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... und was war davor? - Geschichte Maisach

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Folgen Sie uns auf einer Zeitreise durch die
älteste – ungeschriebene – Geschichte unserer
Heimat.
Süddeutsche Kulturen
Andere Kulturen
Endneolithikum
2800 – 2200 v. Ch.
Bau der Cheops-Pyramide um 2700
Frühbronzezeit
2200 – 1600 v. Ch.
Schachtgräber Mykene, Agamemnon
Linear-B-Schrift
Mittelbronzezeit
1600 – 1400 v. Ch.
Palast von Knossos auf Kreta
Erste Glasverarbeitung in Ägypten
Spätbronzezeit
1400 – 1200 v. Ch.
- 1350 Tut-ench-Amun
1304-1237 Ramses II.
1376-1367 Echnaton
Urnenfelderkultur
1200 – 750 v. Ch.
1193 Trojanischer Krieg
um 1000 König David von Israel
Hallstattzeit
750 – 500 v. Ch.
736 - 1. Olympiade, 750 Homer
753 Gründung Roms
Laténezeit
500 – 15 v. Ch.
356 – 323 Alexander der Große
Kelten in Europa
Erstes Geld in Mitteleuropa
Römerzeit
15 v. Ch. – 350
63 v.Ch. – 14 n. Ch. Kaiser Augustus
Spätantike
350 – 500
451 – 525 Theoderich d. Große
Frühmittelalter
500 – 850
748 – 814 Karl der Große,
741 – 796 Herzog Tassilo III.
Die Geologie des Landkreises Fürstenfeldbruck:
Mit der ausgehenden
Würmeiszeit bilden
sich – von den
Schmelzwässern der
Gletscher – am Rande
und zwischen den
Moränenzungen und
den Schotterebenen
Flusstäler und kleine
Seen.
Jungsteinzeit (ca. 5500 – 2000 v.Ch.)
In Bayern setzt die Jungsteinzeit,
die Epoche der ersten Sesshaften,
etwa um 5500 v. Chr. ein. Diese
in festen Dörfern lebenden Ackerbauern und Viehzüchter ließen
Rekonstruktion eines bandkeramischen
sich jedoch nicht im gesamten
Langhauses
bayerischen Raum nieder. Es
wurden vielmehr von ihnen zunächst nur die Lößlandschaften in der Nachbarschaft der großen Flüsse
aufgesucht, hauptsächlich im niederbayrischen Gäuboden
und im Unterlauf der Isar bis etwa in Höhe von Freising.
Diese ersten Bauern werden Bandkeramiker, nach deren
typischen Verzierungsart ihrer Gefäße, genannt.
Jungsteinzeit (ca. 5500 – 2000 v.Ch.)
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Mehrere Geräte aus Silex (Feuerstein) wie Sicheleinsätze, Rückenmesserchen und Pfeilspitzen aus dem Spät- und Endneolithikum, bzw.
aus der Frühbronzezeit belegen Siedlungen um Maisach.
Malching
Lindach
Prack
Rottbach
Endneolithikum 2800 –2200 v. Ch.
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In der ausgehenden Jungsteinzeit gab
es in Süddeutschland zwei
unterschiedliche Kulturen, die fast
gleichzeitig nebeneinander lebten: die
Glockenbecher-Kultur und die
Schnurkeramiker. Beide Kulturen sind
benannt nach der charakteristischen
Formgebung ihrer Keramik. Trotz
vieler Gemeinsamkeiten gab es neben
anthropologischen Unterschieden
einige signifikante Unterschiede im
Grabbrauch und den Grabbeigaben.
Beide Kulturen sind im Landkreis – oft
in unmittelbarer Nachbarschaft –
nachweisbar.
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Die „Schnurkeramiker“ bestatteten ihre Toten unter Grabhügeln,
meist in Einzelgräbern in Hockerstellung: Die Frauen auf der linken,
die Männer auf der rechten Körperseite,
meist West-Ost ausgerichtet. Zur Grabausstattung gehören ein amphorenartiger
Becher, ein weiterer verzierter Becher
und eine steinerne Streitaxt.
Die „Glockenbecher-Leute“ bestatteten ihre
Toten in Flachgräbern, ebenfalls als „Hocker“
nur mit dem Unterschied daß die Frauen auf
der rechten, die Männer auf der linken Seite
lagen und die meisten Gräber Nord-Süd ausgerichtet - das Gesicht der aufgehenden
Sonne zugewandt. Zu den Grabbeigaben
zählen an Waffen: Dolche, Armschutzplatten
und Pfeile. Daneben sind Eberzahnknebel, Beinknöpfe sowie meist
mehrere Keramik-Gefäße, darunter der namengebende
Glockenbecher enthalten. Bei beiden Kulturen finden sich auch
schon vereinzelt erste Metalle: Kupfer und Gold.
Frühbronzezeit 2200 – 1600 v. Ch.
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Ein neuer Werkstoff wurde namengebend für die Epoche
von ca. 2200 v. Chr. bis ca. 750 v. Chr.: die Bronze. Da
Rohstoffe wie Kupfer und Zinn, aus denen die Bronze
hergestellt wurde, nicht in allen Gegenden vorhanden
waren, musste es zu einer Güterverteilung gekommen
sein, die nur durch Überschussproduktion und Tausch
vonstatten gehen konnte.
Mit dem planmäßigen Erzabbau insbesondere im Tiroler
Inntal dürfte sich auch ein Wandel in der Gesellschaft
vollzogen haben. Erste Kupfergegenstände tauchen zwar
schon im Neolithikum auf, doch setzen sich Geräte die
aus Bronze hergestellt sind im größeren Umfang erst in
der jüngeren Frühbronzezeit durch.
Frühbronzezeit 2200 – 1600 v. Ch.
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Drei frühbronzezeitliche Gräber
kamen beim Flugplatzbau
(1935)zum Vorschein:
Grab 1: Ost-west-orientiertes
Hockergrab mit dem Skelett eines
etwa 12 – 14 Jahre alten Kindes;
Beigaben: 2 Bronzedrahtringe
Grab 2: Ost-west-orientiertes
Hockergrab eines Erwachsenen,
ohne Beigaben;
Grab 3: Ost-west-orientiertes
Hockergrab eines Erwachsenen;
Beigabe: Überreste einer sog.
Schlitzschüssel.
Frühbronzezeit 2200 – 1600 v. Ch.
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Zwei weitere Gräber im Flugplatzgelände
südwestlich von Gernlinden (1976) mit reicher
Ausstattung aus der Zeit um 1800 v. Ch.:
Grab 1: Skelett einer etwa 30-jährigen Frau mit
Kupferdolch, Bronzeröhrchen und einem
Rinderzahn.
Grab 2: mit der Bestattung einer etwa 30jährigen Frau und einem etwa 7-jährigen Kind.
Beigabe der Frau: Kugelkopfnadel, Knochenring;
Beigabe des Kindes: Golddrahtring, Kugelkopfnadel, Rinderzahn.
Die anthropologische Auswertung der Skelette
spricht für eine „Glockenbecher-Kontinuität“ der
hier Bestatteten.
Frühbronzezeit 2200- 1600 v. Ch.
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Beim Bau der Südumgehung
Gernlinden 2001 kamen allein
18 Gräber aus der
Frühbronzezeit zum Vorschein.
Befund 1035 Hockergrab Beigaben
Befund 1073 Hockergrab
Frühbronzezeit 2200- 1600 v. Ch.
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Ein 2001 ergrabenes Grab verdient besonders vorgestellt zu werden: bei diesem Grab (Befund 1087)
handelt es sich um die Bestattung einer alten Frau,
aus einer frühen Phase der Frühbronzezeit (1800 v.
Ch.).
Neben einer Ruderkopfnadel und einem Bronzepfriem
– die als Leitfunde dieser Zeit gelten – kamen mehrere
Beinknöpfe zum Vorschein. Die Bestattete trug einen
Umhang, der an der Vorderseite und auf beiden Seiten
mit Beinscheiben und Beinknöpfen verziert war. Um
den Hals war eine mehrlagige Kette aus kleinen
Schneckenhäuschen gewunden, dazu im Brustbereich
eine weitere Kette aus Beinscheiben und einem
Bronzespiralröhrchen. Auch waren Spuren von Holz
erkennbar, so dass noch zusätzlich mit Holzgegenständen gerechnet werden muß.
Die gesamte Ausstattung weist auf eine außergewöhnliche Stellung der Bestatteten hin. Möglicherweise war
diese eine Priesterin (Mauritz Thannabauer).
Mittelbronzezeit 1600 – 1400 v. Ch.
Spätbronzezeit 1400 – 1200 v. Ch.
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Auch aus der Mittelbronzezeit finden sich im Gemeindegebiet von
Maisach mehrere Fundstellen. Bei der Grabung „Südumgehung
Gernlinden“ kamen neben den frühbronzezeitlichen Gräbern, auch Gräber
und Siedlungsreste der Mittelbronzezeit zum Vorschein. Bereits 1930 sind
auch einige Brandgräber aus dieser Zeit geborgen worden.
Beim Bau des Golfplatzes in Rottbach kam eine umfangreiche
bronzezeitliche Siedlung
zum Vorschein, die jedoch
nur zu einem kleinen Teil
durch eine Notbergung
erfasst wurde.
1957 wurde bei Malching
eine Wandscherbe eines
großen Gefäßes aus der
Bronzezeit gefunden.
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Die große Anzahl von Gräbern, Funden und Siedlungsbefunden aus der
Bronzezeit, deutet auf auf einen Siedlungsschwerpunkt in der Gegend
um Maisach/Gernlinden hin.
Die Lage der Siedlungen in und um Gernlinden waren mit Bedacht
gewählt. Sie lagen auf einer überschwemmungsfreien Hochebene im
Zwickel zwischen Amper und Maisach am Nordrand der Schotterebene.
Somit hatten die Menschen Zugang zum tertiären Hügelland im Norden
mit seinen fruchtbaren Lehmböden und zu dem Auwald und den
Sumpfregionen entlang der Flüsse. Oft wurden Siedlungen in Regionen
angelegt, die Zugang zu
zwei oder mehr Biosphären
hatten. Dadurch wurde
die Lebensgrundlage auf
eine breitere Basis gestellt.
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Dazu kommt noch, dass hier ein uralter Weg verlief. Eine seit dem
Endneolithikum bestehende Ost-West-Verbindung von der Amper bei
Esting über Gernlinden, Maisach, Malching, Mammendorf, Haspelmoor,
Althegnenberg zum Lech ist erkennbar.
Urnenfelderkultur 1200 – 750 v. Ch.
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Auch in der auf die Bronzezeit folgenden Urnenfelderkultur erweist sich
die Gegend um Maisach wiederum als äußerst begehrter
Siedlungsraum. In den Jahren 1928 - 30 wurde einer der größten
Urnenfelder-Friedhöfe Bayerns mit 185 Bestattungen in Gernlinden
ausgegraben.
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Zahlreiche Funde – große Keramikurnen und im Feuer verbrannte
Bronzebeigaben – sind von diesen Grabungen erhalten.
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Der interessanteste Teil des Berichts ist jedoch die Erwähnung von
„... sieben, in ihrer gestreckten Länge etwas über 2 Schuh (= 60 cm)
betragende eiserne Reife; sie sind in Gestalt eines halben Zirkels
gebogen, und inwendig mit eisernen, ... Nägeln versehen, um welches
sich noch sehr verfaultes, und mürbes Holz vorfand ...“.
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Was die damaligen Ausgräber noch nicht wussten, kann heute mit
Sicherheit erkannt werden: sie hatten ein hallstattzeitliches Wagengrab
ausgegraben. Solche reich ausgestatteten Wagengräber waren nur den
damaligen „Fürsten“ vorbehalten. Etwas mehr als ein gutes Duzend sind
bisher in Bayern entdeckt worden.
Wagengrab von Wehringen
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1873 grub der Brucker Gerichtsschreiber Franz Seraph Hartmann
weitere 7 Grabhügel im Umfeld des „Leberbergs“ aus, wovon noch
einige Funde vorhanden sind.
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Von 2000 bis 2002 fanden im Bereich des Gewerbegebiets an der
Frauenstraße in Maisach umfangreiche Grabungen statt. Es wurde
eine großes Dorf aus der Hallstattzeit mit insgesamt 55
Hausgrundrissen und 12 Brunnen aufgedeckt. Die Siedlung war über
die erstaunlich lange Dauer von ca. 200 Jahren belegt und erst um
500 v.Ch. aufgelassen.
Sämtliche Gebäude wurden in Holz-Ständer-Bauweise errichtet.
Einige davon hatten eine Grundfläche von bis zu 120 qm. Neben der
Mehrzahl der typischen Hallstatt-Häuser, trat ein völlig neuer Haustyp
zu Tage: Häuser mit einer Veranda an der Giebelseite im Süden.
Die Funde beschränkten sich hauptsächlich auf Keramikscherben
und Tierknochen und nur wenige Gegenstände aus Eisen. Die
meisten Tierknochen ließen sich Haustierrassen zuordnen, dabei war
das Schwein am stärksten vertreten. Das einzige häufiger
vorkommende Wildtier war der Hirsch.
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Der Grabungsplan des hallstattzeitlichen Dorfes
an der Frauenstraße in Maisach mit 55 Gebäuden.
Hausmodell Siedlung Frauenstraße Maisach (Modell: H.P. Volpert)
Laténezeit 500 – 15 v. Ch.
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Die Ausweisung eines Gewerbegebiets auf einer 3 ha großen Fläche
veranlasste 2004 eine umfangreiche Grabung in Gernlinden,
Ganghoferstraße. Es kamen Siedlungsspuren aus der Hallstattzeit und
ein spätantikes Gräberfeld (dazu später) zum Vorschein.
Den größten Bereich bedeckte eine Siedlung der Laténezeit mit mehr
als 67 Hausgrundrissen. Die meisten dieser Gebäudestrukturen waren
die für die Zeit typischen einfachen 6-Pfostenbauten, dazu 4-Pfosten
Speicherbauten und nur wenige größere Gebäude. Das größte von
ihnen hatte eine Länge von 18 m und eine Breite von 5,3 m. Der
Grundriß ergab sich durch 12 tief eingegrabene Pfosten, die eine
sechsjochige Halle formten.
Zudem wurden 21 Brunnen entdeckt, die jedoch nicht alle gleichzeitig in
Benützung waren.
In einigen Pfosten fiel eine hohe Konzentration von verziegeltem Lehm
auf, die auf eine Zerstörung der Gebäude durch Feuer hinweisen.
Außerdem ließ sich dabei feststellen, dass die verwendeten Balken
rechteckig oder quadratisch behauen waren.
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Neben den üblichen Gebäuden des Dorfes lag inmitten einer
Freifläche, etwas abgerückt, ein quadratischer 4-Pfostenbau mit einer
Grundfläche von 3,8 x 4,3 m. Zwei vorgelagerte Pfosten deuten auf
einen Eingang von Süden hin. Dieser ausgefallene Gebäudetyp könnte
als „Temenos“ angesprochen werden. Ob es sich hier tatsächlich um
ein „Tempelchen“ handelt, muß noch die wissenschaftliche
Auswertung erbringen.
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In unmittelbarer Nähe der Grabung von 2004 in
Gernlinden kamen bei einem Hausbau bereits 1990 aus
einem Grab drei hochwertige Funde aus der Laténezeit
zum Vorschein: Ein Bronzeschwert mit Scheide, ein
Fragment einer Schwertkette und eine Lanzenspitze. Die
Funde werden in die Zeit um 300 v. Ch. datiert.
Römerzeit 15 v. Ch. – 350
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Im Sommer 15 vor Chr. besetzten die Römer das
Gebiet nördlich der Alpen und errichteten ihr erstes
Militärlager im heutigen Augsburg-Oberhausen.
Die Römer hatten ein leichtes Spiel, da das Land
zu dieser Zeit bereits zum Großteil von den dort
lebenden keltischen Völkern verlassen war.
Römerzeit 15 v. Ch. – 350
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Eine der ersten Aufgaben der neuen Herren war die
Anlage von Straßen. In der Mitte des ersten Jahrhunderts
bauten die Römer die heute "Via Julia" benannte Straße
von Augusta Vindelicum (Augsburg) nach Juvavum
(Salzburg).
Sie führte von Augsburg kommend zum Straßenübergang
"Ambrae" – dem heutigen Schöngeising – um von dort
über Gauting und Grünwald in Richtung Salzburg weiter
zu ziehen.
Römerzeit 15 v. Ch. – 350
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Zur Versorgung der Provinzhauptstadt AUGUSTA
VINDELICUM (Augsburg) wurden entlang der Straße
und im Hinterland zahlreiche große Bauernhöfe – sog.
„villae rusticae“ – errichtet. Bisher sind im Landkreis 18
solcher Bauernhöfe entdeckt worden; einer davon liegt
auf dem Gemeindegebiet von Maisach.
Römerzeit 15 v. Ch. – 350
Römischer Gutshof bei Lindach
Römerzeit 15 v. Ch. – 350
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Dieser durch die Luftbildarchäologie entdeckte
römische Bauernhof, verrät uns einiges über die
geschichtliche Entwicklung unserer Region in den
ersten vier nachchristlichen Jahrhunderten.
Und außerdem kann etwas über den
Lebensalltag der Besitzer ausgesagt werden.
Da bisher keine Grabung dort stattfand, sind wir
auf die Erkenntnisse der Luftbildarchäologie und
Lesefunde angewiesen.
Römerzeit 15 v. Ch. – 350
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Eine der wichtigsten Quellen zur Geschichte der Anlage
sind die zahlreich gefundenen Münzen. Sie geben am
zuverlässigsten Auskunft über die Dauer der Belegung
dieses Ortes.
Einige wenige Münzen sind aus der Zeit von 69 – 96
vorhanden, also der Zeit der ersten ersten Ausbauphase
RAETIENS.
Aus den Luftbildern ist erkennbar, dass der Bauernhof in
der Frühphase aus Holz erbaut war. Dies deckt sich mit
der frühen Münzreihe des 1. Jahrhunderts. Seltsamer
Weise endet diese noch vor den Zerstörungen der
Markomannenkriege in den Jahren von 165 – 182.
Römerzeit 15 v. Ch. – 350
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Das Gros der Münzen stammt aus der Zeit von
259 – 348. Daraus ist erkennbar, dass der Ort in
den Krisenzeiten der Allamanneneinfälle von 233
bis etwa 260 nicht bewohnt war.
Erst mit der Konsolidierung und
dem Wiederaufbau der nordalpinen Provinzen unter Kaiser
Probus (276 – 282) beginnt unser
Lindacher Hof wieder aufzublühen.
Mehrere Aus- und Umbauten sind erkennbar.
Römerzeit 15 v. Ch. – 350
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Zahlreiche Funde der römischen
Villa von Lindach geben uns
Aufschluß über die Ausstattung
des Gutshofes:
Der Hausschlüssel;
Mehrfarbig bemalte Putzreste
und Scherben von Terrasigillata-Gefäßen zeugen von
einer luxuriösen Ausstattung;
Dachziegelscherben mit Spuren
eines Hundes und eines
Ferkels;
Scherbe mit Sgrafitto „OSTV“
das ergänzt den Besitzer der
Schale als POSTUMUS
erkennen lässt.
Römerzeit 15 v. Ch. – 350
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Wer waren die Besitzer der römischen
Gutshöfe? Ein Teil kam aus der der
Augsburger Provinzaristokratie. Einer
ist uns von einem Grabstein –
gefunden 1974 in der Kirche von
Aufkirchen – bekannt: Paternus
Lepidus.
Der Grabstein wurde errichtet für
Catullinus, actor (Gutshofaufseher)
des Paternius Lepidus (Gutsbesitzer),
gesetzt von seinem Mitsklaven
Basileus.
Römerzeit 15 v. Ch. – 350
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Doch nicht nur vom Gutshof von
Lindach sind Funde aus der
Römerzeit aus dem
Gemeindegebiet Maisachs bekannt:
1946 fand der Bauer Xaver
Walleshauser aus Malching auf
einen seiner Äcker die zwei Teile
einer vollständigen Handmühle wie
sie in jedem römischen Haushalt
verwendet wurde (sie ist auch heute
noch funktionsfähig).
Spätantike 350 – 500
Um 352, als erneut germanische Völker das – durch
Bürgerkriege geschwächte Imperium –
bedrängen, erlischt auch das Leben auf dem
Lindacher Hof. Im offenen Land gibt es keine
Höfe und Siedlungen mehr – nur noch einige
befestigte Höhensiedlungen können sich
behaupten.
Und dennoch müssen im Umfeld dieses Gutshofes
noch Menschen gelebt haben.
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Bei der vorhin schon erwähnten Grabung in Gernlinden Ganghoferstraße
kamen auch sieben Bestattungen im Nordwesten der Grabungsfläche zum
Vorschein. Sie sind ins 4. Jahrhundert und damit in die Spätantike zu
datieren. Die Gräber sind als Nekropole einer kleinen ländlichen Siedlung
zu werten. Neben einigen bereits antik beraubten Gräbern, einer
Sonderbestattung mit einer auf dem Bauch liegenden Frau fanden sich
auch einige Bestattungen mit höherwertiger Ausstattung.
Grab 164 – ein Frauengrab – enthielt am Kopf eine
Beinnadel, sowie einen „Stylus“ (Schreibgriffel) und
einem Keramikgefäß. Die wohl bedeutendste Beigabe
war eine Münze, die nach antiker Vorstellung als
Fährgeld für Charon für die Überfahrt über den Styx
der Verstorbenen mitgegeben wurde. Es ist eine
abgegriffene Bronzemünze des Licinius (307-323),
die das Grab in die Mitte des 4. Jahrhunderts datiert.
Frühmittelalter 500 – 800
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Nach dem endgültigen Zusammenbruch des römischen
Imperiums und den Wirren der Völkerwanderungszeit
wird das Land im Laufe des 6. Jahrhunderts wieder neu
besiedelt.
Die Besiedlung erfolgt entlang der großen Flüsse. Orte
mit der Endung –ing gelten als die ältesten Siedlungen.
Außerdem sind diese durch das Vorhandensein eines
Reihengräberfriedhofs erkenntlich.
Das besiedelnde Volk stellt ein Konglomerat aus vielen
Ethnien dar – es wird später „Bajuwaren“ genannt.
Bisher wurde Maisach eher der zweiten Besiedlungswelle zugeordnet. Diese Einschätzung muss durch die
neuesten Grabungen revidiert werden.
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Bei der Anlage eines Kabelschachtes in der NW-Ecke des
Flugplatzes Fürstenfeldbruck kamen 1998 im Bereich der Baustelle
für die Zivilflieger überraschend Skelette zum Vorschein. Nach dem
Humusabtrag von Teilfläche 1 waren 10 Gräber erkennbar. Etwa 50
m entfernt wurde eine weitere Teilfläche geöffnet, bei der 37 Gräber
erkennbar waren.
In drei Grabungskampagnen (1998/99), die teilweise unter extremen
winterlichen Bedingungen durchgeführt wurden, wurden 47 Gräber
geborgen. Nach Meinung der Ausgräber erscheint eine Ausdehnung
des Gräberfeldes auf 5000 m² durchaus im Bereich des Möglichen,
sodass eine Hochrechnung 650-700 Gräber ergäbe. Damit wäre es
etwa so groß wie das bekannte Emmeringer Reihengräberfeld!
– Auf Grund der Funde lassen sich die
Gräber in das Ende des 6. Anfang des
7. Jahrhunderts einreihen. Fast alle
Gräber waren antik beraubt.
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Trotzdem konnten zahlreiche Funde geborgen werden, die die
Grabräuber übersehen haben: Ein Bronze-Ortband einer Spatha
(zweischneidiges Langschwert), drei Saxe (einschneidige
Kurzschwerter), 7 Pfeilspitzen, 2 Lanzen, Gürtelbeschläge mit
tauschierten Riemenzungen, mehrere Kämme, eine Schere, mehrere
Messer, eine Sichel, Glasperlen, Keramik und eine Speisebeigabe in
Form eines Schweineunterkiefers.
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Ein Fund soll hier näher vorgestellt werden, da er von überregionaler
Bedeutung ist. Den Raubgräbern entging erstaunlicherweise eine kleine
silberne Riemenzunge, die eine Runeninschrift enthält. Von der
ursprünglich wohl recht reichen Ausstattung des Toten hatte sich nur 19
Glasperlen und eine eiserne Gürtelschnalle erhalten. Die Riemenzunge
wurde in einer alemannischen Werkstatt hergestellt. Sie ist in die erste
Hälfte des 7. Jahrhunderts zu datieren.
Beim Restaurieren der Riemenzunge kam auf der Rückseite eine
flüchtig eingeritzte Runeninschrift zutage mit folgender Lesung:
„idraot/f“. Diese Inschrift lässt sich allerdings sprachlich noch nicht
deuten, da es sich um ein Fragment handelt.
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Obwohl unsere Riemenzunge viele Rätsel aufgibt, kann sie als ein
weiteres interessantes Mosaiksteinchen in der geheimnisvollen
Runenwelt des frühen Mittelalters angesehen werden. Möglicherweise
gehörte sie nach ihrer Umarbeitung zum Gürtel der Bestatteten.
Dem Gürtel kam zu dieser Zeit auch eine magische Bedeutung zu,
worauf viele christlich–heidnische Verziermotive und lateinische
Inschriften hindeuten. Für die Maisacher Frau dürfte die Kombination
von Masken-Raubvogelmotiv auf der Vorderseite und Runeninschrift
auf der Rückseite besonders wichtig
gewesen sein. Die Riemenzunge
könnte ihr demnach als Heilszeichen,
Andenken oder Unheil abwehrendes
Amulet gedient haben – vielleicht ein
Grund, warum die Grabräuber das
kostbare Stück verschmähten.
(D. Reimann u. K. Düwel)
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Das 1998/99 entdeckte große
Gräberfeld, in unmittelbarer Nähe
des alten Ortskerns, muß als der
älteste Friedhof des heutigen Ortes
Maisach gelten. Es datiert mit den
ältesten Funden in das Ende des
6. Jahrhunderts. Damit ist Maisach
mindestens 200 Jahre älter als es
sich 2006 gefeiert hat!
Bairischer Adeliger, um 800,
St. Benedikt, Mals, Südtirol
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