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Arbeiten mit Kindern – Was gibt es zu beachten? [Teil 1]
Posted: 23. März 2013 in Kinder, Recht und Ordnung, Werbung / Marketing
Schlagworte: Drehgenehmigung, JArbSchG, Produktion
Der Paragraphendschungel – sorgt stets für Verwirrung
Teil 1: Worauf sollte man bei Agenturen achten und „ Drehgenehmigungsfrei „ was ist
das ?
Ich war neulich mal wieder unterwegs, diesmal „im Namen der Recherchen für Eltern: Heute
kommen Gute Tips „ Neben den Recherchen zur Sicherheit im Netz habe ich mich
ausführlich informiert und mit Christiane Dreikauss von der New Talent Agentur gesprochen.
Sie gab mir einige Tips, die ich hier an euch weitergeben möchte. Gerade bei der Arbeit mit
Kindern und Jugendlichen gibt es doch einiges, was auch ich noch nicht wusste. Hier
kommen nun also ein paar Infos darüber, worauf man achten sollte..
1. Agenturen die von Stadt zu Stadt reisen ; von Hotel zu Hotel, oder Indoorspielplätzen,
und das was sie machen als“ Casting“ bezeichnen ( eigentlich machen Sie nur ein
Foto..) und Geld dafür nehmen, sind nicht zu empfehlen. Auch die
Verbrauchzentralen warnen immer wieder. Auch Kostenpflichtige Vorabgebühren
wie z.B. Aufnahmegebühren; Fotopflichtgebühren, o.ä. sind nicht zu empfehlen.
2. Internetagenturen sind grundsätzlich auch nicht zu empfehlen !
3. Eine gute Agentur arbeitet mit ausgesuchten Darstellern und hat nicht tausende
Darsteller oder Modells in ihrer Kartei/ Pool. Agenturen die einfach jeden für Geld
aufnehmen, daran kann man schon erkennen, das eine gute, umfassende und
individuelle Betreuung nicht gewährleistet sein kann. Eine Agentur bietet Eltern ein
umfassendes und informatives Agenturgespräch an.
Eine seriöse Nachwuchsagentur hat das Interesse schauspieltalentierte und vermittlungsfähige
Kinder und Jugendliche in ihrem Pool zu betreuen, d.h. eine Agentur muss die
Vermittlungschance für das Kind den Jugendlichen einschätzen können. Bei seriösen
Agenturen müssen die Kinder vorsprechen / vorspielen und das erarbeiten diese Agenturen
selbstverständlich kostenfrei.
Herauszufinden ob das Kind eine Vermittlungschance hat, so fängt eine gute Agentur an zu
arbeiten. Eine Agentur die seriös arbeitet nimmt deswegen keine Vorabgebühren, wie z.B.
Fotopflichtgebühren; Medienpauschale oder Setkartenpflicht. Bei Vorab-Pflichtgebühren
macht ihr nur diese Agenturen reich, denn das ist sehr lukrativ. Kurzum, es sollte der
Arbeitseinsatz einer Agentur sein, neue und gute Talente zu finden und auch eine Auswahl zu
treffen, wen sie betreuen, und mit wem sie zusammen arbeiten. Also, Eltern aufgepasst und
kritischer sein ! Mehr Informationen zu der rechtlichen korrekten Agenturpovision s.u.
Die Grundlagen habe ich ja schon einmal unter Werbung mit Kindern aufgelistet. Kinder die
„arbeiten“ sind je nach Alter an bestimmte rechtliche Vorgaben gebunden. Das wissen wohl
sogar die Kleinsten. Was aber kaum jemand kennt, ist ein wichtiger, mir bis zu meinem
Gespräch mit NewTalent unbekannter Begriff. Hierbei handelt es sich um die sogenannte
Drehgenehmigungsfreiheit. Was eine Drehgenehmigung ist, kann man sich denken und auch,
was Drehgenehmigungsfrei bedeuten könnte. Was das aber im Einzelnen wirklich heißt, ist
aus den Gesetzen nicht zu ersehen.
Grundlage bildet hier das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG), in dem die Arbeitszeiten
festgelegt sind. Zur Wiederholung: Kind im Sinne des JArbSchG sind Kinder bis Ende 15.
Lebensjahr und Jugendliche 16. – 18. Jahr. [Das wird dort immer etwas unsinnig beschrieben.
Alles über 6 heißt zum Beispiel: alles ab 7!] Nun ist es so, dass Jugendliche, die 15 sind und
die 9. Klasse noch nicht abgeschlossen haben, zur Gruppe der Kinder gezählt werden. Damit
dürfen sie maximal bis 22 Uhr arbeiten und bis zu 3 Stunden täglich.
Drehgenehmigungsfrei ; Was ist das ? - Interessant und wichtig zu wissen :
Drehgenhemigungsfrei sind Jugendliche ab 16 Jahre, oder wenn sie ( in Hamburg ) die 9.
Schulklasse absolviert haben ( in anderen Bundesländern die 10 Klasse ! ) Das ist für die TVund Filmproduktionen in den Besetzungsvorgängen wichtig und ausschlaggebend bei der
Entscheidung.. Dann sind die Produktionen nicht mehr an die rechtlich vorgeschriebenen
Arbeitszeiten mit Kindern gebunden und dürfen mit den Jugendlichen schon 8 Stunden am
Set arbeiten und am Abend bis 23.00h. Kurzum, sie können mit dem jungen Darsteller viel
länger arbeiten und sparen teure Drehtage! Ja, auch TV und Filmproduktionen müssen immer
mehr sparen ! Von daher suchen beauftragte Caster/innen für die zu besetzenden Kinderrollen
in TV- und Filmproduktionen schauspieltalentierte Jugendliche ab 16 Jahre die eine erheblich
jüngere Alterswirkung haben! Gut zu wissen: Nur wer 18 Jahre ist darf Nachts ab 23.00h
drehen! Das ist mit Kindern und Jugendlichen grundsätzlich verboten!
Wichtig: Bei Kindern die noch nicht drehgenehmigungsfrei sind und die für eine Produktion (
egal ob TV -Film-oder Werbeproduktion) arbeiten, muss ein Antrag beim Amt für
Arbeitsschutz( AfA ) gestellt werden, damit Kinder & Jugendliche ( bis 16 Jahre) drehen
dürfen. Eine Bewilligung muss den Produktionen vorgelegt werden, die von verschiedenen
Stellen auszufüllen ( Unterschrift und Stempel) auszufüllen ist. Hier müssen die
Erziehungsberechtigte; Arzt, Schule und das Jugendamt zustimmen, dieser Antrag muss dann
beim AfA eingereicht werden, damit die ihre behördliche Bewilligung geben können. Liegt
keine Bewilligung vor, oder wird diese gefälscht, wird das rechtliche ( und teuere)
Konsequenzen haben.
Zusätzlich ist noch zu sagen, dass auch eine Nachwuchsagentur einer finanziellen
Reglementierung unterliegt. Wird gegen diese Reglementierungen verstoßen, droht der
Verlust des Provisionsanspruches und es besteht sogar das Risiko, das bereits geleistete
Provisionen zurückgefordert werden. Auch mündliche Abreden und Vermittlungen sind
unwirksam laut § 297 Abs. 1 SGBIII. Weitere Informationen findet ihr im Auszug
“Agenturen Extra” aus Cast – dem Schauspieler Magazin 2/2010.
Gut zu wissen : Nur bei Werbefilmvermittlungen ( Foto und auch bei Werbefilm) gibt es
sogar 20 % Agenturprovision ( AP) für die Agentur. Diese Agenturprovision bei Werbung
bezahlt übrigens immer der Kunde, der den Spot beauftragt hat. Leider berechnen viele
Agenturen die AP trotzdem noch mal dem Darsteller, d.h. sie verdienen doppelt.
Also lasst Euch grundsätzlich - egal ob TV - Filmproduktionen, oder bei Werbung; immer die
Verträge vor Drehbeginn von einer Agentur aushändigen! Ihr müsst Eure Rechte, aber auch
Eure Pflichten kennen. Zudem die Erziehungsberechtigte in Haftung genommen werden,
nicht die zu vermittelnde Agentur.. Das sollte man beachten.
Manche Agenturen lassen sich nach einem erfolgreichen Besetzungsvorgang die Gage die
dem Darsteller zusteht, auf ihr Agentur-Konto von der Produktion überweisen. Das ist nicht
korrekt ! Beachtet immer, das die Gage die Euch ( Euren Kindern) zusteht, auch direkt auf
Euer Konto überwiesen wird. Sonst wendet Euch nach einer Besetzung immer direkt an die
zuständige Produktion. Viele Agenturen halten die Darsteller- Eltern bewusst unwissend und
geben diese Auszahlung nicht korrekt oder auch sehr zeitverögert weiter.
Gerade bei Werbefilmvermittlungen kommt es auch oft vor, das der Spot oder die
Printwerbung verlängert vom Kunden gebucht wird, so das es noch bis 1-2 Jahren zu
weitereren Buyout Auszahlungen kommen kann und nicht jede Agentur informiert den
Darsteller darüber. Nicht nett !
Nächstes Mal: Teil 2 – Schutz der Kinder beim Dreh
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