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1 Fremdsprachenqualifikation und interkulturelle Kompetenz: Was

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1
Fremdsprachenqualifikation und interkulturelle Kompetenz:
Was ist eine Interkulturelle Sprachausbildung?
(Antonio Juárez Medina – Heilbronn 2001)
1. Bedarf der Wirtschaft an „Fremdsprachen: einige Zahlen.
Nimmt man die Stellenangebote der Wochenendausgaben der
Zeitungen
unter
die
Lupe,
stellt
man
fest,
daß
bei
den
Qualifikationsprofilen der gesuchten Mitarbeiter immer mehr gute
Fremdsprachenqualifikationen explizit gefordert werden. Dies kann
uns nicht wundern angesichts der Tatsache, daß obwohl über 95%
der
in
der
EU
operierenden
Firmen
unter
100
Mitarbeiter
beschäftigen, ¾ davon (über 9 Millionen) seit langem in allen
denkbaren Formen und Arten der Kooperation mit EU- (und Übersee) Partnern arbeiten1.
Es ist deshalb nicht verwunderlich, daß nach einer weit angelegten
Untersuchung des IW- Köln (1998), über 68% der befragten
Unternehmen
bei
der
Anstellung
neuer
Mitarbeiter
auf
die
Fremdsprachenkompetenz achten; und sogar 30% der Firmen wegen
ihrer
Fremdsprachenkenntnisse,
aber
auch
aufgrund
ihrer
interkulturellen Kompetenzen, auf ausländische Mitarbeiter zurück
greifen2. Damit ist aber nicht alles getan. Die Integration der
ausländischen Mitarbeiter hier in der Bundesrepublik oder deutscher
im Ausland müßte auch nach der Einstellung berücksichtigt werden
damit es nicht zum Scheitern kämme.
2
Wenn einerseits die Firmen bereits bei den Anzeigen um hochwertige
Mitarbeiter mit guten Fremdsprachenqualifikationen bemüht sind, ist
es gut. Anderseits jeder weiß, daß der Qualifikations-Stand eines
Mitarbeiters, ab seiner Einstellung, eine ständige Erweiterung und
Entwicklung bedarf; natürlich gilt dies auch bei den FremdsprachenKenntnissen.
Darüber hinaus kann man nicht erst die Fremdsprachen ausüben,
wenn der ernste Fall eintritt: Tatort Unterland bei einer Transportfirma
(35 % ihrer Umsatz mit Frankreich). Der Juniorchef erhält einen Brief
vom Amtsgericht von Poitiers ( Frankreich). Selbstverständlich ist der
Brief in Französisch geschrieben und der Spediteur aus dem
Unterland sieht, daß es im Gerichtsdokument um ein Datum für einen
Termin in 8 Tagen geht: „Ist das eine Information (z. Kenntnisnahme),
erwartet man von uns eine Stellungnahme, ist es eine Vorladung:
...’Verdammt noch mal’ [sagt sich der (studierte) Juniorchef...], wenn
ich damals an der FH die angebotenen Lehrveranstaltungen in
Französisch besucht hätte... würde ich jetzt wissen, ob ich das
Dokument übersetzen lassen muß... Ich habe nicht einmal der
Anschaffung
von
Fremdsprachenlexika
für
das
Sekretariat
zugestimmt...„ Jetzt ist es zu spät; der Junior muß auf jeden Fall ein
Übersetzungsbüro beauftragen das bis zum nächsten Tag die
Übersetzung erledigt...
Dies ist kein abstruses oder unrealistisches Beispiel... Zum Glück
braucht man im Allgemeinen die Wirtschaft nicht mehr aufzuklären.
3
Die Firmen in der BRD, die innovativ sind und zukunftsorientiert
bleiben wollen, haben die Situation hoffentlich erkannt und bei der
Rekrutierung
ihrer
Mitarbeiter
bewerten
sie
zunehmend
die
Sprachkenntnisse deutlich höher als Zusatzqualifikationen wie
Promotion oder die (seit wenigen Jahren von einer Ecke der Politik
als
„Super-Turbo-Modell„
gepuscht...)
Zusatzausbildung
wie
Bachelor, Master etc...(s. Deutscher Instituts-Verlag, 2000).
2. Historische Bedeutung der Fremdsprachen in der
Weltwirtschaft.
10 Untersuchungen3, die in der BRD seit 1991 durchgeführt worden
sind, belegen alle, daß der erkannte Bedarf an Fremdsprachen für
die Mitarbeiter der befragten Firmen „einen beachtlichen, aber [je
nach
Tätigkeitsbereichen]
bedeutet
[...],
der
differenzierten
zwischen
70
%
und
Fremdsprachenbedarf
100
%
(auch
im
produzierenden Gewerbe) variiert„ [...]4.
Es ist natürlich nicht streitbar, daß Englisch in allen Untersuchungen
(z.T. mit ca. 97 %) deutlich vorne liegt. Jedoch: „Die Tendenz, daß
nur die wenigsten Unternehmen mit Fremdsprachenbedarf lediglich
eine Sprache benötigen, wird von den vorliegenden Untersuchungen
[...] bestätigt„. Pro Unternehmen werden in der Regel zwei und mehr
Sprachen verwendet. Darüber hinaus spielen dabei Unterschiede
zwischen den neuen und alten Bundesländern keine große Rolle:
„Offenbar haben die Unternehmen in den N-B-L. erkannt, daß sie zur
4
Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit in zunehmendem Maße auf
Fremdsprachenkenntnisse angewiesen sind„.5
Historisch gesehen ist diese Bedeutung auch (weltweit) nicht neu.
Denn wie der französische Historiker Pierre Vilar vor Jahren bereits
feststellte: Globalisiert wurde die Weltwirtschaft bereits faktisch durch
das Betreten des amerikanischen Kontinents von Cristóbal Colón am
12 Oktober 1492. „Die Expansion [Spaniens in Amerika] schuf den
ersten Weltmarkt und bot der Entwicklung der europäischen
Produktion eine immer bessere monetäre Deckung„.6
In der Tat, wenn die Globalisierung der Wirtschaft bedeutet, daß
Güter, Dienstleistungen, Kapital und Arbeitskräfte weltweit hin und
her getauscht werden, wurde diese eben mit der „Entdeckung
Amerikas„ Realität und insbesondere mit der Einrichtung der Casa de
la Contratación (eine Art von Handels- u. Kapitalbörse für die Importe
und Exporte nach und aus Amerika) 1503 in Sevilla. Damals haben
die Herren der Wirtschaft und der Politik (vielleicht mehr als heute?)
auch die Bedeutung der „Fremd„- Sprachen„ erkannt. Was für ein
Zufall (könnte man sagen), daß ein spanischer Seemann gegen 1510
an der Küste von Yucatán (Mexiko) strandete. Er wurde bei den
Mayas aufgenommen und unterrichtete Spanisch bei der MayaPrinzessin La Malinche, die - als Hernán Cortés 1519 in der Region
landete - zur Dolmetscherin (und Geliebten) des Conquistadors
wurde. Ohne Die Malinche hätte H. Cortés (und seine kleine Truppe
5
von 480 Soldaten) nicht die mit den Azteken verfeinden Völker der
Region gegen die 10 Mill. Azteken gewinnen können.
Die Gewichtung der Fremdsprachen bei den Wirtschaftsfürsten von
damals
zeigt
sich
auch
am
Beispiel
des
(berühmten
und
berüchtigten) Augsburger Kaufmanns Jakob Fugger (1459-1525) der
in seinen Anweisungen (g. 1520) an seine weltweit operierenden
Vertreter schrieb: „Es gibt für uns keine Fremdsprachen, denn die
beste Sprache ist die Sprache der Kunden„.
Was im XVI Jh. galt, hat heute noch Gewicht, und diejenigen, die
noch an der Bedeutung der Fremdsprachen als Wettbewerbsvorteil
zweifeln, sollten sich die Mahnung der Wirtschaftswoche vom
7.1.1999 einprägen: „Ein mehrsprachiger Arbeitskräftepool wird
immer mehr zum wichtigen Standortfaktor bei der Entscheidung, wo
Unternehmen ihre regionalen Hauptniederlassungen, Fabriken und
Industriezentren ansiedeln„.7 Trotz alledem, und dies ist vielleicht die
„schlechte Nachricht„, die Sie seit Beginn dieser Präsentation
erwarten:
Es
besteht
eine
ernste
Diskrepanz
zwischen
betrieblichen
Maßnahmen und betrieblichem Bedarf: „Obwohl dem Themenbereich
Fremdsprachen/ interkulturelles Training allgemein eine zunehmende
Bedeutung im Rahmen betrieblicher Bildungskonzepte zugesprochen
wird, „darf nicht übersehen werden, daß es sich hierbei um ein
vergleichsweise kleines Segment der Weiterbildung handelt8„. Der
6
Anteil am gesamten Volumen der betrieblichen Weiterbildung dürfte
(nach dem IW- Köln) zwischen 5 und höchstens 10 Prozent liegen9.
Es gibt also noch viel zu tun!
3. Interkulturelles- oder Fremdsprachentraining?
Zur
Vorbereitung
von
geplanten
Auslandseinsätzen
und
Auslandsaufenthalten der Mitarbeiter bitten zunehmend D- Firmen
nicht nur Sprachtrainings in Deutschland sondern auch im Zielland an
(Allerdings werden diese Maßnahme von kleineren Unternehmen
wegen der Schwierigkeiten (Finanzen und Zeit) nicht genügend
genutzt).
Auch explizite interkulturelle Trainingsseminare werden zunehmend
angeboten.
Auf diese aus den USA stammenden Maßnahmen greifen große
Firmen seit Jahren, auch in der BRD zurück: BASF, Siemens, DASA,
Daimler, VW, etc. arbeiten mit Kommunikationstrainern zusammen,
die (im Prinzip) über sehr guten Auslandserfahrung verfügen und den
Mitarbeitern
die
allgemeinen
Informationen
über
das
Land,
Geschichte, Politik, Wirtschaft und Ähnliches vermitteln sowie
interkulturelle Aspekte behandeln. Diese Maßnahmen werden
insbesondere für die Führungskräfte durchgeführt (was natürlich eine
gute Sache ist), jedoch (primär aus Kostengründen...) nicht oft für die
Mitarbeiter, deren Tätigkeitsbereiche wie Planung, Einkauf, Verkauf,
Montage, und auch deren Auslandseinsatz genau so wichtig sind,
7
und von ihnen oft der Erfolg oder das Scheitern der gesamten
Zielsetzungen der Firmen in dem Zielland abhängt.
Ein Beispiel aus der Realität: Ein Mitarbeiter der Einkaufsabteilung
eines Stuttgarter Konzerns ist mit Englischkenntnissen bei der
Partnerfirma in Aranjuez (Spanien) zunächst weitergekommen,
jedoch weder Spanischkenntnisse besitzt, noch über Aranjuez,
Madrid und die dortigen kulturellen Gegebenheiten informiert ist,
kommt bald der frustrierende Tag an dem er sich mit dem Taxifahrer
streiten wird, und dann im Restaurant und im Hotel, weil er die
Alltagskultur und gewisse Kulturstandards nicht kennt. Jeder „Chef„
weiß, daß der Frust bei Mitarbeitern sehr schwer von allein abgebaut
werden
kann.
Die
Geschäfte
und
die
Leistungen
werden
entsprechend beeinträchtigt...
In diesem Zusammenhang sollten sich die Firmen die Frage stellen,
ob sie die interkulturellen Trainings (als Leckerbissen) nur für die
oberste Etage anbieten oder generell alle ins Ausland geschickte
Mitarbeiter in solche Maßnahmen mit einzubeziehen sind. Diese
Frage ist um so brisanter, weil die Führungsetagen (insbesondere in
den EU-Ländern) sehr oft eine einerseits länderübergreifende „Subo. Suprakultur„ zueinander entwickelt haben und anderseits nicht mit
der Alltagskultur (die ja die spezifischen Kulturstandards jedes
Landes zum Vorschein bringt) konfrontiert werden... Damit ist für die
wohlmeinenden Firmen „der Weg zur Hölle (sagt man in Frankreich)
mit Pflastersteinen belegt...„
8
4.Mangelvorbereitung führen zu Fiaskos in Auslandseinätzen
Nach Schätzungen von Fachinstituten (für Interkulturelles Training)
scheitern 15 bis 30 % der Auslandseinsätze deshalb, weil die
deutschen Fachkräfte nicht oder ungenügend für diese Einsätze
vorbereitet sind10. Eine deutsche Bioingenieurin, die in Singapur bei
einem D- Konzern arbeitet, berichtete in Die Zeit wie sie aufgrund
eines offenes Gespräches mit Ihren indischen Chef danach große
Schwierigkeiten hatte, weil sie vorher nicht wußte, daß „in Asien Wut,
Ärger oder Ungeduld auf keinen Fall gezeigt werden dürfen„ 11. Diese
Mitarbeiterin war nicht auf ihre Auslandstätigkeit vorbereitet. Im
Zeitalter der „Green Card„ müsste dies wiederum auch bei der
Einstellung
ausländischer
Mitarbeiter
in
D-Firmen
unbedingt
berücksichtigt werden!
Der Auslandseinsatz von Mitarbeitern bei deutschen Firmen wird
heute (und das ist eben in kritisch zu hinterfragen) nicht mehr als
Garant für eine Karriere gesehen, berichtete in Januar die FAZ über
eine Studie von Kienbaum Compensation Consulting (zu 1400
Auslandseinsätzen). Dies zeigt (neben den Zahlen der deutschen
Import-Export-Bilanz), daß die wirtschaftlichen Auslandsaktivitäten
weiterwachsen, jedoch weder der Wertschätzung dieser Einsätze bei
den
Vorständen
(und
auch
nicht
die
dafür
notwendige
Mitarbeitervorbereitung); obwohl laut Kienbaum heißt „Das kann
ihnen nicht nur Wettbewerbsvorteile verschaffen, sondern auch
9
helfen, künftig Fehler bei Entsendung und Wiedereingliederung zu
vermeiden„12.
Die immer größere multikulturelle Entwicklung der Welt und der
Wirtschaft kann nicht mehr ignoriert werden. Diese Tatsache muß im
Alltag
und
in
der
Arbeitswelt
mit
innovativen
Maßnahmen
(Trainingsseminare für interkulturelle Zusammenarbeit) begegnet
werden.
5. Definitorische Elemente des Begriffes „interkulturelles
Fremdsprachen-Training„.
Zu den bereits angedeuteten „innovativen Strategien„ gehören die
Verkettung und Zusammenfügung des Fremdsprachenunterrichts mit
dem interkulturellen Training von der 1. Stunde an:
Das interkulturelle Fremdsprachtraining basiert auf dem Konzept
„seine und die andere Kultur zu verstehen und zu üben„. Kultur
hat die originäre lateinische Bedeutung „das eigene Feld bestellen„.
Dies impliziert hier damit, daß man (als Dozent) zwei Felder (mit-)bestellen müsste: das eigene und das des Gesprächspartners
(Kursteilnehmers...).
Eine „Reduzierung„ der kulturellen Identität eines Menschen auf nur
eines seiner Nährstoffe (d. h. Elemente wie z.B. der Gebrauch nur
einer bestimmten Sprache, oder eines Verhaltensmusters) führt
deshalb zur Verarmung oder Desertifikation des „bestellten Feldes„.
10
Man kann die Kultur also (nach Karl Engelhard) als eine Gesamtheit
von (zusammenhängenden) symbolischen Bedeutungen verstehen,
die der Orientierung, Selbstdefinition und Selbstregelung des
Menschen in einem sozialen Raum und auch dem Verständnis und
Selbstverständnis
des
eigenen
Individuums
dienen13.
Der
kompetente Dozent muß also alle Komponenten (alle Wagen des
Zuges) der Kultur bei seiner Arbeit berücksichtigen. Die Sprache ist
die Schiene wodurch die Wagen sich fortbewegen.
6. Ist es mit dem Englisch als „lingua franca„ getan?
Unter der bejahten Prämisse, daß ein Fremdsprachenseminar bzw.
Training einen Begegnungsort mit interkulturellen Zielen darstellt,
begannen in letzter Zeit verschiedene Wissenschaftler damit, auch
kritische Töne bezüglich der Verallgemeinerung der Zielsprache
Englisch als „globale Sprache für alles und alle„ anzuschlagen. Einer
der deutlichsten Kritiker, der Anglist Werner Hüllen, hat sogar etwas
spöttisch über das „unerschöpfliche Geschäft der interkulturellen
Kommunikation„14 gesprochen.
In einem zentralen Punkt scheinen seine kritische Betrachtungen
(auch in Hinblick auf die Herkunft der Teilnehmer/innen der
Lehrveranstaltungen)
sprecher
miteinander
zuzutreffen:
zu
„wenn
kommunizieren
zwei
Fremdsprachen-
versuchen.
Welche
interkulturelle Kommunikation findet eigentlich statt, wenn ein
11
Japaner und ein Deutscher sich im Englischen unterhalten?„ Die
Frage ist wichtig und legitim. Denn es kann nicht in der Tat die
gleiche Strategie, die gleiche Didaktik, die gleichen Lernziele gelten,
ob man das Englische als „Träger„ der angelsächsischen Kulturen
(für ca. 450 Mill. Menschen) lehrt und lernt oder das Englische für
den „Global Player„ als Weltverkehrssprache15, als „offshoreEnglisch„, dient.
Hüllen ist mit seinen kritischen Betrachtungen nicht allein. Die
Spezialistin für Interkulturelle Didaktik Helga Losche hat vor kurzem
über die Gefahren bei der interkulturellen Kommunikation gewarnt,
die zu Missverständnissen führen: „Auch die Wahl einer lingua
franca, meist Englisch, verringert die Probleme nicht, da sich hier alle
Beteiligten
mit
ihrem
jeweiligen
kulturellen
Hintergrund
und
Verständnis einer Fremdsprachen bedienen. [...], eine Orientierung
wird noch schwieriger„16.
Darüber
hinaus
bestehen
neben
der
(wichtigen)
expliziten
Kommunikation mittels der Sprachen, (z.B. Englisch als „Offshore
Englisch„) zahlreiche Aspekte der par-verbalen und non-verbalen
Kommunikation (wie z.B. die Gestik, Mimik und Symbolik), die
ebenso einen großen Beitrag zum Erfolg oder Scheitern des
Kommunikationsvorgangs leisten.
12
7. „Bürgerliche Küche„ oder „Nouvelle Cusine„?
Auf
dem
Weg
einer
interkulturellen
Didaktik
bei
den
Fremdsprachenseminaren insbesondere (aber nicht nur) in den
Institutionen der Erwachsenenbildung (z.B. einer Hochschule) darf
man sich nicht mit dem Sprachunterricht zufriedengeben, um einen
„café au lait„, einen Whisky oder ein Bier an einem Imbißstand am
Strand von El Arenal zu bestellen, oder nur mit „ex modernen„
suggestopädischen Seminaren (es klingt wie orthopädisch!) Kurse für
gestreßte Ingenieure oder Betriebswirte, die nur solange in Caracas
oder Hongkong bleiben, bis „der Vertrag, den sie bereits beim
Verlassen des Flugzeugs aus dem Aktenkoffer geholt hatten„17,
unterzeichnet
ist;
venezolanischen
und
oder
zwar
noch
chinesischen
im
Flughafen,
wo
ihre
Gesprächspartner
sie
erwarteten,....
Was der Wirtschaft betrifft sollte es auch keine Dichotomie geben
zwischen Fremdsprachenausbildung zwischen 20 Terminen von
Mitarbeitern für den schnellen Einsatz im Ausland einerseits und den
interkulturellen
Trainingsseminaren für die Führungskräfte am
Wochenende in einer vorzüglichen Atmosphäre am Titisee. Es
kommt dem Referenten vor, als ob einige pfiffige Köche eine
Trennung zwischen der (guten) preiswerten „bürgerlichen Küche„ und
der teuren „Nouvelle Cuisine„ gemacht haben!
Die Multilateralität der Welt (einige nennen es heute „global village„)
ist zwar eine Tatsache, jedoch ist der Weg dahin noch sehr
13
undurchsichtig. Die zwei zentralen und untrennbaren Komponenten
der Verkehrsmittel, (die uns dahin bringen können) sind die
Fremdsprachen, (als Schienen) die nicht mehr „fremd„ sondern
„Weltsprachen„ sein sollen und deren Kulturen (als Wagen von
Zügen) die auf diese Sprache (Schienen) verkehren. Der Weg ist also
nur
mittels
einer
interkulturellen
Didaktik,
interdisziplinären Perspektive zu bestreben.
und
aus
einer
14
Abschluß.
Anstatt der Alternative „bürgerliche Küche„ für die Mehrheit
(Fremdsprachen Kompetenz) und „Nouvelle Cuisine„ für die Elite,
(interkulturelles Training) sollte eine „Nouvelle bürgerliche Cuisine„
mit modularen Abstufungen nach Zielen für alle Mitarbeiter, die mit
dem Ausland arbeiten, angeboten werden. Dies erfordert auch seinen
Preis, die Hochschulen können aber ihn „bezahlbar“ machen.
15
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
El País. Negocios, 12.01.92
Grabe: IW-Köln S. 184
W-Köln: Weiß-Schöpper-Grabe, 1998, S.177-193
Grabe: S. 192
Grabe: S. 183
Spanien, 1998, S. 58
in Schöpper-Grabe, Beiträge, 239, S.22
Graf, 1998, 28
Schöpper-Grabe, Beiträge, 239, S. 31
Die Zeit 07.09.2000, S. 68
Ibid.
FAZ. 27.1.00, S. 65
Ibid.
Müller-Jacquier, Bernd-Dietrich: „Kulturstandards in der Fremdsprache„; in: Thomas, A. (Hrsg.):
Kulturstandards in der internationalen Begegnungen. Saarbrücken, Breitenbach, 1991, S. 41
Hüllen, Werner: „Das unendliche Geschäft der interkulturellen Kommunikation„; in: Gienow, W./ Hellwig,
K.-H. (Hrsg.): Interkulturelle Kommunikation und prozeßorientierte Medienpraxis im
Fremdsprachenuntericht, Friedrich Verler Verlag, Seelze, 1994, S. 16-28
Losche, Helga: Interkulturelle Kommunikation. Zielverlag, 2. Auflage 2000, S. 49.
Die Bemerkung wurde 1996 in der Heilbronner Stimme von dem Wirtschaftsattaché der Botschaft der VR
China gemacht.
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