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Arbeitslos − was nun? - Archiv - Hamburger Abendblatt

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21
DIALOG
Freitag, 18. Januar 2002
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Arbeitslos − was nun?
DIE REDAKTION ANTWORTET
Der Mix machts
JOBSUCHE mit
Hindernissen. Unsere
Leser schildern
ihre Erfahrungen
mit dem Arbeitsamt.
Sehr geehrte Redaktion,
mit meiner bayerischen Schwiegertochter fing es an. Nun haben wir einen bayerischen Polizeipräsidenten, und wir bekommen bayerische Polizisten. Sogar einen Viktualienmarkt soll
es geben!
Die Krönung ist jetzt der
bayerische Kanzlerkandidat.
Es müssen jetzt nur noch die
Schilder an den Einfallstraßen
gegen weiß-blaue mit der Aufschrift:
„Freistaat
Bayern,
Amtsbereich Hamburg“ ausgetauscht werden. Dafür werden
sich doch Sponsoren finden
lassen!
Mit freundlichen Grüßen
Horst Frauenkron
Verschwendung
„Und plötzlich war ich arbeitslos“,
HA, 11. Januar
Wenn in Zeiten knapper Kassen
jeder Arbeitslose − ohne dass die
individuelle Situation beachtet
wird − erst einmal Informationsund Orientierungsseminare (IOS)
als Zwangsmaßnahme besuchen
muss, bei denen es offensichtlich
hinsichtlich der Zusammensetzung der Teilnehmerkreise bezüglich bisheriger Tätigkeit, Alter, Ausbildung, Qualifikation
oder Motivation kreuz und quer
geht, wie es hier geschildert wurde, dann sind solche Maßnahmen
sinnlos und bedeuten nur Verschwendung von Mitteln der Solidargemeinschaft, also aller Beitragszahler. Es ist zu prüfen, wer
im Arbeitsamt für solche ineffizienten Maßnahmen zuständig ist,
die den sonst ständig zitierten
Prinzipien der Wirtschaftlichkeit
und Sparsamkeit zuwiderlaufen.
Ein Fall für den Bundesrechnungshof?
AbendblattChefredakteur
Menso Heyl:
Sehr geehrter Herr Frauenkron,
beim Lesen Ihres Briefes fällt
mir ein, dass gerade einer meiner Bekannten von Hamburg
nach Bayern umgezogen ist. Gewandert wird also offenbar
nach beiden Seiten.
Aber die Hamburger sind
Kaufleute. Sie passen schon auf,
dass sie bei diesem Austausch
die besseren Deals machen.
Und Sie werden am besten wissen, was Sie an Ihrer bayerischen Schwiegertochter haben.
Was den aus Bayern angereisten neuen Hamburger Polizeipräsidenten betrifft, ist er
nach meinen Informationen in
München nicht gerade durch
Unfähigkeit aufgefallen. Freuen
wir uns über jeden, der nach
Hamburg kommt und unsere
Stadt durch seinen Zuzug wachsen lässt.
Im Übrigen ist es kein Wunder, dass die Bayern so gern
nach Hamburg kommen −
schließlich finden die Fachjurys
seit vielen Jahren Europas beste Weißwurst immer wieder bei
einem Fleischer in der Eimsbütteler Sillemstraße und nicht
etwa in München.
Und den Kanzlerkandidaten
sollten wir den Bayern großzügig gönnen. Sie sind da ein bisschen in Zugzwang, denn Hamburg hat ja schon einen Kanzler
von Format gestellt − unseren
Ehrenbürger Helmut Schmidt.
Das sollen die uns erst mal
nachmachen!
Mit freundlichen Grüßen
Menso Heyl
Manfred Kurz, 21149 Hamburg
Auch Positives
Ich, 34 Jahre jung, bin seit elf Monaten arbeitslose Redakteurin,
habe diverse Gänge zum Arbeitsamt gemacht und das IOS absolviert; negative Erfahrungen habe
auch ich gemacht, aber auch positive! Man kann nicht immer alles nur schlecht machen. Ich habe
an Lebenserfahrung gewonnen!
Ich fand es z. B. sehr interessant,
im IOS auf so viele unterschiedliche Menschentypen zu treffen;
ich habe an Toleranz dazu gelernt, ihren „Lebensgeschichten“
interessiert zugehört, meine
„Wege“ dadurch hinterfragt. Leider hatte ich danach keinen Bericht im Abendblatt − und damit
keine diversen Stellenangebote
wie inzwischen Juliette!
Imke Klopsch, 22081 Hamburg
Kein Wunder
Was will uns Ihr Artikel sagen?
Sollen wir in Tränen ausbrechen
ob der Schlechtigkeit dieser unserer (Arbeits)welt? Was erwartet
diese junge Dame vom heutigen
Arbeitsmarkt?
Querflötenstu-
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HA-BERICHT: „ISLAM´ − SIND WIR ZU BLAUÄUGIG?“
„Viel Erfolg!“
KARIKATUR: SCHOENFELD
dium bis 27 (!), wohl wissend,
dass man davon nicht leben
kann! Dann fünf Jahre im Büro
eines Reiseveranstalters, hochgedient, akzeptiert, aber ohne
Basis, nur als „Angelernte“. In
dieser Branche gibt es nämlich
Reisebürofachfrauen (natürlich
auch Männer) bzw. Reisebürofachwirte − alles anerkannte
Lehrberufe bzw. Fachhochschulabsolventen, die ihren Job von
der Pike auf gelernt und sich unter Umständen danach weitergebildet haben.
Mit diesem beruflichen Hintergrund hätte Frau Costescu in ihrem Alter meines Erachtens
schon innerhalb der Kündigungsfrist einen neuen Job gehabt.
Eberhard Bresch, 22089 Hamburg
Personal gesucht
Irgend etwas scheint im System
„Arbeitsamt“ schief zu laufen: Da
berichtet eine 32 Jahre alten Produktmanagerin aus der Reisebranche, dass sie sich beim Arbeitsamt Mitte arbeitslos gemeldet hat und keine Jobangebote
bekommt. Komisch, denn ich habe dem Arbeitsamt schon vor Wochen gemeldet, dass wir (ein mittelständisches Reisebüro mit immerhin acht Filialen) händeringend Fachpersonal brauchen,
unter anderem beispielsweise
auch eine Büroleiter/in.
Wenn Sie nun aber denken,
dass sich in den letzten Wochen
auch nur irgendeine qualifizierte
Person bei mir gemeldet hätte,
liegen Sie schief! Angeblich gibt
es keine Reisebüro-Fachkräfte −
sagt das Arbeitsamt. Nun ist aber
diese Behörde doch auch dazu
da, Angebot und Nachfrage zu
koordinieren.
Detlev Schönfelder, Reisemarkt B.
Zimmermann GmbH,
22087 Hamburg
Ältere Arbeitslose
Ich selber kam nach 16-jähriger
Berufstätigkeit in einem mittelständischen Betrieb mit 50 Jahren in die Arbeitslosigkeit und
musste mich dem Arbeitsamt
„stellen“, obwohl mir von vornherein klar war, dass ich von Seiten dieser Institution nicht mehr
zu erwarten hatte als das mir zustehende Arbeitslosengeld. Zum
Glück beschränkte sich meine Ar-
beitslosigkeit auf zwei Monate, da
ich in dieser Zeit sowohl einen
selbst finanzierten EDV-Kurs belegte als auch 123 Bewerbungen
schrieb, die sich trotz frustrierender Absagen letztendlich gelohnt
haben. Ich vermisse in Ihrem
„Hilferuf“ eher die älteren, langjährigen Arbeitslosen, die wirklich auf der Strecke bleiben und
den Gang zum Arbeitsamt sicher
auch nicht erstrebenswert finden. Ingrid Stute, 21147 Hamburg
Leserbriefe geben die Meinung der
Einsender wieder, nicht unbedingt
die der Redaktion. Wir müssen uns
sinnwahrende Kürzungen und orthografische Angleichungen vorbehalten. Das Abendblatt freut sich über
jeden Beitrag, kann aber bei der
Fülle der Zuschriften nicht jeden
Brief drucken oder beantworten.
¦
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„DIE AFFÄRE SEMMELING“
Das Durcheinander im Rathaus
Ich habe mir die sechs Folgen angetan, weil ich zunächst in Erinnerung an frühere Wedel-Produktionen von guten Erwartungen bestimmt war und weil ich in
der gebotenen Kulisse − Hamburg
und sein Rathaus − ein Stück meines eigenen Lebens zu bemerken
hoffte, nicht dokumentarisch,
aber doch angenähert. Misst man
den Erfolg der „Semmelings“ an
der aufgeregten, auch amüsierten Geräuschkulisse, ist dem Regisseur ein epochaler Erfolg ge-
lungen. Misst man den Erfolg der
„Semmelings“ an den Einschaltquoten, ist Wedel und dem ZDF
ein Flop geraten. Misst man die
„Semmelings“ an den Erwartungen, die jene Menschen im Rathaus, welche die Türen unserer
„guten Stube“ für Wedels Durcheinander geöffnet haben, an den
Ertrag dieser Serie für Hamburg
und sein Ansehen geknüpft hatten, dürften einige der „Entscheidungsträger“ im Nachhinein den
Wunsch haben, das Rathaus nur
noch bei Dunkelheit zu betreten.
Will man es mir verdenken, dass
ich am Ende der sechsten Folge
ein gemessenes Behagen bei der
Szene empfand, in der jener
„Charlie“, der wohl einen meiner
Amtsnachfolger mimen sollte,
mit einer zweckentfremdeten roten Absperrkordel um den Hals
zu sehen war? Er hat es gottlob
überlebt, aber ich will ihn nicht
wieder sehen . . .
Paul O. Vogel, Senatssprecher
a. D. und SPD-Mitglied
¦
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SO ERREICHEN SIE
DAS ABENDBLATT
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HABEN WIR KEINE ANDEREN PROBLEME?
Bildung statt Uniformen!
Herr Schill ruft die Hamburger
auf, Geld für die Anschaffung von
blauen Polizeiuniformen zu spenden. Haben wir keine anderen
Probleme? Auch wenn Herr
Schill und einige andere meinen,
dass unsere Polizisten zurzeit wie
Förster aussehen, sehe ich hier
keinen Handlungsbedarf.
Wie sehen denn nach Pisa unsere Schulkinder aus? Bildung ist
wichtiger als die Farbe der Polizeiuniformen.
Wenn unsere Polizisten nicht
ernst genug genommen werden,
müssen ihre Kompetenzen überdacht werden. Nicht in erster Linie die Farbe der Uniformen.
Wenn die Polizeiuniformen
nicht praktikabel sind, weil Polizisten sagen, dass sie z. B. zu
schnell schwitzen (!), sollte man
das nach Möglichkeit ändern.
Aber sind alle unsere Schulen
praktikabel? Sind alle unsere
Schulbücher praktikabel? Das
Hamburg-Buch, das die Grundschule meinem Sohn jetzt in die
Hand gegeben hat, ist aus dem
Jahre 1970, also über 30 Jahre
alt. Da fährt noch die Straßenbahn, da wird im Hafen loses,
staubiges Getreide gewogen, da
kostet eine Familienwohnung am
Eppendorfer Baum 400 Mark
Miete. Was ist uns wichtiger?
Dass wir unsere Kinder in der
Schule ernst nehmen und besser
bilden oder dass unsere Polizisten hübscher aussehen?
Wenn es bei der inneren Sicherheit Probleme gibt, bewirken
wir nur ganz am Rande etwas mit
Symbolik. Polizisten in blauen
Uniformen sollen Respekt einflößender aussehen. Dann hilft
auch nur bedingt eine Vergrößerung der Zahl der Polizisten und
der Gesetze. Bei der Erziehung
und Bildung in Familie und Schule müssen die Kinder lernen, was
gut und richtig ist und wo die
Grenzen sind. Wenn die Menschen besser gebildet und innerlich gefestigt sind, hat die Polizei
auch weniger zu tun.
Wir brauchen bessere Erziehung und Bildung! Dazu gehört
dann auch mehr musikalische
Bildung, weil die Kinder dann
auch emotional und sozial erzogen werden.
Wolfhagen Sobirey,
Präsident des Landesmusikrats
<>
Nr. 15
Seite 21
2
Schwarz
E-Blau
E-Rot
E-gelb
Dialog muss sein
Als Fazit seiner Thesen schreibt
Hans-Peter Raddatz: „Im Interesse einer demokratischen Mitsprache“ sei der Dialog „einer
genaueren Prüfung zu unterziehen“. Er ist herzlich eingeladen,
am Dialog mitzuwirken. Dort
wird er kompetenten Historikern und Theologen begegnen,
mit denen er seine ungewöhnlichen Geschichtsdarstellungen
und kühnen theologischen Deutungen diskutieren kann.
Zu Recht beklagt er die willkürliche Auswahl der Begründungen für die Toleranz des Islam. Er vergisst nur, dass er
selbst diese Auswahl getroffen
hat. Als Teilnehmer im Dialog
könnte er weitere Aspekte und
Facetten des Islam kennen lernen. Ob er allerdings auch Muslime kennen lernen wird, ist
noch nicht ausgemacht. Denn es
scheint, dass seine Grundregel
lautet: „Muslime sind nicht gesprächsbereit. Sind sie es aber
doch, dann sind sie keine Muslime.“ Eines aber müsste er sich
verkneifen: Aufforderung zum
Verfassungsbruch.
Forderungen zum Beispiel
nach Verbot unabhängiger Forschungsinstitute, wie etwa dem
Deutschen Orient-Institut, sind
inakzeptabel − auch dann, wenn
sie dezent zwischen den Zeilen
geschehen. Für alle bisher Beteiligten ist die Bewahrung der
freiheitlich-demokratischen
Grundordnung die nicht verhandelbare Voraussetzung für
die Teilnahme am Dialog.
Mustafa Yoldas, Vorsitzender
der Schura, Rat der islamischen
Gemeinschaften in Hamburg e. V.
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Seele and Geist
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