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Cloud Computing – alles Wolke oder was? - Trivadis

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CARTE BLANCHE
Cloud Computing – alles Wolke
oder was?
Cloud Computing ist das neue Modewort unserer Tage. Ist es wirklich die Informationstechnologie des
21. Jahrhunderts? Oder haben wir nur wieder einmal einen Traum – einen elektrischen Traum aus der
Steckdose, der niemals Realität werden wird?
Computing Power als global und universell verfügbare Ressource, die jederzeit und überall abgerufen werden kann, ein Traum
aus den heiteren Tagen des Internetbooms? Nein, Cloud Computing hat nicht nur eine prominente Position auf dem Gartner Hype Cycle, auch seriöse australische Wissenschaftler des
Grids Laboratory in Melbourne glauben heute, dass mit Cloud
Computing IT-Services als sogenannte Betriebsmittel wie etwa
Wasser oder Strom geliefert werden können. IBM hat bereits vor
zwei Jahren mit der Einführung seiner Blue-Cloud-Initiative angekündigt, dass mit dem neu aufkommenden Modell der Zugriff
auf Anwendungen global mit jedem beliebigen Gerät erfolgen
kann. Salesforce, Amazon, Microsoft, Sun und andere sind im
letzten Jahr mit Angeboten gefolgt, die unter dem Namen Cloud
Computing virtualisierte Dienste anbieten. Das Versprechen ist
einfach: «Sie brauchen kein eigenes Datacenter mehr, die Cloud
übernimmt das alles zu einem Bruchteil der Kosten.»
Daniel Liebhart
«Cloud Computing
ist serviceorientierte
Architektur auf
­g lobaler Ebene.»
Cloud Computing für Unternehmensanwendungen
Das zentrale Konzept hinter Cloud Computing ist die Bereitstellung einer integrierten und orchestrierten Anwendungsfunktion durch Zusammenstellung loser oder eng gekoppelter
Dienste, was nichts anderes als die Umsetzung einer SOA auf
globaler Ebene bedeutet. Allerdings werden an den Dienst als
Grundkomponente etwas andere Anforderungen gestellt als an
einen Dienst, der lediglich auf Unternehmensebene eingesetzt
werden soll. Eine wichtige Anforderung ist die Bereitstellung
von Workflows, die durch den Cloud-Computing-Nutzer definiert werden können. Sie können also nicht durch dedizierte
IT-Abteilungen festgelegt werden, wie in Enterprise-SOA-Umgebungen üblich. Diese Workflows steuern die Ablaufsequenz
der Verwendung der einzelnen Cloud-Computing-Ressourcen. Sie stellen nichts anderes als den dynamischen Teil der zu
verwendeten Geschäftslogik dar. Ein weiterer Unterschied ist
die Art und Weise, wie die einzelnen Services aufgebaut sein
müssen. Sie müssen wiedeverwendbar, leicht austauschbar,
erweiterbar, skalierbar, kombinierbar, sicher sowie zu betrei-
ben und verfügbar sein. Schliesslich ist Cloud Computing ohne
eine virtualisierte Infrastruktur nicht möglich. Virtualisierung
erlaubt die Abstraktion und Isolation von physischen Funktionen wie OS, Storage und Hardware, um durch Kombination
und Mitbenutzung Skaleneffekte für die nutzenden Dienste zu
erreichen.
Breite Nutzung in der Ferne
Hört sich gut alles an, oder wie es Lew Tucker – CTO von Sun
– einfacher sagt: «Cloud Computing ist eine Kombination von
Software-as-a-Service, Platform-as-a-Service und Infrastructure-as-a-Service.» Von allem sind wir leider noch weit entfernt. Dies ist wohl auch der Grund, warum es lediglich sehr
einfache Cloud-Computing-Anwendungen gibt, die bestenfalls
als SaaS-Dienste bezeichnet werden können, die auch noch an
Kinderkrankheiten bezüglich Leistung und Verfügbarkeit leiden, wie die University of New South Wales kürzlich in einem
Belastungstest festgestellt hat. Und es kommt noch schlimmer:
Es gibt sogar Aussagen – beispielsweise diejenige vom AmazonCTO Werner Vogels –, die jedem IT-Verantwortlichen eines Unternehmens die Haare zu Berge stehen lassen: «Weil wir eine
gemeinsam genutzte Plattform haben, können viele neue Dinge mit den Daten anstellen, und ich glaube, dass wir auch viele
neue Dinge mit Diensten tun können.»
Warum es trotzdem interessant ist
Die Grundidee, IT-Ressourcen besser zu nutzen und durch Virtualisierung Skaleneffekte zu erzielen, ist mehr als spannend –
gerade in Zeiten der sinkenden IT-Budgets. Die Bereitstellung
universell nutzbarer Computing Power als einfache Ressource
entsprechend Wasser oder Strom muss ein langfristiges Ziel
unserer Branche bleiben. Gerade für die vielen einfachen Anwendungen oder für Daten, die nicht mehr verändert werden,
sind solche Infrastrukturen am effizientesten. Aber die globale
Bereitstellung skalierbarer Funktionalität hat ihren Preis. Die
Komplexität dieser Infrastrukturen ist nicht zu unterschätzen,
und ein weiteres wichtiges Problem ist und bleibt ungelöst: Wie
können Unternehmen dazu gebracht werden, einen zentralen
Unternehmenswert – die Informationen – einem externen Anbieter anzuvertrauen? Die Aussagen der Cloud-ComputingAnbieter und die Ergebnisse der Tester dieser Angebote wirken
nicht gerade vertrauenerweckend.
Daniel Liebhart ist Dozent für Informatik an der Hochschule
für Technik in Zürich und Solution Manager der Trivadis AG.
Er ist Mitglied des SOA-Expertenrates und Autor des Buches
«SOA goes real» (Hanser Verlag).
17/2009 © netzmedien ag
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