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4. Kommunikationskongress der - Kohlhammer

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das
Krankenhaus Aktuelle Informationen
des politischen Höhenflugs der Grünen
sei davon auszugehen, dass insbesondere kommunale Häuser bei ihren Neubauten künftig wesentlich stärker auf
Nachhaltigkeit achten müssten, so Lennerts.
Ein zentraler Aspekt sei, Kranken­
hausgebäude umnutzungsfähig zu bauen, sodass irgendwann in der Zukunft
zum Beispiel Apartments in vormaligen
Krankenzimmern eingerichtet werden
könnten. Bauherren müssten derartige
Überlegungen schon in der Konzeption
berücksichtigen. Lennerts plädierte für
eine Trennung von Bettenhäusern und
Verwaltungsgebäuden auf der einen Seite, weil diese Gebäudetypen leicht für
flexible Nutzungen geplant werden
könnten. Für die medizinischen Räumlichkeiten sei dies wegen der notwendigen Gebäudetechnik deutlich schwieriger. Lennerts gehört selbst der Arbeitsgruppe in der DGNB an, die das Zertifikat
für Gebäude des Gesundheitswesens
entwickelt. Viele Kriterien seien inzwischen festgelegt, für andere würden
noch Anpassungen erfolgen. Bis Frühjahr 2011 soll das Zertifikat verfügbar
sein. Derzeit würden noch Pilotkliniken
gesucht, die in den letzten fünf Jahren
gebaut haben.
„Luxusstationen“ verbessern die
Einnahmen
Horst Träger vom Lubinus Clinicum in
Kiel widmete seinen Vortrag der Ein­
nahmenseite der Krankenhäuser und
stellte die neue „5-Sterne-Station“ seines
Hauses vor. Die orthopädisch-chirurgische Klinik ist seit 115 Jahren in privater Trägerschaft und betreut einen internationalen Patientenkreis. Zum Jahreswechsel 2009/2010 wurde die alte
Privatstation in nur drei Wochen zu
­einer luxuriösen Wahlleistungsstation
umgebaut, die sich an Hotelstandards
orientiert. Richtschnur für die Planung
der Zimmer und Leistungen war der Katalog des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes e.V. (Dehoga). Die Zimmer
sind groß, die Türen, auch die des Badezimmers, breit. Lage, Ausstattung und
Service bewegen sich auf hohem Niveau.
Die ganze Station ist auf Patientenfreundlichkeit ausgerichtet. Das Pflege66
personal auf den Stationen wird von Hotelfachkräften unterstützt. Es gibt Holund Bringdienste, die Bereitstellung
eines Sekretariats und einen Hausservice, der zum Beispiel die Katze versorgt
oder die Blumen gießt. Dies alles gibt es
gegen einen entsprechenden Aufpreis.
Für den 5-Sterne-Standard entrichtet der
Selbstzahler 170 € zusätzlich zu den normalen Krankenhauskosten. Je nach individueller Wunschliste ist die Preisskala
1.2011
nach oben offen. Die meisten Extraservices und Dienstleistungen können auch
von Patienten auf den normalen Stationen gebucht werden. Das Konzept werde ausgesprochen gut angenommen, so
Träger. Manche „Haussitterdienste“ würden sogar vom eigenen Klinikpersonal
gebucht.
Sigi Lieb
n
4. Kommunikationskongress der
Gesundheitswirtschaft: „Krise – Was nun?“
„Die Krise ist ein produktiver Zustand.
Man muss ihm nur den Beigeschmack
der Katastrophe nehmen.“ Dieses MaxFrisch-Zitat aus dem Vortrag „Krisenkommunikation aus der Sicht eines Krisenmanagers“ von Harald Ehren, Chefredakteur der fischerAppelt-Gruppe,
brachte das Ergebnis einer Diskussionsrunde beim 4. Kommunikationskongress der Gesundheitswirtschaft auf den
Punkt. Es lohnt sich offenbar immer
wieder, an diese Wahrheit zu erinnern.
Wer sie vergisst, vergibt Zukunftschancen. Eine professionelle Kommunika­
tion ist das beste Mittel in der Krise.
Davon zeigte sich auch Michel Rodzynek, Pressesprecher des Städtischen
Klinikums München, überzeugt. Krisen
seien oft die Folge eines falschen Problemmanagements, eine professionelle
Kommunikation könne eine Krise erfolgreich lösen. In seinem Vortrag „Vor
der Wahrheit gibt es keine Flucht“ reflektierte Rodzynek die Situation des
Münchner Klinikums, das wegen Problemen in der Sterilgutaufbereitung wochenlang in den Schlagzeilen war. Nahezu die gesamte Klinikleitung wurde ausgetauscht, seit Oktober 2010 hat das
Unternehmen unter neuer Führung einen Neustart in dem Problembereich
realisiert.
Preis für gelungene Krisen­
kommunikation
Von einer massiven Krise war im August
2010 auch die Universitätsmedizin
Mainz betroffen, als im Zentrum für
Kinder- und Jugendmedizin drei Säug-
linge an den Folgen einer verunreinigten
Infusionslösung verstarben. Die Klinik
ist inzwischen entlastet. Auf dem Kommunikationskongress in Hamburg erhielt die Universitätsmedizin Mainz den
1. Preis für ihre Einreichung: „Offenheit
und Authentizität in der Krise“. Sie überzeuge vor allem mit einer engen Verzahnung von interner und externer Kommunikation sowie mit einer aktiven Rolle der Unternehmensleitung in der
Krise. Siegmar Eligehausen sprach in
der Laudatio vom beherzten Vorgehen
der Mainzer Klinikleitung, ihrer beeindruckenden Offenheit und von der echten menschlichen Anteilnahme an den
tragischen Ereignissen, von der die Branche viel lernen könne.
Was wurde in diesem schwerwiegenden Fall zur Krisenbewältigung getan?
Dies beschrieb Dr. Renée Dillinger-Reiter, Leiterin Kommunikation und Presse
der Universitätsmedizin Mainz, in ihrem Vortrag „Offenheit und Authenti­
zität im ‚Worst Case‘“. Sie unterschied
dabei zwei Bereiche:
1. Intern wurde mit der sofortigen
Einleitung aller notwendigen medizinischen Maßnahmen und interner Untersuchungen begonnen. Ein täglicher Krisenstab zum Abgleich des Sachstandes,
zur Festlegung weiterer interner Schritte
und zur Abstimmung der Kommunikationsmaßnahmen sowie der „Botschaften“ wurde installiert. Die betroffenen
Mitarbeiter erhielten Gesprächsangebote mit Seelsorgern und Psychologen.
­Allen Mitarbeitern standen über Intranet und E-Mail aktuelle Informationen
zur Verfügung.
1.2011 das
Krankenhaus
2. Extern wurde die Öffentlichkeit durch
regelmäßige Pressekonferenzen informiert, wobei der unbedingte Wille zur
Aufklärung im Vordergrund stand. Alle
Fragen sollten sachlich und umfassend
beantwortet werden, es sollte kein Raum
gelassen werden für Spekulationen. Das
Handeln war stets geprägt von tiefer Betroffenheit und aufrichtiger Trauer. Auch
wurde eine externe Expertengruppe einberufen. Die Staatsanwaltschaft, die Polizei, die Behörden und Ministerien sowie auch die Hersteller wurden informiert. Die Angehörigen erhielten von
den Mitarbeitern ausführliche und offene Informationen sowie Unterstützung.
Ein frühzeitiges, offenes und authentisches Vorgehen hat sich in dieser Krise
offenbar bewährt. Entlastende Erkenntnisse wirkten aufgrund der transparenten Informationspolitik authentisch. Der
offene Umgang mit einem möglicherweise schuldhaften Verhalten wurde als
wohltuend positiv empfunden. Das Unternehmen ist nach Dillinger-Reiters
Worten gestärkt und glaubwürdig aus
dieser Krise hervorgegangen. Es sei von
Anfang an wichtig gewesen, die Initia­
tive zu ergreifen und konsequent nach
innen und außen zu informieren.
Krise – Was nun?
In der Diskussionsrunde „Krise – Was
nun?“, die von Volker Heitkamp, Patzer
PR, München, moderiert wurde, war neben Dr. Dillinger-Reiter, Michel Rodzynek und Harald Ehren der Kasseler FAZKorrespondent Claus Peter Müller v. d.
Grün vertreten. Über die Mainzer Krisenstrategie gab es einen breiten Konsens, viel Lob und Anerkennung. Ehren
betonte jedoch, dass man generell den
CEO in der Krisenkommunikation als
die „letzte Waffe“ sehen müsse und es
falsch sein könne, ihn von Anfang an in
der Öffentlichkeit zu präsentieren, wie
es in Mainz geschehen sei. Man war sich
jedoch einig, dass ein solches Vorgehen
in Mainz nicht möglich war.
Müller v. d. Grün stellte in seinem
Vortrag „Erst Salmonellen, dann Legionellen und schließlich eine Personalie“
ein negatives Beispiel vor, in dem ein falsches Problem-Management eine Krise
Aktuelle Informationen
noch unnötig verstärkte. Ehren präsentierte sieben Regeln zur Bewältigung
­einer Krise. Das „Krisenhandling“ sei
ein Handwerk, die Krise als Chance zu
nutzen sei dagegen eine Kunst. Voreiliges Agieren sei fatal. Die Themen in den
Medien richtigzustellen, führe nur bedingt zum Erfolg, die Energie könne an
anderer Stelle sinnvoller eingesetzt werden. Vor allem seien die Mitarbeiter in
der Krise ein entscheidender Faktor. Es
gelte, sie einzubeziehen und zu Multiplikatoren des Unternehmens zu machen.
Ein offener Umgang mit Schwachstellen
helfe, das Zepter des Handelns zu über-
nehmen, denn früher oder später komme alles ans Licht.
Bilder seien in der Kommunikation
mit Worten nicht zu schlagen, ihr Einsatz könne in der Krisenbewältigung
den Ausschlag geben. Jede Krise suche
nach Gesichtern, deshalb müsse der
Schritt in die Öffentlichkeit wohl überlegt sein. Eine Krise sei ein längerer Prozess, der ausreichend Ressourcen verlange. Wer alle seine Themen am Anfang
bereits verspiele, stehe schnell ohne weiteres „Futter“ da.
Susan Röse
n
8. Rheinischer Kongress für
Gesundheitswirtschaft 2010
Unter dem Motto „Einfluss der Gesundheitsreform 2010 auf die Patientenversorgung“ stand der 8. Rheinische Kongress für Gesundheitswirtschaft im September 2010 in der Universitätsklinik
Köln. Rund 500 Besucher aus unterschiedlichen Bereichen des Gesundheitswesens und der Gesundheitswirtschaft nahmen die Einladung der Rheinischen Fachhochschule Köln und des
Instituts für Medizinökonomie und medizinischer Versorgungsforschung zum
Erfahrungs- und Informationsaustausch
an. In Podiumsdiskussionen, Vorträgen,
Sessions und Workshops widmeten sich
rund 70 Referenten einem ausgesprochen breiten inhaltlichen Spektrum. Die
Fachbeiträge reichten von Themen wie
Risikomanagement,
Notfallmedizini­
sche Versorgung und OP-Management
über neue Versorgungsformen, KostenNutzen-Bewertung in der Patientenversorgung, Rabattverträge, Arzneimittelfälschungen bis zur „Globalisierung im
Gesundheitsmarkt“. Ein Querschnittsthema, das an vielen Stellen im Fokus
stand, war der immer stärker spürbare
Ärzte- und Fachkräftemangel im Gesundheitswesen. Außerdem wurde die
Healthcaremanagerin des Jahres 2010
gekürt. Der Preis ging an Dr. Ulrike
­Teßarek, Netzwerkmanagerin im St.
Franziskus-Hospital Münster, die dort
die intersektorale Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen Ärzten und dem
Krankenhaus betreut (siehe hierzu „das
Krankenhaus“ 11/2010). Der Preis wird
vom Institut für Medizinökonomie und
medizinische Versorgungsforschung der
Rheinischen Fachhochschule Köln in
Kooperation mit dem Clustermanagement Gesundheitswirtschaft verliehen.
Einen Sonderpreis als Klinikmanagerin
des Jahres erhielt Bettina Irmscher, kaufmännische Direktorin der Universitätsklinik Rostock.
Krankenhäuser finanziell nicht
­überfordern
In seinem Grußwort skizzierte Mathias
Redders, Referatsleiter im NRW-Gesundheitsministerium, die Position der NRWLandesregierung zur Gesundheitspolitik
2010 der Bundesregierung. Redders
stellte dabei zwei zentrale Fragen: Was
trägt die Gesundheitsreform zu einer
am Patienten orientierten, qualitativ besseren Versorgung bei? Und: Bringen die
dauernden Reformen wirklich Fortschritt, insbesondere bezüglich der Versorgung? Dies sei derzeit nicht einfach
zu beantworten, weil es sich bei den Bemühungen um mehrere Gesetzespakete
(AMNOG, GKV-FinG) handele. Beide
Gesetzesvorhaben haben inzwischen die
parlamentarischen Hürden genommen
und sind zum 1. Januar 2011 in Kraft getreten.
Redders warnte vor der Gefahr, dass
der geringe Erlöszuwachs im Krankenhausbereich durch die Senkung von Per67
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Seele and Geist
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