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Liebe «Die Liebe gibt niemals auf …» Liebe im Leben Es ist, was es

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12/2012
Kirchenbote
der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen
61. Jahrgang
www.kirchenbote-sg.ch
Liebe
«Die Liebe gibt
niemals auf …»
Liebe im Leben
Es ist, was es ist / sagt
die Liebe – wirklich?
Welt im Advent
«Und die grösste Kraft von
diesen dreien ist die Liebe.»
1. Korinther 13, 13
Im Anfang
«Die Liebe gibt
niemals auf …»
Über Ohnmacht und Kraft der Liebe
«Die Liebe gibt niemals auf. … Jetzt aber
leben wir mit Vertrauen, Hoffnung und
Liebe, diesen drei Geschenken. Und die
grösste Kraft von diesen dreien ist die
Liebe.» 1. Kor 13, 8a. 13
«Dios es bailar – Gott ist Tanzen», hat
ein peruanischer Theologe ausgedrückt,
was auch ich empfinde, wenn ich an den
dreieinen Gott denke, an Gott in Beziehung, in ständigem Tanz mit und in sich,
mit und in uns.
Es ist ein Tanz der Liebe, denn Liebe
strebt nach Einssein. «Ich und der Vater
sind eins», sagt Jesus im Johannesevangelium, ein Einssein in der Kraft
der Liebe, der grössten Kraft, wie Paulus
schreibt. Mir gefällt das Bild des Tanzes.
Denn darin manifestiert sich eine höhere Einheit als beispielsweise zwischen
Fötus und Mutter, wo die Einheit für
den Fötus unbewusst bleibt. Wenn ich
aber Liebe als Tanz sehe, als Bewegung
zwischen einem Ich und einem Du,
auch als Bewegung zwischen Verschmelzung und Trennung, dann sind
darin Leben und eine grosse Kraft.
«Liebe und Gewalt, Liebe
und Zwang schliessen
sich gegenseitig aus.»
Im Gleichnis des verlorenen Sohnes
lässt der Vater diesen ziehen und wartet
geduldig, bis er nach Hause kommt.
Und darin liegt die Kraft, denn die Liebe
sucht nicht nach Bestätigung, wie Paulus in Vers 5 schreibt, sondern sie gibt
niemals auf. Das hat nichts zu tun mit
Büchern, die uns im Titel suggerieren,
dass wir «zu viel» lieben können. Was
dort beschrieben wird, ist Selbstpreisgabe, nicht die Kraft der Liebe. Denn die
Kraft der Liebe führt zum Leben, es ist
diese Kraft, die zur Auferstehung führt,
die den Tod und dessen Abgrund der
Trennung überwindet.
Stärker als der Tod
«Die Liebe gibt niemals auf», schreibt
Paulus, oder in anderer Übersetzung
«kommt niemals zu Fall», d.h., sie scheitert nie. Die Realität scheint aber eine
andere.
Bald feiern wir Weihnachten, das Fest,
an dem Gott sich uns schenkt in Form eines unschuldigen, verletzlichen, schutzbedürftigen kleinen Kindes. Die Geburtsgeschichten erzählen uns, dass sein
Leben von Anfang an bedroht war, die
junge Familie ins Ausland fliehen musste
und erst zurückkonnte, als ein neuer
politischer Herrscher an der Macht war.
Manchmal fühlen Angehörige, die einen geliebten Menschen in Krankheit
begleiten, eine grosse Ohnmacht, weil
sie dessen Leiden nicht lindern können.
Doch was genau hier auch an Kräften
freigesetzt werden kann bei Betroffenen
und Angehörigen, lässt mich oft nur
noch staunen über die grosse verwandelnde Kraft der Liebe.
Es ist dieselbe Kraft, die eine Mäusemutter unter Lebensgefahr ein Junges
nach dem andern ins bergende Loch
tragen lässt, obwohl sie selbst jedes Mal
die schützende Deckung aufgeben
muss. Es ist dieselbe Kraft, die eine Mutter eigenhändig mit übermenschlicher
Kraft das automatische Garagentor
hochheben lässt, unter der ihr dreijähriger Sohn eingeklemmt ist und ihm so
das Leben rettet. Es ist dieselbe Kraft, die
in jedem neugeborenen Kind – nicht
nur an Weihnachten – die Liebe Gottes
widerspiegelt und uns daran erinnert,
dass die Liebe das Leben will und stärker
ist als Tod und Trennung, stärker als
alles, und darum ewig.
Die Bilder zum Thema «Liebe» auf den Seiten
1 bis 6 hat der Künstler Daniel Stiefel aus Marbach SG für diesen Kirchenboten gestaltet.
Kirchenbote Kanton St.Gallen 12/2012
Editorial
Geschätzte Leserschaft
Was ist Liebe? – Je mehr ich darüber
Geschichte des Scheiterns
Titelbild und Themenbilder
2
Wenn wir die Geschichte Jesu lesen
als Liebesgeschichte, dann ist es eine
Geschichte des Scheiterns, denn am
Schluss steht ein politischer Mord, Jesus
wird hingerichtet.
Doch die Kraft der Liebe liegt gerade
in ihrer Ohnmacht. Wäre es eine Kraft
der Liebe, wenn Jesus seine Freunde
zum bewaffneten Kampf aufgerufen
hätte? Liebe und Gewalt, Liebe und
Zwang schliessen sich gegenseitig aus.
PFRN. ANNETTE SPITZENBERG, SPITALSEELSORGERIN, ST.GALLEN
nachdenke, desto unklarer wird mir,
ob es echte Liebe gibt, wo sie zu finden
ist, wie sie sich äussert und was ihre
Mission in der Welt ist. Die Verunsicherung darüber hat mich sogar dazu
gebracht, für einmal auf mein routinemässiges «Liebe Leserin, lieber Leser»
zu verzichten.
«Gott ist Liebe» heisst es im Johannesevangelium. Und in der Advents- und
Weihnachtszeit gedenken wir der Botschaft, dass Gott in diese Welt kommt
und dass seine Liebe auch uns erfüllen
und bewegen kann. In den dunklen und
kalten Wintertagen rücken wir zusammen. Die mitmenschliche Wärme wird
wichtig. Wir werden sensibel für das,
was wir wirklich brauchen und geben
können. Es geht um die Liebe.
Aber eine so besungene Liebe ist für
uns ein fast zu grosses Wort, das zudem
heute geradezu inflationär missbraucht
wird und zum billigen Schlagwort verkommt. Um dagegen anzukämpfen,
müssen wir nicht so weit gehen, wie das
im Judentum mit dem Namen Gottes
geschieht, der als solcher nicht ausgesprochen werden darf. Wir brauchen
das Wort «Liebe» mehr denn je und
sollen es auch nutzen dürfen. Denn die
Liebe Gottes ist ja erschienen, ausgegossen in unsere Herzen, sodass uns
Liebe kein Fremdwort bleiben muss,
sondern echte Offenbarung wird. Die
Liebe ist fähig, unseren Beziehungen
einen Abglanz des Himmels zu verleihen und uns auch in den Niederungen
des Alltags, von Beruf, Wirtschaft und
Politik, vorauszuleuchten.
Was Liebe ist, lässt sich also kaum erklären, aber umso mehr leben und feiern. Ich wünsche Ihnen, dass Sie in dieser Adventszeit Ruhe und Frieden finden, «Liebe» als das grosse Geschenk
Gottes an die Welt, an uns Menschen, zu
ahnen, zu spüren, zu empfangen, zu
feiern, … und so, «liebe Leserin, lieber
Leser», auch das Wort «Liebe» hin und
wieder von Herzen aussprechen zu
können. ANDREAS SCHWENDENER
Thema
Liebe im Leben
Die Liebe äussert sich in der Welt als Gerechtigkeit
Gottes- und Nächstenliebe als Zentrum des christlichen Glaubens stehen immer wieder in Gefahr, zu moralischen Regeln verwässert oder in süsser Festlichkeit verniedlicht zu werden. Liebe wächst aber aus einem «Sein in Gott»,
wie die Mystiker sagten. Und sie hat im realen Leben, auch im Staat und in der
Wirtschaft, eine hohe Mission, schreibt der Sozialethiker Alfred Jäger.
Man kann über die Liebe so predigen, dass jeder Satz darin
präzis, solid und biblisch korrekt daherkommt – und trotzdem kann solche Rede von der Liebe leblos bleiben, fernab
vom gelebten Leben und von der Realität von Lieblosigkeit,
die in Tausenden Gestalten alltäglich erlebbar ist. So kann Liebe leicht zum Gebot werden, zu einer Kultur der Gesetzlichkeit, in der alles, was Liebe heissen soll, reglementiert wird.
Und auch was nicht Liebe ist, wird genauso definiert.
In 26 Jahren Mitarbeit in der Diakonie in Deutschland
habe ich die schrecklichen Auswirkungen einer solchen Kultur geregelter Nächstenliebe selbst miterlebt. Die Rocklänge
von Diakonissen wurde reglementiert, wer zur Liebesgemeinschaft gehört und wer nicht, war genau definiert, der Alltagsablauf war bestimmt bis auf die Minute genau, von der Andacht am Morgen bis zum Abendgebet.
Selbst in solch enge, christlich geprägte Milieus schlich sich
seit den 70er-Jahren etwas Psychologie ein, durch die das «Wie
dich selbst» unterstrichen wurde. Wenn du den Nächsten lie-
ben willst, ist die Annahme deiner selbst, mit allen Stärken
und Schwächen, die Voraussetzung. Dies ist biblisch sicher
ebenso gemeint. «Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich
selbst.» (Matthäus 19, 19) Nächstenliebe ist keine Selbstaufgabe. Im Gegenteil wirst du im Geschenk von Liebe deinerseits
beschenkt. Doch führte eine solche Psychologie in den kleinräumigen Milieus zumeist in ein beziehungsmässiges Chaos,
das selbst durch Supervision von aussen kaum mehr zu bewältigen war. Die Lebensform von Diakonissen, im 19. Jahrhundert noch als Inbegriff gelebter Nächstenliebe gedacht, ist
in der herkömmlichen Form flächendeckend am Ende.
Gott ist Liebe
Für mich war darum immer eine andere biblische Zentralaussage wegleitend:
Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott
und Gott bleibt in ihm. (1. Johannesbrief 4, 16)
Der Satz ist für mich die dichteste Zusammenfassung des
ganzen Evangeliums. Darin geht es nicht um ein Sollen der
Liebe, sondern um ein Sein. «Kinder, lasset uns nicht lieben
mit Worten noch mit der Zunge, sondern in Tat und Wahrheit.» (ebd. 3, 18) Gott ist die Realität von Liebe im erlebten
Leben, wo und wie auch immer sich dies ereignet, Frömmigkeit hin oder her. Gott, der als Schöpfer alle Universen umschliesst, schliesst auch unser Leben in seine Lebenswirklichkeit ein und schenkt in Glaube, Liebe und Hoffnung in uns
neue Zukunft selbst in ausweglosen Situationen.
Man kann den Satz in der Tradition von christlichen Mystiker/innen verstehen, denen es um das Erleben Gottes mitten
im Kern der eigenen Person ging. Der grosse Mystiker des Mittelalters Eckhard nannte die Erleuchtung «die Geburt Gottes
in der Seele». Eine Art Weihnacht in der Krippe des Innersten
eines Menschen. Der grosse evangelische Theologe Friedrich
Schleiermacher sprach ebenso im Blick auf Jesus vom «Sein
Gottes in ihm», womit er die Menschwerdung Gottes in eigener Weise dachte. In der Gottesliebe des Menschen wird Gott
ganz und gar menschlich. Ursprünglich aber war der Satz von
christlicher Gnosis geprägt, die im frühen Christentum bis ins
5. Jahrhundert eine grosse Rolle spielte. Danach ist diese Welt
von Lieblosigkeit in allen Formen geprägt, der ein Gott des
Lichts und der Liebe gegenübersteht, der sich in Christus ganz
in diese gefährdete Welt einmischt. Mitten in der Realität von
Lieblosigkeit gibt es auch die Gegenrealität von Liebe, die konkret erlebbar werden kann, spurenhaft vielleicht, aber klar
feststellbar und damit erzählbar. Die Texte der Evangelien sind
Erzählungen dieser Erfahrungen in der Nähe Jesu bis hin zum
Kreuz.
Weihnacht als Fest der Liebe
Auf diesem vertieften Hintergrund lohnt es sich kaum, das
Motto dieser Nummer des Kirchenboten anhand von typisch
kirchlichen Predigtmotiven zu erläutern. Dazu gehören Feierlichkeit und Harmonie nach dem Vorbild einer gutbürgerlichen Familie. Gut für die, welche das erleben. Was aber ist mit
all den andern, die unter diesem Ideal ihre Einsamkeit nur
desto stärker erleben? Und was bedeutet es, dass unter dem
Druck dieses Ideals an Weihnachten – ich spreche als Seelsorger – häufig die heftigsten innerfamiliären Konflikte ausbrechen? Was ein Jahr unter der Decke war, bricht im Kerzenglanz
Kirchenbote Kanton St.Gallen 12/2012
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wild auf. Mein Vater war in der Regel schon Tage vor dem Fest
angespannt, und spätestens zu Beginn der Harmonie kam die
Explosion, vor der ich mich als Jugendlicher nur noch ins
eigene Zimmer flüchten konnte.
Es lohnt auch kaum, gegen den Kauf- und Geschenkrausch
zu predigen. Das Einkommen des Einzelnen regelt dessen
Grenzen von selbst. Zwar finde auch ich es ätzend, wenn
Geschäfte sich schon Ende Oktober auf Weihnachten eintrimmen. Doch mag ich es Geschäftsleuten in gewissen Branchen
herzlich gönnen, wenn sie im letzten Monat des Jahres 90 Prozent ihres Umsatzes einfahren.
Wichtiger ist mir, dass uns Advent und Weihnachten auf
das Phänomen von Liebe in allen ihren Facetten aufmerksam
machen können. Das Neue Testament kennt die Agape, Gottes
Liebe zu den Menschen, die sie als Frucht des Glaubens an
Nächste weiterschenken. Daneben kennt es auch die Philia,
die Freundschaftlichkeit unter den Nächsten. Die geschlechtliche Liebe zwischen Menschen nennt die griechische Sprache
den Eros. Der grosse Theologe Karl Barth grenzte den
menschlichen Eros scharf von der göttlichen Agape ab. Ich
konnte diese Scheidung theologisch immer nur begrenzt
verstehen. Im Menschen können alle Formen von Liebe in
zahllosen Varianten zugleich wirksam werden. Dafür zum
Abschluss zwei eher ungewöhnliche Beispiele.
Liebe als Gerechtigkeit
In meiner Zeit in Deutschland bewunderte ich immer wieder
die Gründerväter des Grundgesetzes der Bundesrepublik, die
sich schon vor dem Ende des Krieges Gedanken über den späteren Neuaufbau des zerstörten Lands machten. Dabei gingen
sie in der Grundorientierung ganz bewusst immer von einem
christlichen Menschenverständnis aus. Als Ebenbild Gottes
kommt jedem Menschen die unverletzliche Würde zu (Art. 1).
Auf dieser Basis verstanden sie das Grundgesetz als eine Form
von Liebe zwischen Menschen im Frieden, der in allen Bereichen durch Recht und Gerechtigkeit gesichert werden soll.
Dass sie aus christlicher Sicht auch die Menschenrechte der
Aufklärung, u.a. die Religionsfreiheit, voll in das Gesetz integrierten, war 1948 auch theologisch schon sehr fortschrittlich.
Kirchen taten sich damit über Generationen schwer.
Ein anderer Grundpfeiler des Staatsbaus ist bis heute das
Prinzip der «Subsidiarität», wonach eine gesellschaftliche
Aufgabe immer besser von einer kleineren Einheit als einer
grösseren, gar rein staatlichen Institution übernommen werden soll. Dieses Prinzip stammt aus der katholischen Soziallehre und führte zum Beispiel katholische Caritas und evangelische Diakonie als sog. Wohlfahrtsverbände zu einer bis
heute kirchengeschichtlich einmaligen Blüte. Ich habe es immer bedauert, dass sich dieses Prinzip nicht auch in der
Schweizer Verfassung findet. Die Sozialentwicklung hätte
deutlich andere, und wie ich glaube, bessere Wege gefunden.
Liebe in der Wirtschaft
Als Wirtschaftsethiker war es mir immer auch wichtig, dem
Phänomen von Liebe in der alltäglichen Wirtschaftswelt nachzugehen, die als Marktwirtschaft den Ruf hat, dass darin Liebe
keinen Platz habe, sondern nur das «Fressen und Gefressenwerden» (Brecht). Schon der katholische Theologe Hans Küng
aber wies mit Recht darauf hin, dass ohne Vertrauen in Geld
die ganze Finanzwirtschaft zusammenbrechen würde.Weil die
Nationalbank auf ein Stück Papier eine Hundert schrieb, vertraue ich darauf, dass ich dafür auch den entsprechenden Gegenwert erhalte. So erleben wir derzeit einen globalen Finanz-
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Kirchenbote Kanton St.Gallen 12/2012
krieg, wie es dies in der Wirtschaftsgeschichte noch nie gegeben hat, der mit Küng als eine globale Glaubens- und Vertrauenskrise gedeutet werden kann. Wo aber kein Glaube, sondern
nur Misstrauen, da ist auch Hoffnung rasch dahin.
Analog muss ich meine Arbeit lieben, wenn sie mir und
meinem Ergebnis guttun soll. Ohne Liebe zu seinem Unternehmen kreist über dem Unternehmer rasch der Pleitegeier.
Es reicht schon das Misstrauen seiner Bank. Ohne Liebe zum
Produkt, an dem wir arbeiten, entstehen rasch Fehler und damit Ramsch. Ohne Liebe zu Hause und zu mir selbst komme
ich als Miesmacher in den Betrieb und lande in der Arbeit
schnell im Ausgebranntsein, im Burn-out.
Advent und Weihnacht können sensibel dafür machen,
dass die drei christlichen Kardinaltugenden Glaube, Liebe
und Hoffnung für das menschliche Zusammenleben elementar sind wie das alltägliche Brot, um das wir im Gebet Jesu bitten. Sie sind weder kirchlich noch christlich ein Monopol. Sie
bilden die Basis einer humanitären Gesellschaft im Ganzen.
Darüber lohnt es sich, in diesen Tagen wieder nachzudenken
und zu predigen. Mit dem Apostel Paulus daher für die Kirche,
aber auch weit darüber hinaus: «Nun aber bleibt Glaube,
Hoffnung, Liebe; die grösste unter diesen ist die Liebe.»
(1. Korinterbrief 13, 13) ALFRED JÄGER, ST.GALLEN
Alfred Jäger
Alfred Jäger war von 1968–1975 Pfarrer in Wolfhalden, ab 1975
Seelsorger an der HSG St.Gallen und von 1981 bis 2007 Professor
für Ethik an der Kirchlichen Hochschule Bethel bei Bielefeld.
Thema
Wo ist die Liebe geblieben?
«Es ist, was es ist /
In meiner Tätigkeit als Paar- und Familientherapeutin treffe ich häufig das
Thema Liebe an, auch Trauer, Entsetzen
oder Ohnmacht, weil eine Liebe zu Ende zu gehen droht. Aber auch die langsam entstehende Freude, wenn die vermeintlich verlorene Liebe wieder lebendiger wird. Manchmal scheint die Liebe,
wie nach einem Lawinenniedergang,
verschüttet zu sein. Das Leben bringt
hin und wieder belastende Ereignisse,
produziert Arbeit und Stress oder verlangt im Alltag so viel, dass die Liebe fast
zu ersticken droht.
Auch die Sehnsucht nach der vollkommenen Liebe wird oft angesprochen. Wie entsteht sie? Wo finden Mann
und Frau sie? Gibt es sie überhaupt?
Oder ist sie nur ab und zu spürbar, weil
wir alle zwischendurch «zu tun» haben?
In der Liebe zwischen zwei Erwachsenen entsteht eine sehr individuell geprägte Zusammengehörigkeit, etwas
Einmaliges auf der Welt.
Herr und Frau Z. sehen ein bisschen müde und resigniert aus. «Was können wir
noch tun? Was wäre jetzt das Richtige?
Wo fangen wir an?» – Im Gespräch
sammeln wir zunächst die Anliegen der
beiden. Von allen wichtigen Punkten su-
sagt die Liebe»* –
wirklich?
Wenn verschüttete Liebe neu entdeckt wird …
Jede Liebe zwischen zwei Menschen ist einzigartig, doch
sie kann abhandenkommen. Vom anspruchsvollen Weg,
neu zueinanderzufinden, berichtet eine Paartherapeutin.
Es ist ein sonniger Mittwoch mitten im
Sommer. Auf der Baustelle nebenan
wird gehämmert, ein Lastwagen fährt
grad vor. Ein neues Paar hat einen
Termin bei mir in der Beratungsstelle.
Nachdem die Formalitäten geklärt sind,
kommen wir zum eigentlichen Thema.
Die beiden schauen sich an, Herr Z.
will, dass seine Frau anfängt. Sie berichtet zunächst von der schönen Anfangszeit ihrer Beziehung, wie sie sich kennenlernten, wie sie vor sechs Jahren von
diesem aufmerksamen und gut aussehenden Mann beeindruckt war. Wie sie
«Manchmal scheint die Liebe,
wie nach einem Lawinenniedergang, verschüttet zu sein.»
chen wir nach dem momentan dringlichsten Thema. Sie erzählen leicht verlegen, dass sie sich so unfähig fühlen, weil
sie so viel probiert haben, ohne dass sie
wirklich etwas zu ändern vermochten.
Sie wünschen sich mehr Verbindlichkeit.
Wenn sie jetzt bei mir etwas neu vereinbaren, dann wollen sie es auch einhalten.
Der Wille, etwas zu ändern
Motivation und Disziplin sind tatsächlich wichtige Faktoren, wenn es darum
geht, etwas ändern zu wollen. Die Basis
bleibt jedoch die gute Kommunikation,
d.h. die Partner können gut zuhören
und sich einander mitteilen. Günstig ist
auch ein passendes Wechselspiel von
Nähe und Distanz, d.h. gemeinsam
sowie jeder für sich Zeit zu haben sowie
Zärtlichkeit und Sexualität zu teilen.
Für die Beziehung kann es verhängnisvoll werden, wenn sich ungünstige Verhaltensweisen breitmachen; Kritik, Verteidigung, Verachtung, Zynismus, Rückzug oder das Ausüben von Macht bedeuten Gift für die Beziehung, für die Liebe.
Frau Z. hat nicht realisieren wollen, wie
verletzt ihr Mann durch ihre Kritik war.
Sie verspricht, dies ändern zu wollen.
Herr Z. hat sein eigenes Chaos nicht als
Fortsetzung Seite 6
schnell ein Paar wurden, vielleicht zu
schnell zusammenzogen, wie der Alltag
unerwartet schnell auch Einzug hielt.
Wie sie in der ersten Zeit versuchte,
seine Macken und seine Tendenz zum
Chaos zu übersehen. Mit der Zeit jedoch
fing das an, sie zu nerven. – Tränen
fliessen, sie mag nicht weitererzählen.
Der Mann übernimmt, erzählt aus seiner Sicht. Auch er erinnert sich gerne an
die erste Zeit, wie sie zu zweit spontan
etwas unternahmen, wie sie zusammen
lachen und stundenlang über Gott und
die Welt reden konnten. All dies vermisse
er sehr. Der Alltag verändere sich schleichend, die Frau nörgele und sei unzufrieden, dabei versuche er doch die ganze
Zeit, sein Bestes zu geben. Er wisse einfach nicht, was er anderes tun könne. Er
wisse nur, dass er keine Lust mehr auf
Gespräche oder Nähe habe. Er frage sich,
wo seine schöne und charmante Frau
geblieben sei … Das alles mache ihn
frustriert und traurig. Hin und wieder
auch wütend, weil er scheinbar nicht
mehr in Ordnung sei.
Zwischen den Zeilen ist die Frage der
beiden spürbar: Wo ist unsere Liebe geblieben? Ist sie etwa «weg»? Und wenn
ja, wo finden wir sie wieder?
* Erich Fried: Es ist was es ist sagt die Liebe
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solches wahrnehmen wollen. Als er einsieht, wie viel von ihm tatsächlich herumliegt, ärgert er sich über sich selber.
Er will eine neue Ordnung schaffen,
bittet aber darum, dass er die Unordnung auf seinem Schreibtisch behalten
kann. Sonst fühle er sich nicht wohl.
Ich rege an, dass sie diese Veränderungen
in den nächsten drei Wochen als Hausaufgabe, als eine Art Experiment anschauen könnten. Wenn es ihnen gelingt,
wunderbar. Wenn nicht, werden wir
gemeinsam eine andere Strategie suchen.
Beide wirken sofort lebendiger, als sie
merken, dass der andere wirklich bereit
ist, die Schwierigkeit anzugehen. Bereitschaft zur Veränderung ist ein Zeichen
der Wertschätzung des Gegenübers.
Wenn zwei Menschen sich verlieben,
ist dies noch keine Garantie dafür, dass
daraus Liebe entstehen kann. Es ist von
Vorteil, die Erinnerung an die Verliebtheitsphase wachzuhalten und die (hoffentlich!) guten Gewohnheiten aus dieser Zeit zu behalten und zu pflegen.
Am Anfang will jede Person, dass das
Gegenüber einen guten Eindruck von
einem hat. Man will ja den anderen für
sich gewinnen. Die Herausforderung
besteht jedoch darin, höflich, interessiert und zuvorkommend zu bleiben.
Dann kann das Einmalige und persönlich Intime dieser Beziehung erhalten
werden, gerade weil es sie nur einmal
auf der Welt so gibt. Ein wichtiger Punkt
ist zudem, sich weiterhin einander zu-
zuwenden, d.h. sich emotional mitzuteilen, sich über die eigenen Gedanken,
Gefühle und Empfindungen auszutauschen. Kleine Ärgernisse im Alltag erhalten nicht selten eine symbolische
und wichtige Bedeutung für die Beziehungsqualität. Das Beispiel von Herrn
und Frau Z. zeigt auf, dass das Türchen
zur Liebe sich wieder öffnen kann, wenn
spürbar wird, dass die Bereitschaft gegeben ist, etwas zu ändern. Mit anderen
Worten heisst dies: «Ich bin wichtig für
meinen Mann, für meine Frau!»
Aufmerksamkeit
Einen weiteren wichtigen Aspekt sehe
ich in der Unterstützung des Partners.
Wenn A etwas erreichen will, hilft es ungemein, wenn B ermutigt, sich interessiert zeigt, nachfragt und vielleicht sogar
stolz auf A ist.
Frau Z. meint in einem späteren Gespräch: «Kein Wunder, kamst du nie
dazu, deine Unordnung zu Hause aufzuräumen. Denn nach deiner hartnäckigen Grippe damals kam ja auch noch die
ganze Restrukturierung im Geschäft. Ich
bin überzeugt, dass wir es jetzt gemeinsam schaffen werden!»
Je mehr sich ein Paar gegenseitig unterstützt und wertschätzt, umso grösser
ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Wirgefühl entsteht und erhalten bleibt. Wer
spürt, dass sich der Partner interessiert
und aufmerksam ist, bleibt selber eher
offen und interessiert. Zwei wohlwol-
lende Partner streiten in der Regel auch
fairer. Unterschiedliche Meinungen bedrohen so nicht die ganze Beziehung.
Wer eine gute Streitkultur hat, braucht
den Partner nicht abzuwerten; die Akzeptanz und der Respekt vor dem Gegenüber bleiben bestehen. – Übrigens:
Den perfekten Partner gibt es nicht.
Günstig ist es auch, die positiven Eigenschaften des Partners in den Vordergrund zu stellen. Statt halb leere Gläser
halb volle zu sehen. Wer es auch noch
schafft, positive Überraschungen in den
Alltag einzuflechten, hat gute Chancen,
«Zwei wohlwollende
Partner streiten in der
Regel auch fairer.»
dass die Liebe dauerhaft bleibt. Eine
freundliche SMS, ein Kompliment, ein
persönliches Zeichen halten die Neugierde für den Partner wach. Wenn es
wiederholt kleine Freuden oder Aufmerksamkeiten gibt, fühlt sich der Partner wertgeschätzt und attraktiv für den
anderen. Diese Art positiver Aufregung
kann die Liebe beflügeln.
Gemeinsam unterwegs
Herr und Frau Z. haben sich aktiv auf
den Weg gemacht. Sie fassten Vertrauen
und konnten einander noch mehr von
ihren Enttäuschungen, Hoffnungen und
Wünschen erzählen. Sie beschlossen
auch, intensiver an ihrer Kommunikation zu arbeiten. Wenn sie gut miteinander reden könnten, dann könnten sie
auch jedes Thema sonst angehen! Oder
wie Frau Z. sagte: «Ich gehe schliesslich
regelmässig zum Coiffeur. Warum sollte
ich nicht als ganzer Mensch genauso
wichtig sein wie meine Frisur ?!»
Herr Z. meinte hierzu: «Ich bringe ja das
Auto auch regelmässig in die Garage,
sogar wenn die kleine Reparatur nicht
wirklich dringlich ist. Ein neues Auto
lässt sich schnell kaufen, aber meine Frau
gibt es nur einmal! Wenn der (Beziehungs-)Motor eigenartige Geräusche
von sich gibt, will ich doch wissen, was
los ist!»
Es ist mittlerweile Herbst geworden.
Auf der Baustelle wird zwar immer noch
gearbeitet. Aber bald ist Aufrichte!
HEIDI PAULSEN
Heidi Paulsen ist Psychotherapeutin SBAP und
arbeitet bei der Evang.-ref. Paar- und Familienberatungsstelle St.Gallen, www.ref-sg.ch,
www.eheberatung-ostschweiz.ch,
www.heidi-paulsen.ch
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Foto: pd
Kirchenjahr
Welt im Advent
Von der kosmischen Dimension des Advents
«Ich, Jesus, bin der helle Morgenstern.» (Offenb. 22, 16)
Advent ist nicht nur die Zeit vor Weihnachten, Advent
ist allzeit die Erwartung des Reiches Gottes, des neuen
Weltentages.
Seit der «Jesus»-Name in unserer Erdengeschichte eingeschrieben ist, steht die
ganze Welt, ob sie es weiss oder nicht, in
der Morgendämmerung eines endgültigen, letzten, schon angebrochenen Gottestages. Die Erwartung der Menschen im
Alten Bund Gottes mit seinem Volk Israel
ist mit der Geburt Jesu, mit seinem Kreuzestod und mit seiner Auferweckung zur
letzten Erfüllung gekommen.
Wir, im Neuen Bund, im Jesus-Bund,
gehen einem Jüngsten Tag entgegen:
«Wir», die wir den Morgenstern «Jesu»
wahrnehmen, «erwarten einen neuen
Himmel und eine neue Erde, in denen
Gerechtigkeit wohnt.» (2. Petrus 3, 13)
«Gerechtigkeit Gottes» ist im Blick der
Erwartung der ganzen Heiligen Schrift
der endgültige, schlichtende, ordnende,
befreiende Sieg seines Erbarmens mit
uns. Sie, die «Gerechtigkeit» und das, sein
«Erbarmen», sind ja «erschienen, um alle
Menschen zu retten». (Titus 2, 11) Das ist
die apostolische Botschaft. Sie trägt den
Glauben. Sie hat die prophetische Botschaft des Alten Bundes aufgenommen.
«Wach auf, du Schläfer»
Im paulinischen Schrifttum wird eine urchristliche Taufliturgie zitiert. Paulus hat
sie schon als Überlieferung aus der Urgemeinde empfangen, in der kaum zehn
Jahre nach Karfreitag und Ostern die ersten Gemeinden Taufgottesdienst hielten
im Licht der Jesus-Verheissung, während
ringsum noch die gesamte Völkerwelt
gleichsam im Schlaf, in der Nacht des Unglaubens lag: «Stehe auf von den Toten,
wach auf, du Schläfer, so wird Christus
dein Licht sein.» (Epheser 5, 14)
Als der Apostel Johannes verbannt auf
der Insel Patmos lebte, getrennt von seiner Gemeinde,offenbarte sich ihm der erhöhte Christus: «Ich, Jesus, bin der helle
Morgenstern.» Er diktierte seinem Jünger die sieben Sendschreiben, die der Kirche alle Zeit bis in unsere Tage Mahnung
und Trost zusprechen. (Offenb. 2–3)
Wie der Morgenstern an unserem
Nachthimmel den nahenden Tag ankündet, so stellt uns der Jesus-Name schon in
den Anbruch eines Gottestages hinein, er
stellt uns in den Advent. Dieser Advent
befreit uns über Bitten und Verstehen zu
Wie der Morgenstern den neuen Tag, so kündet Christus den Anbruch des Gottestages an.
einer Hoffnung, die nicht sterben kann.
Das Bild vom Morgenstern wird durchsichtig auf eine einzigartige Erfüllung
aller Hoffnung hin: «Was kein Auge noch
gesehen und was kein Ohr noch gehört
hat, was keinem Menschen in den Sinn
gekommen ist, das Grosse, das Gott bereitet hat denen, die ihn lieben.» (1. Kor. 2, 9)
Künder des neuen Tages
Wer von uns hat nicht schon in klaren
Herbst- und Winternächten den Sternenhimmel bewundert? Dort steht der strahlende Morgenstern. Rings die schlafende
Welt, darüber der dunkle, sternübersäte
Himmel, und unübersehbar unter ihnen
der Morgenstern. Wer auf Wache stand,
hat immer den Morgenstern gesehen als
den Garanten und verheissungsvollen
Künder des Tages, der naht. So klar der
Morgenstern leuchtet, so gewiss wird es
tagen: Und langsam lichtet sich schon
dämmernd der östliche Himmel. Nach
und nach verblassen alle Sternbilder. Als
letzter, sieghaft, strahlt dann bei schon
hellem Himmel der Morgenstern. Er hat
nicht getäuscht. Er hat uns den Tag angezeigt, der nun angebrochen ist und den es
zu bestehen gilt. Gott schenkt uns einen
neuen Tag im grossen «Advent».Wir stehn
im Welt-Advent, jeden Tag.
Darum schätzen Menschen aller Art
die frühmorgendlichen «Rogate-Gottesdienste»: Draussen ist noch dunkle
Nacht, höchstens allererste Morgendämmerung. Draussen glänzt der Morgenstern, und drinnen sammelt sich die kleiDie Nacht ist vorgedrungen,
der Tag ist nicht mehr fern.
So sei nun Lob gesungen
Dem hellen Morgenstern.
Auch wer zur Nacht geweinet,
der stimme froh mit ein.
Der Morgenstern bescheinet
Auch deine Angst und Pein.
(Jochen Klepper)
ne Schar. In friedvoller Erwartung, im
Schein ihrer paar Lichtlein, betet sie, singt
sie, hört und betrachtet still, unter den
Adventsverheissungen der Bibel. «Ich,
Jesus, bin der helle Morgenstern.» Bild
und Wort und Herz werden eins.
Im riesigen, unübersehbaren Fortschritt der Wissenschaften haben wir
heute ein Wissen von der Welt und vom
Menschen angehäuft wie kein Zeitalter
vor uns. Aber ist unsere Gesellschaft auch
seelisch dabei mitgewachsen? In den bedrückenden Fragen nach dem Sinn der
friedlosen Weltgeschichte, nach dem Lebensglück in schwerer Lebenslast und
Sterbensnot, stehen wir in Wahrheit genau da, wo schon die Menschen der Bibel
standen. Tag um Tag umdröhnen uns die
Medien, Geschichten umgeben uns und
werden gemeldet, es wird gefordert, es
wird kritisiert, es wird angeklagt, es wird
geurteilt und verurteilt, es wird protestiert, es wird gerichtet, es wird getötet –
aber «vor lauter Gerichten haben wir keine Gerechtigkeit mehr», hat schon Jeremias Gotthelf gesagt.
Im «Advent» wird unser Blick unter
dem Anruf Jesu befreit: «Ich, Jesus, bin der
helle Morgenstern.» Wer Ohren hat, auf
mich zu hören, wer bereit ist, mir entgegenzugehn, wer wartet auf das, was ich tue
und tun werde Tag um Tag, wer nimmt,
was ich gebe, der geht ja schon voran im
Schein des anbrechenden, befreienden,
endgültigen Gottestages. Er scheint ja
schon auf im Herzen eines Menschen, je
und je. «Ihr tut wohl daran, dieses prophetische Wort wahrzunehmen auf den Tag
hin, den der Morgenstern in eueren Herzen entzündet.» (2. Petrus 1, 19)
EDUARD HALLER, ST.GALLEN
Eduard Haller feiert am 1. Advent 2012 seinen
90. Geburtstag. Er war 14 Jahre Dozent für Altes
Testament in Neuendettelsau, danach 17 Jahre
Pfarrer in Oberhelfenschwil. Von ihm ist neu
eine Auslegung von Psalm 1 erschienen: «Der
Psalm von den zwei Wegen – die Seligpreisung
in Psalm 1», Freimund-Verlag, Neuendettelsau.
Kirchenbote Kanton St.Gallen 12/2012
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Foto: as
Panorama: Gemeinden
Uznach: grünes Licht für
Generationenhaus
Die evangelische Kirchgemeinde Uznach und Umgebung kann ihr neues Generationenhaus bauen.
An einer ausserordentlichen Bürgerversammlung
am Martinisonntag ist dem Kredit von 4,19 Millionen Franken einstimmig zugestimmt worden.
Das Haus wird in Eschenbach zu stehen kommen
und heisst «Evangelisches Generationenhaus
Eschenbach». Mit der politischen Gemeinde
Eschenbach muss noch ein Baurechtsvertrag über
99 Jahre abgeschlossen werden. Einen möglichst
grossen Teil der Kosten will die Kirchenvorsteherschaft mit eigenen Anlässen finanzieren. N R
Kirche Grossacker: In Gruppen wird die bisherige Gemeindeentwicklung besprochen.
Solarpreis 2012: St.Galler
Haldenkirche mit Vorbildfunktion
Sich wohlfühlen
im Gottesdienst
Die ökumenische Haldenkirche in St.Gallen erhielt am 19. Oktober im aargauischen Spreiten-
Reformen in Tablat-St.Gallen
bach einen von drei Schweizer Solarpreisen der
Kategorie Institutionen. Die Kirche nehme eine
Tablat-St.Gallen, die grösste Kirchgemeinde im Kanton, hat ihre sechs
Vorbildfunktion ein, was den hohen ästhetischen
Anspruch an sanierungsbedürftige Kulturbauten
Kirchkreise mit Schwerpunktthemen
profiliert. Doch der Reformprozess
In sieben Gruppen wurde dann im
geräumigen Kirchgemeindehaus Grossacker darüber diskutiert, welche Gottesdienstelemente nachhaltig in Erinnerung geblieben sind und was es brauche,
damit ein Gottesdienst sich bereichernd
und beseelend auswirken kann.
angehe, begründet solarnews.ch die Preisverlei-
geht weiter. An der Tablater Tagung
Vom Wunschgottesdienst
hung. Die optimale Integration der Solarmodule
zeige – im Vergleich zu früher ausgezeichneten
Anlagen – den immensen Fortschritt bei der Integration der Solaranlagen als perfekten Baubestandteil. Das Kirchendach produziert jährlich gut
49 000 Kilowattstunden, liefert im Schnitt also in
etwa Strom für zwölf Haushalte.
Die Haldenkirche war die erste Kirche der Schweiz,
die eine ganze Dachschräge mit PhotovoltaikPanels eingedeckt hat. Die 1986 gebaute Kirche
war in die Jahre gekommen und das Dach musste
saniert werden. Die Südseite wurde im Jahr 2010
vorgezogen und mit einer Solaranlage ausgestattet, die von den St.Galler Stadtwerken betrieben
wird. Gekostet hat das kleine «Kraftwerk» 410000
Franken, die zulasten der Stadtwerke gingen. Die
römisch-katholische Kirchgemeinde St.Gallen und
die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde
Tablat-St.Gallen als Eigentümer stellen der Stadt
das Dach gratis zur Verfügung. K I PA
vom 26. Oktober wurde darüber nachgedacht, wie Menschen sich in den
Gottesdiensten heimisch fühlen.
Für viele Anwesende schien der Kirchenraum eine besondere Bedeutung zu haben. Ein als sakral empfundener Ort helfe, zur Ruhe zu kommen und sich auf
Höheres einzustimmen. Gewünscht wurde auch eine Art Regelmässigkeit, sodass
man sich darauf verlassen könne, an einem Ort zur stets gleichen Zeit am Sonntag Gottesdienst feiern zu können.
Auch die Erfahrung von Gemeinschaft war für viele wichtig, etwa durch
die Art, wie man in der Kirche willkommen geheissen wird oder durch Möglichkeiten, sich vor oder nach dem Gottesdienst zu treffen, sei es zum Einsingen,
zum Apéro oder Predigtnachgespräch.
Es wurde auch darüber nachgedacht, wie
man sich im Gottesdienst selber mit seiner Meinung einbringen könnte oder
wie man erfahre, was andere im Herzen
tragen. Viele wollen sich im Gottesdienst
geborgen fühlen und dort ein Stück weit
Heimat erfahren.
Auch wurde über bewährte und neue
Elemente der Gottesdienstgestaltung gesprochen: über Musikwünsche, das gemeinsame Singen, über Stille, Meditation, Rituale und die Predigt. Auffallend
war, welcher Stellenwert den Ritualen
gegeben wurde, das Abendmahl könne
durchaus monatlich stattfinden. Von der
Verkündigung wurde gewünscht, dass
sie mit brennendem Herzen für das
Evangelium geschehe, berührend und
authentisch. Aus den sieben Gruppen
wurde ein reichhaltiger Wunschkatalog
zusammengetragen. AS
Sennwald: Wahl eines neuen
Pfarrers
Die Pfarrwahlkommission der evangelischen
Kirchgemeinde Sennwald-Lienz-Rüthi hat gewählt. Nachdem fünf Bewerbungen eingingen,
kamen zwei in die engere Wahl. Zur Wahl vorgeschlagen wird der jetzige Stellvertreter Pfarrer
Thomas Beerle. Die Wahl findet an der nächsten
Kirchgemeindeversammlung statt. Thomas
Beerle war bis Ende April 2008 mehrere Jahre
Pfarrer in Grabs und danach zu 50 Prozent in der
Kirchgemeinde Sax-Frümsen. Für diese Kirchgemeinde und die umliegende Region initiierte er
das Projekt «Frischer Wind». Seit einigen Monaten ist er nun Verweser in seiner zukünftigen
Pfarrgemeinde. N R
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Kirchenbote Kanton St.Gallen 12/2012
Margrit Gerig, die Präsidentin der Kirchenvorsteherschaft, begrüsste gegen
fünfzig Gemeindeglieder und versprach,
dass alles, was an der Tablater Tagung
2012 zusammengetragen werde, von der
Kirchenvorsteherschaft und dem Konvent geprüft und je nach Situation umgesetzt werde.
Sechs Schwerpunkte
Zu Beginn der Tagung wurde nochmals
über den Gemeindeentwicklungsprozess
von 2007 bis 2011 informiert. Die auffälligste Neuerung besteht darin, dass die
sechs Kirchkreise sich nun entsprechend
ihrer Tradition und den Begabungen von
Mitarbeitenden auf Schwerpunkte konzentrieren. Für jede der sechs Kirchen
wurde ein prägnant formulierbares Profil
gefunden: «Musik-Stille-Heil» für Heiligkreuz, «Kirche im Dialog» für Wittenbach, «Diakonie» für Grossacker, «Kulturkirche» für Rotmonten, «Generationenkirche» für Stephanshorn und
«Ökumene/Interreligiös» für Halden.
Zu dem Anfang 2012 evaluierten Prozess äusserten sich dann Gemeindeglieder. Die Neuerungen seien noch nicht
ganz bei der Basis angekommen, sagte jemand. Auch Verunsicherung wurde laut
über wechselnde Gottesdienstorte und
lange Fahrwege. Dann die Frage, wie es
mit der Grundversorgung, der Seelsorge
vor Ort, weitergehe.
Foto: ack
Panorama: Kanton
Dölf Weder: Rücktritt
Anfang 2014
Synode vom 3. Dezember
Mindestgrösse von Kirchgemeinden
Wegen sinkender Einnahmen beim kirchlichen
Finanzausgleich will die reformierte Kirche des
Kantons St.Gallen die Zahl kleiner Kirchgemein-
Dölf Weder, Kirchenratspräsident der
Evangelisch-reformierten Kirche des
den verringern. Der Kirchenrat beantragt eine
Kantons St.Gallen, tritt Anfang 2014
in den Ruhestand.
Mindestgrösse von 1000 Mitgliedern für Kirchgemeinden, die Finanzausgleichsleistungen be-
«Per 28. Februar 2014 erkläre ich meinen
Rücktritt als Kirchenratspräsident»,
schreibt Dölf Weder, Kirchenratspräsident der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen, in einem Brief
an Synode, Kirchenrat und Mitarbeitende. Bereits vor der Wiederwahl für diese
Amtsdauer (2010–2014) habe er erklärt,
dass es seine letzte sein werde. Damit der
Wechsel an der Spitze der Kantonalkirche nun ruhig und mit den nötigen Vorlaufzeiten erfolgen könne, orientiere er
frühzeitig, schreibt er weiter. So tritt Dölf
Weder im Alter von 63 Jahren in den Ruhestand. Das Kirchenparlament wählt an
der Sommersynode Ende Juni 2013 Weders Nachfolger oder Nachfolgerin.
Dölf Weder steht seit Januar 2000 der
St.Galler Kirche vor. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit initiierte er den breit abgestützten Prozess «St.Galler Kirche 2010».
Dabei richtete sich die St.Galler Kirche
nach ihrer Vision «nahe bei Gott – nahe
bei den Menschen» neu aus. Ausdruck
dieses Prozesses sind etwa die Suche nach
neuen Gottesdienstformen, eine Arbeitsstelle für populäre Kirchenmusik oder die
vertiefte Arbeit mit jungen Erwachsenen.
Ein Schwerpunkt im nun laufenden Prozess «St.Galler Kirche 2015» ist die «Geistliche Begleitung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen».
Er habe die St.Galler Kirche in den
letzten Jahren als eine Kirche mitprägen
dürfen, die sich den Herausforderungen unserer Zeit stelle, sich in sorgsamen Schritten verändere und innovativ
weiterentwickle, schreibt Dölf Weder in
seinem Rücktrittsschreiben. Dafür sei
er dankbar. KID/ACK
ziehen wollen. Darüber wird die Synode, das
Kirchenparlament, am 3. Dezember im St.Galler
Gallustag als
kantonaler Feiertag?
Soll der Gallustag (16. Oktober) im
Kanton St.Gallen zu einem Feiertag
werden? Ein entsprechender Vorstoss aus dem Kantonsparlament
wird in Wirtschaftskreisen skeptisch
aufgenommen, wie das St.Galler Tagblatt (15. Oktober) berichtet.
Mit vielen Aktivitäten wurde in St.Gallen
seit April der Ankunft von Gallus vor
Grossratssaal entscheiden.
Im Sommer gab die Synode dem Kirchenrat den
Auftrag, die Einführung einer Mindestgrösse für
Kirchgemeinden zu prüfen. Als Zielgrösse sollten
1000 bis 1500 Mitglieder gelten, heisst es in den
Unterlagen zur Sitzung des Kirchenparlaments.
Hat in der Kantonalkirche viele Neuerungen initiiert: Dölf Weder an einer Synode.
1400 Jahren gedacht. Mit einem ökumenischen Gottesdienst in Grabs endeten am 21. Oktober die offiziellen Feierlichkeiten. Für den Kantonsrat Meinrad
Gschwend (Grüne) könnte das Gallusjahr Anlass sein, den traditionellen Gallustag vom 16. Oktober – der an den Todestag des Mönchs erinnert – zum kantonalen Feiertag zu machen. Es sei dies
nämlich der einzige Tag, der sich direkt
auf den Kanton und dessen Geschichte
beziehe und der deshalb eine identitätsstiftende Wirkung haben könnte.
Mit einem kantonalen Feiertag könne
nach dem Gallusjahr «etwas Nachhaltiges» geschaffen werden, ein solcher Tag
würde Gallus in der Erinnerung der
Menschen verankern, bekräftigt auch
Iwan Köppel, der Gesamtprojektleiter
des Gallusjubiläums.
Skeptisch bis ablehnend äussern sich
hingegen Wirtschaftsvertreter. Ein zusätzlicher freier Tag wäre ein Signal, das
nicht zur jetzigen Wirtschaftslage passen
würde, gibt Roger Tinner, Geschäftsführer von Wirtschaft Region St.Gallen, zu
bedenken. Ein weiterer Feiertag belaste
die örtlichen Unternehmen in der jetzigen wirtschaftlich schwierigen und von
Unsicherheit geprägten Zeit zusätzlich,
heisst es auch bei der Industrie- und
Handelskammer St.Gallen-Appenzell.
Der Historiker Peter Müller schliesslich, am Historischen und Völkerkundemuseum St.Gallen tätig, hält die Identifikation der Bevölkerung mit dem Stadtheiligen schlicht für zu gering, wie er gegenüber der Zeitung sagt: «Gallus hat mit
uns, mit der Stadt St.Gallen im Jahr 2012,
nicht viel zu tun. Der Slogan ‹Wir sind
Gallus› war etwas an den Haaren herbeigezogen.» KIPA
Hintergrund der Diskussion um Mindestgrössen
bilden sinkende Einnahmen beim kirchlichen
Finanzausgleich. Die kleinste Gemeinde hat
gegenwärtig noch 159 Mitglieder.
Beiträge des Kantons ermöglichen den Landeskirchen, die Finanzmittel zwischen reichen und
armen Kirchgemeinden auszugleichen. Bei den
Ausgleichsbeiträgen handelt es sich um einen Anteil aus allgemeinen Steuermitteln, die bei juristischen Personen erhoben werden. Die Mittel des
kirchlichen Finanzausgleichs sind in den vergangenen Jahren zurückgegangen, von 10 Millionen
im Jahr 2008 auf 7,5 Millionen im laufenden Jahr.
Spareffekt von 340 000 Franken jährlich
Der Vorschlag des Kirchenrates bedeutet für
kleine Kirchgemeinden «praktisch einen Fusionszwang», wenn sie Geld aus dem Finanzausgleich
beanspruchen, heisst es in den Unterlagen.
Konkret werden acht Kirchgemeinden «unter
Fusionsdruck» gesetzt. Die Fusionen, die bis
2016 umgesetzt sein sollten, hätten den Abbau
von zwei vollzeitlichen Pfarrstellen zur Folge,
was der Kirchenrat als «massvoll» bezeichnet.
Zudem ergäbe sich ein Spareffekt von rund
340 000 Franken jährlich.
Die Einführung einer Mindestgrösse von 1000 Mitgliedern würde in der St.Galler Kirche für längere
Zeit das Entstehen «einer Landschaft von TeilzeitEinzelpfarrämtern verhindern», schreibt der Kirchenrat. Jede Kirchgemeinde würde mindestens
über zwei pastorale Mitarbeitende verfügen, die
dezentral wohnen und arbeiten. K I PA
Den Weltgebetstag 2013 vorbereiten
«Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen»
ist das Thema des Weltgebetstages am 1. März
2013 mit einer Liturgie aus Frankreich. Im Januar
2013 finden die Vorbereitungstreffen statt.
In Lichtensteig, ev. Kirche: 19. Jan., 9–16 Uhr,
Anmeldung bis 6.1. bei Barbara Bretscher, Krinau,
Tel. 071 988 15 77, E-Mail: b_bretscher@hotmail.com
St.Gallen, Zentrum St. Mangen: 16. oder 17. Jan.,
8.30–16.45 Uhr, Anmeldung bis 19. Dezember bei
Renate Noser, Altstätten, Tel. 071 757 83 89;
E-Mail: r.noser@catv.rol.ch I R A M E H L A U
KirchenboteKanton
KantonSt.Gallen
St.Gallen6-7/2002
12/2012
Kirchenbote
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Schweizerischer Evang. Kirchenbund
Foto: pd
Panorama: Schweiz
Abtreibung ist keine
Privatsache
Der Schweizerische Evangelische Kirchenbund SEK lehnt die Volksinitiative
«Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache» ab. Die Gesellschaft trage Mitverantwortung an einer Abtreibung, so
der Kirchenbund in einer am 1. November veröffentlichten Broschüre.
Locher: Perspektivenwechsel zur
Evangelischen Kirche Schweiz nötig
Die katholisch-evangelische Ökumene steckt in
der Krise. Ein Perspektivenwechsel auf die innerprotestantische Einheit sei nötig, sagte Kirchenbundspräsident Gottfried Locher an der Abgeordnetenversammlung des Schweizerischen Evang.
Kirchenbundes (SEK) am 5. November in Bern.
«Wir haben die Kraft, miteinander Kirche zu werden,
Evangelische Kirche Schweiz. Kirche bleiben, je vor
Ort, und Kirche werden, gemeinsam. Das ist die Ökumene, die heute möglich ist.» Mit diesen Worten ermutigte Gottfried Locher in Bern zum «evangelischen
Perspektivenwechsel.»
Zur Eröffnung der Abgeordnetenversammlung AV des
SEK sprach der Kirchenbundspräsident in seinem
Wort des Ratspräsidenten im Berner Rathaus «Klartext zur evang.-kath. Amtsökumene». Diese stehe «in
der schwierigsten Phase seit Beginn der ökumenischen Bewegung», so Locher. «Die beiden grossen
Kirchen in unserem Land sind in Grundfragen uneins.
Sich nicht als Kirche anzuerkennen und kein gemeinsames Ziel für die Einheit zu haben: Das ist die Krise
der Ökumene», so Locher vor den rund siebzig Delegierten der 26 Kirchen des Kirchenbundes.
Der SEK lehnt die Forderung der Volksinitiative ab, die Kostenübernahme eines
Schwangerschaftsabbruchs durch die
Krankenversicherung zu streichen. Dies
habe der Kirchenbund am 1. November
anlässlich der Sitzung der Eidgenössischen Kommission für soziale Sicherheit
und Gesundheit in Bern mitgeteilt. «Abtreibung ist keine Privatsache» lautet der
Titel der Broschüre, die den Kommissionsmitgliedern dazu übergeben wurde.
Der Schwangerschaftsabbruch stehe
im Widerspruch zum sechsten Gebot
«Du sollst nicht töten». Der Kirchenbund halte an diesem Tötungsverbot
fest. «Beim Schwangerschaftsabbruch
stehen jedoch zwei Leben auf dem Spiel.
Das Leben des Embryos und das Leben
der schwangeren Frau», so der SEK.
Familiäre, soziale und wirtschaftliche
Missstände können das Leben der Frau
so bedrohen, dass sie dem «sozialen Tod»
ausgesetzt sei. Hier trage die gesamte Gesellschaft Verantwortung: «So lange wir
unsere Gesellschaft so gestalten, dass
Frauen ihre Lebenssituation aufgrund
Konzentration auf reformierte Ökumene
«Konzentrieren wir unsere Kräfte dort, wo heute
kirchliches Zusammenwachsen eine Chance hat.
Konzentrieren wir uns auf die protestantische Ökumene.» Die Kirchen der Reformation teilten in Kirche, Amt und Abendmahl ein Verständnis. Die Unterschiede seien nicht kirchentrennend. «Auch der Kirchenbund ist Ökumene. Auch seine Zukunft hängt
vom Willen zur Einheit ab», betonte Locher. Innerhalb Europas gelte es, die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa GEKE zu stärken. Weltweit
fänden die Schweizer Kirchen in der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen WGRK eine Heimat.
Die Ökumene zwischen Katholiken und Reformierten
soll nicht aufgegeben werden, so Locher: «Wir brauchen einander.» Es müsse aber ernst genommen
werden, was nicht gehe: «Institutionelle Einheit,
katholisch-evangelische Kirche. … Darum ein Perspektivenwechsel», so der Kirchenbundspräsident.
Der nächste Schritt schaffe evangelische Einheit. Locher: «Am Ziel ändert sich nichts. Es gilt der gemeinsame Glaube in einer gemeinsamen Kirche.» PD
Hinweis: Das Wort des Ratspräsidenten kann auf
www.sek.ch heruntergeladen oder als Videoaufzeichnung in
deutscher und französischer Sprache angeschaut werden.
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Kirchenbote Kanton St.Gallen 12/2012
Die Broschüre begründet die Position
des SEK zur Abtreibungsfinanzierung.
einer Schwangerschaft als Notlage empfinden, sind wir an der Not der Frauen
sowie an der Abtreibung mitbeteiligt»,
folgert der SEK.
Gerade weil Abtreibung Tötung werdenden Lebens sei, dürfe sie nicht in die
Privatsphäre verbannt werden. Abtreibung sei keine Privatsache. Der Kirchenbund halte es daher für richtig, dass die
Krankenversicherung die Kosten für eine
Abtreibung übernimmt, wenn sich die
Schwangere in einer sozialen Notlage
befindet. Die Privatisierung der Abtreibungsfinanzierung sei ein Schritt in
Richtung Privatisierung der Abtreibung.
Nicht durch Sanktionen, sondern
durch Lebensperspektiven könnten Abtreibungen verhindert werden. Der Kirchenbund plädiert für eine kinderfreundliche Gesellschaft. «Wir müssen
Rahmenbedingungen schaffen, dass
Frauen sich positiv auf die Mutterschaft
einstellen können. Die Kirchen unterstützen dies durch Seelsorge, diakonische Dienste und konkrete Hilfsangebote in Kirchgemeinden», so der SEK.
REF.CH
Dekane gegen
Kritik in der «NZZ»
In einem «NZZ»-Artikel vom 8. Oktober hat Urs Hafner die Präsenz der
christlichen Theologie an staatlichen
Universitäten infrage gestellt. Dagegen haben die Dekane der Theologischen Fakultäten von Basel, Bern,
Freiburg, Genf, Lausanne, Luzern und
Zürich in der «NZZ» vom 18. Oktober
Stellung bezogen.
Der Verfasser Urs Hafner (miss)verstehe
Theologie als reine Traditionspflege,
schreibt Dekan Martin Wallraff von der
Uni Basel. Dass sich die Theologie auch
mit Erscheinungen der religiösen Kulturen neben dem kirchlichen Christentum,
mit Säkularismus und Atheismus auseinandersetze, einen kritischen Umgang
mit der christlichen Tradition pflege und
im engen Verbund mit Naturwissenschaften arbeite, sei Hafner entgangen.
Unverständlich finden die Dekane
auch, dass im «NZZ»-Artikel das Ideal
einer wertfreien Wissenschaft vertreten
wird, denn wer wolle schon etwa eine
wertfreie medizinische, juristische oder
ökonomische Fakultät? Das Ziel wissenschaftlichen Erkennens sei es nicht,
«Werte zu eliminieren, sondern sie zu begründen und zu reflektieren». Daran habe die Theologie einen wesentlichen Anteil. REF.CH
Foto: ZVg
50 Jahre Taize
Vor 50 Jahren wurde die Versöhnungskirche von
Taizé gebaut. Bis heute pilgern jährlich Tausende von Jugendlichen nach Taizé.
Die Versöhnungskirche, in der dreimal am Tag das
gemeinsame Gebet der Communauté von Taizé
stattfindet, wurde vor 50 Jahren, am 6. August
1962, eingeweiht. Sie war von jungen Deutschen
unter der Schirmherrschaft der «Aktion Sühnezeichen» errichtet worden, welche sich seit dem
Zweiten Weltkrieg von Deutschland aus für die Versöhnung mit den vom Krieg besonders betroffenen
Ländern einsetzt – in Frankreich insbesondere
durch den Bau der Versöhnungskirche von Taizé.
Aus diesem Anlass schrieb Frère Roger, der Gründer der Communauté von Taizé, damals: «Sollten
Die «Nacht der Lichter» in St.Gallen ist einer der beliebtesten Anlässe im Kirchenjahr.
wir denen, die hierherkommen, Steine zum
Anschauen geben? Könnten die Menschen von
Aktuell
der Versöhnungskirche nicht Bilder von Mauern,
sondern den Ruf zur Versöhnung mit nach Hause
Nacht der Lichter
Wieder steht am 1. Dezember eine
zentrale ökumenische Nacht der
Lichter vor der Tür. Bischof Markus
Büchel und Kirchenratspräsident Dölf
Weder laden alle herzlich zu dem besinnlichen Event in die St.Galler Kathedrale und die evangelisch-reformierte Stadtkirche St. Laurenzen ein.
Die Organisatoren, die Fachstelle kirchliche Jugendarbeit DAJU und die Arbeitsstelle Jugendfragen AJ, sind überzeugt, dass auch diese Nacht der Lichter
ein Highlight für die Ostschweiz wird.
«Im Advent, im Vorfeld von Weihnachten, ist das Bedürfnis nach Spiritualität höher; dies spüren vor allem auch
junge Menschen», sagt Adrian Hilber,
der zum zweiten Mal im Rahmen seines
Zivildienstes bei den Vorbereitungen
und bei der Durchführung der Nacht
der Lichter voll engagiert ist. «Für viele
ist dieser Anlass ein positives Erlebnis;
die Leute kommen, weil sie die Atmosphäre anspricht, die meditativen Gesänge, die Stimmung, die von den Hunderten von kleinen Teelichtern ausgeht,
weil sie Gemeinschaft spüren, die trägt.»
Professionelle Organisation
Adrian Hilber (23) schätzt das «super
Arbeitsklima» bei der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen, wo er Zivildienst leistet, sehr. Er
selbst ist katholisch und in der ökumenischen Haldengemeinde in St.Gallen aufgewachsen. Der gelernte Koch
mit Berufsmatura findet die professionelle Organisation für die Nacht der
Lichter sehr spannend. Er ist vor allem
zuständig für die Ausstellung über die
Gemeinschaft und die Spiritualität von
Taizé im Kreuzgang des Klosters, für die
Organisation und Bereitstellung der
Kerzen sowie für die Werbung. «Ich mache die Erfahrung, dass die Arbeit in der
Kirche viel weniger oberflächlich ist,
und dass der Mensch im Mittelpunkt
steht», sagt Adrian Hilber. «Es gibt auch
sehr interessante Gespräche über eine
zeitgemässe Einstellung zum Glauben.»
Erlebnis im Mittelpunkt
«Ich finde die Nacht der Lichter eine
extrem ehrliche Art von Spiritualität in
der Weihnachtszeit», erklärt Adrian
Hilber. «Sie ist ökumenisch offen, alle,
Jung und Alt, sind herzlich eingeladen.
Die Nacht der Lichter wird von ganz
oben, von den Kirchenleitungen, mitgetragen. Im Zentrum stehen das gemeinsame Meditieren und Singen, das gemeinsame ‹Erleben›.» EVELINE GRAF, REDAKTORIN DES PFARREIFORUMS
Nacht der Lichter: 1. Dezember 2012
12 bis 22.30 Uhr: Ausstellung zu Taizé
im Kreuzgang der Kathedrale
17.30 bis 18.30 Uhr: Singprobe zum
Einsingen und Kennenlernen der Gesänge von Taizé ( Schutzengelkapelle)
19 Uhr: Türöffnung
19.30 Uhr: Einsingen
19.45 Uhr: Gebet, Gesänge aus Taizé
(bis 21 Uhr), offenes Ende bis 23 Uhr
Ab 21 Uhr: Begegnung im Klostergebäude und auf dem Klosterplatz.
Es gibt Snacks und Getränke.
In der Bischofswohnung Begegnung
mit Bischof Markus Büchel und
Kirchenratspräsident Dölf Weder.
Weitere Infos: www.nachtderlichter.ch
nehmen … Wer nach Versöhnung sucht und sich
für sie einsetzt, gelangt zu einer Offenheit des
Herzens und des Geistes, und wird selbst im
hohen Alter wieder jung.»
Eine Geste der Solidarität mit dem Südsudan
Aus Anlass dieses 50. Jahrestags kündigte Frère
Alois, der Prior von Taizé, eine Geste der Solidarität
mit dem Südsudan an, einem Land, das zwei Jahrzehnte Krieg hinter sich hat: «Durch die ‹Operation
Hoffnung›, die Hilfsprojekte auf den verschiedenen
Kontinenten unterstützt, werden wir in den kommenden drei Jahren in der Stadt Rumbek Kinder
unterstützen, die auf Hilfe angewiesen sind.»
Angaben, wie man sich an diesem Projekt beteiligen
kann, finden sich auf der Internetseite von Taizé.
Die Sommerwochen in Taizé
In Taizé nehmen den ganzen Sommer über jede
Woche zwischen 3000 und 4500 Jugendliche an
den Jugendtreffen teil. In Sommer 2012 besuchten
Menschen aus 80 Ländern Taizé. Den grossen Teil
davon stellen junge Europäer, aber es kommen
auch Gruppen aus den Vereinigten Staaten, aus
Haiti, China, Israel, Südkorea ... Auch mehrere
Ruander kamen nach Taizé, um ein afrikanisches
Jugendtreffen vorzubereiten, das in Kigali, der
Hauptstadt Ruandas, stattfinden wird. Gleichzeitig
laufen jetzt die Vorbereitungen für das bevorstehende Europäische Jugendtreffen in Rom an, zu
dem zwischen Weihnachten und Neujahr Tausende junger Menschen zusammenkommen werden.
Europäisches Jugendtreffen in Rom
Das grosse Europäische Jugendtreffen findet vom
28. Dezember 2012 bis 2. Januar 2013 in der italienischen Hauptstadt statt. Familien und Gemeinschaften in Rom und Umgebung – katholisch
oder anderer in der Stadt vertretener Kirchen –
nehmen Jugendliche auf. Diese sind eingeladen,
einen Pilgerweg zu den Gräbern der Apostel und
den Katakomben zu unternehmen. P D
Kirchenbote Kanton St.Gallen 12/2012
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Palette
Trommel- und Singkreis
21. Dezember, 19 Uhr
Tel. 071 790 03 71, www.sosos.org
Offene Kirche
St.Gallen
Zum Herzens-Gebet finden. Mit
Michaela Baumberger. Eintritt 30.–
Gemeinsam singen, trommeln,
tanzen wir unser eigenes HerzensGebet und bitten für uns sowie für
andere um Heilung.
Neues Denken durch neues Tun
2. Dezember, 10 bis 17 Uhr
Böcklinstr. 2, St.Gallen, www.oksg.ch
Sitzen in der Stille
Jeden Di, 12–13.15 Uhr
Einführung ins Ritual: 12 Uhr
Veranstalter: Forum SOSOS
Kerzenziehen
1.–5./7.–9. Dezember, 14–17 Uhr
Mit farbigem Wachs. Anmeldung
für Gruppen ausserhalb der
Öffnungszeiten: Tel. 071 278 49 69
Yoga
3./17. Dezember, 18 Uhr
Sanftes Hatha-Yoga.
Einstieg jederzeit möglich.
Auskunft und Anmeldung (im Voraus
erforderlich): Michaela Baumberger,
St.Gallen, Tel. 079 238 16 78,
michaela.baumberger@bluewin.ch.
African memorial night
22. Dezember, 20 Uhr
1950–1970er-Jahre Musik, nur DJs:
Shark-T, Johnny Lopez und weitere
Eintritt Fr. 25.–, Gestaltung: www.tgg.ch
Umsetzung: www.mehrZeit.ch
Kirche in der City St.Gallen
Eintritt Fr. 20.–/10.–
Meditation
Zimtstern
6. Dezember, 20 Uhr
Meditationsabende im Advent
4./11./18. Dezember, 19–21 Uhr
Playback-Theater St.Gallen
Diese Abende wollen in die Stille,
Sammlung und Achtsamkeit
führen. Wir nehmen uns ganz
bewusst Zeit für die Ruhe und das
stille Dasein in der Vorbereitungszeit auf Weihnachten. Elemente:
Hinführung in die Schweigemeditation, Übungen zur Zentrierung, kurze Impulse aus der
Mystik.
www.playbacktheater-sg.ch
Friedensarbeit heute
und in Zukunft
10. Dezember, 19.30 Uhr
Friedensvisionen für die Zukunft
und kurze Rückblicke auf 30 Jahre Friedenswoche. Podium: Arne
Engeli, Franziska Wenk, Walter
Frei, Nicklaus Bayer. Diskussion:
Silvio Staub und Jeyakumar
Thurairajah. Moderation: Angela
Tsering-Bruderer
Offenes Kreistanzen
11. Dezember, 20–22 Uhr
Mit Martina Kürsteiner, Cornel
Rimle und Stefan Schuler.
Unkostenbeitrag: Fr. 20.–
Heilmeditation
12. Dezember, 14.30 Uhr
Mit Hedda Schurig, Homöopathin
und spirituelle Heilerin
Infos: Tel. 071 333 30 28, Kollekte
StimmVolk
12. Dezember, 19.30 Uhr
Singend Brücken bauen. Lieder
aus der Schweiz und anderen
Kulturen singen.
Wellenreiten
13./20. Dez., 19.30–21.30 Uhr
Spiritueller 5-Rhythmen-Tanz
Eintritt Fr. 25.–
Jubiläumskonzert
14. Dezember, 19.30 Uhr
Malcolm Green and the GreenHorns of the Kantonsschule
Heerbrugg.
Jahresfeste tanzen: Wintertanz
15. Dezember, 19.30 Uhr
Mit den DJs Ueli und Tim und
Urs Blum (Klavier, Flöte, Gesang)
und Ritual und Buffet.
Eintritt Fr. 25.–/10.–
12
Ort: Ökum. Kirche Halden, St.Gallen.
Kursbeitrag: Fr.60.– für alle drei Abende.
Leitung und Anmeldung: Margrit WenkSchlegel, Kontemplationslehrerin, Therapeutin (Tel. 071 288 65 88)
www.meditation.margritwenk.ch
Tagesseminar mit Schweigemeditation und «Bigmindprocess»,
mit Marcel Steiner
Ort: evang. Kirchgemeindezentrum
Heiligkreuz, St.Gallen
Abschied nehmen
und weitergehen
30. Dezember, 16 Uhr bis
1. Januar 2013, 14 Uhr
Mit Elisabeth Tröndle und Ferdiand Rauber.
Diese Tage der Jahreswende geben Gelegenheit, zur Ruhe zu
kommen, das alte Jahr abzuschliessen und sich für das neue
bereit zu machen. In Stille und
Gemeinschaft, mit Tönen und
Klängen, im Austausch und im
Feiern nehmen wir auf, was uns
stärkt für unseren weiteren Weg.
Ort: Haus zum Weg, Hemberg
Abschliessen und neu beginnen
4. Jan., 17 Uhr, bis 5. Jan., 17 Uhr
24-Stunden-Retreat zum Jahresbeginn, mit Markus Grieder und
Elisabeth Tröndle
Ort: Haus zum Weg, Hemberg
Reisen
Zu Fuss von Nazareth nach Bethlehem auf dem «Nativity Trail»
8.–21. April 2013
Leitung: Andrea Krogramm, Jour-
Meditationsnacht:
«Dem Frieden Kraft geben»
7./8. Dezember, 19–1 Uhr
Das Sitzen während der Nacht hat
eine ganz spezielle Qualität. Die
Ruhe von aussen hilft, sich nach
innen zu wenden und in die
Sammlung zu kommen. Zu jeder
vollen Stunde besteht die Möglichkeit, neu dazuzukommen oder
zu gehen. Es braucht keine Anmeldung.
Ort: Ökum. Kirche Halden, St.Gallen
Leitung: Elisabeth Tröndle, Helen Trautvetter, Josef Wirth Charlie und Margrit Wenk
Das ganze Panorama des Lebens
– Exerzitien zur Dreifaltigkeit
17.–21. März 2013
Kurs im durchgehenden Schweigen, biblische und literarische
(Robert Lax) Impulse, Atemarbeit, Meditation, Einzelgespräche,
Abendmahlsfeier.
Ort: St. Arbogast bei Götzis (A)
Veranstalter: Elsbeth Eggenberger,
Buchs, Atemtherapeutin; Marianne
Kundt, Pfrn., St.Gallen
Kosten: Fr. 600.– inkl. EZ
Auskunft und Anmeldung bis 15.1.2013:
kundt.hauser@bluewin.ch
SOSOS
Kirchenbote Kanton St.Gallen 12/2012
Frühlingswoche in der Provence
4. bis 11. Mai 2013
Religions- und kulturgeschichtliche Exkursionen von Carpentras
aus, mit Walter und Ernestine Frei.
Übernachtungen im Hotel oder im Ferienhaus (Mehrbettzimmer).
Kosten für Frühstück und Tagesausflüge
Fr. 500.– . Prospekt verlangen bei Walter
Frei, Tel. 071 278 12 64
Siehe auch www.carpentras.ch
Bildung
Altersbildung – was zählt fürs
Leben mit den Jahren
30. November, 16–21.30 Uhr
Ort: Centrum St. Mangen, St.Gallen
www.ref-sg.ch/v/alter
Mein Lebensweg
8./15./22.2., 1./8./15.3.2013
Biografie – Inspiration für ein lebendiges Alter, mit Luisemarie Graf.
(Siehe Tipp des Monats, Seite 13)
Ort: St. Mangen, St.Gallen
www.ref-sg./v/lebensweg
Seminar: Heilsam mit der Trauer
umgehen – im Abschiednehmen
Lebendigkeit gewinnen
8. bis 10. Februar, Seminarhotel
Lihn, Filzbach GL
Ein Seminar für trauernde Menschen, die in ihrer Verlust- und
Trauersituation Unterstützung
suchen. Das Seminar bietet einen
geschützten Rahmen, in dem die
Teilnehmenden die vielfältigen
Trauergefühle behutsam ausdrücken und neue Kraftquellen
entdecken können.
Leitung: Rosmarie Zimmerli und Thomas
Schüpbach-Schmid, Trauerbegleiter
nach Jorgos Canacakis.
Auskunft/Anmeldung: AkEB 071 227 05 30
oder www.lebengestalten.ch
nalistin, Jerusalem/Fribourg
Zu Fuss auf dem «Nativity Trail»
quer durch das Westjordanland
bietet eine Heilig-Land-Erfahrung
fernab der ausgetretenen Pfade.
Ein Pilgerweg durch idyllische
Landschaften, in Erinnerung an die
herausfordernden Lebensbedingungen zur Zeit Jesu und in Auseinandersetzung mit der ebenso
herausfordernden Situation heute.
Info: www.terra-sancta-tours.ch
Von der Krim nach Odessa: auf
den Spuren der Karäer, Tataren
und Juden
26. April–5. Mai 2013
Organisiert wird die Reise vom
Zürcher Lehrhaus.
Leitung Stefan Schreiner, Mikhail
Kizilov, Hanspeter Ernst
www.lehrhaus.ch
Besinnung
Eglise française
Eglise ou Centre de Saint-Mangen
Cultes à 10 h sauf le premier
dimanche du mois. Cultes du soir
mensuels à Rorschach, Rapperswil et
Glaris. Renseignements auprès de
Simone Brandt, pasteur, Tél. 071
277 08 56 ou www.ref-sg.ch/église
mittwoch mittag Kultur
St. Laurenzenkirche St.Gallen
jeweils Mi., 12.15–12.45 Uhr
5. Dezember: Mendelssohn, Kla-
viertrio in c-Moll
12. Dezember: Gegenradl, Dietmar Kirchner (Bass), Karoly Gaspar (Piano)
19. Dezember: What A Time!
The Kuziem Singers: Simon, Meki,
Beryl, Benjamin & Saymon Kuziem
Junge
Erwachsene
Beratung
Tipps des Monats
Wort zum Tag: Tel. 071 222 33 33
Mein Lebensweg: Biografie –
Inspiration für ein lebendiges Alter
Täglich eine Kurzbotschaft
Business-Yoga
Montags, 18–19.30 Uhr:
bei Bea – Hatha Yoga
Die Dargebotene Hand
Dienstags, 18–19.30 Uhr:
Telefon 147 – Help-o-fon
bei Michael – Yoga
Nottelefon für Kinder und Jugendliche
Mittwochs, 12.15–13 Uhr:
SOS per SMS: 767
Internetseelsorge:
bei Michael – Business-Yoga
Mithilfe von einfachen Körperübungen, Atemtechniken, Entspannungstechniken und Konzentrationsübungen können Belastbarkeit, Ausdauer und innere Stärke
erhöht werden. Yoga bietet ein
wirksames Werkzeug, um Stress zu
erkennen und zu überwinden.
Einzelstunden: Fr. 25.–, Anmeldung an
michael.mann@safranblau.ch
Ort: safranblau, Magnihalden 9, St.Gallen
Veranstalter: safranblau
Punkt 8 – Gottesdienst
7. Dezember, 20 Uhr
Ein moderner Gottesdienst mit
Band, Theateranspiel, Predigt und
anschliessendem Kurzverhör. Für
alle, die einen Gottesdienst einmal
anders erleben möchten. Mit feinem Apéro!
Ort: Kirche Altstätten, Heidenstrasse 7
Veranstalter: Kirchgemeinde Altstätten
Wintergospel
9. Dezember, 17 Uhr
Über 150 Sängerinnen und Sänger
vom Gospel im Centrum laden
ein, mit ihnen die Freude an einfachen, starken Liedern wie «Shine
your Light» zu teilen.
Ort: Kirche St. Laurenzen, St.Gallen
Veranstalter: Gospel im Centrum
Stadtgebet – Quelle der Kraft
13. Dezember: Einsingen
19.15 Uhr, Beginn 19.30 Uhr
Das St.Galler Stadtgebet für junge
Leute ist eine Ermutigung zur Begegnung mit der eigenen Spiritualität. Mitten in unserer hektischen
Welt ist es eine halbe Stunde, in der
wir mit wenigen Worten, Zeit für
Stille und Musik der Sehnsucht nach
inneren Kraftquellen nachgehen.
Ort: Chorraum der Kathedrale St.Gallen
Veranstalter: safranblau
Nacht der Lichter
1. Dezember, ab 12 Uhr Ausstellung, 19.45 Uhr Gebet mit Gesängen aus Taizé (siehe Seite 11)
Kirchenratspräsident Dölf Weder
und Bischof Markus Büchel laden
alle herzlich zur achten Nacht der
Lichter ein. Hunderte von Jugendlichen kommen sehr gerne nach
St.Gallen, um bei diesem lebendigen Happening dabei zu sein.
Infos: www.nachtderlichter.ch
Ort: St. Laurenzen und Kathedrale,
St.Gallen
Veranstalter: Ökum. Jugendarbeit
Daten: 8./15./22. Februar, 1./8./15. März 2013
Zeiten: Freitagnachmittag, 14–17 Uhr
Ort: Kirchgemeindehaus St. Mangen, St.Gallen
Telefonseelsorge, Telefon 143, www.143.ch
www.seelsorge.ch
Evangelisch-reformierte Paarund Familienberatung St.Gallen
Oberer Graben 31, St.Gallen
Pfarrer Walter Feurer, Psychotherapeut
SPV/ASP, Tel. 071 220 88 00
Heidi Paulsen, Dipl. Psych./Psychotherapeutin SBAP, Tel. 071 220 88 02
Evangelische Frauenhilfe
Beratungsstelle für Frauen
Tellstr. 4, 9000 St.Gallen
Tel. 071 220 81 80, Fax 071 220 81 84
Unterwegs zum Du
Die Stellenleiterin, Frau Ursula Mettler,
Bahnhofstr. 3, 9326 Horn, ist erreichbar:
Di, Fr, 13.30–19.30 Uhr. Tel.: 052 672 20 90;
E-Mail: uzdostschweiz@bluewin.ch
Die Eheanbahnungsstelle ist getragen
von Ostschweizer Kantonalkirchen.
Bürgschaften und Darlehen
Für Familien und Alleinerziehende,
Landwirte und Selbstständige. Gesuche
sind zu richten an: Evang. Bürgschaftsund Darlehensgenossenschaft
des Kantons St.Gallen, Postfach 24,
9004 St.Gallen, Tel. 071 226 91 91,
E-Mail: kontakt@ebdg-sg.ch
Homepage: www.ebdg-sg.ch
Blaues Kreuz SG-Appenzell
Fachstelle Alkoholberatung,
Prävention
Kugelgasse 3, Postfach 28,
9004 St.Gallen, Tel. 071 231 00 31
info-sg-app@blaueskreuz.ch
www.blaueskreuz-sg-app.ch
Gespräche nach Vereinbarung
Trauercafé im Kantonsspital
St.Gallen
Am ersten Dienstag im Monat
Weitere Auskunft: Fabienne Bucher,
Spitalpfarramt, Tel. 071 494 11 11
Pfarramt für Gehörlose
Achim Menges, Oberer Graben 31,
9000 St.Gallen, Tel. 071 227 05 70
gehoerlosenseelsorge@ref-sg.ch
Gesprächsangebote in der
Kirche St. Laurenzen, St.Gallen
Donnerstag, 16–18 Uhr
Persönlichkeitsschutz in der Kirche
Fühlen Sie sich im Rahmen des kirchlichen Lebens diskriminiert oder in Ihrer
Integrität verletzt, seelisch oder körperlich ausgenutzt, sexuell bedrängt, gemobbt, oder belastet Sie ein Abhängigkeitsverhältnis?
Dann können Sie sich von einer neutralen
Fachperson (unter Schweigepflicht)
kostenlos beraten lassen. Adressen der
Kontaktpersonen finden Sie unter:
www.ref-sg.ch/persoenlichkeitsschutz
Zentrale Nummer: Tel. 071 222 04 55
Adressänderungen
an die Kirchgemeinde
Impressum
Herausgegeben im
Auftrag der Synode
der Evangelischreformierten Kirche
des Kantons St.Gallen
Redaktionskommission
Hans-Paul Candrian,
Präsident
Alfred Ritz, Kassier
Pfrn. Andrea Anker
Lotti Gerber
Pfr. Martin Böhringer
Jürg Steinmann
Anton Spycher
Anna Zogg
Katharina Marquart
Redaktion
Pfarrer Andreas
Schwendener (as)
Rehweidstrasse 2
9010 St.Gallen
Tel. 071 244 34 64
www.kirchenbote-sg.ch
kirchenbote.sg@ref.ch
Lokalredaktion
Reto Neurauter (nr),
Grabs, Tel. 081 771 65 16
Katharina Meier (meka),
Lütisburg Station
Tel. 071 980 06 01
Claudia Schmid (cis),
St.Gallen
Tel. 071 223 58 60
Nächste Nummer
Thema: Schlafen
Erscheint am 4. Jan.
Redaktionsschluss:
7. Dezember 2012
Druck
galledia ag
9442 Berneck
Altpapieranteil: mind.
50%, Auflage: 71 000
Gestaltungskonzept
TGG Hafen Senn Stieger
Abonnementspreis
11 Ausgaben: Fr. 12.–
(wird von den Kirchgemeinden bezahlt)
Das gelebte Leben begleitet uns, das Freudvolle,
Gelungene, Höhepunkte ebenso wie schmerzhafte, schwierige Elebnisse. Verschiedene Studien zeigen, dass Menschen, die sich mit ihren autobiografischen Erinnerungen beschäftigen, aufgeschlossener und geistig beweglicher sind. Viele
Menschen packen heute die Chance zu einem intensiven Lebensrückblick. Und sie erleben zu ihrer
Freude: Wenn wir uns der Fülle des Lebens stellen
und es würdigen mit Freud und Leid, erstrahlt es
in intensiveren Farben, es gewinnt neue Facetten,
überraschende Einsichten. Nicht nur die Vergangenheit wird lebendiger, auch wir werden es. Im
Austausch mit anderen taucht Vergessenes auf,
Vernachlässigtes ordnet sich in ein sinnvolles
Ganzes und rundet langsam das Leben in friedvoller Weise. Die sechs Nachmittage sind der
Arbeit an Themen und Aspekten der eigenen
Biografie gewidmet.
Unterschiedliche Methoden wie Schreiben, Gespräche in Kleingruppen und im grossen Kreis,
Bewegung, Malen usw. unterstützen den Prozess.
Die Gruppe wird mit höchstens zehn Teilnehmenden geführt. Leitung: Luisemarie Graf, Musikund Körpertherapeutin, Lehrerin, Familienfrau
Zielpublikum: Menschen ab 55, Kosten: Fr. 230.–
Anmeldeschluss: 25. Januar 2013
Veranstalter: Arbeitsstelle kirchliche Erwachsenenbildung
www.ref-sg.ch/v/lebensweg
Veranstalter
Veranstaltungsübersicht auf: www.ref-sg.ch
AkEB Arbeitsstelle kirchliche Erwachsenenbildung, Oberer
Graben 31, 9000 St.Gallen, T 071 227 05 30,
www.lebengestalten.ch, E-Mail: akeb@ref-sg.ch
SOSOS: Solidarität und Spiritualität Ostschweiz
(ehemals Verein Wartensee) Leitung: Elisabeth Tröndle,
Rehetobelstrasse 21, 9000 St. Gallen, Tel. 071 790 03 71,
www.sosos.org, elisabeth.troendle@sosos.org
Netzwerk Junge Erwachsene
Volontariat: Michal Maurer, Tel. 071 227 05 63,
volontariat@ref-sg.ch; www.junge-erwachsene.ch
Offene Kirche St.Gallen Tel. 071 278 49 69, www.okl.ch
Sonneblick Walzenhausen 9428 Walzenhausen,
Tel. 071 886 72 72, sonneblick@walzenhausen.ch
Heimetli Blaukreuz-Ferienheim, 9650 Nesslau,
Leitung: René und Vreni Jäggi, Tel. 071 994 18 87
E-Mail: rene.jaeggi@heimetli-nesslau.ch
Kirchenbote Kanton St.Gallen 12/2012
13
Link
16.12. Sechzig Jahre Caritas
Babyhospital in Bethlehem
Radio
DRS1
Zwischenhalt Sa, 18.30–19 Uhr
Glocken um 18.50 Uhr aus:
1.12. ev.-ref. Hittnau ZH
8.12. röm.-kath. Hergiswil am Napf LU
15.12. ev.-ref. Niederbipp BE
22.12. röm.-kath. Leibstadt AG
29.12. ev.-ref. Wattwil SG
«Glocken der Heimat» wird Sa, 17.30 Uhr
auch auf DRS Musikwelle ausgestrahlt.
Ein Wort aus der Bibel
jeden Sonntag, 6.42 Uhr und 8.50 Uhr
(DRS2 7.05 Uhr, Musikwelle 8.30 Uhr)
Texte zum Sonntag
jeden Sonntag, 9.30 Uhr
DRS2
Das Caritas Babyhospital ist das
einzige Kinderspital in der südlichen Westbank und geniesst einen
ausgezeichneten Ruf. Martin Heule
hat das Spital besucht, begab sich
mit der palästinensischen Chefärztin auf Visite und hat erfahren,
welches die Erfolge des Spitals ausmachen, aber auch welchen Problemen sich das Team des Krankenhauses in einem schwierigen Umfeld stellen muss.
23.12. Religion im Jahr 2012 – die
Redaktion Religion blickt zurück
Wer die Religion totgesagt hat,
dem präsentiert die Redaktion
Religion von Schweizer Radio das
Gegenteil. Die Redaktion Religion
stellt vor, was ihr dieses Jahr besonders aufgefallen ist.
Religionsthemen im Kontext
23.12. Ein Bischof für das Volk
vorwiegend am Donnerstag,
9 und 18.30 Uhr (Zweitausstrahlung)
(Siehe Tipp des Monats.)
Blickpunkt Religion
jeden Sonntag, 8.10–8.30 Uhr
Predigten, Gottesdienste
So, 9.30 Uhr: röm.-kath. Predigt
So, 9.45 Uhr: evang.-ref. Predigt
2.12. Pfr. Jean-Pierre Brunner,
Naters; Pfrn. Pascale KäserHuber, Burgdorf
9.12. Pfr. Hanspeter Betschart,
Olten; Pfr. Caroline Schröder
Field, Basel
16.12. Direktübertragung des
ökumenischen Gottesdienstes aus
Adligenswil LU
23.12. Franziska Loretan-Saladin,
Theologin, Luzern; Pfr. Martin
Dürr, Basel
25.12. Thomas Markus Meier,
Theologe, Obergösgen; Manuela
Liechti-Genge, Theologin, Münchenbuchsee
30.12. Alois Metz, Gemeindeleiter, Luzern; Luzia Sutter Rehmann, Theologin, Binningen
Perspektiven
jeweils So, 8.30 Uhr und Do, 15.00 Uhr
2.12. «… hinter der Augengrenze» – neue hebräische Lyrik im
Dialog mit Gott
Im 20. Jahrhundert wurde das
Hebräische zur Alltagssprache.
Das Religiöse schwingt aber in
der biblisch grundierten Sprache
immer mit, auch in neuesten
Gedichten.
9.12. Flucht – ein menschliches
Schicksal
Jesuitenpater Peter Balleis kommt
gerade aus den syrischen Grenzgebieten zurück, wo er Tausenden
von Flüchtlingen begegnet ist.
Was passiert mit Menschen, wenn
sie auf der Flucht sind? Wie bestimmt Flüchtlingsein ihre und
die Identität ihrer Kinder?
14
30.12. Der Abgang des Philosophen von Canterbury
Nach einem Jahrzehnt als oberster
Repräsentant der Anglikanischen
Kirche hört Rowan Williams auf.
Eine Bilanz.
Radio FM1
«Gott und d’Welt»
Sonntagmorgen, 9–10 Uhr
Wiederholung: Sonntag, 22–23 Uhr
Auf FM-Melodie: Sonntag, 12–13 Uhr
Radio Zürisee
«Über Gott und d’Wält»
jeden Sonntag, 8.25 Uhr
TV
SF1
Wort zum Sonntag: Sa, 19.55 Uhr
Sternstunden: 10 Uhr: Religion
11 Uhr: Philosophie, 12 Uhr: Kunst
2.12., 10 Uhr: Gottesdienst aus der
Christkatholischen Stadtkirche
Olten, mit Bischof em. Hans Gerny
9.12., 10 Uhr: Religion auf der
Leinwand – zwischen Faszination
und Skepsis
16.12., 10 Uhr: Übertragung
des jüdischen Gottesdienstes zu
Chanukka, aus der Synagoge der
Israelitischen Cultusgemeinde an
der Löwenstrasse in Zürich.
Anschliessend: «Nachgefragt»
23.12., 10 Uhr: Weihnachten in
Mulhapar, Pakistan.
Ein Film von Paolo Poloni
24.12., 17 Uhr: Mitsing-Wienacht
mit Andrew Bond und Band
24.12., 23 Uhr: Christnachtfeier
aus der evangelisch-reformierten
Kirche Saanen/BE
25.12., 11 Uhr: Röm.-katholischer
Weihnachtsgottesdienst aus Paris
25.12., 12 Uhr: Urbi et orbi, Rom
Kirchenbote Kanton St.Gallen 12/2012
26.12., 10 Uhr: Göttlich speisen –
wie die multireligiöse Schweiz isst
(WH), ein Film von Lekha Sarkar
30.12., 10 Uhr: Aufbruch bei den
Katholiken – Die Reformer organisieren sich. Ob «Pfarrei-Initiative», «Wir sind Kirche» oder «Aufruf zum Ungehorsam»: Es rumort
in der deutschsprachigen Katholischen Kirche. Am Sternstundentisch diskutieren je ein Vertreter/
eine Vertreterin einer innerkatholischen Reformbewegung aus
Deutschland, Österreich und der
Schweiz. Gesprächsleitung: Judith
Hardegger.
SF2
«Fenster zum Sonntag»
Samstag, 17.15 und Sonntag, 11.30 Uhr
auf sf info: Sa, 18.30 und So, 17.45 Uhr
Tele Ostschweiz (TVO)
«Gedanken zur Zeit»
Sa, 18.55 Uhr, bis So, 7.55 Uhr,
stündlich wiederholt
Bücher
Zeitschrift
«Schritte ins Offene» 6/2012:
Weisheit
Über welche Eigenschaften verfügt
ein Mensch, den wir als weise ansehen, und warum werden die einen
weise, die anderen unversöhnt auf
die Herausforderungen des Alters
reagieren? Wer definiert, was Weisheit ist, und was haben die Religionen zum Thema zu sagen? – Diesen und anderen Fragen widmet
sich das Heft und bringt auch ein
paar Perlen aus dem grossen Weisheitsschatz der Menschheit.
www.schritte-ins-offene.ch
Tipp
des Monats
Perspektiven DRS2,
23. Dezember, 8.30 Uhr
Ein Bischof für das Volk
«Das hier … ist mein ganzes Leben.» – Abgewiesene Asylsuchende mit Nothilfe in der Schweiz:
13 Porträts und Gespräche
Dreizehn abgewiesene Asylsuchende legen in Gesprächen
Zeugnis ab von ihrem alltäglichen
Leben. Alle leben sie in einer Art
«geregelter Illegalität»: Sie haben
keine Aufenthaltsbewilligung, sie
dürfen nicht arbeiten, sie erhalten
keine Sozialhilfe. Sie leben eine
prekäre Existenz in der Nothilfe.
Im Zentrum der Porträts stehen
nicht ihre Fluchtgeschichten, sondern ihr Leben hier mitten unter
uns: Da sind die zwei Brüder, die
in der Schweiz aufgewachsen sind
und in perfektem Baseldeutsch
davon erzählen, wie gerne sie mit
Freunden in die nahe Stadt Basel
fahren würden und es nicht dürfen, da es ein anderer Kanton ist.
Da ist die Mutter einer TeenagerTochter, die trotz äusserster materieller Not ein «normales» Familienleben vorzuspielen versucht.
Und da ist der junge Mann, der in
einem Nothilfezentrum in den
Bergen lebt und gegen die Lethargie ankämpft, die ihn ständig einzuholen droht. «Nicht vorgesehene» Leben – gelebt in der Schweiz.
Herausgegeben
vom Solidaritätsnetz Ostschweiz
und der Beobachtungsstelle für
Asyl- und Ausländerrecht
Ostschweiz.
240 Seiten, Pappband, Fr. 32.–
Er gilt als volksnah und kommunikativ: der St.Galler Bischof
Markus Büchel. Ab Januar 2013
präsidiert er für drei Jahre die
Schweizer Bischofskonferenz.
Wohin will er die Römisch-katholische Kirche der Schweiz führen?
Und wie will er zwischen liberalen
und konservativen Kräften vermitteln?
«Fröhlich sein, Gutes tun und
die Spatzen pfeifen lassen»: Dies
der Leitsatz von Bischof Markus
Büchel, den er bei Don Bosco,
einem katholischen Sozialpionier
des 19. Jahrhunderts, entlehnt hat.
Der neue, 63-jährige Präsident der
Schweizer Bischöfe hat den Ruf,
offen, pragmatisch und liberal zu
sein. Diskussionen rund um den
Pflichtzölibat und das Frauenpriestertum weicht er nicht aus.
Zudem mischt er sich mit pointierten Stellungnahmen in die
Diskussion rund um die Wirtschafts- und Finanzkrise ein.
Das Gespräch mit Bischof Markus
Büchel führen Heidi Kronenberg
und Hansjörg Schultz. PD
Zweitsendung: 25. Dezember, 18.30 Uhr
Foto: ZVg
Interview mit Ruedi Zollinger
Liebe in Erziehung und Familie
Was bedeutet in Ihrer Arbeit das Wort «Liebe»?
Dazu muss ich zunächst sagen, dass wir in der
Kinder- und Jugendpsychiatrie das Wort nicht
eigenständig definieren. Zur Liebe zu den Kindern
gehört auch, sowohl ihre Bedürfnisse wie die
eigenen zu kennen, und sie nicht zu vermischen.
Ein Beispiel: Versuchen die Eltern ihr Kind zur
Musikalität zu zwingen, obwohl es nicht musikalisch ist, dann muss es nicht um Mangel an Liebe
gehen, sondern um die fehlende Unterstützung
seiner Bedürfnisse.
Nach seiner Pensionierung jetzt im Prättigau tätig: Kinderpsychiater Ruedi Zollinger.
Monatsporträt
Der Kinderpsychiater
Ruedi Zollinger hat 25 Jahre lang als
Chefarzt die Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienste St.Gallen geleitet. Nun ist er pensioniert. Von «Ruhestand» kann aber keine Rede sein.
Die Kinder- und Jugendpsychiatrischen
Dienste (KJPD) St.Gallen haben ihren Ursprung im Jahre 1966. Damals noch von
einem privaten Trägerverein geführt, haben sie sich inzwischen zu einer anerkannten Institution im Gesundheitswesen entwickelt. Heute werden sie von einer Stiftung getragen. Die KJPD beraten und behandeln im Zentralen Ambulatorium, in
der Zweigstelle für Jugendliche, den fünf
Regionalstellen und der Tagesklinik rund
2000 Kinder und Jugendliche pro Jahr.
Positive Schritte ermöglichen
Von den 46 Jahren ihres Bestehens stand
Ruedi Zollinger den KJPD St.Gallen
mehr als die Hälfte vor. «Zwischen den
Jahren 1981 und 1987 hatte ich als
Chefarzt die Psychiatrischen Dienste
für Kinder und Jugendliche in Solothurn aufgebaut. In St.Gallen war diese
Arbeit bereits von meinem Vorgänger
geleistet worden», erzählt er.
Von besonderen Ereignissen oder
«Meilensteinen» im Laufe des Vierteljahrhunderts bei den KJPD möchte der
heutige Wahlprättigauer nicht sprechen.
«Ziel war und blieb es, den Kindern und
Jugendlichen Unterstützung zu bieten,
um ihnen in ihrer Entwicklung positive
Schritte zu ermöglichen.» Natürlich sei
der Alltag auch immer wieder von politischen Entscheidungen und neuen Herausforderungen geprägt worden. «Einmal rückte zum Beispiel die Psychotraumatologie, ein anderes Mal der Kinderschutz in den Vordergrund.»
Zufall spielte mit
Zur Fachrichtung Psychiatrie/Psychotherapie sei er eher zufällig gestossen,
betont Ruedi Zollinger. «Während des
Medizinstudiums dachte ich eigentlich
an eine somatische Fachrichtung. Mein
erster Einblick in die Erwachsenenpsychiatrie aber gefiel mir und so beschloss
ich, das Fach zu vertiefen.»
Als Ergänzung habe er schliesslich
auch das Facharztdiplom in der Kinderund Jugendpsychiatrie erworben. «Mein
Weg zum Kinderpsychiater war alles andere als geplant. Man könnte fast sagen,
dass ich unterwegs hängen blieb.»
Praxis in Jenaz
Seit wenigen Wochen ist nun Ruedi Zollinger pensioniert, in den Ruhestand
aber ist er nicht getreten. «Ein Leben
ganz ohne meine Arbeit könnte ich mir
jetzt nicht vorstellen», sagt er. In Jenaz
im Prättigau hat er sich in einer Gemeinschaftspraxis eingemietet, wo er
Kinder, Jugendliche und Erwachsene
behandelt. «Die Gemeinschaftspraxis
hat zum einen den Vorteil, dass wir interdisziplinär zusammenarbeiten können. Zum anderen ist der Kontakt zu
meinen Patientinnen und Patienten
wieder viel direkter als während meiner
Tätigkeit als Chefarzt.»
Ein weiteres Projekt hat Ruedi Zollinger nach Simbabwe geführt. Der Schweizer Aids-Spezialist Ruedi Lüthy hat dort
in der Hauptstadt Harare eine ambulante
Klinik und ein Ausbildungszentrum aufgebaut. Zusammen mit einem ebenfalls
pensionierten Amtskollegen möchte er
mithelfen, die psychosoziale Betreuung
der aidskranken Kinder und Jugendlichen in der Klinik zu verstärken. «Es steht
aber noch alles ganz am Anfang. Vorerst
gilt es, die Finanzierung des Projekts
durch Spendengelder zu sichern.»
CLAUDIA SCHMID, ST.GALLEN
Wie wichtig sind denn aber Liebe, Beziehung und
die Kenntnis der Bedürfnisse für die Entwicklung
der Kinder?
Enorm wichtig und zwar von Beginn an. Schon
früh können sich wegen mangelnder Betreuung
Verhaltensauffälligkeiten entwickeln. Nicht zuletzt deshalb haben wir bei den KJPD St.Gallen
eine Baby-Sprechstunde eingerichtet.
Die Geburt eines Kindes und die darauffolgenden
Jahre bieten Überraschungen und manchmal
auch Überforderungen. Dabei kann es sowohl bei
den Eltern als auch beim Kind leicht zu heftigen
Reaktionen und Anpassungsstörungen kommen.
Macht es für die Entwicklung eines Kindes einen
Unterschied, ob es die Liebe von den Eltern oder
anderen Bezugspersonen erhält?
Grundsätzlich können dem Kind durchaus auch
andere Bezugspersonen eine kindgerechte Betreuung bieten. Zum Beispiel sind Adoptiveltern in
der Regel ebenso engagierte Eltern wie leibliche.
Für die Kinder kann es unter Umständen in der
Pubertät zu Schwierigkeiten kommen, wenn sie
für ihre Identitätsfindung wissen wollen, woher sie
abstammen. Wichtig ist aber, dass die Bezugspersonen des Kindes möglichst konstant sein sollten.
Kann ein Mangel an Liebe nachgeholt werden?
Es ist nicht einfach, eine schwere Störung in der
Entwicklung ungeschehen zu machen. Aber man
kann versuchen, dem vorhandenen Potenzial eine
positive Richtung zu geben.
Ist die Psyche immer gleich auf Liebe von Bezugspersonen angewiesen?
Praktisch jeder Mensch kennt Phasen, wo er
poröser ist als sonst. Es kommt immer auf die
Verletzlichkeit im Moment an. Übrigens gibt es
wohl auch keinen Menschen, der im Laufe seines
Lebens nie ein traumatisches Ereignis erlebt.
Welche Rolle kann die Religion, der Glaube für das
Grundvertrauen eines Kindes spielen?
Diese Frage müssten Sie eigentlich einem Theologen stellen. Ich denke, dass sich das religiöse
Grundvertrauen der Eltern sehr wohl auf das Kind
übertragen kann. Das Gegenteil habe ich aber
auch erlebt: Kinder, die durch die stark religiösen
Ansprüche der Eltern Schuldgefühle und Ängste
entwickelt haben. I N T E R V I E W : C L A U D I A S C H M I D
Kirchenbote Kanton St.Gallen 12/2012
15
Ich heisse Rahel …
Rahel Schrag, Lotzwil
In den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg wurde meine
Mutter auf den Namen
«Rahel» getauft. Während
des Krieges fürchteten
meine Grosseltern die
Judenverfolgungen. Um
das Mädchen zu schützen,
liessen sie es in «Hanna»
umtaufen, obwohl niemand
in der Verwandtschaft jüdischen Glaubens war.
Hanna bedauerte den Wechsel sehr. So wählte sie
wenigstens «Rahel» für mich, ihre erstgeborene
Tochter. «Esther» war vermutlich die Idee meines
Vaters. Und seither erfreue ich mich eines schönen jüdischen Doppelnamens: Rahel Esther.
Rahel Weber, Flawil
In der Primarschule hatten
wir uns mit unserem Namen
auseinanderzusetzen. Ich
war unzufrieden, als ich
herausfand, dass Rahel
«Mutterschaf» heisst. Ich
wollte doch nicht mit einem
Tier gleichgestellt werden!
Andererseits ist mein Name
selten, kann kaum abgekürzt werden und tönt in jeder Landessprache
etwas anders. Diese Wandelbarkeit schätze ich
sehr. Heute ist mein Name ein unersetzbarer Teil
von mir – auch die Bedeutung «Mutterschaf» und
die biblischen Rahelgeschichten schätze ich.
Rahel, die geprüfte
Stammmutter
Hochzeitswoche erhält Jakob dann auch
seine geliebte Rahel zur Frau, muss aber
für diese weitere sieben Jahre dienen.
Rahel gehört zu den Stammmüttern
Israels. Von den zwölf Söhnen Jakobs,
aus denen später in Ägypten die zwölf
Stämme Israels hervorgehen, bringt
sie, die Lieblingsfrau Jakobs, nach
langer Kinderlosigkeit doch noch zwei
Söhne zur Welt, Josef und Benjamin.
Abraham wird verheissen, dass aus ihm
ein grosses Volk hervorgehen wird. Erst
spät bringt seine Frau Sarah den Isaak zur
Welt. Isaaks Frau Rebekka gebiert Zwillinge, Esau und Jakob. Durch eine List gewinnt Jakob das Erstgeburtsrecht und
wird potenziell zum Stammvater – fehlt
nur noch die richtige Frau. Er macht sich
auf den Weg gen Osten zur Heimat seiner
Vorfahren und trifft dort an einem Brunnen auf seine Cousine Rahel, die Schafe
hütet. Es ist Liebe auf den ersten Blick.
Jakob küsst sie und weint laut.
Brautpreis: 20 Jahre Arbeit
Rahels Vater Laban weiss um den Wert
seiner hübschen Tochter. Sieben Jahre
muss Jakob bei Laban arbeiten. Dann
wird Hochzeit gefeiert, doch am Morgen
realisiert Jakob, dass ihm nicht Rahel,
sondern Lea, die ältere Schwester Rahels,
zugeführt wurde. «Es ist hier nicht Sitte,
die Jüngere vor der Älteren wegzugeben», rechtfertigt sich Laben. Nach der
Die zwölf Söhne Jakobs
Rahel wird von Jakob über alles geliebt,
doch sie muss miterleben, wie sie selber
kinderlos bleibt. Lea aber bringt einen
Sohn nach dem andern zur Welt: Ruben,
Simeon, Levi und Juda. Wenigstens über
ihre Magd Bilha verschafft sich Rahel die
Söhne Dan und Naftali. Wie Lea nicht
mehr schwanger wird, gibt auch sie ihre
Magd Silpa dem Jakob zur Frau. Silpa
bringt Gad und Asser zur Welt. Als Leas
Sohn Ruben eines Tages auf dem Feld
Liebesäpfel findet, begehrt Rahel diese.
Lea gibt ihr davon unter der Bedingung,
dass auch sie wieder mit Jakob schlafen
darf. Und so bringt Lea den Issaschar,
den Sebulon und die Tochter Dina zur
Welt. Dann denkt Gott auch an Rahel. Sie
wird schwanger, bringt Josef zur Welt
und bittet Gott um einen weiteren Sohn.
Nach 20 Jahren Dienst bei Laban zieht
Jakob mit seiner Familie und vielen Tieren zurück in sein Land. Unterwegs nahe
Bethlehem gebiert Rahel den Benjamin
und stirbt bei der schweren Geburt.
Weil Jakob den «Träumer» Josef bevorzugt, verkaufen ihn seine Brüder nach
Ägypten. Rahels Sohn Josef wird Verwalter des Pharao und empfängt später seine
Brüder als Flüchtlinge in Ägypten … AS
Aus «Genesis» von Robert Crumbs, CARLSEN, 2009
Biblische Namen
Rahel Indermaur, Berneck, Berlin
Ich mag den weichen und runden Klang meines Namens.
Daher trage ich ihn ausgesprochen gerne und bin meinen Eltern dafür sehr dankbar.
In Berlin, wo ich nun schon
seit bald einem Jahrzehnt
lebe und als Primarlehrerin
und Opernsängerin arbeite,
tut man sich jedoch manchmal schwer mit meinem Namen. Das fängt schon
mit der Aussprache an. Der Name ist im Nordosten
Deutschlands sehr selten. Manchen Leuten ist der
Name gar unbekannt – weil ihnen jegliche Bibelkenntnis fehlt. Wieder andere verbinden Rahel nur
mit dem Judentum und so sehe ich mich oft mit der
immer gleichen Frage konfrontiert, ob ich denn
Jüdin sei. Daher erzähle ich die Geschichte meines
Namens des Öfteren.
Jakob sieht erstmals seine künftige Frau Rahel – nach der Comic-Bibel von Robert Crumbs.
Kirchenbote
Gemeindenachrichten im Mittelbund
12/2012 | 61. Jahrgang
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Seele and Geist
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