close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Integrierter Pflanzenschutz wird Norm was kommt auf - LALLF

EinbettenHerunterladen
Integrierter Pflanzenschutz wird Norm ─
was kommt auf Landwirte und Berater zu?
Prof. Dr. Bernd Freier
Julius Kühn-Institut, Institut für Strategien und
Folgenabschätzung im Pflanzenschutz,
Kleinmachnow
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
Institut für Strategien und Folgenabschätzung im Pflanzenschutz Kleinmachnow
Bisherige Eckpfeiler der strategischen
Ausrichtung des Pflanzenschutzes in Deutschland
EU-Recht
Richtlinie 91/414/EWG
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
Institut für Strategien und Folgenabschätzung im Pflanzenschutz Kleinmachnow
Nach § 2a Abs. 1 PflSchG
Pflanzenschutz darf nur nach guter fachlicher Praxis durchgeführt
werden...
Zur guten fachlichen Praxis gehört, dass die Grundsätze des
integrierten Pflanzenschutzes und der Schutz des Grundwassers
berücksichtigt werden.
Die Grundsätze des integrierten Pflanzenschutzes sind im
Bundesanzeiger 58a (Bekanntmachung der Grundsätze für die
Durchführung der guten fachlichen Praxis im Pflanzenschutz) vom
24.03.2005 beschrieben
„berücksichtigt“ ist unbestimmter Begriff, also keine Forderung!
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
Institut für Strategien und Folgenabschätzung im Pflanzenschutz Kleinmachnow
Das neue EU-Pflanzenschutzrecht umfasst
vier neue Regelungen:
VO 1107/2009 vom 21.10.2009 über das Inverkehrbringen von
Pflanzenschutzmitteln und zur Aufhebung der Richtlinien 79/117/EWG
und 91/414/EWG des Rates.
Richtlinie 2009/128/EG vom 21.10.2009 über einen Aktionsrahmen der
Gemeinschaft für die nachhaltige Verwendung von Pestiziden
Richtlinie 2009/127/EG vom 21.10.2009 zur Änderung der Richtlinie
2006/42/EG betreffend Maschinen zur Ausbringung von Pestiziden
VO (EG) 1185/2009 vom 25.11.2009 über Statistiken zu Pestiziden
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
Institut für Strategien und Folgenabschätzung im Pflanzenschutz Kleinmachnow
Richtlinie 2009/128/EG über einen Aktionsrahmen
der Gemeinschaft für die nachhaltige Verwendung
von Pestiziden
Erstmalig in Europa umfassende Regelung zur Anwendung von
Pflanzenschutzmitteln
Achtung: Pestizide = Pflanzenschutzmittel + Biozide
Umsetzung in nationales Recht bis 14.12.2011
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
Institut für Strategien und Folgenabschätzung im Pflanzenschutz Kleinmachnow
Article 4: National Action Plans (Nationale Aktionspläne)
Article 5: Training (Weiterbildung)
Article 6: Sales of pesticides (PSM-Verkauf)
Article 7: Information (Information der Öffentlichkeit)
Article 8: Equipment (Pflanzenschutzgeräte)
Article 9: Aerial spraying (Anwendung aus der Luft)
Article 10: Bystander (Information Unbeteiligter)
Article 11: Aquatic environment (Wasserschutz)
Article 12: Specific areas (Sensible Gebiete)
Article 13: Handling and storage of pesticides (Umgang mit PSM)
Article 14: Integrated Pest Management (Integrierter Pflanzenschutz)
Articles 15-24: Indicators, Reporting, Penalties, Fees and Charges,
Standardisation, Committee procedure, Expenditure etc.
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
Institut für Strategien und Folgenabschätzung im Pflanzenschutz Kleinmachnow
EU-Rahmenrichtlinie, Artikel 14: Integrierter Pflanzenschutz (IPS)
1.In den Mitgliedsstaaten der EU bis zum Jahre 2014 „Allgemeine
Grundsätze des IPS“ (Annex III) für alle Landwirte verbindlich
Grundlegende Anforderungen an Behörden und Praktiker
vergleichbar mit der guten fachlichen Praxis im Pflanzenschutz,
Begriff wird ersetzt im neuen Pflanzenschutzgesetz durch allgemeine
Grundsätze des IPS
Umsetzung „allgemeiner Grundsätze“ durch Anwender kann nicht überprüft
und Defizite können nicht geahndet werden, da nicht konkret messbar
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
Institut für Strategien und Folgenabschätzung im Pflanzenschutz Kleinmachnow
Annex III:
Allgemeine Grundsätze des integrierten Pflanzenschutzes
1. Vorbeugende Maßnahmen nutzen
Fruchtfolge
Aussaat, Bodenbearbeitung
Sorten, Saatgut
Düngung
Hygiene
natürliche Regulation, ökologische Infrastrukturen
2.
3.
4.
5.
Bestände überwachen und Schaderregerbefall ermitteln
Schwellenwerte u. a. Entscheidungshilfen anwenden
Nichtchemische Maßnahmen anwenden
PSM auswählen, die so spezifisch wie möglich wirken u. die geringsten
Nebenwirkungen haben
6. Notwendiges Maß einhalten
7. Resistenzmanagement durchführen
8. PSM-Anwendungen aufzeichnen, Erfolg überprüfen
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
Institut für Strategien und Folgenabschätzung im Pflanzenschutz Kleinmachnow
Überarbeitete Neuauflage vom 09.02.2005, 57, Nr. 58 a
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
Institut für Strategien und Folgenabschätzung im Pflanzenschutz Kleinmachnow
EU-Rahmenrichtlinie, Artikel 14: Integrierter Pflanzenschutz
(IPS)
2.
Mitgliedstaaten sollen Praktiker unterstützten, auf freiwilliger Basis
kultur- bzw. sektorspezifische Leitlinien zum IPS anzuwenden.
Die Leitlinien werden in „Nationalen Aktionsplänen“ verankert.
Fachworkshop des BMELV im Juni 2009 in Potsdam (Potsdam III)
Ergebnis: Eckpunktepapier
…
Kulturpflanzen- und sektorspezifische Leitlinien zum IPS sollen unter
Federführung der Verbände des Berufsstandes erarbeitet werden
…
Die Umsetzung der Leitlinien können mit Fördermaßnahmen unterstützt
werden
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
Institut für Strategien und Folgenabschätzung im Pflanzenschutz Kleinmachnow
Kulturpflanzen- oder sektorspezifische Leitlinien
zum integrierten Pflanzenschutz
denkbar für
Sektor Ackerbau
Zuckerrübe
Kartoffeln
Mais
Sektor Feldgemüse
Sektor Unter Glas
Sektor Obst
Wein
Sektor Öffentliches Grün
u. a.
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
Institut für Strategien und Folgenabschätzung im Pflanzenschutz Kleinmachnow
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
Institut für Strategien und Folgenabschätzung im Pflanzenschutz Kleinmachnow
JKI-Leitlinie zum integrierten Pflanzenschutz im
Ackerbau
A. Ganzheitliches Vorgehen und Sicherstellung der notwendigen
Informationen
1. Der Betrieb[1] hat sich mit der vorliegenden Leitlinie vertraut gemacht
und arbeitet nach dieser oder einer autorisierten modifizierten Leitlinie
zum IPS im Ackerbau.
2. Die PS-Dienste der Länder stellen den Betrieben die für die
Umsetzung des IPS notwendigen Informationen bereit, organisieren
jährlich Weiterbildungsveranstaltungen, informieren über weitere
Informationsquellen, andere Weiterbildungsveranstaltungen und
Feldtage zum Thema IPS und bieten den Betrieben die Möglichkeit
einer Vor-Ort-Beratung zu Fragen des IPS im Ackerbau.
[1]
Betrieb: gewerblicher A nwender von Pflanzenschutzmitteln als juristische und natürliche Person.
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
Institut für Strategien und Folgenabschätzung im Pflanzenschutz Kleinmachnow
3. Die Forschungseinrichtungen des Bundes und der Länder, z. B. JKI und
Universitäten, entwickeln und erproben neue oder verbessern
vorhandene Verfahren des IPS und informieren die Beratung und die
landwirtschaftliche Praxis.
4. Der Betrieb hat alle für die Umsetzung des IPS notwendigen
Informationen einzuholen und sich ständig weiterzubilden. Jährlich ist
mindestens eine Weiterbildungsveranstaltung des PS-Dienstes des
Landes zu besuchen.
•
•
•
Dazu gehören:
Mindestens eine Fachzeitschrift mit regelmäßigen Beiträgen zum PS ist
zu abonnieren.
Der Betrieb ist registrierter Teilnehmer des Warndienst-Services des
Landes.
Die jährliche Teilnahme an Weiterbildungsveranstaltungen ist zu
dokumentieren.
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
Institut für Strategien und Folgenabschätzung im Pflanzenschutz Kleinmachnow
B. Maßnahmen, die einem Befall durch Schadorganismen vorbeugen
und/oder ihn unterdrücken
5. Anbausysteme, Kulturarten und Fruchtfolgen sind entsprechend auszuwählen
und so zu gestalten, dass dem Befall durch Schadorganismen entgegengewirkt
wird. Im Rahmen einer mindestens 3-feldrigen Fruchtfolge sind grundsätzlich
folgende maximale Anbaukonzentrationen nicht zu überschreiten und
Anbaupausen einzuhalten:
• Getreide
67%
• Winterraps
33%
Anbaupause: 2 Jahre
• Zuckerrüben 33%
Anbaupause: 2 Jahre
• Winterraps/Zuckerrüben
33%
Anbaupause: 2 Jahre
• Kartoffeln
33%
Anbaupause: 2 Jahre
• Mais keine Monokultur.
Weitere Hinweise und Vorgaben der Landeseinrichtungen des PS sind zu
beachten, z. B. zu weiteren Kulturen.
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
Institut für Strategien und Folgenabschätzung im Pflanzenschutz Kleinmachnow
6. Die Bodenbearbeitung ist standortgerecht und situationsbezogen so zu
gestalten, dass dem Befall durch Schadorganismen entgegengewirkt und damit
der Bildung schädlicher Stoffe, z. B. Mykotoxine, vorgebeugt wird. Bei
Beachtung und Abwägung der Vor- und Nachteile ist die pfluglose
Bodenbearbeitung für den IPS grundsätzlich geeignet.
•
Das heißt:
Pfluglose Bodenbearbeitung hemmt die Erosion,
verbessert den Wasserhaushalt und fördert das Bodenleben,
fördert jedoch das Auftreten von Trespen und anderen Unkräutern,
Fusarium-Arten (insbesondere nach Mais) und Drechslera tritici-repentis (DTR)
sowie regionale Massenvermehrungen von Schnecken und Mäusen.
Die Folge sind oft höhere Anwendungen von PSM, vor allem Herbiziden und
Fungiziden.
Die pfluglose Bodenbearbeitung sollte vor Weizen bei hohem
Gefährdungspotential von Fusarium-Arten (insbesondere nach Mais) und DTR
unterbleiben, es sei denn, dass erosionsbedingte Umweltprobleme zu erwarten
sind.
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
Institut für Strategien und Folgenabschätzung im Pflanzenschutz Kleinmachnow
Wenn Trespen-Arten flächendeckend in der Vorfrucht auftreten, sollte bei
Getreide nach Getreide gepflügt werden.
Bei Massenauftreten von Feldmäusen ist zu pflügen und bei starkem
Schneckenbefall eine intensive Bodenbearbeitung durchzuführen.
Weitere Hinweise und Vorgaben der Landeseinrichtungen des PS und die
bodenschutzrechtlichen Bestimmungen sind zu beachten.
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
Institut für Strategien und Folgenabschätzung im Pflanzenschutz Kleinmachnow
7. Die Saat- und Pflanzzeiten sowie die Saat- und Pflanzstärken sind so zu
wählen, dass dem Befall durch Schadorganismen entgegen gewirkt wird.
•
•
•
Dazu gehören:
Frühsaaten von Wintergetreide und Winterraps fördern oft den Befall durch
Pilzkrankheiten (Wintergetreide, Winterraps),
Viruskrankheiten (Wintergerste, Winterweizen) und
Unkräuter (Wintergetreide, Winterraps) und sind zu vermeiden.
Die Landeseinrichtungen des PS Anbaues geben weitere Hinweise oder
Vorgaben.
Bei der Aussaat ist gesundes, möglichst zertifiziertes Saatgut zu
verwenden.
Die Saatgutbeizung ist zu nutzen, wenn eine effiziente Wirkung erwartet
wird und spätere chemische PS-Maßnahmen vermieden werden können.
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
Institut für Strategien und Folgenabschätzung im Pflanzenschutz Kleinmachnow
8. In potentiellen Befallsgebieten von Schadorganismen sind keine Sorten zu
verwenden, die als anfällig ausgewiesen sind, sofern vermarktungsfähige,
resistente oder weniger anfällige Sorten zur Verfügung stehen.
•
Dazu gehören:
Bei Getreide sind in potenziellen Befallsgebieten von
Getreidekrankheiten keine Getreidesorten zu verwenden, die in der
beschreibenden Sortenliste als hoch anfällig gelten (Anfälligkeitsnoten 7
bis 9).
Sortenberater sind zu konsultieren.
9. Durch Hygienemaßnahmen, wie die Verwendung von gesundem,
möglichst zertifiziertem Saat- und Pflanzgut oder die Reinigung von
Arbeitsgeräten, sind die Voraussetzungen für gesunde und leistungsfähige
Pflanzenbestände zu schaffen.
Hinweise und Vorgaben der Landeseinrichtungen des PS sind zu
beachten.
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
Institut für Strategien und Folgenabschätzung im Pflanzenschutz Kleinmachnow
C. Förderung und Nutzung natürlicher Regelmechanismen
10. Alle praktikablen[1] Maßnahmen der Schonung und Förderung von Nützlingen
sind zu nutzen. Das schließt die bevorzugte Anwendung nützlingsschonender
PS-Maßnahmen, insbesondere die gezielte Anwendung nützlingsschonender
PSM, ein.
•
•
•
•
Dazu gehören folgende Maßnahmen:
Bei Befall durch die Feldmaus sind als ergänzende Maßnahmen Sitzkrücken
aufzustellen.
Insektizide sind nur bei Überschreitung von Schwellenwerten und in den
empfohlenen Zeitspannen anzuwenden.
Bei kritischem Blattlausbefall und Auftreten von Marienkäfern in Winterweizen
ist Pirimicarb den Pyrethroiden u. a. breit wirkenden Insektiziden vorzuziehen.
Wenn praktikabel (Mitwirkung an Förderprogramm), sind Ackerschonstreifen
anzulegen.
[1] Prak tik abel:
wirtschaftlich und wirk sam.
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
Institut für Strategien und Folgenabschätzung im Pflanzenschutz Kleinmachnow
11. Strukturelemente und Kleinstrukturen sind zu erhalten und zu pflegen. Sie
nehmen einen regional typischen Anteil an der Agrarlandschaft ein.
•
•
Dabei ist auch zu beachten:
Bei der Neuanlage von Saumstrukturen sind Kombinationen von Hecken
und Gehölzpflanzungen mit zum Feld gewandten Rainen in
regionaltypischer Artenzusammensetzung zu bevorzugen.
Besonders große Schläge sollten entsprechend regionaler
Gegebenheiten unterteilt werden.
[1] Prak tik abel:
wirtschaftlich und wirk sam.
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
Institut für Strategien und Folgenabschätzung im Pflanzenschutz Kleinmachnow
D. Ermittlung des Befalls und Nutzung von Entscheidungshilfen
12. Die Pflanzenbestände sind hinsichtlich ihrer Entwicklung und ihres
Gesundheitszustandes zu kontrollieren. Der Befall mit
Schadorganismen ist insbesondere vor Bekämpfungsmaßnahmen mit
direkten und indirekten Methoden zu ermitteln, zu dokumentieren und
zu bewerten. Dabei sind die Warndiensthinweise der
Landeseinrichtungen des PS konsequent zu beachten.
Empfehlung für die Vorgehensweise bei Bestandeskontrollen:
Direkte Befallsermittlungen erfolgen in der Mitte einer gewählten
Schlagseite an mindestens 5 Punkten (bei Unkräutern mindestens 10
Punkten) entlang einer gedachten Linie ins Feld hinein. Der Abstand
zwischen den Punkten beträgt >20 m.
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
Institut für Strategien und Folgenabschätzung im Pflanzenschutz Kleinmachnow
Schadorganismen, die nach Warndienstaufforderung überwacht werden
müssen:
Direkte Befallskontrollen:
•Unkräuter in Getreide, Raps und Zuckerrübe,
•Blattläuse an Getreide, Ackerbohne und Erbse,
•Schadpilze an Getreide, Zuckerrübe und Kartoffeln,
•Rapsglanzkäfer an Raps,
Indirekte Befallsermittlungen:
•Rapserdfloh und Stängelrüssler an Winterraps (Gelbschalen),
•Erbsenwickler (Pheromonfallen).
•Weitere Schadorganismen bei entsprechenden
Warndienstaufforderungen.
Weitere Hinweise und Vorgaben der Landeseinrichtungen des
PS sind zu beachten.
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
Institut für Strategien und Folgenabschätzung im Pflanzenschutz Kleinmachnow
13. Die Notwendigkeit einer Abwehr- oder Bekämpfungsmaßnahme ist
auf der Grundlage des Befalls mit Schadorganismen anhand von
anerkannten Bekämpfungsschwellen abzuleiten. Wenn
Befallsermittlungen nicht möglich oder nicht sinnvoll sind und andere,
z. B. modellgestützte Entscheidungshilfen zur Verfügung stehen, sind
diese zu nutzen.
•
•
•
Dazu gehören:
Liegt der Befall im Bereich um die Bekämpfungsschwelle, sind weitere
Entscheidungshilfen (Auftreten anderer Schadorganismen,
Wetterprognose, Nützlingsauftreten, Informationen zum
Resistenzverhalten der Schadorganismen u. a.)
und regionale Erfahrungen einzubeziehen.
Bei einer Entscheidung für eine Maßnahme ist die Reduzierung der
Dosierung und die Möglichkeit der Teilflächenbehandlung zu prüfen.
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
Institut für Strategien und Folgenabschätzung im Pflanzenschutz Kleinmachnow
Entscheidungshilfen auf der Grundlage von Prognosemodellen sind zu nutzen für:
•Halmbruchkrankheit an Winterweizen,
•Kraut- und Knollenfäule (Phytophthora infestans) an Kartoffeln,
•Weißstängeligkeit (Sclerotinia sclerotiorum) an Winterraps.
Die betriebsbezogene Anwendung modellgestützter Entscheidungshilfen, z. B.
ISIP, proPlant, via Internet wird empfohlen.
Weitere Hinweise und Vorgaben der Landeseinrichtungen des PS zu den
Schwellenwerten und zur Nutzung modellgestützter Entscheidungshilfen sind zu
beachten.
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
Institut für Strategien und Folgenabschätzung im Pflanzenschutz Kleinmachnow
E: Anwendung nichtchemischer und chemischer PS-Maßnahmen
14. Nichtchemische Abwehr- und Bekämpfungsmaßnahmen sind der Anwendung
chemischer PSM vorzuziehen, sofern praktikable und umweltverträgliche
Verfahren zur Verfügung stehen.
•
Hinweise:
Zu den nichtchemischen Abwehr- und Bekämpfungsverfahren gehören
biologische Maßnahmen, biotechnische Maßnahmen (Methoden mit
Lockstoffen, Gentechnik) und physikalische Maßnahmen (Mechanische,
thermische und energetische Verfahren).
Ihre Anwendung ist zumeist sehr spezifisch und im Vergleich zur Anwendung
chemischer PSM oftmals komplizierter, kostenaufwendiger und weniger
effizient.
Deshalb sollte ihre Anwendung durch besondere Beratung und möglichst durch
ökonomische Anreize (Länderprogramme) gefördert werden.
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
Institut für Strategien und Folgenabschätzung im Pflanzenschutz Kleinmachnow
Hierzu zählen:
•Unkrautbekämpfung durch Hacken in Kartoffeln, Mais und Leguminosen (Bohnen,
Erbsen),
•Unkrautbekämpfung durch Striegeln in Winterweizen,
•Vernichtung der Maiszünslerlarven durch Schlegeln, Scheibeneggen oder andere
Verfahren der Stoppelbeseitigung,
•Maiszünslerbekämpfung mit Trichgramma-Eiparasiten,
•Kartoffelkäferbekämpfung mit Bacillus thuringiensis-Präparaten,
•Weißstängeligkeit-Bekämpfung mit Coniothyrium minitans.
Weitere Hinweise und Vorgaben der Landeseinrichtungen des PS sind zu
beachten, z. B. zur Nutzung der spezifischen Beratung und der finanziellen
Unterstützung einzelner Verfahren.
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
Institut für Strategien und Folgenabschätzung im Pflanzenschutz Kleinmachnow
15. Bei der Mittelauswahl sind für den IPS geeignete Präparate zu Grunde zu
legen. Die gewählten PSM sollten so spezifisch wie möglich die
Zielorganismen treffen und die geringsten Auswirkungen auf die menschliche
Gesundheit, Nicht-Zielorganismen und die Umwelt haben.
•
•
•
Das heißt:
Die Auswahl des PSM ist im IPS besonderen Kriterien unterworfen und unter
Berücksichtigung der Wirksamkeit und der Kosten standort-, situations- und
kulturpflanzenbezogen zu treffen.
Es sind solche Pflanzenschutzmittel auszuwählen, die die höchste Sicherheit
für Anwender, Verbraucher und Umwelt gewährleisten und die natürlichen
Regelmechanismen möglichst wenig beeinträchtigen.
Zur Minimierung des Resistenzrisikos von Schadorganismen gegenüber PSM
sind die Hinweise der Beratung und Hersteller von PSM zu beachten.
Weitere Hinweise und Vorgaben der Landeseinrichtungen des PS sind zu
beachten.
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
Institut für Strategien und Folgenabschätzung im Pflanzenschutz Kleinmachnow
16. Es ist verlustmindernde PS-Technik einzusetzen, mit der die Abtrift mind. um
75% reduziert werden kann. Zu gefährdeten Objekten, wie Gewässer und
besonders schützenswerte Biotope, sind Schutzstreifen der Produktionsfläche
von mind. 3 m Breite ohne PSM-Anwendung einzuhalten. Existieren
weiterreichende Regelungen in den Ländern, sind diese zu beachten.
17. Die Anwendung von chemischen PSM ist auf das notwendige Maß zu
beschränken. Dabei sind die Möglichkeiten reduzierter Aufwandmengen und
der Begrenzung der Maßnahmen auf Teilflächen auszuschöpfen.
Kulturpflanzen- und regionalbezogene und national abgestimmte Korridore des
Behandlungsindexes sind als Orientierung zu nutzen.
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
Institut für Strategien und Folgenabschätzung im Pflanzenschutz Kleinmachnow
Behandlungsindices im Winterweizen,
Vergleichsbetriebe
7
5,7 (2,1)
6,2 (1,9)
5,8 (1,7)
6
5
4
Wachstumsregler
3
Insektizide
2
Fungizide
1
Herbizide
0
2007, n=179
2008, n=204
2009, n=226
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
Institut für Strategien und Folgenabschätzung im Pflanzenschutz Kleinmachnow
Behandlungsindices in Wintergerste,
Vergleichsbetriebe
7
6
4,6 (1,4)
5
4,1 (1,2)
4,0 (1,2)
4
Wachstumsregler
Insektizide
3
Fungizide
2
Herbizide
1
0
2007, n=110
2008, n=154
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
Institut für Strategien und Folgenabschätzung im Pflanzenschutz Kleinmachnow
2009, n=177
Behandlungsindices im Winterraps,
Vergleichsbetriebe
7
5,9 (1,5)
6
6,4 (1,3)
5,4 (1,8)
5
Wachstumsregler/
Fungizide
Insektizide
4
3
Fungizide
2
Herbizide
1
0
2007, n=137
2008, n=143
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
Institut für Strategien und Folgenabschätzung im Pflanzenschutz Kleinmachnow
2009, n=154
Behandlungsindices im Mais,
Vergleichsbetriebe
3
2,5 (0,7)
2,5
2
1,8 (0,7)
1,9 (0,6)
1,5
Herbizide
1
0,5
0
2007, n=26
2008, n=39
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
Institut für Strategien und Folgenabschätzung im Pflanzenschutz Kleinmachnow
2009, n=58
Verteilung der Behandlungsindices in
Winterraps 2008, Vergleichsbetriebe
60
Anzahl Schläge
45
30
kritischer
Kommentar
notwendiges
Maß
15
0
2
3
4
5
6
7
8
Klassen der Behandlungsinices
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
Institut für Strategien und Folgenabschätzung im Pflanzenschutz Kleinmachnow
9
10
•
•
Hinweise:
Für die gezielte Anwendung der Pflanzenschutzmittel sind in besonderer Weise
Hinweise und Empfehlungen der Landeseinrichtungen des Pflanzenschutzes zu
beachten.
Die kulturpflanzen- und regionalbezogenen Korridore des Behandlungsindexes
(Korridore des notwendigen Maßes) in den Kulturen Winterweizen, Wintergerste
und Winterraps werden auf der Basis der jährlichen Erhebungen in den
Vergleichsbetrieben Ackerbau in Abstimmung zwischen JKI, dem betreffenden
Land und DBV festgelegt und jahresbezogen angepasst.
18. Bei der Gefahr von Resistenzen von Schadorganismen gegenüber
Pflanzenschutzmitteln sind verfügbare Resistenzvermeidungsstrategien
einzuleiten.
Die Hinweise und Vorgaben der Landeseinrichtungen des PS und Hersteller von PSM
zur Vorbeugung von Resistenzen und zur Durchführung von
Resistenzvermeidungsstrategien sind zu beachten, insbesondere zur Anwendung
von Gräserherbiziden, Fungiziden im Getreide und Insektiziden gegen
Rapsschädlinge.
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
Institut für Strategien und Folgenabschätzung im Pflanzenschutz Kleinmachnow
F: Erfolgskontrolle und Dokumentation
19. Die Wirksamkeit der PS-Maßnahmen ist durch geeignete Methoden zu
überprüfen.
•
•
Hinweis:
Die Wirksamkeit der PS-Maßnahmen ist durch Befallskontrollen vor und nach
der PS-Maßnahme und möglichst durch Anlage von „Spritzfenstern“, z. B. in
der Größe Gerätbreite x 10 m, zu überprüfen.
Die Erkenntnisse sollten in der Schlagkartei vermerkt werden.
20. Die Ergebnisse der Befallsermittlungen und PS-Maßnahmen sind zeitnah und
transparent zu dokumentieren.
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
Institut für Strategien und Folgenabschätzung im Pflanzenschutz Kleinmachnow
•
•
Hinweise:
Die schlagspezifische Dokumentation der Anwendung von PSM wird
gesetzlich gefordert.
Zusätzlich sind die Ergebnisse der Befallsermittlungen zu dokumentieren:
• Datum,
• Stadium des Bestandes,
• Ergebnis der Befallsermittlung im Zusammenhang mit dem
Schwellenwert,
• Begründung der Bekämpfungsentscheidung.
Bei Schadorganismen, bei denen ein Abwarten der ersten Schadsymptome nicht
möglich ist, reicht es aus, die Empfehlung des Warndienstes bzw. des
verwendeten Prognosesystems zu vermerken.
Die Hinweise und Empfehlungen der Landeseinrichtungen des PS sind zu
beachten, z. B. zur Nutzung von Schlagkarteien.
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
Institut für Strategien und Folgenabschätzung im Pflanzenschutz Kleinmachnow
Mit der Novellierung des Pflanzenschutzgesetzes wird auch der § 34 geändert
bzw. erweitert
(Entwurf)
§ 60 Durchführung in den Ländern
…
3. Beratung, Aufklärung und Schulung auf dem Gebiet des integrierten
Pflanzenschutzes, auch mit Ausrichtung auf eine Verminderung der Risiken,
die durch die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln für Mensch, Tier und
Naturhaushalt entstehen können und die Umsetzung des Aktionsplans
einschließlich der Durchführung des Warndienstes auch unter Verwendung
eigener Untersuchungen und Versuche.
Zu unkonkret!
z. B. im Zusammenhang mit den Leitlinien stehen folgende Aufgaben:
Zusammenarbeit mit Verbänden?
Beratung zur Umsetzung der Leitlinien?
Kontrolle der Umsetzung der Leitlinien?
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
Institut für Strategien und Folgenabschätzung im Pflanzenschutz Kleinmachnow
Document
Kategorie
Bildung
Seitenansichten
3
Dateigröße
1 301 KB
Tags
1/--Seiten
melden