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Das Apostolikum: Was Christen glauben (Teil 8: „Jesus: der König“)

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Das Apostolikum: Was Christen glauben
(Teil 8: „Jesus: der König“)
Ich glaube an Gott, den Vater,
den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.
Amen.
Das Apostolikum ist das älteste vollständige christliche Glaubensbekenntnis. Es enthält –
wie der Name schon sagt – die zentralen Lehren der Apostel. Was uns hier begegnet sind
die Säulen des christlichen Glaubens.
Beim letzten Mal haben wir darüber gesprochen, dass es wirklich Sinn macht, daran zu
glauben, dass Jesus tatsächlich starb und ebenfalls tatsächlich, körperlich auferstand. Der
tatsächliche Tod und die tatsächliche Auferstehung von Jesus sind vor allem die beste
Erklärung für die Existenz und Kraft der christlichen Gemeinde seit nunmehr fast 2000
Jahren.
Der christologische Teil des Apostolikums endet nicht mit Jesu Auferstehung. Statt dessen
folgen noch zwei weitere Ereignisse – und damit verbunden zwei Ämter von Jesus:
Seine Himmelfahrt – Jesus als König
Seine Wiederkunft – Jesus als Richter
Heute geht es um Jesu Himmelfahrt. Wir sprechen darüber, dass Jesus mit seinem
verherrlichten Auferstehungskörper in den Himmel entrückt wurde und nun zur Rechten
des Vaters sitzt. Im Apostolikum heißt es: „aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten
Gottes, des allmächtigen Vaters“.
Jesus kam, um zu sterben, er starb, um aufzuerstehen, und er auferstand, um zurück zum
Vater zu gehen. Sein Weg begann am höchsten Ort der sichtbaren und unsichtbaren Welt
dem Thron Gottes, und führte dann zum niedrigsten Ort, dem Kreuz. Vom Kreuz ging es
durch Auferstehung und Himmelfahrt zurück zum Thron.
Viele Theologen sehen die Auferstehung und die Himmelfahrt als einen inhaltlich
zusammenhängenden Event in zwei Akten. In der Auferstehung sehen wir seinen Sieg, in
der Himmelfahrt kehrt er siegreich heim und besteigt seinen Thron. Die Himmelfahrt
mündet in die Thronbesteigung von Jesus. Zusammen mit der Auferstehung sieht man
seine Erhöhung/Verherrlichung. Die Auferstehung war keine Wiederbelebung einer Leiche,
sondern eine neue Form des Lebens, die durch die Kraft Gottes aus der Alten entstand.
Es war der gleiche Körper, aber völlig neu. Deswegen war die Auferstehung der erste Akt
seiner Verherrlichung – die Thronbesteigung dann der Abschluss des zweiten Aktes,
seiner Himmelfahrt.
Wie ist diese 'Himmelfahrt' zu verstehen?
Nachdem Jesus von den Toten auferstanden war, erschien er laut dem Neuen Testament
in einem Zeitraum von 40 Tagen den Jüngern. Dabei fällt auf, dass er eine besondere Art
von Körper gehabt haben muss: Er erscheint plötzlich in einem verschlossenen Raum. Er
zeigt seine Wundmale und isst mit den Jüngern, um zu beweisen, dass er nicht einfach ein
Geist ist. Selbst enge Vertraute und ehemalige Jünger erkennen ihn nicht. Er verschwindet
einfach, löst sich in Luft auf. Dann taucht er wieder auf. Mit diesem sogenannten
'Auferstehungsleib' wird er dann in den Himmel entrückt:
„Und als er mit ihnen versammelt war, befahl er ihnen, sich nicht von Jerusalem zu
entfernen, sondern auf die Verheißung des Vaters zu warten - die ihr, sagte er, von
mir gehört habt; denn Johannes taufte mit Wasser, ihr aber werdet mit Heiligem
Geist getauft werden nach diesen wenigen Tagen. Sie nun, als sie
zusammengekommen waren, fragten ihn und sagten: Herr, stellst du in dieser Zeit
für Israel das Reich wieder her? Er sprach zu ihnen: Es ist nicht eure Sache, Zeiten
oder Zeitpunkte zu wissen, die der Vater in seiner eigenen Vollmacht festgesetzt
hat. Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen
ist; und ihr werdet meine Zeugen sein, sowohl in Jerusalem als auch in ganz Judäa
und Samaria und bis an das Ende der Erde. Und als er dies gesagt hatte, wurde er
vor ihren Blicken emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen
weg. Und als sie gespannt zum Himmel schauten, wie er auffuhr, siehe, da standen
zwei Männer in weißen Kleidern bei ihnen, die auch sprachen: Männer von Galiläa,
was steht ihr und seht hinauf zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg in den
Himmel aufgenommen worden ist, wird so kommen, wie ihr ihn habt hingehen
sehen in den Himmel. Da kehrten sie nach Jerusalem zurück...“ (Apostelgeschichte
1,4-12a)
Die Wolke, von der hier in der Apostelgeschichte die Rede ist, war keine
Wetterwolke, sondern eine Beschreibung der Herrlichkeit Gottes. Anscheinend
wurde Jesus von Gott tatsächlich in die Luft gehoben, um dann von der Wolke
eingehüllt zu werden und zu verschwinden.
Wenn die Bibel vom Himmel spricht, meint sie damit nicht das, was wir sehen, wenn
wir rausgehen und nach oben kucken. Sie meint damit die geistliche, ewige
Dimension, in der Gott wohnt. In der Himmelfahrt wird Jesus in diese Dimension
aufgenommen. Dabei sind das hochgehoben werden und die Wolke nur Gottes
gewählte Methode, um deutlich zu machen, was hier gerade geschieht.
Mehrere Male hatte Jesus seinen Jüngern gesagt, dass er von seinem Vater
gekommen war, aber auch dorthin zurückgehen würde. Diese Ankündigungen
werden in der Himmelfahrt und Thronbesteigung wahr.
Jesus hatte in der Auferstehung einen Körper bekommen, der sowohl in der
irdischen als auch in der himmlischen Dimension leben konnte. Es ist sozusagen
die Verschmelzung der geistlichen und der irdischen Welt – in seiner Person.
„Und er, der hinuntergestiegen ist, ist dann auch wieder hinaufgestiegen bis über
den höchsten aller Himmel, um so das ganze Universum ´mit seiner Gegenwart` zu
erfüllen.“ (Epheser 4,10)
Vielleicht denkst du jetzt: Dass klingt jetzt aber wirklich absurd. Aber denk
mal darüber nach: wenn der erste Satz der Bibel „Am Anfang schuf Gott
Himmel und Erde“ stimmt, warum sollte dann irgendetwas ein Problem für
diesen Gott sein? Wenn er Himmel und Erde mit ihren Gesetzmäßigkeiten in
Existenz gesprochen hat, wie kann es dann ein Problem sein, dass solche
Dinge geschehen?
Warum ging er weg?
Die große Frage, die sich auch die Jünger stellten, ist: Warum ging er denn überhaupt
weg? Wäre es nicht viel besser gewesen, wenn Jesus einfach dageblieben wäre?
Immerhin wollte er ja der Messias – der Retter-König für Israel und die ganze Welt sein!
Die Antwort gab er uns selbst: Er 'machte Platz' für den Heiligen Geist und die Gemeinde.
„Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat, und niemand von euch fragt
mich: Wohin gehst du?, sondern weil ich dies zu euch geredet habe, hat Traurigkeit
euer Herz erfüllt. Doch ich sage euch die Wahrheit: Es ist euch nützlich, dass ich
weggehe, denn wenn ich nicht weggehe, wird der Beistand nicht zu euch kommen;
wenn ich aber hingehe, werde ich ihn zu euch senden.“ (Johannes 16,5-7)
Die Jünger waren nicht nur traurig, sondern am Boden zerstört, weil Jesus ihnen
gesagt hatte, dass er sie verlassen würde. In ihre Traurigkeit hinein spricht Jesus
die erstaunlichen Worte, dass es für sie nützlich ist, dass er geht. Das Wort
bedeutet soviel wie 'letztendlich besser'. Inwiefern kann es für die Jünger besser
sein, dass Jesus geht? Er beantwortet auch diese Frage: „wenn ich nicht weggehe“,
sagt er, „wird der Beistand [der Heilige Geist] nicht zu euch kommen; wenn ich aber
hingehe, werde ich ihn zu euch senden“.
Ein Heiliger Geist, der die Jünger erfüllt, und durch sie wirkt, war Gott also lieber,
als ein auferstandener Jesus, der auf der Erde bleibt. Den Grund dafür sehen wir in
Johannes 14:
„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird auch die Werke
tun, die ich tue, und wird größere als diese tun, weil ich zum Vater gehe. Und was
ihr bitten werdet in meinem Namen, das werde ich tun, damit der Vater verherrlicht
werde im Sohn. Wenn ihr mich etwas bitten werdet in meinem Namen, so werde ich
es tun.“ (12-14)
Jesus kündigte seinen Jüngern an, dass sie (durch Gebet) größere Werke tun
würden, als er weil er zum Vater ging. Das Ziel von seiner Mission war es nicht,
eine Lücke zu hinterlassen, sondern sich zu vervielfältigen. Anstatt einem von Gott
bevollmächtigten Sohn Gottes sollte es unzählbar viele Kinder Gottes, eine neue
Gemeinschaft, geben. Abgesehen von den tatsächlich 'größeren' Wundern, von
denen die Apostelgeschichte berichtet, bekehrten sich durch den Dienst der Apostel
mehr Menschen aus aller Welt zu Jesus als durch ihn selbst – menschlich
gesprochen. Zu den größten Wundern zählt meiner Meinung nach auch, wenn wir
durch unser Miteinander Gottes Liebe zu sich selbst und zu uns zum Ausdruck
kommt.
Was ist damit gemeint, dass er jetzt 'zur Rechten des Vaters sitzt'?
Wie zu Anfang gesagt folgt der Himmelfahrt die Thronbesteigung. Jesus, der
auferstandene, verherrlichte Menschensohn ist in der Ewigkeit zur Rechten des Vaters.
Man redet davon, dass Gott, der Vater, im Himmel 'sitzt' bzw. 'thront' um seine Allmacht
und Regentschaft auszudrücken.
Der Vater thront im Himmel, er ist der höchste, ewige König, er regiert. Jesus kehrte
durch die Himmelfahrt zum Vater zurück, und sitzt nun zu seiner Rechten. Die
Rechte des Königs ist ein Ehrenplatz, den nur er selbst zuteilt wem er will. Der
rechte Platz des Königs ist dem Thronfolger vorbehalten. Außerdem ist die Rechte
Hand Symbol für Macht und Stärke. Gott hat Jesus erhöht, und Jesus regiert nun
wieder zusammen mit dem Vater, an der Seite es Vaters als Gottessohn.
Implikationen der Königsherrschaft Jesu
Was heißt diese Königsherrschaft Jesu praktisch für uns? Es gibt eine Menge an Punkten,
die man hier aufzählen und durcharbeiten könnte, aber ich will nur ein paar nennen:
Politik: Wie die Jünger Jesu die Königsherrschaft verstanden, wird im NT durch
verschiedene Aussagen klar. Während Paulus lehrte, die Obrigkeit als von Gott eingesetzt
zu betrachten (Römer 13), und Petrus aufforderte, den König zu ehren (1. Petrus 2,17),
sehen wir aber in einer Auseinandersetzung zwischen den Aposteln und israelitischen
Politikern eine entscheidende Einschränkung:
„»Haben wir euch nicht befohlen, nie wieder im Namen dieses Mannes zu lehren?«,
fragte der Hohe Priester. »Stattdessen habt ihr eure Lehre von Jesus in ganz
Jerusalem verbreitet und wollt uns die Schuld an seinem Tod geben!« Doch Petrus
und die Apostel entgegneten: »Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.
Der Gott unserer Vorfahren hat Jesus von den Toten auferweckt, den ihr getötet
habt, indem ihr ihn kreuzigen ließt. Nun hat Gott ihm als Herrscher und Erlöser den
Ehrenplatz zu seiner Rechten gegeben...“ (Apostelgeschichte 5,28-32; NLÜ)
Christen gehorchen grundsätzlich der Politik als von Gott eingesetzter Autorität –
damit gehorchen sie Gott. In allem sehen sie Gott als höchste Autorität, dem König
der Könige. D. h., wenn Gottes Anweisungen (zur Liebe, Gleichwertigkeit aller
Menschen, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Frieden, etc.) menschlichen Gesetzen
widersprechen, müssen wir Gott mehr gehorchen als den Menschen.
Für Christen gibt es keine Zweiteilung der Machtbereiche. Der ehemalige Präses
der evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Kock (wohnt in Niehl), schrieb:
„Es gibt keine Bereiche des Lebens, die nicht Jesus Christus, sondern anderen
Herren eigen wären. Die Heilige Schrift gibt uns nicht immer konkrete
Handlungsanweisungen. Aber ihr grundlegendes Christuszeugnis schließt dieses
ein: Glaube und öffentliches Leben dürfen nicht getrennt werden. Die Zweiteilung ist
keine angemessene Beschreibung des Verhältnisses von Staat und Kirche.
Auch deshalb, weil die Kirche ein weltliches Gebilde ist, dem die Strukturen der
Welt anzumerken sind.
In unserem demokratisch verfaßten Gesellschaftssystem spricht man gerne von der
Partnerschaft zwischen Kirche und Staat. Das ist wohl, wenn es um ein auf in
vernünftiger Weise geordnetes Verhältnis von Institutionen und Systemen geht,
auch eine passende Begrifflichkeit. Aber Gott und Kaiser sind keine Partner.
Gleichwertige Konkurrenz gibt es zwischen ihnen nicht. Gott ist grenzenlos. Die
irdische Macht, sei sie tyrannisch oder demokratisch oder irgend etwas dazwischen,
ist immer nur abgeleitet, ist immer begrenzt.“ (Manfred Kock)
Körper. „Was wurde in den Himmel erhoben, wenn nicht das, was von der Erde
genommen war?“ (Augustinus) „Er stieg auf, und ließ dabei nicht seine menschliche Natur
nicht wie ein nutzloses Stück Kleidung auf der Erde zurück, sondern trug sie mit sich,
untrennbar von ihm selbst.“ (Griechisch-Orthodoxer Katechismus)
Die Menschwerdung Gottes war schon ein klares Statement für Schöpfung und
Mensch. Aber die Himmelfahrt vollendet das Bild.
Wie ist dein Verhältnis zur Schöpfung? Zu deinem Mensch-Sein? Zu deinem
Körper? Das Evangelium sollte diese Bereiche verändern!
Vorbild. In der Offenbarung spricht Jesus: „Wer überwindet, dem werde ich geben, mit mir
auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwunden und mich mit meinem Vater auf
seinen Thron gesetzt habe.“ (3,21) Weil Jesus als Mensch für Gott lebte und starb, ist er
das ultimative Vorbild für jeden Gläubigen. Keiner war so gut und gerecht, hat so sehr
geliebt, und keiner wurde deswegen vom Bösen so gehasst. Trotzdem hat er seinen Lauf
zu Ende gelaufen. Verglichen mit ihm ist unser täglicher Kampf nichts. Wir können
überwinden, indem wir uns „ganz auf die himmlische Welt ausrichten, in der Christus ´auf
dem Ehrenplatz` an Gottes rechter Seite sitzt. (Kolosser 3,1)
Vertretung. Dass sich Jesus zur Rechten Gottes 'gesetzt' hat, spricht nicht nur von einer
Thronbesteigung – es war auch ein Bild aus dem hohepriesterlichen Dienst. Denn im
Heiligtum gab es keine Sitzgelegenheiten, weil der Dienst kein Ende hatte. Im Kontrast
dazu, hat Jesus als das abschließende und permanente Opfer, als der ultimative und
bleibende Mittler sich gesetzt, und repräsentiert uns Menschen jetzt vor seinem Vater.
Wenn ich mich also von Gott nicht verstanden oder mich von ihm getrennt fühle,
lügen meine Gefühle mich an. Jesus ist der beste und einzig würdige Vertreter.
Rebellion. Jesus ist der wahre König. Aber es gibt Wesen, die versuchen, ihn als König zu
ignorieren, bzw. in Konkurrenz mit ihm zu treten. Der Mensch, der sich selbst als König
sieht, lebt in Rebellion. Weil wir nicht allwissend, allweise oder allmächtig – kurz: nicht Gott
– sind, sind wir armselige und schlechte Thronräuber.
Wenn Christen davon sprechen, sich zu bekehren, meinen sie damit unter
anderem, dass man seine Rebellion zugibt und aufgibt, indem man Gott als
Autorität anerkennt und respektiert.
Wer ist dein König? Wem dienst du? Wem gehörst du? Wem gehorchst du? Der
Tag wird kommen, an dem jedes Knie sich beugt, und jeder zugeben wird, dass
Jesus König ist. Christ zu werden und zu sein bedeutet, sich darauf schon mal
einzustellen, und jetzt schon in der Realität zu leben.
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Seele and Geist
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