close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

"Alles was Recht ist!": Erste Hilfe und Recht - Jugendrotkreuz

EinbettenHerunterladen
"Alles was Recht ist!": Erste Hilfe und Recht
Im Rahmen dieses Workshops erläuterte der Referent unterschiedliche Rechtsaspekte im
Zusammenhang mit Erster-Hilfe-Leistung. Die Teilnehmer hatten die Möglichkeit, eigene
Fragen und konkrete Fälle mit einzubringen.
Einige der häufig gestellten Fragen und entsprechende Antworten sind hier kurz
zusammengefasst. Die Broschüren des Gemeindeunfallversicherungsverbandes (GUVV),
aus denen im Folgenden häufig zitiert wird, können kostenlos unter www.guvv-wl.de bestellt
werden.
1. Frage:
Welche Pflichten hat die Schule im Rahmen der Sicherstellung der Ersten Hilfe?
Antwort:
-
SchulG § 59 (6) "Die Schulleiterin oder der Schulleiter ist für die Unfallverhütung
sowie eine wirksame Erste Hilfe in der Schule und für den Arbeits- und
Gesundheitsschutz verantwortlich."
§ 60 (3) "Die Schulleiterin oder der Schulleiter kann einzelne Leitungsaufgaben auf
Lehrerinnen und Lehrer zur eigenständigen Wahrnehmung übertragen. Die
Gesamtverantwortung der Schulleiterin oder des Schulleiters bleibt davon unberührt."
"Die Versorgung der verletzten Schülerin bzw. des verletzten Schülers hat Vorrang.
Ggf. müssen Lehrkräfte der Nachbarklassen um Mitaufsicht gebeten oder sonstige
geeignete Personen mit der Aufsicht beauftragt werden. (...) Das Verhalten in einer
Unfallsituation sollte auch mit den Schülerinnen und Schülern eingeübt und
regelmäßig wiederholt werden." (Entnommen aus: Angelika Röhr: Erste Hilfe bei
Schulunfällen (Aufsatz), GUVV Westfalen-Lippe)
2. Frage:
Welche Erste-Hilfe-Ausstattung und Meldeeinrichtungen müssen in der Schule
vorhanden sein?
Antwort:
Nach § 21 Sozialgesetzbuch VII und § 10 Arbeitsschutzgesetz muss für Schülerinnen
und Schüler eine sachgerechte Erste Hilfe sichergestellt werden. In der
Informationsschrift "Erste Hilfe in Schulen" (GUV -SI 8065) des
Gemeindeunfallversicherungsverbandes werden die Voraussetzungen für eine wirksame
Erste Hilfe in der Schule genannt. An der Schule sollte vorhanden sein:
- Mindestens ein Raum, in dem verletzte Schülerinnen und Schüler betreut werden
können ("Sanitätsraum", "Krankenzimmer", "Schularztzimmer"). Dieser sollte sich zu
ebener Erde in zentraler Lage und für den Rettungsdienst gut zugänglich sein.
- Der Sanitätsraum muss mindestens mit einem kleinen Verbandkasten nach DIN
13157 Typ C sowie einer Krankentrage nach DIN 13024, Teil 1 oder DIN 13024, Teil
2 oder einer Liege ausgerüstet sein. Auch sollte ein Waschbecken mit fließend
kaltem und warmem Wasser vorhanden sein.
- Weitere Verbandkästen müssen, je nach Größe der Schule, vor allem in Bereichen
mit erhöhter Gefährdung (z.B. Sporthallen, naturwissenschaftliche Unterrichtsräume,
Werkräume, Lehrküchen, Werkstätten) vorhanden sein.
- In Sporthallen und auf Sportplätzen sollten zusätzlich Kältepackungen, Sportsalben
vorhanden sein.
- In zentraler Lage im Gebäude sowie bei weitläufigen Gebäudekomplexen und in
Bereichen mit erhöhter Gefährdung (z.B. Sporthallen, naturwissenschaftliche
Räume...) muss eine Meldeeinrichtung (Telefon) jederzeit erreichbar sein. In
unmittelbarer Nähe der Meldeeinrichtung müssen die Namen der Ersthelferinnen und
Ersthelfer und der Orte, an denen sie üblicherweise zu erreichen sind, die
Rufnummern der nächstgelegenen Arztpraxen, des Durchgangsarztes, des
Krankenhauses, der Rettungsleitstelle, der Giftzentralen und der Taxizentralen
verfügbar sein.
3. Frage:
Was müssen Lehrpersonen hinsichtlich der Aufsichtsführung im Falle von
Unfallsituationen und Erste-Hilfe-Leistung beachten?
Antwort:
-
-
-
Allgemein gilt: "Die Aufsichtsführung ist eine pädagogische Aufgabe. In Schulen
werden überwiegend Minderjährige unterrichtet und erzogen, die schon infolge ihres
Alters einer besonderen Beaufsichtigung bedürfen." "Die Aufsicht muss grundsätzlich
ununterbrochen ausgeübt werden. Da der Lehrer nicht jedes einzelne Kind ständig im
Auge behalten kann, müssen sich die Schüler zumindest durch die Anwesenheit des
Lehrers beaufsichtigt fühlen. Ist der Lehrer aus persönlichen oder dienstlichen
Gründen gezwungen, den Ort der Aufsichtsführung zu verlassen, so muss er alle
zumutbaren Vorkehrungen treffen, um für die Zeit seiner Abwesenheit Gefahren von
den Schülern oder durch die Schüler abzuwenden. Ob hierfür Belehrungen
ausreichen, ob ggf. die Bitte an den Lehrer der Nachbarklasse um Aufsichtsführung
oder die Beauftragung eines geeigneten Schülers mit der Aufsicht in Betracht kommt,
richtet sich immer nach der Lage des Einzelfalles. Wesentlich ist auch hier, dass sich
die Schüler nicht völlig unbeaufsichtigt fühlen." (Entnommen aus: Gesetzlicher
Unfallversicherungsschutz für Schülerinnen und Schüler; GUV-SI 8030, Seiten 27
und 29).
Schulsanitäterinnen und Schulsanitäter müssen natürlich, wie alle anderen Schüler
auch, beaufsichtigt werden. Durch ihre Aufgabe im Schulsanitätsdienst übernehmen
sie an der Schule eine verantwortungsvolle Aufgabe. Die Lehrperson, die die Gruppe
der Schulsanitäter betreut, sollte sich von der persönlichen Reife der Schüler für
diese Aufgabe überzeugen, die Schulsanitäter kontinuierlich begleiten und betreuen
sowie sie in ihren Tätigkeiten unterstützen und dafür sorgen, dass die Erste-HilfeKenntnisse regelmäßig aufgefrischt bzw. vertieft werden. Sollte es zu einer ErsteHilfe-Leistung durch Schulsanitäter kommen, muss für diese immer die Möglichkeit
bestehen, sich bei Fragen oder Problemen an den aufsichtsführenden Lehrer zu
wenden.
Grundsätzlich ist zum Thema Haftung bei Erster-Hilfe-Leistung zu sagen:
"Handelt ein Ersthelfer nach bestem Wissen und Gewissen und leistet er- seinen
Fähigkeiten entsprechend- die ihm bestmögliche Hilfe, so braucht er grundsätzlich
weder mit zivilrechtlichen noch mit strafrechtlichen Konsequenzen zu rechnen, die
sich nachteilig für ihn auswirken. Selbst wenn ihm bei der Hilfeleistung ein Fehler
unterlaufen sollte, bleibt er strafffrei, da er in jedem Falle seine Hilfe leistete, um dem
anderen zu helfen." (Entnommen aus: Rechtsfragen bei Erster-Hilfe-Leistung; GUV
20.42, Seite12).
4. Frage:
Wer ist bei Erkrankung oder Unfall eines Schülers zu benachrichtigen?
Antwort:
Bei allen Unfällen, bei denen ärztliche Behandlung in Anspruch genommen wird, ist eine
Unfallanzeige an den zuständigen Unfallversicherungsträger zu senden. Alle anderen
Unfälle müssen vermerkt werden, z.B. im Verbandbuch oder in einer PC-Datei, damit bei
Spätfolgen eines nicht durch Unfallanzeige angezeigten Unfalls der schulische
Zusammenhang nachgewiesen werden kann. Je nach Art und Schwere der Verletzung
sollten natürlich auch die Eltern des betroffenen Kindes sowie der Klassenlehrer
informiert werden.
5. Frage
Müssen Verletzte oder erkrankte Personen beim Transport im Rettungswagen oder
im Auto bzw. zu Fuß auf dem Weg zum Arzt oder nach Hause begleitet werden?
Wer kommt für die Begleitung in Frage?
Antwort:
"Grundsätzlich besteht für die Lehrkraft auch während des Transportes einer Schülerin
oder eines Schülers uneingeschränkte Aufsichtspflicht. Die Lehrkraft muss die Schülerin
bzw. den Schüler in der Regel zum Arzt oder Krankenhaus begleiten. Ein
Rettungssanitäter kann nicht die Aufsichtspflicht der Schule übernehmen. Je nach Art der
Verletzung und Zustand kann im Einzelfall für die Begleitung auch sonstiges
Schulpersonal oder eine geeignete Mitschülerin bzw. ein Mitschüler ausgewählt werden.
Die Verantwortung der Lehrkraft besteht jedoch auch in diesem Fall fort.
Im Krankenhaus oder in der Arztpraxis darf sich die Begleitperson erst dann entfernen,
wenn die Erziehungsberechtigten die Aufsicht über ihr verletztes Kind übernommen
haben bzw. eine stationäre Aufnahme erfolgt ist. " (Entnommen aus: Angelika Röhr:
Erste Hilfe bei Schulunfällen (Aufsatz), GUVV Westfalen-Lippe)
6. Frage:
An wen können sich Schulsanitäter wenden, wenn die eigene Kleidung bei der
Erste-Hilfe-Leistung verschmutzt oder beschädigt wurde?
Antwort:
"Der Ersthelfer kann grundsätzlich Ersatz der eigenen Aufwendungen für
unvermeidbaren Schaden (z.B. Reinigungs- oder Wiederherstellungskosten seiner im
Rahmend der Hilfeleistung beschädigten Kleidung) vom Verletzten (...) bzw. u.U. von
dessen Haftpflichtversicherung verlangen.
Vorraussetzung hierfür ist (...), dass die Durchführung der Erste-Hilfe-Maßnahmen dem
Interesse und dem wirklichen oder mutmaßlichen (z.B. bei bewusstlosen Personen)
Willen des Verletzten entspricht. In aller Regel kann der Ersthelfer seine
Schadensersatzansprüche aber nicht nur beim Verletzten (s.o.) sondern - oftmals
wesentlich leichter - auch direkt bei den zuständigen gesetzlichen
Unfallversicherungsträgern geltend machen." (Entnommen aus: Rechtsfragen bei ErsterHilfe-Leistung, GUV 20.42, S. 7,8).
Document
Kategorie
Bildung
Seitenansichten
8
Dateigröße
82 KB
Tags
1/--Seiten
melden