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Glaube nicht, an was die Leute über sich selbst - Heilungswunder

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Andrés
vom Selbst aus
Credo
eines
Spirituellenheilungsbegleiters
«vom Selbst aus»
aus der Reihe:
www.von-aus.de
1. Auflage 2006 lektoriert von Astrid Ogbeiwi, in Finnland herausgegeben;
2. Auflage 2009 lektoriert von Dr. Dorothea Kress, herausgegeben vom Betterworld e.V.
2011, 1. Auflage beim Hans-Nietsch-Verlag. Fotos: Hilde Pedrotti.
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-I–
-3-
I.1 - Glaube nicht an Gott, denn jeglicher Glaube ist lediglich eine
mentale Einstellung, eine Entscheidung des Geistes.
Glaube aber an die Liebe.
I.2 - Die Liebe ist der Kraftstoff des Universums – Dies erklärt,
warum manche Menschen erschöpft und andere kraftvoll sind.
I.3 – Glaube nicht an die menschliche Liebe. Diese ist
normalerweise nicht von Dauer. Und nicht selten kippt sie in das
Gegenteil um.
I.4 – Genieße aber die menschliche Liebe, solange sie da ist, doch
glaube nicht an sie. Sei bereit in die Göttlicheliebe
umzuschwenken, sobald die menschliche Liebe zu schwinden
beginnt.
I.5 - Glaube an die nicht bezügliche und in sich seiende, absolute
Liebe: die Göttlicheliebe.
I.6 - Glaube an die Möglichkeit, die menschliche Liebe zu einem
reinen Ausdruck der Göttlichenliebe zu machen.
I.7 - Glaube an die Möglichkeit, die menschliche Liebe mit der
Göttlichenliebe zu vereinigen.
I.8 – Hast du die menschliche Liebe mit der Göttlichenliebe
vereinigt, dann bist du selbst mit Dir-Selbst vereinigt.
I.9 – Glaube nicht an das Gefühl von Hunger. Es ist meistens die
Gier des Geistes nach Ersatz für die ersehnte, unbefriedigte
menschliche Liebe.
I.10 – Glaube aber an die Unfähigkeit der menschlichen Liebe,
wahrhaft Glücksgefühl zu schenken: Dies wird dich dahin bringen,
die Göttlicheliebe als Nahrung zu suchen.
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I.11 – Iß noch nicht, wenn du Hunger hast. Iß erst dann, wenn der
Hunger dich von innen verbrennt. Und denke daran, die
Sehnsucht nach der menschlichen Liebe drückt sich als Hunger aus.
I.12 – Genieße aber deine Speise, nämlich die menschliche Liebe.
I.13 – Genieße desto mehr deine Nahrung, nämlich die
Göttlicheliebe.
I.14 – Und laß es dir in beiden Fällen schmecken – es ist dein
Recht!
I.15 – Glaube nicht, was jemand über sich selbst sagt, glaube nur
daran, was du in ihm siehst, wo er im Bewußtsein ist.
I.16 – Glaube nicht, was jemand über andere sagt, denn das sind
meist nur Aussagen der Sympathie oder Antipathie eines Menschen
über einen anderen. Diese Aussagen liefern dir mehr Information
über den, der sie macht, als über den, über den geredet wird.
I.17 – Glaube es nicht, wenn jemand dich lobt. Frage dich dabei,
was bringt diesen Menschen dazu, das zu sagen? Deine
Aufmerksamkeit zu gewinnen, deine Zuneigung, deine Zeit? Mit
großer Wahrscheinlichkeit wird derselbe Mensch dich später
tadeln, sobald er glaubt, bei dir etwas entdeckt zu haben, was der
Vorstellung widerspricht, die er sich von dir gemacht hat, auch
wenn das vielleicht gerade deine Stärken sind.
I.18 – Glaube es nicht, wenn jemand dich tadelt. Dieser Mensch
versteht bzw. kennt dich noch nicht oder versucht, dich absichtlich
zu verunsichern. Nimm seine Aussage ernst (nicht so sehr die
Person), und denke nach, was an diesem Tadel zutreffen kann.
I.19 – Glaube nicht an das Versprechen eines Menschen. Glaube
aber, daß es seine wahre Absicht (und nicht mehr) ist, es zu halten.
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I.20 – Daher versprich nichts. Du kannst aber stattdessen eine
Absichtserklärung geben.
I.21 – Sei loyal mit deinen Absichtserklärungen, sonst wirst du dich
dir selbst gegenüber nicht loyal fühlen. Das heißt, du wirst dich tot
fühlen und das bei lebendigem Leibe.
I.22 – Sei aber immer bereit, deine Absichten zu überprüfen und
kritisch zu betrachten... und sie eventuell rechtzeitig, bevor du sie
verkündest, tapfer zu ändern oder wenn zu spät (einmal
verkündet): beständig dabei zu bleiben.
I.23 – Versuche nicht, wahrhaftig mit anderen zu sein, sondern mit
dir selbst. Dann ergibt sich die Wahrhaftigkeit im Umgang mit den
anderen von selbst.
I.24 – Versuche nicht an Gott zu glauben, sprich aber direkt mit
„Ihm“ (Dativ von „Es“). „Es“ ist nicht ein Mensch, auch nicht
„Etwas“ Vorstellbares – du kannst nicht an etwas Unvorstellbares
glauben, denn das hieße, an „Nichts“ zu glauben.
I.25 – Und wenn du Es etwas fragst, suche die Art und Weise,
Seine Antwort zu empfangen.
I.26 – Es antwortet nicht wie ein Mensch einem Menschen. Es
antwortet von einer höheren Stufe aus als der, auf der du dich
gerade befindest.
I.27 - Daher sollst du deine Intelligenz (sprich Spiritualität) wie ein
Gummiband nach oben ausdehnen.
I.28 – Seine Antwort nicht zu verpassen, ist eine Herausforderung
an deine Intelligenz und dein Bewußtsein.
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I.29 – Glaube nicht an die Antwort, die du glaubst, empfangen zu
haben. Überprüfe sie, indem du jedesmal, aus der Zukunft diese
„Antwort“ rückwirkend betrachtest und mit den Ereignissen
vergleichst, die sich zwischenzeitlich ergeben haben. Dann kannst
du aus deiner Erfahrung lernen, welches tatsächlich Seine
Antworten und welches lediglich menschliche Vorstellungen sind.
I.30 – Glaube nicht an Behauptungen über Gott, denn „Es“ ist in
unserer Sprache nicht zu vermitteln.
I.31 – Behauptungen unseres Geistes (Mentales) über „Es“ in
Worten sind wie Sackgassen: sie bringen dich zwar vorwärts, sei
dir aber immer bewußt, daß du ab einem bestimmten Moment in
eine andere Gasse umsteigen mußt. Und das gleiche gilt für diese
neue Sackgasse. Glaube selbstverständlich auch nicht an diese
Aussagen.
I.32 – Indem du zweifelst, räumst du Unwahrheiten aus.
I.33 – Also, zweifle an diesen Zeilen, und filtere heraus, was für
dich wahr sein kann.
I.34 – Das Paradoxe ist die Rhetorik des ins Menschliche
übersetzten Göttlichen.
I.35 – Die Götter sind unendlich unterschiedlich, sind aber Eins.
Die Menschen wollen, daß alle Menschen gleich seien, sie sind
aber unendlich verschieden.
I.36 – Bei Übertragungen des Göttlichen ins Menschliche ergeben
sich Paradoxe.
I.37 – Dieses Mißlingen eines jeden Übersetzungsversuchs macht
dir bewußt, daß Gott nicht vom Mind (mit Denken und Verstand)
zu erfassen ist.
-7-
I.38 – Doch als Bewußtsein bist du schon im Gotteshaus. Sein
Wohnzimmer ist dir immer einen Besuch wert noch.
I.39 – Die Information über einen bestimmten Teil des Universums
findet man in jedem anderen Teil des Universums. Es geht nur
darum, die Information zu entnehmen. Und anschließend, sie
unserer Vorstellungen (oder Einbildungen), die wir uns von diesem
Aspekt des Universums gemacht hatten, zu entkleiden. Am Ende,
sie zu interpretieren. Letztendlich, sie anzunehmen.
I.40 – Ein Theoretischer-Physiker muß immer auch ein Praktischer
sein – sonst kann er als Theoretischer-Physiker nicht lange
überleben. Er ist immer bereit, seine Theorie gegen eine bessere
einzutauschen.
I.41 – Wenn ein Theoretischer-Physiker beginnt, an seine Theorie
zu glauben, hört er allmählich auf, ein Physiker zu sein – und fängt
allmählich an, ein Theologe zu werden.
I.42 – Indem ein Theoretischer-Physiker an seiner Theorie zweifelt
und ständig versucht, sie zu überprüfen und zu widerlegen, könnte
das Gegenteil dessen geschehen, was er erwartete: nämlich daß er
sich stärker von der Glaubwürdigkeit seiner Theorie überzeugt.
I.43 – Also, geh mit deiner Gottesvorstellung so ähnlich um, wie
ein Theoretischer-Physiker mit seiner Theorie.
I.44 – Denke daran, daß die Theoretischen-Physiker vielleicht mehr
mit Gott zu tun haben (ohne an Gott zu glauben) als die
Theologen selbst.
I.45 – Theoretische-Physiker glauben nur an ihre eigene Erfahrung
mit den Gedankenexperimenten und den Vergleichsergebnissen
der Laborexperimente –und das ist eine ihrer Hauptstärken.
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I.46 – Theologen möchten an ihre Glaubenssätze glauben. Das
heißt, sie glauben an den Glauben. Das ist aber ein leerer Satz, wie
letztendlich alle ihre Glaubensätze gegründet sind nur in dem
vorangenommen Glauben.
I.47 – Theoretische-Physiker können in ihrer Sprache der
Mathematik beweisen oder begründen, was sie sagen. Daher sagen
sie über Physik dasselbe und sind sich einig, seien sie Russen,
Amerikaner, Asiaten.
I.48 – Theologen können ihre Glaubenssätze nicht aus dem
Glauben selbst begründen. Daher bekämpfen sie sich, als ob sie
unterschiedlichen Göttern angehörten.
I.49 – Lerne den Leuten zuzuhören, indem du nicht nur hörst was
sie sagen, sondern was sie sagen möchten.
I.50 – Unterscheide, ob du auf das antwortest, was sie gefragt
haben oder auf das, was sie fragen wollten.
I.51 – Lerne einer Person zuzuhören, indem du nicht nur hörst,
was sie sagt, sondern auch, was sie denkt.
I.52 – Unterscheide, ob du auf ihre in Gedanken gehaltene,
unausgesprochene Frage antwortest oder auf das, was sie
tatsächlich in Worten fragt.
I.53 – Lerne einer Person zuzuhören, indem du nicht nur hörst,
was sie denkt, sondern auch das wahrnimmst, was ihr im Herzen
brennt.
I.54 – Unterscheide jedes Mal, ob du darauf antwortest, was sie in
Worten sagt oder was sie sagen wollte oder was sie denkt oder
was sie im Herzen trägt.
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I.55 – Ermiß ihr Bewußtsein und ihre Intelligenz, damit du jedes
Mal die treffende Ausdruckweise für deine Antwort findest, in der
die Person sie nicht nur begreifen, sondern auch annehmen kann.
I.56 – Und wenn du die richtige Ausdruckweise nicht findest, weil
vielleicht der Zeitpunkt noch nicht gegeben ist, schweige – was
auch eine Art ist, etwas zu sagen.
I.57 – Handle nicht aus Diktamen (oder „auf Kommando“, wie
man in der Umgangssprache sagt), sondern aus Inspiration.
I.58 – Es kann sein, daß du etwas tun wolltest oder solltest, aber
gerade die Inspiration hast, etwas anderes zu tun. Denke dabei:
Handlung ohne Inspiration kostet viel Kraft und trägt keine
besonderen Früchte.
I.59 – Und wenn die Inspiration kommt, weiß man nicht, ob sie
später noch da oder vorbei ist.
I.60 – Versuche „aus
Inspiration beflügelt“ beides
zu vereinbaren, so als ob
du, wie aus Zufall, die
Inspiration hättest, eben das
zu tun, was du gerade tun
mußt. Dann hast du nicht
das Gefühl, daß du dies tun
mußt, sondern daß du es
willst und möchtest.
I.61 – So halte auch kein
Gebet, ohne die
entsprechende Inspiration.
- 10 -
Ansonsten kommt es häufig vor, daß dein Geist (Mental) und nicht
dein Herz das Gebet ausdrückt und steuert - dabei entartet das
Gebet zu Bitten, das Bitten zu Verlangen.
I.62 – Tue alles, was du tust, als Gebet.
I.63 – Jeder Gedankenimpuls, jedes Gefühl, jede Bewegung deines
Körpers wird, wie bei einem Tänzer, sinnbildlich zum Gebet.
I.64 – So bete ohne Worte, die ganze Zeit, …bete.
I.65 – Beten ohne eine Vorstellung von Gott, ist wie Tanzen ohne
Musik: ungewöhnlich. Und zugleich frei, ohne die Anbindung an
einen vorgeschrieben Rhythmus oder eine Melodie: wahrer „freier
Tanz“. Es ist aber schwierig.
I.66 – Normalerweise kommt erst durch die Musik die Inspiration
zu tanzen. Nur wirklich inspirierte Tänzer können es auch ohne.
I.67 – Tanzen diese Tänzer eigentlich ohne Musik? Oder tragen sie
schon die Musik in sich, eingeboren in ihrem Körper? Und zeigen
uns in Bewegung, was wir, Stumpfsinnige, zu sehen verlangen,
weil wir unfähig sind zu hören?
I.68 – So wie eine Möwe die Luft und das Meer benötigt, benötigt
der Mensch die Vorstellung vom Gott im Himmel und die
Handlung auf der Erde.
I.69 – Eine Möwe fliegt, nicht um den Himmel zu erreichen,
sondern um im Himmel zu bleiben.
I.70 – Eine Möwe betet, nicht mit Worten, sondern mit der
sanften Bewegung ihrer Arme.
- 11 -
I.71 – Wie eine Tänzerin in der Luft schwebend, weiß sie aus jedem
Windhauch das Beste zu machen.
I.72 – Und manchmal macht sie gar nichts daraus und scheint...
bewegungslos in der Luft stehen zu bleiben.
I.73 – So lerne auch du, aus der Dynamik des Erhabensten das
Beste zu machen, nutze Seine Dialektik von Luft in Bewegung und
laß dich von diesem Wind tragen.
I.74 – Dann bleibst auch du im Himmel ohne zu fallen, selbst
wenn du inmitten von Handlungen auf der Erde bist.
I.75 – Vergiß aber die Bedingung dafür nicht: dein Dasein im
Leben soll ein Gebet werden.
I.76 – So bete wie eine Möwe betet.
I.77 – Das Beten ist das Atmen des Lebens.
I.78 - Wenn du die Inspiration dazu bekommst, nimm dir Zeit
zum Nichtstun. Bleib einfach liegen, frei von Tätigkeiten und von
dem Gefühl, etwas tun zu müssen.
I.79 – Tue nichts, versuche nichts, öffne dich nur zur feinsten
Wahrnehmung. Nimm zuerst deinen Körper und deine Atmung
wahr, dann deine subtileren Körper, deine Gedanken, deine
Gefühle, deine Umgebung, die ganze Erde, das Sonnensystem, bis
zum Polarstern alles umfassen… und dann... den ganzen Kosmos.
Du wirst dein Dasein zu überall im Universum erkennen.
I.80 – Du wirst jeder Stein, jeder Planet und jeder Stern, jedes
Atom und jedes Lebewesen als Teil von deinem Selbst erkennen,
du wirst spüren, daß nichts getrennt ist, daß du selber ein Teil von
dem Selbst aller anderen bist.
- 12 -
I.81 – Einheit im Zustand des Reinenseins. Dabei wird jede
Aktivität überflüssig erscheinen, indem du Alles und in Allem bist.
I.82 – Denn alle tun so viel und haben schon so viel getan! Und du
wirst erkennen können, du warst in ihnen, als Miturheber der
ganzen Geschichte auf der Erde.
I.83 – Ein selbes Selbst atmet durch jeden einzelnen
unterschiedlichen Menschen.
I.84 – Wenn du zum Beispiel fliegen lernen möchtest: Nimm einen
Flieger, sagen wir eine Möwe, am Herzen, auf: Du spürst, daß du
auch sie bist. Deshalb bist du schon ein guter Flieger, fliegen
entspricht deiner Natur, von Geburt her, jetzt erinnerst du dich
daran und öffnest allmählich deine eigenen Flügel.
I.85 – Du möchtest z. B. Finnisch lernen und denkst, „schwierig!
Eine der schwierigsten Sprachen der Erde“. Richte stattdessen deine
Wahrnehmung auf dieses Land und auf einen Menschen „da oben“
<I.80>, den du im Herzen gerne hast: Du wirst merken, aus der
Wahrnehmung von und aus der Einheit mit ihm, kannst du mit
seinem Hirn denken und seine Welt aus seiner Sicht wahrnehmen.
Du fühlst dich, als ob du auch er bist.
I.86 – Dann kannst du Finnisch hören, wie eine Musik, von der
man nicht fragt und auch nicht erwartet: „hast du sie verstanden?“
Sondern: „hat sie dich berührt, wie hat sie dir gefallen?“
Du hattest nur deine Aufmerksamkeit nicht darauf gerichtet,
sondern auf die vielen äußeren Tätigkeiten, die in Wirklichkeit
überflüssig sind, wie zum Beispiel „Finnisch verstehen zu
versuchen“.
I.87 – Denn du hast schon alles, und du bist in allem im Zustand
des Seins.
- 13 -
I.88 – Alles ist schon gesagt. Bleibt nur zuzuhören, ohne eigenes
denken, deinem Herzen nämlich.
I.89 – Glaube nicht an Gott, glaube an Dich-Selbst.
I.90 – Nicht aber an das psychologische „dich“, das du glaubtest zu
sein, sondern an das spirituelle „Dich“, das du wirklich bist, das du
zwar noch nicht erfassen kannst - aber schon lange erahnst.
I.91 – Glaube nicht an einen Menschen, glaube aber an sein Selbst,
das er selber ist, noch ohne es zu wissen oder Es zu erleben.
I.92 – Dann bringst du diesen Menschen spontan mit seinem
wahren Selbst näher in Kontakt: dem Göttlichen in ihm, obwohl er
vielleicht gerade derjenige ist, der dich gestern betrog. Lerne dabei
zu unterscheiden zwischen seinem wahren Selbst und dem, was er
selber darüber hinaus daraus macht.
I.93 – Indem du dein Selbst achtest und liebst, liebst du ihn Selbst
auch.
I.94 – Denn es handelt sich um dasselbe Sein im Bewußtseinsreich.
I.95 – Dann endlich verstehst du, ja erlebst sogar, was du seit jeher
gehört hast: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“. Und es
offenbart sich dir die unvermeidlich fehlerhafte Übersetzung des
Göttlichen („liebe das Selbst deines Nächsten wie dein Selbst“) in
das Menschliche. <I.34>
I.96 – Erinnere dich daran, was jede einzelne Person gesagt hat –
obwohl sie selbst sich nicht mehr daran erinnert. Höre ihr in dem
Bewußtsein zu, daß du dich später daran erinnern sollst.
I.97 – Erinnere dich aber viel mehr daran, was du gesagt hast. Sage
alles in dem Bewußtsein, daß du dich später daran erinnern mußt.
- 14 -
I.98 – Sage nicht mehr als dein Gedächtnis behalten kann.
I.99 – Höre nicht mehr als dein Gedächtnis bewahren kann.
I.100 – Daher wähle ganz genau aus, was du sagst, was du hörst.
I.101 – Und sei dir bewußt, daß es immer deine Entscheidung war,
auf eigenes Risiko, etwas gesagt zu haben, etwas gehört zu haben.
I.102 – Höre die Menschen reden; höre, was sie sagen, nicht nur
mit dem Verstand, sondern auch -ähnlich wie man Musik hört- vor
allem mit dem Gefühl.
I.103 – Das Gefühl bringt dich dazu, zwischen Lüge und Wahrheit
zu unterscheiden wie zwischen Musik und Geräusch. Denke daran:
Es gibt keine Definition von „Geräusch“, es gibt keine Definition
von „Musik“. Es ist eine Gefühlssache. Und manchmal ist man an
der Schwelle, an der eine Musik einem Geräusch ähnelt, ein
Geräusch einer Musik.
I.104 – Es gibt Menschen, die nur Geräusche hören. Und sie
nennen es „Musik“. Es kann sogar vorkommen, daß sie ehrlich
daran glauben, es sei Musik. So kann es für sie vorkommen, daß
(ihnen) tatsächlich Geräusche wie Musik klingen, und Musik wie
Geräusche. So gibt es Menschen, die gerne Gerüchte, Übelgerede
und Lüge hören, und weil es ihnen so sehr schmeckt was sie hören,
glauben sie ehrlich daran, es sei wahr.
I.105 – Dein Gedächtnis ist wie eine Schublade: klein. Dein
Bewußtsein ist dagegen wie ein Ozean: unendlich weit. Ist die
Schublade erst einmal voll, hat es wenig Sinn, noch mehr
fragwürdige Inhalte in sie hinein zu stopfen.
I.106 – Sprich daher aus deinem Bewußtsein. Höre daher aus
deinem Bewußtsein. Dann kannst du sicher sein, daß nichts
- 15 -
verloren gehen kann. Und was verloren gehen soll, erreicht
sowieso einfach nicht den Bewußtseinsbereich.
I.107 – Sei deshalb nicht überrascht, daß wenn du eine Wahrheit,
die du erkannt hast, aussprichst, sich dabei einige gestört fühlen
und dich angreifen.
I.108 – Rede nie von Gott –denn du würdest nicht wissen, wovon
du redest. Sprich nicht mit Gott wie mit einem Menschen. Bleib
still, und laß „Es“ sprechen. Und erinnere dich daran, daß „Glaube
nicht an Gott“ dein erster Glaubenssatz war.
- 16 -
– II –
- 17 -
II.1 – Vertraue deiner inneren Selbstführung. Auch wenn du später
das Gefühl hast, du hast dich geirrt und die Dinge haben sich
anders gefügt als du es erwartest hattest.
II.2 – Dies ist besser als das Gefühl, innerlich untreu gewesen zu
sein, untreu dieser Ahnung von Innerergottesführung (wie sie sich
bei dir Selbst auch immer zeigen mag).
II.3 – „Glaube an nichts, nur an deine eigene Erfahrung und an die
gewonnene Erkenntnis“, gilt auch in Hinblick auf deine
Innereführung.
II.4 – Die Inspiration des Moments ist der Atemzug des Göttlichen,
der durch dich fließt wie durch eine Süßeflöte.
II.5 – Stoppe nicht den Fluß indem du den Ausgang schließt, weil
du gerade keinen Wind erwartetest. Laß es fließen.
II.6 – Wie du die anderen Löcher mit deinen Fingern schließt, liegt
nur an dir. Du gibst damit dem Atemzug deine eigene ...Melodie,
...oder deinen Ton,... oder dein Geräusch.
II.7 – Das Göttliche gibt Dir den Atemzug. Was du damit machst,
liegt an dir.
II.8 – Aber bitte paß nur auf eines auf: Laß es fließen. Es wäre zu
schade, den Ausgang der Flöte zu verschließen –wie es die meisten
tun.
II.9 - Die Kunst des Spirituellenheilungsbegleiters besteht darin,
diese Inspiration zum Gebet in sich spontan hervorzurufen und
seine Hände, seinen Körper und seinen Geist wie eine Süßeflöte
dem Göttlichen darzureichen.
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II.10 – Er macht nämlich nichts. Ja, er versucht nicht einmal, seine
eigene Melodie zu spielen. Daher besteht keine Möglichkeit für
Geräusche.
II.11 – „Heilungswunder“ sind die Melodien, die aus dieser Flöte
entstehen, wenn das Göttliche fließt und zugleich die Löcher spielt.
II.12 – Nur, nicht jeder öffnet die Ohren, um sie zu hören. Deshalb
fließt das Wunder an manchen vorbei.
II.13 – Es ist nicht die Aufgabe des Heilungsbegleiters, anderen die
Ohren zu öffnen. Er respektiert diese Einstellung sogar und
versucht, nicht aus seinem Willen heraus einzuwirken.
II.14 – Die süße Melodie ist ganz von Selbst so köstlich, daß sie
wahrgenommen werden kann, wenn nicht als Klang, dann
vielleicht als Duft.
II.15 – Und so wie auch jemand, der blind und taub ist, den
morgendlichen Besuch in der Bäckerei schätzen kann, öffnet sich
allmählich das Herz deiner Heilungssuchenden wie der Mund, der
das frisch duftende Croissant schmecken will.
II.16 – Wie die Intimeblume der Geliebten im Moment des Kusses
öffnet sich das Kronenchakra des Heilungsbegleiters so weit, daß
Gott eindringen und durch seinen Kopf, seine Arme, Beine und
Füße fließen kann.
II.17 – Der Heilungsbegleiter vibriert und weint dabei und verteilt
diese Liebeskraft an die Suchenden, die auch von Gott defloriert
werden möchten.
II.18 – Heilung ist dabei von ihm nicht beabsichtigt. So wenig wie
wir in der Inbrunst des menschlichen Liebesakts beabsichtigen, ein
Kind zu zeugen.
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II.19 – Der Heilungsbegleiter handelt aus der Liebesinspiration des
Moments zum Gebet, naiv unschuldig, wie ein unerfahrener
Liebhaber in der Pubertät des Lebens.
II.20 – Heilung geschieht von Selbst, so wie die Zeugung, wenn die
astrologischen Konstellationen und die karmischen Bedingungen
gegeben sind.
II.21 – Wir kommen gewöhnlich nicht zur Welt aufgrund der
Absicht, zur Welt gebracht zu werden. Wir kommen als
biologische Konsequenz der Liebe der Eltern.
II.22 – So konzentriere dich auf die Liebe Gottes, mach Liebe mit
Gott.
II.23 – Dann geschieht Heilung und Krankheiten verschwinden,
von Selbst.
II.24 – Dann wird Gott in dir geboren.
II.25 – Eine unbefleckte Empfängnis.
II.26 – Und du feierst – die erste Weihnacht deines Lebens!
II.27 – Gott zeugt Gott in dir, und plötzlich gibt es keinen Platz
mehr für dich in diesem Schöpfungsakt, nur noch für Dich-Selbst.
II.28 – Und Du erkennst Dich als Dein Selbst, nicht mehr als
derselbe, der du glaubtest zu sein.
II.29 – Du und Dein Selbst sind Dasselbe geworden, endlich
zusammengekommen.
II.30 – Du hast endlich Selbstsicherheit entwickelt aus der
Erkenntnis dessen, was Du-Selbst eigentlich von je her bist.
- 20 -
II.31 – Wenn die Menschen vom Menschlichen ins Göttliche
hinüber gehen, entdecken sie, was sie immer gesucht hatten und
woran sie immer scheiterten: das Glückseligsein in der
Göttlichenliebe.
II.32 – Denn sie verwechselten Glückseligkeit mit Glücklichsein. Sie
suchten nur das Glücklichsein. Unwissend, daß es als solches im
Erdensein nicht zu finden ist, sondern sich von Selbst aus der
Glückseligkeit heraus ergibt.
II.33 – Bereite dich auf das Sterben vor wie ein Verlobter sich auf
die Hochzeit vorbereitet.
II.34 – Denke an das Gestorbensein mit der Sehnsucht eines
Bräutigams, endlich seine Geliebte so intim zu haben, wie er es sich
lange erträumt hat.
II.35 – Dann wird Gott dich mit offenen Armen und Blumen
empfangen, wie du dir gewünscht hattest, deine vorgestellte
Geliebte auf der Erde dich empfängt.
II.36 – Heiraten ohne Liebessehnsucht nach der Geliebten ist wie
essen ohne Hunger. Weil schon Mittagspause ist und alle andere
dasselbe machen?
II.37 – Wenn du aber weißt, daß du heiraten mußt..., dann
entwickle Hunger –Das leuchtet das Wesen des Fastens ein.
II.38 – So wissen wir mit Sicherheit nur eines: Wir werden sterben,
irgendwann, mit Wahrscheinlichkeit Eins.
II.39 – Wenn das denn so ist, dann stirb mit Hunger nach Gott.
II.40 – Dies macht den Sterbensakt würdig. Im anderen Fall ist es
ein Kadaverwerden, ein anrüchiger Tod.
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II.41 – Verwechsle nicht das Sterben mit dem Tod. Es gibt viele
Tote im Leben, die am Ende immer noch tot dem Tod begegnen.
II.42 – Sterben ist aber die Geburt im Himmel. Das Finalesterben
nach dem letzten Leben auf der Erde, die Hochzeit mit Gott.
II.43 – Das Sterben ist die Auszeichnung an der Brust des Helden,
der sein Leben mit Würde zu beschließen wußte.
II.44 – Nun ist es so, daß manche Gestorbene und in den Himmel
Geborene dort nicht lange bleiben dürfen, sondern bald im
Himmel sterben müssen, um auf der Erde wiedergeboren zu
werden.
II.45 – Der Grund dafür ist, daß sie zwar das vorige irdische Leben
beschlossen aber nicht abgeschlossen haben.
II.46 – Im Moment der Auszeichnung sei deshalb frei vom Wunsch
zurückzukommen, ohne Sehnsucht etwas erleben zu wollen, weil
Dinge in deinem Leben nicht so abgelaufen sind, wie es dir
gefallen hätte.
II.47 – Akzeptiere die Frustrationen des Lebens, denn es gibt kein
Leben ohne sie.
II.48 – Sie sind nämlich Täuschungen, Vorstellung von etwas, was
du hättest bekommen können, das du eigentlich nicht hättest
bekommen sollen.
II.49 – Sonst wirst du zurückkommen müssen, um die
Frustrationen durch dein Erleben zu befriedigen.
II.50 - Der Preis ist aber hoch, er ist horrend: ein neues Leben – mit
allen seinen Gefahren, noch mehr Frustrationen und Fehler
anzuhäufen.
- 22 -
II.51 –Alle Frustrationen und Fehler leiten sich aus demselben
Ursprung ab: nicht genug geliebt zu haben.
II.52 – Versuche nicht, alles zu verstehen. Doch versuche, alles zu
lieben. Dann hast du das Gefühl, daß du alles verstanden hast.
II.53 – Du kannst einen Stein materialisieren, als schöpferischer
Gedanken aus der Gedankenlosigkeit des Bewußtseinsreichs
entstanden. Und wenn dich jemand wissenschaftlich fragt „Was ist
das?“ und du sagst z. B. „ein Rubin“, und die Person verlangt, daß
du die Schrödingergleichung der Moleküle des Rubins und ihre
Lösung sowie die gesamte kristalline Struktur aufschreibst als
Beweis, daß du es gemacht hast...
... dann wird der, der so fragt, enttäuscht sein, wenn du nicht
reagierst. Er wird denken: Du kannst nicht etwas hergestellt haben,
was du nicht beschreiben kannst. Also bist du ein Schwindler.
Er hat aber nicht bedacht, daß er eine Beschreibung in einer
bestimmten Sprache verlangt hat: in der PhysikalischenMathematik, als ob dies die einzig geeignete wäre, um einen Stein
zu beschreiben.
II.54 – Du kannst aber doch ausdrücken, was das ist. Aber in der
wortlosen, mathematiklosen Sprache des Bewußtseins, die der
Sprache des Herzens ähnelt. Beweis: Der Stein selber, den dein
Selbst als Ausdruck von sich selber entstehen ließ.
II.55 – Wie kannst du behaupten, daß eine Mutter ihren Sohn
nicht beschreiben kann, weil du auf Deutsch fragst und die
Antwort in deiner Sprache erwartest? Sie ist aber vielleicht
Chinesin, die nie eine andere Sprache als ihren eingeborenen
Mandarindialekt gelernt hat. Würdest du über sie denken, sie
- 23 -
kennt ihr Kind nicht oder sie hat keins, weil sie es dir nicht auf
Deutsch sagen kann?
II.56 – Genieße deinen Kaffee, obwohl andere dich kritisieren und
sagen, er sei nur Gift. Du trinkst ihn doch nicht, du riechst nur, du
schmeckst und benetzt deine Lippen und machst aus der
Vorbereitung eine Andacht, eine Puja, ein Ritual und fühlst dich
mehr gesättigt, als wenn du eine ganze Tasse getrunken hättest,
ohne dabei berauscht zu werden.
II.57 – Andere werden dich verleumden als einen großen Sünder.
Widersprich ihnen nicht. Laß sie sich aufregen mit ihren Gedanken
und Vorstellungen, wenn es ihnen Spaß bereitet, wie dir die
Zubereitung des Kaffees.
II.58 – Freu dich mit, lach mit ihnen über dich oder besser gesagt,
über die Vorstellung, die sie von dir haben. Nur verrate
niemandem, daß du eigentlich den Kaffee nicht trinkst, sonst
verdirbst du uns allen den ganzen Spaß damit.
II.59 – So genieße die Schönheit einer jeden Blume, die sich beim
Gang durch den Garten deines Privatlebens dir vorstellt: so schön,
so zart und duftig wenn sie sich dir öffnen! Begrüße sie, sprich mit
ihnen, rieche an ihnen, spüre die Zärtlichkeit der Haut in deinen
Händen und bedanke dich dabei, Gott zeigt sich dir so
übergöttlich schön und zärtlich!
II.60 – Aber wehre auf jeden Fall jeglichem Gedanken, eine zu
pflücken, sonst wirst du zu einem Dieb.
II.61 – Denn vergiß nicht, du bist ein Sadhu... in der Vergangenheit
gewesen und hattest nichts anderes als deine Japamala und dein
Mantra… ein anders Mal ein Mönch, da hattest du schon eine
Hose nicht nur deine Gebetskette… ein anders Mal ein Pfarrer am
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Rhein, da hattest du Sehnsucht nach Gott und deiner verbotenen,
geheimen, treuen Geliebten,… ein anders Mal eine Nonne
gewesen,…
II.62 – …. da hattest du Alles: Jesus Christus im Herzen, … und
wie alle Gangenheit ist sie bis heute nicht ganz zerfallen und
erreicht dich immer noch – du kannst nichts dagegen tun.
II.63 – Wehre nicht der Erfahrung des Hungerhabens. Genieße sie
sogar. Denn sie schenkt dir eine tiefere Wertschätzung, eine tiefere
Freude und Genuß, sobald du etwas zu essen hast.
II.64 – So wehre auch nicht der Erfahrung des Alleinseins und der
tiefen Einsamkeit nach dem Verlust deiner Geliebten.
II.65 – Laß dich so tief wie möglich in die Traurigkeit fallen,
wissend, daß du auf einen Wendepunkt treffen wirst.
II.66 – Versuche aber nicht, frühzeitig und schnell wieder daraus
aufzutauchen. Denn es kann sein, daß der Heilungsprozeß noch
nicht abgeschlossen ist. Dann besteht die Gefahr, mit großer
Wahrscheinlichkeit eine neue und tiefere Liebe zu verlieren, was
dich noch tiefer in den Abgrund der Frustration und Einsamkeit
bringen wird.
II.67 – Erwarte nichts vom Leben. Nicht einmal das immer
heimlich Erwartete: die menschliche Liebe.
II.68 – Sei auch innerlich in Gedanken ehrlich bei dieser
Einstellung, frei von Erwartungen und Hoffnung. Dann wirst du
dich leichter und frei fühlen.
II.69 – Denn jede unerfüllte Hoffnung und Erwartung wird im Lauf
der Zeit schwerer.
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II.70 – Wenn die Schwere unerträglich schwer wird, entscheiden
sich manche, sich aus Eigener-Hand das Leben zu nehmen.
II.71 – Indem du keine Hoffnung und Erwartung im Leben hegst,
fühlst du dich leichter, weil du dich „wie aus dem Leben
abgesprungen“ fühlst.
II.72 – Und im Laufe dieser von Erwartungslosigkeit erfüllten Zeit
wirst du so leicht, daß du irgendwann wie ein Luftballon schwebst
und dich im Fortgeschrittenenstadium, wie ein Heliumballon
erhebst und dich entscheidest, in Gotteshand dein Leben
abzugeben.
II.73 – Denn das Leben ist ein Sprungbrett zum Himmel. Nicht ein
Festland, um ein Haus darauf zu bauen.
II.74 – Denn dein Heim ist nicht auf dieser Erde. Deine Traurigkeit
ist die Erinnerung daran.
II.75 – Daher das Heimweh, das nach Einsamkeit schmeckt.
II.76 – Dein ganzes Leben begleitet dich dieser Beigeschmack,
genauso wie die unerfüllten Frustrationen von Liebegeben und
Liebenehmen, angesammelt aus so vielen Leben.
II.77 – Bedauere nicht unendlich lang den Verlust deiner
menschlichen Liebe. Verwechsle nie bei diesem Verlust „Liebe“ mit
„Leib“.
II.78 –Die Liebe wird nie zum Leibe, der zur Leiche wird, die in der
Erde aufgeht. Die Liebe ist ein gesäter Samen, der in der Erde
unsichtbar steckt, bis die Bedingungen von Wärme und Regen in
einem neuen Sommer ihn zum Pflanzenwerden aufrufen.
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II.79 – Die Liebe wird zu Leben, das das Sterben transzendiert und
in der Engelwelt, im Himmel, als gesäter Samen aufblüht. Im
nächsten Leben auf der Erde regnet dir auf dein Herzen der
Blütenpollen dieser Ernte. Du äußerst dich ganz plötzlich: ich bin
verliebt! Wer dich hört, fragt dich erstaunt: In wen denn? Du
erwiderst ohne zu denken: In Gott! und erwischt dich dabei
untreu, gegenüber deinem ersten Glaubensatz nämlich. Jetzt ist es
dein Zuhörer, der nicht mehr an dich glaubt!
II.80 – Jeder Mensch ist in viele Körper gekleidet, von denen wir
nur den „Leibkörper“ sehen. Sieh ihn dir aufmerksam an, denn er
sagt auch etwas über die feinstofflicheren Körper aus.
II.81 – Daher sind Schönheit und Dynamik des Leibkörpers von
Bedeutung, von noch größerer Bedeutung sind sie aber als Spiegel
der feinstofflichen unsichtbaren Körper.
II.82 – Versuche also herauszufinden, ob die feinstofflichen Körper
hinter einem schönen Leibkörper auch so schön auszusehen
vermögen.
II.83 – Suche immer die Schönheit des Leibkörpers, konzentriere
dich auf diese. Dann werden sich die Unschönheiten dadurch
auflösen, daß sie vergessen werden.
II.84 – Projiziere deine tiefe Sicht der Schönheit der subtileren
Körper auf das Bild des sichtbaren Leibkörpers. Dann machst du
einen Menschen schöner, einfach dadurch, daß du tief in ihn
hineinblickst.
II.85 – Entdecke auf diese Weise, wie viel verborgene Schönheit es
gibt. Und projiziere diese in die sichtbare Welt.
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II.86 – Nimm Abstand von Menschen, die nur nach dem Aussehen
bewerten und denken, schon alles über dich zu wissen und
entsprechend über dich reden.
II.87 – Wenn sie so rasch mit einem unzutreffenden Urteil über
den Leibkörper sind, was denkst du wohl, wie sie da deinen
subtileren Körper einschätzen könnten?
II.88 – Menschen sehen nur den Leibkörper. Menschen sehen nicht
den Menschen. Beim Besuch bei einem deutschen Arzt erlebst du
das anschaulichste Beispiel.
II.89 – Es gehört wohl zur Arbeit eines Arztes, die Krankheit des
Leibkörpers zu behandeln. Die Krankheit selbst ist aber nicht da
entstanden.
II.90 – Die Liebe geht nicht verloren. Nur ihre Ausdrucksform.
II.91 – Im Menschlichen gehen wir mit der Ausdrucksform um, die
im besten Fall etwas von der Eindrucksform andeuten mag.
II.92 – Ja, ich weiß, du sagst, in dieser Welt, auf der Erde, ist der
Ausdruck wichtiger als die Form und es wird für Verpackung viel
ausgegeben.
II.93 Du baust aber dein Nest im Himmel, nicht so sehr auf der
Erde, wenn es dein Schicksal ist, Spirituellerheilungsbegleiter zu
werden.
II.94 – Dann schaue die Innere-Form der Liebe an, deren Ausdruck
du verloren hast. Du wirst merken, sie besteht immer noch, wie
die Luft.
II.95 – Dieselbe Luft atmen wir in Deutschland wie in Indien oder
in Feuerland. Die Wahrscheinlichkeit, daß du gerade das
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ausgedünstete Sauerstoffmolekül einer brasilianischen Blume
einatmest, ist auf keinen Fall Null.
II.96 – Menschen setzen Grenzen auf der Erde. Sie berühren aber
nicht den Himmel. Gott sei Dank!
II.97 – Du kannst ohne Essen auf der Erde verweilen, das ist
bewiesen... aber nicht ohne Luft.
II.98 – Für immer auf das Atmen zu verzichten, ist eine
fortgeschrittene Art von Fasten, doch für einen leidenschaftlichen
Mönch nicht geeignet.
II.99 – Du liebst. Beweis: Du atmest.
II.100 – Du fragst mich, was ist mit einem trainierten Asketen,
versunken in Samadhi? Es liebt, in diesem Fall. Beweis: Er ist nicht
da.
II.101 – Du siehst nur seinen Körper in der Zeit. Er ist aber aus der
Zeit abgesprungen und ins Reinebewußtseinsreich eingetreten.
II.102 – Da gibt es keine Zeit. Er ist in dem Ewigenaugenblick, wir
sind immer noch im Zeitablauf.
II.103 – Daher ist er nicht da, wo wir sind. Obwohl wir seinen
Körper sehen.
II.104 – Er liebt nicht, denn „lieben“ ist eine Handlung auf der
Erde.
II.105 – Er läßt Es lieben, während er in der Liebe ist.
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II.106 – Im Reich des Reinenbewußteins ist „Lieben“ ein Dasein,
nicht eine Handlung, nicht ein Gefühl, nicht eine Einstellung des
Minds.
II.107 – Solange du menschlichst auf der Erde, atme.
II.108 – Der Atem ist der leidenschaftliche Hauch Gottes durch
deinen Körper.
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– III –
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III.1 – Deine Aufgabe entspricht der eines wahren Priesters: Du
ermöglichst den Menschen den Kontakt mit dem Göttlichen, das
heißt, mit ihrem wahren Selbst. Jedoch ohne von Gott zu
sprechen, rein als Erlebnis und ohne einen Glauben zu verlangen,
nur an das Experimentalergebnis, wie ein wahrer Physiker.
III.2 – Was darüber hinaus aus diesem Kennenlernen des
Göttlichen als Beziehung sich entwickelt, liegt nicht in deinen
Händen. Ob hier sich eine Eheschließung anbahnt, ist nicht an dir
zu entscheiden, auch nicht wie, wo, wie lange, wann und ob
überhaupt.
III.3 – Die Krankheit trägt zu dieser möglichen
Beziehungsentwicklung mit dem Göttlichen bei, wie die
Sexuellekraft zur Entwicklung einer Beziehung zwischen Mann und
Frau.
III.4 – Ohne diesen Treibstoff würden wir dies hinauszögern: die
Entwicklung.
III.5 – Unterdrücke diesen Treibstoff nicht. Nutze ihn und mache
das Intelligenteste aus ihm.
III.6 – Denn es gibt hinter einer Krankheit sowie hinter dem
Sexuellentrieb mehr Sinn als die Menschen sich vorstellen können.
III.7 – Deine Aufgabe ist, diesen Sinn zu enthüllen und sich erfüllen
zu lassen.
III.8 – Ist der Sinn erst einmal erfüllt, wird er sinnlos.
III.9 – Nun, manche, die beides schon transzendiert haben oder
dabei sind, es zu tun, weigern sich, sich zu verabschieden, im
Moment des Aufstiegs ins Licht.
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III.10 – Gewohnheiten sitzen fest, so auch die Gewohnheit,
Mensch zu sein. Es sind die vielen Leben, die dazu beigetragen
haben.
III.11 – „Nichts ist unmöglich“, so wird behauptet. Glaube aber
nicht an diesen Satz (denn dieser Glaube wäre unmöglich, daher
würde der Glaube an diesen Satz ihm selbst widersprechen).
Glaube nur an die Beispiele, die du erfahren hast, die diesen Satz
bestätigen.
III.12 – Die Anzahl von Möglichkeiten ist unendlich. Die Anzahl
von Unmöglichkeiten ist noch viel größer.
III.13 – Dementsprechend, versuchst du es, gelingt dir das
Unmögliche mit größerer Wahrscheinlichkeit.
III.14 – Nur die Wahrscheinlichkeit, daß man auf die Idee kommt,
das Unmögliche zu versuchen, ist statistisch gering.
III.15 – Versuche aber, was du als dein nächstes Ziel erkannt hast
und worüber du dachtest, „unmöglich, ich bin noch nicht so weit“.
III.16 – Sei dabei frei von Versuchungen.
III.17 – Mach aus diesem Leben dein allerletztes. Allein die
Entscheidungskraft, dies zu versuchen, hat dich bereits dem Ziel
ganz nahe gebracht.
III.18 – Einige versuchen den Ausstieg aus dieser Gesellschaft und
schließen sich alternativen Gemeinschaften an. Versuche du den
Ausstieg aus dieser Welt und schließ dich der Gemeinschaft der
Engel an.
III.19 – Verwechsle nicht Versuchen mit Suchen.
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III.20 – Menschen sind ständig auf der Suche. Nur wenige wissen,
was sie suchen. Noch weniger von denen, die wissen, was sie
suchen, wissen, ob das wirklich das ist, was sie wollen.
III.21 – Wird das lange Gesuchte und noch dazu Gewollte erst
einmal erreicht, kommt die Enttäuschung oder der Verlust dessen.
Dann folgt die Erkenntnis, daß, was man eigentlich wirklich sucht,
die Göttlicheliebe ist.
III.22 – Die Suche ist das Suchtmittel, um im Menschlichen zu
verharren.
III.23 – Indem man aufhört zu suchen, öffnet man sich dem
Finden.
III.24 – Du hast schon Dich-Selbst gefunden. Komm nicht zurück
zum Suchtverhalten.
III.25 – Du kannst die Augen schließen und später wieder öffnen.
Und so kannst du auswählen, was du siehst. Schwieriger ist es,
dasselbe mit den Ohren zu tun. Und was ist mit der Nase? Wenn
man schläft, schließt man nur die Augen, die anderen Sinne bleiben
offen. Du willst aber nicht alles riechen müssen, was in dieser
gemeinsamen Luft auf der Erde ausgedünstet wird und fragst dich,
warum der Urheber unseres Körpers uns nicht mit Klappen an der
Nase wie Lidern an den Augen hergestellt hat?
III.26 – Ohne zu atmen, merkst du sofort, kann man nicht lange
leben. Ohne zu lieben stirbt man sofort, merkt es aber erst lange
danach.
III.27 – Erinnere dich daran: „Es liebt – Beweis: du atmest“. Dies
erklärt warum wir ohne Atmen nicht lange verweilen können.
III.28 – So müssen wir die Nase und das Herz immer offen halten.
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III.29 – Es gibt doch eine Art und Weise, Sehen, Hören, Riechen,
Schmecken und Tasten auszuschalten, wenn du nämlich als Gebet
lediglich den Gottesnamen in Gedanken wiederholst. Praktiziere
dies mit Ausdauer und Regelmäßigkeit. Dann schalte sie alle fünf
vom Selbst wieder ein, dies nun im Himmelsreich.
III.30 – Es heißt, daß man ohne zu essen nicht leben kann. Das
kann schon sein. Wenn auch vielleicht nicht leben, so kann man
doch überleben – insgeheim weißt du das auch.
III.31 – Du kannst sehr wohl überleben ohne zu essen; du kannst
aber nicht leben ohne dich zu nähren. Und wenn du lernst, ohne
zu essen zu überleben, dann merkst du, daß die anderen, die noch
essen, eigentlich unterleben.
III.32 – Die meisten Menschen essen ohne sich dabei zu nähren. In
diesem Fall wäre Fasten besser. Nach einem Essen fragt der
Gastgeber protokollshalber: „Hat es Ihnen geschmeckt?“ Ich habe
aber nie gehört, daß einer gefragt hätte: „Hat es Sie genährt?“
III.33 – So bleibe lieber allein, solange die menschliche Liebe als
Ausdruck der Göttlichenliebe dich noch nicht nähren kann.
III.34 – Allein, bis du diesem menschlichen Ausdruck der
Göttlichenliebe begegnest, aus tiefer Andacht für den Zufall, der
die Begegnung erlaubt.
III.35 – Spiele mit dem Zufall, indem du dich für alle
Möglichkeiten öffnest, und wenn er dich in Nichtsfall bringt,
erweitere das Spektrum deiner Möglichkeiten, anstatt dich wieder
zu verschließen.
III.36 – Denke dabei: Der Zufall hat zweierlei Aspekte. Er trifft auf
dich zu oder er ist für dich zutreffend.
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III.37 - Er trifft auf dich zu, wenn er dich in Fallen führt. Er kann
für dich aber glücklicherweise zutreffend sein – oder für einen
anderen (in diesem letzen Fall trifft er häufig auf dich zu). Wenn
er auch für dich zutreffend ist, dann nennen wir diese Begegnung
„Gottesführung“.
III.38 - Deshalb sei vorsichtig und iß nicht, wenn du dich nicht
dabei auch nährst. Und denke daran, ich meine nicht das Futtern,
sondern den Liebesakt.
III.39 - Der Zufall ist der Baustoff aus dem dein Schicksal gestaltet
wird.
III.40 - Dein Schicksal ist die Landkarte deiner Zukunft; Landkarte,
die du in der Vergangenheit gezeichnet hast.
III.41 - Und vergiß dabei nicht: Dein gegenwärtiger Moment ist die
Vergangenheit deiner Zukunft.
III.42 – Werde ein ausgezeichneter Kartograph und male den
Garteneden auf die Erde statt Öde und Wüsten.
III.43 – Du lebst auf dem Planeten, dessen Landkarte du selbst
entworfen hast.
III.44 – Vielleicht entspricht die Erdlandkarte der ursprünglich von
den Göttern gedachten Geographie nicht.
III.45 – Dein Bewußtsein hat sich auf einen riesigen Spiegel
projiziert, so kannst du es betrachten: die Welt, in der du lebst,
der Planet, auf dem du wohnst, ist auch dein Körper.
III.46 – Gefällt dir das Bild auf der Leinwand nicht, dann ändere
die Projektion, nicht alleine die Leinwand.
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III.47 – Du hattest dich als in der Leinwand eingelebt erlebt. Beim
Sonnenaufgang werden die ersten Strahlen alle Projektionen
ausblenden.
III.48 – Wer die Möglichkeit zu fallen nicht in Kauf nimmt, lernt
nicht zu laufen. Oder erinnerst du dich nicht mehr an deine eigene
Kindheit? Dann spiele mit Kindern, mit kleinen Kindern, die gerade
lernen, vom Baby zum Kind zu werden. Sie werden ganz von
Selbst dafür sorgen, daß du dich erinnerst.
III.49 – Du weißt nie, ob der Regentropfen, der gerade dich aus
reinem Zufall trifft, aus jener Himmelswolke entsprungen ist, oder
ob eine Träne von Himmelsengeln dahin gesteuert wurde.
III.50 – Dasselbe kannst du denken, wenn sich beim Klettern an
einer steilen Wand ein Stein löst und dich verletzt.
III.51 – Gefällt dir der Schmerz auf der Erde nicht so sehr, dann laß
die Himmelsengel nicht so viel weinen. Denn ihre Tränen, wenn
sie dich zufällig als Regen treffen, tun weh.
III.52 – Der größte Schmerz ist die Angst, nicht genug zu haben.
Die Tiere: nicht genug zu essen, die Menschen: nicht genug zu
leben. Beide: zu sterben.
III.53 - Wenige Menschen kennen wirklich den Hunger. Sie
speisen, bevor sie richtig hungrig sind. Dabei erfahren sie das
Speisen als Essen und die Lebenszeit als Mahlzeit.
III.54 - Die wilden Tiere in freier Natur fressen aus reinem Hunger.
Sie fressen noch nicht, bevor der Hunger sie dazu zwingt. Dabei
erleben sie das Essen als Speise. Daher scheint Fressen häufig
erhabener als Essen zu sein.
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III.55 - Manche kümmern sich um ihre Ernährung und versuchen,
sich beim Essen zu nähren. Vergiß dabei nicht bereits die Freude
beim Kochen!
III.56 – Zu kochen und mit Freude den Gästen alles darzureichen,
was man zu kochen hatte, ohne daß etwas für einen übrig bliebe,
um den eigenen Hunger zu stillen, still den Hunger doch mit dem
dabei entwickelten Mitgefühl, welches eine erhabenere Nahrung
ist.
III.57 – Ein hochentwickeltes Mitgefühl gibt dir die Befriedigung,
gegessen zu haben, auch wenn du nur beobachtest hast, daß
andere essen.
III.58 – Beweis: Eine junge Mutter, mit ihrem Baby an der Brust.
Die bist du sicher gewesen, in so vielen früheren Leben.
III.59 – Fasten wird falsch verstanden als „keine Nahrung zu sich
nehmen“. Wer es so versteht, verwechselt sich nähren mit essen.
III.60 – Weniger zu essen und sich mehr zu nähren führt zum
eigentlichen Fasten. Hier bist du frei von belastendem Eßverhalten
und erfüllt davon, dich zu nähren.
III.61 – Entdecke die Arten von Nahrungsquellen und du wirst
zugleich die Essenz des Fastens entdecken.
III.62 – Ich verrate hier die größte Art: das Gebet.... Es nährte und
hielt fromme Mönche am Leben, die nichts zu kauen hatten außer
den Namen Gottes.
III.63 – Denn sie wiederholten Gottes Namen wie ein Baby den
Schnuller kaute. Du meinst, daher kommt keine Milch. Als Essen
sicher nicht. Aber als Nahrung kam Shanti.
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III.64 – Das Geheimnis des Fastens besteht darin, die Ernährung zu
vertiefen und zu erweitern, bis das Essen überflüssig wird.
III.65 – Aber du kannst nicht erwarten, plötzlich vollständig auf
das Essen verzichten zu können, wenn du nicht darin geübt bist,
dich zu nähren.
III.66 – Höre zunächst nicht auf zu essen. Mache vielmehr aus
jedem Moment des Essens einen Gottesdienst.
III.67 – Erkläre den Akt des Essens zu einem groben äußeren
Ausdruck des Aktes des Nährens und zu einem treffenden
Ausdruck des Liebesaktes mit Gott.
III.68 – Denn wenn du ißt, nimmst du Gott in deinen Körper
hinein. Und Gott empfängt es in Seinen Körper hinein.
III.69 – Du erkennst auf einmal den Grund der Existenz des ganzen
Kosmos als das Spiel, in dem Gott Sich von sich Selbst getrennt hat,
um Sich Selbst zu lieben.
III.70 – Dein Akt des Essens ist ein Liebesakt von Gott mit Gott
geworden.
III.71 – Gehe darüber hinaus und konzentriere dich auf die dabei
entfaltete Sexuelleliebes-Kraft.
III.72 – Und nimm diese Kraft in dich auf. Dann nährst du dich.
Aus der höchsten Nahrungsquelle nämlich.
III.73 – Gehe darüber hinaus und erlebe jede Handlung in
Gedanken, Worten und Gesten auf dieser Erde wie einen Liebesakt
von Gott mit Gott, indem du Ihn durch dich handeln und die
Handlung auf Sich Selbst wirken läßt.
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III.74 – Dann nährst du dich ständig, ohne je ans Futtern zu
denken.
III.75 – Verrat es keinem, wenn sie dich nicht essen sehen, warum
du so lebendig und kraftvoll bist. Denn die Menschen verstehen
nicht den Liebesakt mit Gott, der immer von Gott Selbst ist.
III.76 – Wir essen nicht immer aus Hunger, sondern aus dem
emotionalen Bedürfnis zu schmecken. So wie ein Baby den
Schnuller nimmt, obwohl es sehr wohl weiß, daß es dabei keine
Milch kriegt. Akzeptiere das. Das gehört zum Leben. Oder ist der
Schnuller nicht eine der allerbesten Erfindungen der Menschen?
Frag deine Mama, sie erinnert sich gewiß.
III.77 – So warte nicht auf den Hunger nach Gott um zu beten.
Bete aus dem emotionalen Bedürfnis, das Krankheit oder Unglück
für dich konfiguriert hat.
III.78 – Nur Mönche (oder diejenigen, die jemals Mönch gewesen
sind) kommen auf die Idee, zu Gott zu beten einzig um des
Göttlichen willen.
III.79 – Umgangsmenschen
kommen, motiviert von der
Krankheit, erst dann auf die
Idee zu beten, wenn das
Schicksal so bitter ist, daß es
unerträglich schmerzlich wird.
III.80 – So akzeptiere die
Krankheiten als Anlaß, damit
zu beginnen, das Göttliche als
Speise zu suchen.
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III.81 – Dies bringt dich mehr und mehr dahin, dich aus dem
Göttlichen zu ernähren.
III.82 – Und du wirst nicht so sehr aus emotionalen Bedürfnissen
heraus essen, nur noch weil es den Hunger gibt.
III.83 – Dies wandelt dich vom normalen zum erhabenen
Menschen.
III.84 – Dies inspiriert dich, Mönch zu werden, in einem nächsten
Leben vielleicht.
III.85 – Und in diesem nächsten Leben bist du aber nicht im
Kloster gelandet, sondern in der Klause einer Universität, in einer
akademischen Laufbahn. Was machst du nun da? Nun bete nicht
im Rahmen einer Religion wie damals, sondern im Rahmen einer
Wissenschaft, in der du gerade tätig bist.
III.86 – Ist es die Physik? Dann bete auf Mathematisch, nicht auf
Deutsch. Dein Vaterunser wirst du entdecken, wenn du die
Maxwellgleichungen im tensorialen Ausdruck schreibst.
III.87 – Laß aber niemanden merken, daß du ein Mönch bist, unter
den Naturwissenschaftlern, die dich als Kollegen umgeben.
III.88 – Denn ahnten sie etwas von deinen mystischen
Anschauungen, so interpretierten sie sie als nebulöse esoterische
Gespinste. Und in getreuer Ausübung der Inquisition ihrer
Naturwissenschaft verurteilten sie dich zum Scheiterhaufen, ganz
so wie es damals im Namen der Religion geschah.
III.89 – Sie versuchen, ihr Wissen vor der Erkenntnis zu schützen,
die du daruntermischen könntest.
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III.90 – Arbeite aber treu weiter an der Entwicklung der
Erkenntnisschaft. Es ist dein Schicksal, es ist dein Weg, es ist die
Fortsetzung deines Mönchseins seit vielen Leben bis heute.
III.91 – Suche nicht, was nicht zu finden ist. Suche die
Göttlicheliebe, die mit Sicherheit zu finden ist, denn sie liegt schon
in dir. Hast du sie erst einmal stabil kontaktiert, ergibt sich die
Erleuchtung von Selbst.
III.92 – Es gibt Menschen, die erst anfangen, Erleuchtungserfahrung
zu machen. Manche glauben dabei, erleuchtet worden zu sein.
Andere glauben daran, erleuchtet zu sein.
III.93 – Manchmal ist es so, daß sie entdeckt haben, daß das Leben
auf der Erde nicht die Letzterealität ist, sondern die Erstetäuschung.
III.94 – Sie haben die Täuschung entdeckt, aber die erste. Von der
Zweiten wissen sie nicht einmal Bescheid. Von der nächsten wäre
es noch nicht möglich zu reden...
III.95 – Beschäftige dich nicht mit der Täuschung, denn sie sind
unzählig viele. Und da sie viele sind, werden sie dich
überwältigen; am Ende werden die Täuschungen dich enttäuschen,
über deine Erleuchtung nämlich.
III.96 – Beschäftige dich mit der Realität, die Du-Selbst bist.
III.97 – Im Gegenteil, manche beginnen, ihre Erleuchtung zur
Schau zu stellen. Sie fangen an, Satsangs anzubieten. Eigene spielen
dabei mit den Menschen psychologisch weiter. Andere zeigen den
Menschen, daß das Leben ein Spiel ist. Nur wenige helfen
Menschen, aus dem Spiel auszusteigen und ins Licht zu gehen.
III.98 – Denn es gibt heute moderne Erleuchtete mit wenig
Einleuchtung im Bewußtsein und viel Beleuchtung im Geist (Mind).
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III.99 – Verwechsle nicht Erleuchtung mit Beleuchtung.
III.100 – Stell dir vor, du lebst in Lappland, weit jenseits des
Polarkreises. Und du bekommst ein Baby, gerade am
Winteranfang. Führe nun das Gedankenexperiment weiter: Stell
dir vor, ihr befändet euch nicht auf der Erde, sondern in einem
lapplandähnlichen Gebiet eines Planeten, auf dem der Tag 5
Erdentage dauert und der Winter 5 Erdenjahre währt.
III.101 – Nun fragt dich dein kleiner Sohn, Papa, Papa, was ist die
Sonne?
III.102 – Was machst du in diesem Fall? Am besten wäre, zu
warten, bis die Frage sich von Selbst beantwortet. Aber 5 Jahre
Warten ist für ein kleines Kind zu lange, und es läßt dich nicht
entrinnen aus seiner brennenden Frage.
III.103 – Vielleicht drückst du auf den Lichtschalter, und wenn die
Glühbirne dann plötzlich leuchtend brennt, sagst du: So wie eine
brennende Glühbirne, aber viel, viel größer...
III.104 – Zunächst ist das Kind zufrieden, wenigstens eine Antwort
auf seine Frage bekommen zu haben. Aber schon kommt es mit
der nächsten zu dir: Und wer drückt auf den Lichtschalter?
III.105 – Und du siehst schon die Lawine von unmöglichen Fragen
vor dir, die dich überrollen würde, wenn du dir weiter erlaubtest,
die naiven Vorstellungen deines Kindes mit deinen sinnbildlichen
Antworten zu füttern, die es wörtlich nimmt.
Du möchtest
diese große Fragerei mit einem Mal zu einem Ende bringen. Du
holst deinen Diaprojektor und projizierst im dunklenfreien Raum
die Fotos vom letzten Sommer auf die Leinwand.... Nun ist dein
Kind still und zufrieden. Die Bilder sind überzeugend, nun weiß es,
was die Sonne ist.
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Das alles hat so lange gedauert, daß, noch bevor die Vorstellung
endet, die Sonne sich meldet, das Ende des Winters verkündet und
für das Kind den ersten Sonnenaufgang gestaltet.
III.106 – Die Sonnenstrahlen treffen dann auf die Leinwand und
die Diabilder verschwinden in diesem hohen Glanz.Das Kind dreht
sich erschüttert um, schaut jetzt direkt in die Sonne und wird
geblendet!
III.107 – Das Kind weint: Papa, Papa! Was du mir sagtest ist so
nicht wahr!… Ich fühle mich belogen. Dies übertrifft alles, was du
mich hast glauben lassen...!
III.108 – ...und die Wärme..., die hattest du nicht erwähnt, du hast
nur vom Licht gesprochen!!!
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– IV –
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IV.1 – Freue dich über jede menschliche Schwäche, die du bei
dir entdeckst, im Bewußtsein dessen, daß du daraus deine
menschliche Stärke machen wirst.
IV.2 – Konzentriere dich auf die entsprechende Tugend, auf
das Gegenteil dieser Schwäche, statt dich zu schwächen in
Betrachtung der Schwäche. Dann wirst du sie vergessen, durch
Ersatz der entsprechenden Gegenpolstärke.
IV.3 – So, freue dich, eine Schwäche entdeckt zu haben –nicht
aber über die Schwäche- denn dies bedeutet für dich,
anzufangen eine neue Stärke zu entfalten.
IV.4 – Aufhören und Verzichten sind keine Schwächen. Eher ist
das Aufhören der Vorstellung, es gäbe eine Schwäche, eine
Stärke.
IV.5 – In dem du für eine Weile aufhörst zu denken, rückst du
der Erholung näher, dem Nichtszusein und dem
Allesallumfassen nämlich;
IV.6 – Du bist demontiert in einer Auflösung in das Ganze, was
das Gleiche ist wie eine Integration in das Nichts.
IV.7 – Verteilt in der Schöpfung, bist du Alles, was existiert,
plus eine Unendlichkeit von Möglichkeiten, zu alternativen
Existenzen umzuziehen;
IV.8 – Mit der Leichtigkeit, mit der ein Gedanke von einem
anderen verschoben wird.
IV.9 – Die schöpferische Kraft der Gedanken ist erst zu erfahren
im Zustand der Gedankenlosigkeit: Würde hier ein Gedanke
entstehen… emergiert dieser aus dem Nichts, d.h. er verfügt
um die Vakuumsenergie des Kosmos, die unendlich ist.
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IV.10 – Du bist alleine, wie ein Tropfen Wasser im Meer, der
beim Aufstieg zum Wellenkamm seine Stimme hören läßt.
IV.11 – Wenn du noch nicht ertrunken bist, so deshalb, weil
das Wasser, das du schlucktest, noch nicht deinen Durst nach
Liebe stillt.
IV.12 – Deine Stimme ist dabei nur eine –zwischen der von
vielen Wellen.
IV.13 – Wer kann dich hören oder wahrnehmen in einer Welt
des lauten Rauschens ?
IV.14 – Das ausgesprochene Wort existiert jedoch außerhalb
der Zeit und reflektiert sich wie Licht zwischen
gegenüberstehenden Spiegeln: ad infinitum.
IV.15 – Schiffbrüchig in der Unendlichkeit des Meeres, erhebt
dich jede Welle, um dir nur zu zeigen, daß es weder
Bezugspunkte noch Küsten gibt.
IV.16 – Wer in solchen Umständen herumschwimmt, der weiß
nicht, ob er sich nähert oder sich entfernt.
IV.17 – Aber in Wahrheit weiß niemand, ob sich zu entfernen
nicht der direkteste Weg zur Begegnung mit dem
Ausgangspunkt ist.
IV.18 – Vielleicht gibt es einen anderen Tropfen, der wie dieser
auf den Meeren kriecht.
IV.19 – Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, daß zwei Tropfen,
die auf dem Meer irrewandern, aufeinandertreffen?
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IV.20 – Die Aussicht auf eine Begegnung vervielfältigt die
Abwesenheit von dem Ersehnten.
IV.21 – Du hast dir die Existenz von dem, was du suchst,
wonach du dich sehnst, eingebildet, um einfältignaiv zu
versuchen, deine eigene Existenz zu beweisen („Was ich suche
existiert; demzufolge existiere ich“), anschließend, zu
rechtfertigen.
IV.22 – Der, der sucht, irrt. Der, der finden will, wartet bis
das Gesuchte ihn trifft.
IV.23 – Dieses Warten bringt nur Früchte, wenn es ehrlich
ohne Erwartungen ist.
IV.24 – Dieses Warten wird ein Gebet.
IV.25 – Das Gebet, als Annährungsversuch an das Göttliche
durch menschliche Bemühung und Vorstellungen über Gott,
hat viele enttäuscht als unfruchtbares Unternehmen.
IV.26 – Ich spreche von einem Warten, in dem du dich
annäherst ohne je eine Bewegung.
IV.27 – Der Mond bemüht sich ständig, die Erde anzutreffen
durch ein ständiges Fallen.
IV.28 – Wenn du dich auch so zur ersehnten Begegnung
anstrengtest, die Naturgesetze könnten dich zu solch ewigem
Kreisenwarten verbahnen.
IV.29 – Die Begegnung ist eine Gnade, die man als
Göttlichesgeschenk erhält, wenn man vorbereitet ist.
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IV.30 – Du kannst nichts machen, um die Wahrscheinlichkeit
der Begegnung zu erhöhen, die Zeit bis zum Treffen zu
verkürzen, außer dein Ritual des rhythmischen Atmens beim
Schwimmen auf wilden Wellen.
IV.31 – Vielleicht hast du nur als eine Einbildung existiert: Dein
Dasein auf Erden war nur eine Projektion im übertragenen
Sinn, aus dem Realenzustand des Niegeborenwerdens. Daher
kommt dein ständiges Scheitern, dich durch Atmen und Essen
davon zu überzeugen, du seiest ein Mensch von diesem
Planeten.
IV.32 – Unter den vielen Überraschungen, die das Leben einem
schenkt oder aufdrängt, entdeckst du dabei, daß du eigentlich
noch nicht geboren bist – aus der Zukunft betrachtet.
IV.33 – Das Gleiche gilt, aus der Vergangenheit betrachtet.
IV.34 – Nur in der Gegenwart bist du im gleichen Leben, in das
du geboren bist.
IV.35 – Ob dir gehört, was du selber in dir fühlst und hörst?
IV.36 – Was hörst du ständig? – Dein Herz an deiner Tür
klopfen.
IV.37 – Warum öffnest du ihm nicht die Tür? Vielleicht ist es
eben die Angst, daß es zu klopfen aufhört, was dich hemmt.
IV.38 – Dies zeigt dir, daß es durchaus möglich ist, wofür du
dich anstrengst, was du das ganze Leben suchtest, ist schon an
deiner Tür angekommen und hat dich gesucht und getroffen,
und trotzdem begibst du dich auf die Weitersuche und verläßt
dein Haus.
- 49 -
IV.39 – So wirst du nie da sein, wo die Begegnung stattfinden
kann.
IV.40 – Suchende behaupten häufig: „ich suche Gott“. Wer
klopft jedoch ständig an der Tür mitten in ihrer Brust?
IV.41 – Wenn das Gesuchte endlich gefunden ist, gehen wir aus
dieser Welt.
IV.42 – Die materielle Welt existiert nur als Suchspielbrett.
IV.43 – Für dich, auf die Suche nach Liebe zu verzichten, wäre
wie auf das Leben verzichten zu wollen durch Anhalten des
Atems: Unmöglich.
IV.44 – Wenn du dich schwach fühlst, ist es vielleicht deshalb,
weil du gerade vergessen hast, tief genug weiter zu atmen –das
heißt, tief genug weiter zu lieben.
IV.45 – Das Atmen ist deine unverweigerliche
Lebenslangaufgabe. Und ist im Prinzip so natürlich, daß sogar
ein Baby diese erfüllt, ohne belehrt zu werden.
IV.46 – Die Erfahrung der Geburt (die wir fälschlich Tod
nennen): Ein Licht empfängt uns mit Sanftheit und seine Liebe
ist eine Wärme, die uns von innen her liebkost und schützt,
nachdem wir jahrelang durch eine Winternacht geirrt waren.
IV.47 – Im Moment dieses Sonnenaufgangs im Bewußtsein,
reduziert sich das, was wir für unermeßlich wie ein Leben
hielten, auf einen bewegten Traum einer Nacht.
IV.48 – Die Zeit ist ein Machwerk des Gedächtnisses.
- 50 -
IV.49 – Die Handlungen existieren in ihrer Abwesenheit
überlagert.
IV.50 – Zwischen Geburt und Tod auf Erden liegt nur ein
Traum, voll von Martyrien, Feigheiten, Hingabe, Heldentaten,
Leidenschaft und Angst. Und wir nennen ihn „Leben“!
IV.51 – Manchmal läßt ein schönes Mädchen dein Herz
kräftiger schlagen und erweckt in dir den Wunsch, doch noch
am Leben zu bleiben.
IV.52 – Dies beweist, daß Gott dich am Inbrünstigsten sucht, in
dieser Seiner -Ihrer- so schönen Form:
IV.53 – Das Ewigweibliche ist das Prinzip aller Formen und
Gestalten <II.59>.
IV.54 – Sei daher fromm wie ein Mönch beim Eintreten in eine
Kirche auf der Suche nach dem Altar, um Gott zu preisen.
Trinke aus diesem Kelch, es ist dein Recht und als Priester, dein
Dharma.
IV.55 – Von den Fakten, die entweder Akzeptanz erfordern
oder Neurose bedingen, bietet der (Fakt) Verfall die
Erleichterung aller anderen an.
IV.56 – Du hast die privilegierte Verantwortung, dein eigenes
Werk zu vollenden, das du in den vorigen Leben
unabgeschlossen bleiben ließest <II.45>.
IV.57 – Es ist diese Frustration zu lieben, angesammelt aus
vergangener Zeit, die kein Verständnis für die Liebe hatte, die
deine Wiederkehr veranlaßte.
- 51 -
IV.58 – Der Zufall ist uns gegenüber loyal und gütig, weil er
uns die Gewißheit schenkt, uns zur Verwirklichung unserer
Wünsche zu führen und unser eigenes Erbe frustrierter
Ambitionen und eingebildeter Frustrationen wieder zu
vererben.
IV.59 – Frustration und Zufall sind die Zutaten, woraus die
Suppe deines jetzigen Lebens: der Ozean, in dem du
schwimmst, gemacht worden ist.
IV.60 – Du fühlst dich heute gedrängt, alles zu unternehmen,
um nicht zu ertrinken: Entweder den Rand des Tellers
schwimmend zu erreichen oder den Teller leer zu trinken. Der
Rand ist aber weit, und der Teller tief.
IV.61 – Frustrationen auszuheilen durch Ausleben derselben, ist
wie der Versuch deinen Teller zu leeren durch Suppenausessen:
Einen Ozean kann man nicht austrinken um auf festen Boden
zu gelangen.
IV.62 – Nicht wenige sind –in der Geschichte der Versuche– im
Meer ertrunken.
IV.63 – Der Ozean füllt sich mit Wasser, wenn du die Augen
eröffnest um ihn anzuschauen. Bis dahin war er leer, obwohl
du jedes Mal an so viel Wasser glaubtest, als du sie nur
öffnetest.
IV.64 – So ist deine Vorstellung von Gott leerwert, bis du dein
Inneresauge eröffnest. Ich spreche dabei nicht nur vom Sehen,
sondern vom Schwimmen und Tauchen.
IV.65 – Versuche es dann mit anderen Methoden. Das Segeln
und Surfen nutzt die Kraft des Windes. Dabei muß man die
Richtung, in der Er gerade zufällig bläst, annehmen.
- 52 -
IV.66 – Du hast gelernt, an den Zufall zu glauben, nicht etwa,
weil der Zufall dir günstig gesonnen gewesen wäre, sondern
weil du niemals an etwas glauben konntest.
IV.67 – Der Zufall ist ausweichend, und als solcher an ihn zu
glauben, ist gleichbedeutend wie an irgendetwas Beliebiges
willkürlich zu glauben, was eine zufällige Weise ist, die
Tatsache zu betonen, daß du an nichts glauben konntest.
IV.68 – Der Zufall, wie der Wind, läßt sich nicht steuern und
kann dich ohnmächtig fühlen lassen. Man sagt gewöhnlich:
„Schicksal“, „Nichtszutun“. Du aber sagst nichts und erinnerst
dich nur daran, tief weiter zu atmen. Daher schwimmst du so
gerne: dabei ist das rhythmischtiefe Atem Selbstverständlich.
IV.69 – Es gibt kein Leben ohne Atmen. Du erfüllst aber diese,
deine Lebenslangaufgabe, vom Selbst und du merkst dabei
nichts? – dein Selbst bläst ständig in dich hinein.
IV.70 – Dich in ständiger Verbannung auf die Suche nach Liebe
zu machen, ist wie auf die Suche nach Luft zu gehen.
IV.71 – Das Göttliche ist überall und trotzdem suchst du Es? Es
zeigt sich dir nirgendwo, solange du auf der Suche mit
uneröffneten Augen bist. Und trotzdem fühlst du Es ständig
und Es nährt dich, wie die Luft, die dich überschwemmt und
die du ignorierst.
IV.72 – Die Luft ist nicht zu sehen, sondern zu atmen oder zu
fliegen.
IV.73 – Sie hält dich am Leben durch spontane Bewegung und
trägt dich wie eine Mutter ihr Baby trägt, wenn dich Luft als
Wind erhebt.
- 53 -
IV.74 – Erde, Feuer, Wasser, Wind. So fühlst du dich in der
Natur dem nahe, was du immer gesucht hast. Und wenn du
einladendem Wasser begegnest, untersuche, ob es ein
Naturbecken oder ein betonierter Swimmingpool ist.
IV.75 – Spring noch nicht in einen Swimmingpool, bevor du
siehst, ob er Wasser hat.
IV.76 – Springe ohnehin nicht vom Turm, bevor du
eingeschätzt hast, wie tief das Wasser sei.
IV.77 – Auf jeden Fall ist sicherer: spring gar nicht, nutze
immer die Leiter, –ohne Bedenken– es ist nicht spannend, aber
sicher klug.
IV.78 – Auf jedem Fall ist immer weiser: nutze die Leiter um
hinauf zu schreiten anstatt hinunter zu kommen. Denn manche
Swimmingpools sind eigentlich nur überschwemmte Keller.
IV.79 – Du meinst, um ins Wasser zu treten soll man sich nach
unten besinnen, denn auf dem Boden immerliegend, ist des
Wasserswesens: Die Engel aber schwimmen im Himmel, nicht
auf dem Boden.
IV.80 – Du bist als Mensch nicht vergleichbar mit den Fischen,
sondern mit solchen erhabenen Lichtwesen.
IV.81 – Scheint es dir übertrieben? Dann denken wir nicht an
Engel, erwähnen wir die Vögel: sie schwimmen in der Luft, was
heißt, da oben.
IV.82 – Und erinnere dich nun, du betest schon lange so, wie
eine Möwe betet <I.76>.
- 54 -
IV.83 – So springe nicht in eine neue menschliche Beziehung,
bevor du erahnst, ob es Wasser gibt, ob es tief genug ist.
IV.84 – Springst du in eine Beziehung zu den Menschlichen,
gehst du höchstwahrscheinlich nach unten.
IV.85 – Springst du in eine Beziehung zu den Göttlichen (durch
ständige Gebete), gehst du sicher nach oben.
IV.86 – Wie kannst du beides vereinen? Nämlich: Die
Beziehung zu den Göttlichen in der Beziehung zu den
Menschlichen pflegen?
IV.87 – Gelinge dir dies, dann erlebst du das Paradoxe: springst
du da unten in deinen Liebespool, erscheinst du schwimmend
da oben im Himmel, auf dem Ozean der Weißenwolken.
IV.88 – Weißewolken, wie ein Meer aus Baumwolle genähter
Wellen.
IV.89 – Schwebende Baumwollfaser, als Sinnbild für
Leichtigkeit: Zwischen so vielen anderen <I.84> möglichen
Sinnbildern für Schwerelosigkeit wurde dieses von Pantanjali
auserwählt. Was versteckt sich da insgeheim?
IV.90 – Ich wähle jedoch ein anderes Sinnbild aus: das Licht:
Das, über dem weißen Meer der Wolken aus der Sonne
kommend, hat kein Gewicht und bildet die Metapher meines
persönlichen Flugsutras:
IV.91 – „Aus der Beziehung des Körpers zu Akasha, in
Betrachtung der Sonne, erlebe (ich) die Leichtigkeit des
Lichtes“.
- 55 -
IV.92 – So wie aus der Beziehung des Mannes zur Frau, in
Anbetung des Göttlichen, eine erleuchtete Seele als Mensch
landen kann.
IV.93 – Leute, die sich aus der menschlichen Bewußtseinsebene
hinaus nicht erheben wollen, können die Liebe zweier solch
spiritueller Menschen nicht erkennen, die sich auf der
Göttlichenebene begegnen.
IV.94 – So halte in Geheimen deine erhabene Liebe auf das
Göttliche besonnen. Wie einen Schatz –unzugänglich für den
ungeläuterten Geist deiner Mitbewohner dieses Planeten, die
auf die Erde besonnen.
IV.95 – Würden sie deinen Geheimen-Schatz entdecken,
könnten sie ihn zunichte machen wollen im Glauben, sie
handeln in Namen Gottes, um Seine Ordnung vor deiner
Unart zu bewahren.
IV.96 – Ihr Urteil ist aber ihr Eigenes, das ihres eigenen Minds –
noch lange nicht auch nur im Geringsten des Göttlichen.
IV.97 – Das Göttliche urteilt nicht. Es verteilt jedoch Teil der
Ursachen deines Leidens, Es teilt nämlich dein Karma mit
deiner Geliebten. Das ist aber beiderseitig wahr: Es verteilt Teil
des Karmas deiner Geliebten auf dich.
IV.98 – So sei äußert vorsichtig damit, wen du für diese Rolle
auswählst.
IV.99 – Du glaubst vielleicht, hast du sie als deine Geliebte
ausgewählt? Höchst wahrscheinlich ist jedoch Tatsache, daß sie
dich auserwählt hat. Besonders dann, wenn ihr Karma
schwerer als deines wiegt.
- 56 -
IV.100 – So ist die Suche nach Liebe auf dem Spielbrett des
Menschendaseins gefährlich.
IV.101 – Die Gefahr ist, du findest…. Und was du suchtest,
schluckt dich, ihres ungesättigten Durstes wegen.
IV.102 – So, suche die Liebe lieber bei den Engelwesen. Nur
wenige von denen sind inkarniert auf der Erde.
IV.103 – Daher
versteht man
deine Bemühung,
dich zu erheben.
IV.104 – Dein
Flugsutra möge dir
unsichtbare Flügel
wachsen lassen,
die dir dabei
helfen…
IV.105 – …Deine
Geliebte, im
Himmel zu
suchen.
IV.106 – Und
wenn du sie
findest, falle nicht
wieder auf die
Erde wie Adam
und Eva, sonst fangen wir das ganze Drama nochmal von
vorne an: ein neues Menschenleben nämlich.
- 57 -
IV.107 – Das Wasser fließt, seinem Wesen entsprechend, nach
unten. Du beherrschst jedoch die Kunst, die Richtung
umzukehren.
IV.108 – Dein Sprung in den Swimmingpool der Engel ist dein
Yogiflug.
- 58 -
–V–
- 59 -
V.1 – Du hast viel zu sagen aber du hörst zu und schweigst. Du
beobachtest. Einige haben wirklich wenig zu sagen und sagen alles.
V.2 – Du wartest, bis jemand fragt, sei es in Worten, in Gedanken,
in Gefühlen. Und wenn keiner die Frage trifft, veranlaßt du sie, aber
nur dann, wenn was es zu sagen gibt, schon gehört werden soll.
V.3 – Eine Antwort ohne eine Frage zu geben, ist wie ein Geschenk,
das du selbst auspackst im Moment des Darreichens: Damit nimmst
du dem Empfänger die rituelle Spannung das Band zu lösen, das
Geschenkpapier zu zerreißen, das Paket zu öffnen und die
Überraschung, die doch zum Wesen eines formalen Geschenkes
beitragen.
V.4 – Erwarte nichts vom Leben, denn es hat nichts anzubieten, nur
sein ersehntes Ende. Es ist wie ein anziehendes, bunt verpacktes
Geschenk, das aber nur aus der Verpackung besteht: drinnen ist es
leer.
V.5 –Verweigere dich nicht dem Ende des Lebens. Bekämpfe nicht
das Sterben. Denn es ist dein großer sehnlicher Wunsch <II.34>. Dies
ist manchen noch nicht bewußt.
V.6 – Hast du erst einmal das Leben hinter dir gelassen, erkennst du
es, wie du einen Alptraum im Augenblick des Erwachens als Traum
erkennst <IV.47>.
V.7 – Umgangsmenschen tun alles Mögliche, um im Traum zu
bleiben und sie stellen alles nur Erdenkliche an, um im Alptraum zu
verweilen.
V.8 – Sie suchen dich auf, vielleicht zur Heilung eines Patienten mit
Terminalkrebs, mit der Erwartung, länger in diesem Alptraum zu
verbleiben. Du kommst aber, um das Erwachen zu erleichtern.
- 60 -
V.9 – Welcher Alptraum ist schwerer als der Traum desjenigen, der
im Traum selber weiß, daß er träumt und daß es sich um einen
Traum handelt, aus welchem er noch nicht aussteigen darf? Das ist
dein Fall.
V.10 – Du wirst als deine einzige Zuflucht den Augenblick entdecken.
Konzentration auf den gegenwärtigen Moment, auf den Augenblick,
der dich im Traum gerade beschäftigt, wird deine einzige
Erleichterung im Verweilen auf der Erde sein.
V.11 – Hab immer präsent, du übst den Heilungsdienst nicht direkt
für die Menschen aus, sondern für das Göttliche in ihnen, für das
wahre Selbst eines jeden.
V.12 – Etwas für die Menschen zu tun, ist menschlich. Etwas für das
Göttliche zu tun, ist Göttlich.
V.13 – Mit „das Göttliche“ ist das Erhabenste gemeint, ein Sinnbild,
das uns hilft, aus dieser Folge von Erdleben und Sterben schneller
auszusteigen, indem wir uns darüber erheben.
V.14 – Umgangsmenschen nehmen und vergessen, daß sie
genommen haben. Das Göttliche gibt und vergißt nicht, daß du
vergessen und wieder bitten wirst, deswegen gibt es dir jedes Mal
wie zum ersten Mal.
V.15 – Du bist der Diener der Menschen. Du bist gekommen, um
den Menschen dein Leben im Gottesdienst zu geben. Laß nicht
Menschen dir dienen, es sei denn, sie helfen dir damit Menschen zu
dienen.
V.16 – Sprich mit kurzen Sätzen, so klar wie möglich. Insofern die
Idee, die du vermitteln möchtest, in wenigen Sätzen abgeschlossen
ist. Dann wird die Wahrscheinlichkeit, daß deine Dolmetscherin
- 61 -
einen Fehler macht, geringer und die, daß diejenigen, die deine
Sprache verstehen, dich richtig verstanden haben, größer.
V.17 – Umgangsmenschen sind sehr mit ihren eigenen chaotischen
Gedanken beschäftigt. Mehr als drei Sätze, die sie hören, können sie
kaum im Kopf behalten. Und wenn sie sie doch behalten haben,
haben sie sie zugleich verändert. Das Schlimmste daran ist: ohne dies
zu merken.
V.18 – Du sprichst aber mit bewußt gewählten Worten. Sie merken
es nicht, daß es nicht „egal“ ist, auch nur eins davon gegen ein
„äquivalentes“ auszutauschen.
V.19 – Im Menschendasein hören wir selten richtig. Physiologisch
funktioniert das Hörvermögen selten so wie es sollte. Mental
nehmen Menschen nicht alles auf, was sie akustisch gehört haben.
Gedanklich beschäftigen sie sich nicht mit dem, was sie mental
aufgenommen haben, sondern mit dem Chaos der verstopften
Schublade, die ihr Geist ist. Gedanklich interpretieren sie, was sie
mental aufgenommen haben, nach ihrer eigenen Vorstellung und
Erfahrung. Und das
kann etwas ganz
anderes sein als die
Anschauung, die du
ursprünglich übermitteln
wolltest.
V.20 – Und sie merken
nicht, daß deine
Anschauung qualitativ
anders ist als die, die sie
selbst haben. Insofern
können sie nicht einmal
- 62 -
einordnen, wovon du redest.
V.21 – Die Umgangsmenschen kommen zu spät darauf zu merken,
daß du anders bist, daß deine Motivation nicht menschlich, sondern
göttlich ist.
V.22 – Bis dahin haben sie über dich geurteilt, dich beurteilt und
verurteilt – nach den eigenen Gesetzen eines chaotischen,
verstopften Geistes. Ist ein Urteil erst einmal getroffen, ist es sehr
schwierig, es zu ändern (dies würde dem Wesen eines Urteils
widersprechen).
V.23 – Daher sei im Umgang mit den Menschen vorsichtig mit
Worten.
V. 24 – So wie es nicht direkt die Energie ist, die heilt, ist es nicht die
Rede, die eine einleuchtende Erfahrung vermittelt. Es ist in beiden
Fällen das Bewußtsein desjenigen, der spirituelle Energie überträgt,
desjenigen, der redet bzw. schweigt <V.I>.
V.25 – Nur: nicht alle steigen in dein Bewußtseinsfeld ein, während
du sprichst oder während deines Heilungsdienstes. Manche ziehen es
vor, im inneren Gerede ihres geliebten chaotischen Geistes zu
verharren, anstatt sich für die Göttlicheliebe zu öffnen.
V.26 – Trage nicht den Menschen vor, wenn es keine Zuhörer gibt,
auch wenn der Hörsaal voll ist.
V.27 – Und wenn es Zuhörer gibt, dann nehme sie zuerst im
Bewußtsein, im Denken und im Herzen wahr. Es kann dabei
vorkommen, daß du entscheidest das Thema deines angekündigten
Vortrags spontan zu ändern. Laß es geschehen <I.58>.
V.28 – Die anderen Hörsaalbesucher werden dich wahrscheinlich
beschimpfen, sie seien gekommen, „um etwas anderes zu hören“.
- 63 -
Dasselbe aber hätten sie am Ende auch gesagt, wenn du darüber
geredet hättest, was als Thema angekündigt war. Sie wissen es nur
nicht. Du hast es gewußt, von Anfang an, sie hätten es gewußt, am
Ende – dies ist der Unterschied.
V.29 – Laß dich von Menschen faszinieren, denn sie tragen immer
einen Funken des Göttlichen in sich. Das besonders Faszinierende
liegt darin, diesen Funken in jedem zu entdecken.
V.30 – Bei Manchen ist er aber nicht zu finden. Zünde in ihnen dann
den Funken an.
V.31 – Und bei den anderen, bei denen er schon vorhanden ist, laß
sie entflammen. Dieser Funke wird zur Flamme, diese Flamme
verbrennt ihre Krankheiten, sprich: ihr negatives Karma.
V.32 – Die Glut der Göttlichenliebe, dieses Feuer, läutert die Seele
eines jeden Heilungssuchenden.
V.33 – Laß dich vom Göttlichen faszinieren, das sich in so
Unterschiedlichem tarnt. Davon ist dir Seine schönste Tarnungsform
schon enthüllt <IV.52>.
V.34 – In deinem Dienst an Menschen werden alle spirituelle,
spontane Heilung erleben. Nun selten werden sie dankbar dafür
sein: denn meistens werden sie dies nicht merken. Nämlich die
positive innere Transformation, die bei ihnen damit ausgelöst
worden ist.
V.35 – Denn dein Heilungsbewußtsein wird ihnen helfen, einen
großen Teil ihres Karmas zu verbrennen. Nur ganz selten wird dies
ausreichend sein, um sie zufrieden zu stellen. Bei wenigen wird sich
dies so auswirken daß die Krankheit augenblicklich verschwindet.
- 64 -
V.36 – Bei vielen wird sich dies als eine sofortige Erleichterung und
Erschütterung durch den Kontakt mit der Göttlichenliebe zeigen.
V.37 – Bei den meisten wird wahrscheinlich nicht augenblicklich eine
Krankheitsbildveränderung ausgelöst. Dies ist eine Frage von
Karmagröße und Zeitspanne.
V.38 – Verständnis und Respekt für die Zeit heißt: Warten, um ein
Ereignis aus der Zukunft in die Vergangenheit zurückblickend
einzuschätzen, führt zur Weisheit <I.29>. Anders lebt man und lernt
nichts dabei.
V.39 – Erinnerung an das in der Vergangenheit selbst geschriebene
Schicksal. Beobachtung dessen, daß kein Regentropfen auf dich
„zufällig“ fällt, ohne daß du diesen Tropfen verdient hättest, führt
zur Erkenntnis über Karma.
V.40 – Du wirst von den Göttlichen gesendet um zu helfen, das
Schicksal umzuschreiben, das Karma zu bewältigen und zu löschen.
Um Mitbetenden zu zeigen, wie dies selber zu machen ist. Nicht um
ihnen das Karma abzunehmen.
V.41 – Das Karma wird vom Selbst abnehmen. Indem man sich im
Fasten und richtigen Ernähren übt. Dabei spreche ich nicht übers
Futtern <III.62>.
V.42 – Wie könnte jemand erwarten, daß sich die Veränderung des
Wasserspiegels in einer Pfütze, in einer Wanne, in einem See oder im
Ozean genauso leicht wie in einem Glas messen ließe?
V.43 – Es gibt Geistheiler, die bezwecken Heilenergie zu übertragen.
Sie kennen nur den Teelöffel. Dies kann schon helfen, einen
Suppenteller anzupeilen. Du verfügst aber über einen Eimer, um das
negative Karma aus dem Gefäß ihrer Körper entleeren zu helfen.
- 65 -
V.44 – Menschen kommen zu dir mit einer Pfütze, andere mit einer
Wanne, andere mit einem See oder andere mit einem ganzen Ozean
voll Negativemkarma... ...Und in allen Fällen hast du dafür nur
deinen einzelnen Eimer.
V.45 – So wirst du die Götter nicht enttäuschen, denn du leistest
einen treuen Gottesdienst. Jedoch werden einige Menschen sich von
dir enttäuscht fühlen, wenn ihre Krankheit nicht augenblicklich
beseitigt wird. Wäre es anders, wäre es bedenklich:
V.46 – Denn in vielen Fällen ist die Krankheit im Heilungsprozeß
selbst nötig; ein Bestandteil des eigenen
Spirituellenheilungsprozesses.
V.47 – Deine Aufgabe ist nicht Krankheiten zu beheben, sondern
lediglich das Göttliche im menschlichen Dasein durch Gebete
anzupreisen.
V.48 – Es ist nicht möglich alle Menschen zufrieden zu stellen, denn
Menschen sind immens unterschiedlich und verfolgen
unterschiedliche, teilweise konträre Zwecke.
V.49 – Nicht alle Umgangsmenschen sind an Göttlicherliebe
interessiert. Daher ist zu erwarten, daß einige versuchen werden,
dich zu verleumden und zu niedrigen. Jedoch jeder im Glauben, ein
guter Mensch zu sein und andere vor deiner Unart schützen zu
müssen und dir zu helfen „auf den richtigen Pfad“ zurück zu kehren.
V.50 – Es gab in der Geschichte der Menschheit einen Großenheiler,
der den Menschen wahrlich helfen konnte. Aber einige wenige
fühlten sich unzufrieden mit ihm; deshalb ließen sie ihn nicht lange
heilen. Ähnlich verlief es mit anderen Spirtuellenheilern, die in
Seinem Namen weiter machten.
- 66 -
V.51 – Solche Großenseelen heilen, haben sie erst einmal diese Welt
verlassen, noch mehr als während ihres kurzen Lebens. Denn nun
können die Menschen nicht mehr ihre Unzufriedenheit auf sie
projizieren.
V.52 – So ist es nicht so schlimm, wenn jemand schlecht von dir
spricht. Es wäre bedenklich, wenn alle nur gut sprächen.
V.53 – Deine Belohnung für die Heilungshilfe, die du den Menschen
leistest, wird es sein: Diese Welt für immer verlassen zu dürfen.
V.54 – Eine andere Belohnung gibt es nicht. Es sei denn, du hättest
das Glück, daß die Götter dir eine menschliche-(als Ausdruck des
Göttlichen-)Liebe schenken, um dir das Erdenleben milder zu
machen. <I.7>
V.55 – Deine Tage werden angefüllt sein mit Menschen mit
Problemen, Krankheiten, Psychosen, Besessenheiten... Du wirst das
Lachen verlernen. Und du wirst lernen, Zuflucht in dein Selbst zu
nehmen, im Meditationszustand des Seins.
V.56 – Am Ende eines jeden Tages, im Alleinsein wirst du beten:
„Ich danke dir, mein Herr, daß ich jetzt einen Tag weniger vor mir
habe bis zum Moment meines ersehnten Sterbens – der Vereinigung
mit Dir.“ Würde dich jemand hören, würde er sagen: ‚du bist
depressiv‘. Du erklärst: „Nein. Es ist nur so, daß ich mich daran
erinnere, daß meine Heimat, mein Zuhause, das Reich aus welchem
ich komme, nicht auf dieser Erde ist“. <II.74>
V.57 – Versuche nicht, eine Erklärung zu wiederholen wenn du
schon weißt, es besteht nicht die Bereitschaft zu verstehen oder nicht
einmal zu hören. Wiederhole lieber ein Mantra. Dann machst du
eine bessere Zeitinvestition.
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V.58 – Investiere deine Zeit mit Intelligenz, denn es ist das einzige,
das du zu investieren hast.
V.59 – Und du nimmst Abstand von den Menschen, wenn du nach
deinem langen Gottesdienst aus dem Reinenbewußtseinszustand zu
deinem Menschendasein zurückehrst: An deinem kurzen
„Feierabend“ –wenn er dir am Ende des Tages überhaupt noch
bleibt.
V.60 – Denn Einsamkeit ist dein menschliches Schicksal, nicht nur das
Alleinsein umgeben von Menschen, die dich mit großen
Erwartungen und Ansprüchen auf Heilung aufsuchen.
V.61 – Einsamkeit wird deine einzigbleibende treue Freundin sein.
Freue dich, daß sie so einen schönen Namen hat und auch, weil du
mit ihr immer Eins-Sein-Kannst.
V.62 – Eins mit deinem Selbst sein. Dann bist du auch eins mit ihrem
Selbst. <I.95>
V.63 – Wie im spirituellen Sinne, so auch im psychologischen Sinne.
Umgekehrt jedoch nicht. Es gibt eine Hierarchie, die lautet: spirituell,
intellektuell, psychologisch, materiell. Die sind die Prioritäten.
V.64 – Respektiere die Hierarchien im Kosmos. Du kannst nicht, und
der Punkt ist: du darfst auch nicht, genau so mit einer Schlange wie
mit einem Pferd umgehen. Sowieso nicht mit einem Menschen wie
mit einem Tier und auch nicht umgekehrt.
V.65 – Du ernährst dich vegetarisch. Du magst nicht, daß Tiere
getötet und Kadaver gegessen werden.
V.66 – Einige weisen dich intellektuellerweise darauf hin: du tötest
aber Pflanzen, in dem du deine Gemüse und deinen Salat ißt. Du
erklärst: Pflanzen haben nicht das entwickelte Nervensystem und die
- 68 -
Gefühle eines Tieres und auch kein Blut. Doch, antworten sie: die
Savia ist das Äquivalent zum Blut, und auf Musik und Gefühle
scheinen die Blumen auch zu reagieren. Du bleibst aber in der Stille
<V.I> und denkst: Ist aber die Wahrnehmung der Welt gleich bei
Menschen, Tieren, Pflanzen und Steinen? Ist das Leid, das wir beim
Töten verursachen, das gleiche bei Menschen, Tieren, Pflanzen und
Steinen? Mach das Experiment: Beim Spaziergang durch die Wiese
mit einem Kind, gibt ihm eine Schere und sage: „schneide ein Paar
Blätter dieser Kreuter, um sie der Mama für die Suppe zu bringen“ –
und es macht es gerne. Nun sag ihm: „schneide den Kopf dieses
Kaninchens, um ihn der Mama für die Suppe mitzubringen“ –und
das Kind weint, das ist normal.
V.67 – Wenn nicht der qualitative Unterschied zwischen Tieren und
Pflanzen anerkannt wird, kann er auch nicht zwischen Menschen
und Tieren anerkannt werden. Dann wird es gefährlich: denn so wie
manche Menschen Tierfleisch fressen, könnten diese Menschen, die
so denken, auch anfangen Menschenfleisch zu essen. Ob es ihnen
besser schmeckt?
V.68 – Wem Fleisch schmeckt, heißt es, dem schmeckt dann auch
die Angst und der Schmerz des getöteten Wesens auf dem langen
Torturweg des Schlachtens, die als Information in der Materie
(„Fleisch“) enthalten bleiben.
V.69 – Von dem, der sich aus Angst und Schmerz ernährt, ist zu
erwarten, daß er selber Angst und Schmerz verbreitet. Schauen wir
uns die Kriege in der Geschichte der Menschheit an: Waren die
Völker, die grausame Kriege verursachten, Vegetarier?
V.70 – Es gibt eigentlich keinen gegensätzlicheren Begriff zu „Gott“
als „Angst“ mit „Haß“ und „Ignoranz“.
- 69 -
V.71 – Du schenkst die Erfahrung des Kontaktes mit der
Göttlichenliebe. Und sprichst dabei nicht von „Gott“. Du selber
fühlst dich nicht befähigt dieses Heiligstewort zu verwenden, Ihm
voller Respekt gegenüber, gegenüber diesem Wort nämlich. Denn es
hieß: „Am Anfang war das Wort“ (und nicht am Anfang war Gott).
V.72 – Deine Visitenkarte sind die spontanen Heilungen, die sich
dabei ereignen: das heißt Heilungen, die von Selbst geschehen.
V.73 – Die Spirituelleheilung ist eine spontane Heilung: Kein
Mensch ist ihr Urheber, nur das Selbst, d.h. das Göttliche in jedem
Menschen.
V.74 – „Heilung“ ist nicht ohne den Begriff „spirituell“ zu
verstehen. Denn (wahre) Heilung ist ein spiritueller Prozeß. Daher ist
beides untrennbar, als Spirituelleheilung nämlich ausgedrückt.
V.75 – Und denke daran, was ich mit Spiritualität meine: Die
weitere Entwicklung der Menschlichen Intelligenz bei der
Umwandlung in eine neue Qualität des Daseins, die vom
Menschlichen zum Engelhaften führt;
V.76 – …wie die Intelligenz eine Weiterentwicklung des Instinktes
zu einer neuen Qualität ist, die vom Tierischen- zum MenschlichenDasein führt;
V.77 – …wie der Instinkt eine Weiterentwicklung des Lebens zu
einer neuen Qualität ist, die vom Pflanzlichen- zum TierischenDasein führt;
V.78 – …wie das Leben eine Weiterentwicklung der Materie zu
einer neuen Qualität ist, die vom Mineralischen- zum PflanzlichenDasein führt.
- 70 -
V.79 – Materie > Leben > Instinkt > Intelligenz > Spiritualität >…
Führt zu:
Mineral > Pflanze > Tier > Mensch >
Engelmensch >… Wie geht diese Hierarchie weiter? Ohne Ende?
Wohin führt sie?
V.80 – Nehmen wir nun hypothetisch an: Es gibt ein Ziel, nämlich
das Edelste das es gibt – und um das irgendwie kurz und einfach zu
bezeichnen, schreiben wir am Ende das Wort: … > …> …>
„Gott“.
V.81 – Und denke daran: Ein Heilungsakt ist ein Ritual (Gebet), das
Teil des negativen Karmas auflöst, deshalb weil uns dies näher zum
Ziel bringt <III.8>.
V.82 – „Gott“ als das Erhabenste mögliche Dasein. Wie kommst du
am schnellsten so weit?
V.83 – Versuche nicht „an Gott zu glauben“ (würdest du etwas
anderes behaupten, könntest du nicht erklären, woran du eigentlich
überhaupt glaubst) <IV.67>. Es reicht zunächst, wenn du lernst, an
dich selber zu glauben und alles (was du tust) zu einem Gebet zu
machen.
V.84 – Glaube an das, was du wirklich selber bist –nicht an das, was
du denkst zu sein <I.89>. Dies bringt dich dazu, zu forschen. Dies
bringt dich dazu, dich selber zu erforschen. <III.96>
V.85 – Bete dabei –ohne Vorstellung von Gott: Mit der Zeit wird
sich Dein-Selbst aus „dir-selber“ enthüllen, aus Gebetskraft entfalten.
V.86 – Dann glaube an dein Experimentalergebnis <I.45>: an das
wahre Selbst.
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V.87 – Das, was du wirklich bist, ist dein Wahresselbst –lautet die
Theorie, gedacht, um dieses Experiment zu erklären.
V.88 – Dein wahres Selbst ist die persönliche Manifestation des
Göttlichen (Erhabensten) in dir.
V.89 – Und jeder Mensch bringt das Göttliche wiederum anders
zum Ausdruck: sein eigenes wahres Selbst nämlich.
V.90 – Diverse Manifestationen des Einen-Gottes <I.83>.
V.91 – Erleuchtung ist vollkommene Manifestation des wahren Selbst
im (noch) menschlichen Dasein.
V.92 – Du öffnest dich, wie ein Wasserhahn: Am Anfang braucht
man Mut und Kraft: Der Hahn kann stark verschlossen und
eventuell verrostet sein.
V.93 – Mut, weil beim ersten Erfolg, wenn Wasser fließt, riecht es
vielleicht schlecht und sieht (noch) nicht gerade „gut“ aus: So lange
war es darin gestaut, daß seine Reinheit verloren ging. Doch wenn
man mutig weiter öffnet und es geduldig lange fließen lässt,
bekommt man allmählich klareres Wasser zu sehen.
V.94 – Geduld ist angesagt: du kannst den Wasserhahn zuerst nur
um 1° drehen, dann 5°, bis du einen 180°-Winkel schaffst. Dann
fängt Wasser an zu fließen, zunächst tropfenweise, dann als dünnes
Rinnsal. Bis du ihn vollkommen aufgedreht hast, vollgeöffnet,
brauchst du eine gewisse Zeit und Ausdauer.
V.95 – So hat die Erleuchtung unterschiedliche Grade. Nun in der
Schule der Seele, kann jeder Stufengrad schon eine ganze Lebenszeit
kosten.
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V.96 – Daher ist das, was du bis jetzt auf dem Erleuchtungsweg
erreicht hast, schon eine Kostbarkeit. Ist das Kostbarste, das du hast.
V.97 – Du hast jedoch in diesem einzigartigen Leben, dein präsentes
Leben im Zeitalter der Umwandlung des Planeten ins
Feinstofflichere, die Gelegenheit viele Grade auf einmal zu erreichen.
V.98 – Ab einem bestimmten Grad, wenn das Wasser trotz weiterer
Drehungen nicht schneller fließt, wird der Fluß vom Wasserhahn
selber gebremst. Dann mußt du ihn verlassen: der Hahn wird zu
einer Flöte und das Wasser wird zu Luft. <II.4>
V.99 – Am Anfang, kriegst du einen Ton, der klingt vielleicht schräg
wie ein Geräusch. (So lange warst du an den Wasserhahn gewöhnt,
daß du nun neu lernen mußt, die Finger anders zu bewegen). Doch
wenn man mutig weiter lernt, die Klappen zu betätigen, und
geduldig lang genug Luft fließen läßt, bekommt man allmählich
klarere Musik zu hören.
V.100 – Irgendwann erreichst du solch eine Meisterschaft, daß Etwas
spontan fließt: du hast nicht mehr das Gefühl, daß du spielst,
sondern daß Es vom Selbst fließt: nun sind Mantras, Stimme Gottes,
zu hören.
V.101 – Diese „Einsleuchtung“ ist gerade in dieser Zeit sehr
erstrebenswert: In der jetzigen Zeit ist dies realistisch realisierbar –
nicht so wie es in der Vergangenheit Projektion auf die Zukunft war.
V.102 – Die „Einsleuchtung“ ist „Erleuchtung“ jedoch nicht im
menschlich vorstellbaren Sinne mehr –daher, dieses ‚Neuewort‘ um
sie zu bezeichnen.
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V.103 – Die Einsleuchtung beinhaltet die komplette Auflösung des
Menschendaseins (dann bist du kein Mensch mehr): Du siehst wie
ein Hologramm des Nur-Bewußtseins aus.
V.104 – Nirvikalpa-Samadhi (genannt). In diesem Zustand kannst du
nicht mehr lange als Mensch weiterleben <IV.41>. Doch andere
Menschen können dich (als Menschen) weiterhin sehen, du bist
jedoch wie ein Hologramm: würden sie dich zu „berühren“
versuchen, entdeckten sie, du bist nicht da, wie jemand einen
Lichtstrahl berühren möchte: Du bist die Quelle des Lichtes, nicht die
Leinwand. <III.106>
V.105 – Unberührbar (kein Lob erreicht dich), unangreifbar (kein
Tadel trifft dich), überall (Allessein und Nichtsgetrenntes zugleich),
… übermenschlich (kein Pronomen, weder „du“ noch „ich“, ist
zutreffend, nur „Es“ vielleicht).
V.106 – Es bist Das,
was Es ist.
V.107 – Jenseits des
Menschendaseins:
Gottesbewußtsein.
V.108 – Gott als
„ErhabensterBewußtseinszustand“,
den eine jede Seele
irgendwann erreichen
kann und wird.
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Seele and Geist
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