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20. März 2015 CARL MARIA VON WEBERS

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Bin ich gebildet?
Reinhard Wilhelm
In dieser Zeit der Beliebigkeit, die Kischkernweitspucker und Popelschnipsler zu Sportlern,
Schweinehalter und Pinkelbeckenknipser zu Künstlern, Bundeskanzler zu großen
Schriftstellern und nette Männer zu fähigen Bundesfinanzministern erklärt, ist auch der
Bildungsbegriff so schwammig geworden, daß die obige Frage nur zur Provokation mit
„Nein“ beantwortet werden dürfte. Nach genügend langem Kramen läßt sich von jedem eine
Basis für ein „Ja“ finden.
Und nun zu mir. Längs humanistischer Traditionen mit gigantischer Zeitverschwendung
ungebildet, auf die Universität gegangen, dort tollkühn die Fächer zu studieren, von denen
man am wenigsten abbekommen hatte, dadurch zumindest zum Erlernen einer gewissen
Arbeitshaltung gezwungen, von fachlicher Ausrichtung und durch Kenntnis des zweiten
Satzes der Thermodynamik der zweiten Kultur (C.P. Snow) zugehörig, die Zunahme der
Entropie täglich am Schreibtisch experimentell verifizierend, als PC-Bediener
durchschnittlich gewieft, allerdings ohne genauere Kenntnis von inseitigen DIP-Schaltern und
unteren und oberen Speicherbereichen, als Angehöriger einer sehr jungen Disziplin, deren
wesentliche Zeit direkt erlebt werden konnte, von großen Anforderungen an historischem
Wissen verschont, als Lehrbuchautor wegen Beantwortung aller Fragen von Dozenten geliebt,
wegen der Vermehrung potentiellen Prüfungsstoffs von den Studenten eher abgelehnt, zum
Diskurs in zwei, zum Witzeerzählen in drei, zum Mißverständnisseproduzieren in zwei
weiteren Sprachen in der Lage, zum gepflegten kulturellen Partytalk unfähig, „dieser 89er
Chateau Grand Gourque ist ja vorne schön offen, drückt sich aber hinten sehr ab“,
erklärungslos gegenüber dem Gebrauch von „an“ in „Lammsoufflet an Himbeerschmuß“, an
der Geigenkarriere, genauer dem häuslichen Üben von der Familie gehindert, zu
sporadischem Liedbegleiten auf der Gitarre aber durchaus gefragt, mehrfach mit
Höchstkompetenz als Kunstbanause deklariert weil unwillig, den einsichtig 37 einzig
möglichen Kunstrichtungen zu folgen, von der Gedächtnisanlage her unfähig, sich nicht
interessierendes Bildungsgut mal eben so einzuverleiben, andererseits gepeinigt von der
Unauslöschlichkeit einmal (blitzschnell) gespeicherter Assozationen wie Kalifornien Sacramento, New York - Albany, Wisconsin - Madison, Arkansas - Little Rock und damit
schon jenseits des durchschnittlichen amerikanischen Wissenstandes, als Satiriker für den
CAMPUS und die SAARBRÜCKER HEFTE gut genug, für Zielobjekte und die Regional
Harmonists aber schon zu aggressiv, würde ich mir eine solide Halbbildung attestieren.
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Kategorie
Seele and Geist
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