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Abstract - ETH E

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WIENERINFITNESS
Trend
FREELETICS
„Mein Leben
hat sich um 180
Grad gedreht.“
LARISSA PIWONKA, 25
Seitdem die Wienerin Larissa mit Freeletics
angefangen hat, hat das Training nicht nur
­ihren Körper verändert:
KRAFTAKT.
Wer grade erst frisch mit Free­
letics angefangen hat, darf Hilfs­
mittel verwenden – wie das un­
terstützende Gummiband bei den
Klimmzügen oder Pull-ups (o.).
Freeletics ist auch für hartgesot­
tene Sportler wie Daniel (u.) eine
Herausforderung, aber das High
nach dem Training entschädigt
offensichtlich für die Strapazen.
Eine gute Qual
A
us dem Käfig auf der
Rossauer Lände in
Wien dringt mehrstimmiges Keuchen.
Ab und zu auch ein
Fluch. Dort, wo normalerweise Freizeitbasketballer ihre Körbe werfen,
trifft sich mehrmals pro Woche Freeletics Vienna: eine Gruppe euphorischer Sportler, die sich gemeinsam abrackern und ihre Körper zu
Höchstleistungen antreiben. Oder
wie würden Sie 450 (!) Wiederholun222 OKTOBER 2014
gen von Kniebeugen, Klimmzügen
und Sit-ups in einem Workout
nennen?
GESUNDER TREND. Die Sportler sind dem Trendsport Freeletics
­regelrecht verfallen. Muskelkater,
Regen oder der kommende Winter?
Sind ihnen völlig wurscht. Das neuartige Handy-Workout, das mittels
App die Drill-Übungen vorgibt, besteht ausschließlich aus Einheiten,
bei denen mit dem eigenen Körpergewicht trainiert wird – und es setzt
auf hundertfache Wiederholungen.
Entwickelt haben es Fitnessfreaks in
München gemeinsam mit Sportwissenschaftlern. Mit ihrem Programm
greifen sie altbekannte Übungen auf
und treffen damit den Nerv der Zeit:
Nicht nur viele aktuelle Trainingsbücher raten dazu, auch immer mehr
Sportmediziner.
Denn Trainieren mit dem eigenen Körpergewicht statt im Fitnessstudio an der Hantelbank hat einen
entscheidenden Vorteil, sagt etwa
der Wiener Sportorthopäde Pejman
TEXT Ursula Neubauer FOTOS Lydia Stöckl
TRAINING. Bevor Sie Ihre Laufschuhe in den Winterschlaf schicken,
­machen wir Sie mit Freeletics bekannt: Der Trendsport hat jetzt
Wien erreicht und setzt aufs Trainieren mit eigenem Körpergewicht.
Motivation? Gibt es durch die (Facebook-)Community.
„Ich weiß
jetzt: Mein
Kopf muss
Grenzen
überwinden und
nicht mein
Körper.“
VICTORIA KOLLER
„105 Kilo habe ich noch vor einem Dreivier­
teljahr gewogen, aufgrund von Depressionen
und Essstörungen. Das hat natürlich die Be­
ziehung zu meinem damaligen Freund sehr
belastet. Als wir von Freeletics hörten, be­
schlossen wir gemeinsam: ‚Das probieren wir
aus!‘ Schon durch die ersten Workouts habe
ich so viel Selbstbewusstsein gewonnen, dass
ich den Schritt in die Therapie gewagt habe.
Ich habe seither 25 Kilo abgenommen und
Muskelmasse aufgebaut, bin weg von Anti­
depressiva, und die Rossauer Lände, wo wir
trainieren, ist mein zweites Wohnzimmer ge­
worden. Ich bin fünfmal die Woche hier und
habe Gleichgesinnte gefunden, mit denen ich
gemeinsam den Sport feiern kann.“
GUT GEBRÜLLT.
Beim Gruppentraining kann man dem an­
deren auch mal die Stoppuhr in die Hand
drücken und sich gescheit anfeuern lassen.
223
WIENERINFITNESS
6
GÖTTLICHE WORKOUTS.
Die Freeletics-Trainingsprogramme,
benannt nach antiken Göttern, haben
es in sich: Pro Einheit stehen mehrere
hundert Wiederholungen von Ham­
pelmännern, Klimmzügen, Sit-ups,
Kniebeugen oder Liegestützen an.
Gruppenneuling Victoria wird
so­fort herzlich aufgenommen –
schwuppdiwupp ist sie „eine von ihnen“. Auch bei den Draußensportlern
in Wien absolviert zwar jeder sein
individuelles Programm, aber in der
Gruppe scheint’s gleich leichter zu gehen. Markus fragt Victoria: „Welches
Programm machst du denn heute?“,
und beobachtet, wie sie die Übungen ausführt. „Wenn du hochspringst,
sollten deine Knie immer nach außen
zeigen“, rät er ihr. Außer der Motivation sieht er das Sich-umeinanderKümmern als größten Vorteil daran, Freeletics zusammen zu machen.
„Einsteigern können wir auch mal
zuschauen und Tipps geben, so läuft
man nicht so leicht Gefahr, sich zu
verletzen“, sagt der 31-Jährige.
GEMEINSAM GEHT’S LEICHTER.
WIENERIN-Grafikerin Victoria ist
heute zum ersten Mal bei so einem
Gruppentraining dabei. Seit vier Monaten macht sie Freeletics, bisher hat
sie „Aphrodite“, „Venus“ oder „Dione“ – alle Workouts tragen die Namen antiker Götter – immer allein
zu Hause im Wohnzimmer absolviert. Das fand sie praktisch: Heimkommen, umziehen und loslegen.
Für Freeletics braucht man nämlich nicht mehr als sein Handy, eine
Sport­matte, Turnschuhe und ein
Getränk.
UND LOS! Auch Sportanfänger sind
also willkommen. Zum Mitmachen
braucht es nämlich nur eines, meint
Gottwald: „Ein bissl Mut. Man muss
sich mal raustrauen.“ Und auf den
anfänglich heftigen Muskelkater
muss man sich halt einstellen. Sport­
orthopäde Ziai ergänzt: „Anfängern
fehlt oft noch die Kraft, alle Übungen
korrekt auszuführen. Dann gilt es,
zuerst die Muskulatur aufzubauen,
um richtig trainieren zu können.“
Sein Rat daher: Erst einmal mit
weniger Wiederholungen starten
und die Zahl nur langsam steigern.
Fakten zu
Freeletics
»» Entwickelt haben das Social-
EINER GEHT NOCH!
Als Trainingsabschluss stellt sich das Team um
­Gruppengründer Markus (Bild unten) noch 100 Situps. Victoria (Bild rechts) ist vom gemeinsamen Ab­
strampeln begeistert, miteinander geht’s leichter.
Ziai: „Anders als beim Training mit
Gewichten entspricht das eigene
Körpergewicht immer der richtigen
Belastung. Auch Übergewicht oder
Fehlstellungen kann der Körper so
ausgleichen und es kommt seltener
zu Überbelastungen oder Verletz­
ungen.“ Er hat schon einigen seiner ­Patienten zu Freeletics geraten –
­vorausgesetzt, sie waren gesund.
224 OKTOBER 2014
HOCHGEFÜHL. Muskelkater
kennt auch Larissa Piwonka gut. Die
25-Jährige macht seit mehreren Monaten Freeletics und nennt es „süße
Qual“. Gestartet hat sie mit einem
Körpergewicht von 105 Kilo, bis jetzt
hat sie gut ein Viertel ihres Körpervolumens abgenommen, dafür an
Selbstbewusstsein ordentlich zugelegt. „Bei Freeletics gibt es Übungen,
bei denen ich dachte: ‚Das schaff ich
nie im Leben!‘ Und dann macht man
sie – und kriegt sie wirklich hin!“,
strahlt die 25-Jährige.
Bilder ihrer tollen Veränderung
hat sie – wie einige ihrer Mitsportler auch – auf freeletics-austria.at
gestellt und dafür viel Applaus bekommen. Denn ob beim qualvollen
Training oder digital – die FreeleticsAnhänger halten eisern zusammen
und sind sich in einem Punkt einig:
Ihre Schinderei ist kein Sport, sondern ein Lebens­gefühl. VIDEOS, FOTOS UND LIVECHAT-TERMIN AUF WWW.WIENERIN.AT
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MARKUS GOTTWALD
Stress?
Nein, den erledigen
meine Bakterien.
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Erhältlich in Ihrer Apotheke.
„Freeletics ist
eine intensive Art des
Trainings, da
braucht man
viel Durchhaltevermögen.“
Gleichgesinnte mit Videos anzuspornen. Beim Training auf der Rossauer
Lände ist ebenfalls eine kleine Kamera mit dabei, um das Schwitzen festzuhalten und später online zu stellen.
„Der Zuspruch und zu sehen, was
sich beim anderen tut, wie er sich
verändert, ist unheimlich motivierend“, sagt Markus Gottwald, der
die Wiener Gruppe gegründet hat.
In dieser wird viel gelacht und gescherzt, die Stimmung ist locker.
Musik läuft, man feuert einander an
oder zählt beim anderen lautstark
mit: „Komm, noch 7, noch 6, gleich
hast du’s geschafft!“
Institut Allergosan Pharmazeutische Produkte Forschungs- und Vertriebs GmbH
APPLAUS, APPLAUS. Die Basisversion der App mit ein paar Workouts
zum Ausprobieren ist kostenlos, das
individuelle 15-Wochen-Programm
Training Coach kostet knapp € 40,–,
billiger als die Mitgliedschaft im Fitnesscenter ... Gratis, aber gar nicht
umsonst gibt’s dazu den Support der
anderen Sportler: In der App kann
man Freunde hinzufügen und sich
so seine digitale Motivationsgruppe
schaffen. Wer dann Trainingsergebnisse teilt oder sagt: „Juhu, Workout
geschafft!“, wird sofort mit „Clapclaps“ der anderen belohnt.
Wie in Wien haben sich weltweit
zudem auch viele Facebook-Communitys gebildet, um sich zum Sporteln
zu verabreden, Erfolge zu teilen oder
Sports-Programm Münchner
gemeinsam mit Personal Trai­
nern und Sportwissenschaftlern.
»» Freeletics besteht aus reinen
Körpergewichtsübungen wie
etwa Kniebeugen und verspricht
durch sehr viele Wiederholun­
gen ein effizientes Training.
»» Man kann seine Ziele selbst
festlegen und zwischen drei
Programmen wählen: Cardio
(Gewicht reduzieren), Strength
(Kraft trainieren) oder die Mi­
schung daraus, Cardio&Strength.
»» Die App mit Schnupper-Workouts ist gratis, Training Coach
kostet € 39,90 und liefert ein
individuelles Trainingsprogramm
für 15 Wochen.
»» Communitys auf Facebook sor­
gen für die nötige Motivation,
über die Seite Freeletics Öster­
reich finden Sie bestimmt den
richtigen Spot in Ihrer Nähe.
»» Mehr unter: freeletics.com/de.
Solange Sie auf Ihren Körper hören, können Sie aber nichts falsch
machen. „Das Ziehen beim Muskel­
kater ist kein Grund zur Sorge“,
sagt der Mediziner, „das klingt für
gewöhnlich schnell wieder ab. Nur
­einen stechenden Schmerz sollten
Sie nie ignorieren!“ In so einem Fall
vor der nächsten Sporteinheit besser erst e­ inen Arzt aufsuchen, um die
Schmerzursache abzuklären.
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Seele and Geist
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