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1 04.03.2010 Molo aus Johannesburg! …was auf isiXhosa - Blog.de

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04.03.2010
Molo aus Johannesburg!
…was auf isiXhosa soviel wie Hallo bedeutet, der nach Englisch und isiZulu am häufigsten
gesprochenen Sprache in Südafrika. Ich hoffe euch zu Hause geht’s immer noch genauso gut
wie mir hier!
Ich habe in den vergangenen Tagen doch relativ viel
unternommen und demzufolge auch um einiges mehr an
Eindrücken dieses Landes – hauptsächlich aber der Provinz
Gauteng – als in meiner ersten Woche hier erhalten können.
So haben wir uns letzte Woche auf dem Weg in den Club, den
wir besuchen wollten, wirklich übel verfahren und sind sogar
kurz in Pretoria, der Hauptstadt von Südafrika, gelandet.
Danach wurden wir noch von der örtlichen Polizei angehalten,
da unser Fahrer versehentlich den Polizeiwagen per Lichthupe
zum Überholen aufgefordert hatte… ;-) Nach kurzem Gespräch mit den Polizisten, die dann
doch zu faul waren eine Alkoholkontrolle durchzuführen, ging’s aber dann endlich weiter ins
Nachtleben von Jozi, welches wirklich sehenswert ist und Laune auf mehr macht, da die
Jugendlichen hier irgendwie viel mehr aus sich herausgehen und auch gern einmal den ein oder
andern Solotanz aufs Parkett legen, so dass dies natürlich auch dieses Wochenende wieder auf
der To-Do-Liste steht. Doch auch der Besuch des Clubs war, wie so vieles hier in Südafrika –
dem Land mit der jüngsten Demokratie der Welt – äußerst kontrovers, denn gleich beim
Verlassen des Clubs wurden wir Zeugen der teilweise bettelarmen Bevölkerung, als uns
nämlich ein älterer Mann um ein paar Rand (und dabei entspricht ein Rand gerade mal 10 Cent
in Deutschland, bei gleichen Kosten für Lebensmittel) regelrecht anflehte; der dann aber von
den Parkplatzwächtern weggebracht wurde. In solchen Situationen fühlt man sich irgendwie
selber schlecht und weiß ehrlich gesagt nicht wirklich, wie man sich am besten verhalten soll,
denn selbst wenn man dem Mann ein bisschen Geld gibt, weiß man nicht was er damit macht,
also ob er sich dafür etwas zu Essen oder aber Drogen
kauft, die hier angeblich auch sehr einfach zu
bekommen wären.
Am Tag darauf war ich dann zum Braai
eingeladen – dem südafrikanischen Grillfest –
und konnte so die für dieses Land so typische
Boerewors probieren, welche aus Rind-,
Schweinefleisch und viel Fett hergestellt wird
und rein äußerlich der europäischen Bratwurst
nicht ganz unähnlich ist, sich jedoch im
Geschmack deutlich davon unterscheidet.
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Sonntag ging’s dann ganz früh raus aus den Federn,
wollten wir doch schon sehr früh morgens im
viertgrößten Game Reserve Südafrikas sein, dem
Nationalpark Pilanesberg. Nach unruhiger Nacht und
noch etwas verschlafenem Gesicht saß ich dann
zusammen mit einem Praktikanten des ZDF in
Johannesburg und einem Volunteer der Schule voller
Vorfreude und hoher Erwartung an den
heraufdämmernden
Tag im Auto, welches uns in den ca. 160km entfernten Park
brachte. Dort angekommen fuhren wir auch gleich drauflos
und trafen bereits nach wenigen Minuten auf das erste Tier –
einen Elefanten, den wir, obwohl nur wenige Meter von uns
entfernt – aufgrund des dichten Gebüschs in dem sich der
Riese befand – beinahe übersehen hätten . Nach
morgendlicher „Tierarmut“, wurden wir dann aber vor
allem nachmittags Zeugen der wunderschönen,
unbeschreiblichen und einmaligen Tierwelt
Afrikas. Denn es ist schon eindrucksvoll,
wenn man sich inmitten einer
vorüberziehenden Elefantenherde von
mindestens 40
Tieren (wirklich
keine
Übertreibung) befindet,
einige Zebras beim Kämpfen
untereinander beobachtet oder auch
nur den Gnus, Antilopen und Giraffen
beim fressen zusieht. Aufzupassen wie Affen
und Meerkatzen das Essen anderer Leute vor
ihrer Nase wegstibitzten hat uns auch großen
Spaß gemacht… ;-)
Mit den Nashörnern, die wir ebenfalls in Pilanesberg
beobachten konnten, habe ich schon zwei der „Big Five“ –
Elefant, Büffel, Löwe, Nashorn und Leopard – gesichtet und
hoffe natürlich diese Liste beim anstehenden Besuch des
berühmten Kruger Nationalparks vervollständigen zu können,
wobei man sich natürlich nicht auf Sichtung der „Big Five“
versteifen darf, denn sonst würde einem die atemberaubende Tierwelt und die sowohl
eindrucksvolle, als auch unvergleichbar schöne Natur Südafrikas, die ich hier kennenlernen
durfte, einfach entgehen.
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Ein weiteres Highlight meiner Zeit hier als
Praktikant stelle der Ausflug an eine Partnerschule
in die South Western Townships (Soweto) von
Johannesburg dar. Zusammen mit einem Lehrer
und einer weiteren Praktikantin der Schule
besuchte ich also die größte Township Südafrikas.
Das riesige Ballungsgebiet der Wanderarbeiter
und ihrer Nachfahren ist die politisch
bedeutsamste und (angeblich) von Problemen
und Unruhen am stärksten heimgesuchte Township von allen – aber
auch die dynamischste. So gleicht Soweto, aufgrund der vielen Subventionen der Stadt, in
vielen Teilen vielmehr einem kleinen, aufgeräumten und sauberen Vorort Johannesburgs,
wenngleich der Eindruck täuscht, da sich vielerorts immer noch hinter den recht ansehnlichen
Häusern der Bewohner kleine Blechhütten befinden, in denen ganze Familien untergebracht
sind; denn an Bevölkerungsdichte ist kaum ein Ort der Welt mit Soweto vergleichbar.
Bemerkenswerterweise fehlen dort sehr häufig Schutzmaßnahmen, wie man sie hier
üblicherweise überall in den nördlichen Vororten findet. So konnte ich dort beispielsweise
keinerlei Elektrozäune sehen, was laut des Lehrers, der uns durch Soweto führte, auf das
höhere Zusammengehörigkeitsgefühl der Bewohner Soweto‘s rückzuführen ist. Nach dem
Besuch einer typisch afrikanischen, zulu-sprachigen Schule, an
der in unvorstellbar großen Klassen, schwarze Kinder bis zur
siebten Klasse
unterrichtet
werden, waren wir
unter anderem noch
am berühmten
Hector Pieterson
Memorial, haben ein
paar Straßenecken
weiter das
ehemalige
Wohnhaus von
Nelson Mandela
besucht (auf
derselben Straße hat übrigens noch ein
weiterer Nobelpreisträger gewohnt) und sind in der
ältesten Siedlung Johannesburgs – Kliptown – ein wenig
umhergeschlendert und haben uns vor Ort angesehen wie
die Einheimischen hier leben, was teilweise deutlich unter
der Armutsgrenze war und nach wie vor ist ist. In der Schule habe ich von den Kindern erst
einmal gelernt wie man sich in Südafrika überhaupt richtig die Hand gibt, was gar nicht so
einfach ist… ;-)
Gestern Abend waren wir alle in einer Bar in Melville und haben mit ansehen müssen, wie
Deutschland der argentinischen Fußballmannschaft unterlag und Südafrika Namibia nur ein
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Unentschieden abringen konnte. Naja man kann ja nicht alles haben… ;-) Dennoch sind die
Südafrikaner in ihrer Euphorie aufgrund der Fußballweltmeisterschaft 2010 im Heimatland
kaum zu bremsen und feiern schon jetzt gehörig ihre „Jungs“, die Bafana Bafana.
Außerdem habe ich gestern und heute in der Schule meine ersten beiden Unterrichtsstunden
in (einer zwölften und zehnten) Klasse selbst gehalten, was
erstaunlicherweise nicht im kompletten Chaos
endete… Ganz im Gegenteil; dennoch ist es
schon irgendwie ein merkwürdiges Gefühl,
dabei zuzusehen wie ein selbst erteilter
Arbeitsauftrag von einer Klasse dann auch
wirklich ausgeführt wird. ;-)
Dieses Wochenende werden wir in ein in der
Nähe von Durban gelegenes Städtchen fahren,
um die Schulauswahl der DSJ der diesjährigen
Schulolympiade praktisch und moralisch kräftig
zu unterstützen. Dabei kann es gut sein, dass ich
selber fahre, denn ich habe mir ab diesem
Wochenende für meine restliche Zeit hier einen
Mietwagen bestellt. Es wird zwar bestimmt
keine leichte Aufgabe werden, sich hier im
Stadtverkehr mit dem Linksverkehr
herumzuschlagen, aber ich freue mich trotzdem
sehr auf diese interessante Erfahrung; und
außerdem habe ich ja einen Volunteer neben mir
sitzen, der sich damit bestens auskennt. Außerdem wollen wir dem Apartheid-Museum in
Jo’burg und dem Vergnügungspark Gold-Reef-City einen Besuch abstatten…
Ja, das wäre dann auch soweit erst mal wieder alles von mir.
Sonnige Grüße aus Südafrika und sala sentle!
Euer Florian
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Seele and Geist
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