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Irr, was dieses Lottofieber mit mir machte Schweizer - Bergsicht

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sonntagszeitung.ch | 24. August 2014
Hummler
Die andere Sicht von Peter Schneider
Ausgerechnet
Ogi!
Läck! De Geri ...
Ohni siini
Brülle hett mer
en fascht nöd
erchännt.
Blocher solle abgesetzt werden, forderte AltBundesrat Ogi vor Wochenfrist in dieser Zeitung.
Dessen Feindschaft gegenüber Europa sei ein
«Wahnsinn», er isoliere mit seinem Hass die
Schweiz und führe sie damit in eine Situation – so
schwierig wie seit 1848 nicht mehr. Von mir aus
darf jedermann eine solche Forderung stellen,
zumal als Mitglied der betreffenden Partei. Nur
einer darf das nicht. Nämlich Adolf Ogi. Denn er
ist an der heutigen europapolitischen Situation
der Schweiz und am unaufhaltsamen Aufstieg
Blochers mitschuldig. Nein, er gehört sogar zu
den Hauptverursachern. Denn er war im Bundesrat dabei, als dieser am 18. Mai 1992 mit einer
4:3-Mehrheit das unselige Gesuch um Aufnahme
von Verhandlungen über einen Beitritt der
Schweiz zur Europäischen Union beschloss. Mit
ihm stimmten der Antragsteller Felber (SP), Cotti
(CVP) und Delamuraz (FDP), dagegen waren Koller
(CVP), Stich (SP!) und Villiger (FDP). Ogi war ohne
Zweifel das Zünglein an der Waage.
Der grüne Nationalrat Ueli Leuenberger (l.) und der grüne Ständerat Luc Recordon im Parlament
Ich kann mich noch daran erinnern, als wäre es
gestern gewesen. Wir befanden uns mitten im
Abstimmungskampf über den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR), der dem Volk auf Ende November 1992 vorgelegt wurde. Ich gehörte zur
Gruppe der EU-skeptischen, aber europafreundlichen Pragmatiker. Wir sahen im EWR eine
valable strategische Option, die das Potenzial
hatte, ein Gegengewicht zu den damals schon
absehbaren Zentralisierungs- und Vertiefungstendenzen innerhalb der EU zu werden. Der EWR
war für uns eine «zweitbeste Lösung», weil es die
beste offensichtlich nicht gab. Die Mehrheit
innerhalb der damals noch gewichtigen Parteien
FDP und CVP dachte ähnlich. Zusammen mit dem
späteren freisinnigen Nationalrat Peter Weigelt
hatte ich sogar den einflussreichen rechtsbürgerlichen «Trumpf Buur»,
man stelle sich das vor,
für eine Ja-Parole zum
EWR gewonnen.
«Ich hatte
sogar den
‹Trumpf
Buur› für
ein Ja
zum EWR
gewonnen»
Das Beitrittsgesuch des
Bundesrats war ein
Rückenschuss für diese
Position, und mit der unsäglichen Nachdoppelung
Ogis, beim EWR handle es sich um ein «Trainingslager» für einen späteren EU-Beitritt der Schweiz,
waren wir definitiv geliefert. Mit einer Vorlage, die
zur Vorstufe eines EU-Beitritts mutiert worden
war, liess sich die Abstimmung nicht mehr gewinnen. Blocher konnte triumphieren.
Was folgte, ist klar: FDP und CVP mussten sich
auf das wacklige Dauerprovisorium der bilateralen
Verträge mit der EU einschwören und lieferten damit nach links und rechts laufend Angriffsflächen.
Der unaufhaltsame Abstieg dieser Parteien ist ursächlich mit dem EWR-Nein verbunden. Noch
schlimmer: Das Nein brachte auch Europa um
eine strategische Alternative zur EU. Noch heute
bin ich der Ansicht, dass der EWR weit mehr hätte werden können als Ogis Trainingslager. Wetten,
dass die Engländer heute die Ersten wären, die
gerne ins EWR-Lager wechseln würden?
Seit dem bundesrätlichen Rückenschuss vom
Mai 1992 ist für mich «Bern» Synonym für doppelte Agenden und Mogelpackungen, ob sie nun
«Gesamtlösung», «Bilaterale», «Armee 21» oder wie
auch immer heissen. In «Bern» gibt es undemokratische Kräfte, für die Volk und Stände nicht mehr
als eine propagandistisch zu behandelnde Manövriermasse sind. Ogi repäsentiert dieses «Bern».
Meinetwegen mag er seine Volksnähe an Sportanlässen, in der «Glückspost» oder in der SF-Serie
«Anno 1914» ausleben. Was aber die Zukunft unseres Landes in Europa betrifft, so würde er von
mir eine Goldmedaille erhalten. Fürs Schweigen.
Konrad Hummler ist Verfasser der «Bergsicht»
und Strategieberater mehrerer Firmen.
Foto: M. Flückiger/Keystone
Schweizer Hoteliers
müssen Berge versetzen
Der Konkurrenzdruck ist hoch. Doch leider klagen immer noch zu viele über den Service
in hiesigen Häusern, findet Cornelia Krause
Noch immer leidet der Schweizer
Tourismus unter dem starken
Franken. Gäste aus Nachbarländern, allen voran Deutschland,
verbringen die Ferien anderswo.
Und der Fall Russland zeigt, wie
unberechenbar sich die Gästezahlen aus boomenden Schwellenländern entwickeln können.
Nur folgerichtig ist es da, wenn
sich der Schweizer Tourismus wieder auf die einheimischen Gäste
besinnt. Zumal Schweiz-Tourismus-Direktor Jürg Schmid einen
weiteren Trend ausgemacht hat:
Nachhaltigkeit wird Reisenden
wichtiger. Schmid hofft, dass
Schweizer künftig öfter auf Flugreisen verzichten und ihre Ferien
Cornelia Krause,
Wirtschaftsredaktorin
in den Schweizer Bergen verbringen. Doch um die Schweizer Gäste zu Ferien im eigenen Land zu
bewegen, ist Anstrengung vonnöten. Die hiesige Berghotellerie konkurriert vor allem mit Häusern in
Südtirol, Bayern, Vorarlberg und
Tirol. Dass man im Preisvergleich
kaum punkten wird, ist nicht erst
seit der Eurokrise klar. Bleiben vor
allem Service und Freundlichkeit.
Um hier besser zu werden, riefen
in den letzten Jahren einzelne
Schweizer Destinationen Charmeoffensiven aus. Es mag müssig erscheinen, immer wieder das Bild
des unfreundlichen Schweizer Hoteliers zu bemühen. Und trotzdem
klagen regelmässig Kollegen und
Freunde über schlechten Service
und unfreundliches Verhalten –
insbesondere in günstigeren Häusern. Schildern sie ihre Hotelaufenthalte jenseits der Grenze, geraten sie dagegen ins Schwärmen.
Vielleicht hat sich bei manchen
das Klischee des unfreundlichen
Schweizer Hoteliers im Kopf festgesetzt und verzerrt mittlerweile
die Wahrnehmung. In dem Fall
muss sich die Hotellerie aber doppelt anstrengen, denn nur so lässt
sich das Bild im Kopf verändern.
Gelingt das nicht, werden selbst die
nachhaltig denkenden Schweizer
nicht hierbleiben, sondern mit dem
Zug umweltverträglich ins Nachbarland reisen. Wirtschaft ― 33
Irr, was dieses Lottofieber
mit mir machte
Andreas Kunz hat um den Rekord-Jackpot gespielt.
Zum Glück hat er nicht gewonnen
Eigentlich ist es ganz schön erbärmlich: Obwohl ich finanziell
sorglos bin und sogar gerne zur
Arbeit gehe, spielte ich vergangene Woche Lotto und ertappte
mich in fast jeder freien Minute
dabei, vom Rekord-Jackpot von
über 40 Millionen Franken zu fantasieren. Ich stand also am Kiosk
neben der Migros und reihte mich
ein in die Schlange der Träumer,
die alle ihren Schein fest umklammert in den Händen hielten und
sich misstrauische Blick zuwarfen
– als ob sie sich ihres Gewinns bereits sicher wären. Fast schämte ich
mich ein bisschen, zu ihnen zu gehören, denn als ich meinen Schein
der Kioskfrau übergab, kribbelte
Andreas Kunz,
Stv. Chefredaktor
und pumpte es bei mir ebenfalls –
wehe, jemand hätte mir nachgestellt und mich beobachtet, wohin
ich die wertvolle Quittung steckte.
Und diesen Gedanken, genauer: die plötzliche felsenfeste Überzeugung, dass ich gewinnen würde, kriegte ich nicht mehr aus dem
Kopf. Während meine Frau abends
ein «wichtiges Problem» erörtern
wollte, plante ich heimlich wilde
Abenteuerreisen und irre Festgelage. Ich begann, herumzustudieren, welchen Freunden ich wie
viel vom Gewinn abgeben würde
– und welchen gar nichts. Tausende Ideen habe ich geboren und alle
Eventualitäten miteinberechnet,
die ein Millionensegen mit sich
bringe würde. Selbst an Schlaf war
letzte Woche kaum zu denken.
Bis es meine Frau merkte und
zu mir sagte: «Du hättest das Geld
innert Kürze verprasst. Besser, du
gewinnst gar nichts.» Worauf ich
die ultimative Idee hatte: Ich gebe
das Geld subito aus und schreibe
ein Buch darüber: «Wie man
40 Millionen in einem Jahr verprasst.» Mit diesem brillanten Businessplan war die Gedankenlawine
in meinem Kopf endlich gestoppt
– doch schon rollte die nächste heran: Was, wenn das Buch ein Bestseller wird und ich wiederum auf
Millionen sitze? Es war, wie gesagt,
erbärmlich. Zum Glück habe ich
nicht gewonnen.
Fokus ― 21
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Seele and Geist
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