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"Salutogene Führung - was Schulleitungen tun können, um

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"Salutogene Führung - was Schulleitungen tun
können, um Gesundheit und Wohlbefinden Ihres
Kollegiums zu fördern"
Prof. Dr. Peter Paulus
Institut für Psychologie
Zentrum für Angewandte Gesundheitswissenschaften
Leuphana Universität Lüneburg
Schulleitungstag Sachsen-Anhalt
11. April 2013
Halle
„Eine der seltensten Befähigungen ist die Befähigung,
Befähigung anzuerkennen“
(Elbert Hubbard ,1856 – 1915)
Begriffsklärung
• „Salutogene Führung“
• Salus (lat.): gesund
• Genese (griech.): Entstehung, Entwicklung
• „Gesunde / Gesundheitsförderliche Führung“
Einstieg
• Was fällt Ihnen zur „Salutogenen Führung“ ein?
• Murmeln Sie mal mit Ihrer Nachbarin, Ihrem Nachbarn
„Salutogene Führung“ -Einstieg 1
• „Was nun schon wieder? Welcher Schlaumeier hat sich das nun schon
•
•
•
•
wieder ausgedacht?“
„Habe ich nicht schon genug zu tun?“
„Gesunde Führung – schöne neue Welt, fernab der Realität!“
„Sollen die Mitarbeiter sich doch selbst um Ihre Gesundheit kümmern,
mach ich doch auch!“
„Gesunde Führung, da fehlt mir der Nerv für.“
„Salutogene Führung“ - Einstieg 2
• „Gesunde Führung – zu schön , um wahr zu sein“
• „Gesunde Führung –ist längst überfällig“
• „Das brauch ich. Das will ich können. Denn ohne Gesundheit geht gar
nichts“
• „Meine Mitarbeiter sind mein soziales Kapital. Da muss ich auch
investieren , ihnen was Gutes tun. Ich kann nicht immer nur abbuchen.“
• „Führen muss sich sowieso,warum dann eigentlich nicht gleich gesund?“
• Und: Was ist mit mir? Wer führt mich gesund? Ich mich selbst? Hilf dir
selbst, sonst hilft dir keiner?
Wieso überhaupt Schulleitungen?
„Schulleiterinnen und Schulleiter sind die zentralen Personen für
Gesundheit, Arbeitszufriedenheit und Leistungsbereitschaft an der
Schule“
GEW (Hrsg.) (2007). Schaffen wir die Arbeit oder schafft sie uns? Gesundheit von
Pädagogin.nen und Pädagogen – Auswege aus der Überlastung.
Was habe ich nicht alles schon als Schulleitung zu tun!
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Schulentwicklung, Unterrichtsentwicklung
Personalführung und Personalentwicklung
Organisationsgestaltung
Organisation und Verwaltung
Kooperation mit Schulaufsicht, Schulträgern und Partnern der Schule
Öffentlichkeitsarbeit
Budgetgestaltung, Finanzmanagement
Fortbildungsplanung und Qualitätsmanagement zu
Regionale Schulentwicklung
Gesundheitsmanagement (u.a. Gesundes Führen)
► „Gesundes Führen“ ist ist nur eine Aufgabe von vielen und durchringt
doch alles!
Hat Führung etwas mit Gesundheit zu tun?
Ein paar Sprüche und ein ernster Hintergrund
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„Wann Sie überlastet sind, bestimme ich“
"Wer Burnout bekommt, arbeitet nicht genug, sonst wäre dafür keine Zeit“
„Stress ist was für Leistungsschwache“
"Nicht geschimpft ist genug gelobt.“
"Wer lacht, hat noch Reserven.“
Schulleitung: "Sie arbeiten doch gerne hier, oder?“ Lehrkraft: "Ja, klar.“
Schulleitung: "Warum tun Sie's dann nicht?„
• „Übrigens: Team steht nicht für: Toll, ein anderer macht´s“
• "Sie kommen mit Ihrer Meinung und gehen mit meiner“
• "Kommen Sie mir nicht mit Sachargumenten"
Angemessenes Führungsverhalten?
Ein Schulleiter, seit 3 Jahren in dieser Position tätig, hat eine Lehrkraft,
der häufig immer gerade dann fehlt, wenn es eng wird oder ein günstiger
Tag ist.
Eines Tages entdeckt er in einer Zeitschrift einen Artikel zum Thema „Die
Tricks der Blaumacher“. Der Beitrag enthält u.a. eine Liste von
Erkrankungen, die auch die betreffende Person schon oft als Erklärung für
ihre Fehlzeiten angegeben hat.
Der Schulleiter kopiert die Liste und legt sie der Lehrkraft kommentarlos
ins Fach.
•
(leicht verändert n. Müller-Timmermann 2008)
Krankmachendes Führungsverhalten
• Mangelndes Interesse
• Abwertende und ungerechte
Kritik
• Nur auf Fehler achten
• Fehlendes Feedback
• Zurückhalten von Informationen
• Zeitdruck erzeugen
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•
Ignorieren von Stresssymtpomen
Brüllen, cholerische Anfälle
Führung mit Druck und Kontrolle
Vorschläge ignorieren
Kompetenzen entziehen
Anerkennung und Risiko
Bedingungsfaktoren: Gesundheit und Arbeitsverhalten (Un)Gesunde Führung ist ein Faktor
Wieso ist gesunde Arbeit gesund?
Stärkung des Kohärenzgefühls als Quelle der psychischen Gesundheit
Gefühl der
Verstehbarkeit
Kohärenzgefühl
Gefühl der
Machbarkeit
Gefühl der
Sinnhaftigkeit
Das Kohärenzgefühl als Quelle der Gesundheit
Ein dynamisches Gefühls des Vertrauens,
dass die Arbeitsanforderungen Herausforderungen sind, die strukturiert,
vorhersehbar und erklärbar sind,
dass Ressourcen zur Verfügung stehen, um sie bewältigen zu können und
dass sie der Anstrengung und des Engagements lohnen.
Was heißt denn überhaupt Gesundheit?
(Hurrelmann, 1994)
Gesundheit bezeichnet den Zustand des objektiven und subjektiven Befindens
einer Person, der dann gegeben ist, wenn sie sich in den physischen, psychischen,
sozialen, emotionalen und ökologischen Bereichen ihrer Entwicklung im Einklang
im mit den eigenen Möglichkeiten und Zielvorstellungen und den jeweils
gegebenen äußeren Lebensbedingungen befindet,
Gesundheit ist das aktuelle Ergebnis der jeweils aktiv betriebenen
Herstellung und Erhaltung des sozialen, psychischen und körperlichen Aktionsfähigkeit eines Menschen im gesamten Lebenslauf.
Sind denn Lehrkräfte überhaupt belastet und beansprucht?
Belastungen der Lehrkräfte – In welchem Ausmaß?
(Ulich & Wülser2006)
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•
•
Verhalten schwieriger Schüler/innen (71% stark/sehr stark)
Heterogenität der Klasse (55% stark/sehr stark)
Administrative Pflichten (53% stark/sehr stark)
Außerunterrichtliche Pflichten (54% (stark/sehr stark)
Berufliches Image und Prestige
Koordination von beruflichen und außerberuflichen
Verpflichtungen
• Zeitdruck bei der Arbeit
• Klassengröße
• Neuerungen und Veränderungen im Schulsystem
Arbeitsbezogene Erlebens-und Verhaltensmuster – AVEM-Fragebogen
Muster S = ausgeprägte Schonungstendenz gegenüber beruflichen
Anforderungen, Ruhe und Gelassenheit, relative Zufriedenheit (23%
der Lehrkräfte; W < M)
Arbeitsbezogene Erlebens-und Verhaltensmuster – AVEM-Fragebogen
Muster A = überhöhtes Engagement (Selbstüberforderung),
exzessive Verausgabung und verminderte Erholungsfähigkeit bei
eingeschränkter Belastbarkeit und Zufriedenheit (30% der
Lehrkräfte; W > M)
Arbeitsbezogene Erlebens-und Verhaltensmuster – AVEM-Fragebogen
Muster B = Überforderung gekennzeichnet durch reduziertes
Engagement bei eingeschränkter Erholungs- und Widerstandsfähigkeit
sowie umfassende Resignation (29% der Lehrkräfte; W > M)
Interventionsmaßnahmen für Risikotyp A und B n. Schaarschmidt
Gemeinsamkeiten von
Übergreifende Maßnahmen der Intervention
A+B
Innere Unruhe und
Unausgeglichenheit,
eingeschränkte
Distanzierungsfähigkeit
Belastungsausgleich durch Entspannen und
Kompensieren (Ausagieren durch Sport, Gartenarbeit,
Bewegung an frischer Luft, Entspannungsübungen,
musische Betätigung etc.)
Unzufriedenheit,
Misserfolgserleben
Klärung des professionellen Selbstverständnisses,
Korrektur unrealistischer und überhöhter (Typ A) bzw.
enttäuschter (Typ B) berufsrelevanter Ansprüche,
Erwartungen und Zielvorstellungen
Erleben mangelnder
sozialer Unterstützung
Entwicklung von Teamgeist und –fähigkeit, Schaffung
eines positiven Arbeitsklimas (Intensivierung des
Gesprächs im Kollegium und mit der Leitung,
Supervision, Organisierung und Pflege sozialer Kontakte
in der Freizeit)
Interventionsmaßnahmen für Risikotyp A n. Schaarschmidt
Charakteristika von
Typ A
Spezifische Maßnahmen der Intervention bei Typ A
Einseitige Betonung
der Arbeit, exzessive
Verausgabung,
Selbstüberforderung
Relativierung des Stellenwertes der Arbeit gegenüber
den anderen Lebensbereichen; „Nein-Sagen“ lernen,
Veränderung der individuellen Arbeitsorganisation und
des Zeitmanagements, Koordinierung und
Ausbalancierung von beruflichen Anforderungen,
häuslichen Pflichten und Freizeitaktivitäten
Unausgeglichenheit,
Ungeduld, Ärger
Förderung von Aussprachemöglichkeiten, Konflikt- und
Stressbewältigungstraining
Interventionsmaßnahmen für Risikotyp B n. Schaarschmidt
Charakteristika
von Typ B
Spezifische Maßnahmen der Intervention bei Typ B
Eingeschränkte
kommunikative
Kompetenz, defensive
Problembewältigung
Förderung offensiven Kommunikations- und
Problemlöseverhaltens über Training, Supervision,
Mentorenschaft etc.
Resignation
Supervision, Coaching, ggf. auch Einzel- oder
Gruppentherapie
Was kann ich umfassender tun?
Salutogene Führung
Schlüsselaufgaben des salutogenen Leitungshandelns
(Malik 2006; zit. n. Hundeloh 2012)
1.
2.
3.
4.
5.
für Ziele sorgen
organisieren
entscheiden
Qualität kontrollieren, messen, beurteilen
die Selbstentwicklung von Menschen fördern und unterstützen
Direkte salutogene Führung
(modifiziert n. Harazd et al. 2009; Dadaczynski 2012)
•
• Verstehbarkeit
•
•
•
•
• Machbarkeit
•
•
•
•
Transparent sein in der Regelung
von Verantwortung und in
Entscheidungen
Lehrkräfte mit wichtigen
Informationen versorgen
Aufgabenklarheit sicherstellen
Verständliche Erklärungen abgeben
Passung von Aufgabe und Person
herbeiführen
Selbstwert fördern durch
Anerkennung und Rückmeldung
Individuelle Stärken und
Schwächen berücksichtigen
Kooperationen ermöglichen
Materialaustausch fördern
Direkte salutogene Führung
(modifiziert n. Harazd et al. 2009; Dadaczynski 2012)
• Sinnhaftigkeit
•
•
•
•
Zielorientiert handeln
Vermittlung von Visionen
Gemeinsame Zielsetzung
Handlungen erläutern / Zielklarheit
Indirekte salutogene Führung
(modifiziert n. Harazd et al.2009; Dadaczynski 2012)
• Verstehbarkeit
• Machbarkeit
• Sinnhaftigkeit
•
Aufbau und Sicherstellung
transparenter
Kommunikationsstrukturen
•
Arbeitsabläufe ökonomisch
gestalten und Ressourcen optimal
einsetzen
•
Gemeinsame Ziele und Visionen
dokumentieren und sichtbar
machen
Was hat das bei den Lehrkräften zur Folge?
•
•
•
•
Verstehbarkeit
Ich weiß, wie der Schulleiter „tickt“ und der „Laden“ funktioniert
Die Ziele sind klar, die Ergebnisse werden gewürdigt
Hier geht es gerecht zu und Konflikte werden klar angegangen
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•
•
Machbarkeit
Meine Fähigkeiten werden genutzt
Ich erhalte Feedback; mein Mitdenken ist erwünscht
Bei Engpässen kann ich mit Unterstützung rechnen
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•
•
•
Sinnhaftigkeit
Mein Einsatz macht Sinn
Mein Wollen wird gesehen , man lässt mich wachsen
Das Betriebsklima ist gut; ich bin stolz mit dabei zu sein
Schulische Organisations- und Arbeitskultur
zur Förderung des Kohärenzgefühls als
Quelle psychischer Gesundheit
• Die Schule verfügt über eine Führung, die Kommunikation nach innen und
außen, Information und Kalkulierbarkeit fördert und somit ein Gefühl der
Verstehbarkeit vermittelt.
• Die Schule macht Anforderungen lösbar, indem sie angemessene
Ressourcen zur Verfügung stellt und dadurch das Gefühl der Machbarkeit
der Arbeitsprozesse erzeugt.
• Die Schule hat Werte entwickelt, die sowohl auf eine möglichst gute
Integration von individuellen Zielen der Beschäftigten als auch auf
kollektive Ziele der Schule ausgerichtet ist. Sie vermittelt das Gefühl der
Sinnhaftigkeit.
Das Soziale als Gesundheitsquelle: Burn-Out Risiko wächst,
wenn soziale Bindungen am Arbeitsplatz fehlen
(Eriksson, E.B. 2009)
.
• Mangelnde Anerkennung und fehlende Wertschätzung, aber auch die
veränderten Kommunikationsformen können neben der
Belastungssituation am Arbeitsplatz dazu führen, dass weniger soziale
Kontakte aufgebaut werden und das der/die einzelne sich im sozialen
Miteinander in der Schule nicht mehr zurecht findet.
• Das führt zu einem vielschichtigen Problem mit Folgen für den Einzelnen,
die engsten Freunde und Verwandten, für die Schule und für die
Gesellschaft.
• Kraft, Freude und Engagement, Grundlagen für das psychische
Wohlbefinden, gehen nach und nach verloren, wenn das Arbeitsumfeld
dauerhaft anonym und unpersönlich bleibt.
Das Soziale als Gesundheitsquelle: Burn-Out Risiko wächst,
wenn soziale Bindungen am Arbeitsplatz fehlen
(Eriksson, E.B. 2009)
• Daher sind soziale Bindungen am Arbeitsplatz Schule und Anerkennung
der geleisteten Arbeit durch Kolleginnen und Kollegen sowie durch die
Schulleitung immens wichtig. Sie stärken nicht nur das Selbstvertrauen,
sondern fördern auch die kollegialen Kontakte und schaffen Respekt und
Achtung voreinander.
Literatur
• Dadaczynski, K. (2012). Die Rolle der Schulleitung in der guten gesunden
Schule. In DAK-Gesundheit & Unfallkasse NRW (Hrsg.) (2012). Handbuch
Lehrergesundheit – Impulse für die Entwicklung guter gesunder Schulen
(S. 197-228). Köln: Link
• DAK-Gesundheit & Unfallkasse NRW (Hrsg.) (2012). Handbuch
Lehrergesundheit – Impulse für die Entwicklung guter gesunder Schulen.
Köln: Link
• Harazd, B., Gieske, M. & Rolff, H.-G. (2009). Gesundheitsmanagement in
der Schule. Lehrergesundheit als neue Aufgabe der Schulleitung. Köln:
Wolters-Kluwer
• Hundeloh, H. (2012). Gesundheitsmanagement an Schulen. Prävention
und Gesundheitsförderung als Aufgabe der Schulleitung. Weinheim: Beltz
Salutogene Führung - ein Gesundheitsfaktor
„Nichts ist möglich ohne den
Menschen. Nichts ist von Dauer
ohne Institutionen“
(Jean Monnet, 1888-1979, einer der
Gründerväter der Europäischen
Gemeinschaft)
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