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"Ich bin neugierig darauf, was andere denken" - Kipa

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Kipa-Serie: «Sie schlagen Brücken» (10)
Hassan Fawaz, Schweizer und Libanese, unterwegs zwischen Kulturen und Menschen
"Ich bin neugierig darauf, was andere denken"
Von Georges Scherrer / Kipa
Bern, 18.6.14 (Kipa) Einen neuen, unbekannten Wein muss man erst erschmecken und
kennenlernen. Dann kann man ihn trinken, sagt Hassan Fawaz. Der stille Macher, der in
Berns gesellschaftlichem Leben einiges angeworfen und auf die Beine gestellt hat,
bewegt sich ausserhalb des Scheinwerferlichts. Und trotzdem gilt der Experte für
interkulturelle Kompetenz und interkulturelles Übersetzen für viele als wichtige
Ansprechperson, wenn es um Expertisen und Kontakte im Bereich Integration geht.
Bei manchen Menschen hat man das Gefühl, sie kennen die Traurigkeit nicht, so auch bei
Hassan. Mit einem strahlenden Lächeln tritt er auf den Besucher zu. Hassan hat schon
manche Barriere beiseite geräumt, die sich ihm als gebürtiger Libanese in den Weg stellte.
Vor 26 Jahren kam er in die Schweiz.
Seither hat er, auch nachdem er die Schweizer Staatsbürgerschaft angenommen hat, im
städtischen Leben von Bern verschiedene Spuren hinterlassen. Er wurde bereits in der
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Presseagentur Kipa, Einzelmeldung aus dem Tagesdienst
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Schweiz, aber auch nach Deutschland an Workshops und Kongresse eingeladen, um über
seine Erfahrung als Wegbahner in der Bundesstadt zu reden.
Imposantes Berufsregister
Verschiedene Fachbegriffe und Ausbildungen prägen seine berufliche Laufbahn: Übersetzer,
Ausbilder, Kulturmanager, Sprachlehrer, Berater bei Behörden, Organisationen, Firmen und
Botschaften und anderes mehr – alles Bereiche, die zur Förderung der Integration dienen. 19
Jahre arbeitete er für das "Zentrum 5", ein Projekt der Arbeitsgemeinschaft Christlicher
Kirchen Region Bern (Akib). Dort war er stellvertretender Betriebsleiter und speziell
verantwortlich für die Bereiche Kultur und Bibliotheken. Er hat die Interkulturelle Bibliothek
Bern mitbegründet.
Er arbeitete bei der Schweizerischen Flüchtlingshilfe als Koordinator für Bildungsangebote. Er
hielt das Präsidium des Vereins Bücher ohne Grenzen Schweiz inne und als Vizepräsident
wirkt er im Verein Interessengemeinschaft für interkulturelle Übersetzung und Vermittlung –
und in all diesen Ämtern arbeitete er mit vielen Menschen verschiedenster Couleur
zusammen, um Brücken zu schlagen.
Zeit findet man immer
"Integration ist ein Thema, das mich schon von Anfang an, als ich in die Schweiz kam,
beschäftigt hat", sagt der Stadtberner. Er ist überzeugt dass man für die Begegnung mit
anderen Menschen immer Zeit findet, sofern man sie auch sucht und "ich glaube, das hat mit
der Einstellung und dem Willen zu tun".
Im Libanon machte er vor drei Jahrzehnten eine Ausbildung als Pädagoge. Diese erleichterte
ihm den Berufseinstieg in der Schweiz, ebenso auch seine Bereitschaft, auf die Menschen
zuzugehen. "Ich erzähle viel von dem, was ich erlebt habe. Nicht alle Menschen sind aber
derart offen wie ich und so neugierig darauf, was andere denken. Der Brückenschlag ist
jedoch zu allen möglich."
Über seine Kurse für Migranten oder Schweizer, die im Migrations- und Asylbereich tätig sind,
seine Arbeit in Vereinen und auch über die Sprachkurse hat Hassan Fawaz den Kontakt zu
einem ganz unterschiedlichen Publikum gefunden – gerade auch zu vielen Schweizern, die
ihn als Vermittler oder Gesprächspartner suchen. "Ich gehe nicht auf die Strasse und suche
Leute. Ich mache keine grosse Propaganda für mich und dennoch habe ich ein gutes
Netzwerk. Warum?", fragt Hassan Fawaz . Seine Antwort lautet: "Die Leute, die Kurse bei mir
genommen oder die in einem Projekt mit mir zusammengearbeitet haben, empfehlen mich
weiter. Und mich motiviert es, immer wieder etwas Neues zu wagen", sagt der
Tausendsassa, der für Kultur, Integration und Bildung sein Herzblut vergiesst. Er ergänzt:
"Wenn ich Arabisch unterrichte, dann baue ich auch die Kultur ein."
Es beginnt im Kleinen
Für ihn ist es wichtig, dass die Menschen "auf Augenhöhe" miteinander verkehren und
gleichberechtigt vorwärts gehen. Jeder hat dabei seine Rechte und Pflichten. Konkret heisst
das, dass zum Beispiel ehemalige Migranten "ihre Pflichten wahrnehmen und insofern auch
auf den entsprechenden Amtsstellen mitentscheiden sollen". Die Schweiz müsse in diesen
Bereich der Vermittlung und Verständigung finanziell investieren.
Presseagentur Kipa, Einzelmeldung aus dem Tagesdienst
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Ist es heute in der Schweiz einfacher Brücken zu schlagen als vor 26 Jahren? "Einfach war
es nie", sagt Hassan. Es muss beim Kleinen beginnen. "Für mich beginnt es in der Schule, im
Quartier, in den Familien, am Arbeitsplatz. Brückenschlag nenne ich Begegnung und
interkulturelles aufeinander Zugehen, Austausch miteinander, Offenheit, miteinander reden."
Das gehe nur Schritt für Schritt. "Ich kann nicht Kultur auf mein A4-Blatt schreiben und das
dann Brückenschlag nennen. Brückenschlagen braucht Menschen und Zeit."
Ein Zugewanderter kann das meistens nicht allein leisten. Hier müssen Personen
einspringen, die in Vereinen, Kirchen, Ämtern oder als Einzelpersonen mit "Brücken
schlagen" zu tun haben.
Respekt zollen und hinhören
Viele Menschen, die in der Schweiz Zuflucht und eine neue Heimat suchen, haben eine
schwierige Vergangenheit hinter sich, erklärt Hassan. Sie sind zum Teil traumatisiert. Der
Brückenschlag kann dann etwa damit beginnen, "dass man diesen Menschen ganz einfach
mit Respekt begegnet und ihnen zuhört. Auch einen neuen Wein hält man zuerst unter die
Nase, um ihn kennen zu lernen."
Einerseits muss man mit dem einzelnen Menschen reden. Dann ist man aber jeweils auch
"zwischen den Kulturen unterwegs", wie Hassan Fawaz betont. Letztlich ist es aber immer
der Mensch, der Brücken schlägt und gegenseitiges Verständnis aufbringt.
Brücken allein bringen jedoch nichts. Diese müssen "auch dazu führen, dass der Wille für das
Zusammengehen erwacht", lautet die Botschaft des Berners, bevor er sich verabschiedet und
in die Berner Altstadt zum nächsten Termin davonzieht.
Separat:
Kipa-Serie 2014: "Sie schlagen Brücken"
Immer wieder bauen Menschen Brücken: von Mensch zu Mensch, aber auch zwischen
Konfessionen, Religionen, Generationen, Rassen, Sprachen, Schichten. Solche
Brückenschläge können glücken, immer aber auch schwierig, mühsam, aufreibend oder
gefährdet sein. - Die Sommerserie 2014 der Presseagentur Kipa lässt Frauen und Männer
zur Wort kommen, die in verschiedensten Bereichen Brücken schlagen.
Hinweis für Redaktionen: Zu diesem Beitrag sind kostenpflichtige Bilder erhältlich.
Bestellungen sind zu richten an: kipa@kipa-apic.ch. Honorare für Nutzungsrecht: Erstes Bild
CHF 80.–, ab dem zweiten Bild zum gleichen Anlass CHF 60.–.(kipa/gs/sy)
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Seele and Geist
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