close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Gesunde Luft in den eigenen vier Wänden Was - Brandenburg.de

EinbettenHerunterladen
Landesgesundheitsamt Brandenburg - Dezernat 43 - 1998
Gesunde Luft in den eigenen vier Wänden
Was kann ich tun?
Informationsbroschüre
zur Vorbeugung und zum richtigen Verhalten
beim Auftreten von
Feuchteschäden, Schimmelpilzbefall und Innenraumschadstoffen
Hrsg.:
Land Brandenburg
Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Frauen
Redaktion: Landesgesundheitsamt Brandenburg
unter Beteiligung der Arbeitsgruppe Umwelthygiene
1999
1
Landesgesundheitsamt Brandenburg - Dezernat 43 - 1998
Inhalt
1
2
Einleitung
Problemdarstellung
2.1
2.2
Luftfeuchtigkeit und Schadstoffe - Bedeutung des Luftwechsels
Die Bedeutung von baulichen Mängeln
3
Maßnahmen zur Vermeidung von Feuchtschäden
S. 3
3.1
3.2
3.3
3.3.1
3.3.2
3.3.3
3.3.4
3.3.5
3.3.6
3.3.7
Bauliche Voraussetzungen
Richtige Raumnutzung
Raumlüftung
- wie ist es richtig?
Stoßlüftung oder Dauerlüftung
Wirkung des Windes
Besonderheiten im Sommer
Wie oft und wie lange lüften?
Lüften der Schlafräume
Feuchträume und weitere Besonderheiten
Weniger Heizen spart Energie?
S. 3
4
Maßnahmen bei Schimmelpilzbefall
S.10
5
Maßnahmen zur Verringerung chemischer Schadstoffe
im Innenraum
S.11
5.1
5.2
5.3
5.4
Formaldehyd
Lösemittel und Lösemittelersatzstoffe
Holzschutzmittel
Maßnahmen zur Staubbekämpfung
6.
Begriffserklärungen
S. 1
S. 2
S. 2
S. 3
S.
S.
S.
S.
S.
S.
S.
4
4
5
6
6
7
8
S. 8
S. 9
S.11
S.12
S.13
S.14
S.16
2
Landesgesundheitsamt Brandenburg - Dezernat 43 - 1998
1.
Einleitung
Über 90% der Tageszeit verbringen die Menschen durchschnittlich in Innenräumen.
Neben der Schutzfunktion von Gebäuden und den sozialen Aspekten des Wohnens sind die raumklimatischen
Verhältnisse und die Belastung der Innenraumluft mit Schadstoffen und Gerüchen für das menschliche
Wohlbefinden und die Gesundheit bedeutsam.
Wenn Bürger wegen umweltbedingter Probleme die Gesundheitsämter aufsuchen, stehen Innenraumfragen im
Vordergrund.
In erster Linie und mit zunehmender Tendenz handelt es sich dabei um Feuchtschäden* und
Schimmelpilzbefall. Außerdem werden häufig chemische Schadstoffe im Innenraum als Ursache von
gesundheitlichen Beschwerden angeschuldigt.
Leider muss festgestellt werden, dass die Betroffenen oft über keine ausreichenden Kenntnisse verfügen, wie
durch das eigene Verhalten den auftretenden Schadfaktoren begegnet werden kann.
Mit dieser Broschüre möchten wir helfen, durch richtiges Wohnverhalten der Entstehung von Feuchtschäden*
und der Belastung der Innenraumluft mit Schadstoffen vorzubeugen.
Folgende Schwerpunktaussagen werden in der Broschüre genauer erklärt.
Kernpunkt der bautechnischen Prophylaxe für Innenraumprobleme ist das
Vermeiden von Baumängeln und Bauschäden.
Ein behagliches gesundes Wohnen hängt vor allem vom richtigen Verhalten
des Wohnungsnutzers ab.
Die effektivste Maßnahme ist richtiges Lüftungsverhalten. In der Heizperiode ist
häufig, kurz und intensiv zu lüften.
Dadurch werden Feuchtigkeit und Schadstoffe abgeführt und ein angenehmes
Raumklima geschaffen.
Wegen der Vielzahl der auftretenden Schadfaktoren im Innenraum und der
möglichen gegenseitigen Wirkungsbeeinflussung gilt das Minimierungsgebot.
Durch gezielte Auswahl der Produkte und Einrichtungsgegenstände kann der
Verbraucher bereits Schadstoffquellen im Innenraum vermeiden.
Effektive Staubreduzierung schützt vor gesundheitlichen Nachteilen.
(Die mit * gekennzeichneten Begriffe sind im Anhang erklärt)
2.
Problemdarstellung
Die Einsparung von Energie ist ein ökologischer und ökonomischer Grundsatz, der u.a. durch die
Wärmeschutzverordnung umgesetzt wird.
Mit dem Ziel der Verringerung von Wärmeverlusten wurden sowohl die Wärmedämmung der baulichen Hülle
verbessert als auch durch dichtere Fenster und Türen der Luftwechsel* herabgesetzt. Deshalb kommt in vielen
Haushalten, vor allem in Neubauten und rekonstruierten Altbauten, dem gezielten Luftaustausch ein höherer
Stellenwert zu als früher.
Ist das Lüften nicht den Nutzungsbedingungen angepasst, sind Innenraumprobleme vorprogrammiert.
2.1.
Luftfeuchtigkeit und Schadstoffe - Bedeutung des Luftwechsels
Zwischen Raumklima* und Schadstoffbelastung besteht ein enger Zusammenhang, in dessen Mittelpunkt die
Raumluftfeuchte steht.
Einerseits wird in Abhängigkeit von der Temperatur ein bestimmter Luftfeuchtigkeitsbereich als behaglich
empfunden. Der optimale Bereich liegt bei Zimmertemperatur zwischen 30 und 65% relativer Luftfeuchtigkeit
und kann mit einem geeigneten Hygrometer gemessen werden. Es gibt individuelle Unterschiede im
3
Landesgesundheitsamt Brandenburg - Dezernat 43 - 1998
Behaglichkeitsempfinden, wobei allgemein bei höheren Temperaturen schon geringere Luftfeuchtigkeiten als
schwül empfunden werden. Sehr trockene Luft führt zu einem Austrocknen der Schleimhäute und wird daher als
unbehaglich empfunden.
Andererseits kann erhöhte Feuchtigkeit das vermehrte Austreten von Schadstoffen aus den Baumaterialien und
Einrichtungsgegenständen bewirken. Wenn sich Feuchtigkeit an kalten Oberflächen absetzen kann
(Taupunktunterschreitung), entstehen Feuchtschäden*, die Grundlage für das Wachstum von Schimmelpilzen*,
Bakterien und Milben sind.
Ein ausreichender Luftaustausch ist daher notwendig, um Schadstoffe und
Feuchtigkeit aus dem Innenraum abzuführen.
Früher bedeutsame Schadstoffquellen wie Öfen und Gasherde haben in ihrem Bestand abgenommen. Außerdem
hat sich die durchschnittliche Personendichte in den Wohnungen reduziert.
Deshalb wird heute ein Austausch der gesamten Raumluftmenge innerhalb von zwei Stunden (Luftwechselzahl*
= 0,5) als akzeptabel angesehen.
In Abhängigkeit von den konkreten Verhältnissen kann die notwendige Luftwechselzahl* allerdings deutlich
höher liegen, das Lüften muss entsprechend angepasst werden (siehe 3.3).
2.2
Die Bedeutung von baulichen Mängeln
Fehler bei der Herstellung oder Abdichtung der Bauwerkshülle bzw. bei den Maßnahmen der Wärmedämmung
können direkt oder indirekt (über Kondenswasserbildung* aus der Raumluft) zur Feuchtigkeitsaufnahme durch
die Bausubstanz führen. Die Folge sind auch hier Feuchtschäden*, Schimmelpilzbefall* und
Schadstoffprobleme im Innenraum. Außerdem verringert sich erheblich die Dämmwirkung durchfeuchteter
Baumaterialien. Baumängel* und Bauschäden* sind zu vermeiden bzw. zu beseitigen (siehe 3.1), da hierbei
durch Veränderungen im Wohn- und Lüftungsverhalten (siehe 3.2 und 3.3) allein dauerhaft keine Lösung
herbeizuführen ist.
3.
Maßnahmen zur Vermeidung von Feuchtschäden
Die wichtigste vorbeugende Maßnahme zur Verbesserung der
Innenraumluftqualität ist das Vermeiden baulicher und technischer Mängel.
Während der Nutzung steht richtiges Lüften im Vordergrund.
Zum richtigen Wohnverhalten gehört auch, vermeidbare Schadstoff- und
Feuchtquellen zu eliminieren.
3.1
Bauliche Voraussetzungen
Die baulichen Maßnahmen sind darauf gerichtet, Feuchtigkeit von außen (Schlagregen, Traufwasser), aus dem
Untergrund (aufsteigende Nässe) und von innen (Kondenswasser*) von der Bausubstanz fernzuhalten.
Für die Bildung von Kondensfeuchte spielt die Mauerwerkstemperatur an der Innenraumwand eine
entscheidende Rolle. Deshalb gehört auch die Wärmedämmung zu den bausubstanzschützenden Maßnahmen.
Bauliche Maßnahmen zum Schutz vor Feuchtschäden
- Vermeidung stehender Nässe und Abdichtung der Bausubstanz gegenüber
aufsteigender Nässe und Spritzwasser
- Wärmedämmung von außen
- Vermeidung von Wärmebrücken*, z.B. durch konsequentes Ausschäumen
der Hohlräume beim Einsetzen der Fenster und Türen
- funktionsfähige Dampfsperre zwischen Wärmedämmung und Innenraum,
4
Landesgesundheitsamt Brandenburg - Dezernat 43 - 1998
Möglichkeit der Hinterlüftung* der Innenwandverkleidung
- Verwendung von feuchtigkeitsregulierenden Materialien, z.B. Gips und Holz
(hohe Wasseraufnahmekapazität), innenraumseitig vor der Dampfsperre
- Vermeidung von Oberflächenversiegelung, z.B. Lackfarben, Velourtapeten,
besonders bei schlecht gedämmten Außenwänden
Da bereits bestehende bauliche Mängel nicht immer leicht zu erkennen sind, sollte beim Verdacht ein
Bausachverständiger zur Begutachtung herangezogen werden.
Ein Anschriftennachweis unabhängiger (vereidigter) Bausachverständiger (Bauphysiker) ist über die Industrieund Handelskammer (IHK) Potsdam erhältlich.
3.2
Richtige Raumnutzung
Die Kondenswasserbildung* kann auch dann auftreten, wenn gut isolierte Außenwände vom Luftstrom im
Innenraum ausgeschlossen werden, indem Vorbauten, Einbaumöbel o.ä. installiert werden oder Möbelstücke
zu dicht an den Wänden aufgestellt werden. Hierbei kann es zu nutzungsbedingten oder -mitbedingten
Feuchtschäden*, z.T. sogar zu sanierungsbedürftigen Bauschäden* kommen.
Vorbeugende Maßnahmen durch die Raumgestaltung
- Außenwände, insbesondere Außenecken, nicht durch Möbel (v.a.
Einbaumöbel) dicht verstellen
- bei der Nutzung dieser Wandflächen für Hinterlüftung* sorgen, z.B. durch
einen Abstand zur Wand, Verzicht auf Fußverblender bzw. Verwendung
geschlitzter Verblendleisten, keine Störung der Luftzirkulation durch
Stauraumnutzung (Lagerung von Kisten, Beuteln, Matratzen o.ä.)
- Vermeidung von Nischenbildungen, die der Zirkulation durch die
beheizte Luft nicht mehr zugänglich sind, z.B. durch schwere Vorhänge,
Raumteiler und dergleichen.
3.3
Raumlüftung - wie ist es richtig?
"Richtig" ist das den jeweiligen konkreten Verhältnissen angepasste Lüften.
Einflußgrößen auf den Lüftungsbedarf
- Jahreszeit und Wetter, v.a. Temperaturunterschiede innen/außen
- Geometrie der Wohnung, v.a. Anordnung der Fenster
- Alter und Zustand der Wohnung, v.a. Dichtigkeit der Fenster
- Höhe des Schadstoff- und Feuchteeintrags in den Innenraum
- Vorhandensein von Zu- und/oder Abluftschächten
oder raumlufttechnischen Anlagen*
3.3.1
Stoßlüftung oder Dauerlüftung
Der in der Luft enthaltene Wasserdampf (Luftfeuchte) und die Schadstoffe müssen abgeführt werden.
Eine Form ist die natürliche Infiltration* bei nicht sehr dichter Bauweise. Dem entspricht kontinuierliches
Lüften als Dauerlüftung*, z.B. über offene oder angekippte Fenster . Dadurch werden die
Schadstoffkonzentrationen zwar verringert, in der Heizperiode geht aber zugleich sehr viel Wärme und damit
Heizenergie verloren. Außerdem entstehen Zugluft und thermischer Diskomfort, da z.B. bestimmte Wand- und
Raumteile übermäßig auskühlen können. Bei falscher Anwendung im Winterhalbjahr besteht sogar die Gefahr,
dass die Fensterinnenleibungen durchfeuchten und sich Schimmelpilze ansiedeln. Deshalb:
Die Dauerlüftung ist der warmen Jahreszeit vorbehalten.
5
Landesgesundheitsamt Brandenburg - Dezernat 43 - 1998
In der Heizperiode ist es vorteilhafter, über Intervall- oder Stoßlüftung* einen schnellen Austausch der
gesamten Raumluftmenge durchzuführen, wobei die Wände und Gegenstände bedeutend weniger Wärme
verlieren. Damit werden die in der Raumluft enthaltenen Schadstoffe vollständig abgeführt, ohne dass viel
Energie verloren geht. Außerdem stellt sich schnell wieder ein komfortables Raumklima ein. Die erwärmte Luft
erhält dabei schnell die Möglichkeit, gespeicherte Feuchtigkeit aus den Gegenständen (z.B. Gipskartonwände,
Bettzeug) aufzunehmen, die später durch eine erneute Stoßlüftung abgeführt werden kann.
Die Heizungsventile sollten während des Lüftungsvorgangs geschlossen werden.
Bei sehr großen Temperaturunterschieden zwischen der Innenraum- und der Außenluft kann sehr häufige
Stoßlüftung dazu führen, dass die Raumluftfeuchte kurzzeitig unter den optimalen Bereich absinkt (siehe 2.1).
3.3.2
Wirkung des Windes
Die Stoßlüftung ist am intensivsten, wenn Querlüftung (Durchzug) möglich ist.
Bei der Querlüftung* wird der Winddruck zum Luftaustausch genutzt und die Lüftungsdauer kann reduziert
werden.
Bei der Stoßlüftung über einseitig vorhandene Fenster erfolgt der Luftaustausch vor allem aufgrund
unterschiedlicher Temperaturen: einströmende Kaltluft fällt im Raum nach unten und drückt die leichtere
Warmluft oben aus der Fensteröffnung.
Die Effektivität der Stoßlüftung ist umso größer, je größer der
Temperaturunterschied innen/außen ist.
Bei Häusern mit großer Fassadenfläche kann es bei starkem Wind vorkommen, dass aufgrund des Unterdruckes
auf der windabgewandten Seite (Lee-Seite) Luft aus anderen Räumen, z.B. Kellerräumen oder Garagen, aber
auch durch die Abluftschächte der Feuchträume angesaugt wird und in den Innenraum gelangt.
In diesem Falle ist Querlüftung* (Durchzug) vorzuziehen bzw. sollten andere Fassadenseiten (Luv-Seite) zur
Lüftung genutzt werden. Ansonsten sind zumindest die Türen innerhalb der Wohnung geschlossen zu halten.
3.3.3
Besonderheiten im Sommer
Im Sommer muss wegen des geringeren Temperaturunterschiedes innen/außen länger gelüftet werden. Da es
dabei nicht auf Energieverluste wie im Winter ankommt, ist die Dauerlüftung* vorzuziehen (siehe 3.3.1).
Der Luftaustausch ist im Sommer bei Windstille und relativ hohen Temperaturen erschwert, besonders bei
feuchtwarmer Witterung.
Auf die Lüftung kühlerer Räume, z.B. Keller, Kammern, Schächte o.ä., sollte unter diesen Bedingungen
verzichtet werden, da sich die höhere Feuchtigkeit der warmen Luft an den kälteren Wänden niederschlägt
(siehe Taupunkt*) und unerwünscht zusätzliche Feuchte ins Gebäudeinnere transportiert wird.
Die höchste Lüftungseffektivität wird im Sommer in den frühen Morgenstunden
erreicht, wenn die niedrigste Außentemperatur herrscht.
3.3.4
Wie oft und wie lange lüften?
Normalerweise sollte die Stoßlüftung* in der Heizperiode mindestens
3-4x täglich durchgeführt werden.
Berufstätigen wird empfohlen, morgens bereits 1-2 Stoßlüftungen durchzuführen und am Abend nochmals 2-3
Stoßlüftungen zu realisieren.
Die Dauer der Stoßlüftung hängt von den Bedingungen ab und beläuft sich durchschnittlich auf 5 bis 15
Minuten.
Bei Querlüftung und guter Zirkulation reichen 3-5 min zum Luftaustausch. Bei starker Temperaturdifferenz
zwischen innen und außen reichen auch bei Lüftung über nur eine Fassadenseite einige Minuten. Bei geringen
Temperaturunterschieden und wenig Luftbewegung wird die Stoßlüftung uneffektiver, die Lüftungsdauer
verlängert sich.
Wenn mehr Feuchtigkeit oder Schadstoffe in die Innenraumluft gelangen als üblich, muss der Luftwechsel, also
auch die Häufigkeit der Stoßlüftungen, höher sein.
Gründe für einen erhöhten Lüftungsbedarf
6
Landesgesundheitsamt Brandenburg - Dezernat 43 - 1998
- besonders kleine Räume
- hohe Personenanzahl im Raum (z.B. Tagungsräume, Klassenzimmer)
- längere Verweildauer ohne Lüftung (z.B. Schlafraum)
- vermehrte Feuchtigkeit durch:
- Waschen, Duschen, Kochen, Trocknen o.ä.
- Sport- und Fitnessübungen, Heimsauna
- Vorhandensein spezifischer Schadstoffquellen im Innenraum, z.B.:
- beim Rauchen
- bei Benutzung von Öfen, Kaminfeuer, Gasherden, Kerzen
- bei Benutzung von Lösemitteln im Hobbybereich
- bei Verwendung von Haushaltschemikalien und Kosmetika
- Zustand nach Neubau oder Rekonstruktion (Sanierung*)
- nach Wasseraustritt (z.B. Havarien an wasserführenden Systemen)
- während und unmittelbar nach Renovierungsarbeiten*
- Anschaffung neuer Einrichtungsgegenstände, Änderung der Raumausstattung
- Vorhandensein von Baumängeln mit Feuchtigkeit in der Bausubstanz bis
zu deren Beseitigung
Nach kurzzeitiger Belastung durch die Benutzung von Chemikalien, durch
Kochen oder Duschen, ist der entsprechende Raum bereits während bzw.
unmittelbar nach der entsprechenden Nutzung zu lüften, ggf. mehrmals in
kurzen Abständen.
Bei längerdauernder Belastung durch Renovierung oder Anschaffung von
Einrichtungsgegenständen (z.B. Teppichboden) ist über einen längeren
Zeitraum häufiger zu lüften (siehe 5).
3.3.5
Lüftung in Schlafräumen
Ein besonderes Problem besteht darin, dass die in der Nacht abgegebene Feuchtigkeit in Bettzeug und Matratzen
gespeichert werden kann. Da außerdem immer Hautschüppchen des Menschen als Nahrung vorhanden sind, ist
eine gute Vermehrung der Hausstaubmilben möglich, die als Allergieauslöser bekannt sind.
Der Zuwachs an Milben ist vom Feuchtigkeitsgehalt und der Temperatur abhängig. Er wird unterbunden, wenn
die Betten die aufgenommene Feuchtigkeit gut wieder abgeben können. Das schnelle "Bettenmachen" am
Morgen führt dazu, dass noch über längere Zeit Feuchtigkeit gespeichert wird, was die Milbenentwicklung
begünstigt.
Verhaltensregeln für Schlafräume
- Betten vor der Lüftung am Morgen aufschlagen
- Matratzen möglichst über den gesamten Tag nicht abdecken
- Lattenrost bzw. Unterlage sollte die Durchlüftung der Matratzen zulassen
(keine Platte, keine Stauraumnutzung unter dem Bett, siehe Hinterlüftung*)
- Bettzeug nicht sofort verstauen
- abgesenkte Raumtemperatur vermindert die Effektivität der Stoßlüftungen,
daher möglichst vor dem Lüften aufheizen und erst nach dem letzten Lüften
die Raumtemperatur wieder absenken
- für kühler gehaltene Räume wie Schlafzimmer gilt besonders, auf die
Möglichkeit der Hinterlüftung von Möbeln an Außenwänden zu achten
3.3.6
Feuchträume und weitere Besonderheiten
In Bädern und Küchen ist die effektive Ableitung von Feuchtigkeit wegen folgender Besonderheiten wichtig:
- schneller Anfall großer Feuchtigkeitsmengen
- versiegelte Oberflächen (Fliesen, Kacheln, Farbanstriche), daher kaum freie
feuchtigkeitsregulierende Materialien (z.B. Gips, Holz, Mauerwerk)
Verhaltensregeln für Feuchträume
- während des Duschens, Badens oder Kochens die Türen geschlossen halten
7
Landesgesundheitsamt Brandenburg - Dezernat 43 - 1998
- Feuchtraum zunächst bei geschlossenen Türen separat lüften
- wenn möglich (z.B. Küche mit Fenster), bereits während des Vorgangs lüften
- ansonsten unmittelbar nach dem Vorgang (z.B. Badzelle) mit weit geöffnetem
Fenster lüften
- bei innenliegenden Räumen (ohne Fenster) Lüftungsöffnungen zum
Abluftschacht und Türlüftungsschlitze / -gitter nicht verschließen oder
verstopfen und sauberhalten, damit die Feuchtigkeit (auch bei
geschlossener Tür) kontinuierlich abgeführt werden kann
- Kaltwasserleitungen sollten gedämmt sein
Angekippte Fenster, z.B. beim Trocknen von Wäsche, führen zum Auskühlen des Raumes und der Innenwände.
Da die Zwischenwände zu den Nachbarräumen der Wohnung im Vergleich zu Außenwänden schlecht oder
nicht wärmegedämmt sind und auch keine Dampfsperre enthalten, kann eine solche kalte Innenwand vom
Nebenraum aus betrachtet zu einer ungedämmten Außenwand werden (Wärmebrücke*).
Die Folge kann Feuchtigkeitsniederschlag wohnraumseitig sein, insbesondere, wenn die Wand mit Möbeln
verstellt ist, ohne auf Hinterlüftung* zu achten.
Dasselbe kann auch für andere Innenwände gelten, z.B. zwischen Wohnung und kühlerem Treppenhaus (an den
Plattenstößen bei Plattenbauten), zu Speise- oder Abstellkammern, Dach- oder Kellergeschossen (ungedämmte
Geschoßdecken).
Als Regel gilt, einen Temperaturunterschied zwischen den Räumen von 4 Grad
nicht zu überschreiten.
Auch bei Abwesenheit sollten die Räume im Winter weiter beheizt bleiben, um
zu große Temperaturunterschiede zur Nachbarwohnung hin zu vermeiden.
Raumlufttechnische Anlagen* (Klimaanlagen), aber auch Raumluftbefeuchter, sind fachgerecht zu warten, da
anderenfalls gerade dort durch Staub und Feuchtigkeit Schimmel und Schadstoffe gebildet und in die Raumluft
abgegeben werden können.
3.3.7
Weniger Heizen spart Energie?
Berechnungen des Verbrauchs an Heizenergie haben ergeben, dass Temperaturabsenkungen nachts oder
tagsüber bei Abwesenheit nicht zu einem Spareffekt führen.
Deshalb wird empfohlen die Temperatur in Wohnräumen ständig bei etwa 200C zu halten.
4.
Maßnahmen bei Schimmelpilzbefall
Sehr eng mit Feuchtschäden* verbunden ist das Problem der Schimmelbildung*.
Um Schimmelbefall im Innenraum zu vermeiden, ist es wichtig, die Wohnung
trocken zu halten und feuchte Stellen zu beseitigen.
Schwarze Ecken sind nicht nur ein ästhetisches Problem.
Schimmmelpilze können je nach der individuellen Empfindlichkeit zu gesundheitlichen Beschwerden führen,
z.B. Geruchsbelästigungen, Kopfschmerzen, Reizungen der Augen und Atemwege sowie zu Allergien. Deshalb:
Jede Schimmelbildung im Innenraum ist unerwünscht und zu beseitigen.
Da Schimmelpilze an das Nahrungsangebot keine besonderen Ansprüche entwickeln, gilt, dass jedes feuchte
Substrat für ihre Vermehrung geeignet ist.
Typische Stellen für Schimmelpilzwachstum
- durchfeuchtete Baumaterialien (Mauerwerk, Dämmung, Verkleidungen u.a.).
8
Landesgesundheitsamt Brandenburg - Dezernat 43 - 1998
- Stellen mit Wärmebrücken* oder starker Feuchtebildung:
- Außenecken, Außenwände
- um Fenster- und Türrahmen
- Fugen der Feuchträume, über Kaltwasserrohren
- hinter Verkleidungen von Wänden oder Fußböden
- in schlecht gedämmten Kellerräumen, Dachgeschossen (auch durch
schadhafte Wärmedämmung wegen fehlerhafter Dampfsperre)
- feuchte Gebrauchsgegenstände (Obst, Lagergemüse, Blumentopferde,
Hydrokultursubstrate, Tierstreu, Papier, Schuhwerk u.a.)
- Abfallbehälter, insbesondere von Küchenabfällen
Ist bereits Schimmelbefall aufgetreten, sollte zunächst die Ursache herausgefunden und beseitigt werden. Häufig
ist anhand der Lokalisation der Schimmelbildung bereits festzustellen, ob es sich um einen baulichen Mangel*
oder um eine fehlerhafte Nutzung handelt. Oft ist diese Unterscheidung nicht leicht zu treffen, da mehrere
Faktoren zusammenkommen.
In diesen Fällen ist es sinnvoll, den Rat von Fachleuten einzuholen.
Ein Anschriftenverzeichnis unabhängiger (vereidigter) Bausachverständiger
(Bauphysiker) ist über die Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam
erhältlich.
Ist die Ursache für den Feuchtschaden* beseitigt, muss eine Austrocknung der befallenen Stellen herbeigeführt
werden.
Befallene Materialien sind zu entfernen. Empfohlen wird, kleinere Stellen mit Alkohol oder Essigwasser
abzureiben. Damit werden die Schimmelsporen, die stets an der Oberfläche gebildet werden, entfernt, bevor
diese in die Raumluft gelangen und auch die Pilzfäden oberflächlich abgetötet.
Bei der Schimmelentfernung größeren Ausmaßes, z.B. Tapeten, Putz, wird empfohlen, die Atemwege vor Staub
zu schützen (siehe 5.3.2) und auf gute Lüftung zu achten.
Chemische Bekämpfungsmittel (Fungizide*) gehören nicht in den Innenraum.
Sie sind gesundheitlich nicht unbedenklich und wirken meist nur begrenzte Zeit. Daher tritt der Schimmelbefall
ohnehin wieder auf, wenn die Ursache (Feuchtigkeit) nicht beseitigt wird.
5.
Maßnahmen zur Verringerung chemischer Schadstoffe im Innenraum
Neben den Auswirkungen durch Feuchtigkeit im Innenraum über Raumklima, Schimmelbildung und
Milbenvermehrung werden gesundheitliche Beschwerden relativ häufig auf bestimmte chemische Schadstoffe
im Innenraum zurückgeführt.
Die einzelnen Substanzen können sehr verschiedenen Stoffgruppen angehören und aus unterschiedlichen
Quellen stammen.
Hauptmaßnahme für eine Verringerung bereits vorhandener Luftschadstoffe ist
regelmäßiges und richtiges Lüften (siehe 3.3).
5.1
Formaldehyd
Hauptquelle für Formaldehyd im Innenraum ist das Rauchen.
Wegen seiner vielseitigen Verwendung in Produkten des täglichen Bedarfs und der Häufigkeit des Einsatzes im
Innenraum steht Formaldehyd nach wie vor an der Spitze der Schadstoffe, die gesundheitliche Beschwerden
verursachen.
Diese reichen von Geruchsbelästigungen über Reizungen der Augen und der Atemwege bis hin zu
Kopfschmerzen und Übelkeit. Dabei ist das Ausmaß der Beschwerden sowohl von der Raumluftkonzentration
als auch von der individuellen Empfindlichkeit abhängig. Außerdem ist bekannt, dass Formaldehyd zu
allergischen Reaktionen führen kann.
Die meisten der auftretenden Beschwerden sind unspezifisch, das heißt, dass sie auch von anderen Schadstoffen
ausgelöst werden können, die ebenfalls aus Baumaterialien und Ausstattungsgegenständen abgegeben werden.
9
Landesgesundheitsamt Brandenburg - Dezernat 43 - 1998
In der Regel sind es auch Stoffgemische, die gemeinsam erst die gesundheitlichen Beschwerden auslösen.
Aus diesen Gründen gilt das Minimierungsgebot*. Das bedeutet, vor allem schadstoff- oder emissionsarme*
Materialien im Innenraum zu verwenden. Außerdem sind emissionsfördernde* raumklimatische Bedingungen
wie hohe Temperatur und Luftfeuchte zu vermeiden.
Empfehlungen zur Verringerung der Formaldehydbelastung
- auf Rauchen innerhalb der Wohnung verzichten
- Baustoffe und Materialien, die Kontakt zum Innenraum haben, sollten
formaldehydfrei sein
- Möbel und Materialien aus Presspanerzeugnissen sollten im Innenraum
generell mindestens aus sog. E1-Spanplatten* hergestellt, möglichst aber
formaldehydfrei sein
- diese sollten keine unversiegelten Flächen oder Kanten (keine Umleimung)
aufweisen, auch nicht auf der Rückseite oder innen (z.B. Einlegeböden)
- vor der Anschaffung Informationen über die Zusammensetzung eines
Produktes beim Verkäufer oder Hersteller einholen, ggf. auch gezielt nach
Formaldehyd fragen
- bei Verdacht auf Formaldehydbelastung den angeschuldigten Gegenstand
vorübergehend entfernen, oft wird dadurch eine andere, vorher nicht bedachte
Quelle erkannt
- Vermeidung dauerhaft hoher Temperaturen und erhöhter Luftfeuchte - die
Abgabe von Formaldehyd wird (auch noch nach Jahren) durch diese Faktoren
begünstigt
5.2
Lösemittel und Lösemittelersatzstoffe
Wie Formaldehyd können auch andere Stoffe, insbesondere aus Kunststoffen, lange Zeit, unter Umständen über
die gesamte Lebensdauer des Produktes an die Raumluft abgegeben werden. Hier besteht ebenfalls häufig eine
Temperatur- und Feuchtigkeitsabhängigkeit, somit stellt richtiges Heiz- und Lüftungsverhalten die effektivste
Gegenmaßnahme dar.
Gelegentlich werden durch die angeschafften Produkte wesentlich mehr Schadstoffe abgegeben als üblich und
für den Verbraucher erträglich. Da trotz einer Produkthaftung durch Hersteller und Händler die Beweislast
zunächst beim Kunden liegt, sind Aufwand und Nutzen eines eventuellen Rechtsstreites, beginnend mit teuren
Gutachten bzw. Messungen, gegenüber einem Nutzungsverzicht abzuwägen.
Lösemittel**
Leicht flüchtige Stoffe treten vor allem als Lösemittel, z.B. in Farben, Lacken,
Dichtungsmassen und Klebern, in Erscheinung. Ein Nachteil leicht flüchtiger
Stoffe besteht darin, dass erhöhte Raumluftkonzentrationen während und nach
Renovierungen, Rekonstruktion, Neuinstallationen und Bastelarbeiten relativ
schnell erreicht werden.
Die effektivste Gegenmaßnahme ist der Luftaustausch möglichst schon
während der Maßnahme. Im Gegensatz zu Formaldehyd führen hier höhere
häufiges Lüften über kurze Zeit zur gewünschten Abgabe
der Lösemittel, so dass die Belastungsdauer insgesamt verkürzt werden kann.
Temperaturen und
Wegen der Möglichkeit des Auftretens gesundheitlicher Beschwerden durch hohe Lösemittelkonzentrationen
werden Lösemittel in Produkten für die Innenraumanwendung zunehmend durch weniger flüchtige Ersatzstoffe
ausgetauscht.
Lösemittelersatzstoffe*
Die Palette der lösemittelarmen* und lösemittelfreien* Produkte ist vielfältig.
Von Vorteil ist, dass sich schädliche Konzentrationen langsamer aufbauen und
akute Wirkungen viel seltener auftreten.
Nachteil ist, dass die Durchtrocknung erheblich länger dauern kann. Daher muss
teilweise auch noch nach Monaten entsprechend häufiger gelüftet werden.
10
Landesgesundheitsamt Brandenburg - Dezernat 43 - 1998
Da die Gerüche noch erhebliche Zeit nach dem Einsatz wahrgenommen
werden, können empfindliche Personen länger an gesundheitlichen
Beschwerden leiden.
In Produkten auf Wasserbasis sind entsprechend weniger Lösemittel und
Lösemittelersatzstoffe enthalten. Flüssige Fertigprodukte können allerdings
Konservierungsstoffe enthalten. Produkte in fester Form zum Anrühren mit
Wasser sind am wenigsten bedenklich.
5.3
Holzschutzmittel
Schwer flüchtige Stoffe werden von Produkten nur sehr langsam in die Raumluft abgegeben, verbleiben also
lange im oder am Produkt oder reichern sich in anderen Einrichtungsgegenständen und Materialien an. Da sie
noch nach Jahren oder Jahrzehnten nachgewiesen werden können, bezeichnet man sie auch als persistente
Verbindungen.
Sie werden eingesetzt, um bestimmte Produkteigenschaften über lange Zeit zu erhalten oder Produkte haltbarer
zu machen.
Einige, inzwischen als gesundheitlich bedenklich erkannte Stoffe können wegen ihrer Persistenz als Altlasten in
Innenräumen auftreten, z.B. bestimmte Holzschutzmittel.
Als Wirkstoffe wurden früher hauptsächlich Pentachlorphenol (PCP) zur Pilzbekämpfung sowie DDT (neue
Bundesländer) und Lindan zum Insektenschutz eingesetzt.
Holzschutzmittel sind in Innenräumen normalerweise gar nicht notwendig. Sie werden durch konstruktive
Maßnahmen überflüssig. Für Schutzanstriche auf Holzmaterialien genügen lösemittelarme Wachse, Lasuren
oder Lacke. Müssen Holzschutzmittel unerläßlicherweise zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden (z.B. in
Dachstühlen), werden kurzzeitig wirksame Mittel bevorzugt.
Holzschutzmittel gehören nicht in den Innenraum.
Die Gefährdung durch schwer flüchtige Stoffe steht im Zusammenhang mit der langen Einwirkdauer und der
möglichen Anreicherung im Organismus, akute Symptome wie bei Lösemitteln treten nicht auf.
In den Organismus gelangen diese Stoffe vor allem mit dem eingeatmeten Staub, da sie sich überwiegend an
Materialien anlagern und nicht frei in der Raumluft auftreten.
Die regelmäßige schonende Entfernung des Staubes ist die effektivste
Maßnahme, um sich vor der Aufnahme schwer flüchtiger Stoffe aus dem
Innenraum zu schützen (siehe 5.4).
5.4
Maßnahmen zur Staubbekämpfung
Hinweise zur Staubverringerung und zum Schutz vor Staub
- feuchtes Wischen, sofern möglich, ist dem trockenen Wischen oder
Staubsaugen vorzuziehen
- moderne Staubsauger besitzen Mikrofilter, um den Feinstaub*
zurückzuhalten und nicht noch zusätzlich aufzuwirbeln (einatembar)
- Mikrofilter und Staubsaugerbeutel häufig wechseln, vor allem nach längerem
Stillstand. Schimmelpilze, Bakterien und Milben, die sich im Beutelinhalt
vermehrt haben bzw. ihre Stoffwechselprodukte belasten sonst die Raumluft
(besonders wichtig für Allergiker)
- Staubsauger häufig zwischendurch ausschalten (z.B. nach jedem Zimmer), um
eine Erwärmung und damit Ablösung der Schadstoffe von den Staubpartikeln
zu verhindern
- bei stauberzeugenden Arbeiten wie Bohren und Schleifen den Staub bereits
an der Quelle entfernen (Zusatzgeräte), Atemschutz verwenden
- bei Bau- und Renovierungsarbeiten feuchtes Arbeiten vorziehen, ggf.
Atemschutz (einfache Maske oft ausreichend) benutzen
11
Landesgesundheitsamt Brandenburg - Dezernat 43 - 1998
- bei Einbau oder Entfernung (auch Abriss) faserhaltiger Materialien
(Dämmstoffe) Atemschutz verwenden, Reste absaugen, danach feucht
wischen
- zum Umgang mit asbesthaltigen Materialien und zu seiner Entsorgung ist
gesetzlich vorgeschrieben, dass dies nur durch autorisierte Fachfirmen
erfolgen darf (Genehmigung zeigen lassen)
6.
Begriffserklärungen
Befindlichkeitsstörungen
subjektiv empfundene Symptome mit Einschränkungen des
Allgemeinbefindens, die für sich betrachtet noch keine
medizinische Diagnose erlauben, da sie sowohl bei
unterschiedlichen Krankheiten auftreten können als auch ohne
eigentlichen Krankheitswert.
Baumangel
Fehler in der Bauausführung, die zu Funktionseinschränkungen und
Bauschäden führen können
Bauschaden
Funktionseinschränkung oder -verlust von Teilen der baulichen
Hülle, die sowohl infolge von Baufehlern als auch nutzungsbedingt
auftreten können
Dauerlüftung
Lüftung über Fenster / Türen, bei der über längere Zeit ein
ununterbrochener Luftaustausch mit der
Umgebung stattfindet
Emission
Abgabe von Stoffen an die Umgebungsluft
E1-Spanplatten
Preßspanplatten mit formaldehydhaltigem Bindemittel, aus denen
unter definierten Prüfkammerbedingungen nicht mehr als 0,1 ppm
bzw 0,12 mg/m3 als Formaldehyd-Luftkonzentration entstehen.
Materialien mit höheren Formaldehydabgaben sind für den
Innenraum ungeeignet
Feuchteschaden
Funktionseinschränkung von Teilen der Gebäudehülle durch die Folgen
erhöhter Wasseraufnahme, z.B. infolge von Wasseraufnahme aus
dem Untergrund, bei Havarien oder Kondenswasserbildung durch
Taupunktunterschreitungen
Hinterlüftung
Luftzirkulation zwischen Teilen der Gebäudehülle, z.B. zwischen
Dämmung und Mauerwerk, sowie zwischen Gebäudehülle und
Einrichtungsgegenständen, z.B. zwischen Wand und Schrank
Infiltration
Luftaustausch über Undichtigkeiten wie Fugenritzen, Fenster- und
Türrahmen (natürlicher Luftwechsel)
Kondenswasser
Bei Überschreitung der maximalen Wasseraufnahmefähigkeit der
Luft (100% rel. Luftfeuchtigkeit), z.B. durch deren Abkühlung
unter den Taupunkt, wird der enthaltene Wasserdampf wieder
flüssig, es bildet sich Nebel bzw. das Wasser setzt sich an oder in
Materialien ab
Lösemittel
leicht flüchtige organische Stoffe mit einem Siedepunkt unterhalb
20oC
12
Landesgesundheitsamt Brandenburg - Dezernat 43 - 1998
lösemittelarm
Substanzgemisch mit geringem Lösemittelanteil, je nach Definition
max. 5% bzw. max. 1%
Lösemittelersatzstoff
Stoffe mit einem Siedepunkt oberhalb 20oC, die im
Substanzgemisch die Funktion eines Lösemittels übernehmen
lösemittelfrei
Substanzgemisch mit sehr geringem Lösemittelanteil, nach
Definition unter 0,01%
Luftwechselzahl
Häufigkeit des Austausches der Raumluftmenge in einer Stunde
(z.B. LWZ= 0,5: Austausch der halben Raumluftmenge je Stunde)
Feinstaub
Staubpartikel, die kleiner als 1/500 bis 1/1000 mm (<1-2µm) groß
sind, können bis in die Lungenbläschen gelangen
Fungizid
chemisches Pilzbekämpfungsmittel
Minimierungsgebot
Grundsatz, nach dem der/die Schadfaktor/en mit vertretbarem
Aufwand, bzw. nach dem Stand der Technik, zu verringern sind.
natürlicher Luftwechsel
siehe Infiltration
Querlüftung
Lüftung durch gleichzeitiges Öffnen von Fenstern oder Türen an
verschiedenen Gebäudeseiten (Durchzug)
Raumklima
durch physikalische Faktoren (Temperatur, Luftfeuchtigkeit,
Luftströmungsgeschwindigkeit und Wärmestrahlung)
charakterisierter Gesamtzustand des Innenraumes
raumlufttechnische Anlage
durch technische Geräte erzwungener Luftaustausch (Zu- und/oder
Abluft), Einflussnahme auf die Temperatur (Heizung, Kühlung) und
Luftfeuchtigkeit sowie den Staubgehalt (Filter) kann möglich sein
Renovierung
Erneuerung der innenraumseitigen Gebäudeoberflächen wie Ersatz
von Tapeten, Anstrichen, Verkleidungen, textilen Belägen o.ä.
Schimmel(pilze)
Gruppe niederer Pflanzen ohne Blattgrün (Pilze), die mit Pilzfäden
(Myzel) in unterschiedlichen Materialien wachsen können und an
der Oberfläche als "Schimmel" sichtbare Anhäufungen von
mikroskopischen Fruchtkörpern bilden, aus denen die Sporen in die
Raumluft freigesetzt werden. Schimmelpilzbefall ist vor allem vom
Wassergehalt der Materialien abhängig.
Sanierung
Erneuerung von Teilen der festen Bauhülle und/oder der sanitären
Anlagen mit dem Ziel der Funktionsverbesserung (Wohnstandard,
Wärmeschutz, Beseitigung von Baumängeln und Bauschäden)
Stoßlüftung
kurzer und intensiver Lüftungsvorgang durch weites Öffnen von
Fenster(n) oder Tür(en) von einigen Minuten Dauer
Taupunkt
Temperaturwert, bei dem die in der Luft enthaltene Feuchtigkeit der
Wasseraufnahmekapazität entspricht (100%ige
Wasserdampfsättigung). Die Unterschreitung des Taupunktes führt
dazu, dass der nicht mehr zu speichernde Wasserdampf in flüssiger
Form abgeschieden wird, z.B. als Nebel oder an Oberflächen als
Tau oder Reif, Innenwände können feucht werden
13
Landesgesundheitsamt Brandenburg - Dezernat 43 - 1998
Wärmebrücke
Orte der Bauhülle, an denen ein vermehrter Wärmeaustausch mit
der Umgebung stattfindet, oft infolge mangelnder oder beschädigter
Wärmedämmung (da diese Stellen im Innenraum kälter sind,
werden Wärmebrücken fälschlich auch als "Kältebrücken"
bezeichnet)
14
Document
Kategorie
Gesundheitswesen
Seitenansichten
10
Dateigröße
53 KB
Tags
1/--Seiten
melden