close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Der Krieg ist vorüber – was nun? - Schulbuchzentrum Online

EinbettenHerunterladen
FRIEDENSSCHLÜSSE
Der Krieg ist vorüber – was nun?
Didaktische Überlegungen zum Thema Friedensschlüsse
Von Michael Brabänder
Wegmarken
Fallbeispiele
Als Knotenpunkte historischer Entwicklungen bieten
markante Friedensschlüsse gute und flexibel handhabbare „Andockstellen“ für die Erschließung des
Unterrichtsstoffs. Am Ende einer bedeutsamen militärischen Auseinandersetzung besteht ein ungewöhnlich hohes Maß an Ordnungs- und Regelungsbedarf,
und die politische Lage ist von einer großen Offenheit
geprägt. Darin liegen wertvolle didaktische Potenziale begründet, die sich in drei Punkten fassen lassen:
1. Friedensschlüsse ermöglichen die Fokussierung verschiedener inhaltlicher Aspekte, so die Herausarbeitung von Interessenlagen und unterschiedlichen
Verhandlungspositionen, die Analyse der Verhandlungsführung und der Auswirkungen sowie die Beschäftigung mit der Rezeptionsgeschichte.
2. Friedensschlüsse erlauben vielfältige mediale Zugriffe, beispielsweise durch den Einsatz von Karten, Karikaturen, Zeitungsartikeln und Historiengemälden.
3. Friedensschlüsse bieten Raum für problemorientierte, multiperspektivische und kreativ-gestalterische Zugänge, etwa durch kontroverse Diskussionen, Inszenierungen und Rollenspiele.
Die in dieser Ausgabe präsentierten sechs Fallbeispiele stellen einen historischen Längsschnitt von
der Frühen Neuzeit bis zur Zeitgeschichte dar. Die
Beiträge richten sich überwiegend an Schülerinnen
und Schüler der Sekundarstufe I, doch können die
Materialien unter veränderten Fragestellungen auch
in der Oberstufe eingesetzt werden.
Der Basisbeitrag von Edgar Wolfrum (S. 4ff.) bietet dabei einen Überblick über den Wandel der Art
und Weise, Frieden zu schließen. Wolfrums Ausführungen reichen vom Westfälischen Frieden als
erstem großen diplomatischen und Verhandlungsfrieden der Neuzeit bis zur Gegenwart und der
Schwierigkeit, bei heute asymmetrischen Konflikten
tragfähige Lösungen zu finden.
Elmar Wagener (S. 12ff.) und Linda Brüggemann
(S. 18ff.) widmen sich mit dem Westfälischen Frieden
und dem Frieden von Hubertusburg zwei Weichen
stellenden Friedensschlüssen der Frühen Neuzeit.
Ersterer bewirkte einen grundlegenden Wandel im
Gefüge des Heiligen Römischen Reiches. Letzterer
besiegelte den Aufstieg Preußens und die Herausbildung der europäischen Pentarchie. Der Beitrag zum
Titel
Inhalt
Zugriff/Methode
Autor / Seite
Frieden in der Neuzeit
Veränderungen im Prozess des Friedenschließens
Basisbeitrag/sachtext sek. ii
edgar Wolfrum, s. 4 – 8
Münster und Osnabrück 1648
Verhandlungsstrategien und ergebnisse
beim Westfälischen Frieden
Bild-/textanalyse in gruppenarbeit
elmar Wagener, s. 12 – 16
hubertusburg 1763
Das ende des siebenjährigen Krieges und
Preußens aufstieg zur großmacht
Problemorientierte Partnerarbeit,
Kartenanalyse
DIFFERENZIERT
Linda Brüggemann, s. 18 – 21
Wien 1814/15
europas Neuordnung nach der napoleonischen hegemonie
rollenspiel mit Kartenanalyse und reflexion;
textanalyse und –vergleich
DIFFERENZIERT
Michael Brabänder, s. 22 – 27
Versailles 1919
Urteile über die Friedensordnung
nach dem ersten Weltkrieg
interpretation von Karikaturen und
Vergleich von Forschungsmeinungen
in gruppenarbeit
DIFFERENZIERT/BILINGUAL
stefanie schneider, s. 28 – 33
Potsdam 1945
Die informelle abwicklung des Zweiten
Weltkriegs
textanalyse; multiperspektivischer Vergleich
von Zeitungsartikeln
Jan sonnemann, s. 34 – 38
Oslo 1993–1995
Der Vertrag zwischen israel und der PLO
als etappe zum Nahostfrieden?
textanalyse; Dekodierung von
sach- und Werturteilen
thomas grove und
Meik Zülsdorf-Kersting, s. 40 – 45
„Deutschlands Verstümmelung“
rezeption des Versailler Vertrags in
deutschen Kartendarstellungen
rubrik/Kanonische Karten,
sachtext sek. ii
Klaus Fieberg, s. 46 – 49
Der Friedensdenker immanuel Kant
„Zum ewigen Frieden“, 1795
rubrik/auf spurensuche, sachtext sek. ii
Karlheinz Lipp, s. 50 – 51
Abb. 1: Übersicht der Beiträge
10
Praxis geschichte 2|2011
Wiener Kongress (S. 22ff.) will die Positionen und
Verhandlungsstrategien der Hauptmächte in einem
Rollenspiel nachvollziehbar machen.
Stefanie Schneider fokussiert in ihrem bilingualen Unterrichtsvorschlag (S. 28ff.) die Ergebnisse
des Versailler Vertrags, deren unmittelbare Rezeption am Beispiel von Karikaturen und den Rezeptionswandel in historischer Perspektive. Jan Sonnemann
(S. 34ff.) erörtert am Beispiel der zeitgenössischen
Presse die Bewertung des Potsdamer Kommuniqués seitens der alliierten Siegermächte des Zweiten
Weltkriegs. Thomas Grove und Meik Zülsdorf-Kersting (S. 40ff.) schlagen für eine Erarbeitung der Positionen im Nahost-Friedensprozess eine eingehende
Analyse von Sach- und Werturteilen vor.
Relevanz
Als inhaltliche Kriterien für die Auswahl dienten beim
Westfälischen Frieden, dem Wiener Kongress, dem
Frieden von Versailles sowie dem Potsdamer Kommuniqué ihre jeweils überragende historische Tragweite
und die damit einhergehende unmittelbare Lehrplanund Unterrichtsrelevanz. Der Frieden von Hubertusburg wurde aufgenommen, weil er den Aufstieg Preußens zur europäischen Großmacht markiert und die
exemplarische Darstellung des Abschlusses eines Kabinettskriegs ermöglicht. Das Oslo-Abkommen findet
wegen seiner Bedeutung als Etappenerfolg in einem
fragilen und immer wieder stockenden Friedensprozess der jüngsten Zeit Berücksichtigung.
n
Friedensschluss / Beteiligte
Ergebnisse
Bedeutung / Folgewirkungen
Westfälischer Frieden (1648) zwischen
Kaiser/Reich und Frankreich (Münster) sowie
Kaiser/Reich und Schweden (Osnabrück)
als Hauptbeteiligten
KEnde des Dreißigjährigen Krieges
KSchaffung einer grundlegenden
europäischen Friedensordnung
K für Europa: territoriale Zugewinne für
Frankreich und Schweden; Unabhängigkeit
der Niederlande und der Schweiz
K für das Reich: konfessionelle Parität auf
den Reichstagen; 1624 als „Normaljahr“
für die konfessionelle Zugehörigkeit;
Anerkennung der Territorialhoheit der
Reichsstände
Friede von Hubertusburg (1763) zwischen
Österreich und Preußen unter sächsischer
Vermittlung
KEnde des Siebenjährigen Krieges
Wiener Kongress (1814/15) unter Teilnahme
von Österreich, Russland, Großbritannien,
Frankreich und Preußen als Hauptbeteiligten
K territoriale Zugewinne für Russland,
Preußen und Großbritannien;
Arrondierung der Habsburger-Monarchie;
Frankreich in den Grenzen von 1792
K Wiederherstellung des territorialen Status
quo ante: Preußen bleibt im Besitz von
Schlesien
KGrundsatz der staatlichen Souveränität
K zentraler Bestandteil der Reichsverfassung
K Preußen steigt endgültig in den Rang
einer europäischen Großmacht auf
K österreichisch-preußischer Dualismus
KSystem des Mächtegleichgewichts
(Pentarchie) zur Wahrung des Friedens in
Europa
KSchaffung des Deutschen Bundes
Versailler Vertrag (1919) zwischen Frankreich,
Großbritannien, den USA und Deutschland als
Hauptbeteiligten
K Bedingungen zu Lasten des Deutschen
Reiches: Gebietsverluste, Reparationsverpflichtungen, weitgehende Abrüstung und
Zuerkennung der alleinigen Kriegsschuld
K Friedensordnung ohne Dauer: deutscher
Revisionismus gegen den „Diktatfrieden“
Potsdamer Kommuniqué (1945) der USA,
Großbritanniens und der UdSSR
KGrundsätze für die Verwaltung des
­besetzten Deutschlands: Entmilitarisierung, Entnazifizierung, Dezentralisierung,
Demontage; Unterstellung der deutschen
Ostgebiete unter polnische Verwaltung
(Oder-Neiße-Linie)
K trotz gegenteiliger Bekundungen
zeichnet sich angesichts fundamentaler
Interessenunterschiede (USA vs. UdSSR)
die Teilung Deutschlands ab
Friedensprozess von Oslo (1993–1995)
zwischen Israel und der PLO unter
norwegischer Vermittlung
K gegenseitige Anerkennung der
Konfliktparteien
K aufgrund zahlreicher ungelöster Fragen
und neuer politischer/personeller
Konstellationen Scheitern des
Friedensprozesses
KGrundsatzvereinbarungen zum Abzug
Israels aus den besetzten Gebieten sowie
der teilweisen Übertragung der Autonomie
auf die Palästinenser
Abb. 2: Die Friedensschlüsse – eine Synopse
Praxis geschichte 2|2011
11
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
2
Dateigröße
81 KB
Tags
1/--Seiten
melden