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Bericht von Robert Rohregger zum 1. Staffelmarathon

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Da haben sich die Sportfreunde der LG Burg Wiedenbrück ja mal
was Tolles ausgedacht! Vier bis sieben Läuferinnen oder Läufer
bilden ein Team und rennen alle zusammen einen ganzen
Marathon, der aus einer kleinen Einführungsrunde mit 1400
Metern Länge und 20 anschließenden Runden à 2040 Metern
besteht. Statt des Abklatschens bei Übergabe gibt es richtige
Staffelstäbe
Wenn Benjamin Fritzsch mich nicht gefragt hätte, ob ich seine
Truppe vom SuS Phönix Bielefeld 09 verstärke, wäre ich wohl
nie auf die Idee gekommen, hier an den Start zu gehen. Dann
hätte ich allerdings einiges verpasst, denn die Wiedenbrücker
stellen eine rundum fabelhaft gelungene Premierenveranstaltung
auf die Beine, bei der der Spaß im Vordergrund steht und die
sportlichen Leistungen trotzdem nicht zu kurz kommen!
Ja, bin ich denn zum Sightseeing im Urlaub hier?
Es scheint fast so, denn bei herrlichem, in diesem
Jahr ziemlich ungewohntem Sommerwetter bietet
sich zuerst die seltene Gelegenheit, die Schönheiten der ´Flora Westfalica´ etwas genauer anzusehen.
Hier, wo einst die Landesgartenschau zuhause war,
wird der Staffel-Marathon nämlich stattfinden.
Treffpunkt und Start sind am ´Reethus´, wo auch
schon alle mir größtenteils bisher unbekannten
Teamkameraden des Tages auf mich warten – samt
blauem Phönix-Shirt, das Benjamin extra für mich
hat anfertigen lassen.
Benjamin ist schon vorher fleißig und plant die Mannschaftsaufstellung. Wer soll welche Runde laufen, wann wird
wie gewechselt? Sorry, Benni, doch aufgrund der hier ausbaldowerten Strategie nimmt das Unheil seinen Lauf und
wir werden zur Lachnummer für alle anderen Teams, noch bevor überhaupt ein einziger Läufer auf der Strecke ist.
Na klar, der Spaß steht im Vordergrund, aber ob es wirklich sinnvoll ist, jeden von uns alle seine geplanten Runden
am Stück laufen zu lassen – angeblich, weil die Staffelstabübergaben beim Wechsel zu zeitintensiv sind – darf dann
doch bezweifelt werden. Kein einziges der beinahe 90 anderen Teams lässt nicht nach jeder Runde den Staffelstab
übergeben. Sofern wir nur als Spaßtruppe auftreten würden, wäre das ja noch okay, aber Benjamin muss im Vorfeld
auch noch unbedingt verbreiten, dass wir weniger als 3 Stunden für das Rennen brauchen wollen – gelinde gesagt ein
extrem ambitioniertes Ziel für die fünf Läufer in Blau!
Erschwerend kommt noch hinzu, dass Benjamin mir nicht nur mit 6 die meisten Runden gönnt (was ja durchaus in Ordnung ist), sondern mich für mehr als 2 Stunden zum Zuschauen verurteilen will, weil ich die letzten 12,240 Kilometer
in einem Rutsch laufen soll. Aha, deshalb bin ich also Starter Nummer 5 vom Phönix-Team 148! Hmmmh, nicht so
gut! Trotzdem beginnen wir lächelnd mit den Startvorbereitungen.
Frank Blumenfeld – Gerhard Striewski – Robert Rohregger – Benjamin Fritzsch – Meinolf Bartsch
So, lange genug für die Fotografen posiert und übers Laufshirt mit Namen drauf gefreut, jetzt heißt es für die jeweiligen Startläufer, sich hinter der Linie aufzustellen!
Meinolf wird die ersten drei Runden laufen.
Meinolf scheint fest entschlossen und zu
allem bereit zu sein. Gib alles, Junge!
Beobachtet von einigen ultracoolen ´Men in Blue´ füllt sich die
erste Startreihe rasch mit den
ersten Vertretern der favorisierten
Mannschaften wie dem TSVE in
Rot mit Tim Kerkmann und der
LG Gütersloh in Schwarz mit
Roland Przybilla.
Dann hört die Meute den Startschuss und stiebt los wie von der
Tarantel gestochen. Als sich die
hinterlassene Staubwolke gerade
verflüchtigt hat, kommen die Führenden schon von ihrer kleinen
Runde über 1400 Meter zurück –
nach weniger als 5 Minuten!
Wie erwartet übergeben Tim und Roland als Erste ihre Staffelstäbe an ihre Kameraden. Das gibt sicher Start-ZielSiege für die Männer-Staffel vom TSVE und das Mixed-Team aus Gütersloh! Als Meinolf dann kommt, muss er ohne Übergabe des Staffelstabs durchlaufen – der arme Kerl hält sich aber tapfer und macht einfach das Beste daraus.
Entschlossen beginnt Meinolf mit Runde 2,
doch als er sich – schon ziemlich kaputt – auch
noch auf seine dritte Runde macht, …
… ist von den Gesichtern der Zuschauer ebenso Bedauern wie Erstaunen abzulesen. Was für eine unorthodoxe Taktik! Angesichts des Vergleichs der
geplanten Marschtabelle mit Meinolfs nachlassender Geschwindigkeit schwant
mir immer mehr, dass wir die anvisierten 3 Stunden vergessen können.
Damit sich die weite
Anreise aus Köln auch
lohnt, hat Taktikfuchs
Benjamin den guten
Frank gleich mal für
die Runden 4 bis 7 eingeteilt. Oh oh …
Frank wartet geduldig,
bis Meinolf völlig am
Ende seiner Kräfte die
Wechselzone erreicht
und ihm das grün glänzende Leichtmetallteil
in die Hand drückt. Er
legt los wie die Feuerwehr und ist seinem angestrebten Weltrekord
wieder etwas näher.
Weltrekord? Ja, Frank hat
sich das Ziel gesetzt, weltweit der Läufer mit den
meisten aktiven Teilnahmen an Premierenveranstaltungen zu werden. Mit
dem 1. (!) Wiedenbrücker
Staffel-Marathon kommt
er seinem Ziel wieder etwas näher. Mit bisher 215
Premierenläufen ist Frank
eigentlich schon längst reif
für den beabsichtigten Eintrag im Guinness Buch der
Rekorde.
Zuvor muss allerdings erst
noch reichlich Schweiß
fließen. Franks Schweiß,
denn 4 Runden nacheinander sind bei diesem Wetter
echt der Hammer.
Frank läuft sich für unsere Phönix-Truppe die Lunge aus dem Leib, doch sein bravouröser Kampfgeist wird nicht so
wirklich belohnt. Er baut den von Meinolf natürlich wegen der fehlenden Erholungspausen übernommenen letzten
Platz unter den Männerteams noch deutlich aus. Da war wohl Bennis Erwartungshaltung etwas zu hoch, denn als
Frank den Stab an Gerhard übergibt, haben wir schon fast 3 Minuten Rückstand auf unseren Zeitenplan.
Wir haben ja von Anfang an nicht so hohe Ziele, wollen allerdings schon gerne die Marke von 3 Stunden knacken,
obgleich Benjamin sein Team wirklich nicht nach Leistungsaspekten aufgestellt hat. Meinolf und Frank sind bestenfalls ambitionierte Freizeitläufer, Gerhard ist ein durchaus ordentlicher Läufer, der allerdings leider fast immer sein
Pulver auf den ersten Metern verschießt. Benjamin ist unterdessen so weit sportlich gereift, dass demnächst vermutlich
beim 10er die 40-Minuten-Marke geknackt wird, und ich laufe nur bei den Jungs vom SuS Phönix Bielefeld 09 mit,
weil Benjamin so nett gefragt hat. Der Ehrgeiz stellt sich dennoch spätestens mit dem Anheften der Startnummer ein.
Der TSVE macht’s vor: Jan Kerkmann ist gut 100 Meter hinter der Wechselzone noch frisch. Höchstgeschwindigkeit ist angesagt und wird von ihm, seinem Bruder Tim, Thomas Dunkel, Ole Krumsiek und natürlich Amanal Petros, der
mit 5.53 Minuten für die 2040 Meter auch noch die schnellste Rennrunde schafft, perfekt umgesetzt.
Ganz starke Moderation und Organisation: Martin Masjosthusmann und
Jochen Heringhaus
am Mikro.
Perfekte Wechsel:
Ingmar Lundström
und Thomas Himpel für die Gütersloher Staffel zeigen
uns, wie’s geht, die Mädels aus Wiedenbrück sind ebenfalls klasse.
Noch während ich Frank dabei beobachte,
wie er sich über seine letzte Runde quält,
reicht’s mir. Mit Gerhard gemeinsam wird
unser Teamleader überzeugt, dass wir öfter
wechseln müssen. Als Meinolf und Frank
ihr Pensum hinter sich haben, der Rest von
uns aber immer noch auf die ersten Wettkampfschritte wartet, lässt Benjamin sich
immerhin von einer Kompromisstaktik
überzeugen: Nun soll Gerhard zwei Runden laufen, dann Benni ebenfalls, bevor ich
deren drei rennen darf. Danach beginnen
wir damit noch einmal von vorne. Das ist
zwar immer noch nicht gut, aber schon viel
besser. Nun kann die Aufholjagd also
beginnen!
Gerhard macht zwar den für ihn typischen Fehler, viel zu
schnell anzugehen, doch er zieht sein Ding insgesamt sehr
gut durch und kann nicht nur aufholen, sondern gleich
einige Läufer aus Männerteams überholen, bevor er den
Staffelstab erstmals an Benjamin übergibt. Sehr gut!
Durch die Halbierung der Intervalle von
Gerhard, Benjamin und mir werden wir
schneller. So bin ich zwar trotzdem der
einzige Läufer, der zweimal drei Runden
am Stück rennt beziehungsweise rennen
muss, doch wir holen Sekunde um Sekunde
gegenüber unserem Zeitenplan auf.
Benjamin ist noch schneller und rennt mit
7.51 Minuten auf seiner ersten Runde als
erster SuS-Recke unter 8 Minuten. Klasse!
Seine zweite Runde ist naturgemäß etwas
langsamer, doch nach guter Leistung übergibt er den grünen Staffelstab an mich. Statt
wie geplant in jeweils 8 Minuten schaffe ich
meine drei Runden im Schnitt in 7.45
Minuten (7.35, 7.46, 7.55), also 23.16 Minuten für 6,12 Kilometer – nach 34 Kilometern Training gestern ganz ordentlich. Dann
rennt Gerhard noch zwei gute Runden,
sogar minimal schneller als vorgesehen.
Vor den letzten fünf Runden liegen
wir bis auf lächerliche 10 Sekunden
wieder auf Zielerreichungskurs.
Gerhard, Benjamin und ich konnten
zudem unterwegs mehrere Plätze gutmachen, so dass es nun drauf ankommt.
Wenn Benjamin so rennt, wie in seinen
ersten Turn, haben wir eine echte
Chance, unser Ziel zu erreichen. Er
gibt alles, verliert aber leider pro
Runde erst 9 und dann 15 Sekunden.
Ich versuch’s als unser Schlussläufer trotzdem, will noch mal das Letzte
aus mir rausholen, doch was zu viel
ist, wird zu viel bleiben. 32 Sekunden
müsste ich noch aufholen – Mission
Impossible!
In meiner ersten Runde knabbere ich 8
Sekunden von dem Rückstand weg. Gut,
aber nicht gut genug! Die Kraft lässt nun
nach, so dass ich in der vorletzten Runde
nur noch weitere 5 Sekunden gutmachen
kann. Mit müden Beinen beginnt dann
die letzte Vollgasrunde.
Inzwischen fällt jeder Schritt schwer. Dazu
kommt die mentale Sperre, weil ich mir natürlich ausrechnen kann, dass es trotz allem
Einsatz am Ende nicht ganz reichen wird.
Schade, Bennis Hypothek aus seinen beiden
letzten Runden ist einfach etwas zu groß für
mich.
Immerhin signalisieren mir die Kameraden,
dass ich weiterhin jede Runde unter 8 Minuten absolviere. Zumindest das möchte ich
auch in der letzten Runde des Tages hinbekommen und reiße mich noch einmal richtig
zusammen.
Es ist so ähnlich wie einst bei der Werbung für den robusten und vielseitigen, aber
nicht allzu schnellen VW Käfer: R. läuft … und läuft … und läuft … und läuft …
Dieser Parallele bin ich mir allerdings nicht bewusst, als ich auch in der letzten
Runde noch versuche, für den SuS Phönix eine gute Platzierung herauszulaufen.
Zwei Läufer von Männerteams kann ich mir noch schnappen. Wird das reichen,
um uns insgesamt in der besseren Hälfte der Mannschaften zu platzieren?
Wenn die Schritte auch kürzer werden, gönne ich mir unbewusst trotz
des auf kürzeren Distanzen sicher passenden Vorderfußlaufens immer
noch den Luxus meines leider sehr unorthodoxen Laufstils. Keine
Ahnung, wieso der hintere Fuß nach dem Abstoßen quasi nach hinten
weggeschleudert wird, aber später darf ich mir wieder die gleichen
Sprüche anhören wie meistens: „Du läufst wie’n Mädchen!“ Zum
Glück folgt ebenso oft der Nachsatz „… Nur schneller!“
Ich laufe im Schnitt gute 7.55
Minuten (7.52, 7.55 und 7.58).
Denkbar knapp scheitern wir um
eben jene Sekunden an unserem
Traumziel: 3 Stunden und 16
Sekunden stehen nach meinem
Zieleinlauf für den SuS Phönix
auf der Uhr. Das ist zwar schade,
aber andere Ziele erreichen wir
locker, denn mit Rang 22 insgesamt (von 86) und Rang 9 (von
24) unter den Männerteams platzieren wir uns beinahe im ersten
Viertel beziehungsweise sogar
einstellig!
Zum Schluss lass ich dann aber
doch noch den Besserwisser
raushängen und behaupte an
allen Ecken, dass wir locker
unter 3 Stunden geblieben wären,
wenn wir den Staffelstab in jeder
Runde weitergereicht hätten.
Sollte es ein nächstes Mal geben,
laufen wir nach meiner Taktik!
Durch die eigene Lauferei verpassen wir, wie die fünf Jungs
vom TSVE zum überlegenen
Sieg rennen: Thomas Dunkel,
Jan und Tim Kerkmann, Ole
Krumsiek und Amanal Petros
sind unterm Strich pro Kilometer
fast eine Minute schneller als wir
und gewinnen in unglaublichen
2.18.11 Stunden. Na ja, das sind
ja auch nicht gerade No-NameRunner, jeder von ihnen alleine
hat schon reichlich Einzelsiege
auf dem läuferischen Kerbholz.
Heute laufen alle wirklich super –
herzlichen Glückwunsch TSVE!
Nach vollbrachter Leistung müssen
wir uns erst anhand der ständig aktualisierten Ergebnislisten am Reethus
schlau machen, ob der errechnete
Platz unter den ersten zehn Männermannschaften tatsächlich geschafft ist.
Jawoll, hat geklappt! Ein großartiges
Resultat für die ´Men in Blue´!
Klar, dass sich die Jungs vom TSVE
1890 Bielefeld am Ende als klare
Sieger feiern lassen dürfen! Da ist
dann auch der „Fanclub“ mit dabei,
der diesmal aus Sonja und Detlef Kley
sowie Heike Mohn und ihrer Tochter
besteht.
Übrigens: Besten Dank, „Fanclub“,
dass ihr auch uns so großartig nach
vorne applaudiert und geschrien habt!
Mixed-Sieger und Gesamtdritter wird das
rasende Team vom DJK Gütersloh: Roland
Przybilla, Sven Clasbrummel, Christina
Lueck, Ingmar Lundström, Melanie Genrich,
Michelle Rannacher und Thomas Himpel.
Auch hier fährt das dank der namhaften
Einzelläufer haushoch favorisierte Team den
erwarteten Sieg ein, doch die bärenstarke
Laufzeit überrascht dann doch: Nach nur
2.25.47 Stunden sind die drei Mädels mit
ihren vier Jungs schon im Ziel!
Diese Teamfoto-Praxis animiert natürlich
auch uns dazu, noch einmal alle gemeinsam
samt gewonnener Bierglas-Trophäen in die
Objektive der Kameras zu grinsen.
Vier schnelle Jungs
vom SUS Phönix
Bielefeld 09 samt
Gastläufer platzieren sich in Wiedenbrück
unerwartet
einstellig: Meinolf,
Frank,
Benjamin,
Gerhard und Robert
beenden den sportlichen Teil dieses
Sonntags mit einem
schönen Erfolg und
sind sicher: 2014
machen wir das gerne wieder!
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