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Der finale Tumorpatient – was ist zu tun, was ist zu unterlassen ?

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Der finale Tumorpatient – was ist zu tun, was ist zu unterlassen ?
Dr. Dietmar Weixler, Christophorus 2, NAW Horn, PalMed Wien-Graz
Abstract:
Als Terminalphase im Verlauf einer Tumorerkrankung kann die Zeitspanne verstanden
werden, in dem sich die Mobilität des Erkrankten auf das Bett beschränkt, i.A. dauert sie
Tage bis Wochen, eine verbale Kommunikation ist häufig erhalten. Ein Sterbender im
engeren Sinn (Finalphase, die letzten Stunden des Lebens) ist in seinem Bewusstsein auf ein
inneres Erleben zurückgezogen, alle normativen Lebensbezüge ändern sich, die Vitalität
schwindet. Daher werden erwartungsgemäß auch die sog. Vitalparameter Rahmenbezüge
einer Normalität verlassen.
Gestörte Vitalparameter sind Anlasssymptome zur Berufung eines Notarztmittels, defensive
Strategien haben sich etabliert, um „alles richtig zu machen“, „um keine Gesetze zu
verletzen“, um „nichts unversucht zu lassen“.
Die Standardstrategien der Akutsysteme sind am Erhalten und Verlängern des Lebens
orientiert und lassen die Auseinandersetzung mit der Unausweichlichkeit des Todes
vermissen. Die Folge sind Einsatzberufungen zu sterbenden Patienten, Konflikte und die
Inszenierung von Umständen, die am Interesse aller Beteiligten vorbeizielen.
81 % der aufgeklärten Tumorkranken wünschen, nicht in einem Krankenhaus zu versterben,
tatsächlich sterben – regional unterschiedlich – jedoch 50-80% in einem Krankenhaus.
Die Gründe dafür sind systemisch. Es existieren zu wenige mobile Supportteams (mobile
Palliativdienste). Vorkehrungen im Sinne einer patientenorientierten vorrausschauenden und
planenden Handlungsweise werden nicht getroffen. Die Folge sind überforderte Betreuer und
Angehörige, die sich mit Situationen konfrontiert sehen, in denen sie sich hilflos und
ausgeliefert erleben. Eine flächendeckende Ausbildung von Ärzten in Palliative Care scheitert
häufig an Vorurteilen, Fehleinschätzungen und am komplexen technokratischen
Medizinsystem (verschiedene Finanziers intra/extramural). Partikularinteressen
(Parteilichkeit, Konkurrenz etc.) werden wirksam und führen häufig dazu, dass die
Gesamtversorgung des Patienten systemorientiert und nicht patientenorientiert erfolgt.
Mit geeigneten Support Systemen können mehr als 50% aller Tumorerkrankten an dem Ort
ihrer Wahl sterben, wobei noch Gesamtkosten gespart werden, weil die teuren Akutsysteme
entlastet werden.
Der NAW Horn wurde im letzten Jahr 17 x zu Sterbenden berufen, das entspricht 2,2% aller
NAW-Einsätze (17/772). Am WVK Horn existiert seit 2002 ein Palliative Support Team, das
intra- und extramural mit allen Betreuenden kooperiert. Es zeigte sich, dass alle Berufungen
zu Patienten erfolgten, die „konventionell“ und nicht „palliativ“ betreut waren, kein Patient,
der vom Palliative Support Team betreut worden ist (n=60), benötigte ein Notarztmittel.
Aus dieser Beobachtung kann die Hypothese entwickelt werden, dass palliativ betreute
Menschen mit unheilbaren Erkrankungen durch vorrausschauende und geplante Betreuung
unabhängiger von Notdiensten werden, dass die Patientenzufriedenheit steigt und die
Akuteinrichtungen entlastet werden. Das müsste durch eine geeignete prospektive Methodik
in einer Längsschnittbeobachtung bewiesen werden.
Im Vortrag werden weitere Fragen diskutiert: „Ist eine CPR bei einem Menschen mit
Tumorerkrankung sinnvoll?“, „Muss ein vital bedrohter Mensch hospitalisiert werden / sind
Sterbende vital bedroht ?“. Methoden der Symptomkontrolle (Atemnot, Übelkeit/Erbrechen,
Unruhe, Todesrasseln) werden erörtert, die Aufnahme von Gripper-Nadeln (Huber, Porth-ACath) in die Inventarlisten der Notarztmittel wird strikt empfohlen.
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Gesundheitswesen
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