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Tarifnachrichten
Für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie in Bayern
Bezirk
Bayern
Nr. 3 | Oktober 2014
Tarifrunde 2015:
Aktionswoche
für ein höheres Entgelt und für bessere Arbeitsbedingungen, WIR brauchen mehr Zeit und Geld
für die Qualifizierung. Und WIR wollen eine praktikable Lösung zur Altersteilzeit erreichen, die
den Beschäftigten die Möglichkeit zu einem
rechtzeitigen und abgesicherten Ausstieg aus
dem Berufsleben sichert.
Mit der Aktionswoche wollen wir auch den Arbeitgebern vom Verband der Bayerischen Metallund Elektroindustrie (vbm) zeigen, dass die IG
Metall vorbereitet ist auf die kommende Tarifrunde. Wir werden zeigen, dass mehr Zeit und Geld
unsere zentralen Themen sind und dass die Beschäftigten bereit sind, sich dafür zu engagieren.
Foto: Michael Knuth
Am 20. Oktober 2014 startet die bayernweite Aktionswoche der IG Metall. Bis zum 24. Oktober
werden wir in Verwaltungsstellen und Betrieben
mit den ersten Aktion und Informationsveranstaltungen zur Tarifrunde 2015 beginnen.
Das gemeinsame optische Signal sind die Buchstaben »WIR« (siehe Foto). Denn WIR kämpfen
Das »Wir« steht im Mittelpunkt der Tarifrunde 2015: Die Tarifkommission für die Metall- und Elektroindustrie in Bayern vor dem Gewerkschaftshaus in Ingolstadt.
Tarifnachrichten 3/2014
Tarifnachrichten
Unsere Themen:
4Bessere Altersteilzeit
4Zeit und Geld für Bildung
Die Belegschaften werden immer älter, alternsgerechte Arbeitsplätze sind allerdings Mangelware. Die Regelungen zur Rente mit 67 greifen bereits. Wer jetzt in Rente geht, muss mehrere Monate über das 65. Lebensjahr hinaus arbeiten.
Nach der Beschäftigtenumfrage der IG Metall
wollen aber mehr als zwei Drittel der Befragten
vorzeitig in den Ruhestand gehen. Die bisherigen
Regelungen des Tarifvertrags (TV FlexÜ) müssen
sowieso den neuen gesetzlichen Bestimmungen
(Rente nach 45 Versicherungsjahren) angepasst
werden. In diesem Zusammenhang möchte die IG
Metall Bayern Verbesserungen erreichen.
Untere Entgeltgruppen besser stellen
Dabei geht es zum Beispiel um die Beschäftigten
in den unteren Entgeltgruppen, die sich einen vorzeitigen Ruhestand schlicht nicht leisten können.
Doch sind gerade diese Menschen, die oft schwere körperliche Arbeit verrichten müssen, besonders darauf angewiesen, vorzeitig in Rente gehen
zu können. Auch Frauen, deren Lohn dem der
Männer hinterherhinkt, haben Schwierigkeiten
die Rentenabschläge zu verkraften.
Die Arbeitgeber lehnen nicht nur Verbesserungen
ab, sondern wollen sogar das Rad zurückdrehen.
Dann könnten sie willkürlich über Altersteilzeitmaßnahmen entscheiden und obendrein gesundheitliche Aspekte zur Bedingung machen.
Qualifizierung – Wichtiger denn je
Die Arbeitswelt wird zunehmend komplizierter,
auch in der Produktion hält verstärkt die Datenverarbeitung Einzug. Die Reaktion der Unternehmer: Ein einfaches »Weiter bis bisher!« Notwendig wäre aber eine Qualifizierungsoffensive
für die Beschäftigten.
70 Prozent der Befragten wollen
bessere Weiterbildungsmöglichkeiten
Die Kolleginnen und Kollegen gaben bei der Beschäftigtenbefragung aus dem Jahr 2013 zu 70
Prozent an, dass sie für ihre Arbeit Weiterbildung benötigten. Und fast 60 Prozent beklagten, dass die Betriebe nicht in ausreichendem
Maße Qualifizierungsmaßnahmen anböten.
Neue Teilzeitregelung für
die Qualifikation
men fortbilden können. Gerade diese Beschäftigten haben in vielen Betrieben nur geringe
Chancen sich zu qualifizieren. Weiterbildung ist
oft eine Domäne der Beschäftigten mit einem
akademischen Abschluss. Die Folge: Der soziale
Aufstieg wird verhindert.
Sture Haltung der Unternehmer
Bei einem ersten Tarifgespräch am 29. September 2014 haben die Arbeitgeber Forderungen
nach verbindlichen Regelungen zur Alters- und
Bildungsteilzeit strikt zurückgewiesen. Sie wollen in beiden Bereichen keinerlei Verbindlichkeiten eingehen, sondern völlig willkürlich entscheiden. Unsere Forderungen gegen diese
sture Haltung durchzusetzen, wird also eine entscheidende Aufgabe der Tarifrunde sein.
Damit muss jetzt Schluss sein.
Die IG Metall fordert eine neue
Teilzeitregelung für die Qualifizierung. Diese kann ähnlich gestaltet sein wie die Altersteilzeit. Freistellungsansprüche
und ein finanzieller Ausgleich
sollen dafür sorgen, dass sich
auch die Kolleginnen und Kollegen mit geringerem EinkomTarifnachrichten 3/2014
Tarifnachrichten
4Mehr Entgelt – wir haben es verdient
Umsätze, Gewinne und Produktivität steigen.
Jahr für Jahr. Erwirtschaftet haben dies in allererster Linie die Kolleginnen und Kollegen. Sie
haben mit ihrer Arbeit in Tag- und Nachschichten, auch mit Überstunden, dazu beigetragen,
dass die Wirtschaft in Deutschland gut da steht,
besser sogar als in vielen anderen Industrienationen.
Gerechter Anteil an Wirtschaftsleistung
Jetzt, in der kommenden Tarifrunde also, ist es
Zeit, dass wir den gerechten Anteil an der gestiegenen Wirtschaftsleistung bekommen. Verbündeter der IG Metall ist dabei, seltsam genug,
der Bundesbankpräsident Jens Weidmann. Seine Botschaft: »Es ist zu begrüßen, dass die Arbeitsentgelte wieder stärker steigen als zu Zeiten, in denen die deutsche Wirtschaft in deutlich
schlechterer Verfassung war.«
Wichtiger Binnenmarkt
Denn nicht alleine die Exporte der Metall- und
Elektroindustrie, auch der in Bayern, führten dazu, dass die Unternehmen sich ein bequemes finanzielles Polster zugelegt haben. Sondern
auch der Binnenmarkt, also all die Waren, die
wir einkaufen, hat sich erholt. Das war nur möglich, weil in der vergangenen Tarifrunde ein Abschluss erzielt wurde, der den Beschäftigten eine ordentliche reale Entgelterhöhung brachte.
Diese Entwicklung auf dem Binnenmarkt ist
wichtig für die Wirtschaftskraft. Und auch besser zu steuern als die Exporte, denen derzeit die
Krisen in der Ukraine, im Nahen Osten, die
langsamere Entwicklung in China und Russland
und Ähnliches beginnen zuzusetzen. Das beste
Konjunkturprogramm ist es, wenn die Entgelte
der Beschäftigten ordentlich steigen. Das haben
wir verdient – in wahrsten Sinn des Wortes. Die
IG Metall wird bis Ende November 2014, wenn
die Tarifforderung vorgelegt wird, die wirtschaftliche Lage der Unternehmen der Metallund Elektroindustrie genau unter die Lupe nehmen. Und dann über die Höhe der Forderung
entscheiden.
Tariffahrplan:
So geht es weiter
3. November 2014: Tarifgespräch IG Metall
und vbm.
7. November 2014: Die Tarifkommissionen
aller Bezirke empfehlen dem Vorstand der
IG Metall ihre Tarifforderungen.
11. November 2014: Der Vorstand bündelt die
regionalen Diskussionen und empfiehlt einen
Forderungsrahmen.
25. November 2014: Die Tarifkommissionen
aller Bezirke beschließen ihre Forderungen.
27. November 2014: Der Vorstand beschließt
die Tarifforderung für 2015.
Foto: Werner Bachmeier
28. November 2014: Kündigungen des Entgelttarifvertrags.
Tarifnachrichten 3/2014
14. Januar 2015: Verhandlungsauftakt mit
dem vbm in Augsburg.
28. Januar 2015, 24:00 h: Ende der Friedenspflicht.
Tarifnachrichten
Jörg Schlagbauer, Vertrauenskörperleiter bei Audi, Ingolstadt
Alexander Farrenkopf, Vertrauenskörperleiter bei BMW, München
Die Altersteilzeit spielt
bei uns eine große Rolle,
auch bei den jüngeren
Beschäftigten. Denn niemand will bis 67 arbeiten,
es gäbe auch gar nicht
genügend alternsgerechte Arbeitsplätze dafür.
Wichtig ist außerdem, dass die Altersteilzeit auch
für solche Kolleginnen und Kollegen attraktiv gestaltet wird, die nicht so viel verdienen. Bei der
Entgelterhöhung müssen wir berücksichtigen,
dass insbesondere die Preise für Energie und Mieten kräftig gestiegen sind. Das merken wir in der
Boom-Region Ingolstadt ganz besonders.
Bei uns haben die neuen
Azubis bereits nach einer Woche im Betrieb
nachgefragt, wie es
denn um die Weiterbildung stehe. Das zeigt
wie hoch der Bedarf ist.
Wichtig bei der Qualifizierungsteilzeit ist für uns, dass auch das Finanzielle stimmt. Besonders junge Kolleginnen
und Kollegen, die nach der Schule eine Ausbildung absolvieren und sich dann sofort weiterqualifizieren wollen, haben einen erhöhten Finanzbedarf. Denn sie müssen die erste eigene
Wohnung bezahlen und vieles andere mehr. Das
gleiche gilt auch für Leiharbeitnehmer, die wir
übernommen haben. Die wollen sich gerne qualifizieren, können sich das aber ohne einen
finanziellen Zuschuss überhaupt nicht leisten.
Norbert Lenhard, Betriebsratsvorsitzender Schaeffler, Schweinfurt
Foto: Michael Knuth
Altersteilzeit und Fortbildung sind bei uns im Betrieb große Themen.
Schaeffler gibt jährlich
Millionen für betriebliche
Qualifizierung aus. Ein tarifvertraglich abgesichertes Angebot mit Teilzeit
für die berufliche Weiterbildung und finanzieller
Aufstockung wäre für unsere Mitarbeiter sehr hilfreich. Nur so kann Weiterbildung diejenigen erreichen, die bisher abseits standen und sich Einbußen gar nicht leisten können. Beim Entgelt erwarten unsere Kolleginnen und Kollegen einen
echten Einkommenszuwachs.
Kristin Dittmar, Mitglied des Bezirksjugendausschusses, BR bei LIBA, Naila
Bei uns im Betrieb ist bei
den jungen Kolleginnen
und Kollegen das Interesse an einer besseren Altersteilzeitregelung erstaunlich groß. Das hängt
sicher damit zusammen,
dass die Jungen wissen,
dass ihre Aufstiegschancen auch damit zusammenhängen, dass die Älteren in den Ruhestand
gehen. Deswegen finden die jungen Beschäftigten auch verbesserte Qualifizierungsmöglichkeiten wichtig. Schließlich müssen sie ausreichende
Fertigkeiten und Erfahrung erwerben, um als
Nachfolgegeneration in die entsprechenden Stellen aufrücken zu können. Ohne finanzielle Absicherung allerdings hören dieWeiterbildungsträume schnell auf, weil man es sich nicht leisten kann.
Jürgen Wechsler
Bezirksleiter der IG Metall
Mehr Geld, eine zukunftsfeste Altersteilzeitregelung und eine neue Qualifizierungsteilzeit –
auf diese drei
Kernthemen einigte sich die Tarifkommission für
die Metall- und
Elektroindustrie in
Bayern. Der Forderungskatalog wird
Ende November
vom Vorstand der
IG Metall endgültig
festgelegt. In Bayern werden wir jetzt in einer Aktionswoche die
Kolleginnen und Kollegen über den Themendreiklang informieren.
Wir werden diskutieren, wie wir die Altersteilzeit verbessern können. Wir sprechen über die
Qualifizierungsteilzeit, welche Vorteile sie für
die Kolleginnen und Kollegen bringt, wie wir sie
gestalten und auch durchsetzen wollen.
Zentrales Thema: Mehr Entgelt
Und wir werden über das Entgelt reden. Mehr
Geld ist natürlich auch in der Tarifrunde 2015
zentrales Thema. Gründe für eine Zurückhaltung
bei derEntgelterhöhung gibt es nicht. Die bayerische Metall- und Elektroindustrie verzeichnetsatte Umsatz- und Gewinnsteigerungen, freilich in
unterschiedlicher Höhe in den Teilbranchen. Im
ersten Halbjahr 2014 haben Umsätze und Produktivität zugelegt. Für das kommende Jahr 2015
erwarten alle Fachleute ein weiteres Wachstum.
Natürlich wollen die Beschäftigten daran angemessen beteiligt werden.
Während der Aktionswoche wollen wir auch
diskutieren, wie wir uns durchsetzen können.
Dass die IG Metall nur so stark ist wie ihre Mitglieder, versteht sich von selbst. Deswegen sollte jetzt, rechtzeitig vor der »heißen Phase« der
Tarifrunde 2015, die IG Metall weiter gestärkt
werden. Das heißt, dass wir gezielt die Beschäftigten ansprechen werden, die noch nicht
Mitglied der IG Metall sind. Zusammen werden
wir es packen!
Online-Beitritt zur IG Metall: www.igmetall-bayern.de
Tarifnachrichten 3/2014
Impressum | Herausgeber: IG Metall-Bezirksleitung, Luisenstraße 4, 80335 München, www.igmetall-bayern.de | Verantwortlich: Jürgen Wechsler | Redaktion: Hans-Otto Wiebus | Druck und Vertrieb: apm AG, Darmstadt
Fotos (3): Werner Bachmeier
Tarifrunde 2015: Wir
wollen früher aussteigen
und besser aufsteigen
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Seele and Geist
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