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"Aber" fuhr er fort, "was mögen sie dann sein - Oculus-Verlag

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Die Gesichter beider Wesen wandten einander zu; sie schienen miteinander zu kommunizieren,
obgleich der Jenseitige keinerlei Töne hören konnte.
Dann bogen sie ab, und verschwanden langsam in der silbrigen Un-Realität des Limbus.
"Jene Wesen waren keine Sterblichen." sagte der Jenseitige; er war sich dessen so sicher, wie er
sich seiner eigenen Hautfarbe sicher war.
"Aber" fuhr er fort, "was mögen sie dann sein? Halbgötter? Oder Gottlinge? Oder
vielleicht gar... etwas ganz anderes?" Captain Glory zuckte die Achseln. Gegenwärtig hatte er
keine Antwort auf diese Frage; aber wer immer sie auch waren, eines wusste Glory mit Sicherheit:
eines Tages, in ferner Zukunft, würde er jenen bizarren Wesenheiten erneut begegnen... und dann
würde das Schicksal einer ganzen Galaxis entschieden werden.
Für einen Moment erwog der Jenseitige, ihnen hinterher zu fliegen, und mit ihnen in Verbindung
zu treten.
Aber nein. dachte er dann, Jene Wesen waren offensichtlich nicht an Gesellschaft interessiert; und es
wäre mehr als unhöflich von mir, ihnen dennoch meine Gegenwart aufzudrängen. Denn das Letzte,
was Captain Glory gewollt hätte, wäre gewesen, diese eigenartigen Geschöpfe bei
irgendwelchen Paarungsritualen zu stören…
Er flog weiter; mit welchem Ziel, wusste er selbst nicht.
Captain Glory war lange, lange Zeit durch den Limbus geflogen; und seltsame Geschöpfe hatte er
seither von weitem beobachtet, ohne jemals direkten Kontakt mit ihnen aufzunehmen.
Er begann langsam, sich ein wenig einsam zu fühlen.
Jenes Gefühl der "Einsamkeit" war dem Jenseitigen völlig fremd; er konnte es noch nicht einmal
benennen.
Zuerst ignorierte Captain Glory jene eigenartige, unvertraute Emotion; doch mit der Zeit, wurde
dieses Gefühl immer stärker und schließlich ganz unerträglich.
Außerdem gab es da noch etwas anderes, das an Captain Glorys innerer Harmonie nagte...
Seltsam, dachte der Captain, irgendetwas stimmt nicht.
Er hielt an. Er rieb sich das Kinn. Irgendetwas ist nicht in Ordnung, wiederholte er stirnrunzelnd.
Ich fühle mich so... leer, so unerfüllt. Ich verspüre eine Sehnsucht, welche ich nicht genau definieren
kann...!
Es war ein ausgesprochen unangenehmer Zustand: etwas zu wünschen und es doch nicht zu
bekommen; und außerdem noch nicht einmal genau zu wissen, was man denn eigentlich
vermisste!
Ich muss in mich gehen, dachte der Jenseitige, denn nur in den dunklen Tiefen meines Unbewussten
erwartet mich das Licht der Erkenntnis.
Er setzte sich in jene Position, welche später von den Eingeweihten als die "Lotushaltung", und
von den weniger hochgeistigen und tiefsinnigen Sterblichen als "Schneidersitz" bezeichnet
werden sollte, und schloss die Augen.
Was ist es, das mir so fehlt? dachte Captain Glory, während er sich in seine innersten Gedanken
versenkte, begann, sich in Trance zu versetzen.
Bin ich nicht allmächtig, allgütig, allweise?
Captain Glory sank tiefer in seine Entspannung.
Sind mein Antlitz und mein Leib nicht von wahrhaft transzendenter Schönheit?
Tiefer und tiefer sank der Jenseitige in die verborgenen Abgründe seines Bewusstseins. Meine
Macht ist unvorstellbar, unkalkulierbar! Ich brauche etwas nur zu wünschen, und es ist da! Mein
Wille ist so gewaltig, dass er sich augenblicklich verwirklichen muss! Dennoch fehlt mir etwas! Ich muss
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wissen, was das Objekt meiner Sehnsucht ist, auf dass ich sie stillen kann! Was ist es, das ich so
schmerzlich herbeisehne? Was ist es? Was??
Er wartete lange in der Hoffnung, eine Inspiration von seinem KOSMISCHEM BEWUSSTSEIN zu
empfangen; er wartete...
Und wartete...
Und wartete...
Und wie sich letzten Endes herausstellte, wartete er vergebens.
Mit einem Seufzer öffnete Captain Glory die Augen.
Wahrhaftig, einer könnte beinahe zu dem Schluss kommen, dass ich nicht ganz so "allweise" bin, wie ich
geglaubt hatte...?!? stellte er ungläubig fest.
Er raffte seinen goldenen Mantel, und flog davon.
Captain Glory flog durch den Limbus, wie er es schon seit langer Zeit, seit vielleicht schon
Eintausend Jahren, getan hatte.
Captain Glory wartete auf eine Eingebung.
Als er eine neue Runde drehte, wanderten seine Gedanken zu den ersten Multiverslern, die er
jemals gesehen hatte, jene bizarren, monolithenähnlichen Steinwesen.
Wie sehr ich mir doch mittlerweile wünschte, dass ich damals mit ihnen gesprochen hätte! dachte er
betrübt. Hier im Limbus ist es so einsam und verlassen... dies ist nicht gerade der ideale Ort für einen,
der nur ins Multiversum gekommen ist, um Liebe und Gerechtigkeit zu manifestieren.
Er seufzte schwermütig, und hielt an.
Er blickte sich um.
Er seufzte erneut.
"Der Limbus ist grandios! Er ist gewaltig! Doch ohne Bewohner ist er auch-- leer! Ohne
irgendjemanden, der diese gewaltigen Weiten bewohnen könnte, ist dieser Limbus nicht
mehr als..." für einen Augenblick brach der Jenseitige ab, überwältigt von seinen Gefühlen; als er
wieder sprechen konnte, fuhr er fort: "...nicht mehr als eine hübsche Kulisse-- dekorativ,
aber letzten Endes bedeutungslos! Denn es sind ihre Bewohner, die einer Welt erst ihren Sinn
geben!"
Suchend blickte er sich um.
"Wo sind die Wesenheiten, die solch eine unendliche Dimension bevölkern könnten?"
klagte er, "Wo ist das Leben? Wo sind die Sterblichen, auf dass ich sie lieben und
beschützen kann? Was ist dieser Limbus denn anderes, als-- eine astrale Vorhölle?!"
Mit einem bitteren Aufschrei flog der Jenseitige davon.
So lernte Captain Glory, der nicht gewusst hatte, was Leid ist, die Einsamkeit kennen.
Mittlerweile war der Limbus von einem blassgoldenem Zwielicht erfüllt.
Captain Glory hatte dieses Schauspiel schon oft genug miterlebt - es war die einzige wirkliche
Abwechslung in dieser monotonen Silberhölle gewesen, die er gekannt hatte - , und doch
erstaunte es ihn immer wieder aufs Neue.
"Selbst hier, im zeitlosem Limbus, ist alle Existenz zyklisch." sagte der Jenseitige leise.
Dann begann er, die goldenen Lichter, welche nun durch den Limbus glitten, zu genießen; ihm
gefiel es.
"Ein Anblick" murmelte Captain Glory ehrfürchtig, "wie er nur vom Glory-Reich
übertroffen werden könnte."
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Dann fiel es ihm wie Schuppen von den Augen.
Nun wusste Glory, was er seit Tausend Jahren so sehr vermisste!!
Das Glory-Reich...!!
Captain Glory starrte blicklos auf das goldene Zwielicht; seine Augen traten hervor.
Das Glory-Reich... eine unvorstellbar große, unvorstellbar vollkommene Dimension von
Wesenheiten, deren allumfassende Macht nur noch von ihrer hehren Moralität übertroffen
wurden.
Das Glory-Reich hatte alles besessen-- Macht, Glück, Frieden... sogar Liebe und Gerechtigkeit.
Es hatte all dies, und mehr, besessen... und es hatte all dies aufgegeben, um einem geringerem Reiche
zu helfen.
Einstmals hatte das Glory-Reich jene absolute Geborgenheit gekannt, die nur diejenigen kannten,
welche zugleich mit sich, ihren Mitgeschöpfen, und ihrem Universum vollkommen eins waren.
Doch damit war es vorbei. Das Glory-Reich hatte aufgehört zu existieren.
Nun existierte nur noch der einsame Captain Glory... ja, um genau zu sein, Captain Glory konnte
nur existieren, weil das Glory-Reich es nicht mehr tat!
Ein tiefes Gefühl des Verlustes überkam den Jenseitigen; es war, als würde ein Messer durch sein
Herz schlitzen.
Captain Glory kannte keine Geborgenheit; er kannte nur die Einsamkeit.
Er war allein-- vollkommen allein und schutzlos der eisigen Einsamkeit des Multiversums
ausgesetzt!
Captain Glory blickte nach oben, und rief gequält aus: "Glory-Reich!! Warum habt Ihr mir das
angetan?! Warum habt Ihr mich geschaffen und dadurch eure eigene Existenz beendet?
Warum habt Ihr es getan-- und mich dann allein zurück gelassen?"
Es erfolgte keine Antwort. Der gleichgültige Limbus regte sich nicht.
Der Kosmische Messias richtete sich hoch auf und brüllte gequält: "Glory-Reich! Wo bist
du?!"
Doch natürlich kannte er die Antwort.
Es war fort.
Das Glory-Reich war fort...
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alt! Wer weint da? Wer weint um das arme, verlassene Multiversum?" donnerte eine
Stimme auf Captain Glory herab.
Überrascht hob der Kosmische Messias den Kopf.
Über ihm schwebte ein riesiger Satellit.
Es schien eine Kugel zu sein, aus einem goldenen, halbtransparenten Metall; unter der spiegelnden
Oberfläche konnte man vage erkennen, das dieser Satellit von unzähligen Schaltkreisen überzogen
war.
Dennoch erinnerte das gesamte Design dieser "Kugel" an einen gigantischen, computerisierten
Augapfel!
Captain Glory starrte diesen künstlichen Himmelskörper verblüfft an... dann fiel ihm ein, dass
ihm eine Frage gestellt worden war, die immer noch auf eine Antwort wartete. "Nicht um das
Multiversum weine ich... sondern um mich selbst!" rief er zurück.
Der augenförmige Satellit kam langsam näher.
"Und warum weint Ihr? Wer seid Ihr?" gab die Stimme zurück; und nun erkannte der
Jenseitige auch, dass diese Stimme nur deshalb so laut erschien, weil sie von einer Art
Lautsprechersystem verstärkt wurde.
"Ich bin Captain Glory-- und wer seid Ihr?" erkundigte er sich.
Nun sah er, dass sich eine kleine Luke im Zentrum des "Augapfels" öffnete, und eine goldene
Rampe ausgefahren wurde.
"Ich glaube, wir sollten miteinander reden. Bitte-- kommt herein, und ich werde
versuchen, alle eure Fragen zu beantworten."
Captain Glory nickte bedächtig; er war trotz allem ziemlich einsam gewesen nach einem
Jahrtausend im Limbus, und dieser eigentümliche Satellit hatte sein Interesse geweckt.
Außerdem nahm er in den unergründlichen Tiefen seines Kosmischen Bewusstseins wahr, dass
das Schicksal der gesamten Menschlichen Rasse, überall im gesamten Multiversum, sehr wohl
davon abhängen mochte, was sich innerhalb dieser Limbusreisenden Kugel abspielte...!
"Nun gut." sagte er.
Er raffte seinen Mantel, und flog zu der Rampe hoch; er landete auf ihr, und schritt zu der Luke.
Er beugte den Kopf und zwängte sich durch die, für ihn, kleine Öffnung.
Captain Glory war das FLEICHGEWORDENE GUTE-- doch das Opfer, welches er zum Wohle
des Multiversums dargebracht hatte, war mehr, als er ertragen konnte.
Er schlug die Hände vor sein Gesicht; mit einem bitteren Schluchzen sank er in die Knie,
während ihm die Tränen zwischen den Fingern hindurch liefen.
Captain Glory blickte sich um.
Er stand in einem riesigem Tunnel, dessen Decke und Wände mit Unmengen von
computerisierten Maschinen und Schaltkreisen bedeckt waren; in der Tat schien der Tunnel
alleine schon größer, als Cap es von ihm erwartet hätte, so vergleichsweise klein hatte jene
fliegende Kugel von draußen gewirkt.
So lernte Captain Glory, der nicht gewusst hatte, was Leid ist, den Verlust, und vielleicht das Heimweh
kennen.
Wahnsinnigen, der die Technologie anbetet! dachte der Jenseitige. Allerdings frage ich mich-- wie
groß ist jener Satellit eigentlich?
Entweder ist dies ein wahrhaftig fortschrittlicher Ort... oder ich bin hier in den Hallen eines
Er setzte zum erstem Mal seinen PENETRAL-BLICK ein: die Macht, durch jedwede Materie,
Substanz, oder Energieform zu sehen-- und als er sich in der "Kugel" umsah, ein Stockwerk nach
dem anderem entdeckend, scheinbar bis ins Unendliche, machte Cap eine überraschte Geste.
"Unglaublich!" rief er erstaunt aus. "Jener Satellit muss so groß sein wie ein kleiner Planet--
sicherlich größer als ein Erdenmond!! Und doch-- von außen besehen, schien er nicht
größer als einige Hundert Meter im Durchmesser zu sein! Wer außer mir könnte die
Macht haben, solches zu vollbringen?? Und, vielleicht noch wichtiger-- wenn er schon bei
den Naturgesetzen von Raum und Zeit so rücksichtslos handelt-- wie viele Universen könnte
er aus einer bloßen Laune heraus auslöschen?!"
Er brach ab, denn nun sah er, dass eine junge Frau auf ihn zukam.
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