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1 Was kann Architektur besser als andere Medien - Ortner & Ortner

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Was kann Architektur besser als andere Medien?
Roland Duda: Gibt es im Vergleich zum Internet, dem Leitmedium unserer Zeit etwas
Standhafteres als die Architektur, die darüber hinaus noch alle Sinne berührt?
Christian Heuchel: Wir benutzen zu 90 Prozent die neuen Medien und den Computer.
Ergänzt durch haptische Modelle, Skizzen und Beschreibungen dient alles Mühen einer
möglichst realistischen Abbildung unserer Ideen. Das Bild wird eindeutig lesbar und
konsumierbar dargestellt. Was die gebaute Architektur besser kann, ist von dem
etablierten Bild abzuweichen. Das klare Konzept wird unsauber gebaut und offen zugleich.
Mit all ihrem atmosphärischen Hintergrundrauschen trennt sich die reale Architektur von
der ersten Idee und wird eingebunden in den Alltag.
Markus Penell: Architektur bietet eine andere Haltbarkeit.
2
Wäre unter den 10 bedeutendsten Bauten der Geschichte ein moderner dabei?
Markus Penell: Sagen wir die Nationalgalerie von MvdR. Der Bau verkörpert die ganze
Ambivalenz der Moderne unter einem Dach: die globale Beliebigkeit als
Verwaltungszentrale eines Rumherstellers in Kuba, als die es geplant war, als Ikone für
das weltweite Formenrecycling der Moderne.
Christian Heuchel: Mit Blick auf die Geschichte fallen mir nur Bauten der Moderne ein (...)
3
Was bringt uns weiter in der Architektur, worauf lässt sich aufbauen?
Florian Matzker: Die Geschichte und die Kultur der Stadt....
Markus Penell: Weiter bringt uns, was noch nicht bedacht war: entweder in der Fügung der
Elemente oder weil es einfach noch nicht hinzugefügt wurde. Was ist also das Neue, was ist
das Alte?
4
Was können Architekten von den Fußballtrainern Jürgen Klopp und Pep Guardiola
lernen?
Florian Matzker: ....wie individuelle Fähigkeiten in einem Kollektiv gebündelt werden
können.
Christian Heuchel: Besser kann man seine Mannschaft nicht führen:
1. Geben Sie nie die Macht aus der Hand!
2. Holen Sie sich Experten ins Team!
3. Lassen Sie sich nicht von Ihrem Weg abbringen!
4. Entwickeln Sie eine Spielidee!
5. Machen Sie sich überflüssig!
6. Spielen Sie schnell!
7. Holen Sie passende Spieler ins Team!
8. Nutzen Sie Stärken, ignorieren Sie Schwächen!
9. Schwören Sie Ihre Spieler auf ein großes Ziel ein!
10. Bekennen Sie sich zu permanenter Revolution!
11. Verlieren Sie nie den Kontakt zur Mannschaft!
5
Sind unsere Erfahrungen mit guter Küche und feiner Kleidung auf Architektur
übertragbar?
Roland Duda: Ja, bezüglich Zeit, Ort und Anlass....all die ungeschriebenen Regeln, die eine
Abweichung so interessant erscheinen lassen.
Florian Matzker: Guter Geschmack wird kulturell geprägt und muss immer wieder
vermittelt werden.
Christian Heuchel: Mir schaudert vor der Vorstellung, hier wäre etwas zu übertragen oder
gar jemand zur „Ess-und Wohnkultur“ zu erziehen. Ich denke nur daran, dass eine
Bratwurst, ein Wiener Schnitzel oder ein Jogginganzug sich dann auch verstanden fühlen
wollen.
6
Wogegen soll Architektur Widerstand leisten?
Markus Penell: Architektur leistet jedenfalls Widerstand gegen den Zahn der Zeit, gegen
das Vergängliche und Modische da und gegen einen kalten und bedeutungsleeren
Funktionalismus dort. Beides mit den Mitteln der Baukunst.
Roland Duda: Gegen das vermeintlich bereits Fertige, in sich Geschlossene und
letztendlich die schnellen Antworten.
7
Was macht das Modell David Chipperfield so brauchbar?
Florian Matzker: Konventionen - darum geht es doch schließlich - sind unbedingt
erforderlich. Wo es keine gibt müssen sie neu erdacht werden. Nur der Ansatz Architektur
nicht autonom sondern als Teil des Kontextes zu denken hilft dem Gemeinwesen und stärkt
kulturelle Identität - überall auf der Welt.
Christian Heuchel: Das Werk von David Chipperfield verströmt eine entwaffnende
Langeweile. Man wundert sich, wie alles so banal sein kann. Diese Mutlosigkeit ist Spiegel
einer neuen Bürgerlichkeit, die im Schatten der Finanzkrise aufblüht. Konkurrenzlos
werden dafür die passenden, mehrheitsfähigen Formen etabliert. (...) Diese
Positionslosigkeit ist letztendlich eine unschlagbare Position.
Markus Penell: Nächste Frage ...
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Bildung
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