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038. Danke Simon! oder was ist Schweizerisch?

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038.
Danke Simon! oder was ist Schweizerisch?
Ihr ewigen Zweifler...
Was habe ich mich ausgelassen, ob den nicht enden wollenden Zweiflern unserer
Gegenwart. Den fast schon etablierten Kassandras, welche die Zukunft nur noch in
einem grauschwarzen Schleier sondiert haben wollen.
Und das in einer Zeit, wo ausser einer Swissair- und saisonalen bedingten Situation
die Arbeitslosenquote keineswegs katastrophal zu werten ist, mit tiefsten Zinsen, die
fast Jahrhundertrekordwert haben, einer Teuerung die keineswegs inflationäre Züge
aufzeigt - ältere Semester mit Erinnerungen an Konjunkturdämpfungsmassnahmen
der 70er Jahre mit Negativzinsen – Achtung jüngere Leser, richtig gehört – mit denen
das Wachstum gebremst werden sollte, können da nur Kopfschütteln - und mit
öffentlichen Haushalten, die durchaus im Vergleich mit dem Anfang der Neunziger
Jahre geradezu paradiesische Werte aufzeigen und diese auch behalten, wenn wir
weiterhin wachsam sind!
Aber eben, man kann die Krise auch herbeireden, nahezu heraufbeschwören. Und
da hat sich der 11. September 2001 ja geradezu aufgedrängt. Endlich hatte man den
Aufhänger für alles Negative gefunden, den Sündenbock generell.
Hatten wir rein wirtschaftlich die 90er Jahre dank dem Elektronikboom bewältig, so
waren die Holocaust-Anschuldigungen für das grundsätzliche Selbstverständnis der
Nation Schweiz und ihrer Bewohner einfach ein absoluter k.o.-Schlag. Den
eigentlichen Tiefpunkt erlebte die Eidgenossenschaft dann in einem wirtschaftlich
und national gemischten Ereignis: mit dem Grounding der SWISSAIR. „Die Swissair
bedauert, dass sie ihre Flüge wegen fehlender finanzieller Mittel nicht mehr
durchführen kann...“ Mich schauderst noch immer, wenn ich diese Videosequenz
vom Terminal B des Flughafens Zürich einsehe. Einfach unmöglich, dass kann doch
nicht war sein, man wähnte sich buchstäblich im „falschen Film“!
Innert weniger Jahre wurde unsere Nation, als arbeitsam und verlässlich bekannt,
fast zu einer Bananenrepublik degradiert. Alle nationalen Kritiker, vor allem aus dem
linken Lager schienen zu triumphieren, die Schweiz, banaler Alltag, nichts besonders
unser Land schien zu einem Auslaufmodell abgestempelt. Bleibt noch nachzutragen,
dass das Ausland äusserst erstaunt und bedauernd reagierte und aus echtem
Respekt und auch gebührendem (immerhin) Anstand unsere Lage kaum genüsslich
auskostend kommentierte, sondern weit mehr sich ernsthaft fragte, ohne wirklich
befriedigende Antworten zu finden, wieso nun plötzlich beim Vorzeigemodell Schweiz
AG der Haussegen völlig schief hing. ... wenn selbst auf die Schweiz kein Verlass
mehr ist, ja was dann?
Es ist durchaus angebracht, auch festzustellen, dass das Ausland damit bekundete,
dass man das Modell SCHWEIZ durchaus bewunderte und deshalb völlig irritiert die
Vorgänge in unseren Grenzen wahrnahm. Und was bedeutet das im Klartext: man
mag die Einrichtung SCHWEIZ; ja im Stillen bewundert man sie sogar. Wenn aber
diese Institution plötzlich nur noch mit fundamentalen Fehlern aufwartet und diese
Pannen zum Dauererlebnis werden, dann haben selbst unsere bekennenden
Freunde Mühe, noch an diese kleine Ausnahmeerscheinung zu glauben.
Hat das Schweizermodell also wirklich noch Zukunft?
Was macht den die Schweiz aus?, müsste man ja zuerst mal nachfragen.
Ja was den: nein, nicht die Ospelts, Mühlemanns und Bruggissers. Da waren zuerst
mal die Honeggers, Sulzers, Maggis, Chevrolets, Hoffmanns, um nur einige zu
nennen, welche an der Spitze der Industrierevolution des 19. Jahrhunderts standen.
Später kamen dann die Versicherungen, Banken und Handelsgesellschaften des 20.
Jahrhunderts, welche nur weltweite Bedeutung erlangen konnten, weil sie unsere
echt schweizerisch verwurzelten Eigenschaften wie Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und
Bescheidenheit in alle Welt hinaustrugen und tagtäglich lebten, eben typisch
verlässlich diese „Schweizerigkeit“. Gegen Ende des 20. und zu Beginn des 21.
Jahrhunderts gelangten vielerorts dann leider die nur gewinnorientierten Abzocker an
die Macht. Begreiflich, dass nicht nur der hiesige Durchschnittsbürger seine
schweizerische Welt nicht mehr verstand. Der Rückzug hinter die Festungslinie
„Bankgeheimnis“ wäre ja vom Ausland noch einigermassen goutiert worden, wenn
diese Institution nicht dauernd von Diktatoren, Superkriminellen und anderen
verabscheuungswürdigen Elementen mit dem vollen Wissen unserer WirtschaftsBosse missbraucht worden wäre.
Zusätzlich wurden unsere schweizerischen Global-Unternehmungen von deren
Supermanagern als pure Selbstbedienungsläden benutzt. Den Aktionären wurde bei
diesem Tun überzeugend der Shareholder-Value-Sand brav in die Augen gestreut
und zum Schluss der Sessel unter Benutzung eines Millionenfallschirms mit grossem
Bedauern geräumt, verry sorry!
Endlich ist nun auch in den bürgerlichsten Flügeln die Notwendigkeit einer breiten
Diskussion über diese Zustände begriffen worden und es darf gehofft werden, dass
die ABB-Manager, welche die Unternehmung um mehrere Dutzende von Millionen
erleichtert haben, das Ende dieser Epoche einläuten werden.
Da könnten wir nun die Früchte der direkten Demokratie ernten, wenn wir bereit sind
die Konsequenzen zu ziehen: unsere Staatsform mag bei Veränderungen zwar sehr
träge reagieren, bei offensichtlichen negativen Ereignissen, kann aber die Reaktion
sofort eingeleitet werden. Da sollten wirtschaftsfreundliche Kreise, welche die
bisherigen Gebaren um Swissair & Co irgendwie noch zu erklären versuchen, sofort
ausgespielt haben: Wahltag ist Zahltag und der nächste Zahltag kommt innert
Jahresfrist. Auf einen Vergessensbonus dürfen Politiker, welche sich von derartigem
Gebaren nicht glaubwürdig distanzieren, niemals hoffen.
Es wäre nun aber völlig verfehlt, einfach den Liberalen bzw. Freisinnigen
Kräften alleine in unserem Land den Schwarzen Peter zuschanzen zu wollen.
Gleich welche Parteirichtung: nach einer gewissen Zeit haben alle in den
Korruptionssumpf gelangt. In Österreich waren die Roten fast 50 Jahre an der
Macht und zeigten die gleichen Verschliesserscheinungen auf. Auch die SP,
CVP oder SVP würden in der Schweiz nach einer zeitlich längeren MachtEpoche solche Niederungen erleben müssen. Wir dürfen nicht ausser Acht
lassen, dass bis anfangs des letzten Jahrhunderts die Schweiz NUR von den
Liberalen Kräften regiert wurden und die heutige Zauberformel „2+2+2+1“ erst
seit dem Jahre 1959 gilt. Für europäische Verhältnisse eigentlich lange, für ein
korruptes Versumpfen aber noch nicht lange genug! Es ist also dringend und
zwingend nötig, dass sich die heutigen Spitzen der Liberalen klar und
unmissverständlich von den korrupten und machtgierigen Teilen trennen und
diese auch kompromisslos ohne wenn und aber auch sichtbar glaubwürdig zu
bekämpfen bereit sind. Für den Fortbestand des Modells „Schweiz“ ist es
unabdingbar, dass eine starke Mitte erhalten bleibt, die ihre sinnvolle und
regulierende Fortsetzung in den kritischen Flügeln zur Linken und Rechten
findet und das ganze eingebunden in die Konkordanz!
Aber es braucht auch noch einen positiven Anschub
Damit aber die Schweiz aus der Reserve kommt, brauchte es immer und braucht es
auch jetzt einen starken Anschub. Da genügt es nicht, mit Hoffnungen zu leben, dass
möglicherweise die SWISS Airlines Ltd den Weg aus den Startlöchern finden könnte.
Auch die von mir schon mehrmals zitierte Möglichkeit, dass die Expo 02 zu einem
nationalen Event werden könnte, mag da im Moment nicht genügend hinzulangen.
Auch die Aussicht, dass damit dieses Jahr 1-2 Milliarden in die schweizerischen
Tourismuskassen gespült werden könnten, lässt sich zurzeit einfach nicht aktiv
verkaufen. Auch diese Eigenschaft ist eben typisch SCHWEIZ!
Was braucht es also, um die SCHWEIZ aus ihrem Dornröschenschlaf zu erwecken?
Einen typisch schweizerischen Effort: einfach, unkompliziert, sauber und ehrlich und
genau da fliegt uns doch plötzlich die AirSimon um die Ohren: Geil, einfach tierisch,
muesch halt einfach voll druf go! Ein absolutes Landei, ein gut zwanzigjähriger
Kantischüler aus Unterwasser, ein Bauernbueb, dessen Familie mangels eigener
Glotze die Sprünge ihres Sprösslings bei den Grosselten anschauen muss, zuvor
aber das Melken nicht vergisst und die Mutter, die sich erinnert, dass sie nächstens
ihr Heimetli dringend mit dem Staubsauger durchqueren müsse: für Nichtschweizer
schlicht unerklärlich, für uns eben typisch SCHWEIZERISCH, eben einfach pur
SCHWEIZ. Ein Land das keine Orden kennt und der Exekutive die Macht nur bis zur
nächsten Volksabstimmung überlässt, in der dann festgehalten wird, ob man damit
einverstanden ist, was die Herren in Bern als zuträglich für unser Land anschauen.
Wobei bei einem negativen Entscheid die Regierung nicht in die Wüste geschickt
wird, sondern brav weiter zu regieren hat, um dann erneut wieder die Bestätigung
ihrer politischen Ausrichtung einzuholen hat oder auch erneut diesen Zuspruch nicht
erhält um dann erneut weiter zu regieren: Das ist SCHWEIZ pur!
Das ist eben typisch SCHWEIZ
Herzlichen Dank Simon, Du hast unserer Nation so viel Freude, Ehre und Stolz
beschert, den Du wahrscheinlich erst in den kommenden Jahrzehnten begreifen
wirst.
Wie die „nur“ Bauern, welche in unzähligen Kriegen im Mittelalter den Fürsten und
Königen mit ihrem Freiheitswillen das Fürchten lehrten. Wie die Pioniere unserer
Wirtschaft, welche das rohstoffarme Land mit Einfallsreichtum und Zuverlässigkeit an
die Spitze führten. Wie die Mehrzahl unserer einfachen Arbeiter, Angestellten und
Chefs, für die noch ein Wort ein Wort ist und die dies tagtäglich erneut in die Tat
umsetzen, einfach so, weil dies eben für uns alle so einfach typisch normal, eben
Schweizerisch ist, ohne dies auch nur „besonders“ zu finden.
Der kleine Simon aus Unterwasser hat uns auf eine unbeschreibliche Weise wieder
an unsere Werte erinnert. Innert weniger Tage hat dieser junge Schweizer die
Herzen der ganzen Welt erobert. Unkompliziert, nie seine wirkliche Persönlichkeit
anders darbringen zu wollen: so bin ich, so fühle ich, so empfinde ich, so sehe ich
das Ganze... nichts weggelassen und nichts hinzugefügt. So wie man eben bei uns
denkt und handelt, direkt und unverblümt, selbst beim grössten Höhenflug.
Vor einer Woche hätte ich auf die Frage, was geschehen müsste, dass wir
Schweizern uns wieder an unsere Werte erinnern, die auf der ganzen Welt geschätzt
und respektiert werden, KEINE klare und eindeutige Antwort gewusst.
Heute kann ich eine Antwort geben:
Wir müssen nur das bleiben, was wir auch sind und können: Schweizer, welche
unser Land lieben, die hart erarbeiteten Werte unseres Daseins nie vergessen und
ohne irgendwelches Aufhebens im Herzen behalten, die sich über Hunderte von
Jahren bewährt haben. Da spielt es keine Rolle, ob mit oder ohne UNO, die wir leicht
ohne Magenbeschwerden verkraften. Wichtig und entscheidend ist nur die
Umsetzung unserer liberalen Gesinnung, unter Einbezug der überlieferten
Traditionen, aber auch unter einer vorsichtigen Berücksichtigung der sinnvoll
erscheinenden Moderne, ein Vermögen und eine Tugend, deren Umsetzung uns
auch in der Vergangenheit immer wieder gelungen ist und auch zum Erfolg geführt
hat: einfach eine kleine, aber wegen dem verbürgten Inhalt von echten, fundierten
Werten, respektierte Nation zu sein.
Scheitern werden wir nur dann, wenn wir etwas zu sein versuchen, was wir eben
nicht sind. Wir müssen deshalb auch heute und in der Zukunft immer wieder auch
bereit sein, mit allem Unschweizerischen ohne Rücksicht auf Verluste aufzuräumen.
Das hat nichts mit einem Rückfall ins Mittelalter zu tun. Ich denke da zuerst an
diejenigen Mitbürger, welche glauben, wir müssten unsere Werte gegen Ideen und
Ziele der scheinbar Mächtigen eintauschen und dies nur, weil deren Konzept „im
Moment“ als verlockend und scheinbar Erfolg versprechend erscheint.
Die entscheidende Frage über unseren Fortbestand ist also nicht, was Tolles von
Aussen an uns herangetragen wird und ob wir bereit auch sind, dies unbesehen
gegen unser Gefühl zu adaptieren, sondern ob dieses zu unserem ureigenen Begriff
SCHWEIZ passt und unserem Selbstverständnis von Offenheit, Toleranz, Ehrlichkeit
und Zuverlässigkeit entspricht, ohne jegliche verlockende Seitenblicke auf mögliche
Macht und materiellen Zugewinn. Das ist die tiefe Substanz des Labels SCHWEIZ,
welches über Jahrhunderte Bestand hatte und so gepflegt auch Bestand haben wird.
... und was bedeutet das schlussendlich für die Zukunft?
In diesem Sinne ist es mir egal und ich nehme das sogar mit einem Lächeln zur
Kenntnis, wenn wir als ein Volk von behäbigen Bauern und manchmal etwas
skurrilen Ewiggestrigen, zwischen Schokolade, Alphorn, Uhren und Dienstleistungen
angesehen werden. Voreilig unterschätzt zu werden, war noch nie ein Nachteil! Aber
wir müssen wieder lernen das Heft selbst in die Hand zu nehmen, in unserem Land.
Wir können kaum Einfluss nehmen, auf den Entscheidungswahnsinn, gewisser
globaler Konzernmagnaten in der übrigen Welt. Wir können aber, wenn wir bereit
sind, dem Verhalten dieser Chefs in UNSEREM Land Leitplanken verpassen. Und
keine Angst, die in unserer Nation situierten Konzerne werden es sich wohl genau
überlegen, ob sie diese Leitplanken gegen eine Sitzverlegung eintauschen wollen.
Und warum ? Ganz einfach, weil viele Konzerne, welche in ihrem Leitbild auch Wert
auf einen ethisch und moralisch intakten Standort legen, bei uns sich sehr gut
aufgehoben fühlen werden. Dazu kommt aber noch, dass gerade dieses Konzept
SCHWEIZ, mit seiner verlässlichen Bevölkerung, auch politische und wirtschaftliche
Stabilität beinhaltet, nebst – und auch das gehört dazu und wird oft beneidet –
steuerlichen Vorteilen. Letztere waren und sind aber nur möglich – und das wird
immer wieder vergessen – weil und wenn das gesamte Konzept SCHWEIZ stimmt:
das Ergebnis eines tüchtigen Volkes, welches sich obwohl klein, immer wieder mal
eine eigene Meinung erlaubte, einfach deshalb, weil eben auch dies typisch
SCHWEIZ und gerade deshalb so verlässlich ist!
Die Qualität des Labels SCHWEIZ, welches diese Eigenschaften über eine lange
Entwicklung hervorgebracht hat, hängt nämlich nicht von einigen globalen Konzernen
ab, sondern von den vielen kleinen und mittleren Betrieben, den KMU’s, welche
wiederum von uns allen getragen werden. Und wem es nicht passt, der soll gehen,
die KMU’s machen gegen 90% unserer Wirtschaft aus, noch Fragen? Wir sind aber
dringend aufgefordert aufpassen, dass wir die grossen Gefahren für unsere Nation
nicht nur von ausserhalb glauben orten zu müssen. Viel gefährlicher ist immer der
verkappte Feind, welcher sich schon brav getarnt innerhalb der schützenden Mauern
befindet. Das heisst aber auch, dass wir bereit sein müssen, in unseren eigenen
Reihen, bei unseren Wirtschaftbossen und selbst innerhalb unserer hochgehaltenen
Symbolen aufzuräumen, wenn diese gegen unsere „Schweizerigkeit“ verstossen.
Und genau da besteht grosser Handlungsbedarf. Finanzjongleure, Geldwäscher und
Abzocker dürfen künftig bei uns überhaupt keinen Platz haben, sonst geht unsere
Glaubwürdigkeit flöten. Jetzt sind deshalb einmal sofort die Politiker gefordert, die
mittels Gesetzen die Leitplanken was unter dem Begriff SCHWEIZ abgehen darf, neu
formulieren müssen. Die Zustimmung der Nation mit ihrer einzigartigen direkten
Demokratie dürfte diesmal der Regierung und dem Parlament gewiss sein. Wir
warten gespannt, auf die Reaktionen. Diesmal hätten wir die Chance zu agieren statt
zu reagieren und diesmal wird auch die „übrige“ Welt uns sehr kritisch beobachten.
Also, nochmals Danke Simon, Du hast uns unbeschreiblich Freude beschert! Ich
hoffe wir werden Dein wunderbares Geschenk zu würdigen und umzusetzen wissen.
Robert-Roger Martin
18.02.2002/2130h
+++
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