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Antiemetikum hilft auch in schweren Fällen Was pleiotrope Effekte

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V A R I A
Ü
belkeit und Erbrechen
als Nebenwirkungen der
Chemotherapie
kommen in zwei unterschiedlichen
Ausprägungen vor: An der
akuten Form (innerhalb von
24 Stunden) leiden die meisten Patienten, die vorher keine antiemetische Therapie erhalten haben. Über verzögerte
Übelkeit und Erbrechen klagen etwa die Hälfte der Patienten trotz einer vorangegangenen präventiven Therapie.
Aprepitant (MSD) ist die
erste Substanz einer neuen
Wirkstoffklasse, welche – in
Kombination mit Kortikosteroiden und 5-HT3-Antagonisten gegeben – die Patienten sowohl vor der akuten
als auch der verzögerten Form
schützen kann. Bisher liegen
hauptsächlich Erfahrungen
zum Einsatz des Neurokinin1-Rezeptor-Antagonisten bei
hoch emetogener Emesis nach
Cisplatin vor.
Eine neue Studie zeigt, dass
Aprepitant auch in schwierigen Settings nützlich ist, beispielsweise bei einer moderat
emetogenen Chemotherapie
unter zusätzlicher Gabe von
Aprepitant
E
Antihypertensive Therapie
s ist ein Trend, einen zusätzlichen – über die Indikation für die Verordnung hinausgehenden – Nutzen eines Arzneimittels zu suchen. Die Interpretation dieses „pleiotropen“ Effekts ist
nach Aussage von Prof. Dr.
med. Heyo Klaus Kroemer
(Greifswald) eine Frage des
Blickwinkels. Es könne sich
dabei sowohl um ein pathomechanistisch bisher noch
nicht erklärbares Phänomen
handeln als auch um eine
zwar unerwartete, aber pathophysiologisch folgerichtig aus
dem pharmakodynamischen
Mechanismus ableitbare Wirkung.
Wohl eher der zweiten Kategorie zuzuordnen ist der
pleiotrope Effekt der AT1-Rezeptorantagonisten. Als Beleg
dafür, dass diese Antihypertensiva über die Blutdrucksenkung hinaus protektive Eigenschaften besitzen, führte Prof.
Dr. med. Michael Böhm (Hom-
Antiemetikum hilft
auch in schweren Fällen
´
Tabelle
C
C
´
Komplettes Ansprechen unter einer mäßig emetogenen Therapie
plus Cisplatin
Prozent mit komplettem Response
Aprepitant-Gruppe Kontroll-Gruppe P-value
Doxorubicin und/oder
Cyclophosphamid
(0 bis 120 Stunden)
59
26
< 0,05
Akut (0 bis 24 Stunden)
71
49
0,006
Verzögerte
(24 bis 120 Stunden)
67
32
< 0,001
Anzahl der Doxorubicin
und/oder Cyclophosphamid
(0 bis 120 Stunden)
69
51
< 0,05
Cisplatin. Prof. Dr. med. Richard Gralla (New York Lung
Cancer Alliance) stellte zu
diesem Thema eine Analyse
gepoolter Daten aus zwei
Phase-III-Studien vor. Eingesetzt wurde Aprepitant bei
Frauen mit Brustkrebs unter einer moderat emetogenen Chemotherapie (Doxorubicin und/oder Cyclophosphamid) plus Cisplatin. Der
Neurokinin-1-Rezeptor-Antagonist wurde doppelblind
Was pleiotrope Effekte
bewirken
burg) den Ausgang der LIFEStudie (Losartan Intervention
for Endpoint Reduction in Hypertension) an. Obwohl Losartan und Atenolol den Blutdruck vergleichbar gut gesenkt
hatten, war unter Behandlung
mit dem AT1-Rezeptorantagonisten im Beobachtungszeitraum von durchschnittlich
fünf Jahren das relative Risiko
für einen tödlichen oder nichttödlichen Schlaganfall um 25
Prozent geringer gewesen als
unter Therapie mit dem BetaRezeptorenblocker.
Für die Überlegenheit des
AT1-Rezeptorantagonisten gibt
es nach Aussage von Böhm eine pathophysiologisch plausi-
 Jg. 101
 Heft 38
 17. September 2004
Deutsches Ärzteblatt
ble Erklärung. Man wisse, dass
nahezu alle kardiovaskulären
Risikofaktoren auch Trigger
für die Aktivierung des Renin-Angiotensin-Systems seien. Ein Anstieg des LDLCholesterins beispielsweise
führt zu einer vermehrten Expression von AT1-Rezeptoren
und verstärkt die konstriktorische Antwort auf die intravenöse Gabe von Angiotensin II. Ebenfalls heraufreguliert werden AT1-Rezeptoren durch Insulin- und Östrogenmangel.
Es ist bekannt, dass die Stimulation des AT1-Rezeptors
mit einer vermehrten Radikallast im Endothel einhergeht.
randomisiert zusätzlich zur
konventionellen antiemetischen Medikation (Ondansetron plus Dexamethason) gegeben.
In der Analyse zeigte sich,
dass von 70 Patienten, die unter einer moderat emetogenen
Therapie mit Cisplatin Aprepitant erhielten, circa 60 Prozent komplett von Übelkeit
und Erbrechen befreit wurden. In der Kontrollgruppe lag
der Anteil nur bei 26 Prozent.
Die Ergebnisse dieser Analyse
waren hoch signifikant.
Da es sich bei diesem Setting um eines der am schwierigsten zu beherrschenden
Gebiete der antiemetischen
Therapie handelt, werteten
die Autoren den Therapieerfolg als besonders bemerkenswert. Gralla verwies darauf, dass weitere prospektive
Studien benötigt werden, um
den Stellenwert von Aprepitant bei moderat emetogener
Chemotherapie genau festzuEB
legen.
40. Kongress der American Society of
Clinical Oncology (ASCO) in New Orleans,
Gralla et al., Abstract Nr. 8137
Dies begünstigt die Entwicklung einer endothelialen Dysfunktion, die als eine Frühform
der Atherosklerose gesehen
wird. Im fortgeschrittenen Stadium der Gefäßwandveränderungen werden bevorzugt im
Bereich vulnerabler Plaques –
also am potenziellen Ausgangspunkt von akuten klinischen Ereignissen – vermehrt
AT1-Rezeptoren exprimiert.
Dementsprechend ist es
nach Aussage von Böhm nahe
liegend, dass die selektive Inhibition der AT1-Rezeptoren
und auch andere Interventionen im Bereich des Renin-Angiotensin-Systems neben ihrer
hämodynamisch entlastenden
Wirkung einen zusätzlichen
Schutz vor kardio- oder zerebrovaskulären Komplikationen bieten. Gabriele Blaeser-Kiel
MSD-Diskussion „Pleiotrope Effekte –
Mythos oder Wirklichkeit“ im Rahmen der
110. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin in Wiesbaden
A 2549
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Gesundheitswesen
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