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Bericht 2009 des Fördervereins Neue Wege in Somalia mit Fotos

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«Förderverein Neue Wege in Somalia» Zürich
gegründet von Vre Karrer
Abdullahi Ali Mohamed, unser Interimsleiter,
rechts der Allrounder von New Ways, Salim
www.nw-merka.ch
Komitee in Merka
Bericht 2009
Die Mitarbeiter des Ambulatoriums
Wir wissen nicht, was kommt – aber New Ways lebt
Professor Mohamed Roble, der Leiter des Hilfswerkes New Ways, gegründet von Vre Karrer,
wurde am 18. November 2008 in Merka angeschossen. Er konnte nach Nairobi ausgeflogen
werden, wo auf einer Intensivstation sein rechtes
Auge entfernt werden musste. Inzwischen hat er
das Spital verlassen können. Ob er nach Merka
zurückkehren und dort wieder arbeiten kann, ist
noch unklar. Die Absenz von Professor Roble hat
eine grosse Lücke hinterlassen. Er spielte in Merka eine zentrale Rolle, um die verschiedenen Projekte zu koordinieren und zu überwachen.
Zurzeit wird das Hilfswerk New Ways vom Sekundarlehrer Abdullahi Ali Mohamed, einem qualifizierten, uns lange Jahre schon bekannten Mitarbeiter geführt. Die Schülerinnen und Schüler der
Primar- und Sekundarschule können wie gewohnt
zur Schule gehen. Im Ambulatorium finden Tag
für Tag dutzende Kinder, Frauen und Männer Hilfe. Der Markt und die Strassen von Merka werden
weiter von einer Equipe von Frauen und Männern
gereinigt und auf dem Sanitätsposten im Dorf
Ambe Banaan wird erste Hilfe geleistet.
Die politische Lage in Somalia
Waffen und Kämpfern für die radikalen somalischen
Islamisten zu unterbinden. Nach UNO-Angaben soll
die Situation in Somalia heute schlimmer sein als in
der sudanesischen Provinz Darfur. Bis zu 3,5 Millionen Menschen sollen im ganzen Land von Nahrungsmittelhilfe abhängig sein.
Somalia hat seit 1991 keine anerkannte nationale
Regierung. Anfangs dieses Jahres wurde der gemässigte Islamist Sharif Sheikh Ahmed Präsident
der Übergangsregierung. Diese Regierung wird heute jedoch von radikal islamistischen Gruppierungen
bekämpft, die seit einiger Zeit einen grossen Teil Somalias kontrollieren, auch Merka. Die vom Westen
unterstützte Übergangsregierung kontrolliert im Moment nur noch einen Teil der Hauptstadt. Die neuesten Kämpfe in Mogadiscio haben abermals über
hunderttausend Menschen veranlasst, die Stadt zu
verlassen.
Die Leidtragenden der Auseinandersetzungen sind
wiederum vor allem Zivilpersonen. Die Gesamtzahl
der Binnenvertriebenen in Somalia beträgt nach Angaben der UNO heute 1,3 Millionen Menschen (bei
9 Millionen EinwohnerInnen). Die Nachbarstaaten
verlangen jetzt von der UNO, dass sie die Flug- und
Seehäfen Somalias blockiert, um den Nachschub an
Das Welternährungsprogramm wird behindert
Die Ernährungslage ist auch in Merka sehr schlecht,
wie uns Abdullahi Ali Mohamed kürzlich geschrieben
hat. Das Welternährungsprogramm WFP versucht
zwar zusätzliche Nahrung zu liefern, die Schulen der
Stadt zu versorgen und Familien mit unterernährten
Kindern zu helfen. Auf Grund der allgemeinen Unsicherheit musste das Welternährungsprogramm aber
die Verteilung von Nahrungsmitteln in Merka stoppen, was die Ernährungslage in der ganzen Region
stark verschlechterte. Im Hafen von Merka können
keine Schiffe des WFP mehr entladen werden, die
Seeleute wagen es auch nicht mehr, vor Merka zu
ankern.
Besuch beim Arzt im Ambulatorium
Obwohl die islamistischen Shabaab-Milizen auch
Merka kontrollieren, geht die Arbeit des Hilfswerks
New Ways weiter. Sobald es die Lage in Somalia
wieder erlaubt, wird unsere Präsidentin Jenny Heeb
wieder nach Merka reisen, diesmal in Begleitung der
Ärztin Dr. Bigna Rambert, die schon jetzt aus dem
fernen Zürich ständig in Kontakt mit dem Ambulatorium steht.
Das Ambulatorium von News Ways
Das Ambulatorium wird vorwiegend von Müttern mit
ihren Kindern aufgesucht. Parasiten im Darm, sexu-
Die Primarschule in Merka
Die Primarschüler erhielten bisher täglich eine warme Mahlzeit. Dies hat viele der Kinder vor Unterernährung bewahrt. Untersuchungen der UNO stellten
nämlich eine sehr hohe Rate von Unterernährung
in der Region fest. Das Welternährungsprogramm
kann im Moment keine festen Nahrungsmittel mehr
liefern. Mais, Hirse und Pflanzenöl wurden bisher
von dieser Organisation für das warme Mittagessen
zur Verfügung gestellt. Heute muss New Ways die
Verpflegung der Kinder ganz aus eigenen Mitteln bestreiten. Es reicht aber nur noch für Brot und Tee, wie
uns Abdullahi schrieb.
Brief eines Knaben der Primarschule: Mein
Name ist Abdullahi Ali Hagi. Zuerst möchte ich den
Schulleiter und meine respektvollen Lehrer grüssen.
ell übertragbare Krankheiten, Lungenentzündungen,
Blutarmut (Anämie) und Blasenentzündungen sind
die häufigsten Leiden, die im Ambulatorium behandelt werden. Viele PatientInnen sind unterernährt,
speziell Kinder unter fünf Jahren und ältere Menschen. Nur etwa dreissig Prozent der PatientInnen
können etwas für die Behandlung bezahlen. Was
sehr positiv ist: Fehlende medizinische Instrumente
werden jetzt in Somalia eingekauft, mit Einnahmen,
die im Ambulatorium erwirtschaftet worden sind.
Wie steht es mit der Frauenbeschneidung, fragten
wir in Merka nach. Diese Praktik sei immer noch
vorherrschend, mit all den Konsequenzen, die dies
habe, wurde uns mitgeteilt. Schwierigkeiten bei der
Arbeit, Probleme bei der Menstruation, wiederkehrende Infektionen und Blutungen nach der Geburt
seien die Folge dieser Verstümmelung der weiblichen Genitalien.
Laut der kuwaitischen Ärzteorganisation Al-Manhal,
die sich in Somalia auch in der Augenmedizin engagiert, hätten in Somalia über 120’000 Menschen
eine Augenoperation nötig. Beim grössten Teil dieser
Menschen müsste eine Star-Operation durchgeführt
werden. Das ist auch in der Lower Shabelle-Region
der Fall, in der Merka liegt.
Zu meinem Leben: Ich würde sagen, mein Leben ist
normal. Ich lebe bei meinen Eltern und komme in
die vierte Klasse. Wir haben dort folgende Fächer:
Islamische Religion, Arabisch, Mathematik, Wissenschaft, Somalisch, Lebenskunde (Social Studies) und
Englisch. Mein liebstes Fach ist Lebenskunde.
Ich zahle für die Primarschule von New Ways kein
Schulgeld, aber in der Zwischenstufe sollte ich dann
Schulgeld zahlen. Ich studiere immer darüber nach,
wo ich dieses Geld auftreiben könnte! Dies beunruhigt mich sehr, da meine Familie arm ist. In der Zukunft möchte ich meine Studien an einer Universität
fortsetzen, wenn ich jemanden habe, der mir hilft. Ich
möchte Pilot werden, wenn ich erwachsen bin.
Der Unterricht der Primarschule findet heute in einem alten Wohnhaus statt, das nicht im Besitze von
Die Primarschule, die vier Jahre dauert, besuchen 335 Mädchen und 300 Knaben. Sie werden von 16 Lehrkräften unterrichtet. Der Unterricht erfolgt in zwei Schichten. Die morgendliche Schicht wird von Hawa geleitet und die nachmittägliche von Osman Shariff.
In der Sekundarschule, der Verena Secondary School, werden über 500 Jugendliche beider Geschlechter unterrichtet
New Ways ist. Die Räume sind denkbar ungeeignet
für den Unterricht und die Platzverhältnisse sind prekär. Ein Grundstück für den Bau eines eigenen Primarschulhauses wurde schon gekauft. Für den Bau
eines neuen Primarschulhauses sind wir auf der Suche nach Geldgebern. Geplant ist ein Schulhaus mit
vier Klassenräumen und vier Toiletten.
Einige der Lehrer und Lehrerinnen der Primarschule sind erfolgreiche Absolventen unserer Sekundarschule in Merka. Sie haben jedoch kein Lehrerseminar besucht, was die Qualität des Schulunterrichts
beeinträchtigt. Eine richtige pädagogische Ausbildung gibt es in Somalia heute nicht. Die UNICEF
organisiert deshalb regelmässig Lehrerkurse. New
Ways konnte sechs Lehrer in solche Kurse in Mogadiscio schicken, was sich positiv auf den Unterricht
auswirkte.
Die Sekundarschule
Die Sekundarschule, die vier Jahre dauert, besuchen
164 Mädchen und 364 Knaben, das heisst, es sind
oft auch junge Frauen und Männer, die älter als 18
Jahre alt sind. 15 Lehrer unterrichten diese Schüler.
Der Schulleiter organisiert wöchentliche Meetings,
an denen die Lehrer gemeinsam den Unterricht besprechen.
Gesundheitsposten in Ambe Banaan
Die Bewohner der zahlreichen Weiler, die das Dorf
Ambe Banaan bilden, suchen im Gesundheitsposten von New Ways Hilfe. In dieser Gegend hat es
nämlich keine andere solche Einrichtung. Wenn der
Gesundheitsposten offen ist, wird er im Durchschnitt
täglich von 60 PatientInnen besucht. Die Menschen
leiden hauptsächlich unter Parasiten im Darm, an
Bilharziose, Anämie, an allgemein entzündlichen Erkrankungen, an Malaria und Bronchitis. Monatlich
suchen auch 70-90 Personen zu Fuss das Ambulatorium von New Ways in Merka auf oder Saalim
bringt sie nach Merka, das 35 Kilometer entfernt
ist. Diese Patienten, meist unterernährt, an Typhus,
Lungenentzündungen, an zerebraler Malaria oder an
Brustfellentzündungen erkrankt, hoffen Hilfe in Merka zu bekommen. Schwere Fälle überweist das Ambulatorium von New Ways dem Spital in Merka.
Zusammenarbeit mit Swisso Kalmo
Die Organisation Swisso Kalmo der Schweizer Krankenschwester Magda Nur-Frei und ihrem Mann
Shekton Nur ist auch in Merka tätig. Sie betreibt
ein Tuberkulosespital und Ambulatorien. New Ways
stand schon immer in engem Kontakt mit Swisso
Kalmo. PatientInnen von Swisso Kalmo fanden im
Brief der Sekundarschülerin Ubah Hassan
Mohamed: Ich besuche die Verena Secondary
School. Die Primarschule begann ich 1997, damals
die Al-Rahman-Primarschule. Ich bin jetzt in der vierten Klasse der Sekundarschule. Der Unterricht gefällt
mir und ich habe die Lehrer gern. Es werden mehrere
Fächer unterrichtet, aber Mathematik und Physik sind
meine liebsten Fächer. Ich lebe mit meiner Mutter, sieben Schwestern und vier Brüdern zusammen. Unser
Leben ist nicht so gut. Mein Vater starb, als ich noch
klein war, ich glaube, ich war damals drei Jahre alt.
Wenn ich die Sekundarschule beendet habe, wäre
mein Wunsch, an der Universität Oxford zu studieren. Ich möchte Ärztin werden. Ich verfolge dieses
Ziel auch deshalb, weil wir in Somalia keine weiblichen Ärzte haben. Als Ärztin würde ich hier speziell Frauen helfen. Dies ist mein Zukunftsplan. Nach
meinem Studienabschluss würde ich in mein Mutterland zurückkehren und meinem Volk beistehen, bis
zu meinem Tod.
Markt- und Stadtreinigung
Zwei Teams reinigen täglich das Stadtzentrum und den Markt, das
sind die belebtesten und die schmutzigsten Teile der Stadt. Die
Zonen, in denen die beiden Teams arbeiten, sind sauber und die
Gemeinde ist sehr zufrieden mit dieser Arbeit von New Ways.
Die Zusammenarbeit von Swisso Kalmo und New
Ways in Merka soll jetzt weiter intensiviert werden.
Da Swisso Kalmo zurzeit keinen Arzt hat, arbeitet
unser Arzt, Dr. Abderrahmane Hassan Mohamoud,
seit Juni dieses Jahres zwei Tage pro Woche bei
Swisso Kalmo, bis dort ein neuer Arzt angestellt werden kann.
Heinrich Frei
Dank
Wir danken allen von ganzem Herzen, die uns unterstützen. Ohne Ihre Spenden und Ihre Treue könnten
wir unsere Arbeit in Somalia nicht weiterführen.
Das Finanzielle
Magda Nur-Frei mit Mitarbeitern und Patienten von Swisso Kalmo
Ambulatorium Hilfe und Tuberkulosekranke wurden
von New Ways an das Tuberkulosespital von Swisso
Kalmo überwiesen. Man hat sich auch mit Medikamenten ausgeholfen. Magda Nur-Frei arbeitet seit
1988 in Somalia, zuerst im Distrikt-Spital in Merka,
später dann mit Annalena Tonelli, einer initiativen italienischen Juristin, die sich während Jahrzehnten als
Krankenschwester für die somalische Bevölkerung
eingesetzt hat, bis sie im Oktober 2003 ermordet
worden ist. Auch Vre Karrer arbeitete mit Annalena
Tonelli zusammen.
Im heutigen Tuberkulose Zentrum von Swisso Kalmo
werden TB-Behandlungen durchgeführt und zusätzlich an Tuberkulose erkrankte Menschen teils stationär, grösstenteils ambulant täglich während 6 – 8
Monaten medizinisch versorgt. Infos: www.swissokalmo.ch. Aus gesundheitlichen Gründen weilt Magda Nur gegenwärtig in der Schweiz.
«Förderverein Neue Wege in Somalia» Zürich
gegründet von Vre Karrer
www.nw-merka.ch
Postcheckkonto: 80 – 53042 – 7
Der Vorstand des «Fördervereins
Neue Wege in Somalia» Zürich
Jenny Heeb, Präsidentin, Greifenseestr. 30,
8050 Zürich, Tel. 044 312 12 67
Heinrich Frei, Affolternstr. 171, 8050 Zürich,
Tel. 044 491 19 73
Vreni Gertsch, Unt. Heslibachstr. 45, 8700
Küsnacht, Tel. 044 910 63 82
Dr. Bigna Rambert, Rieterstr. 53, 8002 Zürich,
Tel. 044 202 14 40
Dr. Urs W. Etter, Tödihof 8, 8712 Stäfa,
Tel. 044 790 39 65
Bashir Gobdon, Auzelgstr. 33, 8050 Zürich,
Tel. 044 321 63 52
Gemäss dem Budget 2009 von rund 200’000 Franken können wir die nötigsten Ausgaben decken.
Fast 95 Prozent dieses Geldes werden direkt in Merka verwendet. Wir überweisen monatlich Löhne für
94 Angestellte. Auf Ihre Unterstützung sind wir angewiesen, eventuell auch durch ein Legat. Dürfen wir
wieder mit Ihnen rechnen? Es freut uns sehr.
Jenny Heeb
Druck: CityDruck Zürich, September 2009
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Seele and Geist
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