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Interview mit Erik Bettermann DW-Zukunft – nur einer weiß, was drin

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Magazin der Gewerkschaft ver.di
Verband Deutsche Welle
KÖLN /BERLIN
IM
DEZEMBER 2001
DW-Zukunft –
nur einer weiß,
was drin ist …,
aber auch zu
Weihnachten
wird nichts
verraten.
Interview mit Erik Bettermann
RÜCKBLICK
UND
AUSBLICK
Liebe Kolleginnen,
liebe Kollegen,
es ist Zeit innezuhalten. Zeit für einen Rückblick, einen Einblick, Ausblicke.
2001, ein Jahr, dass so unruhig
begann, wie 2000 geendet hatte. Die
Intendanten der ARD hatten sich in ihr
Junktim verbissen: Gehaltserhöhung
nur bei Eingriff in die Altersversorgung. Punktum. Macht gegen Vernunft. Eine schlechte Entscheidung.
ten Stufe nicht gehen. Es gab Planungen. Und bei weiteren Streiks wäre es
nicht auszuschließen gewesen. Aber
dazu kam es nicht. Denn nach und
nach unterschrieben die Intendanten
die Gehaltstarifverträge. Vernunft statt
Macht.
„Finger weg von der
Altersversorgung –
Gehaltserhöhung jetzt!“
Nur der Verwaltungsdirektor der
DW kleckerte hinterher. Zusammen
mit seinem Kollegen vom SFB. Letzterer unterschrieb den Vertrag noch
später.
So lautete unsere Antwort. Wissend, dass die Riester-Rente die Altersversorgung für die Beschäftigten,
die nach dem 1.4.1993 eingestellt
worden sind, gravierend verschlechtert, schlossen wir bundesweite Gespräche nicht aus. Aber keinesfalls in
Verbindung mit der Gehaltstarifverhandlung.
Die Intendanten wollten den direkten Konflikt. Es kam zu Streiks. ARDweit. Etwas Einmaliges geschah: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vieler
ARD-Sendeanstalten und des ZDF,
legten zeitgleich die Arbeit nieder und
taten so ihren Unmut kund.
Die Entscheidung, auch hier in der
DW Streiks auszurufen, fiel nicht
leicht. Schon darum nicht, weil nur ein
Jahr zuvor Redaktionen geschlossen
oder nach Berlin verlagert worden
waren. Änderungskündigungen und
betriebsbedingte Kündigungen für
Feste wurden verschickt, Beendigungskündigungen an viele Freie.
Kolleginnen und Kollegen waren
verunsichert, verängstigt. 80 Millionen
DM, sozusagen über Nacht aus dem
Etat gestrichen, hinterlassen Spuren.
Nicht nur in der Unternehmensstruktur, sondern auch und gerade bei den
Menschen, bei jedem einzelnen. Wir
haben uns dennoch an den Streiks
beteiligt. Sie, Kolleginnen und Kollegen, sind auf uns zugekommen,
haben gesagt: „Wir lassen uns nicht
erpressen!“ Und wir haben uns unten
vor dem Haupteingang bei eisigem
Wind zu Streiks zusammengefunden.
Nein, Sendungen sind nicht ausgefallen. Soweit wollten wir in der ers2
Diese Auseinandersetzung haben
wir alle gemeinsam gewonnen. Jede
und jeder einzelne, die oder der am
Streik teilgenommen hat, hat sein
Recht für sich erkämpft, persönlich erkämpft. Und hat damit der Geschäftsleitung gezeigt, dass sie jetzt und
auch in Zukunft nicht darauf setzen
kann und sollte, dass die Beschäftigten wie schattengleiche Wesen geduckt durchs Haus huschen und nur
Ja und Amen sagen.
Verbesserungen bei der
Altersversorgung für die
„Jungen“: JA!
Verschlechterungen für die
„Alten“: NEIN!
Nach Abschluss der Tarifverträge
fanden die ersten Gespräche zur
Altersversorgung statt. Teilnehmer
waren Geschäftsleitungsvertreter der
ARD und des ZDF einerseits und Vertreter von ver.di und des DJV andererseits (wir haben für unseren Betriebsverband Ludwig Tzschoppe delegiert). Darüber ist ausführlich berichtet worden. Weitere Gespräche
werden folgen. Darüber wird Sie
ver.di selbstverständlich auch weiterhin aktuell informieren.
Erste Mitgliederversammlung beschloss
neue Struktur
Mitte des Jahres schlossen sich
vier DGB-Gewerkschaften und die
Carl-Maria Dießel
DAG (Deutsche Angestellten Gewerkschaft) zusammen. HBV (Handel,
Banken und Versicherungen), DPG
(Deutsche Post Gewerkschaft), ÖTV
(Öffentliche Dienste, Transport und
Verkehr) und IG Medien bilden gemeinsam mit der DAG seitdem die
„Vereinigte
Dienstleistungsgewerkschaft“: ver.di. In der DW gab es bis
dahin die Betriebsverbände der DAG
und der IG MEDIEN, beide vollkommen unterschiedlich strukturiert. Eine
gemeinsame Arbeitsgruppe wurde mit
der Entwicklung einer neuen Struktur
beauftragt. Ziel der neuen Struktur
sollte zum einen die Unabhängigkeit
von DW-internen Strukturen sein.
Zum anderen sollte aber auch gewährleistet werden, dass Informationen aus Bereichen/Abteilungen sehr
schnell in alle Richtungen fließen können.
Auf der Mitgliederversammlung
am 25.9.01 wurde die neue Struktur,
bestehend aus Berufs- und Verbandsgruppen und dem geschäftsführenden Verbandsvorstand, vorgestellt
und mit sehr großer Mehrheit verabschiedet. Neuwahlen werden aber
erst nach dem Umzug ins neue Funkhaus stattfinden können. Das hängt
auch mit den räumlichen Zuordnungen zusammen. Es macht keinen
Sinn, Bereiche, die räumlich nicht zusammenliegen, unbedingt in eine gemeinsame Verbandsgruppe zu zwängen.
DW
Auf der gleichen Versammlung
wurde dann auch der erste Geschäftsführende
Verbandsvorstand
von ver.di in der DW gewählt.
DW nach wie vor
tarifloses Brachland
Der neue Intendant hat am 1.10.
sein Amt angetreten. Seither haben
ver.di-Vertreter der verschiedensten
Gremien sehr eingehende Gespräche
mit ihm geführt. Allerdings bisher
noch nicht mit dem Ergebnis, dass er
die von seinem Vorgänger zum 1.1.
1999 gekündigten Tarifverträge wie
z.B. den Manteltarifvertrag, den Tarifvertrag für befristete Arbeitnehmer
usw. wieder in Kraft gesetzt hat.
Wir gehen jedoch davon aus, dass
dies in der ersten Hälfte des kommenden Jahres geschehen wird. Wir
haben von unserer Seite angeboten,
Gespräche über Strukturen eines
neuen MTV zu führen. Dies allerdings
nur, wenn die alten Tarifverträge bis
zum Abschluss von neuem wieder in
Kraft gesetzt werden.
Ich wünsche Ihnen, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, ein ruhiges,
erholsames Weihnachtsfest und
für das kommende Jahr Glück, Gesundheit und Erfolg.
In diesem Sinne verbleibe ich
mit kollegialen Grüßen
Carl-Maria Dießel
Besuchen Sie
uns
im Internet:
www.verdi.de
www.rundfunkfreiheit.de
I
IM NTERNET
Willkommen in der
schönen neuen Welt
Montagmittag. Der Kommentar ist
da, bearbeitet, jetzt die Zusatzaufgabe: online stellen.
Die Anmeldung klappt, die Überschrift ist drin, doch beim Speichern
das erste Problem. Minutenlang tut
sich gar nichts, dann: „Diese Seite
kann nicht gefunden werden.“ Anruf
bei der Hotline. Eine nette Dame erzählt mir, das sei nur vorübergehend,
ich solle es später noch einmal versuchen.
Zwei Stunden später. Wieder anmelden, Name und Passwort und
dann: Nichts. Irgendwann: „Diese
Seite kann nicht gefunden werden.“
Die Hotline dazu: Man arbeite
dran, ich soll es später noch einmal
versuchen.
Kurz vor Feierabend, ein weiterer
Versuch. Diesmal findet der Computer
noch nicht einmal die Anmeldeseite.
„Diese Seite kann nicht gefunden
werden.“
Monatelang haben Sie uns hingehalten. Immer wieder hieß es, der
Neustart stehe unmittelbar bevor. Und
dann ganz plötzlich: Wir legen los.
Die Belegschaft wurde förmlich
überrollt. Ohne Übungsphase direkt
ran ans lebende Objekt, den Hörer
oder User, wie er so schön auf Neudeutsch heißt.
Die Onliner hatten einen schönen
Auftritt. Und Glück. Zumindest am Anfang. Elf Tage lang lief das System,
abgesehen von ein paar Kinderkrankheiten. Doch dann der GAU.
Das System wurde immer langsamer,
Eingaben kaum mehr möglich, am
Ende ging gar nichts mehr.
Und was macht online in dieser Situation?
Gar nichts. Oder noch schlimmer.
Sie verschleiern. Das sei nur vorübergehend, heißt es auf Nachfrage.
Dann ist die Rede von Knotenpunkten
und Verzweigungen. Zum Schluss der
verzweifelte Versuch einer Erklärung:
Das sei wie der Stau auf der Inneren
Kanalstraße am Freitag nachmittag.
Schönes Beispiel, doch bei Stau gibt
es eine Stauwarnung und die Leute
umfahren das Problem. Bei Datenstau
gibt man halt keine Daten mehr ein.
Nicht so in der Deutschen Welle.
Die Onliner wussten, dass Eingaben
sinnlos sind, trotz Aufforderung gab
es keine Stauwarnung, nicht eine einzige, keine email. Ganz im Gegensatz
zur sonst üblichen Praxis.
Erst als das Kind schon im Brunnen lag, ganze zwei lange Tage später nach unzähligen fehlgeschlagenen
Eingabeversuchen, zog online dann
die Notbremse. „Ich möchte Sie bitten, bis auf Weiteres auf aktuelle Eingaben für Ihre Programm- und Sendungsseiten zu verzichten.“
So vergrätzt man erfolgreich die
Mitarbeiter, gibt dem Begriff Frust eine
ganz neue Dimension.
Doch die Sache ist noch weit
schlimmer. Der Frust der Mitarbeiter
ist die eine Sache. Viel schlimmer ist
aber die Wirkung nach außen. Denn
die Seiten der DW lassen sich kaum
bis gar nicht aufrufen. Zwar schreibt
Herr Baumhauer: „Da ist es nur ein
schwacher Trost, dass die Seiten für
externe Nutzer weitaus schneller verfügbar sind.“ Doch eine kleine, zugegeben nicht repräsentative Umfrage
ergab das glatte Gegenteil: Die Seiten
bauen sich quälend langsam auf und
meist gibt es nur leere weiße Seiten.
Und dies über verschiedene Server.
Dieser Auftritt zwingt den User ja
praktisch zum Abschalten.
Die einfachste Lösung in diesem
Fall. Ein Hinweis auf der Startseite:
Hier wird gerade gearbeitet. Doch
diese einfache Lösung kommt für online natürlich nicht in Frage. Man arbeite gerade dran, doch das dauert
noch etwas. Immerhin: Ein paar Tage
später und nach ständigem Nachfragen kommt endlich der „Baustellenhinweis“ ...
Nun heißt es bis auf Weiteres Warten auf Godot, warten auf die schöne
neue Welt.
3
GASTBEITRAG /PERSONALVERSAMMLUNG
Ausbildung in der DW –
Aufbruch in neue Lernwelten
Als öffentliche Institution betrachtet die Deutsche Welle die Verbesserung der Chancen gerade junger
Menschen als eine vorrangige Aufgabe. Die betriebliche Ausbildung orientiert sich mit ihrem Ausbildungsangebot konsequent an den Anforderungen des Marktes und der DW.
Sie bietet jungen Menschen den
Einstieg in zukunftsträchtige Berufe
und bildet gleichzeitig Experten aus,
die den zukünftigen Erfolg der DW sichern helfen.
Innerhalb der letzten vier Jahre
wurden in einer breit angelegten Ausbildungsinitiative, die durch die Unternehmensleitung vehement unterstützt
wurde, 42 zusätzliche Ausbildungsplätze eingerichtet. Seit September
2000 werden somit 54 Auszubildende
nach dem Berufsbildungsgesetz an
den Standorten Köln (34 Auszubildende) und Berlin (20 Auszubildende)
ausgebildet.
Die Ausbildung erfolgt in den Berufen Mediengestalter, Fachangestellte
für Medien- und Informationsdienste,
Christoph Schmidt, Leiter der Ausund Fortbildung schrieb den vorliegenden Gastbeitrag
Informatikkaufleute,
Bürokaufleute,
Köche und Feinmechaniker.
Nach NDR, WDR, SWR und ZDF
bietet die Deutsche Welle die meisten
Ausbildungsplätze innerhalb der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten an.
Natürlich steht nicht nur die Quantität im Mittelpunkt – ebenso wichtig
ist unser Anspruch, eine qualitativ
hochwertige Ausbildung in allen angebotenen Ausbildungsberufen zu garantieren. Voraussetzung hierfür ist
eine permanente Aktualisierung und
Vertiefung der Kompetenzen der
Fachausbilderinnen und Fachausbilder sowie die Anwendung neuer Lehrmethoden und Lehrmodelle.
Den Ausbildungsbeauftragten obliegt die Vermittlung des fachlichen
Wissens und die Förderung der methodischen, sozialen und zwischenmenschlichen Kompetenz. Die Auszubildung muss selbstverständlich auf
aktuellem und qualitativ hohem Niveau erfolgen.
Deshalb werden für die Ausbildungsbeauftragten regelmäßig Ausbilderkreise und Fachseminare angeboten. Darüber hinaus werden 8 weitere Mitarbeiter/innen im ersten Halbjahr 2002 die Ausbildereignungsprüfung bei der IHK absolvieren.
Bei allen Ausbildungskonzepten
der Deutschen Welle steht die Praxisund Handlungsorientierung grund-
„Stell dir vor, es ist Personalversammlung
und keiner fragt ... “
„In Deutschland ist alles verboten, was nicht ausdrücklich erlaubt ist” (Bonmot)
Ausdrücklich erlaubt ist gemäß Art.
5 Grundgesetz, „... seine Meinung in
Wort, Schrift und Bild frei zu äußern
und zu verbreiten ... Eine Zensur findet nicht statt.“
Man glaubt es kaum, aber auch
auf DW-Personalversammlungen ist
es erlaubt, das Wort zu ergreifen –
nicht nur von den Personalratsmitgliedern und von der Geschäftsleitung.
Fragen könnte man beispielsweise:
➠ was es denn mit den sechs Kernsprachen auf sich hat, auf die Intendant Bettermann in Interviews
und hausinternen Gesprächen abhebt ... Ob das bedeuten kann,
dass zahlreiche kleinere Sprachdienste zur Disposition stehen?
Dass am Ende eine Schrumpf-DW
übrigbleibt, die – allen Bekundun4
gen zum Trotz – sich aus weiteren
wichtigen Sendegebieten der Welt
verabschiedet ...,
➠ wie konkret denn die Gefahr ist,
dass 200 – 300 Planstellen kippen,
wenn weiter gespart werden muss;
wie denn da noch die weiterhin anfallende Arbeit geleistet werden
kann, um den Redaktions- und
Technik-Alltag zu bewältigen,
➠ ob die Arbeitsverdichtung nicht
längst jedes erträgliche Ausmaß
überschritten hat mit Schluderei
und Ineffektivität als logischer
Folge,
➠ ob nicht der Weg zurück zu Tonqualität bei Hörfunksendungen
durch die Produktion in digitalen
Studios mit Techniker konsequent
weiter beschritten werden muss –
auch mit Blick auf die künftige digi-
tale Ausstrahlung auf Kurz- und
Mittelwelle.
Es kann doch wohl nicht sein,
dass nur die Personalratsmitglieder
zum Teil existentielle Probleme in der
Personalversammlung ansprechen –
die Hauptbetroffenen aber schweigen, obwohl sie oft viel mehr Fachkompetenz mitbringen. Und es bringt
auch nicht viel, wenn immer wieder
die zwei, drei selben KollegInnen zum
Mikrophon schreiten ... Es ist zwar
nicht ganz einfach, vor ein paar hundert Anwesenden das Wort zu ergreifen. In vielen DW-Bereichen geht es
aber längst buchstäblich „um die
Wurst“.
Aber hat das die Belegschaft überhaupt bemerkt?
Hans Jürgen Mayer
INTENDANT
Kurze Rede wider die
Miesmacher
sätzlich im Vordergrund. Ein Beispiel
hierfür ist die erstmalige Einrichtung
eines Juniorteams. Dabei übernimmt
eine Gruppe von mindestens 4 Auszubildenden operative Aufgaben mit
klaren Zielsetzungen.
Die Zwischenbilanz nach Abschluss dieses ersten Juniorprojektes
ist rundum positiv. Vertrauen in die
Leistungsfähigkeit und das Engagement der Auszubildenden setzen,
Rahmenbedingungen schaffen, in denen selbstständig und ergebnisorientiert Projekte erarbeitet werden können – das stärkt das Selbstbewusstsein, fördert das Durchhaltevermögen
und die Verantwortungsbereitschaft,
bietet Lernanreize, schafft Raum für
Kreativität und weckt den Spaß am
Erfolg.
Für 2002 wird angestrebt, ein Ausbildungszertifikat „Fit for Future“ für
die Auszubildenden einzuführen.
Hierbei möchten wir die Auszubildenden mit interdisziplinären Themenstellungen auf die berufliche Zukunft
vorbereiten. Insbesondere geht es um
Zusatzqualifikationen, die das duale
Ausbildungssystem allein nicht vermitteln kann.
Impressum
Der Wellenbrecher
ver.di Magazin
Verband Deutsche Welle
ViSdP:
Carl Maria Dießel
Redaktion: Sybille Golte-Schröder,
Norbert Ahrens,
Heinrich Bergstresser,
Carl Maria Dießel
IG MEDIENBüro:
Im Gebäude DeutschlandRadio 14-14
Telefon:
(02 21) 389- 49 94
Fax:
(02 21) 38 65 25
e-mail:
IGMedien.DW-DR@t-online.de
und
diesselcamadi@aol.com
Satz:
Type & Litho E. Hans, Köln
Druck:
Druckerei Lutz GmbH, Köln
Der neue Intendant hat schließlich
noch Schonfrist
Von Norbert Ahrens
Nun ist er also da – und einige
haben es noch gar nicht so richtig gemerkt! Was nicht unbedingt ein
schlechtes Zeichen sein muss.
Und überhaupt: Die Schonfrist der
ersten hundert Tage läuft erst am 8.
Januar ab, ziehen wir die Weihnachtsund Silvesterzeit ab, sogar erst nach
dem 15. Januar. Auch wir wollen ihn
vorerst schonen und hier nur einiges
aus dem Flurfunkgeflüster zu Papier
bringen, was im Laufe der ersten
neun Wochen des Intendanten Bettermann an unser Ohr gedrungen ist.
Positives wie Negatives schön durcheinander, nur
mit knappen
Kommentaren
versehen.
Also lernfähig soll er
sein (einige
sprachen sogar von „sehr
lernfähig“) –
da verzeiht
man
ihm
doch gern,
dass er noch
Mitte November von einer
„Hindu“-Redaktion
sprach. Zur
allgemeinen Der neue Intendant Erik
Erinnerung
und zum Trost für Erik Bettermann:
Das ist einer früheren Fremdsprachen-Chefredakteurin noch passiert,
als sie dieses Amt schon über ein
Jahr bekleidete. Überhaupt die vielen
Fremdsprachen! Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass er nicht nur
einigen wenigen von ihnen den Garaus machen will. Schon eilt ihm der
Ruf voraus, ein „sanfter Henker“ zu
sein. Wobei das Wörtchen „sanft“ wieder auf seine durchaus sympathischen Seiten verweist. Man hat ihn
noch nie mit einer finsteren Miene gesehen! Nun hoffen wir alle, dass er
seine heitere Miene wirklich nicht zum
bösen Spiel macht ... Andeutungen in
diese Richtung soll er in dem einen
oder anderen seiner unvollendeten
Nebensätze (ist anscheinend eine
seiner rhetorischen Spezialitäten) allerdings schon getan haben: Dass
man um Entlassungen wohl leider
nicht herumkomme, dass die Zentralredaktion aufgelöst werde (vor dieser
klang es dann freilich schon wieder
ganz anders) usw.
Durch und durch Hörfunkmann,
liebt er das gesprochene Wort so
sehr, dass er seine Gespräche mit
den einzelnen Abteilungen fast im
Alleingang
bestreitet.
Das
nennt
man Intendantenprivileg.
Aber
ernsthaft:
Die Bedeutung des Hörfunks sieht
er in Zukunft
eher
noch
wachsen.
Das hat er
wirklich mehr
als
einmal
gesagt. Also
kann das GeBettermann
rücht von der
Abschaffung der meisten Fremdsprachenprogramme schon mal überhaupt nicht stimmen!
Alles dummes Gerede von überängstlichen Miesmachern!
Die sollen alle mal abwarten, was
der Mann umsetzt, wenn er erst einmal seine Lernphase hinter sich hat ...
5
AUSLANDSRUNDFUNK
Afghanistan-Programm ausgeweitet
Herausforderung für alle
Die Deutsch-Afghanischen Beziehungen blicken auf eine lange Tradition der gegenseitigen, vielfältigen
und fruchtbaren Zusammenarbeit
beider Staaten mit bewegten und bewegenden Geschichten zurück. Die
engen Kontakte zwischen Deutschland und Afghanistan haben bereits
zwischen den beiden Weltkriegen
bestanden. Das führte dazu, dass
Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg als wichtigstes Land neben der
Sowjetunion und den USA die Entwicklung Afghanistans finanziell und
politisch massiv unterstützte.
Die Afghanistan-Redaktion ist ein
Produkt dieser traditionell engen Beziehungen. Sie hat aber im Laufe
der letzten 30 Jahre im Hinblick auf
den Programmumfang stets starke
Schwankungen erfahren. Zunächst
hat die sowjetische Invasion zur Ausweitung des Programmumfangs von
50 Minuten auf 100 Minuten geführt.
Nachdem das Interesse der Weltöffentlichkeit nachließ, vor allem nach
der Auflösung des sowjetischen Impe-
Saud Musa Samimy ist Leiter der Afghanischen Redaktion
riums, wurde das Programm wieder
um die Hälfte reduziert. Die TalibanMilizen und ihre Schreckensherrschaft, vor allem gegen Frauen, führte
erneut zu einer Ausweitung des Programms um etwa 30 Minuten insgesamt auf 80 Minuten.
Das Afghanistan-Programm (Paschtu und Dari) besitzt im Sendegebiet
einen Bekanntheitsgrad von 80 %. Da
die Analphabetenquote in Afghanistan
aber über 90 % beträgt, ist der Rundfunk das wichtigste Informationsbeschaffungsmedium. So hätte man
schon längst eine grundsätzliche Ausweitung auf drei Sendeblöcke pro Tag
erwarten können. Aber erst nach den
Terroranschlägen in New York und
Washington am 11. September reagierte die DW ziemlich rasch mit einer
Ausweitung der Sendezeit um etwa
30 Minuten auf nunmehr 110 Minuten.
Die Ausweitung des Programms
ist eine Herausforderung an die
ganze Mannschaft: Die Mitarbeiter
der Redaktion müssen sich nun noch
mehr anstrengen, um soweit wie
möglich authentisch, aktuell, möglichst objektiv und ausgewogen zu berichten. Das positive Echo der Zuhörer insgesamt – etwa 3400 Briefe im
letzten Jahr – bestätigt die Redaktion
in ihrer Berichterstattung. Um dieser
Aufgabe aber langfristig gerecht zu
werden, verdient die Mannschaft eine
noch stärkere Förderung als bisher.
Was tun, wenn …
der Vorgesetzte einen Urlaubsantrag ablehnt.
Grundsätzlich kann ein Vorgesetzter
seiner(m) Mitarbeiter(in) nicht direkt
einen Urlaubsantrag ablehnen. Er
kann zwar mündlich darauf hinweisen, dass er zu dieser oder jener
Zeit dem/r Mitarbeiter/in den Urlaub
aus bestimmten Gründen nicht genehmigen wird – diese Aussage alleine stellt aber noch keine Ablehnung dar.
Vielmehr gestaltet sich das Procedere zur Urlaubsablehnung wie folgt:
• Der Fachvorgesetzte legt schriftlich dar, aus welchem Grund er
den Urlaub nicht genehmigt,
• der Fachvorgesetzte leitet die
schriftliche Ablehnung zusammen mit dem Urlaubsantrag an
den Fachdirektor weiter,
• der Fachdirektor leitet die schriftliche Ablehnung mit dem Urlaubsantrag an die Personalchefin weiter,
6
•
•
•
•
die Personalchefin leitet die Mitbestimmung beim örtlichen Personalrat ein,
im Rahmen des Mitbestimmungsverfahrens muss die Hausleitungs-/Personalabteilungsseite
sehr detailliert und begründet
eine Urlaubsablehnung darstellen,
u.U. finden Gespräche zwischen
Personalrat, dem Fachvorgesetzten, der Mitarbeiterin und der
Personalchefin statt,
nach Abschluss des Mitbestimmungsverfahrens teilt der Personalrat den Beschluss mit. Danach ist dann der Urlaub entweder genehmigt oder (was
zwar auch aber nur sehr selten
vorkommt), der Personalrat
konnte die Gründe nachvollziehen und stimmt der Urlaubsablehnung zu.
Besuchen Sie
uns
im Internet:
www.verdi.de
www.rundfunkfreiheit.de
AUSLANDSRUNDFUNK
Urdu-Programm ausgeweitet
Pakistan wird Schlüsselregion der weltweiten Krise
Nur 10 Tage nach den Terroranschlägen in New York und Washington erweiterte das Urdu-Programm
von DW-Radio seine Sendezeit von
bislang 45 auf 75 Minuten täglich.
Dank flexibler Vorbereitungsarbeit aller Beteiligten, von der Chefredaktion,
HA Asien über das Ausstrahlungsmanagement, Sendebetrieb/Produktion bis hin zu den „Machern“ des Programms, hatten die Redakteure des
Urdu-Programms am 21. September
ein gutes Gefühl, als sie zum erstenmal zur erweiterten Live-Sendung ins
Studio gingen.
Pakistan war plötzlich zu einer
Schlüsselregion der weltweiten Krise
geworden, denn Präsident Pervaiz
Musharraf hatte seine Landsleute verblüfft, als er unter dem Druck der Ereignisse an der Seite der USA eine
Schlüsselrolle in der weltweiten Antiterror-Front übernahm.
Da die Themen „Taliban“ und „islamischer Fundamentalismus“ in der
zerissenen Gesellschaft Pakistans für
Brisanz sorgen, war nicht abzusehen,
in welche Richtung sich das Stimmungsbarometer bewegen würde.
Umso wichtiger war es, dass das
Urdu-Programm verstärkt sowohl aktuelle wie auch Hintergrundinforma-
schaft ausgerichteten freien Medien
des Landes haben.
Über die operativen und aktuellen
Aufgaben hinaus, die vom internationalen Kampf gegen den Terrorismus
bestimmt werden, gehören aktuelle
und Hintergrundinformationen über
das Weltgeschehen, über Deutschland und Europa natürlich zu den
Kernaufgaben von DW-Radio/Urdu.
Das außerordentlich große Hörerecho
(etwa 80.000 Urdu-Hörerbriefe pro
Jahr) bestätigt die breite Akzeptanz
der Programmphilosophie.
Dr. Friedemann Schlender ist Leiter
der Hindi-Redaktion
tionen zu den Ereignissen in und um
Afghanistan vermitteln konnte, die
sich von der offiziellen Informationsgebung und den Erklärungsmustern
der involvierten Parteien unterscheiden. Mit der Nationalsprache Urdu,
die in allen Landesteilen Pakistans
gesprochen wird, erreicht DW-radio
auch jene sozialen Schichten der Bevölkerung, die keinen Zugang zu den
auf die Modernisierung der Gesell-
An alle freie(n) Mitarbeiter
der Deutschen Welle!
Als im GVV von DW-ver.di in Köln für die Freienarbeit benanntes Individuum
möchte ich etwas aufleben lassen, was es meines Wissens vor Jahren
schon gegeben hat und von dem ich nicht so sicher bin, ob es das noch gibt
... einen Freientreff.
Das sollte ein Jour Fixe – einmal monatlich oder einmal im Quartal (Euer Interesse entscheidet) – sein, an dem sich alle interessierten Freien zum Gedanken- und Ideenaustausch treffen, wo anstehende Probleme und vor
allem eine verbesserte Freienvertretung innerhalb von ver.di diskutiert und
umgesetzt werden könnte.
Interessenten sollten sich bitte zwecks Koordination und Brainstorming
(zum Wo? Wann? und Wie?) wenden an
Christian Hoppe, Abteilung Zentralredaktion, O-Ton-Redaktion;
Tel: 4190 oder choppe@dwelle.de)
Nach dem Motto:
Den Rücken gestärkt und Hand in Hand kommt auch ein Freier frei durchs
Land!!! (oder so ähnlich)
Suspekt
Der Mann war gleich suspekt. Ein
Passagier aus London, gebürtiger
Pakistani mit britischem Pass.
Viele Visa im Pass dokumentierten
seine Reisefreudigkeit. Mit sich
trug er jede
Menge
Zeitungsausschnitte zu den Ereignissen des 11.
September. Als
die Sicherheitsbehörden auf
dem Flughafen
dann noch ein
Buch mit dem
Titel „Über den Von Ujjwal
S e l b s t m o r d “ Bhattacharya
von einem gewissen K Punkt Marx entdeckten,
griffen sie unverzüglich zu. Der
Verdächtige Tarik Ali behauptete
ein Schriftsteller zu sein und
Freunde treffen zu wollen.
Wir wissen, dass zu seinen Freunden in Deutschland Daniel CohnBendit und Joschka Fischer gehören. Haben die jetzt auch Ärger
mit Schilys Fangkommandos?
7
Vereinigte Dientleistungsgewerkschaft
Fachbereich Medien
Beitrittserklärung
Erklärung nach § 33,1 Bundesdatenschutzgesetz:
Die uns von Ihnen angegebenen persönlichen Daten werden zur Erfüllung unserer satzungsgemäßen Aufgaben auf
Datenträger gespeichert. Die Einhaltung der Bestimmungen des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG) wird zugesichert.
Zuname:
Eintritt ab:
Vorname(n):
Früherer Eintritt:
Straße:
Name des Geldinstituts:
Postleitzahl/Ort:
Bankleitzahl:
Telefon:
Kontonummer:
Geschlecht (bitte ankreuzen):
Der Beitrag soll eingezogen werden:
❏ weiblich
❏ monatlich
❏ halbjährlich
Geburtsdatum:
❏ vierteljährlich
❏ jährlich
Nationalität:
Ich bin mit dem Einzug des satzungsgemäßen Beitrages
(1,2 Prozent vom Monatseinkommen) einverstanden. Mit
meiner Unterschrift erkenne ich die Satzung der Gewerkschaft ver.di an.
Beschäftigt als:
Ort, Datum:
Festangestellt:
Unterschrift des neuen Mitglieds:
❏ ja
❏ männlich
❏ nein
Tarifvertrag:
Tarif-, Lohn- bzw. Gehaltsgruppe
(bitte unbedingt angeben):
Bei freien MitarbeiterInnen durchschnittliches Jahreseinkommen:
Falls anderer Kontoinhaber,
Unterschrift des Kontoinhabers:
In der Lohn- bzw. Gehaltsgruppe seit:
Beschäftigt bei:
Zuname des Werbers:
Straße:
Vorname des Werbers:
Postleitzahl/Ort:
Ortsvereins- und Mitgliedsnummer:
Telefon:
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