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Früh hilft, was nützen soll - Carola Veit

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taz 17.5.2006 Früh hilft, was nützen soll
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Früh hilft, was nützen soll
Senat baut Familienhebammenprojekt aus, um Überforderung junger Mütter zu begegnen. Opposition
und Kinderschutzbund finden Maßnahme halbherzig - auch weil dafür Geld bei der Aidshilfe
abgezogen wird
Hamburg bekommt sechs neue Familienhebammenprojekte: In Altona-Altstadt, Lohbrügge, Billstedt, Veddel,
Jenfeld und Wilhelmsburg wird je eine Hebamme eingesetzt, die Eltern im ersten Jahr nach der Geburt ihres
Kindes betreuen soll. 122.000 Euro stehen dafür bereit. Das hat der Senat gestern beschlossen - und damit
abgenickt, was die Sozialbehörde längst bekannt gegeben hatte. Weit zurück bleibt die Planung hinter den
Erwartungen des Hamburger Kinderschutzbundes: Der hatte angeraten, in jedem Ortsteil Familienhebammen
einzusetzen.
Bislang gibt es sieben solcher Projekte in der Stadt. Ihr Ziel ist es, junge Mütter zu unterstützen, die mit der
Erziehung eines Kindes überfordert sein könnten. Ihnen soll von dessen Geburt an dabei geholfen werden,
eine positive Beziehung zu ihrem Baby aufzubauen. "Es muss keine Vernachlässigung geben, wenn wir die
Familien rechtzeitig positiv erreichen", so der Geschäftsführer des Kinderschutzbundes, Uwe Hinrichs, zur
taz. Er sprach sich für einen "flächendeckenden Ausbau" aus. Unter Fachleuten gelten Familienhebammen
auch deshalb als wegweisend, weil sich Mütter, die schon früh Zugang zum Hilfesystem hatten, auch später
eher trauen, Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Umso größer die Enttäuschung über den gestrigen Senatsbeschluss. Die SPD-Familienpolitikerin Carola Veit
kritisierte umgehend, dass der Senat nur vollziehe, was er bereits vor einem Jahr vollmudig angekündigt
hatte. "Die Senatorin weiß selbst, dass der Bedarf in der Stadt viel größer ist", hielt Veit Sozialsenatorin Birgit
Schnieber-Jastram (CDU) vor. Die aktuelle Maßnahme findet sie unterdimensioniert - und zudem auf fatale
Weise finanziert: Rund 42.000 Euro stammen nach SPD-Informationen aus dem Topf der Aidshilfe Hamburg.
Veit: "Diese Umverteilung ist vor dem Hintergrund des starken Anstieges der HIV-Neuinfektionen um rund 30
Prozent im vergangenen Jahr nicht zu verantworten."
Gesundheitsbehördensprecher Hartmut Stienen bestätigte, dass die genannte Summe aus "dem
Gesundheitsbereich" stamme. Weitere 30.000 Euro kommen aus dem Topf der Sozialbehörde, der übrige
Betrag wird von den Bezirksämtern finanziert. Laut Schnieder-Jastram können künftig an die 500 Familien pro
Jahr betreut werden - bei rund 10.000 Neugeborenen in der Stadt. Elke Spanner
taz Nord Nr. 7973 vom 17.5.2006, Seite 24, 79 TAZ-Bericht Elke Spanner
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17.05.2006
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