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Das Apostolikum: Was Christen glauben. Teil 1: Gott, der Vater

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Das Apostolikum: Was Christen glauben.
Teil 1: Gott, der Vater
Ich glaube an Gott, den Vater,
den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.
Amen.
Wir legen wie geplant eine Halbzeitpause ein, und machen für die nächsten 12 Wochen nicht mit
dem Matthäusevangelium weiter, sondern werden uns mit dem Apostolischen
Glaubensbekenntnis befassen. Titel dieser Serie: Was Christen glauben.
Was ist das Apostolikum/Apostolische Glaubensbekenntnis?
Das Apostolikum ist wohl das älteste christliche Glaubensbekenntnis. Wahrscheinlich diente es
auch als ein Taufbekenntnis, also ein Bekenntnis, das ein Mensch ablegte, der sich taufen lassen,
und so Christ werden wollte. Seinen Namen hat es daher, dass es der Überlieferung nach direkt
von den Aposteln stammt. Es gibt uns eine Art Essenz der 'Lehre der Apostel', auf der die
christliche Gemeinde aufgebaut ist und auf der sie deswegen steht.
Warum das Apostolikum?
1. Es ist kurz und knapp. Es ist vergleichsweise kurz, verzichtet noch auf kompliziertere
Ausführungen, die bei späteren Glaubensbekenntnissen hinzukamen.
2. Es ist trinitarisch. Es ist aufgeteilt in drei Abschnitte, die jeweils eine Person des dreieinigen
Gottes zum Thema haben. Zuerst geht es um Gott, den Vater, dann um Gott, den Sohn, und
als letztes um Gott den Geist.
3. Es ist Jesus-zentriert. Es konzentriert sich auf die Geschichte von Jesus Christus – auf sein
Kommen, Sterben, Auferstehen und seine Rückkehr.
4. Es ist alt und ursprünglich. Natürlich könnte man die zentralen Glaubensinhalte der
christlichen Kirche auch aus anderen Quellen zusammensuchen. Doch ich finde es wichtig,
sich bewusst zu machen, dass christlicher Glaube keine hippe Modeerscheinung, sondern
eine alte Tradition ist. Momentan gibt es viele Menschen, die sich dem Glauben, der
Religion, der Spiritualität zuwenden. Aber der christliche Glaube ist – wie gesagt – kein
neuer Trend. Das sieht man am Apostolischen Glaubensbekenntnis. Wer das Apostolikum
studiert, findet darin nicht nur das Herz, sondern die sehr alten Wurzeln des christlichen
Glaubens.
5. Es ist ökumenisch. Das liegt auch daran, dass es älter ist als die erste große Spaltung
zwischen Ost- und Westkirche. Es enthält das, was alle Christen immer und überall geglaubt
haben. Gläubige Protestanten, Katholiken, Orthodoxe – alle können gemeinsam das
Apostolikum sprechen. Wenn der Theologe Thomas Oden Recht hat, befindet sich die
Christenheit am Anfang einer post-konfessionellen Ära. Viele Christen weltweit haben
keine Lust mehr, sich mit anderen Christen zu streiten. Sie besinnen sich lieber zurück auf das, was
sie mit allen anderen Christen inhaltlich gemeinsam haben. Echte Einheit ist nur auf der Grundlage
der gemeinsam geglaubten Wahrheit möglich. Diese Wahrheit ist der Mittelpunkt, um den wir uns
als Christen versammeln. Deswegen muss dieser Mittelpunkt klar definiert sein. Daran zu arbeiten
ist die Aufgabe aller christlichen Kirchen und
Gemeinschaften.
Diese Eigenschaften machen es meiner Meinung nach so attraktiv. Es enthält die Inhalte im
christlichen Glauben, die den Kern darstellen. Man kann zwar ausdefinieren, vertiefen, erweitern,
aber entfernt man diesen Kern, entfernt man den Glauben. Diese Inhalte sind also für den Glauben
nicht verhandelbar (auch nicht, wenn der Vorschlag in den letzten 120 Jahren immer wieder
aufkommt). Es sind die Dogmen unseres Glaubens. Wenn wir mit Menschen auf der Straße und im
Freundeskreis sprechen, kommt allerdings der Wunsch auf, dass Kirche heute moderner, offener,
weniger konservativ und weniger dogmatisch sein sollte.
Viele Leute verbinden den Begriff 'Dogma' nur mit versteinerter Frömmigkeit. Für sie ist die
Kirche zu dogmatisch. Sie sind der Meinung, dass das Christentum deswegen oft so
unglaublich irrelevant und weltfremd ist, weil es verbissen an seinen Dogmen festhält.
Jemand, der sich so stur und starr an einem so alten Glauben festklammert, passt nicht so
richtig in unsere pluralistische Gesellschaft.
Aber erstens ist die Andersartigkeit, auch in der Weltanschauung, Grundlage für
Vielfalt. Wenn alle alles gleich glauben, kann es per Definition keine Pluralität mehr
geben. Wir brauche nicht weniger Menschen mit unterschiedlichen
Weltanschauungen, sondern Diskussionen und Gespräche auf Augenhöhe, in denen
man einander ernst nimmt.
Und zweitens sind alle Menschen in bestimmten Punkten dogmatisch. Wenn ich
sage, ich bin ein Mensch und keine Katze – und daran halte ich auch fest, bin ich
dogmatisch. Oder wenn jemand sagt: 'Jeder darf für sich glauben, was er will, aber
die eine wahre Religion gibt es nicht!' ist das ein Dogma.
„Jeder von uns lebt und handelt aus einer Weltanschauung heraus, ob
diese nun ausformuliert und reflektiert ist oder nicht. (…) Selbst der
säkularste Pragmatiker bringt, wenn er sich an den Diskussionstisch setzt,
tiefe Überzeugungen und Deutungsbilder über das Menschsein mit.“ (Tim
Keller; Warum Gott?)
Ich glaube, dass Toleranz oft falsch verstanden wird. Toleranz heißt, den anderen stehen lassen zu
können – es zu ertragen, dass jemand etwas völlig anders (meiner Meinung nach falsch) sieht.
Christen müssen mit Gewissheit über Gott sprechen können, wenn sie wollen, dass ihre Stimme in
unserer Gesellschaft gehört wird. Im Vorwort zu seinem Buch über das Apostolische
Glaubensbekenntnis („Woran ich glaube“) schrieb der Theologe und Pfarrer Helmut Thielicke:
„Ich habe den Eindruck, dass gerade die ehrlichen und aufgeschlossenen Zeitgenossen im
Grunde nichts dringlicher wünschen, als dass in diesem Sinne Farbe 'bekannt' wird. Man
möchte ja im Grunde gar keine Spezialtraktate für die armen Neuheiden und faustischen
Sucher, in denen die Botschaft mit Chemikalien vermischt wird, durch die sie genießbar
gemacht werden soll. Die Lebendigsten unter uns sind von der Leidenschaft zur Substanz
bestimmt. (…) Man soll über den Kern miteinander reden und nicht über die Schalen
diskutieren.“
Soviel zur Einleitung. Heute geht es um die erste Aussage: „Ich glaube an Gott, den Vater.“
Das apostolische Glaubensbekenntnis beginnt damit, dass es sich zu Gott als Vater bekennt. Gott
als Vater – das ist der Ausgangspunkt des christlichen Glaubens. Christen bekennen sich zu einem,
persönlichen Gott. Man kann nichts Schöneres, Größeres oder Richtigeres über Gott sagen, als ihn
Vater zu nennen.
In der griechischen, der römischen und der nordisch-germanischen Mythologie gab es den
Glauben an einen Göttervater – aber nicht an einen Vater-Gott. Der griechische Gott Zeus
(röm.: Jupiter) hatte zwar selber Eltern, galt aber trotzdem als oberster und mächtigster
Gott und als Vater der Götter und Menschen. Und bei den Germanen gab es Odin/Wodan,
der ebenfalls zwar nicht der Urvater der Götter war, aber doch als der oberste und höchste
Gott galt.
Ein Theologe und Religionswissenschaftler (Wilhelm Prasse) schreibt, dass die Benennung
Gottes als Vater zu den Urphänomenen der Religionsgeschichte gehört. Mit anderen
Worten: es hat diese Vorstellung schon immer gegeben, auch wenn man nicht weiß, woher
sie kam. Vielleicht ist es eine Restahnung von dem Gott, den wir alle kennen sollten?
Die Bibel spricht sowohl im Alten als auch im Neuen Testament von Gott als Vater: Im Alten
Testament nur 15mal, im Neuen Testament allerdings 245mal. Wenn im Alten Testament
Gott Vater genannt wird, muss man davon ausgehen, dass damit eher die (ebenfalls von
anderen Religionen bekannten) Eigenschaften Gottes als Ursprung, Oberhaupt und
Beschützer gemeint sind: Man weiß, dass man seine Position respektieren muss, aber hofft
auch, dass Gott sich verständnisvoll und barmherzig zeigt. Der Vater als Autoritätsperson,
die streng aber liebevoll auf uns aufpasst.
Im NT beschreibt der Titel 'Vater' vor Allem die Beziehung, die Jesus Christus zum Vater
hatte und die er jetzt auch für alle Menschen möglich gemacht hat. Was diese Beziehung
ausmacht, sind Liebe, Nähe, Vertrauen, Gehorsam und Abhängigkeit.
Um Gott als Vater (im christlichen Sinne) verstehen zu können, sind drei Punkte – und ihre
Reihenfolge – wichtig: Gott ist der Vater von Jesus Christus. Er ist der Vater aller Menschen. Und er
ist der Vater der Gläubigen.
1. Gott ist der Vater von Jesus Christus
Dieser Punkt muss zuerst stehen. Nachdem Gott die Menschen geschaffen hatte, war Gott als
Schöpfer ihr Vater. Aber laut der christlichen Lehre war er schon 'der Vater', bevor er irgendetwas
geschaffen hatte. In der Dreieinigkeit existierte Gott schon immer als der Vater von Jesus Christus.
Damit ist nicht gemeint, dass Gott, der Vater, Jesus geschaffen hätte! Es klingt im ersten Moment
nach Haarspalterei, doch für den christlichen Glauben ist dieser Punkt entscheidend. In einem
anderen sehr alten Glaubensbekenntnis (Nicäa, 325) heißt es über Jesus, er sei vom Vater
„gezeugt, nicht geschaffen“ und weiter: „geboren aus seinem Vater vor aller Zeit“. C. S. Lewis
schreibt zu diesen Worten eine gute Erklärung:
„'Zeugen' heißt, Vater eines Lebewesens werden; 'schaffen oder erschaffen' heißt 'machen'.
Das ist der Unterschied: Der Zeugende erzeugt ein Wesen seiner eigenen Art – ein Mensch
zeugt Menschen, ein Biber kleine Biber, ein Vogel Eier, aus denen kleine Vögel schlüpfen.
Wer dagegen etwas macht, bringt etwas hervor, was sich von seiner eigenen Art
unterscheidet. Der Vogel macht ein Nest, der Biber baut Dämme, der Mensch ein Radio.
Oder er stellt etwas her, was ihm ähnlicher ist als ein Radio, zum Beispiel eine Statue. Wenn
er ein geschickter Holzschnitzer ist, schnitzt er vielleicht eine Figur, die wirklich große
Ähnlichkeit mit einem Menschen hat. Aber sie ist natürlich kein Mensch, sie sieht nur so
aus. Sie kann weder atmen oder denken, noch ist sie lebendig. Das muss uns klarwerden.
Was Gott zeugt, ist Gott; wie Mensch ist, was der Mensch zeugt. Was Gott erschafft, ist
nicht Gott, wie auch das von Menschenhand Geschaffene nicht Mensch ist. Daher sind
Menschen nicht Kinder Gottes in dem Sinn, wie Christus Gottes Sohn ist.“
(Pardon, ich bin Christ; S. 142)
Deswegen nennen die Autoren des Neuen Testaments Jesus den 'eingeborenen' oder
'einziggeborenen' Sohn des Vaters. Gott hat zwar viele Kinder, aber er hat nur einen Sohn. Als Jesus
auf dieser Erde war, betete er zu Gott als zu seinem Vater, nannte ihn 'Abba' (aramäisch; Lallwort:
Papa). Er lehrte seine Jünger, Gott als 'Vater' anzureden. Und der Vater selbst bezeugt bei der Taufe
von Jesus mit einer Stimme aus dem Himmel: „Dies ist mein geliebter Sohn, an ihm habe ich meine
Freude.“ (Matthäus 3,16; NL) Damit wurde die Beziehung deutlich, die Jesus schon immer zum
Vater gehabt hatte. D. h., in der Ewigkeit gab es keine Zeitrechnung v. Chr./n. Chr. Diese Einteilung
gibt es nur auf der Erde. Wer diesen Punkt vertiefen möchte, kann sich mit den vielen Aussagen
aus dem Johannesevangelium beschäftigen, in denen Jesus seine Beziehung zum Vater beschreibt.
2. Gott, der Vater aller Menschen
„Die eigentliche Idee des Universums ist eine vollständige Familie im Himmel und auf Erden.
Noch sind nicht alle irdischen Kinder brave Kinder. Aber egal wie weit wir auf der Erde davon
entfernt sind, ein Teil der wahren Familie zu sein – an der Wurzel der Welt liegt der Lebenskeim,
durch den und für den wir existieren: Unsere Beziehung zu Gott, dem Vater der Menschen.“
(George MacDonald; schottischer Autor und Dichter)
Gott ist als Schöpfer der Vater aller Menschen. Er schuf den Menschen in seinem Ebenbild für
familiäre Gemeinschaft mit ihm. Vielleicht kann man das mit der bekannten Geschichte von
Pinocchio vergleichen:
Ein Mann namens Gepetto schnitzt aus einem sprechenden Stück Kirschholz eine Puppe, die dann
lebendig wird. Gepetto nennt die Puppe Pinocchio. Die Beziehung zwischen den beiden ist eine
Vater-Sohn-Beziehung. Gott hat uns gemacht, damit wir unsere Beziehung zu ihm als Vater
genießen können.
Wenn alle Menschen Gott zum Vater haben (wie Pinocchio Gepetto zum Vater hat), macht das alle
Menschen zu Geschwistern. Wir haben alle denselben Ursprung und den selben Sinn. Keins seiner
Kinder ist Gott egal. Gott als Vater aller Menschen zu verstehen ist eine wichtige
Grundvoraussetzung, um die Liebe zu allen Menschen zu lernen. Die tiefe Verbundenheit, die wir
manchmal spüren, die Idee eines globalen Dorfes – all das findet eine Erklärung im christlichen
Glauben. Wir fühlen uns wie eine Familie, weil wir eine sind. Gott ist unser gemeinsamer Ursprung.
Dieser Glaube wirft aber natürlich auch die Frage auf, warum ein liebender Vater es zulässt,
dass so viele seiner Kinder so unglaublich leiden. Darauf gibt es keine Antworten, sondern
nur Erklärungsversuche. Ich will die Frage jetzt nicht vertiefen, sondern nur so viel sagen:
Wenn Gott wirklich wie ein Vater für uns empfindet, ist die Frage nicht nur 'Warum lässt
Gott so etwas zu?', sondern auch 'Warum tut Gott sich selbst so etwas an?'. Denn als
liebender Vater fühlt er den Schmerz seiner Kinder am eigenen Leib. Und ich glaube: geht
man dieser Frage nach, führt sie uns zum Mysterium der Liebe Gottes.
3. Gott ist der Vater seiner Kinder
Die christliche Botschaft geht aber noch einen Schritt weiter. Denn Gott hat zwar alle Menschen für
eine Vater-Kind-Beziehung mit ihm geschaffen, aber der Mensch lebt nicht 'automatisch' darin.
Tatsächlich lebt er getrennt von seinem himmlischen Vater, in der Gottesferne. Gottesferne hat
zwei verschiedene Gesichter. Diese kommen in dem berühmten 'Gleichnis vom verlorenen Sohn'
zum Ausdruck, das Jesus im Lukasevangelium erzählt:
Da ist der jüngere Sohn. Er verlangt in der Geschichte die Auszahlung seines Erbes. Mit dem
Geld verlässt er den väterlichen Hof, sucht Selbstverwirklichung und Vergnügen in einem
weit entfernten Land. Er will so weit weg wie möglich, will frei sein. Frei von den
Verpflichtungen, von der Verantwortung und von der Autorität des Vaters. Er fühlt sich
bedrängt und eingeengt im Haus des Vaters, und weigert sich, es als Rahmen für sein Leben
zu akzeptieren.
Und dann ist da der ältere Sohn. Der bleibt in der Geschichte zu Hause, erfüllt treu seine
Aufgaben, ist fleißig und gewissenhaft. Auf den ersten Blick scheint er die Art von Sohn zu
sein, die der Vater sich wünschen würde. Der Sohn, welcher der jüngere Bruder auf keinen
Fall sein wollte.
Doch die Geschichte nimmt eine interessante Wende. Dem jüngeren Sohn geht das Geld
aus. Um nicht zu verhungern, jobbt er als Schweinehirte. Da wird ihm klar, dass wahre
Freiheit nicht darin liegt, keinen Herrn zu haben, sondern wählen zu können, welchem
Herrn man dient. Er beschließt, zu seinem Vater zurück zu kehren.
Die Rückkehr des verlorenen Sohnes löst beim Vater große Freude aus, die er in Form einer
Willkommensparty mit allen teilen möchte. Als der ältere Sohn von seiner Pflichterfüllung
auf dem Feld heimkommt, sieht er die Feierlichkeiten, und erfragt den Grund. Auf die
Antwort, sein Bruder sei zurückgekehrt, reagiert er mit Enttäuschung, Selbstmitleid und
Zorn:
„Siehe, so viele Jahre diene ich dir und habe nie dein Gebot übertreten; und mir hast du nie
einen Bock gegeben, damit ich mit meinen Freunden fröhlich sein kann. Nun aber, da dieser
dein Sohn gekommen ist, der dein Gut mit Huren vergeudet hat, hast du für ihn das
gemästete Kalb geschlachtet!“ (Lukas 15,29-30; SLT)
Diese Worte verraten etwas über den älteren Sohn. Wir bekommen einen Einblick in sein Innerstes
und sehen den Grund für seinen jahrelangen Gehorsam und Fleiß. Auch ihm ging es nicht um
seinen Vater. Es war keine liebevolle Pflichterfüllung, die ihn antrieb. In dieser Hinsicht war er
tatsächlich seinem jüngeren Bruder völlig gleich: es ging ihm nur um sich selbst. Er arbeitete hart,
um etwas für sich selbst zu verdienen. Auch er wollte einfach nur Spaß haben, nur wählte er den
Dienst am väterlichen Hof als Weg zu diesem Ziel. Der Vater war für ihn Mittel zum Zweck. Die
Bitterkeit darüber, dass ihm das, was er seiner Meinung nach verdient hatte, vorenthalten
geblieben war, bricht aus ihm hervor. Er bekam nicht, was er verdiente, und sein Bruder, der
Nichtsnutz, bekam, was er nicht verdient hatte. Damit kam er nicht klar. Die Gnädigkeit seines
Vaters machte ihn sehr zornig. Er hasste seinen Bruder und er hasste seinen Vater.
Das ist das andere, unerwartete Gesicht der Gottesferne. Es ist der religiöse, fromme, gute,
konservative Mensch, der in Jesu Geschichte als derjenige dasteht, der erschreckend weit von
seinem Vater entfernt war. Er war am nächsten dran und am weitesten weg. Mit seinem Herzen.
In der Geschichte wird deutlich, dass der Vater beide Söhne sehr liebte. Es reicht ihm nicht aus,
dass beide Söhne „technisch gesehen“ die ganze Zeit seine Söhne waren. Sie sollten auch als seine
Söhne im vollsten Sinne leben.
Um diese Beziehung wiederherzustellen, um die entfremdeten Kinder mit dem Vater zu
versöhnen, kam Jesus Christus auf die Erde, litt, starb und stand von den Toten auf. Durch seinen
Opfertod und seine Auferstehung, so die christliche Botschaft, machte er eine zweite, innerliche,
geistliche Geburt möglich. Durch diese Neugeburt werden Menschen, die mal Kinder Gottes
waren, den Vater aber verlassen haben, zu richtigen Kindern Gottes gemacht. Er adoptiert uns
zurück in seine Familie. Er macht uns zu Kindern, die im Hause ihres Vaters gemeinsam seine Liebe
feiern.
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