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1 Was prasset ihr hier und saufet, schwatzet und - CSB-Coburg

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Was prasset ihr hier und saufet, schwatzet und grinset, Volk der Christen? Das große Fasten
hat begonnen, denn nahe schon ist die Zeit des Drachens mit den sieben Köpfen und zehn
Hörnern, wie’s Johannes uns offenbarte. Schwer nun sind die Tage nach heiteren Jahren, als
ihr noch einmütig waret in euren Ratsversammlungen und Beschlüsse habet gefasst, die
gemeinsam des Volkes Willen in den Staub getreten haben. Und alle ward ihr dabei, auch
wenn euch die Hand verdorre, die sich einst dafür erhoben.
Tuet Buße! Bereuet! Höret auf meine Worte – der Herr selbst legte sie mir auf meine Zunge.
„Sehet, ihr seid aus nichts, und euer Tun ist auch aus nichts; und euch zu wählen ist ein
Greuel.“ So spricht der Herr durch Jesaja.
Doch schauet, eine Lichtgestalt scheint euch gegeben. Noch nie hat sie des Volkes Willen
missachten können. Rein ist sie. Noch nie hat sie Beschlüsse fassen können. Unbescholten ist
sie. Noch nie hat man sie in Ratsversammlungen gelassen. Unbeschmutzt also ist sie und es
glänzet ihr Haar. So horchet doch, was kommet von draußen rein, holahi, holaho ...
Bei euch indes geschehet Unrecht, verstocket sei ihr, seid wahre Bürger des verderbten Roms!
Habt ihr die schmalen Jahre eures Augustus schon vergessen, der außer Frieden euch nichts
gebracht, und wollt ihr nun nicht einem Nero folgen, der mit circensischen Spielen euch zu
entzücken vermag, mit einem herrlichen Kolloseum, das eure Innenstadt bis hin zum Forum
voller Leben füllen ließe?
Bürger von Coburg, was rede ich euch von Augustus, von Nero, von Rom! Aus dem Stile
meiner Zeit sind diese Bilder, als wir Prediger gewohnt waren, von Rom, von Babylon, der
Hure, und Jerusalem, dem himmlischen, zu sprechen, vom Dämon der verruchten Schlange
am Baume der Versuchung und vom Antichrist, vor dessen Götzen aus Gold, Silber und Erz
die Menschen sich niederwerfen, wie zu lesen ist in der Offenbarung des Johannes.
Aber fürchtet auch Euch, Kreaturen der heutigen Zeit, und tuet Buße, denn nahe ist euch der
Tag des Jüngsten Gerichts, der in diesem Jahr auf den 2. März fällt und an dem ihr zu
entscheiden habt in der Wahl zwischen Verderben und Erlösung.
Vergesset nie: Coburg ist der Mittelpunkt der Welt, dort entscheidet sich das Befinden des
Erdkreises. Auf euch ruhen die Hoffnung und die Ängste der ganzen Menschheit. Längst
macht ihr einen Wahlkampf, der dieser großen Verantwortung gerecht wird, denn üppig ist er
und spiegelt so recht den vollen Schlamm dieser Welt. Allen zeigt ihr, dass es hier in Coburg
um das Geschick dieser Erde geht. Dafür gebürt euch Lob und Ruhm, denn schon spricht alle
Welt von euch und ihr ergötzet die Menschen jenseits eurer Mauern und schenket ihnen
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Heiterkeit. Doch wie sagt der Evangelist: „Weh euch, die ihr jetzt lacht; denn ihr werdet
klagen und weinen.“ – Ihr werdet wahrhaftig klagen und weinen, wenn ihr nicht nehmt, was
euch geboten.
Was sprach ich von Nero – eurer Zeit liegt ein Berlusconi näher! Doch glaubet mir:
Irgendetwas habt ihr gegen diesen Namen. Ich weiß gar nicht, was an diesem wackeren Mann
so verwerflich ist – er könnte doch jetzt den Prodi ablösen! Schaut mal über die Grenzen der
euch bekannten Welt hinaus, blickt über den Itzgrund hinaus nach Italien und seht euch diesen
Prodi an – ersticken ließ er Italien im Müll, in chaotischen Zuständen, Korruption, Mafia,
Aufständen, verbotenen Zonen, Pest und Cholera.
Ja, erkennt es denn niemand von euch? Ja, ist denn euer Verstand verfinstert? Seid ihr der
Unwissenheit verfallen durch die Blindheit eures Herzens, wie das der Heiden, von denen
Paulus an die Epheser schreibt und die verdammt waren? Geht in euch, tuet Buße und
erkennet: Das sind genau die Zustände wie in Coburg, das ist das gleiche Versagen eurer
Stadtführung, die diese Stadt schon ins Elend, in die Verwahrlosung und in das Chaos
gestürzt hat und sich schon in Auflösung befindet. Seht ihr nicht die Berge von Schutt und
Erde neben dem Bahnhof, seht ihr nicht Josias-Denkmäler aufgestellt ohne Rasen und Baum,
so also heroische Größe mit Füßen tretend, seht ihr nicht Busbahnhöfe auf Plätzen, wo sie
nicht hingehören? Werden eure Schuhe etwa nicht nass, wenn sie bei Regengüssen über den
Schlossplatz geführt werden? Seht ihr nicht täglich die Heere der Arbeitlosen zu nächtlicher
Stunde im Hofbräu herumlungern? Wagt ihr bereits nicht mehr durch ganze Steinwege zu
gehen, ist die Stadt im Grunde nicht schon fast ganz entvölkert, weil alle hinaus auf Wallfahrt
ziehen zu Sankt Lauter, dem Götzen, mit seinen süßen Verlockungen von OBI, EDEKA und
BURGER KING? Stehen bei Euch nicht die Läden leer, weil man so unsäglich lange warten
muß, bis die Mieten endlich wieder gestiegen sind? Hat euch eurer Stadtchef, dieser
„Totengräber der Innenstadt“, und mit ihm die gesamte undemokratische Mehrheit des
Stadtrats nicht tyrannisch zu einer solchen Katastrophe geführt?
Ja, und da könnte jetzt jemand kommen, der diesen Coburger Prodi endlich ablöst? – Ich weiß
also nicht, was für euch daran so schlimm ist, den Berlusconi ins Gespräch zu bringen. Aber
er sollte dann natürlich schon selbst erscheinen und nicht einer, von dem so ein aberwitziger
Minister gesagt hat, er stelle nur einen „Möchte-gern“ dar. – Es sei denn, der Minister hat
gelogen, wie das alle Sozis, diese Ketzer, so gerne tun. Der Produzent im Coburger Süden ist
sicherlich gar kein „MÖCHTE-GERN-Berlusconi“ – der hat sich schwer dagegen verwahrt, ein
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solcher zu sein. Und wenn das aber so ist, dann braucht ihr den Berlusconi aus Italien gar
nicht herzuholen.
So ihr aber noch keinen habt, der euch wahrhaft führt und ihr noch „umherirrt in der Wüste
und den Weg zur wohnlichen Stadt noch nicht fandet“, wie es im Psalm 107 heißt, da habet
ihr einfach angegriffen die kürzlich heiliggesprochene IHK, die nicht andres tat, als einmal
voller Mut, mit allem Risiko und Tapferkeit – viel mutiger und tapferer als ihr, ihr zauderndes
und kriechendes Gewürm – einen von euch Kandidaten in dem ihm gebührenden Dreck zu
ziehen. Da traut ihr euch dann und greift sie an und schädigt sie. Wie steht sie jetzt da? Als
eine Einrichtung, die ihre Grenzen überschritten und einen Rechtsbruch begangen hat? Ja
schämt ihr euch nicht für einen solchen Wahlkampf? Hättet ihr sie nicht bestürmen sollen,
euch weiter zu verunglimpfen im Interesse der blühenden Wirtschaft euer Stadt?
Glücklicherweise kann ich euch euer sündiges Verhalten vergeben, da sich ja herausstellte,
dass es der Mut nur eines Einzelnen war und die anderen den Pilatus vertraten, der seine
Hände in Unschuld wusch.
Kein Wunder, dass es eurer SPD bei einem solchen Verhalten schon die Sprache verschlagen
hat, dass ihr die eigenen Worte ausgingen, wodurch sie Anleihen nehmen musste bei
Aussagen unbescholtener und aus dem Zusammenhang gerissener Bürger.
„Es geht uns blendend hier“ wurde also wieder abgehangen, so dass die Coburger Bürger
weiterhin rätseln dürfen, wie es ihnen wirklich geht. Man hört da so ganz unterschiedliche
Meinungen. Dafür setzte die SPD nunmehr auf die neuen Plakate: „Echt“ – „....Rückgrat ...“ –
„Starker Kapitän, starke Mannschaft“. Wie man sieht, hat ihr es also offensichtlich immer
noch die Sprache verschlagen – und das alles in der vielleicht am meist gehassten Farbe
Deutschlands, der Farbe der Telecom.
Überhaupt diese Plakate da überall in eurer Stadt.! Jerusalem, das himmlische, schmücket sich
mit güldnen Türmen und Toren. Ihr Verderbten, ihr aber schmücket eure Stadt mit Schildern
voller Sprüche und Köpfe. Da ist das mit dem Meister Amend, dem Kopf mit dem festen
Blick. Kauft ihm mal Karten für’ne Operette von Léhar, damit er’s hört: „Immer nur lächeln,
immer nur lächeln, immer vergnügt“. Und dort das mit eurem Coburger „Crocodile Dundee“,
dem Benzel Wolf-Rüdiger – menschlich, ökologisch und heiser. Ja, und „Indiana Jones“
hängt da auch um die Ecke, der kundige „Jäger des verlorenen Schatzes“ von der ÖDP.
Doch Gott wohl gefällig ist das Plakat der christlich-sozialen Unionisten; es hat ganz viele
Köpfe und sie blicken alle auf zu DIR, mein Herr, und warten auf Deine Worte. Doch sie
merken gar nicht, mein Herr im Himmel, dass der Ober“echt“-Kastner auf seinem Plakat
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bereits „erfahren“ mit DIR telefoniert und die Augen dabei recht schön hinaufverdreht zu DIR
– und so werden sie vergeblich warten auf die göttliche Eingebung. Der „JC“ will... wer ist
dieser JC eigentlich? JC ... JC, der schreiben läßt, dass er irgendetwas Windiges nach Coburg
bringen will? Die „Freien Wähler“ zeigen auf jedem Plakat einen anderen großen Kopf. Ja,
wissen die noch gar nicht, dass sie sich schon gemeinsam für eine Kandidatin entschieden
haben? Aber vielleicht kennen gar nicht alle von ihnen diese Kandidatin, wo sie doch auf ihre
Plakate schreiben: „Eine kluge Stadt braucht einen klugen Rat“. Die FDP hat’s auch schon
gemerkt: „Zeit – das Richtige zu tun“. Irgendwie plakatiert sie mit diesem Spruch
aufopferungsvoll für alle Parteien. Der Herr sei mit ihr und reiße sie aus dem Schlund der
Vergessenheit!
Jetzt, glaube ich, habe ich alle genannt, die wichtig sind. Doch holla – „tandaradai, tandaradei,
schoene sanc diu nahtegal. Under den linden an der heide, da mugt ir sie vinden, tandaradei.“
Unter den Dächern von Coburg, da finden wir kein klein Bildchen von ihr. Tandaradei, eine
Edle machet man rare. Das Kandidieren ist auch so schware. Manches ist schnell gar zu keck,
und dann man es rasch versteck!
Oh, vergesset wieder diesen Tand der weltlichen Poesie, verderbtes Volks. Schauet lieber auf
eure irdische Mühsal und vertrauet denen, die der Herr euch zur Wahl gestellt. Sie alle haben
plötzlich „Kompetenz“ – der Amend, der Kastner, der Klumpers sowieso, die Gruberin auch –
ja, ja, die auch, sagt sie’s doch selbst! Coburg, die Stadt der Kompetenz. – nur wenn das so
wäre, warum müsst ihr euch dann die beste Kompetente von auswärts holen? Vielleicht weil
eine freie Unternehmerin einem Coburger freien Unternehmer so beeindruckt hat?
Fensterheber aus Keramik – getöpferte Fensterheber, das wär’ vielleicht ein Exportartikel in
die Toscana.
Unserm Bruder Gerhard hat’s heute aber arg mitgespielt das Journal aus Coburg und ihm die
Duzfreundschaft mit dem Kastner Norbert aufs Butterbrot geschmieret, auf dass Alle es
wissen, was keiner noch nicht wusste. Ein Schelm, der sich nichts dabei denket. Doch, Bruder
Gerhard, was sagt dazu eigentlich deine Duzfreundin? – Die Christine? Die Christine aus
Grub? Ist sie nicht pikiert? Ist sie nicht eifersüchtig? – Aber so ist halt nun mal die Art von
Bruder Gerhard: freundlich zu allen, aber nie sich auf eine Seite schlagen. Unabhängig sein
und die Personifizierung der Alternative zu seinen beiden Duzfreunden(innen). Sich selbst
duzt er auch – das nimmt er nicht so eng.
Doch die Frau Kandidatin aus Grub! Süß sind mir der Bibel Worte, doch honigsüßer noch
schmeichelt sich ein der Kandidatin Hymne. Lauschet und lasset euch erfreuen: „Christine,
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wir danken Gott dafür, dass du gekommen bist. Mit dir hat Coburg wieder Kraft, unmögliches
wird jetzt geschafft. Ein Stern, der Deinen Namen trägt, der über Coburg schwebt, den
schenken wir dir heut. Wenn Coburg wieder lacht, dann ist das Werk vollbracht. Ein Stern,
der deinen Namen trägt, der hat es dann geschafft in die neue Zeit.“ Oh, glücklich der, der
dies gedichtet, denn wie heißt es so trefflich bei Mattheus: „Selig sind die Armen im Geiste,
denn ihrer ist das Himmelreich.“
Oh, verschreckte Gemeinde! Oh, ihr verschreckten Seelen ob solch himmlischer Gewalt, die
daherkommt in schwärzester Blasphemie und euch zu vernichten droht! Doch noch schlimmer
wird’s euch kommen, denn schon wird in Coburg an einem Komplott gestrickt, das eure
Seelen in süße Stricke binden wird. Ja, merkt ihr denn noch gar nichts?
Keine Kugelschreiber, keine Luftballons, nein: nur ein Gläschen süßer Honig! Merkt ihr
immer noch nichts? Ich sehe schon, ihr wart noch nie in einem Bürger-Café, wo die
Kandidatin immer zu keiner Zeit anzutreffen ist. Nur viele Gläschen süßer Honig werden dort
feilgeboten! Warum wohl? Doch nicht, weil der Herr den Salomon sagen lässt: „Findest Du
Honig, iss nur, so viel dir bekommt, sonst wirst du ihn satt und erbrichst ihn“. So besonders
wahlkampfgeeignet ist dies nicht! Nein, nein, ihr müsst zum Kino gehen, das ihr „Utopolis“
nennt. Und dann sehet ihr, dass dort ein Film läuft mit einem Titel: „Das Honigkomplott.
Geboren, eine wilde Biene zu sein“. Merkt ihr es jetzt? Das ist der versteckte Hinweis, dort
haben sie sich eine Lücke ihrer Verschwörung gegeben! Honig, überall Honig – vom
Steinweg aus verteilt in der ganzen Stadt: Honig in den Büros, Honig in den Banken, Honig in
den Geschäften, Honig in den Kneipen, Honig in den Haushalten – süß und klebrig zieht er
eure Seelen an und pappt sie fest wie die Fliegen an der Rute. Will einer den Honig nicht, so
schadet er der Wirtschaft; isst einer den Honig nicht, so vermehrt er die Arbeitslosen; löffelt
einer den Honig nicht, zerstöret er die Innenstadt; schluckt einer den Honig nicht, so beleidigt
er die .... Imker, und – oh, so achtet – es sticht euch hinterrücks die „wilde Biene“, „denn“ –
so heißt es in den Sprüchen Salomons – „die Lippen der fremden Frau sind süß wie Honig,
hernach aber sind sie bitter wie Wermut und scharf wie ein zweischneidiges Schwert“.
Verzaget nicht, meine verschreckten Seelen! Noch habet ihr hier keine Bananenrepublik. denn
um Honig geht es und nicht um Bananen. Doch tuet Buße, denn der Herr hat gesagt: „Ich bin
gekommen, zu rufen die Sünder zur Buße, und nicht die Gerechten.“ Dann werden eure
Gebete erhöret werden, denn durch diese kann die Kandidatin wieder zu sich finden und sie
wird es euch lohnen.
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Höret, wie das vonstatten geht: Gehorsam lohnet der Herr und so folget sie demütig ihren
Gebietern bis zum heutigen Tag, den der Herr segnen möge. Sie lernet von ihnen williglich,
sie lernet von Postgebäuden, die Investoren gehören und an Eigentümern verkauft werden
sollten; sie lernet von Millionen, die in Lauterischen Biotopen verbuddelt werden, sie lernet
von Innenstadtkonzepten, über die nie abgestimmt worden ist, sie lernet, dass bei Mehrheiten
keine Demokratie möglich ist. Gut kann sie ihre Texte. Und dann saget sie auf den großen
Foren alles, was sie gelernet und was sie gehöret hat – und was sie höret. Doch sind eure
Gebete fleißig, dann zieht sie manchmal das Stöpselein aus dem Öhrlein und sagt, was sie
selber meinet. Und vernehmet dann: Sie wünschet sich „eine neutrale IHK“. - Oh, nun ist
euch wahrhaft gegeben eine reine Seele und es glänzet ihr Haar. Aber vernehmet gleichwohl
auch: Ihr Postgebäude werde erst genutzt, wenn die Stadt ihr wohlgefällig sei und sie
gewählet werde. Seid geduldig mit ihr, denn von draußen kommt sie rein. Lasset ihr das
Postgebäude. Dort wenigstens kennt sie Leute, die mit ihr reden. Lasset ihr das Postgebäude,
so sie kann wachsen daran und begreifen, dass sie das Stöpselein nicht allzu oft ziehen sollte
aus dem Öhrlein.
Nehmet euch ein Beispiel an den Menschen eines kleinen Ortes südöstlich eurer Mauern am
Forst. Von dort höret man, dass sie gereuet haben, mit Ruten seien sie durch die Straßen
gegangen und gegeißelt hätten sie ihre Rücken zu Blute, Feuer hätten sie angezündet zur
Reinigung ihrer sündigen Körper, die Glocken hätten geläutet des Tags und des Nachts zur
Bekenntnis ihrer Sündhaftigkeit. Denn auf sie habe zugetroffen, was Elisa vom Herrn für die
heidnischen Syrer erbat: “Schlage dies Volk mit Blindheit! Und er schlug sie mit Blindheit“.
Und so habe der Herr zweimal verhindert, dass die größte ihrer Töchter in die Versammlung
des Rates gewählt wurde. Dieser Tage aber bauen sie in ihrem Dorf am Forst ein
Töpferdenkmal, errichten einen Toskanaplatz und sponsern eine Pizzeria Chianti. Und
ersehnen den Tag ihrer Rückkehr, um durch treffliche Wahl in den Rat gut zu machen, was
sie gesündigt haben. „Nun, es ist noch Hoffnung für Israel“, wie der Herr im Buche Esra
schreibt, denn die Gruber vertrauen auf euch Coburger, dass ihr einen dritten Anlauf im Dorfe
am Forst noch möglich machet.
Oh, ihr verschreckten Seelen, hadert nicht mit eurem Schicksal, dass ihr das nicht bieten
könnet in eurer Stadt. Denn wie sagt Samuel: „Die mit dem Herrn hadern, müssen zugrunde
gehen; über ihnen wird er donnern im Himmel.“
Nun prasset nicht und saufet nicht, schwatzet nicht und grinset nicht. Kasteiet euch von der
irdischen Lust, die zum tiefsten Pfuhle der Hölle führt, denn der zweite Tag des Märzen ist
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nahe! Ihr höret wohl, dass ihr Bürger seid Babylons, der eitlen, die dem Mammon noch
immer nicht genug den Platz einräumt, der ihm gebührt, die nicht genug krieget vom Segen
des Goldes, das ‚HUKpack’ auf sie kommt und ‚broselig’ auf sie tröpfelt. Und die das
vergeudet in Hochmut und Stolz, was ihr gegeben von denen, die kennen die wahre Kraft des
Mammon, – des Mammon, der gelenkt sein will dorthin, wo er nutzt, von denen er kommet.
Sehet, euch wird gesagt, ihr vergeudet den Mammon, weil ihr gründet Orte des Handels fern
eurer Mauern. Büßet alle, die ihr hinausgeeilt seid in Scharen dorthin, wo es nichts nutzet
denen, denen teuer es sein muss innen in der Stadt, wenn dort sich vermehret das Angebot des
Kommerzes. Büßet, denn ihr verachtet des Volkes Willen! Büßet, wenn ihr abstimmet mit den
Füßen und behauptet, ihr seiet das Volk. Büßet, denn nicht aufrichtig wünschet ihr den OBI in
eurer Innenstadt. Heuchler seid ihr – und euer Kastner auch. Möge er doch endlich ehrlich
bekennen, dass ihm längst schon am liebsten wäre, neue Märkte neben dem Real, neben dem
Dehner, dem Adler, dem Profimarkt zu bauen, damit er endlich den Vorwurf los wird, er
fördere nur die Lauterer Höhe. Ja, der Kastner Norbert: Wenn er nicht persönlich mit Gott
dem Herrn telefoniert, liest er manchmal die Bibel. Dort findet er die Worte Hiobs über den
Herrn: „er läßt nicht über sie regieren einen Heuchler, das Volk zu drängen.“ Dann fürchtet
der Kastner Norbert sich, er blättert weiter in dem Buche des Herrn und findet wieder ein
Wort Hiobs: „Denn der Heuchler Versammlung wird einsam bleiben; und das Feuer wird
fressen die Hütten derer, die Geschenke nehmen.“ Dann freut der Kastner Norbert sich, weil’s
die andern trifft. So wird auch aus dem Kastner Norbert ein frommer Mann!
Ja, ja, der Nobbi. Ein aufrechter Kerl ist er, der so gerne mit dem Flugzeug geflogen ist und
Auto-Ralleys mitgefahren ist mit dem Mann aus dem Coburger Süden, zu dem er Freund war
wie einst David zu Saul. Doch damit hat sich’s ausgekreiselt – und am Flughafen war er nicht
mehr so sonderlich interessiert. Nur Radfahren tat er danach immer noch. Und dort durften
mitfahren, wenn’s der Kahle gut organisiert hat und der Hinterleitner es erlaubt, alle seine
eigenen Mannen, die trittfest behaupten, zum Tafelrund zu gehören. Manche haben ja keine
Zeit – die zum Beispiel müssen rennen von einem Sozialdienst zur anderen
Kulturveranstaltung und retten nebenher die Bilderschätze dieser Stadt oder die Puppen
Coburgs. Schade, dass beide Norbert heißen, so kann man sie nur in der Größe vergleichend
auseinanderhalten: der große Norbert und der ... – ach, lassen wir das; Gerechtigkeit ist nicht
Sache dieser Welt. Dafür aber siegt dann schon mal auch euer Verein, wo man mit den
Händen schleudert die runden Dinger in das richtige Tor – nicht gegen Gensungen/Felsberg
und Willstätt-Ortenau (wo sind die eigentlich?), aber gegen Bittenfeld. Und dann wird aus
dem Kastner Norbert immer ein wirklich großer Mann!
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Ein solcher Mann braucht ein Halle – breit und hoch sollte sie sein, in einsamer Flur sollte sie
stehen vor der Stadt, auf dass die Menschen herbeiströmen können aus allen Herren Länder zu
gewaltigen Spielen der Ballschleuderer und anderen Vergnügungen....
Oh, David, du hast nicht mit Saule gerechnet. Der wollte es selbst schön haben bei sich vor
der Schwelle seines Palastes. Höret die Geschichte, oh Säumige und Unwissende, wie sie
geschrieben stehet:
„Saul wandte sich an das Volk der Stadt seiner Residenz und sprach zu ihm: ‚Ihr liebet das
Innere eurer Stadt. Sehet, ich schenke euch eine große Halle, sie wird liegen auf einem Anger
vor der Schwelle meines Palastes im Süden eurer Stadt. Die Menschen werden herbeiströmen
aus allen Herren Länder zu dieser Halle, sie werden wohnen in einer Karawansei, die ich auch
errichten lassen werde euch zum Glanze. Von dort werden die Menschen kommen hinein in
das Innere eurer Stadt und euch Reichtum und volle Geschäfte geben. Bücher werden sie
kaufen, Bratwürste und Klöße werden sie essen, Sättel werden sie bauen lassen für ihre
Kamele, Stoffe nähen lassen für ihre Zelte, und die Preise werden steigen für alle Läden, in
Wohlstand werden sich meine Getreuen wälzen.’ Doch das Volk war ungläubig und Saul
zürnte. Das Volk bekam zu spüren den Zorn Sauls, der ausschickte sein reich beschenktes
Heer und es besetzen ließ die Straßen der Stadt mit seinen Worten. Da blickte das Volk auf
David. Doch David spielte die Harfe und sagte nichts, mit Tränen füllte der Herr seine Augen,
wenn er an seine Halle dachte draußen auf der Höhe bei den Zedern. Da beugte sich das Volk
und viele verstanden: Sie sollten ihre Stimme erheben für die Halle vor der Schwelle des
Palastes des Sauls, um ganz neu zu gewinnen die Innenstadt, die ihnen schon verloren war.
Und die Hälfte des Volkes und ein paar Mannen mehr erhoben ihre Stimme. Da frohlockte
Saul, denn nun musste er sich nicht suchen ein neues Volk. Doch Saul ward vom Herrn
getäuscht, denn sündhaft war sein Stolz und sein Hochmut. Die besten Führer des Heeres
Sauls verließen ihren Platz und wandten sich ab vom Geschlagenen des Herrn. Dem Herrn
war dies wohlgefällig. Sie erhoben ihr Haupt und scharten sich um einen der ihren, der sie
hinausführen sollte aus der Bedrängnis ihrer Seelen. Sein Name war Amendiél, was heißet:
der im Herrn Ruhende. Amendiél und seine Getreuen stellten sich gegen die List der Magd,
die Saul hatte gerufen von jenseits des Libanons, und sie ließen David seine Harfe spielen und
frohlocken, so sich sein Auge nun wieder netzte über die Süße der holden Muße. Dann trugen
Amendiél und seine Getreuen mit Hilfe des Herrn davon den Sieg und sie führten Israel zu
neuer Größe und Herrlichkeit. Amen.“
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Oh, verdammet ist das Volk, das nicht leset die Worte des Herrn, das verzaget in der Furcht
vor irdischen Göttern. Heiliger Zorn erfüllet mich darob wie einst Moses, als er stand vor dem
Goldenen Kalb, das sein Volk sich errichtet hatte im Unglauben und um das es tanzte.
Höret, meine Söhne und Töchter, und öffnet das Ohr eures Herzens – auch so spricht der Herr
durch Jesaja: „Sehet, ihr seid aus nichts, und euer Tun ist auch aus nichts; und euch zu wählen
ist ein Gräuel.“. Doch in all dem Haufen von cupiditas potestatis humana, von menschlicher
Gier nach Macht, gibt es einen, von dem der Herr ebenfalls durch Jesaja sagt: „Seht das ist
mein Knecht, den ich stütze, das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen. Ich habe
meinen Geist auf ihn gelegt, er bringt den Völkern das Recht. Er schreit nicht, er lärmt nicht
.... Das geknickte Rohr zerbricht er nicht und den glimmenden Docht löscht er nicht. Ja, er
bringt wirklich das Recht.“
Lasst ab von den Sündigen, suchet diesen einen, das Weizenkorn im Spreu. An seinen Taten
werdet ihr ihn erkennen. Folget den Worten Sirachs, wo er sagt: „Sei nicht zänkisch vor
Gericht, und halte den Richter in Ehren“. Amen.
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Seele and Geist
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