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Fabian M. Mueller / FM Trio: mehr als Musik im Kopf Was geht einem

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Fabian M. Mueller / FM Trio: mehr als Musik im Kopf
Was geht einem Jung-Pianisten durch den Kopf, der auf eine erste musikalische Sozialisation mit
Appenzeller Volksmusik im Alter von vier Jahren zurückblicken kann, sich in früher Jugend als
HipHopper auf einer Jam-Session in den Sound des Fender Rhodes verliebt, von einem Vorspiel bei
Hans Feigenwinter ermuntert, vom Lehrerseminar in die Jazzschule zu wechseln hofft und plötzlich
Schmerzen in den Ellenbogen bekommt, die als Vorbote von Arthrose diagnostiziert werden?
von Martin Gansinger
"Anfangs hatte ich das Gefühl, das Leben hätte sich gegen mich verschwört.", gesteht der in St. Gallen
ansässige Fabian M. Mueller, der sich mit seinem FM Trio in den letzten Jahren in der Schweizer Jazz
Szene etablieren konnte. "Die Ärzte prophezeiten mir, mit 25 Jahren überhaupt nicht mehr speilen zu
können, also bin ich beim Lehrerseminar geblieben und habe ein Jahr lang so gut wie gar nicht geübt.
Nach der Ausbildung sind die Schmerzen dann genauso schnell wieder vergangen wie sie gekommen
waren. Heute weiss ich, dass mir mein Körper einfach signalisieren wollte, dass es einfach noch nicht
der richtige Zeitpunkt war, mit der Musik zu beginnen", lautet seine nüchterne Bilanz.
"Ich bin mir nicht sicher, ob es ein Ansporn oder eine Belastung ist, sein Leben nur von der Musik zu
bestreiten. Durch meine abgeschlossene Lehrausbildung verfüge ich jedenfalls über eine gewisse
Absicherung, und diese Sicherheit wirkt sich auch förderlich auf meine Kreativität aus." Was sich an
der jungen, aber bereits beachtlichen Karriere von Fabian Mueller zeigt – obwohl: "eigentlich
versuche ich den Sicherheitsaspekt zu meiden, ich bin ja kein Bankangestellter, der sich Schritt für
Schritt nach oben arbeitet und dessen Karriereschübe sich am Lohnzettel ablesen lassen. Beim
Musiker gibt es nicht unbedingt eine geradlinige Entwicklung. Kreatives fortkommen fällt oft
sprunghaft aus und lässt sich ausschliesslich an der Qualität der Musik messen."
Zu diesen Qualitäten, durch die sich das aus der Drum'n'Bass-Formation box und dem von Bassist
Kaspar von Grünigen gegründeten Ensemble Artischock hervorgegangene FM Trio (Dritter im Bund:
der Schlagzeuger Fabian Bürgi) auszeichnet, zählt auch die Nachvollziehbarkeit: "Im Trio versuchen
wir, harmonisch komplexe Strukturen in erkennbare Formen zu bringen. Im Zuge dessen wurde auch
klar, dass es nicht die Komposition, sondern die Formation ist, die ein Stück letztlich ausmacht." Eine
Strategie, auf die seit einiger Zeit auch live gesetzt wird: "Notenblätter sind tabu. Die müssen weg,
damit wir uns ganz auf das Hören konzentrieren können. Seit kurzem haben wir uns auch der Set-List
entledigt, so dass wir den gesamten Programmablauf auswendig parat haben müssen. Während allzu
geläufigen Passagen hatten wir uns gegenseitig beim Auf-die-Set-List-Schielen – und
dementsprechend geistig schon beim Folgestück – ertappt. Wie kann man da noch agieren!"
Von den Live-Qualitäten des Trios kann sich das Publikum in Österreich, Deutschland und der
Slowakei im Rahmen einer Tour von April bis Mai überzeugen, danach weilt Fabian M. Mueller ein
halbes Jahr in Berlin, um seine Solo-CD zu produzieren. Ein weiterer Schritt nach vorn, aber auch
zurück zu den Wurzeln – hatte er doch schon sehr früh begonnen, erste Solo-Aufnahmen nach
Konzerten unter die Leute zu bringen. "Wenn ich diese Aufnahmen anhöre, merke ich, dass ich damals
weit weniger kritisch mit meinen Fehlern umgegangen bin. Danach wurde die Perfektion sehr wichtig
und mittlerweile ist wieder die Befreiung von ihr Thema."
Ein bisschen befreit hat sich Fabian M. Mueller auch von den Zeit und Kreativpotential raubenden
Organisationstätigkeiten, die als Bandleader zwangsläufig anfalle. "Ich habe es mir zum Prinzip
gemacht, mich frühestens ab 4 Uhr Nachmittag – und dann auch nur eine Stunde – mit diesen Dingen
zu beschäftigen," erzählt der Tai Chi-Jünger erleichtert. "Ausserdem habe ich erkannt, wie viel
Energie ich aus einer einwöchigen Spielpause schöpfen kann. Die Finger brauchen dann zwar 2-3
Tage, bis sie wieder geschmeidig sind, aber dafür ist nach einer Pause wieder so viel neue Inspiration
da."
Und noch eine Beobachtung, die sich als rettende Erkenntnis für die nicht seltene Gattung der
konsequent zwischen Kreislaufkollaps und Nervenzusammenbruch befindlichen Vollblut-Musiker
erweisen könnte, hat er parat: "Durch meine Erfahrung habe ich bemerkt, wie wichtig, aber auch
unwichtig Musik in manchen Lebensphase sein kann. Es ist einfach notwendig, sich abgesehen von
Musik, auch mit anderen Dingen zu beschäftigen."
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Seele and Geist
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