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D:\Arbeit\Was erwartet die Wirt - Landesarbeitsgemeinschaft

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Forum zu Fragen der Informationsgesellschaft, Technologie, Zukunfts- und IT-Berufen
Forum zu Fragen der Informationsgesellschaft, Technologie, Zukunfts- und IT-Berufen
FrITZI
Einleitung
Nicht nur von jungen Menschen, die eine betriebliche Ausbildung aufnehmen möchten, sondern auch von ihren Eltern und ihren Lehrerinnen und
Lehrern wird die Frage nach den Erwartungen an künftige Auszubildende
immer wieder gestellt. Bei der Vorbereitung auf Ausbildung und Beruf ist
vor allem eines wichtig: frühzeitig damit anzufangen – denn alles braucht
seine Zeit. Dieses Faltblatt kann nur ein Einstieg sein. Es beschreibt
Minimalanforderungen als Orientierungshilfe für Lernende und Lehrende.
Die Anforderungen der Märkte haben sich im Laufe der letzten Jahre deutlich verändert. War es früher die fachliche Qualifikation, auf die Personalleitungen besonderen Wert gelegt haben, spielt heute die individuelle Persönlichkeit der Bewerberinnen und Bewerber eine sehr große Rolle bei der
Vergabe eines Ausbildungsplatzes. Mit dem Begriff der Persönlichkeit sind
all jene Eigenschaften gemeint, die über die fachliche Qualifikation hinausgehen.
Beruflicher Erfolg basiert nicht allein auf erworbenen fachlichen und technischen Qualifikationen, nicht allein Wissen führt zum Erfolg. Soziale und
persönliche Kompetenzen sind heutzutage ebenso wichtig. Dies gilt nicht
nur für spezielle Arbeits- und Berufsfelder, sondern in jeder beruflichen
Tätigkeit werden diese Fähigkeiten verlangt, z.B. im Umgang mit Kolleginnen und Kollegen, in der Planung von Arbeitsabläufen und vielem mehr.
Produktionsabläufe sind heute vielfach in Projekten organisiert und nur
durch ausgeprägte Problemlösestrategien und Teamfähigkeit können die
Aufgaben so gelöst werden, dass Unternehmen langfristige Erfolge erzielen können.
Erst durch die Kombination aller Kompetenzen – fachliche, soziale und
persönliche – hat ein Unternehmen die Möglichkeit sein gesamtes Potenzial
freizusetzen. Denn was nützt es, wenn man über genügend Know How
verfügt um Hightech-Computer zu produzieren, aber nicht weiß, wie man
sie seinen Kunden verkaufen und auf deren Bedürfnisse eingehen kann?
Die Schülerinnen und Schüler müssen in der Schule also nicht nur inhaltlich qualifiziert werden, sondern ebenso wichtig ist der Erwerb der Schlüsselqualifikationen wie Teamfähigkeit, Präsentationsfähigkeit und der Fähigkeit der Planung von Arbeit. Junge Menschen, die frühzeitig an ein Training in Schlüsselqualifikationen herangeführt worden sind, können Veränderungen in ihrem späteren Leben im Sinne des lebenslangen Lernens
besser begegnen.
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Forum zu Fragen der Informationsgesellschaft, Technologie, Zukunfts- und IT-Berufen
Und was erwartet nun die Wirtschaft?
Keine Sorge: Nichts, was nicht zu schaffen wäre. Im Kern geht es um
Basiskenntnisse und -fertigkeiten, um Sozialverhalten sowie um Grundhaltungen und Einstellungen, die für Arbeit und Beruf wichtig sind. Eigentlich nichts Außergewöhnliches. Unternehmen müssen sich darauf verlassen können, dass Elternhaus und Schule eine stabile Grundlage schaffen, auf der die Ausbildung aufbauen kann.
Mit anderen Worten:
Über Grundwerte und persönliche Einstellungen kann man
nicht erst in der Ausbildung nachdenken.
Ohne ein ausgeprägtes Sozialverhalten kommt in Schule,
Wirtschaft und Gesellschaft niemand zurecht.
Beim Einstieg in das Berufsleben muss das schulische Grundwissen auch fächerübergreifend „sitzen“.
Fähigkeit zum übergreifenden Denken in Zusammenhängen
ist Voraussetzung zur Orientierung in einer komplexen Welt.
Selbstverständlich erwartet kein Unternehmen, dass die Schulabgängerinnen und Schulabgänger das Wissen und Können von „alten Hasen“
mitbringen. Die Persönlichkeit ebenso wie das Spektrum an Wissen und
Können eines jungen Menschen soll – und muss – sich weiter entwickeln
können; und natürlich braucht man Freiraum, um Erfahrungen erst einmal
zu sammeln. Aber ein solides Fundament macht es leichter.
Förderung von Schlüsselqualifikationen in der Schule 1
Nach einer Erhebung des Instituts für Bildungsforschung in Bonn werden
mehr als 300 Schlüsselqualifikationen genannt. Es ist unmöglich, in der
Schule all diese Kompetenzen ausbilden zu wollen. Deshalb ist eine Auswahl zu treffen, die mit den genannten Anforderungen der Unternehmen in
etwa überein stimmen.
Im Unterricht kann der Erwerb von Schlüsselqualifikationen gezielt gefördert werden, indem die Schülerinnen und Schüler mit Situationen konfrontiert werden, die der beruflichen Realität nahe kommen. Es sind also Situationen zu schaffen, die einerseits die Vermittlung von Wissen, anderer1
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aus Barbara Winter, Modellversuch BINGO, Bremen, 1999
FrITZI
seits den Erwerb von Schlüsselqualifikationen ermöglichen. Neben der
Vermittlung von Fachwissen sind also andere Kompetenzbereiche ausreichend zu berücksichtigen. Es sind geeignete Unterrichtsmethoden zu entwickeln, die das selbstständige Handeln, die Zusammenarbeit und die
Übernahme von Verantwortung der Schülerinnen und Schüler fördern.
Diese mehrdimensionalen Lehr-Lern-Methoden sollten ein fester Bestandteil der schulischen Arbeit werden, da die Vermittlung von Spezial- oder
Fachwissen in den einzelnen Fächern nicht mehr ausreicht. Auf den Unterricht in den Naturwissenschaften bezogen, können beispielsweise die
erlernten Inhalte in einer Arbeitsgruppe ausgetauscht, in Zusammenhang
mit anderen Inhalten gebracht und diese anschließend für den gesamten
Klassenverband präsentiert werden.
Mit der Zielsetzung der Förderung von Schlüsselqualifikationen sind unweigerlich veränderte Unterrichtsmethoden verbunden. In der nachfolgenden Grafik werden Schlüsselqualifikationen und mögliche Unterrichtsmethoden einander gegenüber gestellt. Die aufgeführten Pfeile stellen nur die
vordergründigen Verbindungen dar, weitere Verbindungen sind möglich.
Schlüsselqualifikationen
Unterrichtsmethoden
Kommunikationsfähigkeit
Kooperationsfähigkeit
Organisation der Schülerarbeit in Gruppen
Selbstständigkeit und
Leistungsfähigkeit
Einführung von Organisationshilfen, wie z.B.
Zeitmanagement
Verantwortungsfähigkeit
Präsentation der Zwischenergebnisse durch alle Gruppenmitglieder in einem Plenum
Denken in Zusammenhängen
Bearbeitung einer komplexen
Fragestellung
Problemlösefähigkeit
Selbstständige Beschaffung
von Informationen
Begründen und Bewerten
Kreativität
Präsentation der Arbeitsergebnisse für die (Schul-)
Öffentlichkeit
Quelle: Barbara Winter, Modellversuch BINGO, Bremen, 1999
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Forum zu Fragen der Informationsgesellschaft, Technologie, Zukunfts- und IT-Berufen
Auf dem Weg zum Wunschberuf ...
Fachliche
Kompetenzen
Unternehmen wählen ihre Auszubildenden oft in umfangreichen Bewerbungstests aus. Dabei geht es nicht nur um das Testen von grundlegendem
fachlichen Wissen, sondern auch um die sozialen und persönlichen Kompetenzen. Doch was gehört alles dazu? Und was wird von künftigen Auszubildenden erwartet? Die folgende Übersicht gibt einen Überblick über
die Eigenschaften, über die Auszubildende idealerweise verfügen sollten.
Aber keine Sorge - man muss nicht in allen Punkten perfekt sein, viele
dieser Eigenschaften bilden sich erst im Prozess des lebenslangen Lernens heraus, denn nicht umsonst heißt es: „Man wächst mit seinen Aufgaben!“
In Deutschland gibt es rund 350 Ausbildungsberufe und mit ihnen eine
breite Variation von Inhalten und Anforderungen. Bei aller Verschiedenheit
und fachlicher Differenzierung setzen sie jedoch die selben Basiskenntnisse
voraus:
Wirtschaftliche
Zusammenhänge
Naturwissenschaftliche Kenntnisse
Deutsche
Sprache
Rechentechniken
Höflichkeit
Freundlichkeit
Englisch
Konfliktfähigkeit
Soziale
Kompetenzen
Fachliche
Kompetenzen
1. Grundlegende Beherrschung der deutschen Sprache
einfache Sachverhalte aufnehmen und in Wort und Schrift wieder geben
klare Sprache, verständliche Formulierungen
einfache Texte fehlerfrei schreiben
Rechtschreibung und Grammatik beherrschen
verschiedene Sprachebenen und -stile unterscheiden und
korrekt anwenden (Fachsprache und gehobene Sprache; Alltags- und Umgangssprache; Jargon)
situationsgerechte Sprache
Toleranz
IT-Kenntnisse
Grundlagen
unserer Kultur
Kooperationsbereitschaft
Teamfähigkeit
ICH
Zuverlässigkeit
Lern- und
Leistungsbereitschaft
Kreativität
Flexibilität
Persönliche
Kompetenzen
Ausdauer
Belastbarkeit
Konzentrationsfähigkeit
Kritik und
Selbstkritk
Verantwortungsbereitschaft
Selbstständigkeit
Sorgfalt
Gewissenhaftigkeit
Übersicht: Fachliche, Soziale und Persönliche Kompetenzen
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FrITZI
Als Industriekauffrau erlernt man fachliche Fähigkeiten, wie zum Beispiel
das Verfassen eines Geschäftsbriefes. Außerdem steht man in ständigem
Kontakt zu Mitarbeitern und Kunden. Gerade deswegen ist es notwendig, die
deutsche Sprache grundlegend zu beherrschen und gute Noten in der Schule zu haben.
Anne Schlenzig, Auszubildende Industriekauffrau,
Schott-Zeiss-Bildungszentrum gGmbH
2. Beherrschung einfacher Rechentechniken
Grundrechenarten
Dezimalzahlen und Brüche
Maßeinheiten, Dreisatz und Prozentrechnen
Berechnung von Fläche, Volumen und Masse
Grundlagen der Geometrie
Textaufgaben verstehen
die wichtigsten Formeln kennen und anwenden
mit dem Taschenrechner umgehen können
Schulform- und altersgerechte Grundkenntnisse in Physik, Chemie, Biologie und Technik
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Forum zu Fragen der Informationsgesellschaft, Technologie, Zukunfts- und IT-Berufen
Die Anforderungen an Auszubildende in vielen Handwerksberufen werden
oftmals unterschätzt. Dazu gehört auch das Beherrschen der verschiedenen
Rechentechniken. Fleischer/innen müssen z.B. beim Ansetzen einer Salzlösung die Verhältnisse richtig berechnen. Gebäudereiniger/innen ermitteln
den Bedarf an Reinigungs- und Pflegemitteln, dosieren in Kombination mit
Desinfektionsmitteln und setzen dies in das Verhältnis der zur bearbeitenden Fläche. Maurer/in müssen z.B. Mörtel nach vorgegebenen Mischungsverhältnissen herstellen und Anlagenmechaniker/innen für Heizung-, Sanitär- und Klimatechnik ermitteln Längen, prüfen Formgenauigkeiten und berechnen Winkel.
Günter Wuchold, Ausbildungsplatzentwickler Handwerkskammer Erfurt
3. Grundlegende naturwissenschaftliche Kenntnisse
naturwissenschaftliche Phänomene erkennen und auch in
Zusammenhängen verstehen
moderne Technik verstehen und eine positive Grundeinstellung
dazu entwickeln
Grundlegende naturwissenschaftliche Kenntnisse sind die Einstiegsvoraussetzung für alle technischen Ausbildungsberufe im industriellen Umfeld. Gute
Mitarbeit in den naturwissenschaftlichen Fächern in der Schule und die damit verbundenen sehr guten Noten bilden die Grundlage, die im Laufe der
Ausbildung in der Berufsschule und im Unternehmen weiter vertieft wird.
Aber auch kaufmännische Auszubildende in einem technisch orientierten
Unternehmen wie WAGO sollten ein grundsätzliches Interesse an Naturwissenschaften mitbringen. Hier gilt für uns das Motto „Die Besten für den Besten“.
Manfred Pfeil, Leiter Zentrales Personalwesen,
WAGO Kontakttechnik GmbH, Sondershausen
4. Grundkenntnisse wirtschaftlicher Zusammenhänge
Einblicke in die Arbeitswelt – auch durch
Schülerbetriebspraktika
Wie funktioniert das marktwirtschaftliche System?
Welche Rolle spielen die Unternehmen, der Staat, die Tarifparteien und die privaten Haushalte als wesentliche Akteure
im Rahmen unserer Wirtschaftsordnung?
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FrITZI
Kenntnisse über wirtschaftliche Zusammenhänge sind die Grundvoraussetzung, um die Rolle einer Firma – egal in welcher Branche – einordnen zu
können. Wenn wirtschaftliche Mechanismen nicht verstanden werden, dann
kann auch kein Beruf richtig verstanden werden.
Karl-Heinz Beck, Geschäftsführer B&B Outdoor Equipment,
Bad Salzungen
5. Grundkenntnisse in Englisch
Englisch ist Weltsprache. Schülerinnen und Schüler sollten wenigstens
über Grundkenntnisse verfügen.
einfache Sachverhalte in Englisch ausdrücken
die Fremdsprache in Alltagssituationen zur Verständigung anwenden
Die Internationalisierung spielt in der heutigen Wirtschaftswelt eine immer
größere Rolle. Für die Kommunikation mit internationalen Geschäftspartnern und die Kommunikation innerhalb einer weltweit tätigen Unternehmensgruppe ist daher die Beherrschung von Grundkenntnissen der englischen
Sprache unumgänglich. Somit ist z.B. die Erschließung neuer Märkte um ein
Vielfaches einfacher, wodurch der Unternehmenserfolg langfristig gesichert
wird. Jedoch nicht nur für das Unternehmen, sondern auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eröffnen sich damit mehr Möglichkeiten, z.B. eine Auslandstätigkeit und damit verbunden bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.
Doreen Möller, Personalreferentin,
Winkhaus STV GmbH & Co. KG, Meiningen
6. Grundkenntnisse im IT-Bereich
Die modernen Informations- und (Tele-)Kommunikationstechniken haben
inzwischen ihren festen Platz in der Lebens- und Arbeitswelt. Daher sollten junge Menschen
frühzeitig ein Verständnis für moderne Technik und Technologie
entwickeln
über Grundkenntnisse in der PC-Anwendung verfügen
Chancen und Risiken im Umgang mit Medien und Technik erkennen
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Forum zu Fragen der Informationsgesellschaft, Technologie, Zukunfts- und IT-Berufen
Im Telekom Training Center in Erfurt werden sowohl IT-Berufe als auch kaufmännische Berufe ausgebildet. Für alle Berufe sind ein Interesse und damit
verbundene Grundkenntnisse im IT-Bereich eine wichtige Voraussetzung.
Bei uns im Einstellungstest werden zwar eher allgemeine Sachen abgefragt
– aber wir merken sehr wohl, ob sich die Schülerinnen und Schüler schon
einmal mit der Thematik auseinander gesetzt haben. Wenn das nicht passiert ist, gehen wir davon aus, dass auch kein Interesse für einen solchen
Beruf vorhanden ist.
Petra Beck, Ausbilderin Telekom Training Center, Erfurt
7. Kenntnisse und Verständnis über die Grundlagen unserer Kultur
Wurzeln und Entwicklung der deutschen (Kultur-)Geschichte kennen und verstehen
die wichtigsten Etappen der deutschen und der europäischen Geschichte sowie der
Weltgeschichte kennen
gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen und
Systeme
ethische Grundsätze
Aufgeschlossenheit für andere Kulturen und Religionen
Unsere Kultur hat ihren ganz spezifischen Ursprung. Kenntnisse über unsere Kultur sind die Voraussetzung für die Akzeptanz unserer eigenen und anderer Kulturen. Das Wissen über unsere Kultur, über ihre geschichtliche
Entwicklung ermöglicht uns ein besseres Verständnis unserer Gegenwart.
Die Kultur prägt uns und die Gesellschaft, in der wir leben und trägt zu einer
offenen Grundeinstellung und Toleranz gegenüber unseren Mitmenschen
und Minderheiten bei.
Ines Geishendorf, Sachgebietsleiterin Haushaltsplanung,
verantwortlich für die Lehrlingsausbildung im Dezernat für Haushaltsund Rechtsangelegenheiten der Technischen Universität Ilmenau
FrITZI
Soziale
Kompetenzen
1. Kooperationsbereitschaft - Teamfähigkeit
Nicht Eigenbrödler, auch nicht einsame Tüftler sind in der Regel gefragt,
sondern auf Kooperation, auf den Austausch von Informationen und Erfahrungen sowie auf Verbesserungsvorschläge ausgerichtete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zusammenarbeit im Unternehmen ist zwingend! Vor
allem die neuen betrieblichen Organisationsformen sind wesentlich auf
Kooperation ausgerichtet.
Teamfähigkeit ist nicht nur eines der wichtigsten Werkzeuge der Arbeitswelt,
sondern sie sorgt auch dafür, dass der Spaß bei der Arbeit nicht verloren
geht. Im Team lässt sich jede Aufgabe lösen, schneller, effektiver und mit
Spaß, denn jeder hat eigene Ideen. Und wenn man diese alle zusammenfügt, dann ist der Erfolg jedes Projektes oder jeder Arbeit schon vorprogrammiert.
Martin Pommnitz, Auszubildender IT-Systemkaufmann,
Deutsche Telekom AG, Erfurt
2. Höflichkeit – Freundlichkeit
Wer freundlich ist, hat schneller und leichter Erfolg. Aggressives, ruppiges
und flegelhaftes, aber auch unhöfliches Verhalten ist innerbetrieblich
leistungshemmend. Dies gilt für die Beziehungen des Unternehmens nach
außen natürlich genauso wie für ein gutes Betriebsklima im Innern. Weder
in der Familie noch auf dem Schulhof und im Klassenzimmer sollte Raum
sein für aggressives oder in anderer Weise unhöfliches Verhalten.
Für mich ist Höflichkeit eine der wichtigsten sozialen Kompetenzen in einer
Firma, egal ob das den Vorgesetzten, den Kollegen oder den Kunden betrifft.
Höflichkeit untereinander steigert das positive Zusammenarbeiten und somit auch die sachgemäße Ausführung der Aufgaben in einem Unternehmen.
Christiane Ruck, Auszubildende,
Winkhaus STV GmbH & Co. KG, Meiningen
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Forum zu Fragen der Informationsgesellschaft, Technologie, Zukunfts- und IT-Berufen
FrITZI
Persönliche
Kompetenzen
3. Konfliktfähigkeit
Unterschiedliche Meinungen, Haltungen und Ansichten werden immer auch
zu Differenzen führen. Sie sollten jedoch friedlich und konstruktiv bewältigt
werden. Das setzt Sprach- und Argumentationsvermögen ebenso voraus
wie die Fähigkeit, mit persönlicher Verärgerung und mit Widersprüchen
umgehen zu können.
Die Arbeitswelt ist oft voller Widersprüche - Probleme mit Kollegen oder mit
Aufgaben, vor die man gestellt wird sind an der Tagesordnung. Wir versuchen den Umgang mit Konflikten bereits in der Ausbildung mit zu vermitteln.
Wir führen dazu berufsbegleitende Seminare im Ausbildungsverbund durch.
Da sind die Azubis zu Aufgaben aufgefordert, die sie nur im Team lösen
können. 10 Leute – 10 Meinungen, da sind Konflikte vorprogrammiert. Vor
allem dann, wenn eine Aufgabe nicht erfolgreich gelöst werden konnte.
Neben der fachlichen und der sozialen Kompetenz sind Grundhaltungen
und Werteinstellungen im Arbeitsleben wichtig.
1. Zuverlässigkeit
Wichtige Voraussetzung für konstruktive Zusammenarbeit und das Erreichen von Zielen! Man muss sich darauf verlassen können, dass die Auszubildenden die ihnen übertragenen Aufgaben ihrer Leistungsfähigkeit entsprechend wahrnehmen – auch unter widrigen Umständen und ohne ständige Überwachung oder Kontrolle.
Uta Großheim, Ausbildungskoordinatorin, Opel Eisenach GmbH
4. Toleranz
Für ein offenes Miteinander von Menschen ist es wichtig, auch Meinungen
und Ansichten gelten zu lassen, die von der eigenen Haltung abweichen.
Allerdings müssen sie mit der demokratischen Grundordnung und den
Menschenrechten vereinbar sein. Die künftigen Auszubildenden sollten in
der Lage sein, auch dauerhaft abweichende Einstellungen, Verhalten und
Meinungen bei anderen als gegeben hinzunehmen. Allerdings ist es auch
wichtig, deutlich und klar abzulehnen, was gegen die Basiswerte unserer
Gesellschaft verstößt und damit die Grenzen der Toleranz festzulegen.
Aggressivität, Verletzung humaner Grundwerte, Störungen des Betriebsfriedens und Leistungsverweigerung sollten nicht toleriert werden.
Der Begriff soziale Kompetenzen umfasst viele wertorientierte Faktoren. Toleranz ist dabei insbesondere schon in der Jugend einer der wesentlichen
Werte, denn er beinhaltet die Bereitschaft, auf andere Menschen offen und
teamorientiert, ohne Vorurteile bezüglich Geschlecht oder Herkunft zuzugehen und mit ihnen umzugehen. Toleranz bedeutet auch die Bereitschaft zur
uneigennützigen Hilfe ohne Ansehen der Person. Hieraus entwickeln sich
erfolgreiche Teams, die jedem Teammitglied Unterstützung und Stärke geben und den Erfolg in der Ausbildung und später im Beruf sicherstellen.
Toleranz bedeutet bei WAGO „Nur gemeinsam sind wir stark“ – auch im
Sinne einer internationalen unternehmerischen Ausrichtung.
Zuverlässigkeit ist die Basis für hohes eigenverantwortliches Arbeiten und
entsprechend anspruchsvolle Aufgaben an die Auszubildenden. Wir müssen uns darauf verlassen, dass die Auszubildenden die ihnen übertragenen
Aufgaben gewissenhaft und termingenau ausführen und uns über eventuelle Probleme sofort informieren. Zuverlässigkeit ist zudem ein wichtiger Grundstein für das gegenseitige Vertrauen zwischen Ausbildern und Auszubildenden.“
Ramona Sedlacek, Ausbildungsleitung,
DB Systems GmbH, Frankfurt a. M.
2. Lern- und Leistungsbereitschaft
Grundbedingung nicht nur für eine erfolgreiche Ausbildung! Berufsausbildung, Beruf und Arbeit sind wichtige Bausteine des Lebens. Freude an der
Arbeit und Erfolg im Beruf tragen zu einer positiven Lebenseinstellung und
individueller Zufriedenheit bei. Jugendliche sollten von der Schule Neugier
und Lust auf Neues mitbringen und diese Eigenschaften sowohl in der
Ausbildung als auch im späteren Beruf weiter entwickeln.
Wer sich etwas leisten will, muss auch etwas leisten. Um Ziele zu erreichen,
sollte man vor allem bereit sein, etwas dafür zu tun. Das ist die Grundlage für
ein erfolgreiches Berufsleben.
Jan Swiderski, Ausbildungskoordinator,
Robert Bosch Fahrzeugelektrik Eisenach GmbH
Manfred Pfeil, Leiter Zentrales Personalwesen,
WAGO Kontakttechnik GmbH, Sondershausen
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3. Ausdauer - Durchhaltevermögen – Belastbarkeit
Wichtig, um Ziele zu erreichen! Im (Berufs-)Leben kann nicht immer alles
glatt gehen. Auch Belastungen und Enttäuschungen muss man aushalten
können. Nicht zuletzt stärkt dies das Selbstvertrauen. In Elternhaus und
Schule sollten die Jugendlichen gelernt haben, nicht gleich aufzugeben,
wenn sich der gewünschte Erfolg nicht sofort oder vielleicht auch gar nicht
einstellt.
FrITZI
Es ist wichtig, dass Schulabgängerinnen und Schulabgänger in der Lage
sind, sich über einen längeren Zeitraum auf eine ganz bestimmte Aufgabe
konzentrieren zu können. Voraussetzung dafür ist, sich nicht von unwichtigen
Dingen ablenken zu lassen.
Doreen Schimm, Ausbilderin der Industriekaufleute,
Robert Bosch Fahrzeugelektrik Eisenach GmbH
6. Verantwortungsbereitschaft – Selbstständigkeit
Wer in Ausbildung und Beruf etwas aus sich machen möchte und sich auch
weiterentwickeln möchte, gerade für den sind Ausdauer, Durchhaltevermögen und Belastbarkeit von großer Bedeutung. Nach einem oder mehreren
Rückschlägen darf man sich nicht aus der Bahn werfen lassen, sondern
man muss sein Ziel immer im Auge behalten.
Kevin Thamm, Auszubildender,
Winkhaus STV GmbH & Co. KG, Meiningen
4. Sorgfalt – Gewissenhaftigkeit
Man kann nicht immer „fünf gerade sein lassen“! Die Aufgaben und Tätigkeiten im Unternehmen erfordern Genauigkeit und Ernsthaftigkeit. Durch
Oberflächlichkeit kann großer Schaden für Unternehmen und Umfeld entstehen. Wer dagegen mit Disziplin und Ordnungssinn pünktlich an die
Arbeit geht, der ist gerüstet und braucht sich keine Sorgen zu machen.
Sorgfalt ist bei uns eine ganz wichtige Voraussetzung. Das betrifft sowohl
schriftliche Arbeiten als auch praktische Aufgaben. Denn Qualität bedingt
Sorgfalt und Qualität ist immer das oberste Gebot. Sorgfältiger Umgang mit
Materialien und Werkzeug ist außerdem die Voraussetzung um Verschwendung zu vermeiden.
Uta Großheim, Ausbildungskoordinatorin, Opel Eisenach GmbH
5. Konzentrationsfähigkeit
Keine Leistung ohne Konzentration! Es ist so einfach, sich ablenken zu
lassen. Aber es ist auch notwendig, sich auf eine Sache zu konzentrieren.
Das muss man wollen und können. Beides lässt sich mit gutem Erfolg
trainieren.
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Man muss für das, was man tut, einstehen und „Flagge zeigen“! Erfahrung
gibt Sicherheit für selbstständiges Denken und Handeln. Die Bereitschaft,
Verantwortung zu übernehmen, wächst mit zunehmender Reife. Ansätze
müssen jedoch mit dem Eintritt in die Ausbildung schon vorhanden sein.
Für unsere Azubis sollten Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft
selbstverständlich sein. Keiner erwartet von ihnen, dass sie bei Beginn der
Ausbildung schon alles beherrschen und ohne Anleitung arbeiten können.
Durch die Übernahme von Verantwortung wachsen ihre Erfahrungen, die
langfristig die Grundlage für selbstständiges Denken und Handeln bilden.
Selbstständigkeit fördert den Ausbildungserfolg. Schon frühzeitig können dadurch Aufgaben übertragen werden, die hohen Ansprüchen gerecht werden
und die Ausbildung interessant gestalten.
Ines Geishendorf, Sachgebietsleiterin Haushaltsplanung,
verantwortlich für die Lehrlingsausbildung im Dezernat für Haushaltsund Rechtsangelegenheiten der Technischen Universität Ilmenau
7. Fähigkeit zu Kritik und Selbstkritik
Nobody is perfect! Wer die Fähigkeit hat, Sachverhalte konstruktiv kritisch
zu hinterfragen, schafft Chancen zur Verbesserung für sich und für das
ganze Team. Genauso wichtig ist auch die Fähigkeit, das eigene Tun
kritisch zu hinterfragen, eigene Fehler einzusehen und sie korrigieren zu
wollen.
Nur wer nichts tut macht keine Fehler! Nur mit der Fähigkeit sein Tun und
auch die Tätigkeiten der Kollegen kritisch zu hinterfragen schafft man Chancen zur Verbesserung.
Nick Albrecht, Auszubildender,
Winkhaus STV GmbH & Co. KG, Meiningen
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Forum zu Fragen der Informationsgesellschaft, Technologie, Zukunfts- und IT-Berufen
8. Kreativität und Flexibilität
FrITZI
Notizen
Wichtige Helfer in allen Lebenslagen! Eigene Ideen sind gefragt. Im Beruf
muss jeder mitdenken. Wer ideenreich und aufgeschlossen ist, hat es
einfacher – auch und gerade bei der Lösung von Problemen. „Frischer
Wind“ hilft, z.B. die täglichen Aufgaben oder die Organisation des eigenen
Arbeitsplatzes positiv zu verändern. Übrigens: Wer kreativ und flexibel ist,
kann sich leichter und schneller in neue Aufgaben einarbeiten.
In allen Handwerksberufen ist Flexibilität erforderlich. Gerade in kleinen Handwerksbetrieben, wo Kundenservice eine ganz wichtige Rolle spielt, ist der
kurzfristige Einsatz bei unterschiedlichen Kunden oder auf verschiedenen
Baustellen unabdingbar. Die Auszubildenden müssen auch bei der Beherrschung vieler unterschiedlicher Arbeitsgänge flexibel sein, die sie entsprechend den unterschiedlichen Ausgangssituationen anwenden müssen.
Göran Stertzing, Ausbildungsplatzentwickler Handwerkskammer Erfurt
14
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Impressum:
Gemeinschaftsinitiative FrITZI
Technische Universität Ilmenau
PF 100565
98684 Ilmenau
Tel.: 03677 693288
Redaktion: Dipl.-Päd. Jenny Gramsch, Dipl.-Medienwiss. Sabine Jackisch
Satz und Layout: Dipl.-Medienwiss. Sabine Jackisch
1. Auflage, Juni 2005
Gefördert durch das Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Technologie
und Arbeit aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds.
Quellen:
Industrie- und Handelskammer Pfalz; „Was erwartet die Wirtschaft von den
Schulabgängern?“; http://www.pfalz.ihk24.de/; Stand Oktober 2002; 2. Aufl.
Industrie- und Handelskammer Südthüringen: „Was erwartet die Wirtschaft
von den Schulabgängern?“; http://www.suhl.ihk.de; Stand Februar 2005
Abschlussbericht des Modellversuchs BINGO, H. Schecker & B. Winter
(Hrsg.), Bremen, 1999
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