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Flyer des Multiplikatoren-Törn - Schleswig

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ct.1014.132 136 10.04.14 17:16 Seite 132
Prüfstand | Server für kleine Gruppen
Christof Windeck
Haswell for Workgroups
Aktuelle Tower-Server für kleine Netze
Intels Haswell-Prozessoren glänzen mit hoher
Rechenleistung und niedriger Leistungsaufnahme bei
geringer Last. Das sind ideale Eigenschaften für bezahlbare
Server, die geringe Stromkosten und wenig Lärm
verursachen – vier davon beweisen sich im c’t-Labor.
D
ie großen Server-Marken
kämpfen mit Schnäppchenpreisen um Käufer. Einen einfach
ausgestatteten Tower-Server bekommt man inklusive QuadCore-CPU, aber ohne Betriebssystem schon ab 550 Euro –
sogar bestückt mit ECC-Hauptspeicher, bei dem seltener Fehler
auftreten als im RAM normaler
Desktop-PCs. In aktuellen Offer-
ten rechnen Intel-Prozessoren
der Serie Xeon E3-1200 v3 (siehe
Artikel auf S. 138). Sie gehören
wie der aktuelle Core i5-4000
und i7-4000 zur Haswell-Generation, die hohe Rechenleistung
mit besonders geringem Stromdurst im Leerlauf vereint. Das
sind optimale Eigenschaften für
Server in kleinen Netzen: Sie sollen rund um die Uhr erreichbar
sein, haben dabei aber meistens
wenig oder gar nichts zu tun.
Falls doch einmal Last ansteht,
wird die Arbeit rasch erledigt –
und oft reicht sogar ein billigerer
Dual-Core, mit dem man weitere
100 Euro spart. Mit 4 bis
32 GByte RAM sowie Platz für
vier bis sechs Festplatten sowie
einige Erweiterungskarten decken solche „Single Socket“-Server mit Einzelprozessor einen
großen Einsatzbereich ab.
Ihre positiven Eigenschaften
entfalten die Haswell-Xeons freilich erst, wenn der Server-Hersteller sorgfältig arbeitet: Vor allem
müssen Netzteil und Mainboard
132
mit effizienten Schaltungen bestückt sein. Überflüssige Zusatzfunktionen wie ungenutzte RAIDHostadapter treiben den Stromverbrauch hoch und bei den Festplatten ist Sparsamkeit Pflicht.
Am Beispiel von vier günstigen
Konfigurationen der Firmen Dell
(PowerEdge T20), Fujitsu (Primergy TX140 S2), HP (ProLiant
ML310e Gen8 v2) und Lenovo
(ThinkServer TS140) zeigen wir,
was Sie erwarten können.
Server-Technik
Den kleinen, aber feinen Unterschieden zwischen den Xeon-
c’t 2014, Heft 10
©
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Persönliches PDF für philipp.l.klaus@web.de (Bestellnummer: 200200768)
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Prüfstand | Server für kleine Gruppen
und Core-Prozessoren widmet
sich der Artikel auf S. 138 – dort
erklären wir auch, welche Chipsätze ein Xeon-Server verlangt.
Hier nur der kurze Hinweis, dass
der ECC-Fehlerschutz des RAM
auf einem C200-Serverboard
auch mit einem Celeron, Pentium oder Core i3 funktioniert,
aber nicht mit einem Core i5
oder i7. Wer Spezialfunktionen
wie AES, AVX oder VT-d braucht
(VT-x geht immer), muss noch
genauer hinschauen. Für viele
Aufgaben kleiner Server reicht
schon ein Core i3-4130, der auch
AES- und AVX-Befehle kennt,
nicht aber VT-d – für die I/O-Virtualisierung beispielsweise mit
VMware vSphere/ESXi [1] benötigt man also einen Xeon E31200. Das Anhängsel „v3“ an der
Typenbezeichnung zeigt, dass es
um Haswell geht – der Vorgänger Ivy Bridge trug „v2“ und
passt nur auf ältere LGA1155Mainboards. Außer der Unterstützung für den noch seltenen
AVX2-Code bringen die Haswells
zwei Vorzüge: Sie arbeiten im
Leerlauf noch um einige Watt
sparsamer und endlich unterstützt auch schon der Core i34000 AES. Für die AES-Befehle
besitzen Haswell-Prozessoren
zwar keine zusätzliche Hardware-Einheit, doch sie verarbeiten AES-Verschlüsselung damit
schlichtweg schneller.
Server-Mainboards unterscheiden sich in vielen Einzelheiten
von solchen für Desktop-PCs,
siehe Tabelle unten. Diese Eigenschaften lassen sich nicht oder
nicht gleichwertig bei normalen
Mainboards nachrüsten, etwa
eine Protokollfunktion für korrigierte ECC-Fehler. Besonders
wichtig sind verlässliche Fehlermeldungen, falls man ein RAID
einrichtet: Das mutiert leicht zum
Datenschredder, wenn man den
Ausfall eines beteiligten Laufwerks nicht rechtzeitig bemerkt.
Ein SAS-RAID-Hostadapter mit
eigenem Pufferspeicher und
Schutz vor Stromausfall steckt jedoch in keinem der getesteten
Server, und zwar aus leicht nachvollziehbaren Gründen: Einerseits kostet eine solche Karte
samt Akku oder Superkondensator leicht 500 Euro Aufpreis und
mehr, andererseits treibt sie die
Leistungsaufnahme deutlich in
die Höhe, beispielsweise um fast
20 Watt [2]. Im Vergleich zu
einem redundanten Zwei-Platten-Verbund steigert ein Hardware-RAID-5 aus drei Platten den
jährlichen Energiebedarf bei
Dauerbetrieb also rasch um
200 Kilowattstunden, was knapp
60 Euro entspricht. Daher sollte
man sich genau überlegen, welches Storage-System den Anforderungen genügt.
Wer praktische Hotswap-Wechselrahmen wünscht, kommt nur
beim Fujitsu-Server um einen teuren RAID-Hostadapter herum: Den
Hotswap-Funktionen der IntelChipsätze trauen viele Server-Hersteller nicht über den Weg.
Wegen der hohen Kosten sollte
man sich bei einem typisch genutzten Server für kleine Netze
aber fragen, ob die selten genutzte Möglichkeit zum Plattentausch im laufenden Betrieb
überhaupt sinnvoll ist und ob
man Redundanz nicht bequemer
mit den RAID-Funktionen des Betriebssystems (Windows Server:
Storage Spaces, ReFS/Linux: LVM,
mdadm, ZFS, btrfs) erreicht. Eine
gängige Konfiguration für kleine
Windows-Server besteht darin,
das Betriebssystem von einem
Chipsatz-RAID-1 zu booten –
dafür genügen sparsame 2,5Zoll-Platten oder SSDs – und die
Wartungsfreundlichkeit im Detail:
Im Gehäusedeckel klebt bei allen Servern
im Test eine Kurzanleitung.
Nutzdaten mit Software-RAID
zu schützen.
Einige Server enthalten ein
Trusted Platform Module, welches Windows Server für Bitlocker
und VMware für Trusted Boot
nutzen kann. Alternativ reicht für
Bitlocker ein USB-Stick – manchmal gibts dafür interne Ports. Von
dort eingesteckten Sticks oder
einer SD-Karte booten auch FreeNAS, Open-e oder vSphere.
Seltsam wirken die DisplayPort- und Audio-Anschlüsse an
den Testgeräten von Dell und Lenovo – sie passen besser zu Workstations. Unter Windows Server
2012 (R2) läuft der Audiodienst
standardmäßig nicht einmal.
Schrullen
Server-Einkäufer gelten als konservativ: Sie setzen auf Bewährtes und scheuen Experimente –
oft aber nicht aus eigenem Antrieb, sondern weil sie die Hardware schlichtweg nach den Vorgaben der oft deutlich teureren
Software auswählen. Dabei spielen Zertifizierungen für be-
stimmte Betriebssysteme eine
wichtige Rolle, weil es um die
genaue Zuordnung von Verantwortlichkeiten und Wartungsaufgaben geht.
Wer selten Server kauft, wird
sich über kuriose Preissprünge
wundern: Scheinbar ähnliche Geräte unterscheiden sich im Preis
um mehrere hundert Euro. Das
liegt teilweise an spezieller Hardware, eben den erwähnten RAIDAdaptern oder teuren SAS-Laufwerken. Teuer sind aber vor allem
aufwendige Service-Optionen.
Bestandskunden handeln deshalb meistens Rahmenverträge
aus, die bestimmte Dienstleistungen einschließen – die tatsächlich
gezahlten Preise weichen deshalb oft von denen in der Tabelle
ab, die wir dort auch inklusive
Mehrwertsteuer ausweisen.
Bizarr wirkt die Kalkulation
mancher Kampfpreise. Den
PowerEdge T20 führt Dell beispielsweise ab 249 Euro. Diesen
Nettopreis aus dem Geschäftskunden-Shop steigern alleine
schon Mehrwertsteuer (47 e)
und die berüchtigte Dell-Ver-
Besonderheiten von Server-Mainboards
Besonderheiten von Servern als Komplettsystem
Funktion
Vorteil
ECC-Hauptspeicher
Korrektur von 1-Bit-Fehlern, Erkennung 2-Bit- und einiger Multi-Bit-Fehler
Fehler-Protokoll (im BIOS1)
höhere Zuverlässigkeit durch Erkennung korrigierter ECC-/PCIe-Fehler
stärkere Spannungswandler Rund-um-die-Uhr-Betrieb unter Last
alternative RAID-Firmware bewährte RAID-Treiber und RAID-Ferndiagnose trotz Chipsatz-SATA
headless Boot
Start ohne Tastatur und Display
Option-ROMs abschaltbar
Booten von bestimmten Erweiterungskarten (oder gerade nicht)
BIOS-Watchdog
Erkennung und Wiederholung fehlgeschlagener Boot-Vorgänge
PCIe-x8/x4-Slots
statt PCIe x16 mehr Slots für RAID- und I/O-Karten
Onboard-SAS-Adapter
mehr Festplatten-Ports, Hardware-RAID
Netzwerkchips
Funktionen (VLAN, Teaming, Fail-over) und Treiber für Server-Betriebssysteme
IPMI/Fernwartung
Fernüberwachung und Verwaltung via LAN/Internet, BMC 1
separates Fernwartungs-Netz sichere Trennung von Verwaltung und Nutzung
Port Redirection, EMS
BIOS-Setup und Kommandozeilen-Interface via RS-232 oder Ethernet
RS-232- und VGA-Ports
Anschluss an externe Fernwartungssysteme (Modem/KVM-Switch)
1 oder via Baseboard Management Controller (BMC) oder per Windows Hardware Error Architecture (WHEA)
Funktion
starke Kühlung, Lufthutzen
redundantes Netzteil
Hotswap-Wechselrahmen
schraubenlose Montage
Schaltbild im Gehäusedeckel
zertifizierte Erweiterungsteile
erweiterte Service-Optionen
Keep your Disk
Treiber-Webseite
zertifizierte Systeme
Dokumentation, auch Schulung
abschließbares Gehäuse
Case-Open-Schalter
ID-Taster und (blaue) LED
Einschalttaster abschaltbar
c’t 2014, Heft 10
Vorteil
zuverlässiger Dauerbetrieb, redundante Kühlung durch mehrere Lüfter
überbrückt Ausfall eines Netzteils, Stromkreises oder USV-Wartung
kürzere Ausfallzeiten (höhere Verfügbarkeit)
schnellere Reparatur und Aufrüstung
schnellere Reparatur und Aufrüstung, auch dank farbiger Bedienteile
seltenere Kompatibilitätsprobleme, schnellere Reparatur
lange Zeiträume, schnelle Reaktion, Vor-Ort-Service, Vorab-Austausch
Festplatte verlässt den Besitzer auch bei Reparaturen nicht (Datenschutz)
keine lange Suche nach Treibern, Update-Benachrichtigungen
erweiterte Service-Optionen von Software-Herstellern
weniger Fehler, schnellere Reparaturen dank genauer Handbücher
Zugriffsschutz
Zugriffsmeldung, oft auch via IPMI/BMC
kennzeichnet Server auch per IPMI, erleichtert Wartung
Fehlbedienung vermeiden
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Prüfstand | Server für kleine Gruppen
sandpauschale (knapp 42 e) um
mehr als ein Drittel auf 338 Euro,
was ebenfalls noch ein Schnäppchen wäre. Doch Dell lässt dabei
schlichtweg die Festplatte weg
und baut bloß 4 GByte RAM ein.
Im Online-Shop lassen sich mehr
RAM und eine Platte dabei nicht
als Optionen des Geräte wählen,
sondern nur als Customer Ugprade Kits: Zu saftigen Aufpreisen erhält man Extra-Päckchen
mit den gewünschten Teilen, die
sich zwar ganz leicht einbauen
lassen, aber vermutlich Auswirkungen auf den Support-Um-
fang haben. Bei dieser Art der
Preisgestaltung lauern einige
Fallen, die man mit dem Kauf
eines kompletten Servers einer
renommierten Marke eigentlich
gerade vermeiden möchte. Und
die Toshiba-Platte kostet bei Dell
satte 60 Euro mehr als anderswo.
Zuverlässigkeit
Server sollen besonders zuverlässig laufen, weil ein Ausfall möglicherweise die Arbeit von Dutzenden Mitarbeitern unterbricht,
also schnell teuer wird. Viele Ser-
ver-Komponenten
besitzen
Funktionen, die Fehler seltener
auftreten lassen oder gar korrigieren. Dazu zählen etwa ECCRAM, RAID, PCIe-Fehlermeldungen, Windows Hardware Error Architecture (WHEA) oder die niedriger spezifizierte Rate an
unkorrigierbaren
Lesefehlern
mancher SAS- und FibreChannelFestplatten. Die Wahrscheinlichkeit von Fehlern sinkt aber vor
allem, wenn man in einem System nicht irgendwelche Komponenten wahllos miteinander
kombiniert, sondern die Kombi-
nation möglichst sorgfältig testet. Dabei spielen auch BIOS- und
Firmware-Stände, Treiber und
Betriebssystem wichtige Rollen.
Bei individuellen Konfigurationen ist das kaum zu leisten – und
genau deshalb setzen viele professionelle Administratoren auf
Großserientechnik namhafter
Anbieter. Sie bauen in die Systeme auch nur solche Teile ein, die
die jeweiligen Hersteller ausdrücklich dafür freigeben.
Das gilt auch für die SoftwareSeite, also Betriebssystem und
Treiber. Für die „validierten“ oder
Dell PowerEdge T20
Trotz der hohen Versandkosten
ist der Dell PowerEdge T20 in
der Basiskonfiguration mit Pentium G3220 billig. Remote KVM,
AES, AVX und VT-d funktionieren damit nicht. Der Einbau der
teuren Extra-Platte gelingt mit
dem flexiblen Hilfsrahmen
leicht, Zugriffe hört man aber
sehr laut.
Sonst arbeitet der vergleichsweise kompakte Dell-Server im
positiven Sinne unauffällig. Leider färbt Dell die USB-3.0-Buchsen nicht blau, schreibt aber
„SS“ für Superspeed daneben.
Booten vom USB-3.0-Stick
klappte nur im UEFI-Modus.
Für einen Server würde man
sich einen zweiten GigabitEthernet-Chip wünschen sowie
Fernwartung, die nicht denselben Netzwerkchip nutzt wie
das Betriebssystem.
Die Lüfter drehen unnötig
schnell, aber der Geräuschpegel ist erträglich. Die Leistungsaufnahme im Leerlauf ist rätselhaft hoch für ein dermaßen
mager ausgestattetes System.
Wake-on-LAN aus dem Soft-offModus scheitert. Das einzige
Speichermodul steckte nicht in
dem Steckplatz, den man als
erstes bestücken soll – verwunderlich, dass Dell die eigene
Dokumentation missachtet.
Dell erlaubt nur den StandardStorage-Treiber Intel RST, nicht
die Server-Version RSTe. Treiber-Downloads von der DellWebseite dauern lange.
Fujitsu Primergy TX140 S2
Für den TX140 S2 nennt Fujitsu
sehr gute Werte im EffizienzBenchmark SPEC_power. Deshalb waren wir von den 30 Watt
Leistungsaufnahme im Leerlauf
überrascht, trotz des RAID 1.
Den TX140 S2 gibt es auch in
einer Version für acht 2,5-ZollLaufwerke. Der SATA-Controller
im Intel-Chipsatz verwendet
eine MegaRAID-Firmware,
deren Konfiguration im UEFIStartmodus direkt im BIOSSetup gelingt. Vorsicht: Bei der
Installation auf einem RAID 1
muss man gezielt den richtigen
Treiber einspielen, sonst erkennt Windows Server 2012 R2
die Laufwerke als einzelne. Treiber kann man mit einem Windows-Tool von der DVD „extrahieren“, also etwa auf einen
USB-Stick schreiben – aber das
Tool lässt sich nicht bedienen,
bevor der Grafiktreiber geladen
ist und das Display nur 800 x
600 Pixel zeigt.
Der TX140 rauscht vernehmlich. Aktiviert man die Fernwartung, ist sie auf dem separaten
Ethernet-Port mit der sinnigen
Nutzernamen-Passwort-Kombination „admin/admin“ erreichbar. Remote KVM gibt es gegen
Aufpreis. Eine Secure-Boot-Option konnten wir nicht entdecken. Von einer MicroSD-Karte
im passenden Onboard-Slot
kann der Server nicht booten.
Optional ist ein Rack-Montagekit erhältlich und es gibt auch
eine Version mit redundantem
Netzteil. Die Dokumentation
ist besonders umfangreich.
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zertifizierten Hardware-TreiberKombinationen darf man auch
besseren Support erwarten.
Manchmal reichen die Vorgaben
bis hinab zu bestimmten Firmware- und BIOS-Versionen.
Kompatibilitäts- und Freigabelisten pflegen aber nicht bloß
Hersteller von Servern, Speichermodulen, Adapterkarten und
Festplatten, sondern auch Software-Programmierer, etwa von
Red Hat Enterprise Linux (RHEL),
Suse Linux Enterprise Server
(SLES), VMware vSphere/ESXi, Citrix XenServer. Manche unange-
nehme Überraschung lässt sich
vermeiden, wenn man sich die
Mühe macht, die oft komplizierten Listen und Datenbanken zu
durchforsten. Hier findet sich
auch mancher Tipp zur Problemlösung. Grundsätzlich ist es eine
gute Idee, sich an gängigen und
häufig erprobten Lösungen und
Konfigurationen zu orientieren,
statt Sonderlocken zu drehen.
Old School
Im Vergleich zur rasanten Entwicklung bei Desktop-Rechnern
und Notebooks geht es bei Servern gemächlich voran, Neuerungen setzen sich sehr langsam durch – und sind im Zweifelsfall in der werksseitigen Vorkonfiguration
erst
einmal
abgeschaltet. Das ist bei Funktionen wie UEFI und Secure
Boot verständlich, die einen
großen Bruch darstellen und ältere Betriebssysteme aussperren. Seltsam wirkt es aber bei
Details wie der Auswertung von
SMART-Parametern oder bei VTx. Bei der Sicherheit könnte dagegen manches besser laufen,
vor allem die Fernwartungsfunktionen sollte man mit Bedacht freischalten – zumal
immer wieder BMC-Firmware
mit hanebüchenen Sicherheitslücken auftaucht [3].
Solche Nachteile kann der Administrator selbst ausbügeln,
aber am unnötig hohen Stromverbrauch der Haswell-Server
lässt sich nichts ändern: Selbst die
sparsamste Maschine schluckt
gut 7 bis 9 Watt mehr, als nötig
wäre. Unser Selbstbau-PC aus
c’t 24/13 [4] mit SSD, StandardMainboard und Standard-Netz-
HP ProLiant ML310e Gen8 v2
Der ProLiant ML310e Gen8 v2
hat nicht nur einen sperrigen
Namen, sondern verhält sich
auch so: Enorm laut und widerspenstig. Von unserem ersten
USB-Stick wollte er nicht booten, UEFI-Boot bietet er nicht an,
das Booten dauert fast drei Minuten. Ein richtiger Old-SchoolServer eben. Auf der HabenSeite: Enorm viele Einstellmöglichkeiten im BIOS-Setup und
ein individuelles Passwort für
die Fernwartung, säuberlich auf
einem beigelegten Kärtchen notiert. Die Lufthutze aus transparentem Material bietet Durchblick auf die darunterliegenden
Bauteile. Wie bei Fujitsu gibt es
einen internen MicroSD-Steckplatz und zusätzlich einen für
einen USB-Stick.
Die Support-Webseite von HP
fordert zur Eingabe einer Seriennummer auf, bestimmte Updates gibt es nur während des
Garantie- oder Wartungszeitraums. Die Support-Seite muss
man erst einmal austricksen:
Stellt man im Treiber-Suchfilter
nämlich als Sprache „Deutsch“
ein, versteckt sie die meisten
Treiber – mit „English“ klappts.
Wer per Remote KVM fernwarten möchte, muss einen Lizenzschlüssel für die Firmware des
iLO-4-BMC nachkaufen.
Bis zu vier Festplatten stecken
beim ProLiant ML310e in „NonHotplug“-Wechselrahmen, die
keinen besonders robusten Eindruck machen und beim Einschieben hakeln.
Lenovo ThinkServer TS140
Vom Konzept und Preis her ähnelt der ThinkServer TS140
dem PowerEdge T20: Er nutzt
die Xeon-GPU und Intel-Fernwartung, auch die PCIe-x16Slots scheinen eher für eine
Workstation gemacht – und vor
allem die beiden DisplayPorts.
Leider gibt es auch nur einen
einzigen Ethernet-Port via Intel
I217, für den VMware vSphere
einen Zusatztreiber braucht.
Die AHCI- beziehungsweise
RAID-Firmware erlaubt die Installation des Intel-RSTe-Treibers nur im RAID-Modus, der
AHCI-Betrieb läuft mit dem
Windows-Standardtreiber. Das
RAID-Konfigurationswerkzeug
lagert auf der Lenovo-Webseite
als RAR-Datei – ungewöhnlich.
Dem Intel-Grafiktreiber für
Windows Server fehlt in der Lenovo-Version der HDMI-AudioTeil – was bei einem Server
nicht weiter stört, aber auch
nicht erklärt wird. Ordentlich
gelöst hat Lenovo die vergleichsweise leise Kühlung; die
Lüfter sind elastisch befestigt,
um Vibrationen zu mindern. Bei
der Leistungsaufnahme liegt
der TS140 im Testfeld ganz
vorne, schöpft aber die Haswell-Möglichkeiten nicht aus.
Wer Vor-Ort-Service mit kurzer
Reaktionszeit wünscht, muss
den Server-Standort online an
Lenovo melden. In der Vorkonfiguration des BIOS-Setup sind
die Hardware-Virtualisierungsfunktionen abgeschaltet.
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Prüfstand | Server für kleine Gruppen
teil kommt mit 11 Watt im Leerlauf aus, mit einer 7200-TourenFestplatte sind es 15 Watt.
Wieso Serverboards so viel
mehr Strom schlucken müssen,
lässt sich mit ECC-RAM, zweitem
Ethernet- und FernwartungsChip nicht erklären, zumal oft 12Volt-Netzteile zum Einsatz kommen und Soundchips fehlen.
Laut Fujitsu ist der Primergy für
höchste Effizienz bei 50 bis 90
Prozent fast optimiert.
Bei Dauerbetrieb und 29 Cent
pro Kilowattstunde kostet das
jährlich rund 20 Euro für verschwendeten Strom. Beim HPSystem scheinen schon die Lüfter beträchtliche Energiemengen zu fressen, so klingen sie jedenfalls.
Abgesehen von diesen Ärgernissen gibt es sonst nur kleine
Macken zu bemeckern. Wer
keine Erfahrung mit Servern hat,
mag sich mit der einen oder anderen Eigenheit schwertun, die
aber Bestandskunden des jeweiligen Herstellers vielleicht besonders schätzen. In diese Kategorie
fallen etwa die Software-Hilfen
von Fujitsu und HP: Sie erleichtern etwa das Setup, wenn man
viele ähnliche Maschinen aufsetzen muss – aber die Dokumentation richtet sich vor allem an erfahrene Administratoren, die
nicht über jeden dritten Fachbegriff stolpern.
Die besonders günstigen Systeme von Dell (T20) und Lenovo
(TS140) bringen wenige der typischen Server-Funktionen mit
und lassen sich auch nicht so flexibel erweitern wie die beiden
größeren und teureren Systeme
von Fujitsu (TX140) und HP
(ML310e). Der ML310e ist besonders günstig, schluckt aber vergleichsweise viel Stom und
rauscht sehr laut.
(ciw)
Literatur
[1]ˇChristof Windeck, Durchreiche,
Das leistet die I/O-Virtualisierung,
c’t 5/14, S. 156
[2]ˇChristof Windeck, Server nach
Wunsch, Konfigurationsvorschläge für Selbstbau-Server, c’t 2/14,
S. 116
[3]ˇDr. Michael Lipp, Voller Durchblick via LAN, Fernwartung für
Heim-Server, c’t 25/13, S. 128
[4]ˇChristof Windeck, Server-Spezialisten, Mainboards für den „Haswell“-Xeon E3-1200 v3, c’t 25/13,
S. 122
Haswell-Server für kleine Netze: Technische Daten
Hersteller
Typ
Typenbezeichnung
Abmessungen
Prozessor (mit GPU)
Kerne/Threads, Takt (Turbo)
Board / Chipsatz / BIOS
ECC-RAM eingebaut
Hauptspeicher maximal
Grafikchip / Soundchip
RAID (Firmware)
Platten-Schächte / opt. LW
Hotswap-Rahmen
Festplatten
Festplatten-Typ
Gigabit-Ethernet
Fernwartung (separates LAN)
KVM-over-IP
Onboard-USB/microSD
Trusted Platform Module
Netzteil (ATX/redundant)
Dell
PowerEdge T20
D13M001
18 cm x 36 cm x 46 cm
Pentium G3220 (v)
2 / 2, 3,0 GHz (–)
Dell / C226 / A03
1 x 4 GByte PC3L-12800
4 x 8 GByte UDIMM ECC
– (in CPU) / Realtek ALC3220
Chipsatz (Intel RST)
4 x 3,5 " / –
–
1 x 2 TByte (User Kit)
Toshiba MG03ACA200
(HDEPQ02DLA51)
1 x: Intel I217-LM
Intel AMT (–)
Intel AMT 1
–/–
TPM 1.2
Hipro H290AM (12V/–)
Fujitsu
Primergy TX140 S2
T1402SC030IN
18 cm x 46 cm x 53,5 cm
Xeon E3-1220 v3 (–)
4 / 4, 3,1 GHz (3,5 GHz)
D3239 / C224 / R1.10.0
2 x 4 GByte PC3-12800
4 x 8 GByte UDIMM ECC
im BMC / –
Chipsatz (LSI MegaRAID)
4 x 3,5 " (opt. 8 x 2,5") / v
v
2 x 1 TByte „Enterprise“
Constellation ES.3
ST1000NM0033
2 x: Intel I217-LM & I210-AT
iRMC S4 (v)
Aufpreis ca. 240 e
UF-Modul / v
optional
Fujitsu DPS-300AB (12V/–
(opt.))
1 x 120 mm / v
v / Kensington
v/v
v/–
HP
ProLiant ML310e G8 v2
724160-045
18 cm x 37 cm x 49 cm
Xeon E3-1220 v3 (–)
4 / 4, 3,1 GHz (3,5 GHz)
HP / C222 / P78
1 x 4 GByte PC3L-10600
4 x 8 GByte UDIMM ECC
im BMC (Matrox G200) / –
Chipsatz (HP B120i)
4 x 3,5 " / v
Non-Hotswap
1 x 1 TByte
HP MB1000GCWCV (Seagate
ST1000NM0033)
2 x: BCM5717 (HP 330i)
iLO 4 (v)
Aufpreis ca. 130 e
v/v
optional
Delta DPS-350AB (v/– (opt.))
Lenovo
ThinkServer TS140
MT-M 70A4-000NGE
17,5 cm x 37,5 cm x 43,5 cm
Xeon E3-1225 v3 (v)
4 / 4, 3,1 GHz (3,6 GHz)
Lenovo / C226 / FBKT80AUS
1 x 4 GByte PC3L-12800
4 x 8 GByte UDIMM ECC
– (in CPU) / Realtek ALC662
Chipsatz (Intel RSTe)
2 x 3,5 " / v (Slim)
–
1 x 500 GByte
WD RE4 WD5003ABYX
1 x: Intel I217-LM
Intel AMT (–)
Intel AMT 1
–/–
TPM 1.2
FSP280-40EPA (12V/–)
Gehäuselüfter / Hutze
1 x 92 mm / –
1 x 92, 1 x 80 mm / v
2 x 92, 1 x 40 mm, CPU / –
Schlösser: Front / Gehäuse
– / Bohrung
v / Lasche
– / Lasche, Kensington
Chassis Intrusion / ID
v/–
–/v
–/–
Tastatur / Maus
–/–
v/–
–/–
Schnittstellen und Anschlüsse
Gigabit Ether. / Fernwartung 1 / – (shared)
2 / 1 (auch shared)
2 / 1 (auch shared)
1 / – (shared)
VGA / DVI / DisplayPort
1/–/2
1/–/–
1/–/–
1/–/2
PS/2 / RS-232 / Audio
2 / 1 / 2 + 2 vorne
–/v/–
–/v/–
–/v/3
USB 2.0 (3.0) hinten / vorne
4 (2) / 2 (2)
4 (2) / – (2)
– (2) / 4 (–)
2 (4) / – (2)
Taster: Ein/Aus / Reset / ID
v/–/–
v / Stift / v
v/–/v
v/–/–
intern: SATA 6G / SATA II (frei) 4 (3) / –
2+4 auf Backplane (2) / –
4 auf Backplane (3) / 2
5 (3) / –
SATA-Schächte verkabelt
v
v
v
v
PCIe x16 / 2.0 x8 / x4 / x1 / PCI 1 x 3.0 / – / – /1 (x16) / 1
– / 1+2x 3.0 / 1 / – / –
1 / 2 (x8/x4) / 2 (x1) / – / –
1+1 (2.0 x4) / – / – / 1 / 1
unterstützte Windows-Server 2012
2012, 2008
2012, 2008
2012, 2008
unterstützte Linux-Distribu- RHEL 6.5 und höher
SLES 11, RHEL 5,6
SLES 10, 11, RHEL 5, 6, Ubuntu SLES 11.3, RHEL 6.4
tionen
12.04
Sonstige
–
vSphere 5.5
vSphere 5.1, 5.5
vSphere 5.1, 5.5
Messwerte
Leistungsaufnahme Leer29 / 56 Watt
30 / 106 Watt
33 / 105 Watt
24 / 92 Watt
lauf/Volllast
Leistungsaufnahme Soft-off 0,6 Watt
3,1 Watt
5,8 Watt
0,8 Watt
Geräusch Leerlauf
0,8 Sone (+)
1,6 Sone (-)
2,6 Sone (--)
0,5 Sone (+)
Geräusch Volllast/Plattenzugr. 0,8 / 3 Sone (+ / --)
1,6 / 2 Sone (- / --)
9,4 / 2,9 Sone (-- / --)
0,9 / 1,0 Sone (+ / ±)
Funktionsprüfungen
UEFI / Wake-on-LAN aus S5
v/ –
–/ v (nur I210-LAN)
–/ v
v/ v
Service-Optionen und Preise
inkusive
1 Jahr Bring-in
1 Jahr vor Ort
1 Jahr Bring-in
1 Jahr vor Ort
Vor-Ort-Service: 3 / 5 Jahre
119 e / –
195 e / 360 e
255 e / 255 e
175 e / 430 e
Preis Testkonfiguration
498,60 e (+ 42 e Versand)
1270 e
600 e
670 e
Basispreis
296 e
750 e
480 e
400 e
Basiskonfiguration
Pentium G3220, keine Platte
wie getestet, keine Platte
Core i3-4130, keine Platte
Pentium G3220, keine Platte
1
Remote KVM mit kostenpflichtiger Zusatzsoftware wie VNC Viewer Plus
v funktioniert/vorhanden – funktioniert nicht
++ sehr gut + gut
± zufriedenstellend - schlecht
-- sehr schlecht
ECC: Nötig oder nicht?
Für manche Software beziehungsweise Anwendungsfälle wird ECC-RAM dringend empfohlen,
weil Datenfehler größere Auswirkungen nach
sich ziehen können. Das gilt etwa für StorageSysteme mit dem Dateisystem ZFS. Ratsam ist
ECC auch dann, wenn sehr viel RAM über längere Perioden genutzt wird, etwa von mehreren
parallel arbeitenden virtuellen Maschinen.
Bei Nicht-ECC-Systemen ist schon die Diagnose
schwierig, ob die Ursache für Abstürze oder Rechenfehler nun beim RAM zu suchen ist oder
nicht. Typische Server-Mainboards protokollieren dagegen Eingriffe der Fehlerkorrektur, was
defekte RAM-Riegel oft entlarvt. Sowohl die Fehlerkorrektur selbst als auch die Diagnosefunktionen tragen also zu höherer Zuverlässigkeit bei.
c
136
c’t 2014, Heft 10
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Seele and Geist
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