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Folie 1 - Corns n` Pops

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Painted Phantasies –
Bunte Haut und Fotos
Kunst in der Kunst – meist findet man in Fotografien auch
andere Künste integriert, Raumdesign und Kostümkunst
zum Beispiel – im Falle von Bodypainting oder Tattoos
ist diese Kunst aber nicht nur Requisit oder Accessoire,
sondern oft das eigentliche Thema des Bildes.
© Metamorphosen
Painted Phantasies – Bunte Haut und Fotos
Die Veränderung des Körpers – temporär oder »für immer« – ist eine
menschliche Universalie. In keiner Kultur wird der Körper einfach so hingenommen, wie er ist: Man bekleidet ihn, schneidet, flechtet, gelt oder
rasiert die Haare, schminkt sich, durchsticht oder dehnt Ohrläppchen, feilt
die Zähne, ritzt die Haut.
Bodypainting und Tattookunst beziehen sich auf die Haut als Oberfläche
für Zeichen, enger gefasst für Kunst. Dabei wird zweidimensional Farbe
aufgetragen auf eine dreidimensionale Leinwand. Hierin besteht auch die
Herausforderung: Die Kunst kann nicht unabhängig vom Körper betrachtet werden, sie muss seine Formen, seine Begrenzungen berücksichtigen.
Man sagt, ein Bodypainting muss »mit dem Körper fließen«. Mit der Fotografie geht die fluide Kunst der Körpermalerei eine besondere Symbiose
ein, weil erstere dem Bodypainting Dauer verleihen kann.
Körperbemalungen werden für besondere Anlässe aufgetragen. Es
gibt sie in zahlreichen kulturellen Kontexten und ihre Geschichte reicht
bis in die Steinzeit zurück. Sie dienten und dienen selten nur der reinen
Dekoration, sondern verstärkt etwa zur Tarnung, als Marker des sozialen
Status oder für eine bestimmte Phase, etwa einen Initiationsritus, eine
Trauerzeit o.Ä., sie fungieren als Glücksbringer oder als Schutz vor äußeren
Einflüssen, vor Insekten oder vor Magie … oder eben als Kunstform zur
Umsetzung von Ideen oder für einen Wettbewerb. Manche Bodypaintings
weisen eine etwas längere Haltbarkeit auf, so etwa Mehendi-Bemalungen,
bei denen eine Henna-Paste ein paar Stunden lang einziehen muss und
dann ein Muster für einige Tage bis zu mehreren Wochen hinterlässt.
Tattoos hingegen bleiben permanent und werden damit zum festen
Bestandteil des Körpers. Sie wurden in unterschiedlichen kulturellen Kontexten, zu unterschiedlichen Zeiten und bei unterschiedlichen Individuen
nicht nur zur Verschönerung verwendet, sondern auch aus medizinischen
Gründen wie vermutlich bei Ötzi, um eine Lebensphase zu kennzeichnen
oder Zugehörigkeit anzuzeigen, aber auch als Brandmarkung und Nummer
wie in Gefängnissen oder KZs, ebenso als Ausdruck einer persönlichen Erinnerung oder Bedeutung. In weiten Teilen Europas waren Tattoos ab dem
christlichen Mittelalter lange verboten: Den von Gott gegebenen Körper
sollte man nicht verändern. Ein Revival erlebten Tattoos durch Seeleute,
die auf ihren Reisen die Körperkunst bei anderen Völkern sahen, sich auch
schmücken ließen und alsbald das Handwerk erlernten. Es bildeten sich
Zeichen heraus, die bestimmte Bedeutungen trugen, z. B. ein Anker für die
Überquerung des atlantischen Ozeans, ein Drache für die Fahrt bis China.
Tattoostudios entstanden an den großen Häfen. Auch in Gefängnisse hielt
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das Tätowieren bald Einzug, ebenso wie in Zirkusse und Kuriositätenshows.
Einerseits wurden die Tätowierten bestaunt, andererseits wurden sie auch
stets mit dem Untergrund assoziiert.
Ähnlich ambivalent wird die Tattookunst bis heute in dem die westliche
Szene stark beeinflussenden japanischen Kontext gesehen: Einerseits wird
das Tätowieren mit der Mafia, der Yakuza in Verbindung gebracht und so
ist in vielen Schwimmbädern stark Tätowierten der Eintritt verboten. Andererseits ist ein typischer Bodysuit, ein fast vollständig tätowierter Oberkörper, nicht leicht zu bekommen. Man muss teilweise Jahren warten, um
bei einem berühmten Tattoomeister unter der Nadel zu landen. Auf die
Motive hat man traditionell kaum Einfluss: Der Tattoomeister entscheidet,
welche Motive einem Gleichgewicht im Zusammenspiel mit dem Charakter des Kunden zugutekommen werden.
Die Mischung aus dem Bad-Guy-Image, der Möglichkeit, persönlichen
Bedeutungen Ausdruck zu verleihen, und der Macht, den eigenen Körper
zu gestalten, fasziniert längst Menschen aller Gesellschaftsschichten.
Wenn Tattoos zum Fotothema werden, braucht es mehr als drei Sterne
auf der Hüfte: Modelle mit großflächigen Tattoos stellen eine eigene
Gruppe in der Fotoszene dar. Wie es dazu kommt? Aus Sicht eines Modelfotografen müsste der Tattootrend vordergründig betrachtet uninteressant oder gar kontraproduktiv sein, schränkt er doch die Möglichkeiten
ein, wie man das Model inszenieren kann: Mit einem großflächigen Tattoo
kann das Model nicht mehr Teil einer möglichst klassischen Aktinszenierung oder eines authentisch barock wirkenden Tableaus sein. Auch bestimmte Fashionelemente wie Halsketten kommen bei einem tätowierten
Untergrund ggf. nicht optimal zur Geltung, bestimmte Stoffmuster mögen
neben tätowierter Haut unharmonisch erscheinen. Tattoos haben andere
Vorzüge. Sie bringen die Individualität des Models zum Ausdruck. Die
Abgebildeten werden so unverwechselbar, das Tattoo macht sie echter,
menschlicher. Zudem stellen Tattoomodelle Extreme dar, die man derzeit
in der Modelfotografie zunehmend sucht: Normal ist langweilig, sodass
es krasse Locations, Make-ups, sehr dünne, sehr dicke oder eben stark
tätowierte Modelle braucht. Ein weiterer Aspekt, der mehr als nur die
Popularität von Tattoomodellen in der Modelszene erklärt, betrifft den
Zeitgeist, eine bestimmte Geisteshaltung, die durch Tattoos zum Ausdruck
gebracht wird.
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Galerie
Zum Thema »Afrika« haben Peter und Petra zunächst verschiedene Farben und Muster
zusammengestellt, die mit dem Kontinent assoziiert werden. Daraus wurde dann ein
Wesen, das zahlreiche Tierarten in sich vereint.
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Peter und Petra Tronser
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Peter und Petra Tronser
Eher ungewöhnlich inszeniert: Bodypainting nah am Wasser
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Metamorphosen
Weiches Wasser und harter Stein – Gegensätze prägen das Bild, aufgehoben durch
die gleiche Färbung und verbunden durch mich, kopfüber auf dem Stein liegend.
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Metamorphosen
Eine besondere Herausforderung für das gesamte Team, die gute Vorbereitung
erfordert.
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Tattoomodell Miss Ivi
Eine Kombination aus Facepainting und Tattoo: Die Malerei im Gesicht führt die
Tattoos fort. Das »Dia de los muertos« lebt von der Spannung zwischen den Polen
Leben und Tod: Ein schönes, lebendiges Gesicht erhält die Malerei eines Totenkopfes,
der wiederum durch die Verzierungen und Blümchen niedlich wirkt.
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Tattoomodell Miss Ivi
Retroelemente wie die 50er-Jahre-Frisur, der rote Lippenstift und die roten Nägel
prägen dieses Styling, fotografiert von Sebastian Magnani. Der alte Rettungsring
nimmt auch das beliebte nautisches Tattoothema wieder auf.
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Kategorie
Reisen
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