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Jesus ware sicher verwirrt darüber, was heute in ihm gesehen - fuxx!

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NUR FÜR DEN INTERNEN GEBRAUCH
rtwohlt
Presseabteilung
FrankfurierRundschau
Datum: 24.12.2013
Jesus ware sicher verwirrt darüber,
Der Religionswissenschaftler Reza Aslan im Gespräch über seine Biografie „Zelot", über den
was heute in ihm gesehen wird"
historischen Unruhestifter und die Politiker, denen er noch heute in die Quere käme
HetT Aslan, warum ein neues
Buch über Jesus? Ist über sein
Leben nicht alles geschrieben,
was man wissen kann?
In den letzten zwei JahrMurner
ten gab es in der Tat keine neue
Erkenntnisse über das Leben Je
su. Allerdings wird Jesus in fas
90 Prozent der Forschungslitera
tur aus der Perspektive des christ
lichen Glaubens beschrieben. Je
wollte die erste populäre Biogra
fie schreiben, deren Quelle nich
das Evangelium ist, sondern da
Palästina des 1. Jahrhunderts
Die große -Mehrheit auch de
Christen weiß nur sehr weni
über den Menschen Jesus.
Forsclwr erklären darum ja
' auch: Wir können nicht über
ihn sprechen, Weil wir so wenig
über sein Leben wissen.
; Und hier widerspreche ich. Auch
1 wenn wir über sein Leben wenig
r wissen, wissen wir fast alles über
' die Welt, in der er lebte. Mein Ar' gument ist also: Wir nehmen alles
; das, was wir über das Leben Jesu
1 wissen, und betten es in unser
Wissen über seine Welt ein. Wenn
wir es zulassen, dass diese Welt
I ihn und seine Existenz bestimmt,
dann kann man auch ein klares
Bild von dieser Gestalt und seiner
Lehre gewinnen. Ich bin mir sehr
bewusst darüber, dass das Bild,
, das ich von Jesus zeichne, sich
klar von dem vieler moderner
christlicher Interpreten abhebt.
Sie stellen Ihrem Buch als Motto
ein Bibelzitat voran: Ich bin_
nicht gekommen, Frieden zu
bringen, sondern das Schwert!
Ist das der andere Jesus, den Sie
meinen?
Es ist wichtig, dass wir lernen zu
begreifen, dass Jesus viel radikal& und revolutionärer gewesen
ist, als die meisten ihn verstehen.
Wenn wir nichts über Jesus wüssten, alt den, er gekreuzigt wurde,
, wüssten ivir, genug. Denn eine
, Kreuzigung war eine Strafe, die
Rom ausschließlich für solche
' vorsah, die Gewalt gegen den
andibistehhaettoe dazu zählStaat auscgei
, ten Euifo
dRebellen.
,14Tdr also daran glaubt, $s Jesus
gekreuzigt wurde, muss 1vnit zu. ,
, gleich einräumen, dass eivegen
einer Rebellion gegen de Staat
4USSCHNITT
486.236 ans Kreuz geschlagen wurde\
•
MEDIENBEOBACHTUNn
Aber reicht dieses Wissezt, um ei
ne ganze Biografie.über ihn da
mit zufüllen? Die Wahrheit ist, dass wir nu
sehr wenig über den historischen
Jesus wisSen. Es gibt eine Über
einstimmung lediglich in Bezug
auf sehr wenige Fakten. Nummer
eins: Er war Jude, ein sehr wichti
ges Faktum! Nummer zwei: Er
lebte irgendwann irc, der ersten
Hälfte des ersten Jahrhunderts
unserer Zeitrechnung. Nummer
drei: Er wurde von den Römern
gekreuzigt. Das ist alles.
eAUSSCHMTT Methenbeechtung
iI Er IV
ar also kein weltabgewandter Heiliget; kein guter Hüte?
. [ Allein.das sollte' schon ausrei/
chen, das Bild von Jesus zu 'nochfiziereh. Er war nicht jemand, der
sich nicht um die Geschehnisse
dieser Welt kürtimerte oder der
kein Interesse daran hatte. Denn
ein solcher Jesus wäre von Rom
völlig unbeachtet geblieben. Man
muss den römischemStaat schon
1/3
herausgefordert haben, um gefangen genommen, gefoltert und
gekreuzigt zu werden. Jesus muss
ein Unruhestifter gewesen sein.
Inwiefern?
• Was Jesus predigte, war so revolutionär dass er in der Folge dafür getötet wurde. In seiner Lehre
wurde die soziale Ordnung auf
Wer die Althistoriker liest, stellt
den Kopf gestellt. Jesus predigte, fest, dass die römischen Herrdass die Reichen arm werden
scher zu Jesu Lebenszeit ohnesollten, und die Armen sollten
hin immer nervöser wurden.
reich werden. Die Ersten würden
Es gab in Palästina Dutzende von
die Letzten sein, die Letzten würAufständen und Rebellionen, vieden die Ersten sein. In anderen
le von ihnen mit messianischem
Worten, Jesus beschreibt keine
Hintergrund, wie die von Jesus
Utopie, in der jeder vor Gott
zu dieser Zeit. Rom registrierte
gleich sein wird. Was er sagte, ist
aufmerksam jeden Versuch einer
In einer künftigen Weltordnung
Rebellion durch die Juden. Und
werden die Menschen an der'
sie hatten recht mit ihrer Vor- ; .
Spitze und die Menschen ganz •
sickt denn im Jahr 66 n. Chr.,
ani Abgrund ihre Plätze tauschen.
rund 301 Jahre nach Jesu Tod,
Wie Sie sich vorstellen können,
führte eine diese Rebellionen
ist das eine sehr attraktive Vorzum Ziel. Die Römer wurden aus
stellung, wenn man ganz- unten • ...
r dem Heiligen Land verjagt. Auch
ist. Und e ist eine glaubwürdige
wenn die Römer sich hierfür- bit' Drohung,. Wenn man ganz oben
; ter rächten, che Juden aus Jerusa2 ist. Das ist der Grund, weshalb er
; lem verbannten und den Tempel
1 letztlich getötet wurde, Wenn Je' bis zum Grund niederbrannten.
ans heute kbep würde und genau
' Nichtsdestoweniger hatten die
das predigen würde, was er da! Römer Mit ihrer Einschätzung:
mals sagte, wäre es erneut sehr
dass ihnen eide Rebellion gefährgefährlich für ihm •
' lich werden konnte, recht gehabt.
Er • steht dem jetzigen Papst
Jesus sagte, er sd der Messias.
Franziskas also durchaus nahe.
Hat er sich damit als Gottes
Sohn gesehen?
.
naütbeeinrigEeink
woiern
hti
Ft
akBteDmeerrkPun
apsgteh
„Sohn von Gott" zu sein, ist in der
men, Gleichheit und unfairen KaBibel keine Beschreibung einer
)Ipitalismus gemacht. Einige der
Tatsache, sondern ein Titel. Die ; 1Politiker in den USA, Sarah Palin
heilige Schrift berichtet von vie- ;
:inbegriffen, haben den Papst für
len Menschen, die als „Sohn Got- 1 l' diese Bemerkungen hart kritites« bezeichnet wurden. Dieser
siert. Ich habe ihnen in einem ArTitel wurde Königen verliehen.
tikel für die „Washington Post"
Jesus selbst bezeichnete sich als
geantwortet Wenn ihr ein ProMessias. Wenn er sagte: „Ich bin
! blem damit habt, was der Papst
der Messias", dann bedeutete das
l sagt, habt ihr ein-Problem mit Jefür die Juden seiner Zeit „Ich bin
sus. Denn das ist genau das, was
ein Nachkomme von König Da•Jesus gesagt hat. Ich habe lange
vid.« Keiner seiner Zeitgenossen
' auf solch einen Papst gewartet.
hätte das nur annähernd so verFranziskus ist Jesuit. Da ich eine
standen wie: „Ich bin Gott." Das
Jesuitenschule besucht habe, ähwurde erst sehr viel später in dieneln sich unsere Vorstellungen
se Richtung überführt. Es handelt
vont Evangelium. Es beinhaltet
sich also um eine christliche Inein Gespür für soziale Gerechtig-•
terpretation. Das zeigt wieder,
keit und für den mangelnden Einwie wichtig es ist, den historifluss der Armen, genau das, was
schen Jesus in seiner Zeit zu ver; Jesus predigte. Wer ein Problem
stehen. Jesus war ein lude, der
, mit Papst Franziskus und seinen
anderen Juden den Judaismus
Aussagen über die Reichen und
predigte. Nur wenn man dies be1 Armen hat, hat gleichzeitig ein
, greift versteht man Jesus richtig.
' Problem mit Jesus.
I I
i
Also, was war Jesus dann? Bin
I Unruhestifter,
ein Sozialrevolu.
r, der gegen Rom vorging?
Jesus wollte König Davids Thron
wieder errichten, Dafür musste e
• den 'römischen Kaiser stürzen.
Das war eine Revolte. Das war
Landesverrat. Aber was er predigte, ging noch weit darüber hi/ naus.
Sie waren Christ und sind zum
, Islam konvertiert. Nun schreiben Sie ein Buch über den säkularen Jesus. Wie kommt das?
Ich hatte die Gelegenheit, Jesus aus der Perspektive des Glaubens
und der Tatsachen zu betrachten.
Das gab mir die Perspektive für
den Blick auf Jesus, den Menschen, und Jesus, den Christen.
Ich habe auf der einen Seite einen
großen Respekt vor jenen, die in
Jesus den Sohn Gottes sehen, auf
der anderen Seite konnte ich
mich aber von Lehre und Dogmatik befreien und auf Jesus von einem objektiven Standpunkt aus
blicken. Mein Glaube war auf lange Sichtvorteilhaft für mich. •
Sind seine Ideen für Sie nun wesentlich attraktiver geworden,
nachdem Sie das Buch geschrieben haben?
Heute interessiert mich an ihm,
was auch für Atheisten spannend
sein kann: sein politischer Einfluss. Die Ironie ist, dass ich nun
wesentlich hingebungsvoller gegenüber Jesus als Mensch geworden bin, als ich es jemals gegenüber Jesus Christus war. Ich meine besonders sein Kampf, wierann die soziale-Ungleichheit
•
_
überwinden und mit den herrschenden Kräften fertig werden
könnte. Das ist heute genauso
von Relevanz, wie es das vor
zweitausend Jahren der Fall war.
Dieser Jesus ist so hinreißend,
dass man zu seinem Anhänger
werden kann, auch ohne ein
Christ zu sein. Für mich selbst gilt
das definitiv.
Sie sind Muslim und haben das
Buch „Kein Gott außer Gott"
über den Islam geschrieben.
Wenn Sie jetzt die Worte Jesu
mit der Lehre des Islam vergleb
chen, erkennen Sie dann viele
Ähnlichkeiten oder sind sie völlig antel.schiedlich?
Wenn man die Botschaft von Jesus mit der des Propheten Mohammed vergleicht, sind sie sehr
nahe beieinander. Oder besser:
Sie sind der Botschaft aller großen Propheten sehr nahe. Sie haben ja auch alle gemeinsam,
selbst nicht die _Stifter ihrer Religion zu sein. Jesus hat nicht das
christentum begründet, er war
ein Jude. Seine Anhänger haben
das Christentum geschaffen. Bei
l Mohammed war es ebenso. Im
i Koran steht: Das ist keine neue
Botschaft. Es ist dieselbe Botschaft wie zuvor. Was Jesus über
, die Konversion von Armen und
Reichen sagte, war exakt das, was
auch der Prophei Mohammed
, sagtet was identisch mit der Botschaft von Buddha ist. Sie alle teilen die eine Botschaft
Hilft uns das in Bezug auf die
Debatten über Islam, Christent tum und Judentum?
Die Propheten waren Reformer
' der herrschenden Religion ihrer
Zeit. Die Erkenntnis der Allgemeingültigkeit der Lehre der Pro"
pheten ist sehr wichtig für ein
besseres Verständnis der Menschen aus unterschiedlichen Religionen.
3
Die Botschafrvon Jesus oder Mohammed und selbst Buddha
wird oft von Fundanzentalisten
missbraucht.
-Absolut. Die Fundamentalisten in
• jeder Religion, christliche, jüdische und muslimische, haben
mehr miteinander gerneinsam als .
mit ihrer eigenen jeweiligen Religion. Ein christlicher Fundamentalist ist einem christlichen Fundamentalisten ähnlicher als einem modernen aufgeschlossenen
Christen. Und auf der anderen
Seite haben moderne Christen,
Muslime und Juden mehr miteinander gemein als rnii den Fundamentalisten ihrer jeweiligen
r:2
i Wenn Sk Jesus mit den anderen
•vergleichen, die als Messias auftreten. Wer war historisch gesehen wirkungsvolleritt seinem jeweiligen Lebeli?
Das ist ein guter Punkt. Es gab zu
dieser Zeit viele, die sich als Messias bezeichneten die meisten
von ihnen Waren damals wirksamer als Jesus. Ein Messias beispielsweise, sein Name war „Der
A te " hatte 1000 Anhänger,
Zu ihren Lebzeit waren viele viel
r erfolgreicher als Jesus. Aber 2000
Jahre später haben wir die aride1 ren vergessen und erinnern uns
nur an Jesus.
,
Warum ausgerechnet er.?
wer stirbt, ohne das Königreich
Davids wiedererrichtet zu haken,
( kann nicht der Messias sein. Das
galt und gilt also auch für Jesus.
Es sei denn, man ändert die Definition und Erwartung bezüglich
des Messias. Wenn er zu einer
himmlischen Figur wird, stellt
sich das auf einmal anders dar.
Und das taten die Menschen in
dieser Zeit. Sie predigten das
neue Konzept des Messias, nicht
den Juden, aber den Römern.
Und so wurde \ der Begriff des
Messias römischer und griechischer. Der Gr4d also, warum
Jesus als Symbol" des Messias
überlebte und die anderen nicht,
lag darin, dass die Definition verändert wurde. \
' Die Reaktionen auf Ihr Buch waren zurri Teil heftig.
r Das Buch wurde zu einer Art globalem Phänomen. Es gibt einige
, Missverständnisse bei den Christen Denn es ist nicht Gott, den
ich in diesem Buch beschreibe,
sondern ein Mensch. Diese Christen hatten bis jetzt nicht die Gele, genheit, die Person Jesus in ihrer
Zeit kennenzulernen. Die bedenklichste Reaktion kam allerdings
voii deit politischen Rechten,
1 mehr noch als von religiöser Sei1 te. Weil eben viele 'Politiker in
Amerika, die im Namen Jesu zu
sprechen vorgeben, in Wahrheit
, seiner Lehre diametral entgegen- r
stehen. Jesus wäre sicher verwirrt
darüber, was heute in ihm gesehen wird.
1
Der Moderator des US-Senders
Fox-News steilte Ihre Kompetenz
infrage, weil Sie Mustün sind.
r Die Fox-News-Kontrovere--waL
nur ein Beispiel für• die Reaktion
der Politischen Rechten. Der. historische Jesus steht für das ge,
naue Gegenteil von dem, was Fox
News in den USAtäglich sendet.
Interview: Michael Hesse
ZUR PERSON
Reza Aslan, 1972 in Teheran geboren;
lebt als Religionswissenschaftler und
Buchautor In Kalifornien. Aslan studiene in an derjesuitischen Santa Clara
Unhrersity, in Harvard und an der Uni-.
versity of California in Santa Barbara.
jSein neues Buch ist soeben auf ,
'Deutsch erschienen: „Zelot"; Rowohlt,
/ 3845., 22,95 Euro. 2006 erschien auf
Detitsch "Kein Gott außer Gott. Der
t Glaube der Muslime von Muhammad
' bis zur Gegenwart", Reck, 335 5.,
' 24,90 Euro. ZurAufregting im konservativen Amerika s. FR v. 3. August..
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