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Was kostet das Gold?
29. Januar 2010 Corrine Hunt hat die Medaillen der Olympischen Winterspiele in Vancouver
entworfen. Der Orca ist das bestimmende Motiv, das die indianische Künstlerin den 615
Schmuckstücken gegeben hat, die in 86 Wettbewerben vergeben werden. Die Medaillen
haben die Form einer Welle erhalten. Nicht nur, weil sie auch, wenn man sie
zusammenlegt, ein Bild ergeben, sind die gut ein Pfund schweren Medaillen Unikate. Das
Metall, aus dem sie gegossen sind, stammt von alten Mobiltelefonen und Computern. Bei
einem Goldanteil selbst der wertvollsten Medaille von nur sechs Gramm liegt der
Materialwert bei etwa 160 Euro. Erst Ruhm und Ehre machen die Auszeichnung unschätzbar
wertvoll. Aber was ist der tatsächliche Preis einer Goldmedaille, die aus dem Schrott
kommt?
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Mit 4,8 Millionen Euro gibt der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) die Reisekosten für
die rund 150 Athleten und 200 Betreuer seiner Olympiamannschaft an. Wäre das alles,
hätte jede der angestrebten zwei Handvoll Goldmedaillen einen Gegenwert von knapp
einer halben Million Euro. Doch das ist nicht einmal die halbe Rechnung - und nur ein
Bruchteil der Kosten.
Olympisches Gold ist die Währung des Sports. Für jeden Sportler - von Radprofis, Fußballund Eishockeyspielern abgesehen - ist ein Olympiasieg der größte und wichtigste Erfolg
seines Lebens. Auch in der sogenannten Nationenwertung zählen zunächst allein Siege, wie
sie nur alle vier Jahre vergeben werden. Offiziell gibt es dieses Ranking zwar nicht. Das
Internationale Olympische Komitee vermeidet peinlich, es anzuerkennen. Doch jeder
schaut auf diesen Medaillenspiegel, nicht nur Staatenlenker und Potentaten, die sich durch
Hymne und Flagge auch persönliche Erhöhung versprechen.
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WM-Ergebnisse
4. Crawford (USA) 19,89, 5. Mullings (Jamaika) 19,98, 6.
Clark (USA) 20,39, 7. Gulijew (Aserbaidschan) 20,61, 8.
Alerte (Frankreich) 20,68, . . . 11. Hering (Jena) 20,52
(Halbfinale), . . . 16. Menga (Leverkusen) 20,68
(Zwischenlauf).
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Ziel des "Titelverteidigers" Deutschland ist es, wie der Generaldirektor des DOSB im
Sportausschuss des Deutschen Bundestages versprach, im "ewigen Medaillenspiegel" der
Winterspiele den Gipfel zu erklimmen und Russland zu verdrängen. Mit den 118
Goldmedaillen, die er als Leistungsbilanz Deutschlands anführte, stellte der einstige
Grünen-Minister Michael Vesper sich wie selbstverständlich in die Tradition von DDR (sie
steuerte 39 Olympiasiege bei) und Hitlerdeutschland (zwei Goldmedaillen in GarmischPartenkirchen 1936). Alle Fraktionen wünschten viel Erfolg bei der Mission. Das Team des
vereinten Deutschland hat seit den Spielen 1992 in Albertville (Winter) und Barcelona
(Sommer) insgesamt 149 Goldmedaillen gewonnen, davon 54 bei Winterspielen.
Bundesinnenminister Thomas de Maizière mag der Medaillenwertung nur "begrenzten
Aussagewert" zubilligen. Er ist trotzdem mit 139 Millionen Euro der größte Förderer des
deutschen Sports. "Ich würde mich freuen, wenn wir Platz eins verteidigten, aber wenn es
Platz zwei oder drei wird, breche ich nicht den Stab." Doch darf Deutschland schlechter
abschneiden als in Albertville 1992 mit zehn Goldmedaillen, als in Nagano 1998 mit zwölf
und als in Turin 2006 mit elf Goldmedaillen? Im 11. Sportbericht der Bundesregierung von
2007 heißt es: "Mit insgesamt 29 Medaillen . . . belegte die Bundesrepublik Deutschland
den ersten Platz in der Nationenwertung." Dies sei eine erfreuliche Bestätigung der
Effektivität der staatlichen Förderung - einer Förderung, für die es keine gesetzliche
Grundlage, sondern die Krücke der internationalen Repräsentation gibt. Prämien wie sonst
nie sollen den Athleten auch diesmal Beine machen: 25 000 Euro pro Olympiasieg lobt der
Deutsche Skiverband aus, von der Stiftung Deutsche Sporthilfe gibt es für jede
21.02.2010 14:10
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Goldmedaille 15 000 Euro obendrauf.
"Der Sport ist nicht Selbstzweck. Er ist Mittel zum Zweck." Das sagte Erich Honecker 1948;
da war er noch nicht Staats- und Parteichef der DDR, sondern Vorsitzender der
Jugendorganisation FDJ. Neu war der Gedanke nicht, schließlich lagen die Olympischen
Spiele von Berlin erst zwölf Jahre zurück, bei denen die Nationalsozialisten, auch durch
Siege in 33 Sport- und fünf Kunstwettkämpfen, die Überlegenheit der arischen Rasse zu
demonstrieren suchten. Die DDR machte aus ihrem sportlichen Kampf um völkerrechtliche
Anerkennung den athletischen Vergleich um die Vormacht der gesellschaftlichen Systeme.
Längst ist diese Herausforderung verschwunden. Doch die Aufgabe ist gewachsen. Mehr
Geld denn je geben die Staaten der Welt für ihre Spitzensportler aus. Die Konkurrenz
wachse zusehends, mahnt DOSB-Präsident Thomas Bach. 55 verschiedene Hymnen wurden
in Peking bei den Siegerehrungen gespielt, in 87 verschiedene Länder gingen die Medaillen.
204 Mannschaften nahmen an den Sommerspielen teil - ein Dutzend mehr, als die
Vereinten Nationen Mitglieder haben.
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"Nach der Medaillenwertung käme die DDR vor Hitlerdeutschland vor der Bundesrepublik
Deutschland", sagt der Potsdamer Historiker Hans-Joachim Teichler. Nicht nur schuf die
DDR ein zentrales Doping-System, das den Spitzensport weitgehend diskreditierte. Die
kleine DDR verhob sich auch wirtschaftlich mit ihrem sportlichen Ehrgeiz. Für die 203
olympischen Goldmedaillen, deren Gewinn sie sich zugute hielt, wandte sie nach Schätzung
von Teichler schließlich mindestens 1,1 Milliarden DDR-Mark jährlich auf, also 4,4 Milliarden
für einen Olympia-Zyklus von vier Jahren. Teilt man sie durch die 46 Olympiasiege von
Calgary und Seoul 1988, kommt man auf den Preis einer Goldmedaille: rund 95 Millionen
Mark der DDR.
Berechnet man auf diese Weise, was sich die Bundesrepublik das begehrteste Gold der
Welt kosten lässt, muss man die Fördersummen des Innenministeriums der vergangenen
vier Jahre addieren, von 125 Millionen 2006 bis 136 Millionen Euro 2009. Zu diesen knapp
500 Millionen muss man 100 Millionen für die Bestallung von im Schnitt 750 Athleten bei
der Bundeswehr zählen. Man addiere nach diesem Personalkostenschlüssel von nur 33 000
Euro pro Jahr die Spitzensportlergruppen von Bundespolizei (180), Zoll (40) und Polizei in
sieben Ländern (100); entspricht 42 Millionen. Zwei Drittel der Olympiamannschaft dürften
auch diesmal wieder Profis im Staatsdienst sein.
Auf diese 642 Millionen Euro kann man die Leistung der Stiftung Deutsche Sporthilfe von
jährlich elf, zwölf Millionen Euro packen, sollte weitere Beiträge der Länder berücksichtigen
und das Engagement der Städte und Gemeinden nicht vergessen, von Spitzensportlern als
Bademeister bis zum Unterhalt von Sprungschanzen. Geht man etwa bei Sportbauten von
einer Drittelfinanzierung aus, ist der Ansatz des BMI von 20 Millionen jährlich zu
verdoppeln; macht weitere 160 Millionen - ganz zu schweigen von den 600 Millionen aus
dem Konjunkturpaket, die derzeit im Sport verbaut werden sollen. Da nicht seriös
abzuschätzen ist, welchen Anteil der Spitzensport an den auf zwei Milliarden Euro jährlich
geschätzten Ausgaben von Ländern und Gemeinden hat, ziehen wir nun einen Strich unter
unsere Kostenrechnung. Wir verteilen 846 Millionen Euro auf die 16 Goldmedaillen von
Peking 2008 und die 11 von Turin 2006. Macht gut 31 Millionen Euro für jeweils ein paar
Gramm Gold.
Wolfgang Männig, Volkswirt in Hamburg und 1988 in Seoul Olympiasieger im DeutschlandAchter, sucht seit fünf Jahren einen Diplomanden, der bereit ist, den Preis einer
olympischen Goldmedaille zu errechnen. Fände er einen, der mit solch einer Rechnung
käme, würde er ihm methodische Fehler vorwerfen. Silber und Bronze seien zu
berücksichtigen, sagt Männig, die weiteren Plazierungen ebenso, vielleicht sogar die
schlichte Teilnahme an Olympischen Spielen. Da mag er recht haben - aber für die
Nationenwertung zählen sie nicht.
Der Medaillenspiegel und die an ihm ausgerichtete Kostenrechnung sind zynisch. Sie
implizieren, dass alles Sporttreiben allein dem Ziel Olympiasieg dient. Sie ordnen
diejenigen als gescheitert ein, die es nie aufs Siegertreppchen von Olympischen Spielen
bringen.
"Medaillen einer Weltmeisterschaft wären bei dieser Betrachtungsweise ein Abfallprodukt",
kritisiert auch Holger Preuß. "Was, wenn die Verlierer von Peking in London Olympiasieger
werden?" Preuß, der den Lehrstuhl für Sportökonomie an der Universität Mainz innehat,
fordert Fairness, eine differenzierte Kosten- und eine Ertragsrechnung. Vorbildwirkung und
Freude seien zu berücksichtigen. Sport erreiche Ziele wie Erziehung zur Demokratie und
außenpolitische Darstellung - und vielleicht sogar den Zuschlag für die Winterspiele 2018 in
21.02.2010 14:10
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München. Das Bundesinstitut für Sportwissenschaft hat Preuß beauftragt, den Anteil des
Sports am Bruttoinlandsprodukt festzustellen. Er rechnet mit 5700 Telefoninterviews und
zwei Jahren Arbeit.
Die Frage nach den Kosten einer Goldmedaille hält auch Eike Emrich für spekulativ.
"Ungeheure Investitionen" sieht er, Volkswirt und Soziologe an der Universität
Saarbrücken, bei Eltern und Kindern, in Ehrenamt und Nebenberuf. "Am Ende veredeln die
Verbände das Produkt Athlet", sagt er. "Es entsteht der Eindruck, es sei die öffentliche
Hand." Er vertritt die Überzeugung, dass sich Erfolg in Sommersportarten wie der
Leichtathletik - Emrich war Vizepräsident des deutschen Verbandes - nicht organisieren
lassen: "Erfolg bei Olympischen Spielen ist zu 80 Prozent von der Bevölkerungszahl
abhängig." Je größer die Konkurrenz zu Hause, desto besser die Aussichten im
internationalen Vergleich. Im Wintersport sei es völlig anders. Im Vergleich unter freien
Gesellschaften entscheide zu 70 Prozent das Bruttoinlandsprodukt über Erfolg. Wer in
Sportstätten und Sportgeräte investiere, sei vorn. "Das funktioniert, weil es international
kein extremes Konkurrenzsystem gibt", sagt Emrich. 90 Länder sollen in Vancouver
teilnehmen. Dabei gibt es keine Entsprechung zu den Läufern aus Jamaika, Kenia und
Äthiopen, die in Peking dreißig Medaillen gewannen. Selbst der jamaikanische Viererbob ist
Geschichte. Mehr als ein Viertel der achtzig Mannschaften von Turin bestand aus ein oder
zwei Athleten.
Bob und Rodel zeigen, wie Deutschland aus Geld Gold macht. In Turin gewannen deutsche
Athleten vier von acht Goldmedaillen. Von Sportfunktionären wird der Deutsche Bob- und
Schlittenverband daher gern als Juwel gepriesen. Die Athleten gehören der höchsten
Förderstufe an, aber die größten Kosten verursachen ihre Arbeitsplätze. Weltweit gibt es
sechzehn Kunsteisbahnen, ein Viertel davon in Deutschland. Nur Kanada, die Vereinigten
Staaten und Italien können überhaupt zwei Eiskanäle vorweisen. Der Bund zahlt für die
Bahnen in Altenberg, Königssee, Oberhof und Winterberg jedes Jahr 980 000 Euro. Die
andere Hälfte der Kosten bestreiten Länder und Kommunen.
Mit dem Unterhalt ist es nicht getan. Am Donnerstag hat die Sanierung des Eiskanals von
Königssee begonnen. Für rund 22 Millionen Euro sollen unter anderem ein neues Zielhaus
und eine neue Schlusskurve gebaut werden - finanziert aus dem Konjunkturpaket der
Bundesregierung. Sollte München den Zuschlag für die Olympischen Spiele 2018 erhalten,
kämen acht Millionen Euro obendrauf.
"Der olympische Geist wäre verwirklicht, wenn wir alle Welt zum Training auf unsere
Bobbahnen einladen würden", sagt Männig. Könnten es sich alle Welt leisten, die Einladung
anzunehmen, hätten die Deutschen immer noch einen Vorsprung. Bobs, Rodel- und
Skeletonschlitten kommen vom Institut für Sportgerätebau FES. Zusammen mit dem
Leipziger IAT wird es vom Innenminister mit 14 Millionen Euro gefördert. Tendenz
steigend.
Text: F.A.Z.
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
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21.02.2010 14:10
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