht heult, sondern ganz locker und gefasst ist und sagt: "Ja, da möchte ich liegen, das ist in der Sonne. Das
wird mein Platz sein, wo ich den Körper hinbringe." Da stutzt man dann erstmal, ne.
Also dadurch, dass man ja wirklich den Menschen in den unterschiedlichen Aggregatzuständen angetroffen hat, bekommt man auch Abstand
dazu. Und gerade, wenn man eine Weile Urnen getragen hat, ist es immer wieder erstaunlich, wenn man hinter sich hört: "Das war nun Walter
gewesen." Der war vielleicht zwei Zentner, und plötzlich ist er also auf diese kleine Kapsel begrenzt. Und wenn man dann sagt: Naja, das ist ja
wirklich nur der Körper. Es kann ja nicht die Seele sein. Das geht ja nicht. Und das, was uns ausmacht, ist ja nicht der Körper in der Regel,
sondern die Seele. Und so schließt sich der Kreis dann: Geburt, Tod - alles eins.
"Eins" mag es tatsächlich sein, keineswegs jedoch einerlei. Jedenfalls nicht, wenn es um einen lukrativen Anteil an den etwa 8 Milliarden Euro
geht, die jährlich auf dem Bestattungsmarkt umgesetzt werden. Es ist ein stark umkämpfter Markt, auf dem Steinmetze, Gärtnereien,
Friedhofsverwaltungen, Krematorien oder Bestattungsunternehmen ihre Angebote nach zwei gegenläufigen Tendenzen ausrichten müssen:
Einerseits lassen Discountbegräbnisse mit Billigsärgen aus stabiler Pappe - so genannten "Peace Boxes", wie sie in der Schweiz und
Großbritannien verwendet werden - die Preise in den Keller purzeln. Aber dann darf es auf der anderen Seite auch schon mal die aufwendig
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"Was kostet..."
gestaltete Urne in Erdbeerform mit Leuchtherz sein.
[4] Zum Beispiel: Das Grab von Rudi Dutschke auf dem Sankt-Annen-Friedhof in Zehlendorf wurde 1999 als Ehrengrab umgewidmet. Also wird
spätestens zum Jahr 2019 erneut über sein Andenken entschieden werden müssen.
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