close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Historische Chance für Freihandel und gemeinsamen

EinbettenHerunterladen
KU N D E N S E RVI C E 0 8 0 0 / 9 3 5 8 5 3 7
KO M M E N TA R
Zippert zappt
IS brüstet sich
wieder mit einer
Enthauptung
E
THEMEN
US-Entwicklungshelfer
offenbar hingerichtet
Zufall? Boshaftigkeit des Protokolls? Beim traditionellen Gruppenfoto in Brisbane steht Putin ganz links am Rand
Die Mächtigen der Welt
warnen Präsident Putin
Feuilleton
Farin Urlaub über
seine zappelige
Kindheit und die
heilende Wirkung
der Ärzte
Seite 22
Finanzen
Die Tücken der
verschenkten
Gutscheine
Seite 14
Wissen
Entnahme von
Eizellen birgt
viele Risiken
D
as Gipfeltreffen der 20 führenden
Industrieund
Schwellenländer in Australien ist von den Spannungen
zwischen Russland und dem
Westen wegen des Ukraine-Konflikts überschattet worden. Russlands Staatschef
Wladimir Putin schlug bei der Veranstaltung in Brisbane heftige Kritik entgegen;
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betonte die gemeinsame Haltung Europas
gegenüber Russland. Putin verließ den
Gipfel noch vor dem offiziellen Ende.
Merkel beriet mehrere Stunden mit Putin. Es gebe „unter den Europäern eine
sehr enge Abstimmung im Zusammenhang
mit unserem Umgang mit der Ukraine und
auch mit Russland“, sagte die Kanzlerin.
Da das Gespräch vertraulich geführt worden sei, wolle sie keine Details nennen. Es
sei aber „wichtig, jede Gesprächsmöglichkeit zu ergreifen“.
US-Präsident Barack Obama warnte,
wenn Moskau seine Ukraine-Politik nicht
ändern sollte, werde Russland weiter isoliert. Washington wolle Russland in der internationalen Gemeinschaft willkommen
heißen, es stünden aber Prinzipien auf
dem Spiel. Obama: „Eines dieser Prinzipien ist, dass man nicht in andere Länder
einmarschiert.“
Der britische Premierminister David
Cameron hatte Putin schon vor Gipfelbeginn vorgeworfen, „einen kleineren Staat
in Europa zu schikanieren“. Nach dem
Gipfelende sagte Cameron, Europa und
Amerika hätten eine „sehr klare Botschaft“
übermittelt. Der Westen werde seine Politik gegenüber Russland so lange wie nötig
fortsetzen. Die Alternative sei, dass der
Seite 4
dietrich.alexander@welt.de
Hersteller sollen
gesundes Essen
unterstützen
Ukrainekonflikt zu einem Dauerkonflikt
werde. Sollte Putin die Ukraine „weiter destabilisieren“, drohten neue Sanktionen.
Putin verließ den Gipfel in Brisbane vorzeitig und begründete dies mit dem langen
Rückflug nach Russland. Acht Stunden
dauere der Heimflug, und am Montag
müsse er wieder arbeiten. „Man braucht
mindestens vier oder fünf Stunden
Schlaf.“ In einem ARD-Interview warnte
Putin vor einseitigen Schuldzuweisungen.
Das ukrainische Militär setze im Kampf
mit prorussischen Separatisten Raketen
ein, aber dies werde nicht erwähnt, kritisierte der Kreml-Chef weiter. Russland
weist eine Beteiligung an dem Konflikt
entschieden zurück.
Sanktionen gegen Russland könnten
auch für Deutschland ernste Folgen haben.
Durch eine Einschränkung russischer Banken am internationalen Finanzmarkt
könnten diese weniger Kredite an russische Unternehmen vergeben, die mit deutschen Partnern arbeiteten. „Früher oder
später hat das nicht nur für uns Auswirkungen, sondern auch für Sie“, meinte Putin. Er verwies auf Schätzungen, wonach in
Deutschland Tausende Arbeitsplätze von
der wirtschaftlichen Kooperation mit
Russland abhängen sollen.
DAS BILLIONEN-ZIEL
Die Staats- und Regierungschefs
verständigten sich in Brisbane auf
Reformmaßnahmen zur Ankurbelung des
weltweiten Wirtschaftswachstums. Ziel sei
es, bis zum Jahr 2018 ein zusätzliches
Wachstum von 2,1 Prozent zu erreichen,
hieß es in einer Erklärung. Durch die
Maßnahmen werde ein zusätzliches
Wachstum von mehr als zwei Billionen
Dollar erreicht, zudem würden Millionen
neuer Arbeitsplätze geschaffen. Zugleich
verständigten sich die G 20 auf eine weltweite Bekämpfung der Steuerflucht durch
multinationale Unternehmen. Künftig
sollen Firmen ihre Gewinne in dem Land
versteuern, wo sie erzielt wurden.
Essay Seite 2 und Seite 8
Auf Leben
und Tod
Bundesernährungsminister
Christian Schmidt (CSU) fordert Unterstützung von Industrie und Handel
im Kampf gegen Fettleibigkeit in
Deutschland, die inzwischen gerade
unter jungen Erwachsenen „besorgniserregend“ sei. In einem Interview
mit der „Welt“ sprach sich der Minister dafür aus, Erkenntnisse aus der
Psychologie zu nutzen, um „junge
Menschen sanft zu gesünderer Ernährung zu bewegen“. Schmidt sagte, Verpackungen sollten so gestaltet werden, dass sie weniger anregend auf
Kinder wirkten. „Und es muss auch
nicht unbedingt sein, dass an der Kasse immer die Süßigkeiten liegen.“
Wenn Freiwilligkeit zu nichts führe,
„müssen wir an Regulierung denken“,
sagte Schmidt. Das ginge nur auf europäischer Ebene. Er persönlich sei allerdings kein Freund drastischer
Warnhinweise, fügte er hinzu. Auch
mit Forderungen nach einer Fettoder Zuckersteuer könne er wenig anfangen. In Deutschland sind inzwischen 52 Prozent der Erwachsenen
übergewichtig.
Die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) hat offenbar
eine fünfte westliche Geisel enthauptet. In einem im Internet veröffentlichten Video ist ein maskierter Mann
zu sehen, der behauptet, er habe den
Ex-US-Soldaten Peter Kassig ermordet, der sich zuletzt als Entwicklungshelfer für Flüchtlinge einsetzte. Neben dem mutmaßlichen Täter ist ein
abgeschlagener Kopf zu sehen, überdies zeigt der Film die Enthauptung
von 18 syrischen Soldaten.
„Dies ist Peter Edward Kassig“, sagte der Vermummte vor dem abgeschlagenen Kopf. Die Darstellung ähnelt vorangegangenen Videos von der
Ermordung zweier US-Journalisten
und zweier britischer Entwicklungshelfer. Der britische Premierminister
David Cameron erklärte, er sei „entsetzt“, der IS habe erneut seine „Verderbtheit“ offenbart. Der 26 Jahre alte
Kassig engagierte sich nach Angaben
seiner Eltern seit März 2012 für syrische Bürgerkriegsflüchtlinge. In der
Türkei gründete er eine Hilfsorganisation, vor gut einem Jahr wurde er vom
IS verschleppt.
Siehe Kommentar und Seite 7
Obama: Moskau isoliert sich, wenn es die Ukraine-Politik nicht ändert.
Kreml-Chef reist früher vom G-20-Gipfel ab, weil er Schlaf braucht
DIETRICH ALEXANDER
er barbarische Nihilismus der
Terrormiliz Islamischer Staat
hat ein weiteres Opfer gefunden. Der erst 26 Jahre alte Entwicklungshelfer Peter Kassig aus den USA
ist von den islamistischen Schlächtern
in grausamer und entmenschlichender Art und Weise getötet worden. Er
war sogar – wohl unter Zwang der
Mörder – zum Islam konvertiert.
Doch die IS-Terroristen machen keine
Unterschiede, sie töten alle: Christen,
Jesiden, Schiiten und Sunniten – jeden, der ihrer martialischen Islaminterpretation nicht folgen will.
Damit hat die Terrorgruppe bisher
fünf westliche Geiseln brutal hingerichtet und deren Tod auf Video festgehalten und verbreitet. Die Miliz
setzt Terror gezielt und bewusst als
Mittel der Kriegsführung ein. Sie
schockiert mit demonstrativer Tabulosigkeit, um Widerstand zu brechen.
Ein Dialog oder Kompromiss mit diesen Mördern, die nicht nur die Lebensentwürfe freier Völker, sondern
auch jener frontal angreifen, die nicht
ihrer puristischen Lesart des Islam
entsprechen, ist unmöglich.
Für die irrlichternden Islamisten ist
das Töten zum Selbstzweck geworden. Es geht um die Demonstration
und Ausübung von Macht über jedwedes Leben, geboren aus Minderwertigkeitskomplexen durch die empfundene Bevormundung und Unterdrückung durch die Gewinner der Moderne. Aber die Terrormiliz ist
inzwischen nicht mehr nur eine
Mordbande von Frustrierten und
Rachsüchtigen. Sie ist zu einem Sammelbecken weltweiter Söldner geworden, die sich auf dem gerechten Weg
des Propheten wähnen und „Ungläubige“ in ihrem selbst ausgerufenen
Dschihad eliminieren wollen.
Neben Fanatismus und scheinbar
unerschöpflicher finanzieller und personeller Quellen geriert sich der Islamische Staat tatsächlich als Staat. Er
hat sein Unwesen bürokratisiert und
besorgniserregend
perfektioniert,
sorgt für Krankenversicherungen,
Heiratsbeihilfen und Unterstützungszahlungen für die Familien seiner
„Märtyrer“. Es gibt sogar einen „Länderfinanzausgleich“ zwischen ärmeren und reicheren IS-Provinzen. Das
Gefüge ist rational strukturiert, was
den IS besonders gefährlich macht.
Und siegessicher: Der IS will seinen
Terror in die Straßen der westlichen
Hemisphäre tragen. Man muss dieses
Vorhaben ernst nehmen, denn in allen
freien Gesellschaften gibt es Verlierer,
die sich vom Allmachtsanspruch des
IS angezogen fühlen und in ihrer persönlichen Frustration neue Bestätigung finden. Für sie ist die demagogische, kriegerische IS-Ideologie sinnstiftend. Das alles darf nichts an der
Kompromisslosigkeit und Wehrhaftigkeit der Angegriffenen ändern: Es ist
ein Kampf auf Leben und Tod. Und
der Verlierer muss der IS sein.
DAMASKUS –
DPA/ANDREW TAYLOR,G20 AUSTRALIA; OLAF HEINE; AP
in neuer Bahnstreik
droht. Diesmal will ihn
die Gewerkschaft EVG
ausrufen, was für den Bahnkunden einige Veränderungen
mit sich bringt. Viele fragen sich,
ob der EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner das gleiche dämonische Potenzial hat wie der
GDL-Chef Weselsky. Schwelgt
auch er in einem ähnlichen
Luxus wie Weselsky, der eine 61
Quadratmeter große Mietwohnung in Leipzig bewohnt mit
fließend warmem Wasser und
Fenstern? Eine weitere entscheidende Frage lautet: Wie
unterscheidet sich ein EVGStreik von einem GDL-Ausstand?
Und was passiert, wenn GDL
und EVG gleichzeitig streiken?
Kann man als Bahnkunde dann
Verständnis für die eine Gewerkschaft aufbringen und Unverständnis für die andere? Welchen
ausfallenden Zug soll man dann
benutzen? Ober besser gesagt,
werden die ausfallenden Züge
entsprechend gekennzeichnet?
Wie kann man die normalen
betriebsbedingten Störungen der
Bahn und Gewerkschaftsaktionen auseinanderhalten? Was
passiert, wenn Züge in Hamm
nicht mehr geteilt werden können, und welcher Gewerkschaft
gehören eigentlich die mobilen
Brezelverkäufer an, die zwischen
Kassel und Göttingen im Zug
auftauchen?
B *
D 2,20 E URO
M O N TAG , 17. N OVE M B E R 2 014
Ernährungsminister
droht mit Regulierung
BERLIN –
D
Seite 20
ANZEIGE
Aus aller Welt
Die Firma, in der
sich alle auf die
Arbeit freuen
LOTTO: 10 – 13 – 14 – 19 – 25 – 31
Superzahl: 6 Spiel77: 3 9 3 9 9 4 0
Super6: 9 9 8 6 1 1 ohne Gewähr
ANZEIGE
Ein Blick in die Zukunft
„Der Tag an dem die Sonne
explodiert“
Heute um 20.05 Uhr
facebook.com/welt
Weltraumforscher entschuldigt sich für sein Outfit – und bekommt wieder Ärger
KERSTIN ROTTMANN
Seite 24
Diskutieren
Sie mit uns
auf Facebook:
Das verflixte Hemd
Wir twittern
live aus dem
Newsroom:
twitter.com/welt
„Die Welt“ digital
Lesen Sie „Die Welt“ digital auf allen Kanälen –
mit der „Welt“-App auf dem Smartphone
oder Tablet. Attraktive Angebote finden Sie
auf welt.de/digital oder auch mit den
neuesten Tablets auf welt.de/bundle
I
m Physikunterricht, da gab es diejenigen, die bei „Quarks“
gleich an Elementarteilchen und nicht an Nachspeise dachten.
Meist waren es Jungen, und die Mehrheit interessierte sich
zwar für die Teilchenlehre, nicht aber für ihre T-Shirts. Der Brite
Matt Taylor war vermutlich einer dieser Jungen. Nur so lässt sich
erklären, was dem in London promovierten Wissenschaftler nun
widerfuhr, als er der Öffentlichkeit einfach nur stolz erklären wollte, wie der Stand bei der „Rosetta“-Mission der European Space
Agency (Esa) ist. Taylor, 40 Jahre alt, verheiratet, Vater zweier
Kinder, hatte für seinen Auftritt vor der Weltpresse ein zugegebenermaßen gewöhnungsbedürftiges Outfit gewählt: Er trug ein wild
changierendes Satinhemd, bedruckt mit schreiend bunten Comiczeichnungen leicht bekleideter Frauen. Ganz offensichtlich die
falsche Wahl. Taylor wurde zu einer medialen Witz-, wahlweise
auch Hassfigur. Schon während seines in viele Länder ausgestrahl-
ten Auftritts begannen die ersten Stichworte auf dem Internetdienst Twitter zu kursieren. Der Hashtag #shirtgate (etwa: „Hemdenskandal“) entstand – Taylors Hemd sei sexistisch, eine Beleidigung für alle Frauen. Der so harsch Kritisierte meldete sich jetzt
zerknirscht zu Wort. „Ich habe einen großen Fehler gemacht“,
erklärte Taylor in einem via YouTube ausgestrahlten
Film der Esa. „Ich habe viele Menschen damit verletzt. Das tut mir sehr leid“, so Taylor, der diesmal
einen schwarzen Kapuzenpullover trug, unter Tränen. Das war aber auch nicht richtig: Taylor hätte
sich auf keinen Fall für eine solche Petitesse entschuldigen müssen, heißt es in einer neuen
Flut von Kommentaren. Eine TwitterUserin schreibt: „Da landet ein Typ ein
verdammtes Labor auf einem Planeten,
und alle reden über sein Hemd? Kann
mir das mal einer erklären?“ Seite 24
DIE WELT, Axel-Springer-Straße 65, 10888 Berlin, Redaktion: Brieffach 2410 Täglich weltweit in über 130 Ländern
verbreitet. Pflichtblatt an allen deutschen Wertpapierbörsen. Tel. 030/25910, Fax 030/259171606, E-Mail: redaktion@welt.de;
Anzeigen: 030/585890, Fax 030/585891, E-Mail anzeigen@welt.de, Kundenservice: DIE WELT, Brieffach 2440, 10867 Berlin,
Tel. 0800/9 35 85 37, Fax 0800/9 35 87 37, E-Mail kundenservice@welt.de
ISSN 0173-8437
268-47
A 3,00 & / B 3,20 & / CH 5,00 CHF / CZ 95 CZK / CY 3,40 & / DK 25 DKR / E 3,20 & / I.C. 3,20 & / F 3,20 & /
FIN 3,20 & / GB 3,00 GBP / GR 3,20 & / H 820 FT / I 3,20 & / IRL 3,20 & / KRO 28 KN / L 3,20 & / MLT 3,20 & /
N 38 NOK / NL 3,20 & / P 3,20 & (Cont.) / PL 15 PLN / S 42 SEK / SK 3,20 € / SLO 2,80 &
+
© Alle Rechte vorbehalten - Axel Springer SE, Berlin - Jede Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.as-infopool.de/lizenzierung
DIE WELT BERLIN-2014-11-17-swonl-86 3f0e35860cf6e4f4a032c6cd91830380
ZKZ 7109
Leonardo
AdvantageCLUB
your loyalty program
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
6
Dateigröße
314 KB
Tags
1/--Seiten
melden