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A) Die „Klassischen Hämangiome“

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1
Hämangiome im Kindesalter
Neue Klassifikation / Diagnostik / bewährte und neue Therapieformen
(Cremer Hj.; Bause H.; Mangold Chr.; Elsesser-Glaab S.; Schneider M.)
„Vor die Therapie haben die Götter die Diagnose gestellt!“
In ihrer Arbeit <Pattern of infantile Hemangiomas> (1) hat HAGGSTROM neue
Klassifizierungs-Begriffe eingeführt für die „klassischen Hämangiome“ welche so überzeugend
sind, dass wir die bis dahin von uns vertretene Klassifizierung ergänzt haben durch diese
neuen Klassifizierungs-Begriffe.
Klassifizierung der Hämangiome
A) Die „Klassischen Hämangiome“
A1] Lokalisierte Hämangiome
A2] segmentale Hämangiome
A3] nicht determinierte Hämangiome
A4] abortive Hämangiome
B) sonstige vaskuläre Tumoren
B1] Hämangiome mit abgeschlossener Entwicklung bereits bei Geburt
B1a) mit guter Spontanrückbildung
B1b) ohne Spontanrückbildung (sehr selten)
B2]Hämangiome mit histologischen Besonderheiten
B2a) tufted Angiome
B2b) Kaposiformes Hämangioendotheliom
B2b) Spindelzell - Hämangioendotheliom
B3] Hämangiomatosen
B3a) benigne Hämangiomatose
B3b) disseminierte Hämangiomatose
Besprechung der einzelnen Hämangiomformen
A) Die „klassischen Hämangiome“
A1) lokalisierte Hämangiome (LHs)
Als „lokalisiert“ werden Hämangiome bezeichnet welche zentral von einem Focus ausgehen. Sie bilden
die mit Abstand größte Gruppe aller Hämangiome (über 90%)
Verlauf:
Bei Geburt häufig noch nicht sichtbar, werden sie als rötliche, rundliche, leicht erhabene und regelmäßig
begrenzte Veränderungen erkennbar. Sie wachsen anfänglich mehr oder weniger rasch. Nach etwa sechs
bis zwölf Monaten sistiert das Wachstum, danach bilden sie sich allmählich zurück (tiefliegenden LH
langsamer als bei überwiegend oberflächliche). Es können schließlich narbenartige Veränderungen
verbleiben welche in Form und Größe dem Zustand zum Zeitpunkt ihrer maximalen Ausdehnung.
(Abb.1a-c).
Abb.1a) 3 Monate
Abb.1b) 1 Jahr
Abb.1c) 3 Jahre
2
Die überwiegend oberflächlichen LH erlauben meist eine Blickdiagnose. Man sollte aber daran denken,
dass diese Hämangiome immer auch eine gewisse Tiefenausdehnung aufweisen. Die Palpation gibt hier
zwar bereits ungefähre Hinweise, eine exakte Aussage zur Tiefenausdehnung erlaubt aber nur die
Sonographie. Diese sollte in allen Zweifelsfällen erfolgen. Der kodierte Farbdoppler ermöglicht
zusätzlich eine Beurteilung der Durchblutung und damit des Aktivitätsgrades. Sinnvoll ist eine
Fotodokumentation und Ausmessung.
Diese Untersuchungen sind unentbehrlich bei überwiegend oder ausschließlich tiefliegenden LHs. Auch
für eine Therapie-Kontrolle sowie zur Beantwortung der Frage, ob eine Behandlung überhaupt noch
erforderlich ist sind sonographische Kontrollen wichtig. Eine Histologie ist bei LHs nicht erforderlich.
Behandlungsbedürftig sind alle LHs im Gesichtsbereich („kosmetischer Notfall“): drohende
Sichtbehinderung im Augenbereich (Abb.2), schlechte Rückbildungstendenz im Lippenbereich
(Abb.3). Im Bereich der Nase
(„Cyrano-Nase“).
Abb.2)
(Abb.4) drohen durch Fetteinlagerung bleibende Nasendeformitäten
Abb.3)
Abb.4)
Therapie-Formen bei oberflächlichen LHs:
Die Behandlung therapiebedürftiger „lokalisierter Hämangiome“ ist relativ einfach.
In Frage kommen - je nach Tiefenausdehnung - die Kontaktkryotherapie (Eindringtiefe 3-(4)
mm) oder eine Lasertherapie mit gepulstem Farblaser (Eindringtiefe 2 mm). Entscheidend ist
ein möglichst frühzeitiger Therapiebeginn.
Die Kryotherapie therapiebedürftiger LHs hat sich seit vielen Jahren bewährt (2).
Es stehen hierfür heute sehr gut verträgliche auf elektrischem Wege betriebene
Behandlungsgeräte zur Verfügung welche mit -32° arbeiten (Ergomed der Firma Lotsch und
Kryocare der Firma gbo).
Damit lassen sich die meisten therapiebedürftigen, überwiegend oberflächlichen LHs behandeln (3).
Bewährt hat sich die lokale Applikation von Emla-Creme eine halbe bis eine Stunde vor der Behandlung
zur örtlichen Betäubung.
Abb.5a) vor Kryo
Abb.5b) nach 6 Wo
Abb.6a) vor Kryo
Abb.6b) nach 4 Wo
3
Eine Behandlung in kritischen Bereichen (Auge,Lippe,Nase) sollte erfahrenen Therapeuten vorbehalten
bleiben. Dies gilt auch für eine Anwendung von flüssigem Stickstoff (- 196°) (4) , da hier die Gefahr von
unerwünschten Nebenwirkungen wie Depigmentierungen, Ulzerationen, Narbenbildung größer ist als mit
-30° C.
LHs bei welchen das Wachstum bereits abgeschlossen ist – also in der Regel ab einem Alter von sechs
Monaten - bedürfen meist keiner Therapie mehr.
Ist das LH am Stamm-oder Extremitätenbereich lokalisiert, kann man in vielen Fällen beobachtend die
Spontanrückbildung abwarten (“see and wait“) (Ausnahme: ano-genital-Bereich wegen erhöhter
Ulzerationsgefahr).
Bei LHs im Fingerbereich können u.U. später Tastprobleme auftreten. Bei LHs im Brust– bzw.
Dekolleté-Bereich bei Mädchen ist wegen möglicher späterer kosmetischer Beeinträchtigungen ebenfalls
ehr zur Therapie zu raten. Behandelt werden sollten auch rasch wachsende LH.
Tiefliegende Hämangiome
Die wesentlich selteneren tiefliegende LHs können einen kleinen oberflächlichen Anteil haben (Abb.7)
oder - in seltenen Fällen - (Abb.8) auch ausschließlich tiefliegend sein, also ohne einen oberflächlichen
Anteil. Sie bilden sich zwar langsamer zurück als kleine oberflächliche LHs, hinterlassen aber andrerseits
auch keine sichtbaren Narben, sodass man meist die Spontanrückbildung abwarten kann. Dies gilt aber
nicht für verdrängende tiefliegende Hämangiome im Augenbereich, welche dringend einer Therapie
bedürfen (Abb.9)
Abb.7)
Abb. 8)
Abb.9)
A2 Segmentale Hämangiome (SH)
Die segmentalen Hämangiome gehören zu den „Problemhämangiomen“. Sie sind anfälliger für
Komplikationen. Dies gilt vor allem bei Sitz im Schädelbereich, wo mehr als die Hälfte aller SH
lokalisiert sind. Nach HAGGSTROM (1) lassen sie sich ganz oder teilweise einem bekannten
Entwicklungssegment zuordnen
Die Behandlung ist schwieriger und langwieriger, Assoziationen mit neurologischen, kardialen und
opthalmologischen Anomalien sind möglich.
Bei Geburt noch nicht oder kaum sichtbar, wachsen SH oft erschreckend rasch (Abb.10a,b). Im
Augenbereich (Abb.11) führen sie unbehandelt relativ rasch zur (funktionellen) Erblindung.
Abb.10a) (NG)
Abb. 10b) (5 Mo)
Abb.11)
4
Bei segmentalen Hämangiomen im Bereich von Kinn und Unterlippe (Abb. 12a) und im Hals-BrustBereich (Abb.12b) findet sich in über 50% aller Fälle gleichzeitig ein Hämangiom-Befall des oberen
Respirationstrakts und/oder der Subglottis. Dies kann dann zu einer lebensbedrohenden Atembehinderung
führen. Hinweisend ist ein inspiratorischer Stridor.
Abb.12a)
Abb12b)
Segmentale Hämangiome können in seltenen Fällen auch mit unterschiedlichen Fehlbildungen kombiniert
sein:
PHACE(S)-Syndrom
Beim PHACES-Syndrom (Abb. 13) findet man eine Malformation der Fossa posterior, segmentale
Hämangiome, Arterienanomalien (Aortenisthmusstenose) Augenfehlbildung (Eye) und eine
Sternumspalte.
Abb.13)
Beim PHACE-Syndrom (Abb.14) fehlt die Sternumspalte und es müssen auch nicht alle Symptome
vorhanden sein.
Abb.14) PHACE-Syndrom
5
PELVIS-Syndrom
Beim PELVIS-Syndrom (Abb. 15) finden sich neben den Hauterscheinungen im Gesäßbereich ebenfalls
zusätzlich Fehlbildungen: perineale Hämangiome, externe Genitalfehlbildungen, Lipomyelomeningocelen, vesicorenale Fehlbildungen, einen nicht perforirten Anus und Hautanhängsel.
Abb.15) PELVIS-Syndrom
Zur Therapie segmentaler Hämangiome:
Therapie segmentaler Hämangiome im Gesichtsbereich:
Die Behandlung von SHs im Gesichtsbereich erfolgte bis 2008 überwiegend mit Prednisolon mit all seinen
bekannten Nebenwirkungen, oft in Kombination mit einer aggressiven Laser-Therapie (ND.Yag-Laser).
Inzwischen hat sich gezeigt, dass Propranolol – ein Betablocker – hervorragend geeignet ist zur
Behandlung dieser Hämangiome (s. Propranolol-Therapie).
Bei segmentalen Hämangiomen im Stamm/Extremitätenbereich sollte die Frage einer TherapieNotwendigkeit vom Ausmaß und vom Verlauf abhängig gemacht werden.
A3 Nicht determinierte Hämangiome
Als nicht determinierte Hämangiome werden solche Hämangiome bezeichnet, welche weder lokalisiert
sind (also nicht von einem zentralen Fokus ausgehend) noch, etwa wegen zu geringer Ausdehnung,
segmental sind.. (Abb. 16-18). Auch bei ihnen kann es zu spontanen Ulzerationen kommen. (Abb. 18).
Die Therapie folgt weitgehend dem Vorgehen bei segmentalen Hämangiomen.
Abb.16)
Abb.17)
Abb.18)
6
A4 Abortive Formen
In diese Gruppe gehören Hämangiome welche von vornherein wenig auffällig erscheinen und im
weiteren Verlauf keine wesentliche Wachstumstendenz zeigen und daher in der Regel auch keiner
Therapie bedürfen – wohl aber einer kritischen Überwachung.
Zu dieser Gruppe gehört ein Großteil der „Hämangiom-Vorläufer“, der sogenannten „weißen
Hämangiome“ (Abb. 19), sowie die meisten teleangiektatischen Hämangiome (Abb. 20,21).
Abb.19) (NG)
Abb. 20)
Abb. 21)
B) Sonstige vaskuläre Tumoren
B1 Hämangiome mit bereits bei Geburt abgeschlossener Entwicklung
Diese seltenen Hämangiome sind bereits bei Geburt voll entwickelt und zeigen danach kein weiteres
Wachstum mehr. Es existieren zwei Formen, die sich im weiteren Verlauf voneinander unterscheiden
lassen.
B1a) mit guter Spontanrückbildung (RICH=Rapid Involuting Congenital Hemangioma).
Diese bei Geburt bereits voll entwickelten, tumorartig aussehenden Hämangiome sind häufig von einem
weißen Randsaum umgeben, sie bilden sich im Verlauf von ein bis zwei Jahren spontan zurück und
bedürfen keiner Behandlung. (Abb. 21a,b; Abb. 22a,b,c; Abb.23-26). Sie sollten aber kritisch überwacht
werden, um nicht seltene maligne Tumoren zu übersehen. Vereinzelt wurden im Rückbildungsstadium
auch Ulzerationen beobachtet (Abb. 24).
Abb. 21a) 5. Lebenstag
Abb. 22a) 5. Lebenstag
Abb. 21b) 2 ½ J
Abb. 22b)
Abb.22c) 2 ½ J
7
Abb. 23) 3. Lebenstag
Abb.25) 4 Monate
Abb. 24) Wochen
Abb.26) 1 Jahr
B1b Ohne Spontanrückbildung (NICH=Non Involuting Congenital Hemangioma).
Diese sehr seltenen Hämangiome sind ebenfalls bei Geburt bereits voll entwickelt, zeigen aber im
weiteren Verlauf keinerlei Rückbildung. Sie weisen ebenfalls oft einen charakteristischen weißen
Randsaum auf. (Abb. 27a,b). Sie werden chirurgisch entfernt, wenn die Patienten etwa zwei Jahre alt
sind.
Abb.27a) 4 Wochen
Abb.27b) 2 Jahre
8
B2 VTs mit histologischen Besonderheiten
Die Häufigkeit des Auftretens liegt hier unter einem Prozent. Die Diagnose ist bei all diesen Formen nur
histologisch zu stellen.
B2a Tufted Angioma
Diese Hämangiome können unauffällig klein (Abb. 28,29), aber auch ausgedehnt und mit einer
disseminierten intravasalen Koagulopathie (Kasabach-Merritt-Phänomen) verknüft sein (Abb. 30a,b).
Therapeutisch ist ein Versuch mit Prednisolon anzuraten. Erfahrungen mit Propranolol liegen bisher nicht
vor.
Abb. 28)
Abb.30a)
Abb. 29)
Abb.30b)
B2b Kaposiformes Hämangio-Endotheliom
Es finden sich meist schon bei Geburt vorhandene tumorartige Veränderungen (Abb.31a,b), häufig
kombiniert mit einem KASABACH-MERRITT- Phaenomen.
Behandelt wurden bisher diese VT mit Prednisolon oder Vincristin., unter Umständen aber auch operativ.
Erfahrungen mit Propranolol liegen bisher nicht vor.
Abb.31a)
Abb31b)
9
B2c Spindelzell-Hämangio-Endotheliom
Es handelt sich um seltene Gefäßtumoren, welche meist im frühen Erwachsenenalter, gelegentlich aber
auch im Kindesalter vorkommen (Abb. 32a,b,c). Hauptsächliche Lokalisation ist der Extremitätenbereich
an den Endphalangen-vor allem an den Händen. Nach scheinbarer Rückbildung sprießen die Tumoren an
unterschiedlichen Stellen erneut hervor. Möglicherweise handelt es sich um die Kombination einer
Gefäßfehlbildung mit einem Hämangiom. Diese Gefäß- Tumoren sollten operativ entfernt werden.
Abb.32a)
Abb.32b)
Abb.32c)
B3 Hämangiomatosen
B3a. Benigne neonatale Hämangiomatose
Die multiplen kleinen perlartigen Hämangiome, welche teils schon bei Geburt vorhanden sind oder sich
in den ersten Lebenstagen entwickeln (Abb.33a,b) erinnern im Aussehen an eruptive Hämangiome. Sie
zeigen eine gute Rückbildungstendenz und bedürfen in der Regel keiner Therapie.
Prinzipiell sollte hier aber das Abdomen sonographiert werden, um eine prognostisch zweifelhafte
disseminierte Hämangiomatose ausschließen zu können.. Die Prognose ist gut. Meist bilden sich die
Erscheinungen spontan zurück.
Abb.33a)
Abb.33b)
B3b. Disseminierte neonatale Hämangiomatose
Auch hier finden sich multiple Hämangiome, gelegentlich sehr flach erscheinend. (Abb.34)
Die abdominal-Sonographie zeigt eine viszerale Beteiligung, vorwiegend von Leber, Pankreas oder Milz.
Am häufigsten ist die Leberbeteiligung. Diese kann zu Anämie, High-output-Herzversagen und
Thrombozytopenie (KASABACH-MERRITT-Phänomen) führen.
Es gibt sehr selten auch Fälle generalisierter Hämangiomatosen mit Leber-, aber ohne Hautbeteiligung
(Abb. 35)
Die Prognose dieser Erkrankung war bisher sehr schlecht, die Letalität lag bei etwa 40%.
Uns sind aber inzwischen mündlich neun Fallberichte über ein gutes bis sehr gutes Ansprechen auf
Propranolol bekannt. (Prof. Rössler, Uni-Kinderklinik Freiburg).
Abb.34)
Abb.35)
10
Hämangiome sind keine seltene Störungen: Die Häufigkeit im Kindesalter wird mit ca. 3%
angegeben. Bei 673 000 Geburten im Jahre 2006 (statistisches Bundesamt) ergibt dies ca.
20000 Hämangiome / Jahr. (Bei Frühgeborenen gehen die Schätzungen bis zu 10%).
Davon sind ca. 95% „lokalisierte Hämangiome“ – also ca. 19000/Jahr, davon etwa die Hälfte in
„Therapie-bedürftigen Bereichen“.
Bei ca. 3% (also ca. 600/Jahr) handelt es sich um „segmentale Hämangiome“, deren Behandlung
vor der Propranolol-Ära erhebliche Probleme bereitete.
Eigentlich sollte jede größere Kinderklinik – vor allem aber jede Kinderklinik mit einer größeren
Frühgeborenen-Abteilung – über eine Behandlungsmöglichkeit zur Frühtherapie verfügen. Nur
so lassen sich unnötige Verzögerungen und auch unnötige Kosten als Folge einer verspäteten
Therapie vermeiden.
11
Propranolol,
ein Meilenschritt in der Behandlung von „Problem-Hämangiomen“
Im Juni 2008 Jahres erhielt Cremer über Frau Dr. Weibel (Universitätskliniken Zürich) per Mail
eine Mitteilung aus Frankreich über die Zufallsentdeckung einer Arbeitsgruppe aus Bordeaux,
in welcher über absolut faszinierende Behandlungserfolge mit dem ß-2-Blocker Propranolol
bei problematischen Hämangiomen berichtet wurde.
(New England Journal of Medicine (NEJM) 2008; 358:24 2649-51)
Hier Bilder, zitiert aus dieser Arbeit:
(Alter 9 Wochen)
Auge völlig verschlossen
Seit 4 Wochen
mit Prednisolon behandelt.
Alter 10 Wochen)
Wegen Entwicklung einer
obstruktiven Kardiomyopathie
erhielt das Kind zusätzlich
Propranolol 2 mg/kg.
Nach wenigen Tagen konnte das
Auge wieder geöffnet werden
(Alter 9 Monate)
Propranololbehandlung
beendet
Diese Zufallsbeobachtung veranlasste diese Arbeitsgruppe, in der Folge Propranolol als
Monotherapie bei 11 weiteren Kindern mit ausgedehnten Hämangiomen einzusetzen
(2-3 mg/kg/Tag über mehrere Monate) mit vergleichbar guten Ergebnissen
Propranolol - ein Beta-Blocker - wird seit über 40 Jahren in der Kinder-Kardiologie für die Behandlung
von Kardiomyopathien verwendet. Nach den uns schriftlich vorliegenden Aussagen von Leitern der 5
größten Kinderkardiologischen Zentren in Deutschland ist bei Einhaltung einer Dosierung von 2 mg/kg –
verteilt auf 3 Gaben – nicht mit ernstlichen Nebenwirkungen zu rechnen. Empfohlen wurde aber bei
diesem Präparat zu bleiben und nicht auf neuere Weiterentwicklungen zurückzugreifen, da über diese noch
keine Erfahrungen vorliegen.
12
Therapie-Beispiele für eine Propranololbehandlung
(Aus der SLK. Kinderklinik HN/ Prof. W. Kachel)
Abb. 36a) vor Therapie
Abb 37a) vor Therapie
Abb.38a) vor Therapie
Abb.36b) nach 2 Mo Propranolol
Abb.37b) nach 3 1/2 Mo Propranolol
Abb.38b) nach 5 Mo Propranolol
13
Abb. 39a) vor Therapie
Abb. 40a) vor Therapie
Abb. 41a) (6 Mo) vor Therapie
Abb.39b) nach 7 Mo Propranolol
Abb.40b) nach 4 Mo Propranolol
Abb.41b) nach 5 Mo Propranolol
14
Abb. 42a) (1 Mo) vor Therapie
Abb. 43a) vor Therapie Abb.43b) nach 3 Mo
Abb. 45a) vor Therapie
Abb. 46a) vor Therapie
Abb.42b) nach 4 Mo Propranolol
Abb.44a) vor Th.
Abb.44b) nach 3 Mo Propr .
Abb.45b) nach 8 Mo Propranolol
Abb.46b) nach 4Mo
15
Abb. 47a) vor Therapie
Abb.47b) nach 4Mo. Propr.
Abb. 48a) vor Therapie
Abb.48b) nach 4Mo Propr.
Abb. 49a) vor Therapie
Abb.49b) nach 4Mo. Propranolol.
16
Abb. 50a) vor Therapie
Abb. 51a) vor Therapie
Abb. 52a) vor Therapie
Abb.50b) nach 4 Mo
Abb.51b) nach 9 Mo. Propranolol
Abb.52b) nach 9 Mo. Propranolol
17
Abb. 53a) vor Therapie
Abb. 54a) vor Therapie
Abb.53b) nach 4Mo. Propranolol
Abb.54b) nach 8Mo. Propranolol
Diese Therapie hat inzwischen weltweit Beachtung gefunden. In der SLK-Kinderklinik Heilbronn wurden
bisher über 330 Problem-Hämangiome mit hervorragendem Erfolg mit Propranolol behandelt (6,7,8),.
Dabei sind bestimmte Einschlußkriterien und Ausschlußkriterien zu beachten:
.
Einschlußkriterien
Früh-und Neugeborene ab einem Reifealter von 33 Schwangerschaftswochen mit:
1. therapiebedürftigen LH welche weder mittels Kryotherapie noch gepulstem Farblaser behandelbar sind.
2. segmentalen und nicht determinierten Hämangiomen im Gesichtsbereich
3. ausgedehnten segmentalen Hämangiomen im Stamm-und Extremitätenbereich
4. verdrängende tiefliegende Hämangiome im Augenbereich
5. disseminierte Hämangiomatosen.
Ausschlusskriterien:
1.Extreme Unreife (<32.Schwangerschaftswoche)
2.angeborene Herzfehler mit Kontraindikation einer Betablocker-Therapie
3.Herzrhythmusstörungen mit Kontraindikation einer Betablocker-Therapie
4.obstruktive Bronchitis
5.gestörte Blutzuckerregulation
6. therapiebedürftige LH die kryotherapeutisch oder mit Hilfe gepulster Farblaser behandelbar wären.
Vorgehen:
Therapiebedürftige Kinder werden zur Therapieeinleitung stationär aufgenommen und kardiologisch
untersucht. Beginn mit Propranolol 1mg/kgKG verteilt auf 3 ED für die ersten 3 Gaben, bei guter
Verträglichkeit Steigerung auf 2mg/kg/KG in 3 ED als endgültige Dosierung für 6 (-10) Monate.
Monitorüberwachung. RR-Kontrolle vor und 1 Stunde nach Medikamentengabe.
Vor Therapiebeginn EKG und Echokardiographie, Sonographie des Hämangioms.
Fotodokumentation vor Therapiebeginn und vor Entlassung. Dokumentierte Aufklärung der Eltern
(Off-Label-Use). Entlassung am 3.Tag. Ambulante Kontrollen nach 1, 4, 8 und 16 Wochen.
18
.
Wie wirkt Propranolol:
Erstaunlich ist eine immer wieder beobachte ungewöhnlich rasche Besserung bereits während der ersten
Tage. Der Therapeutische Mechanismus ist letztlich noch unklar.
Vermutet werden:
- Vasokonstriktion: Verminderung des Blutflusses, daraus folgende Farbänderung und Veränderung des
Tastbefundes (das Hämangiom wird weicher).
- Eine verminderte Genexpression von VEGF und bFGF, dadurch zunehmende Regression des
Hämangioms.
- Triggerung der Apoptose der Endothelzellen.
Der Erfolg einer Propranolol-Behandlung behandlungsbedürftiger Hämangiome ist – wie fast immer –
auch abhängig von einem möglichst frühzeitigen Therapiebeginn.
Die Dauer der Behandlung ist verlaufsabhängig. Das Absetzen sollte ausschleichend erfolgen.
Vereinzelt wurde nach zu frühem Absetzen ein erneutes Wachstum beobachtet. Wir empfehlen eine
Mindestdauer von 6-10 Monaten. Letztlich müssen aber noch Erfahrungen gesammelt werden.
Ausblick:
Propranolol wird in Zukunft Prednisolon bei der Behandlung von Problemhämangiomen
vollkommen ersetzen.
Propranolol wird künftig die Indikation für eine nur in Narkose durchführbare aggressive
Laserbehandlung (z.B. Nd:YAG) bei Problem-Hämangiomen dahingehend ändern, dass die
Erstbehandlung mit Propranolol erfolgen sollte und nach „Ausreizung“ der Propranololbehandlung
(nach 6-10 Monaten) bei Bedarf verbleibende Restbefunde zusätzlich gelasert werden.
Literatur:
1. Haggstrom A.N.; E.J. Lammer; R.A. Schneider; I. Frieden et al .
Patterns of Infantile Hemangiomas: New Clues to Hemangioma Pathogenesis and
Embryonic Facial Development. Pediatrics 117, Nr 3, 698-703 (2006)
2 Cremer H (1998) Cryosurgery for hemangiomas. Pediatric Dermatol 15:410-411
3 Bause H; Kryotherapie lokalisierter Hämangiome. Neues Verfahren mit PeltierElementen (-32°). Erfahrungsbericht. Monatsschr. Kinderheilk. 2004; 152:16-22
4 Djawari D (2006) Aktuelles in der Frühtherapie der Säuglingshämangiome. Akt Dermatol
32:418-420
5. Léauté-Labrèze C, Dumas de la Roque E, Hubiche T et al(2008) Propranolol for severe
hemangiomas of infancy. N Engl J <med 358<<.2649-2651
6 Cremer Hj Kosel Ch (2008) Hämangiome (vaskuläre Tumoren) – neue Klassifikation.
Kinder- und Jugendarzt 39. Jg Nr 9,S. 623 ff.
7. Cremer Hj. Kachel W. Kosel Chr. Propranolol in der Behandlung problematischer
Hämangiome; Kinder- und Jugendarzt 40. Jg (2009) Nr. 7
8 H. Löffler; C.Kosel; H. Cremer; W. Kachel. Die Propranolol-Therapie in der Behandlung
problematischer Hämangiome. Hautarzt 12 (2009).60:1013-1016
Anschrift der Autoren:
Prof. Dr. med. Hansjörg Cremer, 74074 Heilbronn, Dittmarstr. 54
Frau Dr. med. Heike Bause, FÄfKHK, 64720 Michelstadt, Stadtring 254
Frau Dr.med. Christina Mangold, FÄfKHK, 60598 Frankfurt, Mörfelder Landstr. 45
Frau Dr. med. Silke Elsesser-Glaab, FÄfKHK, 21493 Schwarzenbek, Dr.-Gustav-Frank-Str. 2f
Dr. med. Markus Schneider, SLK-Kinderklinik 74078 Heilbronn, am Gesundbrunnen 20-26
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Gesundheitswesen
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