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Maßnahme zur Arbeitskrafterhaltung und was das - Andrea Schönig

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>>Qigong und Taijiquan<<
Maßnahme zur Arbeitskrafterhaltung und was das den Arbeitgeber angeht!
Abschlussarbeit zur Kursleiterausbildung 2012 / 2013
„Taijiquan und Körperarbeit“
In Balance Institut - Kassel
Andrea Schönig (Ausbilder)
Autor:
Uwe Schmidt / Frankfurt am Main
Website:
Kategorie: Abschlussarbeit
Seite 1 von 16
Letzte Änderung: 14. Dezember 2012
>>Qigong und Taijiquan<<
Maßnahme zur Arbeitskrafterhaltung und was das den Arbeitgeber angeht!
Inhalt
I.
Ein innerer Monolog .......................................................................................................... 3
II.
Stress beim Menschen........................................................................................................ 4
III.
Körperliche Auswirkungen von Stress ........................................................................... 7
IV.
Burn-out - die Falle im Beruf ............................................................................................ 7
V.
Vorbeugen ist besser als brennen .................................................................................... 9
VI.
Was geht das den Arbeitgeber an .................................................................................... 9
VII.
Aufbruch in das Reich der Mitte .................................................................................... 13
Literatur- / Quellenverzeichnis ................................................................................................. 16
Autor:
Uwe Schmidt / Frankfurt am Main
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Kategorie: Abschlussarbeit
Seite 2 von 16
Letzte Änderung: 14. Dezember 2012
>>Qigong und Taijiquan<<
Maßnahme zur Arbeitskrafterhaltung und was das den Arbeitgeber angeht!
I.
Ein innerer Monolog
... toll, das Wochenende war ja mal wi eder viel zu kurz, so richtig ausg eruht bin ich ja nicht – dieser verdammte Saftladen geht einem auch nicht
aus der Birne raus – na ja, wenigstens lief es beziehungstechnisch gut, die
Woche über ist es ja nicht immer so, hab einfach zu viel um die Ohren – ich
gehe jetzt erstmal ein bisschen Sport machen und dabei mal die Nachrichten
schauen - das Abo für die Tageszeitung könnte ich mir auch schenken,
Sonntags die Zeitungen von Montag bis Samstag zu lesen macht so richtig
keinen Sinn – was hat der gerade ges agt? die Firma wurde verkauft, bin a lso jetzt nicht mehr bei SDE beschäftigt sondern bei PH, super – was? jetzt
schlägt es aber dreizehn, gekauft und gleich ein Stellen abbau von 20% was für ein Dreck – erst das Outsourcing zu SDE, dann verkauft , Arbeit
ohne Ende und nun kann ich auch noch um meinen Arbeitsplatz zittern –
Sport beendet, mir ist gerade die Lust ver gangen – jetzt heißt es Ranklotzen
und zeigen wer der Beste ist, Leistung muss honoriert werden ...
So, oder so ähnlich verlaufen viele innere Monologe. Ob diese nun aus der Arbeitswelt, dem Privatleben oder aus Beiden gleichzeitig resultieren, dass Ergebnis
ist immer gleich – wir werden gestresst mit unter Umständen ungeahnten Folgen
für unsere Gesundheit.
Insbesondere wenn beruflicher Stress (Zeitdruck, hohe Arbeitsbelastung, Unzufriedenheit, Konzeptlosigkeit, fehlende Motivation, innerbetriebliche Zusammenarbeit, drohender Arbeitsplatzverlust) nicht durch geeignete Maßnahmen kompensiert wird, droht uns der schleichende Prozess des Burn-out-Syndroms1.
1
Burn-out-Syndrom (Ausgebranntsein) ist ein Begriff aus den 1970er Jahren. Er beschreibt einen Zustand emotionaler Erschöpfung
mit reduzierter Leistungsfähigkeit. Der Psychologe Herbert Freudenberger beschrieb in grundlegenden Arbeiten das Burnout Syndrom
als Reaktion des Körpers auf chronische Stressoren im Beruf.
Autor:
Uwe Schmidt / Frankfurt am Main
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II.
Stress beim Menschen
Stress bewirkt heutzutage die gleichen körperlichen und seelischen Reaktionen
wie schon vor Jahrtausenden, als dem Mensch noch der Säbelzahntiger im Nacken
saß. Damals waren die verursachenden Stressoren2 noch vorrangig durch den
Überlebenskampf geprägt. Heute resultieren sie mehr aus der Berufsumgebung in
Verbindung mit der hochtechnisierten, reizüberfluteten und immer Perfekt-SeinWollen Welt - wir leiden unter Dauerstress.
Die eigentliche Stressreaktion ist die körperlich-seelische Auswirkung, hervorgerufen durch die Einwirkung der Stressoren, einhergehend mit der Verletzung des
inneren Gleichgewichts (Homöostase3). Da es sich bei der Stressreaktion um eine
durch die Evolution entstandene, schnelle Anpassungsmöglichkeit für auftretende
Gefahrensituationen (Stressoren) handelt, wird vom Körper Energie bereitgestellt
um eine der Situation angemessene Reaktion (Angriff, Flucht oder Erstarrung) zu
ermöglichen.
Sobald man das Thema Stress weiter vertieft, wird man unter anderem auf die Begriffe positiver Stress (Eustress4), negativer Stress (Distress5), Unterforderung
(Hypostress6) und Überforderung (Hyperstress7), in Verbindung mit verschiedenen
Stresstheorien8, stoßen.
2
Stressoren (Stressfaktoren) bezeichnen alle inneren und äußeren Reizereignisse, die eine Reaktion (Anpassungsfähigkeit) erfordern.
Der Mensch interpretiert die auf ihn einwirkenden Reize (Hören, Sehen, Riechen, Schmecken und Tasten) und ihre Auswirkungen für
die jeweilige Situation und bewertet sie entweder positiv oder negativ.
3 Homöostase (Selbstregulation) bezeichnet die Aufrechterhaltung eines Gleichgewichtszustandes eines Systems (Individuum) durch
einen internen regelnden Prozess.
4 Eustress (positiver Stress) bezeichnet diejenigen Stressoren die positiv, nützlich und angenehm für den Organismus sind. Diese Belastung gilt als unbedenklich, solange die Alarmsituation nicht lange anhält, die mobilisierte Energie durch regenerative Methoden
wieder abgebaut wird und ausreichend Zeit zur Erholung vorhanden ist.
5 Distress (negativer Stress) bezeichnet diejenigen Reize die als unangenehm, bedrohlich oder überfordernd gewertet werden. Stress
wird erst dann negativ interpretiert, wenn er häufig auftritt (fehlender harmonischer Wechsel zwischen Anspannungs- und Entspannungsphase) und kein körperlicher Ausgleich erfolgt. Ebenso können negative Auswirkungen auftreten, wenn die unter Stress
leidende Person durch ihre Interpretation der Reize keine Möglichkeit zur Bewältigung der Situation sieht.
6 Hypostress (Unterforderung) bezeichnet eine ständige Unterforderung und daraus resultierend liegt die Leistungsfähigkeit auf einem nicht optimalen Niveau.
7 Hyperstress (Überforderung) kann aus einer Vielzahl von positiven Stressoren (Eustress) entstehen und damit in negativen Stress
(Distress) übergehen.
8 Stresstheorien versuchen den Zusammenhang zwischen den Stressoren und den daraus resultierenden Reaktionen darzustellen.
Die einzelnen Theorien werden mit wachsendem Erkenntnisstand immer komplexer, da der Mensch nicht nach allgemeinen Regeln
auf Stress reagiert. Insbesondere reagieren Frauen und Männer unterschiedlich auf auslösende Ereignisse.
Autor:
Uwe Schmidt / Frankfurt am Main
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Damit wir uns aber weiterentwickeln, gesund und leistungsfähig bleiben (Aktivierung), ist es erforderlich, dass wir gestresst, herausgefordert werden. Allerdings
sollte es sich mehrheitlich um Eustress – den positiven Stress – handeln.
Bei einem Übermaß an Distress, Hypostress, Hyperstress drohen im Allgemeinen
Leistungsabfall (siehe Abbildung 1) in Verbindung mit ernsthaften gesundheitlichen Schäden wie Bluthochdruck, Verspannungen im Rücken- und
Nackenbereich, Konzentrationsschwäche, Kopfschmerzen, Schlafstörungen bis hin
zum Burn-out-Syndrom (berufsbedingter Stress) - um hier nur einige zu nennen.
Leistungsfähigkeit
Hypostress
(Unterforderung)
Eustress
(Wohlfühlbereich)
Distress
Hyperstress
(Überforderung)
Flow-Erlebnis*
Aktivierung
*Flow-Erlebnis ist ein Gefühl der völligen Vertiefung in eine Tätigkeit das durch die
folgenden typischen Kennzeichen charakterisiert wird:
- Verhältnis zwischen Anforderung und Fähigkeit ist ausgewogen.
- Ein gesetztes Ziel kann erreicht werden.
- Vollkommene Konzentration und Kontrolle über die Aufgabe.
- Das subjektive Zeitgefühl verändert sich (verfliegt wie im Flug).
- Die Ausführung erfolgt nahezu mühelos und sorgt für ein entstehendes Glücksgefühl.
Abbildung 1 – Leistungsfähigkeit im direkten Zusammenhang mit Herausforderungen (Stress)
(Yerkes-Dodson-Gesetz nach Robert Yerkes und John Dodson)
Autor:
Uwe Schmidt / Frankfurt am Main
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Gemäß dem Transaktionalen Stressmodell9 des Psychologen Richard Lazarus erfolgt
die Bewertung der Stressoren von Individuum zu Individuum unterschiedlich und
somit auch deren Reaktion auf die Situation (siehe Abbildung 2).
Reize aus der Umwelt
(Stressoren)
Individuum
Wahrnehmung und Filterung
(Hören, Riechen, Sehen, Schmecken, Tasten)
1. Bewertungsstufe
(Interpretation des Stressors)
Gefährlich
Positiv
· Herausforderung
· Bedrohung
· Schädigung
· Verlust
Irrelevant
2. Bewertungsstufe
(Überprüfung der verfügbaren Ressourcen)
Ressourcen reichen
nicht aus
Ressourcen verfügbar
Stress
(Bewältigung wird initiiert)
Problemorientiert
· Informationssuche
· Direkte Handlung
· Keine Handlung
· Anpassen
· Situation ändern
Emotionsorientiert
· Abbau emotionaler Erregung
· Aggression
· Flucht
Neubewertung
(Anpassung und Lernen)
Abbildung 2 – Transaktionales Stressmodell nach Richard Lazarus
Neuere Forschungen unterscheiden bei der Stressreaktion zwischen den Geschlechtern. Zwar trifft für beide die Reaktion Fight-or-flight10 zu, jedoch ist dies bei
der Frau schwächer ausgeprägt. Sie schließt sich in Gefahrensituationen eher
Gruppen oder Personen an. Hier wurde der Begriff Tend-and-befriend11 als eine
mögliche Antwort der Frau auf Stress geprägt.
9
Transaktionales Stressmodell bedeutet, dass zwischen Stressor und Stressreaktion eine Bewertungsstufe (Prozess) zwischengeschaltet ist.
10 Fight-or-flight (Kampf oder Flucht) bezeichnet die Reaktion, veranlasst durch das Gehirn, durch die schlagartige Freisetzung von
Adrenalin, das Herzschlag, Körperkraft und Atemfrequenz erhöht. Die bereitgestellt Kraftreserve liefert die Energie um auf die
Stresssituation angemessen zu reagieren.
11 Tend-and-befriend bedeutet den Nachwuchs schützen (tend) und Freundschaft anbieten (befriend).
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Uwe Schmidt / Frankfurt am Main
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III. Körperliche Auswirkungen von Stress
Die körperliche Auswirkung (Reaktion) auf anhaltende Belastung (Dauerstress) unterteilte der Mediziner und Stressforscher Hans Selye in drei Phasen (Allgemeines
Anpassungsyndrom).
1. Phase: Schockphase
Diese Phase folgt auf die direkte Einwirkung des Stressors. Körperliche Veränderungen
machen sich durch Blutunterdruck, Körpertemperaturabsenkung, Unterzuckerung, verminderte Harnabsonderung, Verringerung der Elektrolyte Chlorid, Natrium und Kalium
im Blut, sowie eine Vermehrung der Lymphozyten bemerkbar.
2. Phase: Widerstandphase
Hier erfolgt, ausgelöst durch das sympathische Nervensystem, eine Ausschüttung des
Hormons Adrenalin. Dieses Hormon setzt Glukose und freie Fettsäuren aus den Energiespeichern der Leber, der Muskulatur und des Fettgewebes frei. Herz und Atmung werden
stimuliert und der Blutdruck erhöht sich. Die Darmmuskulatur wird entspannt, die Verdauung gehemmt und die Antikörperproduktion wird vermindert. Weiter werden andere
Stressabhängige Hormone, wie Cortisol und Wachstumshormone freigesetzt. Diese bewirken eine Stabilisierung der stressbedingten Stoffwechselvorgänge, insbesondere bei
chronischem Stress.
3. Phase: Erschöpfungsphase
Sollten die Stressoren unvermindert stark einwirken, kommt es irgendwann zur Erschöpfung mit im schlimmsten Fall dauerhaften Schädigungen des Organismus, bis hin zum
Tod.
Anhaltender Dauerstress kann die nachfolgenden Funktionsstörungen auf den Organismus nach sich ziehen:
·
·
·
·
·
·
·
·
Schäden am Gefäßsystem
Erhöhter Blutdruck
Schlaganfall
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Übergewicht
Diabetes
Magengeschwüre
Infektionsanfälligkeit
IV. Burn-out - die Falle im Beruf
Prinzipiell kann jeder Mensch, der durch berufliche und/oder private Situationen
(Stressoren) extrem belastet ist und keine ausreichende Möglichkeit findet sich zu
entspannen, ein Burn-out-Syndrom entwickeln. Selbst Schüler sind hiervon nicht
ausgenommen.
Schätzungen gehen davon aus, dass ca. 10 Prozent der Erwerbstätigen unter einem
Burn-out-Syndrom leiden. Tendenz steigend! Bedingt durch den wachsenden wirtschaftlichen Druck in Verbindung mit der Umgestaltung und Neustrukturierung
des Arbeitslebens.
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Uwe Schmidt / Frankfurt am Main
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Die bereits unter Kapitel-III beschriebenen Funktionsstörungen können um die
folgenden weiteren Symptome ergänzt werden:
·
·
·
·
·
·
·
Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen
Ohrgeräusche (Tinnitus)
Verdauungsprobleme
Schlafstörungen
Schwindel
Herzklopfen oder –rasen
Verspannungen im Nacken-Schulter-Bereich
Das Syndrom selbst entwickelt sich über einen längeren Zeitraum hinweg und
wurde von dem Psychologen Herbert Freudenberger in zwölf Phasen unterteilt. Diese Phasen (siehe Abbildung 3) müssen nicht zwangsläufig in Reihenfolge ablaufen.
Manche Menschen überspringen eine Phase oder befinden sich in mehreren gleichzeitig. Auch die Dauer einer Phase variiert.
Stagnation
Idealismus
Phasenmodell des Burn-out-Syndroms (nach Herbert Freudenberger)
Phase 1
Der Zwang sich zu beweisen
Phase 2
Verstärkter Einsatz / Aktivität
Phase 3
Vernachlässigung eigener Bedürfnisse
Phase 4
Verdrängung von Konflikten
Phase 5
Umdeutung von Werten
Frustration
Phase 6
Verleugnung auftretender Probleme
Phase 7
Rückzug
Phase 8
Offensichtliche Verhaltensänderung
Phase 9
Depersonalisierung
Apathie
Phase 10
Innere Leere
· Übertriebener Ehrgeiz und Tatendrang.
· Sich im Beruf verwirklichen verwandelt sich in Leistungszwang und Verbissenheit.
· Man muß den Kollegen dauernd beweisen wie gut man ist und alles bewältigt.
· Bereitschaft sinkt die Grenzen seiner Möglichkeiten zu erkennen und Mißerfolge hinzunehmen.
· Erhöhte Sorgfalt, Perfektionismus und Einsatz werden zwanghaft.
· Delegieren fällt immer schwerer, man will alles selbst machen.
· Zeit wird zur Mangelware und nur berufliches findet Platz.
· Schlafen, Essen, treffen mit Freunden und Bekannten wird als lästig empfunden.
· Der Körper und seine Signale werden vernachlässigt.
· Man fühlt sich arbeitstechnisch als Held.
· Erstes Registrieren von Problemen (werden ignoriert da als bedrohlich empfunden).
· Konflikte werden weggeschoben oder verleugnet.
· Man beginnt sich Zurückzuziehen, denn man hat Angst vor Entdeckung.
· Körperliche Beschwerden werden nun bemerkt und Suchtgedanken können entstehen.
· Belastung und Druck sind so hoch das nur noch die Gegenwart zählt.
· Wichtiges kann von Unwichtigem nicht mehr getrennt werden.
· Emotional stumpft man zusehends ab.
· Durch Isolation und Konfliktscheue verändert sich die Wahrnehmung.
· Intoleranz wird zum Hauptsymptom.
· Andere werden als dumm, faul, fordernd und undiszipliniert wahrgenommen.
· Zynismus und Aggression treten deutlich zu Tage.
· Soziale Kontakte reduzieren sich auf ein Minimum.
· Hoffnungs- und Orientierungslosigkeit machen sich breit.
· Beruflich wird nur noch „Dienst nach Vorschrift“ verrichtet.
· Viele greifen nun nach Suchtmitteln wie Alkohol und Medikamanten.
· Die Wesensveränderung wird nun für andere deutlich sichtbar.
· Innerlich fühlt man sich immer wertloser.
· Ängstlichkeit, Scheu und Apathie machen sich breit.
· Das Gefühl für die eigene Persönlichkeit geht verloren.
· Bedürfnisse werden nicht mehr wahrgenommen.
· Das Leben wird zu einem mechanischen Funktionieren.
· Schwere Phobien und Panikattacken häufen sich.
· Die innere Leere ist kaum zu ertragen, man fühlt sich nutzlos, ausgezehrt – einfach fertig.
· Es wird verkrampft nach Beschäftigung gesucht.
· Überschussreaktionen treten auf (gesteigerte Sexualität, übermäßiges Essen, Alkoholkonsum).
Phase 11
Depression
· Hier gleicht das Burn-out-Syndrom einer Depression.
· Das Leben verliert seinen Sinn.
· Erste Selbstmordgedanken können auftauchen.
Phase 12
Völlige Burn-out-Erschöpfung
· Das Immunsystem kann zusammenbrechen.
· Totaler psychischer und physischer Zusammenbruch.
· Ärztliche Hilfe ist zwingend erforderlich – NOTFALL.
Abbildung 3 – Modell des 12 phasigen Burn-out-Syndroms
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Uwe Schmidt / Frankfurt am Main
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Maßnahme zur Arbeitskrafterhaltung und was das den Arbeitgeber angeht!
V.
Vorbeugen ist besser als brennen
Egal in welcher Phase des Burn-out-Syndroms wir uns befinden, es gibt immer die
Möglichkeit des Stillstandes oder der Umkehr, wenngleich diese im fortgeschrittenen Stadium nur noch mit fremder Hilfe möglich ist.
Eine gesunde Lebensweise gepaart mit einem gesunden Gleichgewicht von Anspannung und Entspannung (Lösen von Verspannungen), helfen dem Burn-outSyndrom oder dem Dauerstress entgegenzuwirken.
Die wirkungsvollste Behandlung ist die rechtzeitige Aufnahme von vorbeugenden
Maßnahmen. Hier ist aber eine gewisse Kontinuität der Maßnahmen Voraussetzung, um eine adäquate Lebensqualität zu gewährleisten, da die ständige Anforderung der Umwelt durch Stressoren an uns Menschen nicht aufhören wird. Nachfolgend einige Anregungen:
·
·
·
·
·
·
·
·
Ausreichender Schlaf (ungesunde Fernsehgewohnheiten ablegen).
Schulter- und Nackenmassage.
Kneippsche Anwendungen.
Morgendliches Trockenbürsten mit anschließender Wechseldusche (kalt abschließen).
Körperliche Aktivitäten im vernünftigen Maß (Tanzen, Wandern, Fahrradfahren,
Schwimmen, usw.).
Erlernen von Entspannungstechniken (Aus eigener Erfahrung sei insbesondere Qigong
und Taijiquan erwähnt (siehe hierzu Kapitel-VII), Autogenes Training, Yoga, Progressive Muskelentspannung n. Jakobsen usw.).
Zeitmanagement neu bewerten (Eisenhower-Prinzip12).
Die inneren Antreiber (Lebenssteuernde Prinzipien13) wie: Sei perfekt!, Beeil dich!,
Streng dich an!, Mach es allen recht!, Sei starkt! – durch innere Erlauber zu ersetzen. D.h. auch mal kein schlechtes Gewissen zu haben wenn man nicht perfekt war.
Umgangssprachlich: 5 gerade sein lassen!
VI. Was geht das den Arbeitgeber an
Die größten Beeinflussungen und tiefgreifendsten Veränderungen, an den Menschen unserer Zeit, sind die Globalisierung und der damit verbundenen Faktoren.
Die aus einer Befragung (Delphi-Methode14) erstellte Studie (Experten aus 13 europäischen Länder den USA und der internationalen Arbeitsorganisation) aus den
Jahren 2003 und 2004, zeigt die dadurch neu aufgetretenen psychosozialen Risiken
(Faktoren) und ihre Bewertung auf einer fünfstufigen Likert-Skala15 (siehe Abbildung 4). Daraus resultiert folglich eine größere psychische Belastung (Stress), da
12
Eisenhower-Prinzip beschreibt die Möglichkeit die alltäglichen anstehenden Aufgaben in Kategorien einzuteilen. Wichtige Aufgaben sollen dadurch zuerst erledigt werden, unwichtige Aufgaben werden aussortiert. Das Prinzip wird in der heutigen Zeit kritisch
betrachtet, da dringende Aufgaben durch effektives Zeitmanagement verhindert werden sollen. Es findet aber besonders im Bereich
der Medizin Anwendung (Einteilung von Verletzten nach schwere der Verletzung und der daraus resultierenden Dringlichkeit).
13 Lebenssteuernde Prinzipien sind Verhaltensmuster die wir in unserer Kindheit durch die Eltern erfahren und im Unterbewusstsein manifestiert haben. Kinder lernen aus den Aussagen der Eltern z.B. „Komm beeil Dich ...“, „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“.
14 Delphi-Methode ist ein Rückkopplungsprozess, in dem die Ergebnisse der vorhergehenden Runden den Experten erneut zur Bewertung vorgelegt werden.
15 Likert-Skala ist ein Verfahren zur Messung persönlicher Einstellungen zu einem Thema mittels Items wie: trifft zu, trifft eher zu,
weder noch, trifft eher nicht zu, trifft nicht zu.
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Uwe Schmidt / Frankfurt am Main
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Maßnahme zur Arbeitskrafterhaltung und was das den Arbeitgeber angeht!
die Herausforderungen an das tägliche Leben um ein vielfaches größer sind bzw.
noch weiter dadurch ansteigen werden.
Trifft zu (5)
Trifft eher zu (4)
Weder noch (3)
Trifft eher nicht zu (2)
4,56
4,38
4,25
4,25
4,19
4,13
4,07
4,06
4,00
4,00
Trifft nicht zu (1)
Unsichere ArbeitsNeue Formen
Alternde
Hohe emotionale
Intensivierung
verhältnisse im
von
Erwerbsbevölkerung
Anforderung
der Arbeit
Kontext eines
Arbeitsverträgen
bei der Arbeit
instabilen Arbeitsmarktes
Zunehmende
Gefühl der
Lange
Schlanke
Unzureichende
Anfälligkeit von
ArbeitsplatzArbeitszeiten
Produktion
Vereinbarkeit
Arbeitsnehmern
unsicherheit
und
von Beruf und
im Kontext der
Outsourcing
Privatleben
Globalisierung
Abbildung 4 – Neu auftretende psychosoziale Risiken (Quelle: FACTSHEET 74)
Innerhalb der europäischen Union ist mittlerweile das zweithäufigste Gesundheitsproblem arbeitsbedingter Stress und vierthäufigste Ursache von Arbeitsunfähigkeit, die etwa ein Viertel der Ausfallzeiten von 2 Wochen hervorruft. Etwa
28% der Beschäftigten sind dadurch maßgeblich betroffen. Mehr als 40 Millionen
Menschen in der EU geben an, unter Stress am Arbeitsplatz zu leiden. Die Kosten
hierfür werden in den EU-Mitgliedsstaaten auf ca. 20 Milliarden Euro geschätzt
(2002 / 15 EU-Mitgliedsstaaten).
Auch der aktuelle Gesundheitsreport 2012 der DAK spiegelt die Gefahr der psychischen Erkrankungen wieder. Der Anteil der Fehltage hat 2011 weiter um 1,3%
im Vergleich zum Vorjahr zugenommen. Bezogen auf den gesamten Krankenstand
liegt der Wert bei 13,4% und mittlerweile auf Platz 4, im Vergleich zu Platz 9 im
Jahr 2002. Die durchschnittliche Dauer der Krankschreibung lag bei ca. 30 Tagen
und war damit auch die kostenintensivste Behandlung.
Der direkte Vergleich der Gesundheitsreports 2002/2012 der DAK (siehe Abbildung 5) zeigt, dass sich der Anteil von Psychischen Erkrankungen innerhalb von 10
Jahren um ca. 400% gesteigert hat. Auffällig ist in diesem Zusammenhang auch die
Steigerung der Muskel-Skelett-System Erkrankungen (Rückenschmerzen) um ca.
137%. Hierzu wurden im Gesundheitsreport 2003 (Schwerpunktthema) der DAK
folgende Besonderheiten festgestellt:
·
·
In 76% der Fälle kann keine körperliche Ursache für die Rückenerkrankung, trotz aufwändiger Untersuchungen, gefunden werden.
Häufig stehen Rückenerkrankungen mit dem gleichzeitigen Auftreten von Psychischen
Erkrankungen (siehe hierzu Kapitel-IV Symptome) in Verbindung.
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Uwe Schmidt / Frankfurt am Main
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Muskel-Skelett-System
15,5%
Atmungssystem
Verletzungen
16,1%
9,6%
Psychische Erkrankungen
13,9%
3,3%
13,4%
Verdauungssystem
6,0%
12,5%
Symptome
4,8%
Infektionen
5,1%
8,1%
Kreislaufsystem
4,9%
3,5%
Nervensystem, Augen, Ohren
Neubildungen
21,3%
29,5%
4,3%
4,5%
4,1%
1,3%
Sonstiges
3,6%
7,4%
7,4%
2002
2012
Abbildung 5 – Anteile der zehn wichtigsten Krankheitsarten 2002 / 2012
(Quelle: DAK AU-Daten)
Besonderes in der Lebensmitte, zwischen dem 35. und 44. Lebensjahr, scheint die
Gefahr einer Erkrankung (Häufung von Konflikten, Krisen, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Karriereplanung, Burn-out-Syndrom) besonders hoch zu sein.
Hier liegt der Anteil der Fehltage in 2012 bei 16,7% (siehe Abbildung 6). Aber auch
die Altersgruppe zwischen dem 55. und 59. Lebensjahr liegt hier noch deutlich
über dem Durchschnitt von 2012.
Durchschnitt 2012 – 13,4%
15,4%
13,2%
16,7% 16,7%
X-Axis
15,6%
14,7% 13,9%
12,9%
10,2%
4,8%
15-19
20-24
25-29
30-34
35-39
40-44
45-49
50-54
55-59
60+
Abbildung 6 – Anteil der psychischen Erkrankungen nach Altersgruppen 2012
(Quelle: DAK AU-Daten)
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Uwe Schmidt / Frankfurt am Main
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Maßnahme zur Arbeitskrafterhaltung und was das den Arbeitgeber angeht!
Kurzerkrankungen (Karenztage) finden in den gezeigten Statistiken (siehe Abbildung 5 und Abbildung 6) keine Berücksichtigung auf Grund der fehlenden ärztlichen Diagnose (Dunkelziffer).
Neben den Fehlzeiten sind die Konsequenzen psychischer Gesundheitsprobleme
mit zahlreichen anderen nachteiligen Auswirkungen für den Arbeitgeber in Verbindung zu bringen. Nachfolgend einige dieser Konsequenzen:
·
·
·
·
·
·
Vermindertes Leitungsniveau des Mitarbeiters.
Verminderte Produktivität.
Verminderte Qualität.
Hohe Fluktuation von Mitarbeitern.
Hohe Kosten für krankheitsbedingten Ausfall (Lohnfortzahlung im Krankheitsfall).
Reputationsverlust.
Es ist nicht allein Sache des Mitarbeiters sich vor psychischer Überlastung, die
zum Burn-out-Syndrom führen kann, zu schützen. Denn wo zu viele Aufgaben auf
zu wenigen Schultern verteilt werden, darf man sich nicht wundern, dass die genannten Konsequenzen immer mehr zu Tage treten. Europäische Arbeitgeber sind
gesetzlich verpflichtet auftretende Risiken für die Gesundheit und Sicherheit zu
mindern, einschließlich denen für psychische Gesundheit. In Deutschland führt
dieses Thema schon lange ein Schattendasein und es besteht erhöhter Nachholbedarf. Allerdings muss zwischen dem Wohlergehen des Mitarbeiters und dem
Risikomanagement (Investitionen in Gesundheitsförderung) ein gesundes Verhältnis herrschen, um Vorteile für beide Seiten zu erreichen (Win-Win-Strategie16).
Als erste Maßnahme, zur Verbesserung der psychischen Gesundheitsförderung,
wäre aus meiner Sicht folgendes Konzept vorzuschlagen:
·
·
Weiterbildungsangebot für Führungskräfte und Personalvertretungen zur Erkennung
von Stresssymptomen.
Kursangebot „Entspannungstechniken zum Stressabbau mittels „Qigong und Taijiquan“ innerhalb des Betriebs.
Um einen Anreiz für das Kursangebot Entspannungstechniken zu schaffen erfordert
es Engagement beider Seiten. Einerseits das Angebot des Arbeitgebers anzunehmen und andererseits Wertschätzung dem Mitarbeiter gegenüber auszudrücken.
Sinnvoller Ansatz ist, sich die Dauer der Übungseinheit (1 Zeitstunde) und die anfallenden Kursgebühren zu teilen. Gewinner wären Beide: Für den Mitarbeiter
besserer Umgang mit Stresssituationen und gesundheitliche Verbesserung, für Arbeitgeber weniger krankheitsbedingte Ausfälle und damit Kostenreduktion um
Wettbewerbsfähigkeit zu gewährleisten.
Betriebliche Gesundheitsförderung geht uns alle an
und erfordert engagiertes Handeln beider Seiten!
16
Win-Win-Strategie bezeichnet eine Situation in der beide Parteien einen Nutzen erzielen.
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Uwe Schmidt / Frankfurt am Main
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VII. Aufbruch in das Reich der Mitte
Qigong (氣功) und Taijiquan (太極拳) sind in ihrer heutigen in Europa bekannten
und praktizierten Form keine Kampfkünste im eigentlichen Sinn mehr, sondern
ganzheitliche harmonisierende Gesundheitsübungen (meditative Entspannungstechniken) die zur Regulierung und Pflege des Gleichgewichts (Yin und Yang17 -陰
陽 ☯) und der Lebensenergie (Qi18 氣) eingesetzt werden. Qigong und Taijiquan
basieren auf den Prinzipien der chinesisch philosophischen Weltanschauung
(Daoismus) und der „Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)“. Es handelt sich
dabei um überwiegend langsame gezielte Bewegungen in Verbindung mit Atemtechnik und Vorstellungskraft. Der allgemeine Gesundheitszustand, Aufmerksamkeit, Konzentration, Körperfeingefühl (Motorik, Balance, Agilität, Muskelflexibilität), Schlafqualität, Gehirn und Zentrales Nervensystem, Herz-KreislaufSystem (Bluthochdruck), Immunsystem, Atmungs- und Verdauungssystem können durch diese Methoden verbessert, sowie Verspannungen gelöst werden.
Der Ursprung von Qigong als Gesundheitsübung (seit den 1950er-Jahren durch
den Arzt Liu Guizhen Qigong genannt) reicht bis in das zweite Jahrhundert vor
Christi zurück. 1972 wurde von Archäologen im Mawangdui-Grab nahe der Stadt
Changsha (Provinz Hunan), unter anderen Grabbeigaben, ein auf Seide verfasstes
Fragment mit 44 Illustrationen (siehe Abbildung 7) über Methoden zum „Dehnen,
Leiten und Führen des Qi“ gefunden, die der Heerführer Yue Fei (südl. SongDynastie 1126-1279 nach Christi) verfeinerte und in ein in sich geschlossenes System ausgebaut haben soll. Einzelne Übungen hieraus finden zum Beispiel in der
heutigen klassischen Qigong Form Acht Brokate ihre Anwendung.
Abbildung 7 - Figuren aus dem Mawangdui-Grab
17
Yin und Yang sind nach der daoistischen Philosophie zwei polarisierende Kräfte, die in einem ständig fließenden Prozess ineinander übergehen und den freien Fluss der Lebensenergie (Qi) bestimmen. Der schwarze Teil steht für Yin (weiblich, Winter, Nacht,
Parasympathikus), der weiße Teil steht für Yang (männlich, Sommer, Tag, Sympathikus). Das eine kann ohne das andere nicht existieren, weshalb die beiden Hälften ineinander übergehen. Jede Hälfte weist einen kleinen Gegenpol (Yin-Teil mit weißem Punkt /
Yang-Teil mit schwarzem Punkt) auf, mit der Bedeutung das in jedem Yin auch ein kleiner Yang-Teil steckt und umgekehrt.
18 Qi ist nach chinesischer Vorstellung die Lebensenergie oder Lebenskraft. Sie fließt auf Energiebahnen (Meridianen) und hält alle
körperlichen Vorgänge aufrecht. Gesundheit ist nach Vorstellungen der „Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)“ unter anderem
verbunden mit einem freien und ausreichenden Fluss des Qi.
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>>Qigong und Taijiquan<<
Maßnahme zur Arbeitskrafterhaltung und was das den Arbeitgeber angeht!
Nach der Kulturrevolution in der Volksrepublik China (zwischen 1966 und 1976)
erlebte die Kunst des Qigong langsam neuen Aufschwung und wurde wieder öffentlich verbreitet und staatlich gefördert. Im Jahr 2003 stellte das chinesische
Sportministerium zusammen mit der Chinese Health Qigong Association das neustrukturierte Gesundheits-Qigong vor. Hierzu wurden die althergebrachten Formen
von der Sportuniversität Peking in Zusammenarbeit mit medizinischen Fachleuten
geprüft und standardisiert. Die nachfolgend genannten Formen des internationalen Qigong-Standards von 2003 bilden die Grundlage des Gesundheits-Qigong.
1. Yi Jin Jing (易筋經)
Die Wandlung des Gewebes.
Die Übungen dienen dem Öffnen der Muskeln und Sehnen, dadurch sollen die Energieleitbahnen (Meridiane19) durchlässiger, der Energiefluss verbessert, Organismus und Geist
gestärkt werden.
2. Wu Qin Xi (五禽戲)
Das Spiel der fünf Tiere.
Diese Ausdrucksformen (Tiger, Hirsch, Bär, Affe, Kranich) in Bewegung, Gestik und Gemütszustand sollen helfen wieder zur Ursprünglichkeit unserer Beweglichkeit zurückzufinden und freier zu werden.
3. Liu Zi Jue (六字訣)
Die sechs Heillaute.
Spezielle Bewegungsabläufe und Atemtechnik (Lungenlaut, Nierenlaut, Leberlaut, Herzlaut, Milzlaut, Laut des dreifachen Erwärmers) sollen helfen den Geist zu harmonisieren
und die Atmung zu regulieren. Angestaute Energie soll dabei abgegeben und frisches Qi
soll aufgenommen werden.
4. Ba Duan Jin (八段錦氣功)
Die acht edlen Brokate.
Die Übungen sollen die Möglichkeit bieten durch die körperliche, atemtherapeutische und
psychische Wirkung den Anforderungen des Alltags besser zu begegnen.
Taijiquan, auch als chinesisches Schattenboxen bezeichnet, ist eine im Kaiserreich
China (221 v. Chr. bis 1911 n. Chr.) entwickelte Kampfkunst und zählt zu den inneren Kampfkünsten (Neijiaquan20 內家拳). Erstmalig nachweisbare Erwähnungen
von inneren Kampfkünsten finden sich ab Mitte des 16. Jahrhunderts. Allerdings
ranken sich viele Legenden um die Entstehung, die bis ins 12. Jahrhundert zurückreichen. Hier soll ein Daoist Namens Zhang Sanfeng in den Wudang Bergen, bei der
Beobachtung eines Kampfes zwischen einer Schlange und einem Vogel, die
Grundprinzipien der inneren Kampfkunst begründet haben.
19
Meridiane (Energieleitbahnen) sind gemäß der „Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)“ Kanäle/Leitbahnen, in denen die Lebensenergie Qi fließt. Nach diesen Vorstellungen existieren 12 Hauptmeridiane auf denen die Akupunkturpunkte liegen. Jeder
Meridian ist einem Organ beziehungsweise Organsystem zugeordnet.
20
Neijiaquan (Innere Kampfkünste) basieren auf einer Idee des Daoismus, dass Hartes durch Weiches besiegt werden kann weil dem
Harten kein direkter Widerstand entgegengesetzt wird. Zentrale Rolle innerhalb der Kampfkunst spielt die Lebensenergie (Qi). Den
Prinzipien der Kunst zugrundeliegend ist das die Bewegungen fließend, langsam und entspannt ausgeführt werden, das der Körper
genauer wahrgenommen wird und der Geist mit dem Körper in einem bewussten Einklang steht. Dem gegenüber stehen die äußeren
Kampfkünste (Shaolin Kung Fu, Karate) deren Wert auf Geschicklichkeit, Stärke und Geschwindigkeit gelegt wird. Die Einteilung in
innere und äußere Kampfkünste wird aber mittlerweile von der sinologischen Forschung als nicht haltbar eingestuft, da viele Kampfstile sowohl innere als auch äußere Techniken beinhalten.
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>>Qigong und Taijiquan<<
Maßnahme zur Arbeitskrafterhaltung und was das den Arbeitgeber angeht!
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die Grundlagen für die sogenannten fünf Familienstile gelegt, weiterentwickelt und gepflegt. Während der
Gründungszeit fand ein reger Wissensaustausch zwischen den einzelnen Familien
statt. Die Kampfkunst wurde nur vom Vater auf den Sohn vollständig weitergegeben. Die bekanntesten Formen sind waffenlos, doch es gibt auch zahlreiche
Waffen- oder Geräteformen wie Schwert, Langstock, Säbel, Fächer, Speer – um nur
einige zu nennen. Nachfolgend die fünf bekannten Familienstile:
1. Chen-Stil (陳氏)
Hierbei handelt es sich um den ältesten Stil. Chen Wangting (1580-1660) soll im 17. Jahrhundert diesen Stil entwickelt haben.
2. Yang-Stil (楊氏)
Es ist der zweitälteste Stil und hat seine Wurzeln im Chen-Stil. Entwickelt wurde dieser Stil
von Yang Luchan (1799-1872), der ein Schüler der Chen-Familie war. Bekannt wurde der Stil
erst durch seinen Enkel Yang Chengfu (1883-1936), der ihn so prägte wie er heute bekannt
und unterrichtet wird.
3. Wu/Hao-Stil (武氏)
Wu Yuxiang (1812-1880) und Hao Weizhen (1842-1920) sind die Begründer dieses Stils. Basis
ist hier der Chen- und Yang-Stil.
4. Wu-Stil (吳氏)
Begründer dieses Stils ist Wu Quanyou (1834-1902) und hat seine Wurzel im Yang-Stil. Er
war Schüler der Yang-Familie.
5. Sun-Stil (孫氏)
Hierbei handelt es sich um den jüngsten der fünf Familienstile. Begründer ist
Sun Lutang (1860-1933), der erst im Alter von 50 Jahren den Wu/Hao-Stil erlernte.
Im Jahre 1956 wurden von offizieller chinesischer Seite die Kampfkünste zusammengefasst, darunter auch das Taijiquan. Die erste offiziell standardisierte
Taijiquan-Form wurde aus dem Yang-Stil abgeleitet und enthält 24 Bewegungsmuster. Sie ist auch unter der Bezeichnung Peking-Form weltweit bekannt und ist in
China ein Volkssport für Jung und Alt. Hierauf aufbauend wurden dann weitere
Formen mit 10, 16, 40, 42 und 48 Bewegungsmustern, die zum Teil auch Folgen
aus anderen Stilen beinhalten, entwickelt. Seit den 1960er Jahren wurde Taijiquan
auch hier bei uns im Westen (durch Zheng Manqing 1901-1975) bekannt und erfreut
sich heute großer Beliebtheit.
Die westliche Medizin hat durch klinische Untersuchungen festgestellt das Qigong
und/oder Taijiquan, vornehmlich als präventive körperliche Gesundheitspflege
praktiziert, positive Auswirkungen auf unsere physische (Herzkreislaufsystem,
Immunsystem, Schmerzempfinden, Gleichgewicht, Beweglichkeit, Kraft) und psychische (Stressreduktion, Angstabbau, Stimmungsanhebung) Gesundheit hat.
Qigong und Taijiquan ist Meditation in Bewegung!
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Maßnahme zur Arbeitskrafterhaltung und was das den Arbeitgeber angeht!
Literatur- / Quellenverzeichnis
-
Stressmodell von Lazarus – Wikipedia (und weiterführende Links)
http://de.wikipedia.org/wiki/Stressmodell_von_Lazarus
-
Stressreaktion – Wikipedia (und weiterführende Links)
http://de.wikipedia.org/wiki/Stressreaktion
-
Yerkes-Dodson-Gesetz – Wikipedia (und weiterführende Links)
http://de.wikipedia.org/wiki/Aktivationsmodell
-
Burn-out-Syndrom - Ulrich Kraft (Arzt)
http://www.netdoktor.at/krankheiten/fakta/burnout.shtml
-
Burnout-Syndrom – Wikipedia (und weiterführende Links)
http://de.wikipedia.org/wiki/Burnout-Syndrom
-
Das Burnout-Syndrom und seine Folgen – Prof. Dr. med. Volker Faust
http://www.psychosoziale-gesundheit.net/psychiatrie/burnout.htm
-
Taijiquan – Wikipedia (und weiterführende Links)
http://de.wikipedia.org/wiki/Taijiquan
-
Qigong – Wikipedia (und weiterführende Links)
http://de.wikipedia.org/wiki/Qigong
-
Gesundheits-Qigong – Deutsche Gesellschaft für Gesundheits-Qigong e.V.
http://www.gesundheit-qigong.de/gesundheits-qigong.html
-
Han-Gräber von Mawangdui – Wikipedia (und weiterführende Links)
http://de.wikipedia.org/wiki/Mawangdui
-
Die Arbeitsplatzqualität verbessern und die Arbeitsproduktivität steigern:
Gemeinschaftsstrategie für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz 2007-2012
http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=CELEX:52007DC0062:DE:NOT
-
FACTSHEET 22, 74, 93, 94, 102
http://osha.europa.eu/de/publications/factsheets
-
DAK Gesundheitsreport 2002/2003/2012
http://www.presse.dak.de/ps.nsf
Tai Chi (Taijiquan) als Lebenskunst Band 30
Wissenschaftlicher Beirat des DDQT (Herausgeber)
-
Tai Chi Chuan - Fitness für Körper und Seele
ISBN 387892075-X
-
Cheng Man-Ch´ing - Dreizehn Kapitel zu T´ai Chi Ch´uan
ISBN 389631389-4
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