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Ärger auf der Klassenfahrt – was tun? - Schulbuchzentrum Online

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ANTWORT
Ärger auf der Klassenfahrt –
was tun?
vo n Eva Engelken
die autorin
Der Fall
Die 10. Klasse der Förderschule macht ihre Abschluss-Klassenfahrt nach England. Leider gibt
es Ärger. Unbemerkt schmuggeln
zwei Schüler eine Flasche Whisky ins Jungenschlafzimmer und
betrinken sich, während der Lehrer und sein Referendar schlafen.
Um Mitternacht begeben sich die
angetrunkenen Schüler ins Mädchenschlafzimmer, prahlen dort
herum und einer versucht, ein
Mädchen zu küssen. Das Mädchen
wehrt sich, es entsteht eine lautstarke Rauferei. Eigentlich würde
der Lehrer die Hauptstörenfriede,
zwei 17-jährige Schüler, am liebsten sofort nach Hause schicken,
ist aber unsicher, ob sie alleine reisen können. Außerdem fragt er
sich, ob er nicht die Polizei rufen
sollte.
Die Lösung
PRAX I S F Ö R D E R N | 1-2 010
wären auch fortdauernde Schlafstörungen auf einer mehrtägigen
Klassenfahrt ein Grund, Schüler
nach Hause zu schicken.
Eine Pflicht zur Strafanzeige
bei der Polizei wegen der Vorfälle besteht weder in England noch
zu Hause in Deutschland. Wurden tatsächlich Schüler verletzt und wollen deren Eltern
daher Strafanzeige erstatten, empfiehlt es sich, dies in Deutschland
zu tun, um ein Ermittlungs- und
Gerichtsverfahrens im Ausland zu
n
vermeiden. Eva Engelken
ist Juristin und Wirtschaftsjournalistin.
Sie schreibt für Publikums- und Fachzeitschriften über Rechtsund Wirtschaftsthemen.
INFO
Mehr Infos zum Thema Schülerverhalten:
Böhm, T.: Schulrechtliche Fallbeispiele für
Lehrer. 6. überarbeitete Auflage, Köln
2009
Alkoholmissbrauch kann
zum Ausschluss von der
Klassenfahrt führen.
Bild: G. Stöter
Dr. Thomas Böhm, Fachbuchautor
und Dozent für Schulrecht in Mülheim an der Ruhr, gibt folgenden
Rat:
Die richtige Sanktion für massiven Alkoholmissbrauch ebenso wie für gewalttätige Übergriffe
auf Mitschüler wäre der Ausschluss der betreffenden Schüler
von der Klassenfahrt. Allerdings
sollte differenziert werden. Handelt es sich bei der Aktion eher um
eine Art Mutprobe, reicht die Androhung der Heimreise. Haben
die Schüler dagegen systematisch
hochprozentigen Alkohol eingeschleust und sich bis zum kompletten Kontrollverlust betrunken
und andere Schüler gefährdet,
kann im Extremfall die ganze
Gruppe nach Hause geschickt werden.
Um das einschätzen zu können, sollte sich der Lehrer um genaue Sachverhaltsaufklärung bemühen und sich für seine Entscheidung über einen Ausschluss
von der Klassenfahrt Rückendeckung bei der Schulleitung holen. Von der Überlegung, den
Referendar als Begleiter mitzuschicken, rät Böhm ab. Fällt dieser
aus, müssten Unternehmungen
eventuell ausfallen, zu denen eine
zweite Aufsichtsperson nötig ist.
Zudem bestehen bei einem durchschnittlichen 17-jährigen Schüler
keine Bedenken, ihn alleine heimreisen zu lassen. Entscheidend
sind aber die konkreten Umstände: Ist den Jungen zuzutrauen, alleine mit dem Zug zu fahren? Welche Erfahrungen haben sie? Wer
holt sie ab? Diese Fragen sollten
mit den Eltern der Jungen geklärt
werden.
Die Kosten für eine vorzeitige
Heimreise würden die Eltern tragen. Der Grund: Nicht die Schule
hat den Abbruch der Schulveranstaltung zu verantworten, sondern die betroffenen Schüler selber. Böhms Tipp: Eltern müssen
unterschreiben, dass ihr Kind an
einer Klassenfahrt teilnehmen
darf. Diese Erklärung sollte einen
Passus enthalten, der klarstellt,
dass die Eltern die Kosten einer
vom Schüler verschuldeten Heimreise tragen.
Sorgen macht dem Lehrer seine mögliche Aufsichtspflichtverletzung, weil er während des Vorfalls geschlafen hat. Nicht nötig,
beruhigt Böhm. Es gebe kein Prinzip, wonach Lehrer auf Klassenfahrten nicht durchschlafen dürften, schließlich bräuchten auch
sie Erholung. Allerdings müssten
sie bei Anzeichen für bevorstehende nächtliche Eskapaden reagieren und gegebenenfalls Kontrollgänge machen. Übrigens
Rechtstipp
Keine Visumspflicht nach England.
Schüler mit deutscher Staatsangehörigkeit oder aus einem
Mitgliedsstaat der EU brauchen einen gültigen Reisepass bzw.
Personalausweis. Schüler aus Drittstaaten, etwa Türkei oder
Ukraine, brauchen ebenfalls kein Visum, sondern nur ein
gültiges Personaldokument, müssen aber auf einer „Liste der
Reisenden für Schulreisen innerhalb der Europäischen Union” eingetragen sein. Die Liste gibt es beim örtlichen Landratsoder Ausländeramt und sie ist von Schulleitung und Ausländerbehörde zu beglaubigen.
Infos zu den Visa auf der Webseite des Britischen Konsulats:
http://ukingermany.fco.gov.uk/de/visas/ oder beim örtlichen
Ausländeramt der Gemeinde- oder Stadtverwaltung.
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Bildung
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